vorbild,
n. ,
s. fürbild
th. 4, 1, 1,
sp. 665; forebilde Graff 3, 99;
mhd. vorbilde Lexer 3, 462;
architypus vorbild
vel vorgeschrift Diefenbach
gl. 46
b; vorbild, das, etwas uns fürgestellt nachzevolgen oder zefliehen,
exemplum Maaler 474
d; v.,
forma, imagine, ritratto Hulsius (1605) 155
a; Stieler 149; Kramer
teutsch-ital. dict. 2 (1702), 1215
c; für-
et vorbild,
typus, exemplar Steinbach 1, 105; Adelung
belegt v.
aus Luthers
bibelübersetzung, der aber furbilde
braucht (
s. fürbild
a. a. o.),
und fügt seltsamer weise hinzu: '
es ist in dieser bedeutung im gemeinen sprachgebrauche veraltet, oder vielleicht in demselben nie üblich gewesen, indem es nur noch zuweilen in der büchersprache und der edlern schreibart vorkommt',
er verwirft fürbild. —
erhaltung des auslautenden e: ain vorbilde der zuokuonfte Jesuo Christs Schede
psalmen 181
ndr.; darumb lasset euch ein solches ein vorbilde seyn Paracelsus
op. (1616) 1, 730 b. —
der plur. jetzt vorbilder,
in älterer sprache auch vorbilde: allerley herrliche exempel und vorbilde eines gottseligen lebens Luther 16, 1, 17
W.; hat der herr Zebaoth dem menschen in seinem wort unterschiedliche vorbilde gegeben Meyfart
himml. Jerusalem (1630) 2, 368;
die worte als vorbilde ... des verstandes Leibniz
d. schr. (1838
ff.) 1, 451;
vgl. die entsprechenden formen bei fürbild. 11) vor
in v.
hat zeitliche bedeutung, v.
ist also ursprünglich ein bild, das einem andern vorausgeht. die beziehung zwischen beiden kann eine ganz verschiedene sein, wenigstens in älterer sprache, die das wort in viel weiterem sinne braucht als die sprache der gegenwart. veraltet ist v.
in der bedeutung des originals im verhältnis zur copie, aber auch früher schon ist die freiere nicht immer leicht abzuscheiden, die sich nicht auf das genaue nachahmen beschränkt; von der bildenden kunst wird dieser gebrauch auf die andern übertragen: archetypus, ein v., ein exemplar, das einer für sich nimpt und nach dem ein anders macht Calepinus
XI ling. (1598) 114
a; ein fürbild in thon eindrücken Steinbach 1, 105; der knab malet und will eben die strich machen nach seinem v., aber die kunst fält im Clemen
reform. flugschr. 3, 327; ein v. ... ist ein solches bild, welches ein maler seinem schüler vormalet und darnach er sich richten soll Gottsched
beobacht. (1758) 186; dasz man an selbiger abbildung das v., von welchem es genommen ware, fast deutlich erkennen konte Lindenborn
Diogenes (1742) 2, 82; (
niederländische maler,) die ihre vorbilder aus der wirklichen natur ... entlehnen Lessing 10, 180
M.; (
sollte) nach gemählden gezeichnet werden, so sind dazu vorbilder von meistern zu wählen Göthe 47, 250
W.; als er einige laubpartieen auf meinem papiere mit ihrem vorbilde zusammenhielt G. Keller (1889
ff.) 2, 18; zum vorbilde der keuschen Zenobia ... hat mir die tänzerin Myra gedient
M. v. Ebner-Eschenbach (1893
ff.) 1, 153. — v.
und bild, nachbild, nachbildung: die niedlichsten werke, bei denen man das v. vom nachbilde nicht zu unterscheiden weisz Herder 13, 293
S.; eine beträchtliche menge römischer nachbildungen alexandrinischer vorbilder Fr. Schlegel 4, 19; weil der, der in dem glasz zu spieglen sich bemühet, sein vorbild, wie sein bild, in einem schatten siehet Warnicke
poet. vers. (1704) 144.
für uns ungewohnt in der bedeutung des originals gegenüber der übersetzung: dasz ihre übersetzungen des Tacitus ... die bündige kraft des vorbildes erreichen solten Leibniz
d. schr. (1838
ff.) 1, 471; wo ist der, der getreu im übersetzen bleibet, stark wie sein vorbild denkt, schön wie sein vorbild schreibet Schwabe
belust. (1741) 3, 241.
in anwendung auf die musik. bei der umsetzung in ihre sprache: jede leidenschaft, ... wenn sie nur durch ihre kraft verdiente ein v. des musikus zu sein Göthe 45, 125
W. 22)
mit der erweiterung des begriffes (vorbilder nicht zum nachahmen, sondern zum nachstreben Göthe 23, 164
W.)
verbindet sich meistens auch eine werthvorstellung, wobei das wort auf das gebiet des wollens und handelns, der gesamten lebenshaltung bezogen werden kann; es berührt sich vielfach mit dem sinne von muster;
die vorstellung einer vollkommenheit braucht nicht in v.
zu liegen, es geht in den sinn von beispiel
über: hô geid hum mit'n gôd forbäld föran; bî förbild,
zum beispiel ten Doornkaat-Koolman 1, 537
b;
mit exempel
verbunden: durch sein bösz exempel und vorpild Hutten
op. 1, 387
B.; uns allen ein exempel und forbild zuo zeigen Hedio
chr. Germ. (1530) f 5
b;
andere verbindungen: nach dem v. und spiegel der thier Heyden
Plinius (1565)
vorrede 6
a; zur lehr und zum v. Zinkgref
apophth. (1628) a 5.
s. die stelle aus Grimmelshausen
unter 6. v.
wird sowohl auf personen wie auf unpersönliches, sinnliches und unsinnliches bezogen: einem zum v. seyn; einem das v. der alten vor augen stellen; einem vorbilde folgen Steinbach 1, 149;
der gebrauch kann dann wieder dem unter 1
belegten sich nähern, nur dasz die vorstellung des nachbildens allgemeiner ist, oder auch dasz das nachzubildende vollkommener gedacht wird: diz pescah in ze forebilde Notker
psalm 64, 1; der soll sich zu einem v. geben allen denen, die umb ihn wohnen
M. Herr
feldbau (1551) 53
b; ein maler ... studirt an den antiken und formirt sich daraus ein v. Leibniz
d. schr. (1838ff.) 1, 389; wie viel auch hierinn der edle mann Opitz, seinem groszen vorbilde, zu danken habe Herder 25, 111
S.; der Catilina dieses landes, der nur an bosheit, nicht an einflusz, seinem vorbilde gleicht Sturz
schr. (1779) 1, 40; (
ich suchte) meinem vorbilde (
Hamlet) durch das seltsame labyrinth so mancher launen ... zu folgen Göthe 22, 26
W.; schon seit lange wünsche ich euch nachzueifern; ihr seid mein v. Tieck
schr. 11, 34; sich den andern zum v. zu nehmen G. Keller (1889
ff.) 1, 226; groszgezogen ohne v. und ohne schule Fontane I 4, 411; di was so schemelichir art, daz si was dem kuschin lebin ein vorbilde gegebin pfarrer zum Hechte
schachbuch (
ztschr. f. d. alt. 17) 198, 5; dieweil sie nicht die erste wer, sonder an den vorigen frawen mag wol ein trostlich vorbild schawen Fischart
flöhhatz 1484
ndr.; vorbilder zwingen; worte belehren nur Herder 27, 157
S.; den die mütter als vorbild den kindern weisen Hoffmann v. Fallersleben (1890
ff.) 6, 45. 33)
der von v.
abhängige genitiv kann verschiedene beziehungen ausdrücken: 3@aa)
im genit. steht die person, die nach dem v.
sich bildet oder was darnach gebildet, geformt ist; ein v. der nachherigen dichter Kretschmann
w. (1784ff.) 1, 21; die ehemaligen Griechen, der neuern nazionen v. in moral und kunst Heinse 6, 215
Sch.; unser aller menschlich schönes v. fürst Pückler
briefw. u. tageb. 6, 152; auf das man dich schandvogel kent, und ein vorbild der schänder würst Fischart
glückh. schiff 679
ndr.; Jhesus Christus sol allein meiner seelen vorbild sein A. Silesius
h. seelenlust 21
ndr.; ein vorbild weiser prorektoren Schiller 11, 300
G.; der triumphgesang der Deborah ist offenbar des liedes v. Herder 12, 63
S. 3@bb)
das v.
selbst wird durch den gen. bezeichnet: er hat das v. der frommen männern (
habet bonorum exemplum Heautont. prol. 20) Boltz
Terenz (1539) 61
a; nach des groszen Luthers vorbilde Herder 22, 162
S.; ja selbst für die tugenden des häuslichen und familienlebens wird das v. und die lehre Jesu ... unergiebig D. Fr. Strausz 6, 42. 3@cc)
der gen. bezeichnet, worin oder wodurch etwas oder jemand v.
ist: die fromen vorbilder eines heiligen lebens Seuse
d. schr. 430
B.; ein schön v. schuldiger danckbarkeit Gabr. Rollenhagen
indian. reisen (1603) 260; ein v. erhabener duldung Göthe 24, 255
W.; das gott selber das v. der werktagsarbeit gegeben W. H. Riehl
deutsche arbeit (1861) 190; die geystlichen solten predigen, lehren, mit betten dienen gott dem herrn, aller tugend ein vorbild führen Fischart
dicht. 2, 360
Kurz; ach, glichen wir, o vorbild aller liebe, dir J. A. Cramer
ged. (1781
ff.) 2, 208; ein fürstlich vorbild reiner menschlichkeit Geibel
w. (1888) 3, 239.
statt des gen. verbindung mit von: ein glänzendes v. von ehre und zucht Freytag (1886
ff.) 10, 14. 44)
die vorstellung des nachbildens, nacheiferns kann zurücktreten und mit v.
die besondere typische ausbildung bezeichnet werden, v.
berührt sich dann mit muster: thörichter! hast du deine wolfahrt auf ein weib, auf das v. der unbeständigkeit geanckert? Lohenstein
Arminius 2, 131
b; als Fama dein gedicht, das vorbild schöner sinnen, den auszug hoher kunst, auf Pindus spitze trug Richey
bei Weichmann
poesie d. Niedersachsen 1, 225.
anderseits kann die vorstellung des belehrens oder vorschreibens hervortreten und die eigentliche bedeutung unbestimmt werden: halt an dem furbilde der heilsamen wort, die du von mir gehort hast
2. Tim. 1, 13;
vgl. auch die folgende stelle: damit ein jeder, so deren dingen unerfahren ..., sich hierin gleich als in einem v. ersehen mögen Fronsperger
kriegsb. 1, a 2
b. 55)
die zeitliche vorstellung in v.
kann so ausgebildet werden, dasz ein vorangehendes auf ein nachfolgendes hinweist, hindeutet. eine solche beziehung (
präfiguratio)
wird zwischen dem alten und neuen testament (
typologische auslegung)
oder überhaupt innerhalb der heiligen geschichte hergestellt: die vorbilder des alten testaments Kramer 2 (1702), 1215
c; (
Moses) ist ein v. gsyn des waren ewigen mittlers Christi Zwingli
d. schr. (1828ff.) 1, 261; er (
Josef) gründete allen natürlichen dingen nach und kam in kürtze so weit, dasz man ihn billich ein v. des weisen Salomo nennen mag Grimmelshausen
Simpl. 4, 715
Keller; also ist das erste (
altar von erde) ein v. gewesen der erden im garten am öhlberge Butschky
Pathmos (1677) 217; von dem reich Davids, dasz es ein v. des geistlichen reichs Christi gewesen Thomasius
ernsth. ged. u. erinn. (1720ff.) 2, 267. —
ebenso nun in mannigfaltigem allgemeinen gebrauch, in dem zwischen einem vorangehenden und einem nachfolgenden eine gedankliche verbindung hergestellt wird, indem das vorhergehende das nachfolgende '
vorbildet': gibt je eins dem andern ein praesagium, vorbildt Paracelsus
op. (1616) 2, 16 a; die wiegen, darinnen wir liegen, sollen uns ein v. seyn unsrer grabstätte Harsdörffer
secret. (1656ff.) 2, 76; der kerker ists, des grabes v., dem helden wie dem feigen widerlich Göthe 8, 281
W.; er zeigte ihnen ... die vorbilder der künftigen frühlingsknospen in ihren braunen panzern Stifter (1901
ff.) 1, 305; lasz sich doch mehr bey mir disz schöne vorbild säumen Opitz
poemata 94
ndr.; (
die jungfrauen) der menschheit höchster schmuck, ein vorbild jener zeiten, wo alles klar wird seyn Logau
sinnged. 281, 58
E.; ihr künftgen dichter! Buttlers noth kann euch ein vorbild seyn. der arme dichter bath um brod; man giebt ihm einen stein Cronegk
schr. (1771
ff.) 2, 300; der edle mensch ... sei uns ein vorbild jener geahneten wesen Göthe 2, 85
W.; gräszlich naht uns mit der sense, schreck- und vorbild, das gerippe Lenau 315
B. folge der tageszeiten: des mittags vorbild zeigt sich bald in einer schönen morgenröhte Hagedorn
vers. einiger ged. 15
lit.-denkm.; schreckliche pause der bangen natur! erweckendes vorbild von der entsetzlichen nacht Zachariä
poet. schr. (1763
ff.) 4, 191.
etwa im sinne von urbild,
etwas nur gedachtes: jene wahre welt aber liegt durchaus nur im vorbilde, nie seyend, sondern werden sollend Fichte (1845
ff.) 4, 387; einfach schlief in dem samen die kraft; ein beginnendes vorbild lag, verschlossen in sich, unter die hülle gebeugt Göthe 3, 85
W. 66)
einige besondere gebrauchsweisen; die vorstellung der folge kann zurücktreten, durch das v.
wird etwas versinnlicht, verdeutlicht, vgl. sinnbild: (
das kreuz) war nur ein zeichen oder v. desz bluts und creutzes Christi Prätorius
Blockesberges verrichtung (1668) 442; die bittere myrrhen ist ein ... v. desz ehestandes Abr. a
s. Clara
mercks Wien (1680) 109; (
dessen) munteres antlitz aber gleichsam ein v. der unsterblichen seele darstellte Lohenstein
Armin. 1, 10
a; da wird die harmonie, die so vollkommen-rein, ein vorbild deiner treu und keuschen eintracht seyn König
ged. (1745) 151.
eigenthümlich in folgender stelle, wie beispiel: dasz ich mir disz leben (
das er eben beobachtet) ein v. seyn liesze deszjenigen, wie etwan der reiche mann beym Lucae am 16 eines geführt Grimmelshausen
Simpl. 3, 404
Keller; das v.
geht also hier nicht voraus, sondern folgt nach. ebenso für uns ungewöhnlich: der author der landcarten hat davon zweierlei vorbilde des alten heiligenlandes vorgestellet Danckwerth
Schleswig u. Holstein (1652) 153; v.
ist die karte insofern, als man aus ihr die gestalt der dargestellten wirklichkeit erschlieszen kann. 77)
vorbildchen, n., dim. zum vorhergehenden worte: ich pflanzte den schon einigermaszen erwachsenen pinienspröszling, v. eines künftigen baumes Göthe
w. 32, 325
W. 88)
einige zusammensetzungen mit