nebst,
adv. und präp., eine weiterbildung von neben. II.
herkunft und formen. I@11)
nach gramm. 3, 105 (
und Weigand 2, 206)
soll nhd. nebst
und benebst
aus nnl. nevens
und benevens
geborgt sein, eine ansicht, die J. Grimm
an dieser stelle nicht mehr würde vertreten haben, denn aus den bei ebens (
th. 3, 16)
und benebens, benebenst, benebst (
th. 1, 1467
f.)
gemachten andeutungen läszt er ebens
aus ebenst
und benebens
aus benebenst (
verkürzt benebst)
entstehen, d. h. aus dem superlative des zu grunde liegenden adjectivs eben,
so dasz wir einen abfall des auslautenden t
anzunehmen hätten wie z. b. in den mhd. nebenformen diens, gans, guns
für dienst, ganst, gunst (
mhd. wb. 1, 371
a. Weinh.
mhd. gramm. § 177,
alem. gr. § 177).
dagegen spricht schon der umstand, dasz nebenst (
nd. nevenst),
aus dem nebens (
nd. nevens)
entstellt sein soll, immer als die jüngere form und nebens
als die ältere auftritt; auch das bei Keisersberg
vorkommende adverb ebens (
sowie alebens
in Mones
anz. 8, 523)
ist nicht als kürzung des superlativs von ebenst
aufzufassen, sondern als eine adverbiale weiterbildung von eben. I@22)
wir nehmen also an, dasz sich zunächst unabhängig von einander aus nd. neven
und oberd. neben
eine durch s
erweiterte adverbialform (
gramm. 1, 1020) nevens
und nebens (
wie vergebens)
gebildet hat: diese zeigt sich nur spärlich in oberd. quellen vom ende des 15.
bis ins 17.
jahrh., aus jener ist durch epithetisches t
die form nevenst, neffenst (Schiller-Lübben 3, 182
b. Richey 173)
entstanden und als nebenst
in nord- und mitteld. dialekte, als nebst
in die hochd. schriftsprache eingedrungen. der bildung wegen ist zu vergleichen nd. wegens
aus wegen (Kramer 1, 511
c),
mnd. jegens,
hamburg. jegenst,
altfries. jens
und jenst
aus jegen (
gegen),
s. th. 4
1, 2, 2200. Richthofen 843
b. I@33)
die einzelnen formen. I@3@aa) nebens
bei Keisersberg,
in der Villinger chronik (
vom j. 1637)
und in den österr. weisth. (17.
jahrh.),
ausnahmsweise auch einmal beim Schlesier Gryphius (
P. Squentz 14 neudruck)
statt nebenst,
wobei das nd. neffens
eingewirkt haben mag. I@3@bb)
elsässisch nebends
aus nebend: nebentz Braunschweig
chirurg. (1498) 54
b, nebends Sebiz
feldbau 357.
auf gleiche weise ist mnd. evendes
gebildet aus evend Schiller-Lübben 1, 751
b. I@3@cc) nebenst.
das zu grunde liegende nd. nevenst, neffenst
erscheint zum ersten male in der aus der zweiten hälfte des 16.
jahrh. stammenden bremischen chronik von Renner: neffenst dem abte (Schiller-Lübben 3, 182
b),
sodann in Richeys
hamburg. idiot. (1755) 173,
während die übrigen nd. und nl. wörterbücher nur die formen nevens
und neffens
aufweisen (beneffens Kil. 36
a, nevens, neffens Kramer 1, 217
c.
brem. wb. 3, 228,
ostfries. neffens Stürenburg 352
a).
von Bremen und Hamburg aus scheint nun das wort in der ersten hälfte des 17.
jahrh. eingang in norddeutsche, sodann in mitteldeutsche schriftwerke gefunden zu haben, wofür die titel von büchern, liedern u. s. w. lehrreich sind, auf denen nun statt des früheren sampt
ein nebenst
vorzukommen anfängt: nebenst angeheffter wütender tyrannen böser unthaten. Weller
annalen 1, 142 (
ohne ort vom j. 1631); nebenst romanischem jubilate. 1, 154 (1631); nebenst des Agathananders heldenthaten.
Parthenia (
ohne ort vom j. 1632); nebenst .. andächtigen gebetbüchlein. Weller 2, 133 (
Lüneburg 1649); 5 stimmen nebenst dem basso continuo. 2, 44 (
Leipzig 1649); nebenst etlichen exempeln. C. Ziegler
von den madrigalen (
Leipzig 1653); nebenst den gewöhnlichen melodeien. 2, 103 (
Danzig 1656); nebenst vier hundert dencksprüchen. Schoch
poet. lust- und blumengarten (
Leipzig 1660); nebenst einer erzehlung. Prätorius
weiszenfelsisches wundergesicht (
Leipzig 1678); nebenst dessen lebenslauff. Lohenstein
ged. (
vom j. 1689); nebenst einer vorrede von der deutschen poesie. Hofmanswaldau
ged. (1695); nebenst beigefügtem persianischen rosenthal. Olearius (
Leipzig 1696).
wie aus den übrigen unter II, 2,
b, β mitgetheilten belegen ersichtlich ist, wird das wort um eben diese zeit von schriftstellern in Hamburg (Rist),
Pommern (Micrälius),
Preuszen (S.
Dach),
Sachsen, Hessen und besonders in Schlesien schon verwendet, aber von keinem oberd. verfasser gebraucht. lexicalisch verzeichnet findet es sich erst bei Ludwig
teutsch-engl. lex. (1716) 1316,
sodann bei Kramer 2, 153
a, Aler 1457
a, Steinbach 2, 115
und Hederich 1686;
mundartlich aus Franken bei Schm. 1, 1713
Fromm. I@3@dd)
durch ausfall des n
entsteht in Schlesien die form nebest (Gryphius
lustsp. 166
Palm),
die endlich zu nebst
wird, neben welchem sich aber nebenst
im 17.
jahrh. noch fortbehauptet, z. b. bei Lohenstein
und Stieler (
in der sekretariatkunst), bis im 18.
jahrh. nebst
allein als gültige form in der schriftsprache erscheint. lexicalisch tritt es zuerst auf bei Erberg 530
b,
sodann bei Ludwig
a. a. o. (
auszer neben, nebenst, benebenst), Kramer 2, 153
a und Frisch 2, 10
c mit der bemerkung '
für nächst',
und es unterliegt wol kaum einem zweifel, dasz dieser zur präposition gewordene superlativ mitgewirkt hat zur entstehung des verkürzten nebst.
so finden wir z. b. schon in Stielers
sekretariatkunst (1674) nechst
und nebst
nebeneinander in denselben redewendungen: nechst treulicher empfehlung. 2, 83; nechst getreuer anbefehlung. 135. 160. 167
und nebst getreuer empfehlung. 104
u. o. IIII.
bedeutung und gebrauch. II@11)
adverb, nur oberdeutsch in der form nebens, nebends. II@1@aa)
zur seite, seitwärts: wich nebens usz. Keisersberg
bilg. 118
c; flieht nebens usz. 119
b. II@1@bb)
in verbindung mit localen präpositionen. II@1@b@aα) nebens an
wie annebens: wann ich hab gesehen einen .. man, der geworfen ward mit eim stein nebentz an die nas bei den augen. Braunschweig
chirurg. 54
b; (
die nuszbäume) solten nutzlicher nebends an den wegen, dann in den feldern gepflantzet werden. Sebiz
feldbau 357. II@1@b@bβ) nebens bei, bei nebens
wie beinebens: si stont nebens by den fluosen. Keisersberg
bilg. 171
b; bei nebens auch das wenige, so ich .. zue samen gesuecht.
Villinger chron. (1637) 9
Glatz; und da bei nebens ainer betretten wurde.
österr. weisth. 6, 189, 6 (17.
jahrh.). II@1@b@gγ) nebens zu: dann teilet sich das wasser nebens zuo beden sitten. Keisersberg
bilg. 73
a. II@22)
präposition mit dativ (
nd. neffens, neffenst
auch mit acc. brem. wb. 3, 228. Richey 173),
deren gebrauch sehr eingeschränkt ist durch die synonymen neben, sammt, mit, dazu, auszerdem, und. II@2@aa)
zur seite von, wofür jetzt nur neben
gebraucht wird: nebst diesem sonnenbilde stehet das zeichen des löwen ... abgebildet. Lohenstein
Armin. 1, 567
a; indem itzt unser ruhm schon nebst den sternen scheinet.
Cleopatra 114, 380; vor ihm liegt der tod, nebst ihm liegt das leben. Withof; wir gingen nebst denen wasserwerken vorbei. Haller
tageb. 63. II@2@bb)
zugleich mit, auszerdem noch, sammt, sowie. II@2@b@aα) nebens: ire steuer und andere anlagen nebens iren ausständen.
österr. weisth. 6, 538, 22 (17.
jahrh.); es het sich .. ein seichtgelehrter dorff-schulmeister nebens etlichen seines gleichen bei mir angemeldet. Gryphius
P. Squentz 14
neudruck. II@2@b@bβ) nebenst,
bei nord- und mitteldeutschen schriftstellern des 17.
jahrh. (
s. auch die belege unter I, 3,
c): nebenst noch anderen Slaven. Micrälius 2, 182; Karl der grosze hat nebenst der deutschen regierung auch die deutsche poeterei herfür gesucht. Opitz (1644) 1,
vorrede 7
b; sol ich deine tapfre thaten alle schreiben in ein buch nebenst deinem klugen rahten. Rist
poet. schaupl. 25; ja, man musz selbander fliehen und zu schantzen vor das thor nebenst andrer umpflicht ziehen. S. Dach 932
Öst.; nebenst zwei schmalen confect.
Jucund. 204; nebenst mir,
auszer mir. 59; da nebenst andern wissenschaften auch die wolredenheit .. zuwachs empfangen hat. Schuppius 850; nebenst verwündschung unsterblicher glückseligkeit. A. Gryphius
horrib. 22
neudruck; den ich nebenst meiner schwester so lange zeit vergebens gesucht habe. Chr. Weise
kl. leute 172; wir nebenst unserer gemahlin. Stieler
sekretariatkunst 2, 10; nebenst unserer hulde. 2, 177; der nebenst andern ritterlichen übungen auch eine pythagorische schweig-schule angerichtet. Butschky
Patm. 19,
vergl. 52. 99; nachdem er nebenst seinem volke sich auszer der gefahr gesehen. Hofmannswaldau
vorrede; nebenst andern bedienten enthielt sich auch in seinem hofe Eginhard.
heldenbr. 1; historie, welche ich auch nebenst itz-gedachten andern .. mit beibringen will.
pers. rosenth. 7, 20 (
s. 91
b). II@2@b@gγ) nebest: nebest seinem alten schlepchen von corduan. A. Gryphius
lustsp. 166
Palm. II@2@b@dδ) nebst: nebst darzu gehörigen instrumenten. Weller
annalen 2, 47 (
Gotha 1658); nebst ... empfehlung göttlichen schutzes. Stieler
sekretariatkunst 2, 146; nebst verleihung eines erwünschten frölichen kirchgang. 2, 67; nebst beigefügter ... kalter schaale. Weller
annalen 1, 191 (
vom j. 1684); Arminius ... nebst seiner durchlauchtigen Thusznelda. Lohenstein
Armin. titel; kriegs-knechte ... nebst der gefundenen reichen beute. 1, 60
b; ja ihre gedanken .. legten die gegen ihr täglich bezeugte ehrerbietungen nebst denen öftern veränderungen des fürsten .. für verräther seiner vermummeten liebe aus. 154
a; nebst beigefügten vielen andern tractaten. Opitz (
Breslau 1690)
titel; nebst denen herrlichsten kunstrednern. Stieler
sprachkunst 2; nebst denen nachdrücklichen bei-worten. Hofmannswaldau
ged. (1695)
vorrede a 8
b; nebst einer deutschen mythologie. c 2
a; nebst einer vorrede.
schles. Helikon (1699)
titel; nebst denen daran gebundenen quasten. Besser (1732) 471; nebst sechs noch anderen herren. 484; wir nahmen einen guten theil dieses getränkes, nebst vielem zucker und andern delicatessen von dieser insul mit.
Felsenb. 1, 63; nebst vielen höchst-nöthigen dingen. 77; er suchte nebst mir (
zugleich mit mir). 147; wohnhäuser nebst guten scheuern und ställen auferbauen. 159
u. o.; (
blumen) die sich nebst ihrer süszen last, vom zephir sanft bewegt, sanft auf und nieder beugen. Brockes 1, 68; der nebst der ratzen muht Achilles wuht besang, Homer. 1, 581; dann wird man nebst dem bild auch mein gedächtnisz ehren. Drollinger 77; die ufer wissen nebst den höhlen von ihrem grimme zu erzählen. Lichtwer
fab. 96 (3, 3); der vater meines grafen .. kam nebst meinem vetter zu uns. Gellert
schwed. gräfin (1763) 10; so folgte sie uns ganz getrost nebst ihrer tochter .. nach Amsterdam. 48; antwort des professors, nebst zwo taxen. Rabener (1755) 3, 303; die beiden vormünder nebst des letztern frau.
briefe 5; nebst allen übrigen personen. Uz 2, 232; nöthigte den Pollio .., sich nebst Plancus mit seinem freunde Antonius zu vereinigen. Voss
Virg. bucol. s. 169; er befahl ... Anthien nebst zwei groszen hunden hinein (
in die grube) zu werfen. Bürger 267
a; er kam .. nebst seinem jüngeren bruder .. auf die hiesige akademie. Kant 10, 465; fabeln ... nebst abhandlungen (
titel). Lessing 5, 355; er hat müssen auf der wahlstatt liegen bleiben, und ist so, nebst allen andern schwer verwundeten, den Russen in die hände gefallen. 12, 135; und keines war so kühn sich um die saure pflicht nebst ihnen zu bemühn. 1, 108; was nebst dem kinde noch die gräfin immer fester an ihren .. Guido band war Gloriande seine schwester. Alxinger
Doolin 1, 16; ich geb ihnen nebst freiem tisch fünf und zwanzig gulden im jahr. Stilling
wanderschaft (1780) 31; so hatte sich da eine schar neugieriger damen und herrn nebst einigen schönen geistern versammelt. Knigge
umg. (1790) 3, 87; nebst einigen entschlossenen eilte der hauptmann .. nach den ufern. Göthe 17, 158; husaren, die nebst ihren anführern wohl empfangen und bewirthet wurden. 24, 32; man hatte mir, nebst mehrern verwandten .. einen guten platz angewiesen. 24, 315; auf diesen lärm werden die acht verschwornen .. mit feuerwerken, die nebst den petarden .. zubereitet worden, an den vier ecken zünden. Schiller 4, 154; die stadt Gent .. sah den hunger nebst seinem ganzen gefolge .. sich nähern. 9, 37; auch wurde festgesetzt .., besagte bildsäule nebst dem feigenbaume gemeinschaftlich zu unterhalten. Wieland 20, 65; wollt ihr uhren nebst gehenken wohl verkaufen? Chamisso (1872) 1, 158.