gebreite,
f. alte nebenform zu breite
f., im ackerwesen, von gewissen feldstücken; ein neutr. s. unter 3. 11)
auch breite selbst, von J. Grimm II, 359
nur flüchtig berührt, ist alt, s. Schmeller 1, 269
aus Baiern agri qui vocantur prayten (
vom j. 1220),
mon. bo. 13, 361, auʒ meiner praiten, die da heiʒʒet die pachprait. 18, 193,
also auch in eigennamen übergehend; vergl. aus Straszburg: j breit acker Scherz 185.
alte belege aus Schwaben und Österreich s. bei Lexer 1, 347,
von wiese unterschieden: ain wis und ain praiten.
font. rer. austr. II, 6, 247.
in Ulm heiszt noch eine gasse auf der Breite,
urspr. ackerland, in Rottweil ein platz die Breite,
urspr. des küniges gebreite,
s. Schmid
schwäb. wb. 94.
ebenso in Verona ein platz, urspr. la Braida,
jetzt la Brà (Schm.
2 1, 370),
denn das wort war schon von den Langobarden mit nach Italien gebracht, in urkunden braida, breida,
s. C. Troyà
cod. dipl. lang. 5, 326. 478. 657;
vgl. Ducange
s. v. Adelung
gibt als bedeutung aus seiner zeit, nach dem öcon. lex. 377:
ein ebenes und in éiner fläche, ohne rain oder andern unterschied hin liegendes stück feld von unbestimmter grösze, welches oft viele äcker, ja ganze hufen enthält, Frisch 1, 132
b ager latus et seminatus; noch jetzt z. b. brête
in Wittenberger gegend, eben mit jenem begriffe, götting. brede
feldflur, fläche Schamb. 32
b,
mnd. brêde, breide,
bis ins 13.
jahrh. zurück belegt, s. Sch.
u. L. 1, 416
b.
zur entstehung [] der benennung vgl. alts. im Hel. 2586 thit brêda bûland
und besonders weisth. 3, 314; Frisch 1, 132
c verwies auch auf ahd. preittan, preitan
seminare, disseminare, spargere Graff 3, 296. 22)
auch die steigerung durch ga-
ist alt. 2@aa)
ahd. capraite
grumolus, ager, auch kipreitta, gebreite
area Graff 3, 298,
vgl. Schm. 1, 269;
mhd. gebreite
f. Lexer 1, 760;
z. b. in der Schweiz: im j. 1257
hält graf Rudolf von Habsburg eine sitzung als schiedsrichter ze Altdorf an der gebreiten. Hergott II, 335; dâ ligent ouch gebreiten, die in den hof (
herrenhof) hœrent, die geltent ze zinse ix müt unde ij vierteil kernen
u. s. w. Pfeiffer
habsb. urb. 205, 20
u. ö. (
s. s. 350),
als selbstständiges grundstück behandelt. in Schwaben: in der gebreittun. Mones
zeitschr. 2, 78,
vom j. 1262.
im Elsasz: die vögete hant ouch eine gebreite ackers
u. s. w. weisth. 4, 145; und sint der gebreiten drie .. uf Witefeld eine
u. s. w. die alle heiszent gebreite.
weisth. 1, 708,
also von besonderen stücken in der flur, als eigener flurname; ein (
d. h. die) eptissin git auch den veldbannwarten (
als lohn) anderhalben acker mit (
zu) wintersaten, ane gedungt gut und ane gebreiten. 5, 401,
d. h. auszer von dem gedüngten felde und von den gebreiten, die also zu den wertvollern stücken gehören mochten; s. auch Königshofen
Straszb. chr. 632, 12
und Scherz 485,
wo auch weingärten mit dem namen erscheinen: sex agros viniferos .. et dicuntur ein gebreite. 2@bb)
aus neuerer zeit gibt es Adelung
aus der landwirtschaft Meiszens und Thüringens, »
ein breites stück feldes von unbestimmter grösze, welches aber breiter als ein gelänge,
d. i. über vier ruthen breit ist«,
z. b. eine gebreite von sieben ackern, ein stück von den herrschaftlichen gebreiten,
auch gebreitchen (
s. d.).
auch im Osterlande, in bauernmunde gebrêde
f., s. Bech
in Frommanns
mundarten 7, 254.
thüring. aus alter zeit z. b.: im dritten veilde gegen Erfurde an einer gebreite vor deme dorfe in der gebint dry ackir. Landau im
corresp. blatt des gesamtvereins der d. gesch. u. alt. ver. 1864
s. 11
a,
v. j. 1352,
wechselnd mit eine breite 12
b (
auch gelenge 11
a). 2@cc)
in Thüringen mochte es Göthen
nahe getreten und geläufig geworden sein, der gern davon gebrauch macht, während vor Adelung
die wbb. davon schweigen (
auch der Thüringer Stieler);
er berichtet z. b. am 25.
oct. 1786
aus Perugia nach Weimar von der ital. ackerwirthschaft: endlich säen sie den weizen, dann häufen sie schmale sotteln auf, dazwischen entstehen tiefe furchen .. diese verfahrungsart ist begreiflich, wo nässe zu befürchten ist, warum sie es aber auf den schönsten gebreiten thun, kann ich nicht einsehen. 27, 180.
auch als dichterwort braucht ers, und es ist dann ein solches geworden: wie herrlich liegen die schönen, reichen gebreite nicht da, und unten weinberg und gärten. 40, 273 (
Herm. u. Dor. 4); zu des Rheins gestreckten hügeln, hochgesegneten gebreiten. 4, 165; kamen durch schwärzliche fette gebreite. 40, 54 (
Rein. fuchs 3); (
das auge irrte) lüstern und liebend umher .. auf den güldnen gebreiten wogenden korns. Kosegarten
dicht. 3, 24 (
inselfahrt 1804
s. 14). 33)
jetzt steht es übrigens als neutr. in den wbb., seit Campe (
auch schon bei Heynatz
antib. 2, 9),
dem das fem., das doch Adelung
aus dem leben entnahm, nicht glaublich war; dafür machte er sich auf der stube ein subst. verb. das gebreite,
wiederholtes, schlechtes breiten u. ä., und ordnete diesem jenes unter. aber auch Göthe
braucht als dichter ein neutr. gebreit,
breites gebiet, ausgebreitetes gefilde o. ä., das sich ihm aus dem vorigen worte des lebens bildete: durch dieser nachtbedeckten felder still gebreit, mit unbemerkten schritten, stürm ich (
kriegsgöttin) rasch heran. 11, 255 (
vorspiel 1807).
Doch auch für jenes erscheint wirklich ein n. in alter zeit, im untern Elsasz, wie schon Graff 3, 298 gabreiti
n. ansetzte: diser hof hat auch das recht zu den dreien gepreiten, ist (
d. h. heiszt) eins zu Hundsbühel, das ander zwischen den zwei wassern, das dritte zu Siebenackern.
weisth. 1, 688,
d. h. es ist da als collectivum behandelt (
sp. 1610),
was es doch eigentlich nicht ist, sondern eben eine steigerung des einfachen wortes, wie mhd. genæhe
f. gleich næhe,
nhd. gezeit
gleich zeit, gebild
gleich bild (
sp. 1623).