tribut,
m. (
n.),
aus lat. tributum.
das wort ist zuerst und vorübergehend ins westgerm. (
ags., ahd.)
entlehnt. die früheste bezeugung fällt in das 9.
jh., ags.: trifetum
tributis bei Zupitza
kent. gloss. d. 9.
jh., nr. 426;
die nur dem Tatian zugehörenden ahd. belege haben verschobene form: thribuʒ 93, 2; tribuʒ 194, 2.
zum zweitenmal wird das wort in das spätmhd. (
s. die belege u. 2)
und mnl. (tribuut, -uyt, -uet)
aufgenommen. das genus, soweit erkennbar, ist n., vgl. daz tribute (1378) E. v. Kirchberg
chron. Meckl. (
u. 2); es sy ein tribut xin ('
gesin'), das man von Cristo inzogen hat Zwingli
v. freiheit d. speisen 28
ndr.; doch ist das masc. im deutschen seit dem 16.
jh. gesichert. —
besonders häufig begegnen verbale verbindungen wie tribut geben, zahlen, entrichten, bringen, zollen. 11) '
steuer', '
abgabe'
; veraltet. 1@aa)
als ausgangspunkt der entlehnung musz die durch die evangelien geläufige provinzialsteuer, die die juden als römische untertanen dem kaiser entrichteten, angesehen werden: thesan fundumes eruuerbenti unsera thiota inti uuerentan then tribuʒ geban themo keisure (
tributa dari Cesari) inti quedan sih Crist cuning uuesan
Tatian 194, 2 (
Joh. 18, 30); so sag uns hie on allen spot, ob man dem keisser tribut sol geben
bei Mone
schausp. d. mittelalters 2, 241; aber do sye (
die Juden) yetzundan worend kummen under den römischen gewalt, do muostent sye zoll und tribut geben Keisersberg
postill (1522) 4, 25
a; den zinszgroschen, welchen dazumahl ein jeder Jud den Römern zum jährlichen tribut bezahlen muszte Dannhawer
catechismusmilch 3, 183.
von den einkünften Roms überhaupt; die bedeutung wie unter 2
liegt nahe: as do die Romer alle die werlt under sich hadden ind eyn yeclich lant yen tzyns ind tribuyt geven moyst v. Harff
pilgerfahrt 21
[] Groote; tribut und schatzung mancherley ... (
römischer) provintzen Kirchhof
wendunmuth 2, 459
lit. ver. 1@bb)
von hier aus bezeichnet tribut
überhaupt und damit auch im bereich deutscher staatlicher verhältnisse die regelmäszige steuerliche abgabe: erdcuniga fon uuen intfahant thribuʒ odo zins, fon iro sunin odo fon fremiden
Tatian 93, 2; auch scheiden und sprechen wir, daz lanndgraue Herman sein lebtag lanng der zolle zu Lynss ... gantz unbeswert beleiben und volgen sol ... und nachdem die keyserliche majestat ein tribut aus demselben jarlichs behalten hat, mit welichem jarlichen tribut lanndgraue Herman sich und das stifft beswert beduncket (1478)
urkundenb. f. d. gesch. d. Niederrheins 4, 498
Lacomblet; (
Karolus) bott, das die zehenden, quarten, zins und tributt, die er an das gotzhus geben, vorus und voran vor allen zinsen und grechtigkaitten geben sölten werden (
um 1490) Gallus Öheim
chron. v. Reichenau 60
Barack; wir seind gaistlich personen und ausz der welt; derhalb seind wir auch gefreyet von den weltlichen tributen Hans Sachs 22, 44
lit. ver.; der keiser ist der obrist in der welt, dem zuogehort tribut, schatz und gelt
N. Manuel
vom papst u. s. priesterschaft v. 1535
Bächtold; denn wer der herrschafft heuchlen thut und uber armer leute blut im land ein new tribut erdenckt Ringwaldt
lauter warheit (1597) 227; dasz ein landesfürst zu erhaltung des gemeinen wesens von denen unterthanen einen leidentlichen tribut könne fordern Abr. a
s. Clara
etw. f. alle 1 (1699) 24; (
dasz der könig) von seinen unterthanen statt tribut ... wahren kindlichen gehorsam fordern werde J.
M. Miller
predigten f. landvolk (1776) 3, 115;
vgl.: kinder sind der nützlichste tribut, den ein bürger bezahlen kann Hippel
über d. ehe (1774) 23;
in Schweizer mundart ist die bedeutung erhalten: trebut '
steuer' Stucki
ma. v. Jaun 179.
im sprichwort, von einem habgierigen, erpresserischen landes- oder oberherrn: es müssen ihm auch die todten tribut geben Eyering
prov. cop. 2, 575. 1@cc)
seltener bedeutet tribut
auch sonderabgaben und zahlungen wie regale, taxen, zölle, gebühren u. s. w., vgl. vectigal tribut (
voc. ex quo, 15.
jh.)
bei Diefenbach 608
b und viele ähnliche glossierungen. z. t. ist das moment der regelmäszigkeit hierbei nicht mehr vorhanden: in dem hausz Pilati wonet der stathalter des soldans und lest kain bilgram darein geen, dann mit grossem gelt und tribut
geystlich strasz (1521) e 4
a; dasz jetz von nun hin alle jar ein guldiner pfenning vom selben gottzhusz für ein tribut dem apostolischen stul bezalt soll werden Äg. Tschudi
chron. helvet. 1, 40; (
die öffentlichen dirnen von Avignon) die vom bapst in der statt gefryet, wil sy ir tribut geben Felix Platter 226
Boos; bey den alten ist der ledige stand verächtlich gehalten worden, so gar, dasz sie bey den Griechen und Römern mit gewiesen jährlichen tribut belegt gewesen Harsdörffer
frauenz.-gesprächsp. (1641) 3, 48; wie der pabst einen sehr reichen tribut von den galanteriehäusern in Rom (
erhält) Menantes
satyr. roman (1719)
vorr. 5
a; bettelmönche (
werden in den kirchenraum) hineingesetzt, den geistlichen tribut einzutreiben Seume (1826) 3, 68; '
judenzoll': dasz die
V. (
d. i. Veit) allerdings den dortigen tribut bezahlen musz, für 4 wochen hat sie einen freyschein erhalten Caroline 2, 206
Waitz. im compositum; eine naturalabgabe: offagium eyertribut Kilian (1777)
bei Diefenbach 393
c;
ähnlich, von butter als tribut
an den wagmeister, s. Staub-Tobler 5, 999. 1@dd)
in verblaszter bedeutung. von einer zahlung, die den gegenwert einer empfangenen leistung darstellt: der tribut, den alle länder und fürsten ... für kunstwerke an Rom bezahlen, ist ganz auszerordentlich Archenholz
Engl. u. It. (1785) 2, 217; (
die) terasse von Lena hat er schon längst an die Portugiesen gegen einen tribut abgetreten Ritter
erdk. 1, 144.
ein ähnlicher, uneigentlicher beleg, der bedeutung nach wie '
ertrag': wolt nun frücht und etwas tribut han syner arbeit Judas Nazarei
v. alten u. neuen gott 23
ndr. [] geradezu wie '
geschenk', '
gabe': 'la monarchie des sollipses', ist ein kleiner tribut aus meiner büchersammlung für meinen schutzpatron, ihren gemahl Gottschedin
briefe 2, 239
Runkel; ein namenstageslied sah aus der tasch heraus, denn das war sein tribut an dieses hohe haus Zachariä
poet. schriften (1763) 2, 76; (
der oheim Textor) wie er gegen die dornen mit alterthümlichen handschuhen, als tribut überreicht von zollbefreiten städten, sich vorsichtig verwahrte Göthe 33, 160
W. 22)
von der vorigen bedeutung '
steuer'
weiterentwickelt, ist tribut
die abgabe, die einem besiegten durch den siegreichen gegner auferlegt wird; so bis heute: Sassin und Düringen kunde her (
Karl d. Gr.) mechtig twingen, waz der lant waz uf den Ryn, iglich gab daz tribute syn (1378) E. v. Kirchberg
chron. Mecklenb. bei Westphalen
mon. ined. 4, 598; es sprechen die wysen: wer sich in gezwang gibt und underwürffig macht sînen veinden, der hilfft inen wider sich selbs. das ich weisz, sobald sy befinden unser gemüt, das wir tribut geben wolten, sy würden das als trygelten, das es uns unlidlich were
buch d. beisp. d. alten weisen 101
lit. ver.; nach dem und Schweden zinszpar war dem köngreich Dennmarck manig jar, ... wolt Schweden kein tribut mehr geben Hans Sachs 8, 528
lit. ver.; die heydenschaft über mere ..., die zuo diser zeit dem kung von Cicilia tribut gab Arigo
dec. 272
lit. ver.; wir lesen, das Cabades, der könig in Persien, sich beschweret habe, den Euthalitis tribut zu geben Barth
weiberspiegel (1565) f 1
a; dieser sieg machet uns ein so mächtiges reich unterwürffig, welches sich wohl ehmals gelüsten lassen, ... einen sclavischen tribut von uns zu fodern Ziegler
asiat. Banise (1689) 673; wenn man sie unter die zahl derjenigen (
völker) rechnet, die ihren tribut schuldig sind Zimmermann
v. d. nationalstolze (1758) 301; hinweg denn mit dem knechtischen tribut, dem schosz an jenen inselkönig Geibel (1893) 2, 88;
insbesondere findet seinen sprachlichen niederschlag das deutsche bewusztsein von der Awaren- und Türkensteuer: kaiser und könig (
haben) den Ungern tribut und zins bis auf könig Hainrichen I. geben Aventin 1, 53
Lexer; (
kaiser Ludwig und Konrad I.) musten ihnen (
den Awaren) ... einen jährlichen tribut versprechen S. v. Birken
Donaustrand (1684) 130; so entzog er schon den Hunnen den erzwungenen tribut v. Schönaich
Heinrich d. Vogler (1757) 2; darnach wolt er im (
dem Türken) geben bey alle seinem leben den tribut wol ausz dem landt
volks- u. gesellschaftslieder d. 15. u. 16. jh. 66
Kopp; so sind wir niemandts nüt verbunden zu dienen, dann allein dem Türcken alle jor den tribut P. Gengenbach 228
Gödecke; weil ich die schatzung zum tribut der Türken nicht zahlen konnte A. v. Arnim 15, 322
Gr. die riesigen summen, die das Deutsche Reich nach dem weltkrieg bis 1932
an seine früheren gegner zahlte, waren, obwohl von der feindesseite und schönrednerisch als '
reparationen'
bezeichnet, dem volke durchaus als tribut
gegenwärtig; meist im plural gebraucht: reichskanzler dr. Brüning hat in seinen informationen an die fremden botschafter ... die tribute ein für allemal aufgekündigt
dtsche allg. ztg. v. 10. 1. 1932; 67 milliarden tribute geleistet! die deutsche regierung hat jetzt endlich die ... stürmisch geforderte berechnung der bisher von Deutschland geleisteten tribute veröffentlicht. wir geben diese mitteilungen, die für den endkampf um die tribute von gröszter bedeutung sind, ... wieder
ebda, 29. 1. 1932.
auch componiert: (
die bank für internatinale zahlungen) wird wohl kaum mit ihren transaktionen mehr kriegstribute aus Deutschland herausholen können Rob. Liefmann
inlandskapital, auslandskap., kriegstribute (1930) 113.
hierzu [] zahlreiche zusammensetzungen wie tributabkommen, -konferenz, -kündigung, -system, -wahnsinn.
nicht nur geldleistungen sind tribut: der tempel des Theseus, der ihm noch bey seinem leben aufgerichtet worden, weil er die Atheniensier von dem schimpflichen tribute nach Kreta (
den 14
jünglingen und jungfrauen für den Minotaurus) befreyet hatte Gottsched
anm. gelehrsamk. (1751) 9, 571; dieses wilde volk erlegte seinen tribut in soldaten und wurde von seinen überwindern, gleich pfeil und schwert, nur für schlachten gespart Schiller 7, 25
G. sie (
die menschen) müssen dann des berges finstrem geist zum jährlichen tribut ein teures haupt aus ihren reihen selbst gefesselt bringen Uhland 2, 247
H. Fischer (
Cotta). 33)
bildlicher und uneigentlicher gebrauch. vgl. den in vielen stücken, z. t. fast wörtlich übereinstimmenden sprachgebrauch im französischen. 3@aa) dem meere, dem meeresgott tribut zahlen
von seekranken, '
sich übergeben': ich selbst zahlte dem meere den ersten tribut Chamisso
werke (1836) 1, 18; die übrigen passagiere zahlten Neptun ihren tribut und verschwanden bald Soyaux
aus Westafrika (1879) 1, 3.
die hervorbringende natur im bilde eines tributverhältnisses zum menschen: zu zärtlich vom tribut der felder sich zu nähren, fieng er (
der mensch) zu würgen an und lebte vom zerstören Dusch
vermischte werke (1754) 256; neben den sommer- und herbsternten hat der garten schon zu wiederholten malen seinen tribut entrichtet Melchior Meyr
erzähl. aus d. Ries (1868) 3, 142; Susanna erhielt im herbst regelmäszig von unserem birnbaum ihren tribut Hebbel I 8, 90
Werner. 3@bb) tribut
die bewundernde anerkennung, die einem menschen zufolge seiner (
äuszeren oder inneren)
vorzüge, verdienste, leistungen u. s. f. gezollt wird. besonders das 18.
jh. liebt diesen gebrauch. ähnlich bei zoll,
s. teil 16, 46: sie freuete sich zwar insgeheim der siege, die ihre schönheit über der männer herzen gewann und nahm das seufzen und girren der schmachtenden anbeter als einen billigen tribut ihrer reize an Musäus
volksmärchen (1805) 3, 36; dieses wundermädchen hatte nur zu lange auf dem engen spielraum eines schiffes den tribut entbehren müssen, an den ihre reize gewöhnt waren Thümmel
reise (1791) 6, 249; ach, wenig achtet er dein hold gesicht, dem als tribut ich staunende blicke zolle Freiligrath
ges. dicht. (1870) 6, 212; so hatte er das schmachten der zofe denn als einen gebührlichen tribut angenommen Paul Ernst
der scharfrichter (1927) 68. du gehörst zu der höhern gattung, gegen welche hochachtung ein tribut und liebe ein ruhm ist Th. Abbt
verm. werke (1768) 1, 71; ohne eifersucht sehen sie (
könige) auf die achtung, die man ihren günstlingen erzeigt, weil sie es als einen tribut ansehen, den man dem glanze bezahlt, der von ihnen auf den hervorgezogenen günstling strahlt Klinger (1809) 4, 224; achtung ist ein tribut, den wir dem verdienste nicht verweigern können, wir mögen wollen oder nicht Kant 5, 77
akad.-ausg.; gern mit einem präpositional- oder genetivobject: er ging von reihe zu reihe herum, den tribut von lob einzusammeln, der ihm aus allen lippen entgegen schallte Wieland (1796) 19, 285; tribut von bewunderung Holtei
erz. schr. 7, 66; tribut der ehrfurcht Gries
Ariosts ras. Roland (1804) 3, 60; der aufmerksamkeit Göthe IV 8, 76
W.; des beifalls H. Seidel
Leberecht Hühnchen (1899) 197. 3@cc) tribut (bezahlen)
steht in einigen wendungen uneigentlicher art mit negativem sinn, nämlich um irrtum, hinfälligkeit, unvollkommenheit des menschen, sein untergeordnetsein unter höhere notwendigkeiten oder zusammenhänge damit auszudrücken: und so ist mir recht wohl bekannt, was mich erwartet, indem ich gegenwärtig auftrete, um zu zeigen, dasz ein groszer und berühmter beobachter als mensch seinen tribut abtragen müsse Göthe II 5, 1, 165
W.; ebenso sicher aber, wie er (
Bismarck)
[] von 1850-1880 in seinen ansichten ... meteorartig aufstieg, so hat er im alter, zumal von 1885 an, der menschlichkeit seinen tribut gezahlt, ist in gewisser beziehung verknöchert Schmoller-Lenz-Marcks
zu Bismarcks gedächtnis 24; die phantasie, die uns beseligt, will auch peinigen ... das ist der tribut, den der glückliche dem allgemeinen menschenelend bezahlt
M. v. Ebner-Eschenbach (1893) 3, 84.
von zugeständnissen, die ein zeitalter einem künstler abnötigt: Lessings jugendversuche, besonders die dichterischen, sind nur als ein tribut zu betrachten, den auch der mann von genie dem zeitalter, in welchem er geboren wird, auf eine oder die andre weise zu entrichten pflegt Fr. Schlegel (1846) 2, 198; hier finden wir sein (
Winckelmanns) wahres selbst. in allen andern sachen sah man den tribut, den er der noth, der zeit, dem irrthum entrichtete Justi
Winckelmann 1, 148; Mozart zollte in den messen der allgemeinen richtung seiner zeit seinen tribut O. Jahn
Mozart 1, 462;
ähnlich: mit dem takt des politischen genies traf der Franzose gerade die punkte, die für die zukunft Preuszens den ausschlag geben sollten, weil es eben in ihnen seiner zeit und ihrer beschränktheit seinen tribut zahlte Prutz
pr. gesch. 3, 242. den tribut der natur zahlen
u. ä., '
sterben',
seit dem 16.
jh.; häufig auch die schuld der natur bezahlen,
s. teil 9, 1878: wo sie aber diesem widerredten und strebten, musten sie den tribut der natur durch sein schneidends schwert bezalen
Amadis 72
lit. ver.; ich selbst bin etwas alt, solte ich aber morgen den tribut der natur bezahlen, so wird meine liebste dieses alles erben
kunst über alle künste 86
Köhler; sterben ist der grosze, der natur schuldige zoll und tribut Bode
Tristram Schandi (1774) 5, 32; doch auch sie war diesem tribut der sterblichkeit unterworfen W. Hauff (1890) 2, 125.
ähnlich, krankheit als tribut
an jahreszeit oder witterung: ich bin theils eben sowol als sie selbst seit dem 14. december auf meinem zimmer ein gefangener und musz meinen tribut an eine witterung bezahlen, die ich von ganzem herzen hasse G. Forster (1843) 8, 37; möge ich hierdurch (
durch diese krankheit) meinen tribut für den winter abgetragen haben Göthe IV 29, 277
W. vgl. noch: ich habe doppelt ursache, ungehalten darüber (
über eis und schnee) zu sein, da ich ... noch einen andern tribut bezahlen muste. ich bin nämlich nahe bei meinem hause ausgeglitten und ziemlich hart gefallen W. Grimm
an L. Dahlmann 1, 530
Ippel.