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vorfinden

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

vorfinden verb.

Bd. 26, Sp. 1034
vorfinden, verb. , erst dem nhd. angehörig: vorfinden et fürfinden, offendere, deprehendere, reperire, praesentem et adstantem videre Stieler 484; vorfinden, 'vor sich finden, bey seiner ankunft gegenwärtig finden' Adelung; nd. fürfinnen Bauer-Collitz 36b; das verb. ist in dasn. übergegangen: forefinde. Gottsched bezeichnet v. als niedersächsisch: hier (in vorsinnen) ist das vor augenscheinlich umsonst angeflickt, und ändert die bedeutung des wortes eben so wenig, als in dem niedersächsischen v.: welches nichts mehr als finden heiszt versuch einer crit. dichtk. (1751) 296. mit feinerem sprachgefühldoch s. die belege unter 7 — hat Adelung den gegensatz gegen finden bestimmt; vor wirkt mit seinem räumlichen sinne, es wird ursprünglich betont, dasz jemand etwas findend, vor sich sehend, bemerkend an einem ort oder in gewissem zustande feststellt; es kann zufällig geschehen oder folge einer absicht sein; natürlich ist die berührung mit dem gebrauch von finden nicht ausgeschlossen. bei der verbindung mit schon wird schärfer bezeichnet, dasz der gegenstand schon da war, ehe der bemerkende hinzukam. — für statt vor: war ich ein narren seyen dar, do find ich für ein tusent par Murner narrenbeschw. 14 ndr. als untrennbares compositum behandelt in einem unter 7 angeführten beleg des 17. jh. 11) mit gegenständlichem object: jetzt will ich nur eilen, damit sie diesen brief, womöglich bey ihrer ankunft in Wien schon v. Lessing 17, 337 M.; sie müsse bei ihrer nachhausekunft nothwendig schöne krebse v. Göthe 25, 1, 45 W.; wie es denn komme, dasz man die ächte ausgabe nur bis zum 20 ten theil, diesen nachdruck aber bis zum 26 ten vorfinde IV 37, 226; den beutel, den er beinahe geleert glaubte und in schönster fülle strotzend vorfand E. T. A. Hoffmann 11, 71 Gr.; als ich gestern meinen brief auf die post brachte, fand ich deine lieben zeilen vor Hebbel br. 7, 204 W.; dasz er nach verflusz von zwei oder drei jahren schon ersparnisse vorfand G. Keller (1889) 1, 22; so dasz Spiegel immer etwas herunter zu holen und zu knabbern vorfand 4, 274. 22) freierer gebrauch des unpersönlichen objects: (alle geschichten sind) von Moses so treu und einzeln dahingestellt, als er sie ... vorfand Herder 7, 5 S.; begnügt euch mit denen rechten, die ihr vorgefunden habt M. I. Schmidt gesch. d. Deutschen (1778 ff.) 2, 439; gewisz ists, dasz Rom der hauptort in der welt ist, wo man die wahrheit am klärsten vorfindet Heinse 10, 151 Sch.; du kannst wohl denken, dasz ich hier mancherley zu thun vorgefunden Caroline 1, 224 W.; die interessante zeitfarbe, welche er schon in dem geschichtlichen bericht vorfindet Freytag (1887) 14, 16; (dasz ich) alles in guter ordnung vorgefunden habe Moltke schr. u. denkw. (1892) 6, 152; und jetzt erstaun ich über alle maaszen, dasz ich so kuriöse bräuche hier vorfinde Schiller Turandot 2, 2. mit unpersönlichem subject: welche schwierigkeiten findet die der idee des rechts zukommende selbständigkeit hier vor Jhering geist d.m. rechts (1852 ff.) 2, 1, 21. 33) mit persönlichem object; die vorstellung, dasz jemand schon da ist, ehe ein andrer kommt, kann scharf hervortreten (beachte das praevenit bei Stieler): ich habe meinen feind vorgefunden, praevenit me inimicus meus Stieler 484; wo sie ... vier fürstliche trabanten, von einem unterofficier befeligt, vorfanden Nicolai Seb. Nothanker (1773 ff.) 1, 50; er ging daher in das wohnzimmer, woselbst er Agathen vorfand Hebbel 8, 38 W.; leider habe ich meinen obersten nicht vorgefunden fürst Pückler briefw. u. tageb. (1873 ff.) 3, 256; (ich) bitte dich, sorge zu tragen, dasz ich den knecht Jakob ... in deinem hause vorfinde Fontane I 6, 357; zumahlen er in den bebüschten gründen Beraldo, seinen freund, verhoffte vorzufinden Brockes ird. vergnügen in gott (1721 ff.) 4, 218. 44) auch im gebrauch des part. prät. tritt fast immer die besondere färbung der bedeutung hervor: bestand der vorgefundenen artillerie, munition und gewehre Lessing 18, 464 M.; so hätte gott die welt aus nichts als einer vorgefundenen materie schaffen können Bode Montaigne (1793 ff.) 3, 467; über die unbekannten gab ihm ein vorgefundener katalog den erwünschten aufschlusz Göthe 24, 116 W.; das nest befindet sich stets in einer vorgefundenen höhle eines baumes Naumann naturgesch. d. vögel (1822 ff.) 5, 368; die auf den genommenen piratenböten vorgefundenen gemeinen ruderer Mommsen m. gesch. 4 3, 114; vorgefunden: erstens dein gedicht auf die Meersburg A. v. Droste-Hülshoff br. (1893) 48 Sch. 55) auszerordentlich häufig erscheint das verbum in reflexivem gebrauch; auch hier trennt das sprachgefühl, wenigstens das jetzige, im allgemeinen deutlich genug zwischen sich vorfinden, sich finden und sich befinden, aber berührungen und übergänge finden statt (s. unter 7), besonders können in vielen fällen sich finden und sich vorfinden vertauscht werden: zwei bogen des von Müller beschriebenen manuscripts haben sich im nachlasz noch vorgefunden Herder 12, 384 S.; dasz ich daraus abnehme, er (ein einwurf) müsse sich bei jedem leser ... vorfinden Kant 3, 62 ak. ausg.; (es) fällt mir auf, dasz an einen ... freund wie Zelter kein besonderes gedicht in dieser ganzen sammlung sich vorfindet Göthe 4, 82 W.; (steine,) an denen sich noch drei ausgehölte steinsitze vorfinden br. Grimm dt. sagen (1891) 1, 124; dann dürften sich verschiedentliche beobachter v., das gegentheil zu behaupten Holtei erz. schr. 2, 146; (die wirtin) erklärte, dasz sich bedeutende differenzen zwischen uns vorfänden Laube (1875 ff.) 8, 16; bei der visitation im jahre 1596 fand sich nur noch ein einziger priester vor Steub drei sommer in Tirol (1895) 1, 165; fand sich im walde irgend eine böswillige beschädigung vor, sie war sein werk M. v. Ebner-Eschenbach (1893 ff.) 5, 42; ob sich ein umstand endlich vorgefunden, der für des königs wünsche spricht Schiller dom Karlos 2, 14. 66) ganz ungewöhnlich das reflexivpronomen mit dem part. prät. verbunden: hiebey übersende die sich bey erster durchsuchung der Pariser profile vorgefundenen doubletten Göthe IV 47 W.imn. wird das part. prät. in passivischem sinne gebraucht (veraltet): efter de forefindende omstændigheder. 77) schon unter den unter 5 angeführten beispielen waren solche, in denen v. in einer dem jetzigen sprachgefühl fremden weise gebraucht war; hier folgen noch einige charakteristische belege; beachte die berührung mit finden, auffinden: gib acht, trüwe arzet zvorfinden, die den schaden recht wohl verbinden Opel-Cohn dreiszigj. krieg 56; er hat noch nichts, das ihn kan halten, vorgefunden v. König ged. (1745) 373; ich liebe, fuhr der graf fort, heyrathen zu stiften; denn wo würd ich sonst gelegenheit zu särgen vorfinden? Hippel lebensl. (1778 ff.) 3, 1, 28; der neue in Mayland vorgefundene ... Homer Göthe IV 32, 131 W.; mit den scheinbarsten gründen ..., die er vorzufinden wuszte Schiller 4, 145 G.; (die christen, die) ein ehrenvolles asyl in dem hausstande Tschingis-Khans vorgefunden haben müssen Ritter erdk. (1822 ff.) 2, 296.
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Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Vorfinden

    Adelung (1793–1801) · +2 Parallelbelege

    Vorfinden , verb. irregul. act. (S. Adelung Finden ,) vor sich finden bey seiner Ankunft gegenwärtig finden. Bey seiner …

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    vorfinden

    Goethe-Wörterbuch

    vorfinden [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. modern
    Dialekt
    vorfindenst.

    Pfälzisches Wb.

    vor-finden st. : wie schd. Ich han das so voʳgefunn 'so angetroffen' [ KL-Enkb ]. Südhess. II 869 .

  4. Spezial
    vorfinden

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    vor|fin|den I vb.tr. ciafé (-fa), incunté (-ta), abiné (abina) II vb.refl. sich vorfinden ester . ▬ ich habe die Kiste l…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit vorfinden

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Zerlegung von vorfinden 2 Komponenten

vor+finden

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Cotta, M. (2026). „vorfinden". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 10. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/vorfinden/dwb
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Cotta, Marcel. „vorfinden". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/vorfinden/dwb. Abgerufen 10. May 2026.
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Cotta, Marcel. „vorfinden". lautwandel.de. Zugegriffen 10. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/vorfinden/dwb.
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