urhab,
m., n., f. zu ahd. arhefan,
mhd. nhd. erheben (
g. ushafjan). ur- A 1
und ur- C 2
kommen in betracht. ahd. urhab, -hap,
mhd. urhap, orhab, urab (
Hiob 10624
K.), orab; urhaf,
f. Lexer 2, 2004, urhaft,
f. nachtrag 388.
vgl.hab(e)
th. 4, 2, 45 habe 6, urhub, urhueb Staub-Tobler 2, 956,
mhd. anhap,
nhd. anhab Staub-Tobler 2, 866, widerhap, urb, urbet, urbkübel, urheber, urheblichkeit, urhebung.
das m. überwiegt und ist für bed. 5
natürlich die regel; das n. erscheint noch bei Hohberg
georgica 1, 275
a, Unger-Khull 612
a,
in den mundartlichen formen das url (Schmeller-Fr. 1, 1033), das urb, urbet (Fischer 6, 297),
vgl. Staub-Tobler 2, 867;
das f. bezeugen L. Hätzer
acta und geschicht (1523) i 4
b, Thurneiszer
probierung der harnen (1576) f 8, Gotthelf
bei Staub-Tobler 2, 867, Schmeller-Fr. 1, 1033.
von den schriftsprachlichen formen seien erwähnt: urhabt
urkb. d. st. Freiberg i. S. 3, 196
und das verbreitete urheb Knorr v. Rosenroth
pseudodoxia (1680) 142; Hohberg
georg. 1, 200; 1, 275
a; Zincke
öconom. lex. (1744) 3055; Leopold
hwb. d. ökonomie (1805) 518
b; Adelung, Krünitz.
mundartliche formen: urha, -halb, -halm, urb, urbet, urebet Fischer 6, 297, ueren, nuere, nuerget, url, ural Schmeller-Fr. 1, 1033; urhop, urvot Tschinkel
Gottschee 318; urä Schacherl
Böhmerwald 41; ura Unger-Khull 612
a;
österr. nura Kretschmer
wortgeographie 587.
das im wesentlichen aufs oberd. beschränkte wort verschwindet im 17.
jh. aus der schriftspr.; von schriftstellern, die der ma. nahestehen, verwenden es noch K. L. v. Haller
und Gotthelf. Campe
bezeichnet das wort als verwerflich und für die bücherspr. ungeeignet. oberdeutschen mundarten bleibt u. (
bed. 2)
unentbehrlich, nur das neuere elsässische scheint wie das schweiz. darauf zu verzichten. einige sinnliche bedd. werden vorangestellt (1. 2),
obgleich auch abstracte (
causa Graff 4, 824)
den ausgangspunkt gebildet haben können. 11)
wenn im cgm. 206, 67
b der berg Urhab
genannt wird (was der berg U. genannt Birlinger
schwäb.-augsb. wb. 422
a),
so wird die vorstellung der erhebung vorgeschwebt haben. vgl. auch die bezeichnung der Rheinquelle: bey ursprung des vorderen Rheyns ... von desz u. und lauff hernach ... gesagt wird Stumpf
Schweizerchron. 601
a;
s. 4 Schöpper. 22)
schon ahd. ist u.
bezeichnung des sauerteigs, der den teig hebt oder sich heben läszt, so dasz er aufgeht (urhabtaig Seutter
roszarznei 400),
fermentum Graff 4, 824;
mhd. wb. 1, 646
b, 3; Lexer 2, 2004; Diefenbach
gl. 64
c; 230
c;
n. gl. 45
b; 171
a; 110
a;
fermentum höfel, saurteig, deyssam, uhrhab Megiser (1603) 1, 533
b; u.
im ulmischen der sauerteig Jacobsson 8, 58
b; v. Klein 2, 208, Loritza 137; Birlinger
schwäb.-augsburg. wb. 421
b;
kirchenschmuck 23, 23; Fischer 6, 297; Schmeller-Fr. 1, 1033; Petters
andeutungen 35;
vgl. oben bei den mundartlichen formen: ein vil wênigez u. erhevet einen grôzen troc vollen teiges
predigt des 12.
jhs. bei Schulze
bibl. sprichw. 172; in dem ersten tag so wirt niht sein urhaup in ewern heusern
cgm. 431
exod. 12, 15
Münch. museum 3, 139; du solt aber in den kruge ... legen ymber, langen pfeffer und ein u. von rohem teig
küchenmeisterei (1497) e 4
b; darumb vergleicht Christus das himelreich einem weib, das ein u. in das meel schüttet Huberinus
vom zorn u. der güte gottes (1535) 82
b; nimb u. von einem becken, so grosz als ein gansay Seuter
roszarznei (1599) 38
u. ö.; auf den sauerteich, den man in Österreich urheb nennt, gieszt man laulecht wasser Hohberg
georg. 1, 200; zum ansäuern wird vom letzten backen herrührender sauerteig, im ganzen walde urä genannt, genommen Schramek
Böhmerwaldbauer 49.
bildlich: derselben verfüerer lere wirt auch zuogeleicht dem urhab der Phariseyer und Saduceyer, vor deme Cristus gewarnet hat sein junger, die bey demselben urhab verstuoenden das materlich geurhabt und sawer prot der Phariseyer B. v. Chiemsee 115 (
Matth. 16, 4); 116
R. 33)
anhub, anfang; vgl. erheben 15.
mhd. wb. 1, 646
b, 1; Lexer 2, 2004. a)
origo Frisius 929
a;
principium, initium cujusvis rei Calepinus (1570) 1218: die allerlasterlichste sünd der abgötterei ... hat zu disen zeiten iren u. genomen G. Alt
b. d. cronicken (1493) 20
a; diese fede hat lang gewert, und wol sechs jar vergangen, das die iren u. gewunnen
Aymont (1535) r 4
b; Tschudi
chron. 1, 506; das ist der u. dises spils
schweiz. spiele des 16.
jhs. 1, 110
B. b)
rechtssprachlich schuld, anlasz: dasz wort u. (
anlasz zur klage) sind (1374)
quelle bei Staub-Tobler 2, 867, 1; wer u. ist, dasz streit entsteht, zahlt ... (
vor 1459)
ebda; wo aber der verwandt den u. getan ..., den u. uf den andern erzöugen und bringen (1539)
ebda. noch bei Gotthelf: den u. beweisen (
wer bei einer schlägerei den anfang gemacht)
u. ö. Staub-Tobler
a. a. o. im rechtssprichwort: wesz der u. ist, der soll bessern Graf-Dietherr 305
2 (
nach Schreiber
urkb. d. st. Freiburg i. B. 1, 1, 77; Fischer 6, 296. c)
im schweiz. concret das, womit man beginnt die sommerweide auf der alp zu beziehen, vieh und gerät, dann habe überhaupt: husrat und u. (1454)
quelle bei Staub-Tobler 2, 867, 2; im 1612ten jar ist der gemeind urteil erkennt, was für u. gerechnet werden solle, als namblichen alles sammen, was im haus ist, wie auch hew und veich, ist für u. erkennt
ebda; ur-, far- und barhab (1668)
ebda. 44)
ursprung, ursache, veranlassung, grund, grundlage, hauptsache u. dgl. causa Graff 4, 824; u., brunnquell Schöpper a 5
b;
caput est ad bene vivendum securitas, das ist der fürnemst punct oder das fürnemst und höchst, der recht grund und u. Frisius 189
b: also
hab ich ouch gelert, das alle urhab des guoten von got sye L. Hätzer
acta u. gesch. (1523) i 4
b; und ist disz der erste u., dasz die grafen von Windisch ... all grafen von Habspurg genämpt worden Tschudi
chron. 1, 9; von dem ursprung und u. aller breuch und miszbreuch S. Franck
chron. (1531)
titel; wein und weib ... alles bOesen ein u.
sprichw. (1541) 2, 158
b; jede nation sich derselbigen (
morbus gallicus) urhabs beschemen will Ryff
chirurgia 72
a; Fries
würzburg. chron. 37
a; von dem ersten u. aber der stadt Rhom
schweiz. spiele des 16.
jhs. 1, 109
B.; der summ urhab und ganzes wäszen würt üch der schreyber yetzt vorläszen 1, 109, 19
B.; die erste u. solcher humorum Thurneiszer
probierung der harnen (1576) f 8; von dem u. menschlicher seel Rebmann
naturae magnalia (1620)
vorr.; denn das wasser ist der erste vorrath, bauung und u. gewest Franckenberg
nosce te ipsum (1676) 43; die wurzelfeuchte oder der urheb der natur Knorr v. Rosenroth
pseudodoxia (1680) 142. 55)
persönlich, der urheber (
aber nicht wie urheber A 3
auf den autor
eingeengt)
; mhd. wb. 1, 646
b, 2;
vgl.orthabe(r).
author, coryphaeus, princeps, architectus Frisius 147
b; 339
b; 1057
a; 114
a;
conditor, artifex Schönsleder (1647) L ll 7
b;
noch von Dentzler (1716) 339
a und Aler (1727) 2, 2131
a neben urheber
angeführt: Cristus ist eyn u. unsers geloubens
heiligenleben winterteil (1471) 148
b; das haubt und der u. der gerechtikeit
schatzbehalter (1491) 169
b; der du bist der erst u. und schöpfer aller natur 348
d; ob ich oder die meinen der sachen ein u. oder anfänger seyen gewesen H. R. Hetzel
an d. rat zu Bern 1513
bei Stettler 1, 500
a; wisz auch ..., das Johann Reuchlin ... ain u. ist alles nutzes in teutschen landen Eberlin v. Günzburg 1, 3
ndr.; S. Franck
zeytb. 442
b; Herold
chron. aller erzbischoven zu Mainz 87
b;
ich habe dargethan, dasz gott aller deren ding eine u. genennet werd
Calvin institutio (1572) 146; wer der u. von thätlichen beleidigungen ist, wird ... bestraft K. L. v. Haller
restauration der staatswiss. (1816) 1, 408.
vgl. 3 b. 66)
veranlassender vorgang, hergang: Tarquinius ... was der, der die reyn Lucreciam ... überwältiget, und beschach das mit solchem urhab
schweiz. spiele des 16.
jhs. 1, 109
B. insurrectio in civitate, tumultus Haltaus 2004 (
Freiberg i. S.),
streit, zank Lexer
nachtr. 388 (
Heiligenstadt 1335); von dem urhabe zwischen dem von Wirtenberg und den reichstetten Meisterlin
städtechron. 3, 284; er einen urhabt gehoben in eines fromen mannes husz
urkb. d. st. Freiberg i. S. 3, 196. —