Geschichte V
ereinzelt apokopiert, zB (pl?) GWB1,109 Stiftungslied 19
; gelegentl abgekürzt ‘Gesch.’ Knapp 2000 Belege, davon etwa zwei Drittel in Bed C (‘Historie’ hingegen nur 35 mal belegt; umgekehrt aber das Verhältnis der Adj ‘geschichtlich’/‘historisch’). — Der tiefgreifende, für das neuzeitl Bewußtsein bes signifikante Bedeutungswandel des Wortes im 18.Jh mit der Herausbildung des abstrakten Kollektivsingulars ‘die Geschichte’1) (als Summe u Zusammenhang verschiedener ‘Geschichten’), der historisches Geschehen als Prozeß faßt u als Handlungs- wie als Bewußtseinsraum erschließt, ist zur Goethezeit im wesentlichen vollzogen. G-s Reflexion auf den so fundierten Begriff von Geschichte (C) ist Bestandteil eines sehr ausgeprägten historischen Bewußtseins, das alle Bereiche von der Weltgeschichte üb die Geschichte der Wissenschaften u Künste bis hin zur einzelnen Lebensgeschichte umfaßt.2) Dabei orientiert sich die Wahrnehmung historischer Phänomene vornehml am konkr Einzelfall, am Individuellen u Episodischen, während andererseits die Fülle der verarbeiteten Fakten stets unmittelbar eingebunden ist in übergreifende, nicht selten intuitiv erfaßte Zusammenhänge. Es charakterisiert G-s Auffassung von Geschichtlichkeit, daß er sich dem Vergangenen nie als einem Fernen u Fremden zuwendet, sondern immer als einem Gegenstand entschiedener Vergegenwärtigung. Das Bewußtsein geschichtlichen Geworden-Seins bleibt auch bestimmend bei der bes in Ital sich herausbildenden genetischen Betrachtungsweise der Natur. Dabei verschränkt sich, im Horizont von G-s universaler Welt-Anschauung, das Strukturell-Gesetzmäßige, Dauerhafte mit dem Grundprinzip der Verwandlung, der prozeßhaften Gestaltung u Umgestaltung, dem alle natürl Erscheinungen unterliegen. G-s komplexes Geschichtsbild zeigt sich ua in den unterschiedl Bewegungsmetaphern, in denen er historische Abläufe zu fassen sucht (Progreß u Regreß, linear od zyklisch). Es zeichnet sich insbes aus durch eine bemerkenswerte Zurückhaltung gegenüber jeder idealisierenden Zielsetzung. Während in den speziellen Erfahrungsbereichen der Kultur- u Geistesgeschichte durchaus Züge von Entwicklung u Fortschritt erkannt u anerkannt werden, fehlt in der allg (polit) Geschichte dieser Aspekt fast vollständig. In G-s teilw drastischen Urteilen stellt sich die Geschichte aufs Ganze gesehen nicht als kontinuierlich, sondern als in sich widersprüchlich u disparat dar, u im Gegensatz zum vernünftigen Zweck, den Kant u Schiller der Weltgeschichte noch unterstellen, akzentuiert G gerade das Ziellos- Kontingente, das Willkürliche u Schwankende (bes C2c). Beeinflußt ist diese Haltung nicht zuletzt durch die Frz Revolution u die ihr folgenden Kriege, die G als Fanal der Bedrohung u Erschütterung der gesamten polit-gesellschaftl Ordnung u als Symbol der ‘rollenden Weltgeschichte’ (Camp) erlebt. Bes im Alter häufen sich Äußerungen, die getragen sind von tiefer Skepsis u nicht nur die Erkennbarkeit u Kalkulierbarkeit, sondern die Sinnhaftigkeit geschichtl Verläufe überhaupt in Frage stellen (vgl auch ‘Weltgeschichte’).3) A
Ereignis, Begebenheit, Geschehen (real od als real vorausgesetzt); öfter zugl die berichtende Wiedergabe implizierend (‘die G. erzählen, liefern, melden, erfahren, vernehmen’ uä, in Berührung mit Pkt B) u bes iVbdg mit Attr wie ‘wunderbar, sonderbar, lustig’ uä von potentiell narrativer Qualität; gelegentl personifizierend 1
allg, unspezif für ein zurückliegendes, erinnertes od gegenwärtiges (Zeit-)Geschehen, meist im Pl [
aus Frankf; mBez auf Auseinandersetzungen zw Österr u Frkr um die Stadt, Beschießung u Übernahme durch frz Truppen im Juli 1796] Der Aufenthalt ist gegenwärtig hier sehr interessant, jedermann ist noch voll von den kurz vergangenen G-n GWBB12,240,3 Böttiger [16.8.97] K [
Rückkehr nach längerer Abwesenheit] Kaum erscholl in der Nachbarschaft die Ankunft der Baronesse, als alle alten Bekannten .. herbeieilten sich mit ihr zu besprechen, die G-n der vergangenen Monate zu wiederholen GWB18,102,7 Unterhaltungen [
Richter:] wer gestern und heut’ in diesen Tagen gelebt hat, | Hat schon Jahre gelebt: so drängen sich alle G-n GWBHermDor V 232 Heut sinds fünf Jahre dass ich nach Weimar kommen bin .. Ich rekapitulire in der Stille mein Leben seit diesen 5 Jahren, und finde wunderbaare G-n GWBB5,1,9 Ch Stein 7.11.80 GWBB7,221,8 ChStein 23.5.86 GWB39,345,16 Iph
1 II 1 GWBB6,150,12 ChStein 15.4.83
uö im kollekt Sg: ‘G. des Tags’, zusammenfassend für das aktuelle Zeitgeschehen Uns kam .. abermals einiges zur Hand das, der G. des Tags angehörig, zu frohem und belebtem Schlusse des Ganzen .. dienen möchte [
Schreiben der pers Kaiserin an die russ Kaiserin-Mutter] GWB7,240,6 DivNot EndlAbschluß
uö(vereinzelt) — im weiteren Zshg tendierend zu umfassender Begriffsbildung (vgl Pkt C) ihr Götter! | .... Gebet mir .. Sprachen, die alten und neu’n, | Daß ich der Völker Gewerb’ und ihre G-n vernehme; | Gebt mir ein reines Gefühl, was sie in Künsten gethan GWB1,315 Vs 163 VenEpigr 34a [
Übersetzungsübung:] Es ist dieses gewöh[
n]lich bey den Heydnischen Scribenten, daß sie theils aus Nachlässigkeit, theils aus Unwissenheit die G-n der Juden mit schändlichen Lügen .. beflecken. Doch wenn unser Justinus mit dem Theodorus, Sicculus, Tacitus, Plutarchus, und andern Heydnischen Scribenten, welche die G-n der Juden beschreiben, verglichen wird ..
4) DjG
31,39,13u19 Labores juv [1758] 2
eine bestimmte Begebenheit, Episode od ein begrenzter Ereigniskomplex a
als unmittelbar u persönlich erlebtes Geschehen; auch im Blick auf den bei der Wiedergabe hervorgerufenen narrativen Effekt kurz ich binn vom Pferde gestürzt .... Wenn du diese G. auf eine lächerliche Weisse erzält haben willst so laß sie dir von Hornen erzälen GWBB1,126,22 Behrisch 2.11.67 gegen 8 Uhr [
aus Asch] abgefahren. Gewitter und Regen. Brach die Achse. Nachts um 2 Uhr in Franzensbrunn. (Das Übel macht eine G. und das Gute keine.) Tgb 14.5.11 Nur keine Gedanckenstriche in Ihren Briefen mehr .. Wenn Sie wiederkommen werden Sie mir doch die G. vertrauen, dagegen hab ich Ihnen auch eine wunderbaare Catastrophe zu entdecken, die Sie wissen müssen GWBB4,326,22 ChStein 29.10.80 Wilhelm verschwieg Madame Melina seine Leidenschaft zu Marianen nicht und fand in einer schmerzhaften Wiederholung seiner G. das größte Vergnügen GWB51,227,3 ThS III 7 GWBB10,32,8 Voigt 10.10.92 [
für: il caso] GWB43,341,4 Cell II 12
uö mit emotional-expressivem Ausdruck (dabei übergehend zu Bed F) [
Scapine:] Mein Auge sinkt in Nacht - | Ich sterbe! | Dieser [
der Doktor] hat mich umgebracht! | .... [
sie ahmt eine Sterbende nach u stellt sich schließlich tot; Scapin:] Sie ist todt! Ganz gewiß! | Es stockt der Puls, ihr Auge bricht. | Welch eine schreckliche G.! GWB12,157 ScherzLR 836 Denck eine G. vom Hencker! - Ha! Ha! Ha! - .. [
Besuch bei einer Leipziger Kaufmannsfamilie] Ich fand den Mann und sein ganzes Haus ganz sittsam! - schwarz und weiß. die Weibs leute mit Stirnläppgen! so seitwärts schielerlich. Ach Schwestergen ich hätte bersten mögen GWBB1,9,9 Cornelia 12.10.65 GWB27,367,6 DuW 10
uö b
als durch Bericht, (literar) Überlieferung vermitteltes Geschehen Die Kraniche des Ibicus .. nun soll aus diesem [
antiken] Stoff eine Ballade gebildet werden und wir wünschten zu diesem Behufe einige Nachricht, wo sich die G. begeben und ob von dem Manne selbst etwas näheres .. bekannt wäre? GWBB12,194,5 Böttiger 16.7.97 die G. [
von den wunderlichen Nachbarskindern] war ihr [
Charlotte] bekannt. Diese Begebenheit hatte sich .. wirklich zugetragen .. doch war sie [
in der Wiedergabe] .. im Einzelnen mehr ausgebildet und ausgeschmückt, wie es dergleichen G-n zu gehen pflegt, wenn sie erst durch den Mund der Menge und sodann durch die Phantasie eines geist- und geschmackreichen Erzählers durchgehen GWB20,336,6u11 Wv II 11 GWB21,106,1 Lj I 17 GWB23,265,9 Lj VIII 9
uö im dramat Epilog auch reflexiv auf das vorliegende Stück bezogen [
Andrason:] Wir wollen .. über die wunderbare G. unsere stillen Betrachtungen anstellen, (Mehr hervortretend gegen die Zuschauer.) und von hundert Lehren, die wir daraus ziehen könnten, uns besonders diese merken .. GWB17,73,21 TriumphEmpfindsamk VI GWB17,115,10 Vögel Epil c
als stoffliche Vorgabe für die (literar) Darstellung, Gestaltung ausdrückl thematisiert; mehrf ‘wahre G.’ [
Mme Seyton:] Eine wahre G. ist ohne Exaggeration selten erzählenswerth GWB18,285,19 GutWeiber [
betr ‘Groß-Cophta’] Wie leicht würde es nun seyn eine Oper daraus zu machen, da man nur auslassen und reimen dürfte, man brauchte, weil die G. bekannt ist, wenig Exposition, und weil das Lustspiel schon Commentar genug ist, wenig Ausführlichkeit GWBB9,323,15 Reichardt 29.7.92 [
für: histoire] GWB40,231,17 Staël,Dichtgn
uö 3
(chronikalisch erfaßte) Abfolge von Ereignissen, Geschehnissen in ihrem Zusammenhang; fast immer als berichtetes, erzähltes Geschehen (in Berührung mit od übergehend zu Bed B) [
aus Venedig] Mein Tagebuch ist zum erstenmal geschloßen, du erhälst ehstens die genaue G. jedes Tags seitdem ich dich verließ, alles was ich gethan gedacht und empfunden habe GWBB8,30,6 ChStein [14.10.86] Die ausführliche G. der lezten merkwürdigen Tage unsers Freundes zu liefern, seh ich mich genöthiget seine Briefe durch Erzählung zu unterbrechen AA116,2 Werth
1 II hatte er [
Humanus] .. seinen Lebenslauf zu erzählen angefangen .... und sie [
die Rittermönche] vernehmen .. die G. seiner vergangenen Zustände GWB41
1,103,23 ÜbGeheimnisse GWBB4,330,10 Maler Müller 6.11.80 GWB23,170,25 Lj VIII 3
uö auch iS eines in sich folgerichtigen, schlüssigen Ablaufs, einer Entwicklungsgeschichte [
iZshg mit Newtons Theorie] Jedes künstliche hypothetische Gebäude ist eine Art von Vestung .... bleibt der furchtbarste Angriff gegen einen Irrthum derjenige, der die G. wie der Irrthum entstanden und entstehen können, darstellt, der die Bedingungen der Zeit und der darin wirkenden Menschen .. vor die Augen bringt GWBN4,429,28 FlH Plp [
Kritik an der bibl Darstellung des Zuges Israel] Werfen wir aber jene .. verdächtigen Stationen jene toden und unfruchtbaren 36 Jahre weg so erzählen wir die G. ganz rein in der Reihe wie sie uns der Pentateuch darstellt so sind auf einmal alle Schwierigkeiten gelößt und der Character Mosis erscheint consequent der Zug selbst hat eine Folge AA Div3,124,221 Bem üb 1.Buch Mose GWBN5
1,178,24 ÜbNewt DivRefrangib DjG
32,249,9 RAnw [10.2.72]
uö B
Erzählung: mündl od schriftl, auch bildl Darstellung eines tatsächlichen od fiktiven Geschehens; selten personifiziert 1
vorwiegend sachl-informative Wiedergabe best, konkr Ereignisse od größerer faktischer Zusammenhänge (teilw von diesen kaum zu unterscheiden) a
(amtl) Tatsachenbericht, Schilderung eines Hergangs, Beschreibung eines Sachverhaltes, auch in jur Zshg [
betr Einsturz eines Teils des Marienröder Stollens] es wäre .. gut, daß man eine vollständige G. dieser Begebenheit erhielte, weil man die Folgen nicht übersehen kann GWBB11,257,24 Voigt 3.11.96 Beilage Deine Schrift über Wasern [
tagebuchartiges Protokoll über den Fall des 1780 wegen Landesverrats hingerichteten Zürcher Pfarrers JHWaser5)] .. Es ist ein Meisterstük von G., und ich darf dir wohl sagen, dass du, als Mensch, Bürger und Schriftsteller, mich mehr dabei interessirt hast, als der Held selbst GWBB4,315,21 Lavater 13.10.80 Von Basel erhalten Sie [
Ch Stein] ein Paket, das die G. unsrer bisherigen Reise enthält GWB19,223,3 BrSchweiz II [
mBez auf Farben u Licht] eigentlich unternehmen wir umsonst, das Wesen eines Dinges auszudrücken. Wirkungen werden wir gewahr, und eine vollständige G. dieser Wirkungen umfaßte wohl allenfalls das Wesen jenes Dinges N1,IX,11 Fl Vorw GWB53,227,18 SchloßMarienb DjG
35,395,37 RAnw [8.9.75]
uö idVbdg ‘jds Zustandes G.’ mit dem speziellen Sinn einer med Anamnese [
Frau vHendrich sorgt sich um ihren schwerkranken Sohn] Sie will mir seines Zustandes G. aufsetzen und ich soll Huflanden konsultiren GWBB5,307,10 ChStein 12.4.[82]
‘G-n machen’ iSv Darstellungen hervorbringen, hier für neue Versionen in einem theoret Diskurs Es ist äußerst schwer, fremde Meinungen zu referiren .. richtet er [
der Referent] nach gewissen Maximen, so werden seine Darstellungen einseitig und erregen Widerspruch, und die Geschichte macht selbst wieder G-n N3,X,4 FlH Einl b
mehr od minder spontan od aus persönl Beteiligtsein (auch erinnernd) gegebene Darstellung; öfter narrativ gefärbt (sich berührend mit B2) [
Marthe:] Mein Mann ist todt! Ach ich vergeh’! | .. [
Meph:] So hört die traurige Geschicht’! [Geschicht GWBUrfaust 774] GWBFaust I 2920 Sie [
Mariane] trank aus seinem Glase, und Wilhelm war überzeugt, es sei kein Wort seiner G. [
von seinen theatral Anfängen] auf die Erde gefallen GWB21,29,27 Lj I 6 Willkommen! und Willkommen auch | Für’s wackre fünfte Paar, | Das voll Geschicht’ und Neuigkeit | Und frischer Schwänke war GWB1,109 Stiftungslied 19 Sehr unerwartet und unangenehm meine beste war mir die Nachricht daß du ausbleibst .. nun schickt mir der Himmel eine neue Prüfung der Geduld in einem sehr beschweerlichen Auftrag davon du die G. mündlich erfahren sollst GWBB5,207,8 ChStein 27.10.81 so sorgte er [
der Obermarschall] für eine gute Tafel .. erzählte G-n auf G-n und zeigte durchaus das heiterste Gesicht GWB24,304,28 Wj II 4 GWB23,136,26 Lj VIII 1 GWBB3,99,20 Lavater 26.[8.76]
uö auch (figurenspr) als real behauptet [
Barbier:] Von mir sind zwar schon gar manche wahrhafte G-n zu hoher und allseitiger Zufriedenheit ausgegangen, heute aber darf ich sagen daß ich eine zu erzählen habe, welche die bisherigen weit übertrifft GWB25
1,131,6 Wj III 6 Die neueMelusine
iSv Kolportage, Klatschgeschichte, auch Gerücht; vorausgreifend idWdg ‘das gäbe G-n’, ‘es gibt eine G.’ Was die geheimen Künste des Cagliostro betrift, bin ich sehr mistrauisch gegen alle G-n, besonders von
M. [
Mitau: Wohnort der Schriftstellerin Elisa vdRecke, einer Anhängerin Cagliostros] her. Ich habe .. Nachrichten, von einer großen Masse Lügen, die im Finstern schleicht GWBB5,149,16 Lavater 22.6.81 Es sind mir oft G-n erzählt worden, was ich sollte gethan und gesagt haben, und da habe ich auch nicht eine darunter gefunden, die mich gefreut hätte GWBB23,150,1 Reinhard 14.11.12 schreiben Sie mir bald, und sagen Sie ein Wort, was an der G. ist, dass Sie sich zu der katholischen [
in WA emendiert aus ‘katologischen’, Hs Seidel] Religion begeben haben GWBB4,331,17 Maler Müller 6.11.80 [
Edelknabe, der die Müllerin zum Rendezvous überreden will:] Ich komme dir nach, | Und am heißen Mittag | Wollen wir uns drein [
in die Laube] verstecken. | Nicht wahr, im grünen vertraulichen Haus - [
Müllerin, die Pointe antizipierend, daß der Edelmann die Laube dann weiß von Mehl verlassen würde:] Das gäbe G-n GWB1,188 Edelknabe u Müllerin 21 GWBB6,57,28 ChStein 12.[9.82]
‘seine G. erzählen’ iSv seine Ansicht, Meinung (u zugl deren Begründung) mitteilen [
betr Vertonung von ‘Scherz, List u Rache’] Ihre Erinnerungen wegen des Rhytmus kamen zur rechten Zeit. Ich will Ihnen auch darüber meine G. erzählen .. ich bin als Dichter die ewigen Jamben, Trochäen und Dacktylen mit ihren wenigen Maasen und Verschränckungen so müde geworden, daß ich mit Willen und Vorsatz davon abgewichen bin GWBB7,164,27 Kayser 23.1.86
‘(etw) was keine G. ist’: wohl iSv (etw) was sich nicht zur Weiterverbreitung eignet od schickt [
Wilh:] Es ziemt sich nicht für mich zu fragen, welch Verhältniß Sie zu ihr [
Valerine] gehabt .. [
Lenardo:] Ich darf Ihnen wohl vertrauen und erzählen, was eigentlich keine G. ist GWB24,197,6 Wj I 11 NußbrMädch —
vereinzelt als Tätigkeitsbezeichnung iSv das Erzählen [
mBez auf Augusts u Ottilies Berlin-Aufenthalt] mit .. Entzücken sprechen sie .. von Genüssen aller Art, welche auch nur die wohlwollenden Bewohner einer Königstadt gewähren können; die G. davon ist zur nie versiegenden Familien-Unterhaltung geworden GWBB32,222,5 Gf Brühl 2.4.20
uö c
spezieller iS einer hist (Quellen-)Darstellung, bes iUz ‘Fabel’ u ‘Märchen’ abhebend auf ihren hist Wahrheitsgehalt, gewöhnlich zugl mit narrativen, auch mythischen, legendenhaften Elementen durchsetzt (übergehend zu B2); einmal ‘fabelhafte G.’ in Gegenüberstellung zu ‘poetische Fabel’; auch ‘wahrhafte G.’ [
Übersetzungsübung:] Gleichwie nun der Anfang und Ursprung der Städte und Völcker merentheils Fablen sind also glauben auch viele .. daß alles dasjenige was insgemein von dem Ursprung der Statt Rom erzehlet wird einer Fabel änlicher sey als einer wahrhaften G. DjG
31,44,15 Labores juv [1758] Dieses Studium [
eines Ms mit der Legende der hl drei Könige] gab Anlaß zu Betrachtung wie Mährchen und G-n epochenweise gegen und durch einander arbeiten, so daß sie schwer zu sondern sind, und man sie durch ein weiteres Trennen nur weiter zerstört GWB36,196,14 TuJ 1821 daß ich im Begriff bin meine Bekenntnisse [
DuW] zu schreiben, daraus mag nun ein Roman oder eine G. werden, das läßt sich nicht voraussehn; aber in jedem Fall bedarf ich deiner Beyhülfe GWBB21,408,19 Bettina 25.10.10 [
mBez auf eine lokalhist Begründung der Hexenfahrt zum Brocken] Ich habe diese Erklärung vor vielen Jahren einmal irgendwo gefunden .. Der Einfall gefiel mir, und ich habe diese fabelhafte G. wieder zur poetischen Fabel [
Ballade ‘Die erste Walpurgisnacht’] gemacht GWBB23,191,23 Zelter 3.12.12
uö ‘geheime G.’ für Fama (od für eine innerhalb des Romangeschehens vom Erzähler supponierte verborgene Quelle?) Die geheime G. sagt uns, daß dieser Mann [
Freund des Majors], in früherer Zeit, als ein sehr schöner .. Jüngling, einer vornehmen Dame zu gefallen das Glück oder Unglück gehabt habe GWB24,267,14 Wj II 3 Mann v50Jahren
in schwebender Bed: zugl die Historie selbst (iSv Bed C1) bezeichnend [
betr G-s Versuch, die bibl Darstellung des Zuges Israel hist zu korrigieren] Freylich wäre in frührer Zeit eine solche Operation 36 Jahre aus der G. hinauszuwerfen äußerst bedenklich gewesen die jetzt aber durch eine genaue Critik selbst begünstigt wird AADiv3,124,229 Bem üb 1.Buch Mose 2
narrative (mit ästhet Anspruch verbundene) Darstellung meist fiktiver od literar tradierter Begebenheiten a
allg für epische Form(en), meist (unspezif) für kleine Prosaerzählungen, öfter neben od iUz ‘Novelle, Roman’ ua; einmal in Gegenüberstellung von ‘darstellend’ u ‘erzählend, betrachtend’ An kleineren G-n, ersonnen, angefangen, fortgesetzt, ausgeführt, war diese Jahrszeit reich; sie sollten alle durch einen romantischen Faden unter dem Titel: Wilhelm Meisters Wanderjahre zusammengeschlungen, ein wunderlich anziehendes Ganze bilden GWB36,11,22 TuJ 1807 mehrere kleine Novellen, G-n, Romane, wie man sie nennen will, [
wurden] niedergeschrieben, deren Stoff mir längst schon erfreulich gewesen [
betr Wj] GWBN5
1,358,7 Fl Nachtr Ich bin sehr neugierig, sagte die Baronesse [
zum Alten], zu hören, von welcher Art Ihre G-n sind und was sie eigentlich behandeln GWB18,123,11 Unterhaltungen Unsere Leser überzeugen sich wohl, daß von diesem Punct an wir bei’m Vortrag unserer G. nicht mehr [
poetisch-bildhaft, anschaulich] darstellend, sondern erzählend und betrachtend verfahren müssen GWB24,334,13 Wj II 5 Mann v50Jahren [
Lotte:] der Autor ist mir der liebste, in dem ich meine Welt wieder finde, bey dem’s zugeht wie um mich, und dessen G. mir doch so interessant so herzlich wird, als mein eigen häuslich Leben AA23,5 Werth
1 I~Werth
2 GWB47,263,17u19 ÜbWahrh u Wahrscheinlichk dKunstwerke GWB51,139,26 ThS II 4
uö für (auch literar bearbeitete) Sage, Mythe, Legende bzw für Erzählung hist-mythol od legendenhaften Ursprungs [
Tasso zu Antonio:] Doch zeige mir den Mann, der das erreicht, | Wornach ich strebe, zeige mir den Helden, | Von dem mir die G-n nur erzählten Tasso 1328 Wißt auch ihr, woher es entsprang, daß beide [
Amor u Fata] sich hassen? | Alte G-n sind das, und ich erzähle sie wohl GWB1,258 Vs 392 RömEleg XIX Der Aufenthalt [
der hl Familie] in Ägypten gibt Gelegenheit zu anmuthigen G-n vorgekommener Wunder GWB41
1,175,16 DreiKönige Die erste G. [
in der Bibel], die unsere jugendliche Aufmerksamkeit reizt und in Verwunderung setzt, erzählt uns von jenen heiligen Männern, an welchen Gott einen besondern Antheil zu nehmen geruhte GWB51,138,14 ThS II 4 [
Inhalt des Korans] Nähere Bestimmung des Gebotenen und Verbotenen, fabelhafte G-n jüdischer und christlicher Religion .. gränzenlose Tautologien und Wiederholungen bilden den Körper dieses heiligen Buches GWB7,33,26 DivNot Mahomet GWB23,66,13 Lj VII 6 GWBB15,2,3 AWSchlegel 1.1.00 GWB19,285,22 BrSchweiz II
uö auch in bildkünstlerischen Darstellungen Ich sah in der Farnesina [
Rom] die G. der Psyche [
Raffael(-Schule)], deren farbige Nachbildungen so lange meine Zimmer erheitern GWB30,217,7 ItR~GWBB8,55,10 ChStein 18.11.[86] Er [
der Kardinal] .. gab mir sein großes Siegel zu arbeiten .. darein grub ich zwei G-n [
storiette], einmal wie St. Johannes in der Wüsten predigte, und dann wie St. Ambrosius die Arianer verjagte GWB44,11,1 Cell III 2 GWB47,212,11 u 213,14 ÄltGemälde 1790 GWB34
2,32,7 KuARheinMain Plp
uö unter erzähltechn Aspekt: auf die formal-narrative Geschlossenheit, bes auf den diskursiven Darstellungszusammenhang abhebend (‘Gang, Lauf der G.’) Ich wünsche daß die Art wie ich die G. [
Prokurator-Erzählung in den ‘Unterhaltungen’] gefaßt und ausgeführt Ihnen nicht mißfallen möge GWBB10,241,11 Schiller 11.3.95 [
Baronesse:] Ich tadle das Bestreben, aus G-n, die sich der Einheit des Gedichts nähern sollen, rhapsodische Räthsel zu machen und den Geschmack immer tiefer zu verderben GWB18,159,2 Unterhaltungen [
mBez auf Arbeit an DuW] Der Thatsachen erinnre ich mich recht gut, aber es hält schwer sie chronologisch zu rangiren. Im Leben greift so vieles übereinander, was in der G. sich nur hintereinander darstellen läßt und da wills nicht immer recht passen GWBB23,364,14 JFHSchlosser 11.6.13 [
betr bibl Darstellung vom Zug des Volkes Israel] werden diese Bücher [
Mos 2—5] durch eine höchst traurige, unbegreifliche Redaction ganz ungenießbar. Den Gang der G. sehen wir überall gehemmt durch eingeschaltete zahllose Gesetze GWB7,158,8 DivNot Israel iWüste GWB25
2,115 Wj [nur 1821]
uö gattungstypologisch bestimmt als Prosa-Erzählung iGz ‘Poesie’ od zum dramat Genre Kraft und Wirksamkeit der Poesie, so wie der bildenden Kunst, liegt darin, daß sie Hauptfiguren schafft und alles was diese umgibt .. untergeordnet darstellt .. Die G. dagegen handelt ganz anders. Von ihr erwartet man Gerechtigkeit .. Deßhalb vertheilt sie Licht und Schatten über alle .... Hier sieht man den Übergang der Poesie zur Prose GWB49
1,92,4 Philostrat Was ich drucken lasse ist: Die Leiden des jungen Werthers Geschichte
6), und Clavigo ein Trauerspiel GWBB2,170,4 Boie 22.6.74 b
für (mündl) Erzählung bedeutsamen od merkwürdigen Inhalts, auch fabulierenden Charakters (‘märchenhafte G-n’ iUz ‘wahrhafte Märchen’; ‘moralische G.’ bezogen auf den sittl-lehrhaften Gehalt) nachdem der Begleiter [
des Lords] durch manche sonderbare, bedeutende, heitere, rührende, furchtbare G-n die Aufmerksamkeit erregt und die Theilnahme auf’s höchste gespannt hatte, so dachte er mit einer zwar sonderbaren, aber sanfteren Begebenheit zu schließen, und ahnete nicht, wie nahe diese seinen Zuhörern verwandt war GWB20,322,23 Wv II 10 [
Lenardo:] Mit besonderer Kunst und Geschicklichkeit weiß er [
der Barbier] wahrhafte Mährchen und mährchenhafte G-n zu erzählen, wodurch er oft .. uns gar sehr ergötzt GWB25
1,130,18 Wj III 6 [
der Geistliche, mBez auf die Geschichte vom ehrlichen Prokurator:] Es ist nicht die einzige moralische G., die ich erzählen kann, sondern alle gleichen sich dergestalt, daß man immer nur dieselbe zu erzählen scheint GWB18,188,13 Unterhaltungen
uö c
identifizierend für eine bestimmte, konkr Erzählung Den Beschluß der G. [
von Ferdinand] und den Übergang zum Märchen übersende ich bald möglichst GWBB10,288,22 Schiller 18.8.95 Zufälligerweise hatte er [
Wilh] im Leben Heinrich des Vierten von Schakspear die G. gelesen, wie ein Prinz unter geringer, ja sogar schlechter Gesellschaft sich eine Zeitlang aufhält GWB52,172,16 ThS V 12 GWB51,246,7 ThS III 9
uö 3
als das einem Bühnenstück zugrundeliegende Handlungsgerüst, die Fabel, der Plot Gespräch mit Kaufmann Schrader von Dresden, der von einem Schauspiel forderte: Vortreffliche Sprache, Witz und G. GWBTgb 12.6.08 C
Historie: größerer, über längere Zeiträume wirkender (komplexer) Ereigniszusammenhang bzw die Gesamtheit des Geschehenen als geschichtl Prozeß (iS einer durch äußere od innere Faktoren bestimmten Entwicklungsabfolge) 1
in allgemeiner od nach Bezug u Reichweite spezifizierter Anwendung a
umfassend, unspezifisch od mit (impliziter) Ausrichtung auf im weitesten Sinn gesellschaftl-soziale, auch polit Vorgänge; meist als Anschauungs-, Interessen-, Studienobjekt; iZshg der Italienreise mehrf den Eindruck unmittelbar anschaulicher, sinnlicher Präsenz wiedergebend (auch verbunden mit der Metapher der Lesbarkeit) so habe ich immer bisher den geologischen und landschaftlichen Blick benutzt, um Einbildungskraft und Empfindung zu unterdrücken und mir ein freies klares Anschauen der Localität zu erhalten. Da schließt sich denn auf eine wundersame Weise die G. lebendig an, und man begreift nicht, wie einem geschieht, und ich fühle die größte Sehnsucht, den Tacitus in Rom zu lesen GWB30,191,16 ItR Besonders lies’t sich G. von hier [
Rom] aus ganz anders als an jedem Orte der Welt. Anderwärts lies’t man von außen hinein, hier glaubt man von innen hinaus zu lesen .. Und das gilt nicht allein von der römischen Geschichte, sondern von der ganzen Weltgeschichte GWB30,243,2 ItR~GWBB8,109,20 Herder 29.12.86 Wie mir’s in der Naturgeschichte erging, geht es auch hier [
in Rom], denn an diesen Ort knüpft sich die ganze G. der Welt an GWB30,232,27 ItR Johannes v. Müller .. hatte große Freude an meinen Münzschubladen. Da er so unerwartet unter lauter alte Bekannte kam, so sah man recht wie er die G. in seiner Gewalt hat; denn selbst die meisten untergeordneten Figuren waren ihm gegenwärtig und er wußte von ihren Umständen und Zusammenhängen GWBB17,26,14 Schiller [24.1.04] [
G ermuntert Luden zur Fortsetzung seiner hist Studien] Fahren Sie fort, in der G. zu leben und kühn in die vergangenen Zeiten zu schauen, ungestört von den Wirrungen der Gegenwart Gespr(He2,127) Luden [19.8.06] GWB32,103,28 ItR GWBT1,116,6 v 15.4.80
uö ‘große G.’ (iUz ‘Privatgeschichten’) [
der Alte, zum Erzählen aufgefordert:] Zur Übersicht der großen G. fühl’ ich weder Kraft noch Muth, und die einzelnen Weltbegebenheiten verwirren mich; aber unter den vielen Privatgeschichten .. gibt es manche, die noch einen reineren schönern Reiz haben als den .. der Neuheit GWB18,122,18 Unterhaltungen
neben (u in unterschiedl Bezug zu) ‘Fabel, Mythologie, Religion, Sage, Dichtung’ ua, den Charakter des Faktischen, Objektiven im Überlieferungsgeschehen betonend Höchst reizend ist für den Geschichtsforscher der Punct, wo G. und Sage zusammengränzen. Es ist meistens der schönste der ganzen Überlieferung GWBN3,132,4 FlH III [
jugendl Lektüre des AT] Wenn eine stets geschäftige Einbildungskraft .. mich bald da- bald dorthin führte, wenn das Gemisch von Fabel und G., Mythologie und Religion mich zu verwirren drohte, so flüchtete ich gern nach jenen morgenländischen Gegenden, ich versenkte mich in die ersten Bücher Mosis GWB26,221,19 DuW 4 [
mBez auf lat Ms aus dem 15.Jh mit der Legende der hl drei Könige] Die Art zu erzählen, wo G., Überlieferung, Mögliches, Unwahrscheinliches, Fabelhaftes mit Natürlichem, Wahrscheinlichem, Wirklichem bis zur letzten und individuellsten Schilderung zusammengeschmolzen wird, erinnert an Johannes von Montevilla GWB41
1,178,25 DreiKönige~GWBB32,77,24 Boisserée 22.10.19 [
zum Plan einer Tell-Dichtung] Ich bin fast überzeugt, daß die Fabel vom Tell sich werde episch behandeln lassen, und es würde dabey .. der sonderbare Fall eintreten, daß das Märchen durch die Poesie erst zu seiner vollkommenen Wahrheit gelangte, anstatt daß man .. die G. zur Fabel machen muß GWBB12,328,16 Schiller 14.10.97 GWBB22,216,21 Niebuhr 17.12.11
uö in versch Hinsicht näher bestimmt: lokal, regional, national, epochal, auch ethnisch; im Bereich der Völker- u Lokalgeschichte auch pl Dort [
in Tennstedt] interessirte mich nach meiner Gewohnheit Localität und G. .. Ich las daher die Thüringische Chronik, die .. gar manches in deutlicher Localität erscheinen ließ GWB36,113,5 TuJ 1816 [
mBez auf ‘Wallenstein’] die dramatischen Bemühungen, welche Herr Hofrath Schiller .. einer wichtigen Epoche der deutschen G. gewidmet hat GWB40,4,19 WeimTheatSaal die römischen Alterthümer fangen mich an zu freuen. G., Inschriften, Münzen .. alles drängt sich heran GWB30,232,24 ItR [
Abbé JDobrowsky] welcher .. dem allgemeinen Studium slavischer Sprachen und G-n mit .. Bücherfleiß und Herodotischen Reisen nachgegangen war, führte jeden Ertrag .. auf die Volks- und Landeskunde von Böhmen zurück GWB42
1,36,15 Üb:Monatschr Böhmen [Varnhagen/G] [
auch deutbar als hist Quelle iSv B1c] Sie [
die Bibel] ist .. das Buch der Völker, weil sie die Schicksale eines Volks zum Symbol aller übrigen aufstellt, die G. desselben an die Entstehung der Welt anknüpft und durch eine Stufenreihe irdischer und geistiger Entwickelungen .. bis in die entferntesten Regionen der äußersten Ewigkeiten hinausführt GWBN3,139,3 FlH III GWB7,223,5 DivNot GWB44,340,14 CellAnh X
uö vereinzelt in bildhaftem Kontext [
Rom] Hundertfältig steigen die Geister der G. aus dem Grabe, und zeigen mir ihre wahre Gestalt GWBT1,310,24 v 19.10.86 Ihm [
Schiller] schwollen der G. Fluth auf Fluthen, | Verspülend, was getadelt, was gelobt, | Der Erdbeherrscher wilde Heeresgluthen, | Die in der Welt sich grimmig ausgetobt GWB16,166 EpilSchillersGlocke 41 Die G. ist ein Märchen im Anfang, auf ihm schwimmt ein Faktum, wie auf dem Wasser, bis das Wasser verschwindet Gespr(He2,664) Riemer [Anf Jun 11] GWBT1,266,13 v 5.10.86 b
spezieller bezogen auf vielfältige Sach- u Lebensbereiche; ganz überwiegend mit GenAttr; gelegentl personifizierend α
von menschl Tätigkeiten, Leistungen, geistig-kulturellen Hervorbringungen, bes in wiss u künstlerischen Zusammenhängen, häufig versch (engere u weitere) Bereiche zusammenfassend od verbindend: ‘G. des Wissens, der Wissenschaft(en), Naturforschung, Farbenlehre, Optik, des Kolorits, der Metamorphosenlehre, Botanik, Chemie, Physik, Geognosie, des Bergbaus’; ‘G. der Kunst, der Künste, der Baukunst, Malerei, Plastik, der Literatur, der Musik, des Theaters’; ‘G. der Philosophie, Religion, Magie, des Rechts, der Sitten, des Geschmacks’; auch weit gefaßt: ‘G. der Natur, der Welt’; gelegentl adj attribuiert: ‘politische, kirchliche, christliche, philosophische G.’; auch von Einrichtungen, Institutionen, Vereinigungen ua: ‘G. der Sammlung, des Weimarischen Hoftheaters, der Jenaischen Akademie, der Londoner Sozietät, der Brüdergemeine, des Ilmenauer Bergwerks, des herzoglichen Hauses, des Hamburger Bühnenwesens’ u zahlreiche andere [
mBez auf mögl Rezensententätigkeit für die FGA] Mein historisches Wissen hing nicht zusammen, die G. der Welt, der Wissenschaften, der Literatur hatte mich nur epochenweis .. angezogen GWB28,164,27 DuW 12 Um sich von der Farbenlehre zu unterrichten, mußte man die ganze G. der Naturlehre wenigstens durchkreuzen, und die G. der Philosophie nicht außer Acht lassen N3,VIII,10f FlH Einl [
Nutzen neu erworbener Münzen] doppelt erwünscht theils wegen Ausfüllung gewisser Lücken, theils weil sie die Einsichten in die G. der Plastik und der bildenden Kunst überhaupt vorzüglich beförderten GWB36,82,28 TuJ 1813 [
Sammler:] ein guter Kenner .. Ich bemerkte bald ein sehr gebildetes Auge für Kunstwerke, besonders für die G. derselben. Er erkannte die Meister so wie die Schüler GWB47,157,7 Samml 5 G. der natürlichen Magie. Die Anfänge davon finden sich bey allen Völkern. Beschränkter Erkenntnißkreis .. Hohes Ahndungsvermö
gen. Poetisches Talent GWBN3,395,20 FlH IV Var GWBB20,250,15 Eichstädt 8.12.08 GWBTgb 3.8.16 GWB13
2,242,12 Vorsp EröffnHbgTheat Schema GWB34
1, 244,2 ReiseSchweiz 1797 [G/Eckerm]
uö auch als Summe von Widerfahrnissen Wer die G. so einer Granit Säule erzählen könnte, die erst in Egypten zu einem Memphitischen Tempel zugehauen, dann nach Alexandrien geschleppt wurde, ferner die Reise nach Rom machte, dort umgestürzt ward .. GWBT1,308,22 v 19.10.86
uö β
bezogen auf intellektuelle Akte, seelische Regungen, Empfindungen; idVbdgn ‘G. des Denkens und Begreifens, der Erfahrungen, der Meinungen’, zusammenfassend ‘G. des menschlichen Geistes’ Wenn ein Fall in der Naturbetrachtung vorkommt, der uns stutzig macht, wo wir unsre gewöhnliche Vorstellungs- und Denkweise nicht ganz hinlänglich finden, um solchen zu gewältigen, so thun wir wohl uns umzusehn, ob nicht in der G. des Denkens und Begreifens schon etwas Ähnliches verhandelt worden GWBN7,37,8 Spiral Tend [
betr Kategorienschema zur ‘Farbenlehre’] die Geschichte der Farbenlehre .. theilt sich in zwey Theile, in die G. der Erfahrungen und in die G. der Meinungen, und die letztern müssen doch alle unter den Kategorien stehen GWBB13,68,15f Schiller [17.2.98] GWBB13,57,8 WHumboldt [7.2.98] K
‘G. des Gefühls, der Liebe, des menschlichen Herzens’ uä Klopstocks herrliches Werck [
‘Die dt Gelehrtenrepublik .. ’] hat mir neues Leben in die Adern gegossen. Die Einzige Poetick aller Zeiten und Völcker. Die einzige Regeln die möglich sind! Das heisst G. des Gefühls wie es sich nach und nach festiget und läutert und wie mit ihm Ausdruck und Sprache sich bildet GWBB2,174,27 Schönborn 10.6.[74] Wenn ihre [
der Leidenschaften] Züge, ihre Triebfedern, ihre Mittel und ihre Wirkungen so an den Tag gebracht, so durch die Romane popularisirt würden, wie es mit der G. [
l’histoire] der Liebe gegangen ist GWB40,238,5 Staël, Dichtgn [
für: l’histoire] GWB40,224,28 ebd [
für: l’histoire] GWB41
2,183,9 Anz:Oeuvres dramat de G
uö γ
jds individuelle Lebensgeschichte (einmal ‘G. meines Herzens’); überwiegend in Erzähl- u Berichtskontexten; auch als Gegenstand bildkünstlerischer Darstellung nahm er [
Wilh] sich vor, ihr [
Therese] von sich zu sagen, so viel er nur wußte. Sie sollte ihn kennen lernen, wie er sie kannte, und er fing .. an, seine eigene G. durchzudenken .. Endlich entschloß er sich die [
Pergament-]Rolle seiner Lehrjahre aus dem Thurme von Jarno zu verlangen .. Er fand die umständliche G. seines Lebens in großen scharfen Zügen geschildert GWB23,141,21 u 142,13 Lj VIII 1 [
Aurelie:] er [
Lothar] hatte nichts Verborgenes vor mir, er entwickelte mir seine Seele, seine G., seine Fähigkeiten, seine Leidenschaften, alles .. riß mich hin GWB52,263,1 ThS VI 11 Hier sind denn meine Lieder [
‘Neue Lieder’, 1769] .. Die G. meines Herzens in kleinen Gemählden! Wenn je Gedichte nicht unter Batteux Grundsaz gegangen sind, so sind’s diese, nicht ein Strich Nachahmung, alles Natur GWBB51,37 Langer [Mitte Okt 69?] GWBB7,121,13 ChStein 11.11.85 GWBB49,385 WHumboldt 1.12.31 K Var [>Biographie] GWB23,261,23 Lj VIII 9 GWBB14,87,22 Meyer 10.5.99
uö für best, bedeutende (Teil-)Aspekte, bes Lebensumstände, Erfahrungen, die eine Vita (u ihre Wirkung) charakterisieren; auch ‘G. meiner Seele’ Meine G. war ruchtbar geworden, und es waren viele Menschen neugierig, das Mädchen zu sehen, die Gott mehr schätzte als ihren Bräutigam [
Narziß] GWB22,298,27 Lj VI SchöneSeele [
Stella zu Mme Sommer u Lucie, die vom Mann bzw Vater verlassen wurden:] Man hat mir Ihre G. berichtet, ich weiß daß ich Personen von guter Familie vor mir habe GWB11,145,17 Stella II Es ist auch verplaudert worden, daß ich fürtreffliche Werke geschrieben habe .. Es würde Ihnen nicht unangenehm gewesen sein, die G. meiner Seele zu lesen und den seltsamen Standort zu kennen, von dem ich damals die Welt sah GWBB2,5,21 Herder [Sept 71 Korr DjG
32,64,13] AA56,3 Werth
1 I~Werth
2 GWBB5,70,24 ChStein 8.[3.81] GWB29,37,1 DuW 17 GWBB35,281,10 Hüttner [9.]3.22 K
uö zugl als Stoff literar Bearbeitung [
m Bez auf CWJerusalem als Werther-Vorbild] Wir gingen neben einander, an die sechs Jahre ohne uns zu nähern. Und nun hab ich seiner G. meine Empfindungen geliehen und so machts ein wunderbaares Ganze GWBB2,156,22 Lavater 26.4.74 Was ich von der G. des armen Werthers
7) nur habe auffinden können, habe ich mit Fleiß gesammlet, und leg es euch hier vor AA2,1 Werth
1I Vorw~Werth
2 Wie sehr verdient nicht Schillers dramatische Bearbeitung der Wallensteinischen G. allgemein gekannt und geschätzt zu werden GWBB13,293,17 Cotta 17.10.98 GWBB5,300,12 ChStein 6.[4.82]
uö δ
von natürlichen, naturhaften Gegenständen, Gegebenheiten, Erscheinungen, auch zugl für ihre (wiss) Beobachtung u Beschreibung Betrachtung des atmosphärischen Gesteins [
Meteoriten] .. die Bestandtheile dieses himmlisch-irdischen Products zu entwickeln, die G. des durch alle Zeiten durchgehenden wunderbaren Phänomens aufzuforschen, ist eine schöne würdige Aufgabe GWBN6,136,10 MetamPfl Nachtr 1760 oder 1763 stritten Desmarest und Montet [
richtig: Monnet] um die Ehre vermeintlicher Entdeckung: der Basalt sei ein vulkanisches Product. Der erste Gedanke gehört also den Franzosen; auch leisteten sie nicht wenig schon früh genug für die G. des Basaltes GWBN9,184,13 Üb:KWNose ich wußte .. von der natürlichen G. des menschlichen Geschlechts mehr, als ich merken ließ, und hatte es meistens aus der Bibel gelernt GWB22,262,28 Lj VI SchöneSeele GWBB49,271,16 Sternbg 15.3.32 [
Zit s v Gebirgsgang]
uö ε
vom Wort Gottes Wer die G. des Wortes Gottes unter den Menschen mit liebevollem Herzen betrachtet, der wird die Wege der ewigen Weisheit anbeten GWB37,162,22 Brief Pastors 2
mit Hervorhebung best Merkmale u Aspekte a
akzentuiert als Bereich (kreativen) menschl Wirkens u Gestaltens, bes im Blick auf herausragende Individuen; zugl als Kontinuum sich verschränkender Abläufe, Wirkungen Was sind Jahre in der G. in denen nichts vorbereitet und nichts gethan wird? AADiv3,111,110 Bem üb 1.Buch Mose~AADiv3,124,200 ebd eigentlich gedeiht doch das Wunderwürdige der G. den Mitlebenden sowie den Nachkommen alsdann erst heilsam und ersprießlich, wenn man sie erkennen läßt, wie das Merkwürdigste und Größte von bedeutenden Menschen unter den sonderbarsten Zuständen und Zufälligkeiten geleistet worden GWBB45,293,2 Reinhard 18.6.29 K Anticipation .. wie schnell erfährt ein junger Mann daß die Altvordern ihm zuvor gekommen sind .. Indessen läßt sich nicht widerstreben. Wir werden auf die G. hingewiesen, da erscheint uns ein neues Licht. Nach und nach lernen wir den großen Vortheil kennen, der uns dadurch zuwächs’t daß wir bedeutende Vorgänger hatten, welche auf die Folgezeit bis zu uns heran wirkten. Uns wird ja dadurch die Sicherheit, daß wir, insofern wir etwas leisten, auch auf die Zukunft wirken müssen GWBN11,248,9 MeteoreLiterarHimm Wie gern spricht er [
Kepler] von Copernikus! Wie fleißig deutet er auf das einzig schöne Aperçu, was uns die G. noch ganz allein erfreulich machen kann, daß die echten Menschen aller Zeiten einander voraus verkünden, auf einander hinweisen, einander vorarbeiten. Wie umständlich und genau zeigt Kepler, daß Euklides copernikisire! GWBN3,250,3 FlH V Alles was gethan und geleistet worden, es sei noch so gering, behält seinen Werth, alles was empfunden und gedacht worden, tritt in seine Würde, und alles, wie es in’s Leben trat, bleibt in der G. neben und nach einander bestehend und lebendig GWBN6,243,6 Rez:Schelver GWBN1,374,14f FlD Schlußw GWBN5
2,234,23 Fl Plp N3,VII,2 FlH Einl
uö in bildhafter Umschreibung Die G. der Wissenschaften ist eine große Fuge, in der die Stimmen der Völker nach und nach zum Vorschein kommen GWB42
2,183,13 MuR(545)=Gespr (He2,261) Riemer 21.10.07
auch als menschl Erfahrungsraum Über Geschichte kann niemand urtheilen, als wer an sich selbst G. erlebt hat. So geht es ganzen Nationen. Die Deutschen können erst über Literatur urtheilen, seitdem sie selbst eine Literatur haben GWB42
2,177,19 MuR(517) GWB40,134,19 FrzHaupttheat b
im Hinblick auf Verlaufsformen u Faktoren der Entwicklung α
in der Wissenschafts-, Geistes-, Kulturgeschichte, bes mit der Vorstellung fortschreitender u retardierender Tendenzen, zyklisch od spiralförmig verlaufender Prozesse; im Bildmotiv der ‘wiederholten Spiegelung’ (mit ausgreifendem Sachbezug) auf das Moment der Steigerung abhebend Schema einer künftigen Geschichte der Farbenlehre .. Wenn man die Reihe von geistigen Begebenheiten, woraus doch eigentlich die G. der Wissenschaften besteht, so vor Augen sieht, so lacht man nicht mehr über den Einfall eine Geschichte a priori zu schreiben, denn es entwickelt sich wirklich alles aus den vor- und rückschreitenden Eigenschaften des menschlichen Geistes, aus der strebenden und sich selbst wieder retardirenden Natur GWBB13,33,15 Schiller 24.1.98 Unbeschadet des Glaubens an eine fortschreitende Cultur, ließ sich, wie in der Weltgeschichte, so in der G. der Wissenschaften, gar wohl bemerken, daß der menschliche Geist sich in einem gewissen Kreis von Denk- und Vorstellungsarten herumbewege. Man mag sich noch so sehr bemühen, man kommt nach vielen Umwegen immer in demselben Kreise auf einen gewissen Punct zurück GWBN9,265,24 VerschBekenntn bald erhob er [
Winckelmann] sich über die Einzelheiten zu der Idee einer G. der Kunst [
Modell von Wachstum, Blüte u Verfall], und entdeckte, als ein neuer Columbus, ein lange geahnetes, gedeutetes und besprochenes, ja man kann sagen, ein früher schon gekanntes und wieder verlornes Land GWB46,40,7 Winckelm Bedenkt man .. daß wiederholte sittliche Spiegelungen das Vergangene nicht allein lebendig erhalten, sondern sogar zu einem höheren Leben empor steigern, so wird man der entoptischen Erscheinungen gedenken, welche gleichfalls von Spiegel zu Spiegel nicht etwa verbleichen, sondern sich erst recht entzünden, und man wird ein Symbol gewinnen dessen, was in der G. der Künste und Wissenschaften, der Kirche, auch wohl der politischen Welt sich mehrmals wiederholt hat und noch täglich wiederholt GWB42
2,57,24 WiederhSpiegelgn
uö im bes Blick auf aussetzende od verhinderte Entwicklung nehmen Sie meinen Dank, daß Sie mir die römische G. wieder genießbar gemacht haben, indem Sie Sich zur Pflicht machen, die stationairen und retrograden Epochen derselben in’s vollste Licht zu setzen [
bezogen auf Niebuhrs ‘Römische Geschichte’, 2.Teil] GWBB23,163,23 Niebuhr 23.11.12 daß man .. die Art und Weise, wie eine in’s Leben tretende Idee fortgewirkt habe, eigentlich historisch nicht werde darstellen können .. Wird ja ebnermaßen die G. der Kirchen und Nationen dadurch so verwirrt, daß der Hauptgedanke, der höchst rein und klar den Weltlauf begleiten mag, durch den Augenblick, das Jahrhundert, durch Localitäten und sonstige Besonderheiten getrübt, gestört und abgelenkt wird GWBB45,249,8 EHFMeyer 23.4.29 GWBN11,244,4 UrsprWissEntdeckungen β
in der (organischen) Natur als von Gesetzmäßigkeiten bestimmter Entwicklungsprozeß [
Übs aus Vorwort zur frz Ausg von MetamPfl] zwei sehr verschiedene Arten, die Pflanzen zu betrachten, die eine .. vergleicht alle einzelnen Pflanzen unter einander .. die andere vergleicht die verschiedenen Organe unter sich .. und sucht darinne ein eigenthümliches Symptom des vegetabilen Lebens .... die eine ist die Geschichte der Pflanzen, die andere die Geschichte der Pflanze. Diese letzte Art .. hat man die philosophische genannt .. eigentlich aber sind diese beiden Arten .. durchaus unzertrennlich GWBN6,272,2f MetamPfl Wirkg 1830
im Auszug aus ‘WvSchütz zur Morphologie’ (1821) in ausdrückl Thematisierung u programmatischer Fassung des Geschichtsbegriffs iZshg natwiss Gegenstandsbeschreibung Wer in der augenblicklichen Beschaffenheit irgend eines Gegenstandes die Einflüsse der umgebenden Schranke und die Entwickelung aus einem früheren Zustande gleichzeitig umspannt, der faßt dessen G. und Natur ungetrennt auf; daher muß, wenn alles Geschichtliche in der Zeit gegründet ist, jenem Sinne nach, alle G. die eigene werden, um G. zu sein GWBN6,208,2u5f Üb:ChWSchütz [ChWSchütz] GWBN6,213,17u20ff ebd c
mit Betonung von Disparatheit, Uneindeutigkeit, Kontingenz, auch der bloßen u ziellosen Repetition; bes in späten Äußerungen eine Haltung kritischer Distanz u Skepsis gegenüber geschichtl Verläufen, ihrer Nachvollziehbarkeit u Sinnhaftigkeit ausdrückend Tiefe Gemüther sind genöthigt, in der Vergangenheit so wie in der Zukunft zu leben. Das gewöhnliche Treiben der Welt kann ihnen von keiner Bedeutung sein, wenn sie nicht .. enthüllte Prophezeiungen, und .. verhüllte Weissagungen verehren. Hierdurch entspringt ein Zusammenhang, der in der G. vermißt wird, die uns nur ein zufälliges Hin- und Widerschwanken in einem nothwendig geschlossenen Kreise zu überliefern scheint GWB27,98,27 DuW 7 [
mBez auf Blockade von Mainz] Viel ward gesprochen über Persönlichkeiten und deren Verhältnisse, die gar mancherlei wirken, ohne daß sie zur Sprache kommen. Man zeigte daraus, wie unzuverlässig die G. sei, weil kein Mensch eigentlich wisse, warum oder woher dieses und jenes geschehe GWB33,273,26 BelagergMainz Velleitaeten. Man tröstet sich daß die Geschichte der Wissenschaften, ja die ganze G. nur dergleichen aufweist GWBN8,362,26 Morph Plp [
iZshg eines Gesprächs üb böhmische Kultur im 14./15.Jh u die Prager Universität] Und doch kann eigentlich Niemand aus der G. etwas lernen, denn sie enthält ja nur eine Masse von Thorheiten und Schlechtigkeiten Gespr Kanzl Müller 17.12.24 Die G. sollte doch lehren, daß nichts Neues unter der Sonne geschieht Gespr Kanzl Müller 8.11.24 Gespr Kanzl Müller 15.4.19 GWBB16,55,10 Schiller [16.3.02]
uö neben ‘Lehrbuch’ u kontrastierend mit dem Aspekt der Tat: das unwirklich, abstrakt gewordene Historische ausdrückend Lehrbuch und G. sind gleich lächerlich dem Handelnden GWBT1,77,23 v 13.1.79 d
im Hinblick auf mögl Nutzanwendung, bes ihren lehrhaften, Zusammenhänge vermittelnden Gehalt Das Beste, was wir von der G. haben, ist der Enthusiasmus, den sie erregt GWB42
2,173,12 MuR wer eine Anlage hat klug zu werden, mag’s nächst dem Leben in der G. suchen GWBB6,15,15 JMüller 26.7.82 Er [
der Oheim] .. suchte mir begreiflich zu machen, daß eigentlich die G. der Kunst allein uns den Begriff von dem Werth und der Würde eines Kunstwerkes geben könne GWB22,337,19 Lj VI SchöneSeele das Wahre kann blos durch seine G. erhoben und erhalten, das Falsche blos durch seine G. erniedrigt und zerstreut werden GWBB25,332,8f Zelter [17.5.15] GWB49
1,293,13 Üb:Giotto,LaCena [G/Meyer]
uö e
als das wesensmäßig Prägende, Bestimmende, Definierende, in identifizierenden (gnomischen) Aussagen [
Therese zu Wilh:] Die G. des Menschen ist sein Charakter. Ich will Ihnen erzählen, wie es mir ergangen ist GWB23,40,15 Lj VII 5 Äußerten wir oben, daß die G. des Menschen den Menschen darstelle, so läßt sich hier auch wohl behaupten, daß die G. der Wissenschaft die Wissenschaft selbst sei. Man kann dasjenige, was man besitzt, nicht rein erkennen, bis man das, was andre vor uns besessen, zu erkennen weiß N1,XV,18f Fl Vorw [
im Auszug aus Noses ‘Historische Symbola, die Basalt-Genese betreffend .. ’] Die G. der Wissenschaft ist die Wissenschaft selbst, die G. des Individuums das Individuum, deßhalb soll auch hier das Geschichtliche vorwalten GWBN9,184,6f Üb:KWNose
uö f
unter kognitivem Aspekt, bes auch hinsichtl subjektiv eingeschränkter Wahrnehmungs- u Erkenntnismöglichkeit, auch mit bildhaftem Vergl Es ist um die G. ein gar wunderlich Ding, das gewisseste Resultat aller Bemühungen deshalb ist der Zweifel. Subjective Wahrheit,
d. h. nur Wahrscheinlichkeit, gilt sogar von gestrigen Vorfällen GWBB36,225,19 Schultz 9.12.22 die alte Erfahrung, daß wir von der G. meistens nur allgemeine unsichere Umrisse kennen, die sich, wie man in’s Besondere geht, ganz eigen modificiren GWBB38,90,5 CarlAug 27.3.24 Die Pflicht des Historikers .. Bei sich selbst muß er genau prüfen, was wohl geschehen sein könnte, und um des Lesers willen muß er festsetzen, was geschehen sei .. das Publicum muß aber nicht in’s Geheimniß hineinsehen, wie wenig in der G. als entschieden ausgemacht kann angesprochen werden GWB42
2,144,21 MuR(271) Es ist mit der G. wie mit der Natur, wie mit allem Profunden, es sei vergangen, gegenwärtig oder zukünftig: je tiefer man ernstlich eindringt, desto schwierigere Probleme thun sich hervor. Wer sie nicht fürchtet, sondern kühn darauf losgeht, fühlt sich, indem er weiter gedeiht, höher gebildet und behaglicher GWB42
2,232,16 MuR(944) Es giebt einen kein Wunder, daß die G. der Wissenschaften wie ein Flözgebirge aussieht, das man durchsinken muß, um zu reichen Lagern zu gelangen GWBB25,207,24 Seebeck 23.2.15 K Gespr Kanzl Müller 17.12.24 GWBB48,86,22 Zelter 17.1.31
uö einmal auch durch subjektive Projektion bestimmt In der G. überhaupt, besonders aber der Philosophie, Wissenschaft, Religion, fällt es uns auf, daß die armen beschränkten Menschen ihre dunkelsten subjectiven Gefühle, die Apprehensionen eingeengter Zustände in das Beschauen des Weltalls und dessen hoher Erscheinungen überzutragen nicht unwürdig finden GWBN5
1, 392,10 Fl Nachtr Geschichtl g
als bewahrende, erinnernde od urteilende Instanz [
Priester zu Epimen, nach dessen Erwachen:] Tadle nicht der Götter Willen | Wenn du manches Jahr gewannst: | Sie bewahrten dich im Stillen, | Daß du rein empfinden kannst: | Und so gleichst du künft’gen Tagen, | Denen unsre Qual und Plagen, | Unser Streben, unser Wagen | Endlich die G. beut GWB16,376 Epimen 870 Gustav Adolf verdankt seinen heiligen Schein seinem Tod in dieser Schlacht [
bei Lützen]. Hätte er länger gelebt, so möchte allerdings das Urteil, ich will nicht sagen der G., sondern der Geschichtschreiber anders geworden sein Gespr(He2,746) Luden [1.10.12] h
als Stoffreservoir, Fundus von Motiven für die literar u bildkünstlerische Gestaltung, auch als Materialbasis für ästhet Ideen; mehrf mit Akzentuierung der Differenz von hist Realität u darstellerischer Umsetzung Wann und wo entsteht ein classischer Nationalautor? Wenn er in der G. seiner Nation große Begebenheiten und ihre Folgen in einer glücklichen und bedeutenden Einheit vorfindet GWB40,198,6 LiterarSansculottism [
Leonore:] Was die G. reicht, das Leben gibt, | Sein [
Tassos] Busen nimmt es gleich und willig auf Tasso 161 Wenn der Kenner seine Einsicht bloß der G. verdankt, wenn sie den Körper zu den Ideen hergibt, aus welchen die Kunst entspringt; so ist auch die Geschichte der Kunst für den jungen Künstler von der größten Bedeutung GWB46,11,1 Winckelm Vorr Wenn Rembrandt seine Mutter Gottes mit dem Kinde als niederländische Bäurin vorstellt, sieht freilich jedes Herrchen, daß entsetzlich gegen die G. geschlägelt ist, welche vermeldet: Christus seie zu Bethlehem im jüdischen Lande geboren worden GWB37,319,18 Falconet GWBB14,161,23 Schiller 21.8.99 GWB37,133,2 ShakespTag Gespr Eckerm 11.6. 25
uö gehäuft (für: histoire) in Übs des ‘Essai sur les fictions’ der Mme de Staël im Rahmen der Erörterung u Qualifizierung versch Dichtungstypen hinsichtl ihres Umgangs mit hist Stoffen, dabei der Historie selbst sittl Gehalt zuerkennend; teilw in Berührung mit D Die Gegenstände der Tragödien sind meist aus der G. genommen; doch wenn man so viele Empfindungen in einem Raum von vierundzwanzig Stunden und fünf Acten einschließen soll, oder wenn man seinen Helden in der Höhe der epischen Poesie erhalten will, so zeigt uns kein Mensch, keine G. ein vollkommenes Muster. Hier ist Dichtung nöthig, aber sie nähert sich nicht dem Wunderbaren .. [
Situationen u Charaktere] sind von der G. entlehnt, nicht aber entstellt .... Aber es gibt eine andere Art von historischen Dichtungen, die ich völlig verbannt wünschte, es sind Romane auf die G. gepfropft .. Diese Gattung zerstört die Moralität der G. GWB40,220,25 u 221, 2u10u23 u 222,4 Staël,Dichtgn Ich will .. keineswegs der G. zu nahe treten, und ihr die Erfindungen ausschließlich vorziehen .. Die feinen Schattirungen, die uns der Roman vorlegt, fließen aus philosophischen Resultaten her .. die Moralität der G. kann [
hingegen] nur in ihrer großen Masse beruhen GWB40,228,28 u 229,7 Staël,Dichtgn
uö(ebd) auch neben u iUz ‘Fabel, Mythologie, Legende’ Ihr kommt Gebildetes allhier zu schauen, | Gebildet scheinbar, doch ein lebend Bild; | So weiß die Kunst vielfältig anzubauen | Der Fabel, der G. reich Gefild GWB4,60 Bilderszenen 15.3.16 [
Zimmerdekoration für Weim Schloß] Man wünscht .. vier Tugenden dargestellt .. Jedoch nicht in allegorischen Figuren, sondern in analogen geschichtlichen Compositionen wozu die Gegenstände wo möglich aus der griechischen Fabel, nicht später als der trojanische Krieg, zu nehmen wären. Sollte man in die G. etwa gehen müssen, so würde es gut seyn sich in der ältesten zu verweilen GWBB15,264,13 Nahl 12.10.01 K [
mBez auf Manzonis ‘Adelchi’] Recht des Dichters, die Mythologie nach Belieben umzubilden, die G. in Mythologie zu verwandeln GWB42
1,172,14 TeilnManzoni GWB41
2,125,6u10 Üb:Salvandy,Don Alonzo GWB34
1,177,7 KuARheinMain
uö D
historische Darstellung, Forschung, insbes: Geschichtsschreibung 1
in allgemeiner od sachlich spezifizierter Anwendung (teilw Darstellung u Gegenstand miteinander verschmelzend) a
für Historiographie od Geschichtsforschung im allgemeinen; öfter personifizierend (‘die G. überliefert, meldet, erzählt, bewahrt, lehrt’ ua) kleine Charakterzüge [
Wallensteins], die uns die G. überliefert GWB40,56,22 Üb:Piccolom Syracus .... im Theater steht eine Inschrift, welche sich auf eine Königin Philistis beziehen soll, von welcher jedoch die G. [
History] nichts meldet .. Andre aber behaupten, die Buchstaben jener Inschrift seien von zu neuer Gestalt, als daß sie einer Zeit angehören könnten, wohin die G. [
History] nicht reicht GWB46,199,9u14 Hackert TgbKnight [
Richter:] Wahrlich unsere Zeit vergleicht sich den seltensten Zeiten, | Die die G. bemerkt, die heilige wie die gemeine GWBHermDor V 230 GWB44,308,13 CellAnh IV 1 GWB44,310,15 ebd GWB26,154,4 DuW 3
uö iSv Fachwissen, auch iUz ‘Fabel’ Hirts Werk über die Baukunst .. nöthigte er uns durch die Restaurationen des Tempels der Diana zu Ephesus .. in’s Alterthum zurück. Zu G. und trümmerhafter Anschauung mußte die Einbildungskraft sich gesellen GWB36,51,11 TuJ 1809 Da er [
der ‘geologische Beobachter’] die ganze Erde umschweben will, so sei er frei gesinnt wie die Luft, die Alles umgiebt. Weder Fabel noch G., weder Lehre noch Meinung halte ihn ab zu schauen. Er sondere sorgfältig das, was er gesehen hat, von dem, was er vermuthet oder schließt GWBB5,24,21 Ernst II 27.12.80
als Zuständigkeitsbereich Klios, der Muse der (Geschichte u) Geschichtsschreibung Pallas .. von Clio, der Muse der G. begleitet GWB16,488,2 Maskenz 1818 Plp b
auf best (weit gefächerte) Sach- und Themenbereiche bezogene hist Einzeldarstellung, gelegentl pl α Lies’t man .. in den florentinischen G-n und Chroniken GWB44,338,27 CellAnh X [
JALZ] Wollten Sie mir wohl vertrauen, wer die Recension der philosophischen G-n [
Tiedemanns ‘Geist der speculativen Philosophie’, Buhles ‘Lehrbuch der Geschichte der Philosophie .. ’, Tennemanns ‘Geschichte der Philosophie’] verfaßt hat? GWBB19,73,25 Eichstädt 16.11.05 [
kritisch üb AWSchlegels Vorlesungen zur Theorie u Geschichte der bildenden Künste] wie will .. einer eine G. schreiben dessen, was nicht sein Metier ist? GWBB43,49,12 Zelter 6.9.27 Ich brauche die Stunden .. zum reineren Schematisiren meines künftigen Aufsatzes über die Farbenlehre .. weil ich zur G. derselben sehr große Lust fühle GWBB13,52,7 Schiller 3.2.98 GWBN2,296,12 FlP Abschl GWBN8,310 Morph Plp GWB47,146,11 u 147,1 Samml 4 GWB28,124,9 DuW 12
uö im verallgemeinernden Sg Ja ich habe die Furca, den Gotthard bestiegen! .. ich habe die römische G. gelesen, um bei der Vergleichung recht lebhaft zu fühlen, was für ein armseliger Schlucker ich bin GWB19,204,19 BrSchweiz I Ich lese jetzt mit Sammlung die G. der französischen Revolution und finde, indem ich den höchst schätzbaren Grund respectire, woher die Hauptsache kommt und wohin das Ziel gelangen kann, alles was tagtäglich bey uns geschieht nur als einen absurden Nachklang jenes Ungeheueren GWBB29,357 Voigt 29.3.18 K GWBB36,94,4 August 11.7.22
uö öfter im Titel od in verkürzter, freier Titelwiedergabe, auch in Überschriften Schiller .. hatte nun den Gegenstand von Wallenstein aufgefaßt und den gränzenlosen Stoff in der G. des dreißigjährigen Kriegs .. behandelt GWB35,63,15 TuJ 1796 Am meisten .. förderte ihn [
Winckelmann] das im Stillen mit großem Fleiß ausgearbeitete Document seines Verdienstes, ich meine die G. der Kunst GWB46,65,9 Winckelm Materialien zur G. der Farbenlehre. Des Zweiten Bandes Erster, historischer Theil N3,V FlH Titel Hypothetische G. des Colorits besonders griechischer Mahler vorzüglich nach dem Berichte des Plinius [
Überschr] GWBN3,68,1 FlH II Kolorit griechMaler GWB35,180,10u21 TuJ 1804
uö β
als individueller Lebenslauf, meist weiter ausgeführte Lebensbeschreibung, Biographie (auch im Dramentitel) ersuche Sie, mir baldigst zu übersenden, was man gewöhnlich curriculum vitae nennt: eine kurz gefaßte G. Ihres bisherigen Lebens und Bestrebens GWBB33,169,15 Schubarth 22.8.20 [
Elisab zu Götz:] So schreib doch deine G. aus die du angefangen hast GWB39,135,9 Götz
1 II~GWB8,136 Götz
2 G. Gottfriedens von Berlichingen mit der eisernen Hand. Dramatisirt GWB39,1 Götz
1 Titel GWB36,175,7 TuJ 1820
uö eingeschränkt auf einen Teilbereich od einen best Lebensabschnitt Oben ist von vier Bänden des biographischen Werks [
DuW] gesprochen .. Mit dieser Zahl gedenke ich die G. meiner Bildung, meines Privat- und ersten Autorlebens zu vollenden GWBB23,136,13 Cotta 12.11.12 Ich wollt die G. meiner vier letzten Monate [
der ersten in Weim] lies sich schreiben, das wär ein Fras für ein gutes Volk GWBB3,30,16 Fahlmer 19.2.76 GWBT12,331,20 v 15.11.30
uö 2
verbunden mit best Aspekten u Merkmalen a
im Hinblick auf Zielsetzung u Methode, bes im Bereich der Wissenschaftsgeschichte über Meynungen werden sich die Menschen niemals vereinigen, der G. dagegen geziemt es vorzulegen, welche Art zu denken in dieser oder jener Zeit obgewaltet und welchen Erklärungsarten man deshalb in den verschiedenen Epochen günstig gewesen GWBN5
2,382,22 Üb:Neumann Von demjenigen .. der die Geschichte irgend eines Wissens überliefern will, können wir .. verlangen, daß er uns Nachricht gebe, wie die Phänomene nach und nach bekannt geworden, was man darüber phantasirt, gewähnt, gemeint und gedacht habe. Dieses alles im Zusammenhange vorzutragen, hat große Schwierigkeiten, und eine G. zu schreiben ist immer eine bedenkliche Sache N1,XVI,19 Fl Vorw Insofern das Wissen sich vermehrt, je methodischer dasselbe behandelt wird, desto besser läßt sich auch die G. schreiben. Je höher der Standpunct, desto besser die Übersicht GWBN5
2,248,11 Fl Plp Es gibt zweierlei Arten die G. zu schreiben, eine für die Wissenden, die andere für die Nichtwissenden GWB40,361,8 Üb:BildnisseGelehrtenBln [
Forderung an wiss Botanik] wäre ein Pflanzensystem nach dem Typus der Metamorphose, eine G. des Pflanzenlebens nach dem Typus des Systems zu versuchen. Beide dienten einander zu symbolischer Bezeichnung dessen, was der Verstand in die Natur nicht hineintragen, was die Natur dem Verstande nicht enthüllen kann GWBN7,86,18 Probl uErwiderg [EMeyer] GWBN5
2,374,18 Fl Plp
uö mit Ausrichtung auf das Wirken bedeutender Individuen eine G. der Wissenschaften, insofern diese durch Menschen behandelt worden, zeigt ein ganz anderes und höchst belehrendes Ansehen, als wenn bloß Entdeckungen und Meinungen an einander gereiht werden N3,XII,15 FlH Einl
als Ideal einer integrierenden, den Gegenstand umfassend u im (kausalen, entwicklungsgeschichtl) Zusammenhang wiedergebenden Darstellung; in der pointierten Formulierung ‘die G. denkt uns vor’ wohl im Hinblick auf ihre innere (sinnhafte) Strukturierung Alles was wir entstanden sehen und eine Succession dabei gewahr werden, davon verlangen wir dieses successive Werden einzusehen. So wie die wahre G. überhaupt nicht das Geschehene aufzählt; sondern wie sich das Geschehene auseinander entwickelt uns darstellt GWBN9,275,26 BildgErde [
betr TuJ] Eine Chronik meines Lebens zu schreiben bin ich seit einigen Jahren beschäftigt .. ich sehe .. daß, je nach dem die Stimmung ist, meine Chronik entweder ihren Charakter behält, oder sich zu Annalen, ja wohl gar zur G. steigern möchte GWBB37,239,7 Süvern 15.10.23 K Da .. meist nur der Vorsatz als ein Ganzes vor unserer Seele steht, das Vollbringen aber gewöhnlich nur stückweise geleistet wird; so ergeben wir uns darein, statt der G., Materialien zu derselben zu liefern N1,XVI,28 Fl Vorw Die G. denkt uns vor, der Roman fühlt uns vor, und so genießen wir an beiden völlig zubereitete Speisen GWB42
1,94,9 Einl:DtGilBlas
uö idVbdg ‘eine G. a priori schreiben’ hypothet für eine Geschichtsdarstellung, die nicht auf Erfahrung u empir gewonnener Erkenntnis beruhte, sondern aus den allg Eigenschaften des menschl Geistes abgeleitet wäre GWBB13,33,17 Schiller 24.1.98 [
Zit in C2bα] b
unter dem Aspekt der subjektiven (bes zeittypischen) Prägung aller hist Darstellung [
in einer Erörterung üb das Verhältnis von Wahrheit u Dichtung] Bringt ja selbst die gemeinste Chronik nothwendig etwas von dem Geiste der Zeit mit, in der sie geschrieben wurde .... In jeder G., selbst einer diplomatisch vorgetragenen, sieht man immer die Nation, die Parthey durchscheinen, wozu der Schreibende gehörte. Wie anders klingen die Mittheilungen der Franzosen über englische Geschichte als die der Engländer GWBB46,242,21 Zelter 15.2.30 c
in (kritisch) einschränkender od negativer Beurteilung; auch iUz ‘Biographie’ Die Biographie sollte sich einen großen Vorrang vor der G. erwerben .. Man wird nicht müde, Biographien zu lesen so wenig als Reisebeschreibungen: denn man lebt mit Lebendigen. Die G., selbst die beste, hat immer etwas Leichenhaftes, den Geruch der Todtengruft. Ja man kann sagen, sie wird immer verdrießlicher zu lesen, je länger die Welt steht .. Soll aber und muß G. seyn, so kann der Biograph sich um sie ein großes Verdienst erwerben, daß er ihr das Lebendige, das sich ihren Augen entzieht, aufbewahren und mittheilen mag GWB28,358,9u26u33 DuW III EntwVorr Wie wenig enthält auch die ausführlichste G., gegen das Leben eines Volkes gehalten? Gespr(He2,115) Luden [19.8.06] G. schreiben ist eine Art, sich das Vergangene vom Halse zu schaffen GWB42
2,119,18 MuR(105) “Daß der größte Teil der G. nichts weiter als ein Klatsch sei”, bemerkte Goethe bei Gelegenheit von Plutarchs Schrift: De malignitate Herodoti Gespr(He2,664) Riemer 2.6.11
uö E
als Wissens-, Arbeitsgebiet, im engeren Sinn als schulisches od akadem Lehrfach Wie sehr wir uns auch von vergangenen Dingen zu unterrichten bestrebt sind und uns mit G. von Jugend auf im Allgemeinsten und Allgemeinen beschäftigen GWB42
1,105,7 Einl:Mämpel,Feldjäger I [
Ottilie:] Man hat uns die G. gelehrt; ich habe nicht so viel daraus behalten, als ich wohl gesollt hätte GWB20,70,6 Wv I 6 [
betr Schillers Bewerbung um eine außerordentl Professur in Jena] Er würde suchen sich in der G. fest zu setzen und in diesem Fache der Akademie nützlich zu seyn GWBB9,65,15 GehConsilium 9.12.88 Mittags Hofrath Voigt. Über Jenaische [
Universitäts-]Verhältnisse. Naturwissenschaft im Sinken. G. und Politik im Steigen Tgb 3. 11.18 [
zu Luden] wundert mich, daß Sie diese erste aller Wissenschaften [
Mathematik], in welcher alles Gewißheit und Wahrheit ist, verlassen haben, um sich auf der Bahn der G. zu versuchen, die bei jedem Schritte schwankt .. Gibt Ihnen die G., bei aller Ungewißheit, mehr Befriedigung, als die Wahrheit der Mathematik? Gespr (He2,116f) Luden [19.8.06] GWB24,154,19 Wj I 9 Gespr(He5,56) Riemer undat
uö ‘(die) G. wissen’ iSv sich in der Geschichte auskennen (für: histoire) GWB45,130,4 RamNeffe GWB45,195,12 RamNeffeAnm
in iron Sicht Professor Historiarum. Breiter wird immer die Welt und immer mehr Neues geschiehet, | Ach! die G. wird stets länger und kürzer das Brot! [
möglicherweise anspielend auf den Jenaer Historiker CGHeinrich] GWB5
1,248 Xen 299(390) F
mehr od weniger abgeblaßt (im Anschluß an A): iSv Sache, Angelegenheit; meist in umgangsspr-freier Redeweise 1
allgemein, unspezif; ‘die alte G.’, ‘gewohnte G-n’ iSv das Bekannte, das Übliche; auch im emotionalen Ausruf Die ganze G. mit dem Genie ist, daß die Menschen einmal Einem gestatten, was sie sich untereinander selbst nicht gestatten, nämlich daß einmal Einer ganz sein darf, was er will und Lust hat Gespr(He2,849) Riemer 14.11.13 [
bezogen auf Zersplitterung der Interessen unter den dt Literaten im ausgehenden 18.Jh] Es ist .. dieß die alte G., die sich bei Erneuerung und Belebung starrer stockender Zustände gar oft ereignet hat, und mag also für ein literarisches Beispiel gelten dessen, was wir in der politischen und kirchlichen Geschichte so oft wiederholt sehen GWB35,38,21 TuJ 1794 [
Ritter Kurt wird auf dem Weg zur Hochzeit von seiner amourösen Vergangenheit eingeholt] Und nun halten die Gerichte | Den behenden Ritter auf. | O verteufelte G.! | Heldenhafter Lebenslauf! | .. Widersacher, Weiber, Schulden, | Ach! kein Ritter wird sie los GWB1,177 Ritter Kurts Brautfahrt 35 GWB1,195 Der Müllerin Reue 21
uö in personifizierender Wendung: ‘wo die G-n hinaus wollen’ iSv wohin die Dinge sich entwickeln GWB23,209,23 Lj VIII 5 2
auf eine best Begebenheit od Episode bezogen (‘die, diese G.’), den spezielleren Sinn von Affäre annehmend [
Oberst zum Ritter:] wenn die G. [
Halsbandaffäre] Aufsehn macht, so denken doch die Menschen von der Sache was sie wollen, und es ist .. besser man thut sie im Stillen ab GWB17,228,5 GrCoph V 3 [
Ferdinands Diebstahl aus dem Schreibtisch des Vaters] in welche Verlegenheit und Discredit diese G. ihn und sein Haus bringen könnte, wenn sie ruchbar würde GWB18,209,27 Unterhaltungen [
üb Niethammer, der in Jena für Fichte eingetreten war] Man trägt ihm in Gotha immer noch nach daß er in die Fichtesche G. verflochten gewesen FfA I 17,640 TuJ 1804 Plp GWB51,167,6 ThS II 7 GWBB1,145,24 Behrisch 20.11.67
uö 3
iSv Sachverhalt, auch im jur Zshg Doch nahm er [
Ferdinand] sich zusammen und trug ihr [
seiner Verlobten] die G. seines bevorstehenden Etablissements [
=Niederlassung] mit Ruhe und Liebe vor GWB18,219,21 Unterhaltungen Dies alles wird ganz klar in die Augen leuchten wenn wir die G. nochmalen und aus dießem Gesichts Punckte betrachten DjG
33,379,36 RAnw [8.9.73] 4
wohl mit der iron Konnotation von Historie [
Teplitz; unübersichtl Lage zw preuß-russ u napoleon Truppen nach der Schlacht bei Großgörschen] Von Morgens bis Abends wechseln die Nachrichten, die denn jeder aufnimmt und auslegt, wie es seinen Gesinnungen gemäß ist, und sich meistens den andern Morgen schon wieder die Mühe nehmen muß, die ganze G. umzubilden GWBN10,105,22 AusTeplitz 1813
→ GWB
Apostelgeschichte GWB
*AssassinenGeschichte GWB
Badegeschichte GWB
Ballgeschichte GWB
Baugeschichte GWB
Bekehrungsgeschichte GWB
Bergwerksgeschichte GWB
Bibliotheksgeschichte GWB
Bildungsgeschichte GWB
Brüdergeschichte GWB
Dichtgeschichte GWB
Dogmengeschichte GWB
Dolchgeschichte GWB
Duellgeschichte GWB
Einquartierungsgeschichte GWB
Einschachtelungsgeschichte GWB
*EntdeckungsGeschichte GWB
Entführungsgeschichte °Entgiftungs- GWB
Entschädigungsgeschichte GWB
*EntwicklungsGeschichte GWB
Erbschaftsgeschichte GWB
Erdgeschichte GWB
Erpressungsgeschichte GWB
Extemporiergeschichte GWB
Familiengeschichte GWB
Farbengeschichte GWB
Feengeschichte GWB
Festgeschichte GWB
Fischergeschichte Form- GWB
Fürstengeschichte GWB
Garderobegeschichte GWB
Gastmahlsgeschichte GWB
Geburtstagsgeschichte GWB
Geistergeschichte GWB
Gelehrtengeschichte GWB
Gesellschaftsgeschichte GWB
Gesinnungsgeschichte GWB
Gespenstergeschichte GWB
Göttergeschichte Granit- GWB
Halsbandgeschichte GWB
Handwerksgeschichte GWB
Hausgeschichte GWB
Heiratsgeschichte GWB
Heldengeschichte GWB
Hexengeschichte GWB
Hofbaugeschichte GWB
Hofgeschichte GWB
Holzstallgeschichte GWB
Hurengeschichte GWB
Intrigengeschichte GWB
Jagdgeschichte GWB
Judengeschichte GWB
Jugendgeschichte Klender- GWB
Katzengeschichte GWB
Ketzergeschichte GWB
Kindergeschichte GWB
Kirchengeschichte GWB
Klostergeschichte GWB
Knabengeschichte GWB
Konsistorialgeschichte GWB
Konskriptionsgeschichte GWB
Kontributionsgeschichte GWB
Konzertgeschichte GWB
Krankengeschichte GWB
Krankheitsgeschichte GWB
Kreuzerhöhungsgeschichte GWB
Kriegsgeschichte GWB
Kriminalgeschichte GWB
Krönungsgeschichte GWB
Kulturgeschichte GWB
Kunstgeschichte GWB
Künstlergeschichte GWB
Kurgeschichte GWB
Landgeschichte Landsturm- GWB
Landtags- GWB
Laster- GWB
Lazarett- GWB
Lebens- GWB
Leidenschafts- GWB
Leidens- Leisten- GWB
Liebes- GWB
Lieblings- GWB
Literar- GWB
Literatur- GWB
Mädchen- GWB
Märtyrer- GWB
Masken- GWB
Menschen- GWB
Missions- GWB
Mord- GWB
Münz- GWB
Mystifikations- GWB
National- GWB
Natur- GWB
Original- GWB
Parallel- GWB
Polizei- GWB
Posthaus- GWB
Privat- GWB
Profan- GWB
Prozeß- GWB
Prüfungs- GWB
Rätsel- GWB
Räuber- GWB
Rechts- GWB
Redouten- GWB
Reformations- GWB
Reichs- GWB
Reise- GWB
Relegations- GWB
Religions- GWB
Revolutions- GWB
Riesen- GWB
Ritter- GWB
Schatzgräber- GWB
Schiffbruchs- GWB
Schiffer- GWB
Schreckens- GWB
Schweizer- GWB
Sitten- GWB
Spezial- GWB
Spiegel- GWB
Spuk- GWB
Staaten- GWB
Staats- GWB
Stadt- GWB
Steuer- GWB
Studenten- GWB
Studien- Tag(es)- GWB
Tanz- GWB
Theater- GWB
Tier- GWB
Trauer- GWB
Tugend- GWB
Uhr- GWB
Umtriebs- GWB
Unglücks- GWB
Unheils- GWB
Unterhandlungs- Ur(gebirgs)- GWB
Vademekums- GWB
Vergiftungs- GWB
Verschwörungs- GWB
Völker- GWB
Vor- GWB
Wahl- GWB
Wanderungs- GWB
Wartburgs- GWB
Wechsel- GWB
Welt- GWB
Wetter- GWB
Wissenschafts- GWB
Wunder- GWB
Zauber- GWB
Zeit- GWB
Zeitungs- GWB
Zwerg- GWB
Handwerksburschenwandergeschichte GWB
Letzte-Jahrs-G. Table-d’hôte-G. GWB
deutschgeschichtlich GWB
kirchengeschichtlich GWB
kunstgeschichtlich GWB
mordgeschichtlich GWB
nationalgeschichtlich GWB
naturgeschichtlich GWB
uraltgeschichtlich GWB
vorgeschichtlich GWB
weltgeschichtlich Syn zu A
GWB
Historie zu A1, 2a und b
GWB
Abenteuer GWB
Begebenheit GWB
Begebnis GWB
Begegnis GWB
Ereignis GWB
Vorfall zu B
GWB
Erzählung GWB
Historie zu B1
GWB
Bericht zu B1a und c
GWB
Geschichtserzählung zu B3
GWB
Fabel zu C, D
u E GWB
Historie(historia) zu C1bγ GWB
Biographie zu D1a GWB
Historik zu D1b GWB
Historica zu D1bβ GWB
Biographie zu F GWB
Angelegenheit GWB
Ding Sache zu F2 GWB
Affaire 1) vgl dazu RKoselleck, in: GeschichtlGrundbegriffe 2, 1975,647—658; s auch DWb4.1.2, 3863ff 2) umfassend zum Thema ECassirer, G u die geschichtl Welt, 1932, bes 1—26; FMeinecke, Die Entstehung des Historismus, 1959,445—584; GJb 103,1993 (passim); HDDahnke, Artikel ‘Geschichte’, in: GHb341,354—365 3) dazu bes VLange, G-s Geschichtsauffassung, in: ders, Bilder — Ideen — Begriffe. G-Studien, 1991,113—125; auch RKoselleck, G-s unzeitgemäße Geschichte, GJb 103, 1993,27—39 4) pl Form in diesem frühen Beleg entspricht möglicherweise noch älterem Gebrauch: für bedeutende nationale Ereignisse, die die ‘Geschichte’ des Volkes ausmachen (vgl DWb 4.1.2,3863) 5) vgl dazu HA Br1,695 6) HFlaschka, G-s Werther. Werkkontextuelle Deskription u Analyse, 1987,179, vermutet auf Grund dieses Briefes, daß G beabsichtigte, den ‘Werther’ mit dem “Gattungsetikett” ‘Geschichte’ zu versehen. 7) zur vorausgesetzten Authentizität der Wertherschen ‘Geschichte’ (als Teil des fiktiven Arrangements) vgl JNelles, Werthers Herausgeber od die Rekonstruktion der ‘Geschichte des armen Werthers’, JbFDH 1996,1—37, bes 5ff Nikolaus LohseN.L.