kritteln ,
ein volkswort, das noch nicht lange in die schriftsprache eingetreten ist. 11) kritteln,
kleinlich mäkelnd urtheilen. 1@aa)
intr.: so sind unsere krittler! jetzt kommt keiner mit rath und that, darnach aber wird des krittelns kein ende sein. Bürger 181
b; kerls, die in ohnmacht fallen wenn sie einen buben gemacht haben, kritteln über die taktik des Hannibals. Schiller
räuber 1, 2 (
kr. ausg. 2, 29); da sieht man denn gleich ... dasz der verfasser mit einem krittelnden publicum zu thun hat, über das er sich nach und nach ganz erheben musz. Göthe 38, 265; schon fangt ihr an, mangel zu empfinden, zu kritteln und zu kritisieren. Tieck
ges. nov. 5, 40. 1@bb)
trans., doch ungewöhnlich: man krittle mir den dichter, wie man wolle, sein Pindusborn setzt doch ein edles blut. Bürger
verm. schr. 1798 2, 417 (
Bellin 1, 21).
das heiszt sonst bekritteln,
das überhaupt im gebrauch allgemeiner ist als kritteln. 1@cc)
man sieht übrigens, dasz da überall an kritik
und zubehör gedacht ist, kritteln
als ein deutsches kritisieren
behandelt, und eben dieser anklang hat das wort in den höhern stil gebracht; s. dazu Klopstock
unter kritmann,
der dazu i. j. 1774
den anstosz gab, aber schon früher hatte sich der anklang aufgedrängt, das zeigt Alers gritteler,
homo criticus 983
a,
und Frisch, Stieler
unter 2,
a. 22)
verzeichnet ist es doch schon früher, aber mit g-. 2@aa)
bei Frisch 1, 374
a gritteln,
vulg., einwürfe machen, it. zanken, dubia movere, it. rixari, jurgare, das gritteln
curiositas critica (
dazu grittler, grittlich).
er ist aber dabei von Stieler 705
abhängig: grittelen,
cridare (
diesz des etymol. anklangs wegen),
rixari, altercari, jurgare, dubia movere et res ad se non pertinentes curiose et cum injuria alterius inquirere, er grittelt in allen sachen
omnia rimatur, quaecunque in controversiam vocat; dazu grittelen
n., grittelung
f. curiositas, wortgrittelung
curiositas critica, naturgrittelung
curiositas physica, der grittelung ergeben sein
nodum in scirpo quaerere; Stielers
quelle kenn ich nicht (Henisch, Schönsleder, Hulsius, Faber
haben nichts davon), Adelung
gibt unter gricklich (
s. kricklich) gritteln
als '
oberd.' ('
man könnte leicht auf κριτικός fallen')
d. h. aus Frisch. 2@bb)
es ist aber da in der bed. zu scheiden. Steinbach 1, 644
trennt denn auch zwei bed.: ich grittele,
zanke, tadele, altercor, carpo, vellico, und durchgrübele, curiose rimor (
er schöpf nur aus Stieler).
genauer scheidet schon Aler 982
b und führt getrennt auf: grittelen
zanken, grittelen
durchgrübelen, grittelen
tadlen. freilich hat der krittelnde
unter 1,
a zugleich etwas von einem kleinlichen grübler wie vom widerspruchslustigen zänker, aber dasz man jene bedeutungen doch besser scheidet, wird sich unter krittlich
zeigen (
s. d. 2,
e). 2@cc)
aber auch der echte anlaut bleibt festzustellen. schon Stieler
schwankte, denn er hat auszer grittelicht
auch kritlich 1029,
ebenso Schmotther, Frisch
auszer gritteln
auch kritlich;
die erste aufzeichnung fiel in eine zeit und in gegenden, wo gr-
und kr-
nicht mehr geschieden waren. Stielers gr-
ist beeinfluszt durch das fries. grittmann (
s. unter kritmann),
das er kannte und an das er jenes anlehnte. auffallend aber ist, dasz Aler
trotz der zuziehung von criticus (
s. 1,
c)
an gr-
festhält, vgl. unter krittlich 3,
e. 33)
mundarten bieten es nd. und md. 3@aa)
das kleinliche tadeln erscheint nd. im pomm. kritteln,
mit kleinen fehlern unzufrieden sein, he krittelt dorup,
hat diesz und jenes daran auszusetzen. Dähnert 255
b (
ohne erwähnung von kritik);
ähnlich scheint altmärk. kritteln Danneil 226
a bei sehr allgemeiner angabe (
verstimmung äuszern).
fürs westliche md. zeugt wol Schmidt
westerw. id. 91,
der krittelfax (
s. krittel 2)
erklärt: wer '
über jede unbedeutende sache seine anmerkungen macht (krittelt)',
freilich ist nicht klar, ob ers nicht blosz als hd. beisetzt; s. auch Göthes krittel,
krittelei. im osten schles. kritteln, krêteln
zanken Weinhold 47
b. 3@bb)
das zanken find ich sonst nur nd., aber in der form etwas abweichend: kriddeln
brem. wb. 2, 869 (
dazu kriddeler
zänker, kriddelije
zänkerei, kriddelig
zänkisch),
zugleich als refl. sik kriddelen
mit der etwas ausweichenden bed. sich ärgern; letzteres aber gött. sek kritteln
sich leicht und anhaltend ärgern Schambach 113
b,
das tritt wie verbindend zwischen zanken und tadeln. noch anders hamb. (
wie schles. vorhin): 'kreeteln
zanken, zwisten, die Märker sagen krekeln' Richey 138;
das lehnt sich an nd. kreet
zwist ebend., Lauremb. 6, 100 (
s. 131
Lapp.),
mnd. kyfkret
gwerra Diefenb. 272
c,
vergl. unter kreizen 2,
c, wo auch krit
vorkommt, altn. kritr
zwist Biörn 1, 477
a.
s. auch kritzen 5,
zanken. 3@cc)
in der form zu b, im sinne zu a stimmt nordostd. kräteln
kleinlich tadeln bei Hermes (
sp. 2069).
weitere aufklärung brächte vielleicht das merkwürdige kreter
sp. 2173,
wenn es selber erst klarer wäre (
zu dem nd. kreteler
das. nachträglich kreeteler
streitentscheider beim ballschlagen auf dem eise Schütze
holst. id. 2, 346);
aber das zanken und das kleinliche mäkeln lieszen sich beide nach dem thun eines solchen procurator, advocatus benannt denken. vgl. auch krattelei
kampelei und sich kretten,
streiten. weiteres unter krittlich,
das in ausgedehnterem gebrauch ist als kritteln.