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unbefleckt

mnd. bis Dial. · 7 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

unbefleckt part.-adj.

Bd. 24, Sp. 274
unbefleckt, part.-adj. adv., eigentlich nur der bildung nach gegentheil von befleckt, in bedeutung und gebrauch selbständig entwickelt, wobei bedeutungsentlehnung, und zwar nicht nur vereinzelt (zeitschr. f. d. wortf. 4, 131), in betracht zu ziehen ist. vgl. immaculiert Heyse - Böttger 432a; immaculatus, intemeratus, intaminatus, incontaminatus, illibatus, impollutus; it. immacolato; fr. immaculé; engl. immaculate; mhd. unbevlecket wb. 3, 338a; Lexer 2, 1770; mnd. unbevlecket Lübben-Walther 429a; mnl. onbevlecket, ombevleckt wb. 5, 278; nl. onbevlekt wb. 10, 1109; schwed. obefläckad; luxemb. onbefleckt wb. 313b. in bedeutung und gebrauch begegnet es sich vielfach mit dem adj. rein; doch verneint dieses die trübung der eigenart durch fremdartiges, unbefleckt die befleckung. vgl. auch mhd. unbewollen und die part.-adj. des älteren nhd. unbemakelt (Abraham a S. Clara etwas f. alle 2, 792), unbemasset Schmidt els. wb. 374a, unbemasget (ein onbemassgten gotsdienst Hedio chr. 278a), unbemaselt (ein reyne onbemaselt geistligkeit Clemen flugschr. 3, 209), unbemeiligt, unbemaligt (das unbemaligte .. opffer Fabri underr. f 2b; unbemailigte warheit Guarinonius gr. 1047; die unbemailigten Procopius patrociniale 749). die gröszte spannung besitzt der begriff etwa in der buch- und dichtersprache des 17. jhs.; sparsam und wirksam erscheint das wort in der class. litt. und später, wie rein (th. 8, 693 f.), durch die geschlechtliche bedeutung (nl. wb. 10, 1113, 2) eingeengt. das wort unbefleckt, das der vernünftige in unseren tagen so ungern und so vorsichtig in den mund nimmt, ist seit dem kirchlichen process der jesuiten (!) und der dominicaner über die empfängnisz der mutter gottes nicht so arg strapazirt worden Hebbel I 10, 231. die verbalen verbindungen wie unbefleckt bleiben, sich erhalten, bewahren u. s. w. bedürfen hier keiner belege. auch wenn es sich um präpositionale verb. handelt, überwiegt verbale auffassung; es seien verzeichnet unbefleckt von Zwingli d. schr. 1, 60, mit Fischart binenk. 180b, vor (wie mhd.) Hegel 1, 7; an: der rainen keuschen unbefleckten junckfrauwen an leib und an gemt Tauler serm. cciia; in: in jeder neigung unbefleckt J. A. Cramer ged. 1, 213. mit gen. wie rein th. 8, 681: das sie ein einige natur haben, ohn befleckt des zusatzs mit feuchte oder kelte Paracelsus 2, 9c. das adj. 11) in überwiegend sinnlicher bedeutung. 1@aa) auf verneinung sich beschränkend: deren (sind) zweyerley, eins mit braunen masen oder mackeln, das ander unbefleckt Ryff confectbuch b va; die unbefleckten brunnen Opitz op. 3, 270; taubenschwingen Stifter 1, 74. auch ausdrücke wie sein unbeflecktes unschuld-kleid Dach 157, mit unbefleckter hand Gryphius trauersp. 655 gehen sichtlich von der sinnlichen vorstellung aus. 1@bb) über verneinung hinaus zu positivem inhalt hinstrebend bedeutet es 'hell, klar, lauter, schimmernd': mit unbeflecktem schein Weckherlin 1, 277; ganz unbefleckte sonnen Lohenstein Ibrahim 68; der stifter unbefleckter flammen Gottsched ged. 81; ein unbeflecktes kindes-auge J. Paul 1, 17; vgl.: seine ehre is unbefleckt wie der tag Nestroy 2, 343; in dem ... unbefleckten lichte einer wahren tugend Cramer nord. aufs. 3, 436. 1@cc) von der kirchlichen anschauung sinnlicher geschlechtlicher befleckung gehen zahlreiche verbindungen aus: unbefleckte empfängnis immaculata conceptio Pauli schimpf 315; nicht nur Marias, sondern auch übertragen die unbefleckte empfängnisz des buchs Jean Paul 7, 250; selig ist die unfruchtbare, die unbefleckt ist weish. 3, 13; d. bibel 2, 167, 1 Weim.; ein unbefleckte brut Zwingli d. schr. 1, 140; jungfraw Kirchhof wendunmuth 1, 333; schosz Gengenbach 171; ehbett Zimmermann eins. 1, 144; leib Hebbel I 1, 26; legt sie in den grund, und ihrer schönen, unbefleckten hülle entsprieszen veilchen A. W. Schlegel Shakesp. 3, 335 (Hamlet 5, 1). von abstractem: unbefleckte jungferschaft Zesen Rosenm. 221; keuschheit Harsdörffer gespr. 1, cvia; reinheit Stolberg gesamm. werke 8, 133; sittlichkeit Ranke 25, 111. die eigenschaft ritueller unbeflecktheit bezeichnend: des unschuldigen lambs und unbefleckten Keisersberg bilgersch. b iiiia; Droste-Hülshoff 3, 202; ein unbeflectiʒ opher Ködiz 12, 19; ein reiner und unbefleckter gottesdienst Jac. 1, 27; Schade sat. 2, 10; Lavater verm. schr. 2, 348; Hippel lebensl. 1, 329; verallgemeinert Thomasius ged. u. erinn. 4, 27. vgl. oben unbeflechtig. 1@dd) wie sich schon gegen ende von a, b, c ergab, stehen zahlreiche bildliche ausdrücke auf der grenze sinnlicher und unsinnlicher bedeutung: (die weisze farbe) ist die fünffte essentia, ein reines unbeflecktes kind Böhme 5, 99; hier dringt ein reiner dolch durch unbefleckte brüste Lohenstein Arm. 1, 243a; thut er auf Abram grosz, auf unbeflecktes blut Göthe 16, 20 (jahrmarktsfest 244) Weim.; unbefleckter stammbaum Raupach kom. 1, 24; ahnen Löwen 4, 238; sogar in gerader, unbefleckter linie von jemand abstammen Klinger 6, 151; die unbefleckte rose der jugend Herder 17, 347. 22) auf das sittliche und logische übertragen. 2@aa) sittlich rein, schuldlos, unschuldig, unentweiht, tadellos, makellos u. ä. von personen und persönlich vorgestelltem: der from und unbeflecket ist in seinem thun ohn arge list Dedekind chr. ritter e va; dem zarten, unbefleckten ertzengel Ayrer proc. 578; ein heilige und unbefleckte gesellschaft Guarinonius grewel 271; man .. sol klug seyn wie die schlangen und unbeflekket wie die schwaanen Harsdörffer gespr. 5, 303; (engel) führen den unbefleckten geist .. vor den thron des vaters Iselin verm. schr. 2, 213; der .. unbefleckte .. lama Ritter erdk. 4, 270; ein gutmüthiger mann, ein unbefleckter, Ludwig XVI. Laube 4, 193; eine so frische, harmlose, unbefleckte natur Freytag 14, 236. besonders gern von persönlichen eigenschaften: ein unbefleckt gewissen Mathesius ausg. w. 3, 190; Paracelsus 2, 579; Klopstock Mess. 4, 100 u. o.; trew Moscherosch ges. 2, 148; sitten Schottel 137; unschuld Wieland I 3, 31; ehre I 3, 68; ruhm Zimmermann eins. 1, 79; tapferkeit A. W. Schlegel Shakesp. 6, 319; wandel Schiller 12, 560; ruf Alexis Isegr. 1, 257; adel Hebbel I 6, 239; namen Allmers marschenb. 1, 228; unbefleckter und sittenreiner charakter Mommsen m. gesch. 1, 360. aber auch von andern begriffen wie: in einem unbefleckten leben H. Sachs 7, 246, 30 Keller; ein unbefleckt gespräch Gryphius trauersp. 275; ein unbefleckter schertz Hoffmannswaldau 1, 365; wohnhaus gewissenhafte priester a 4b; erbtheil Brentano 5, 223; fahne Grillparzer 2, 141; tempelhallen Droste-Hülshoff 3, 90. 2@bb) objectiv, logisch richtig, probus, probatus, sincerus: seines (gottes) unbeflegkten gesetzes flugschr. der schwärmer g. Luther 28 neudr.; unbefleckte, reine und unbemailigte warheit Guarinonius 1047; was in die natur glaubt, das .. musz auch gegen der natur unbeflecket sein Paracelsus 2, 496; auff unbeflecktem weeg Aeg. Albertinus seelengejaidt 43, 9 neudr.; pfand eines unbefleckten gehorsams Weise redner 11; spöttisch: die scheinheilige fürsorge der regierung für die unbefleckte reinheit der wählerschaft Mommsen m. geschichte 2, 248. 2@cc) sogar von personen sincerus im briefschlusz: meiner liebwerthesten Silvie unbefleckter und unveränderter Florindo Weise erznarren 213 neudr. adv.: unbefleckt empfangen sine labe originali concepta; di seelen, di hi inn der wonung des leybs .. keuschlich und unbeflegkt lebten Schwarzenberg Cic. 54b; die tugend, die nie schändliche rückkehr kennt, in hohem ruhme glänzet sie unbefleckt (virtus repulsae nescia sordidae intaminatis fulget honoribusHoraz carm. 3, 2, 17) Herder 26, 213; unbefleckt fliegen sie ihren weg dahin 16, 154. oft dem part. nahestehend. steigerungsformen: alle und iede kräuter .. dienten gott unbefleckter als die alberen menschen Lohenstein Arm. 1, 553a; die keuscheste unbefleckteste seele A. U. von Braunschweig Oct. 1, 163; die schönsten und unbeflecktesten früchte vern. tadl. anh. 39; das gepräge der einfachsten, unbeflecktesten sitten Knigge rom. 1, 81, 13. subst.: man lehrt die cantzel selbst auf unbefleckte wüthen Gryphius trauersp. 378; zuflucht der unbefleckten Olearius verm. reiseb. 55. —
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Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    unbefleckt(verneintes Part. Prät.=) Adj.

    Köbler Mnd. Wörterbuch

    unbefleckt , (verneintes Part. Prät.=) Adj. Vw.: s. unbevlecket

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Unbefleckt

    Adelung (1793–1801) · +2 Parallelbelege

    Unbefleckt , -er, -ste, adj. et adv. der Gegensatz von befleckt, nicht befleckt, auch im figürlichen Verstande. Ein unbe…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    unbefleckt

    Goethe-Wörterbuch

    unbefleckt [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  4. modern
    Dialekt
    unbefleckt

    Mecklenburgisches Wb. · +1 Parallelbeleg

    unbefleckt makellos, unbestraft Ha.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit unbefleckt

3 Bildungen · 3 Erstglied · 0 Zweitglied · 0 Ableitungen

Ableitung von unbefleckt

un- + befleckt

unbefleckt leitet sich vom Lemma befleckt ab mit Präfix un-.

unbefleckt‑ als Erstglied (3 von 3)

unbeflecktheit

DWB

unbefleckt·heit

unbeflecktheit , f. , nl. onbevlektheid nl. wb. 10, 1114. spätmhd. durch Tauler ( s. u. ) bezeugt. mnd. unbevlecketheit Lübben-Walther 429 a…