vorgeschichte,
f. ,
bei Campe
als neubildung verzeichnet, vereinzelt aber auch in älterer sprache, s. unter 1;
in wechselnder bedeutung je nach dem sinn von geschichte. 11)
allgemein wird mit dem worte vorher geschehenes bezeichnet: Hyrcamus bleib aber bischof, doch mohte er geuben niht sîn ammeht von der vorgeschiht
buch d. Maccabäer 13986
Helm; der sun west genczlich nichte von aller vorgeschichte Folz
meisterl. 38, 215
Mayer. in neuerer zeit verbindet sich leicht mit dem worte die vorstellung des früher geschehenen mit dem, worauf die aufmerksamkeit gelenkt wird; es kann damit auf eine natürliche verknüpfung hingedeutet werden, doch immer natürlich auch nur zeitliches vorangehen gemeint sein; der gegenstand der v.
kann auf verschiedene weise bezeichnet werden oder ist aus dem zusammenhange zu entnehmen: diese sache hat ihre v., eine lange v.; v. des telephons; was er bis jetzt von der v. des brudermörderischen gedankens wuszte O. Ludwig (1891) 1, 294; die v. und den fortschritt jeder einzelnen entdeckung des groszen mannes K. E. v. Bär
reden u. aufsätze (1864) 1, 144; freilich hat auch die dampfmaschine ... ihre lange v.
hwb. d. staatswiss. (1898) 3, 487. 22)
insofern geschichte
eine erzählung bezeichnet, kann v.
eine vorbereitende, einleitende bezeichnen, die voraussetzung der eigentlichen; der inhalt des erzählten kann mit einbegriffen werden: v. oder vorcapitel Jean Paul (1826) 54, 1; die in der ganzen v. des Lucas bemerkbare absicht D. Fr. Strausz (1876) 5, 43; die v. (
in zwei städte von Dickens) hat etwas sehr abgenutztes O. Ludwig (1891) 6, 140; da, wo die v. endigt und das eigentliche buch anhebt J. Grimm
kl. schr. 1, 89; die erzählung zerfällt in eine kurze v. und die eigentliche geschichte W. Scherer
kl. schr. 2, 260. 33)
wenn v.
auf eine person bezogen wird, kann abgesehen von der allgemeinen neutralen anwendung das wort in der sprache der gegenwart einen eigentümlichen prägnanten oder auch ungünstigen sinn annehmen: der mann hat eine v.
kann besagen, dasz sein vorleben unbekannte, merkwürdige, ja bedenkliche dinge enthält: beide arbeiteten nun mit einander eine kurze v. des testamenteshelden aus Jean Paul (1826) 26, 36; wir wünschen die geistige v. dieser schriftstellerischen persönlichkeit kennen zu lernen Justi
Winckelmann (1866) 1, 3; seine v. hat der herr uns bereits über tisch erzählt Raabe
Abu Telfan (1870) 2, 46; seine etwas dunkle v. erweckte ihre neugierde Rosegger II 4, 64; die v. des mannes ist ihnen wohl nicht bekannt? o doch! ich weisz, dasz er gemaszregelt ist W. v. Polenz
Grabenhäger 2, 243; minister mit einer parlamentarischen v. sind ew. majestät ruin Roon
denkw. (1892) 2, 48; mit der v. dieses ... arztes noch unbekannt, gab ich leider seinem zureden nach Bismarck
ged. u. erinn. 1, 260
volksausg. 44) geschichte
in höherem sinne genommen, auf gesamtheiten und ihre zustände oder angelegenheiten bezogen: philosoph, willt du den stand deines jahrhunderts ehren und nutzen: das buch der v. liegt vor dir, mit sieben siegeln verschlossen; ein wunderbuch voll weissagung Herder 5, 562
S.; die mythologische v. persischer ereignisse Göthe 7, 29
W.; die eingesperrten autoren haben mit ihren gänsekielen die v. zur nachgeschichte (
der neuzeit) geschrieben Jean Paul (1826) 33, 135; ich lege hiemit dem publikum ... den schlusz der v. des rationalismus vor Tholuck
vorgesch. d. rationalismus (1861) 2, 1, v; gelehrte bearbeiter haben dem reizvollsten theile dieser v., der geschichte des ordenslandes Preussen, nie gefehlt Treitschke
hist. u. polit. aufsätze (1886) 2, 4; die v. dieser westlichen abgrenzung Togos ist dunkel
hwb. d. staatswiss. (1898) 5, 218; das gefährliche, aber der deutschen v. (
vor gründung des deutschen reichs durch Bismarck) innelebende bestreben ..., den andern dynastien die überlegenheit der eignen unter die augen zu rücken Bismarck
ged. u. erinn. 2, 139
volksausg. —
auf die erdgeschichte bezogen: als denkstein stürmischer v. unserer alten mutter erde stehen jene schroffen malerischen bergkegel Scheffel (1907) 1, 105. 55)
prägnant von der geschichte, die den schriftlich erhaltenen zeugnissen vorausliegt, als wissenschaft (
prähistorie)
oder gewonnene darstellung: von den zeiten der v. an Ritter
erdk. (1822) 2, 77;
vgl. vorgeschichtlich. 66)
in landschaftlichem gebrauch von vorausdeutenden, spukartigen erscheinungen: es gibt dort hin und wieder sogenannte gicker, das heiszt seher (gucker, plattdeutsch gicker), die sterbefälle, hochzeiten, truppenzüge und dergl. in bildern, sogenannten vorgeschichten, voraussehen Brentano (1852) 4, 296; aber vorgeschichten giebt es ... so habe ich damals anno zwölf die ganze russische armee über den hellweg ziehen sehen Immermann 4, 24
B.; als titel eines gedichtes A. v. Droste-Hülshoff (1878) 1, 282; (
knecht,) der in den dämmerungsstunden von gespenstern, hexen und vorgeschichten erzählte Abeken
Göthe in meinem leben (1904) 10; einem, der geister und vorgeschichten sieht, schaue man über die linke schulter, so kann man es auch Grimm
myth.4 3, 467;
s. oben vorgeschehen
am ende. —
hierzu vorgeschichtenseher, m., Schücking
d. Rheider burg 1, 39;