Biographie Etwa 270 Belege, häufig nur als Werkbenennung bzw Titelersatz, so in Tgb etwa 170 Belege im Zshg der Arbeit an eigenen biogr Texten u etwa 50 bezogen auf die von G bearbeitete Hackertsche Biographie; vereinzelt auch als frz Wort in Titelzitaten: ‘Biographie des hommes vivants’ Tgb 6.2.19, ‘Biographie universelle’ GWBT13,255,15 Agenda 1830 uö (ähnl häufig ‘biographisch’ mit etwa 280 Belegen; daneben 58 Belege für ‘Memoiren’, 58 Belege für ‘Lebensbeschreibung’, 48 Belege für ‘Lebensgeschichte’, etwa 40 Belege für ‘Leben’ iSv Lebensgeschichte; ‘vita’ nur im Titelzitat des Cardanus). Zunehmende Häufigkeit der Belege nach 1800 (so auch für die Synonyme)1). Für G umfaßt die Biographie das Leben einer hist Persönlichkeit bzw das Leben bis zum Zeitpunkt der Abfassung, aber auch nur das Leben bis zum Mannesalter als Zeit der Entwicklung einer Persönlichkeit (DuW2)); ergänzend werden die Schilderungen einzelner zurückliegender Lebensabschnitte von G als Teile seiner Biographie angesehen (zB ItR, Camp). a als Gattungsname, öfter auch für die Autobiographie; teilw im Unterschied, teilw in Konkurrenz zur Geschichtsschreibung3); mehrf in programmat Aussagen üb den Wert der Darstellung des Individuellen u mit Betonung der Wechselwirkung von Individuum u Zeitverhältnissen Die B. sollte sich einen großen Vorrang vor der Geschichte erwerben, indem sie das Individuum lebendig darstellt und zugleich das Jahrhundert wie auch dieses lebendig auf jenes einwirkt. Die Lebensbeschreibung soll das Leben darstellen, wie es an und für sich und um sein selbst willen da ist. Dem Geschichtsschreiber ist nicht zu verargen, daß er sich nach Resultaten umsieht; aber darüber geht die einzelne That sowie der einzelne Mensch verloren GWB28,358,8 Entwurf einer Vorrede zu DuW III Denn dieses scheint die Hauptaufgabe der B. zu sein, den Menschen in seinen Zeitverhältnissen darzustellen, und zu zeigen, in wiefern ihm das Ganze widerstrebt, in wiefern es ihn begünstigt, wie er sich eine Welt- und Menschenansicht daraus gebildet, und wie er sie, wenn er Künstler, Dichter, Schriftsteller ist, wieder nach außen abgespiegelt GWB26,7,13 DuW Vorw sie [die Ärzte Haller, Unzer u Zimmermann] waren zu ihrer Zeit sehr wirksam. Und davon sollte in der Geschichte, vorzüglich aber in der B. die Rede sein: denn nicht insofern der Mensch etwas zurückläßt, sondern insofern er wirkt und genießt .. bleibt er von Bedeutung GWB27,100,12 DuW 7 Das [gemalte] Porträt wie die [literar] B. haben ein ganz eigenes Interesse; der bedeutende Mensch, den man sich ohne Umgebung nicht denken kann, tritt einzeln abgesondert heraus, und stellt sich vor uns wie vor einen Spiegel GWB24,116,6 Wj I 7 [mit Riemer, kurz vor Abfassung des sog Karlsbader Schemas zu DuW] Unterhaltung über Biographica und Ästhetica. Heroische, Reise-, Liebes-Motive, charakteristische, einen gewissen Zustand bezeichnende. Ironische Ansicht des Lebens im höhern Sinne, wodurch die B. sich über das Leben erhebt. Superstitiose Ansicht; wodurch sie sich wieder gegen das Leben zurückzieht .. es muß zuletzt .. eine befriedigende Totalität hervortreten Tgb 18.5.10 Gespr(He2,662) Riemer [12./17.5.11] Gespr Eckerm 1.4.31 uö in Zusammenstellung mit anderen Gattungen Schon länger .. war man [in Frkr] gewohnt, über Gedichte und prosaische Aufsätze, über Theaterstücke, Kanzelreden, Memoiren, Lobreden und B-n in Gesellschaften zu dissertiren GWBN4,118,10 FlH IV Fontenelle uö b das konkrete, einzelne (auto-)biogr Werk als Darstellung des Lebens, der Leistung u spezifischen Individualität einer (bedeutenden od einfach-tüchtigen) Persönlichkeit; vereinzelt die Lebensgeschichte, der Lebensablauf selbst Es sind wenige B-n, welche einen reinen, ruhigen, stäten Fortschritt des Individuums darstellen können. Unser Leben ist, wie das Ganze in dem wir enthalten sind .. aus Freiheit und Nothwendigkeit zusammengesetzt GWB28,50,13 DuW 11 ob wir die B. des frommen Oberhirten [Graf Zinzendorf] .. bald zu hoffen haben. Ich bin höchst verlangend Leben und Thätigkeit eines Mannes, der in meiner Jugend auf mich .. stark einwirkte, nun einmal im Ganzen und in Bezug auf die allgemeine Weltgeschichte, durch eine meisterhafte Darstellung zu überblicken GWBB46,239,16 Varnhagen 13.2.30 An der Hackertschen B. wird gedruckt .. Wenigstens stellt sie ein thätiges, bedeutendes, glückliches, und im Unglück sich wiederherstellendes Leben dar GWBB22,20,24 Reinhard 22.1.11 Des Schweizerhauptmann Landolts B. von Weiß [gemeint ist der Schriftsteller u Zeichner DHeß] .. erneuerten Anschauung und Begriff des wundersamsten Menschenkindes, das vielleicht auch nur in der Schweiz geboren und groß werden konnte GWB36,177,3 TuJ alle diese kurzen B-n [von Carlyle seiner Anthologie dt Erzählungen beigefügt] sind mit Neigung, aber mit Klarheit geschrieben; was er als Mängel seiner Autoren tadeln könnte, das behandelt er als Eigenschaften und Eigenheiten, und so entsteht doch zuletzt das Bild eines lebendigen, wenn auch nicht durchaus lobenswürdigen Menschen GWBB43,79,25 Boisserée 25.9.27 [üb Cardanus u Cellini] Auch die B-n oder Confessionen beider, wie man sie wohl nennen kann, treffen darin zusammen, daß die Verfasser, obschon mit Mißbilligung, doch auch zugleich mit einigem Behagen von ihren Fehlern sprechen GWBN3,218,23 FlH IV Cardanus ich erscheine mir selbst immer mehr und mehr geschichtlich; und da mir meine gute Tochter Abends den Plutarch [P-s Parallelbiographien] vorlies’t, so komm ich mir oft lächerlich vor, wenn ich meine B. [< Geschichte] in dieser Art und Sinn erzählen sollte GWBB49,165,22 WHumboldt 1.12.31 K GWB36,276,18 BiogrEinzh Bedeutg dIndividuellen GWB40,361,22 Rez:BildnisseGelehrtenBln GWBB41,103,19 Kanzl Müller 3.8.26 uö sehr häufig stichwortartig im Tgb, mehrf verbunden mit inhaltl Notizen od Hinweisen auf die Art der Beschäftigung (zB schematisiert, darüber gedacht, durchgelesen, diktiert, revidiert, beendigt) B. Herder in Straßburg Tgb 5.4.11 B. durchgelesen, einiges schematisiert GWBTgb 6.4.13 B. wie gestern GWBTgb 22.6.13 uö ‘summarische B.’ für TuJ4) Das Jahr 1809 zur summarischen B. durchgedacht und das Tagebuch gelesen GWBTgb 16.10.22 Tgb 26.7.19 → GWBAutorbiographie GWBSelbst- vgl GWBAnnalen GWBBekenntnis(B-se) GWBChronik GWBcurriculum vitae(c. vitae) GWBDenkwürdigkeit(D-en) GWBErinnerung(E-en) GWBGeschichte GWBKonfession GWBLeben GWBLebensabriß GWBLebensbeschreibung GWBLebenschronik GWBLebensfabel GWBLebensgang GWBLebensgeschichte GWBLebenslauf Lebensnotizen GWBLebensschicksal GWBLobrede Memoiren Nekrolog Tag- und Jahreshefte 1) Zu den von G verfaßten od herausgegebenen biogr Schriften u zu G-s Lektüre unzähliger, vor allem zeitgenöss Biographien vgl GHb2 s v Autobiographie. Der Titel “Kleine Biographien zur Trauerloge .. 1821” GWB36,450 ist nicht von G; die WA hat ihn von einer G-schen Erwähnung dieser Nekrologe GWB36,189,6 TuJ abgeleitet 2) in früheren Konzeptionen von DuW war der umfaßte Zeitraum noch weiter gefaßt, vgl HA9,604—606 3) die Frage nach dem Verhältnis von Biographie u Geschichtsschreibung ist traditionell, vgl zB zur Antike WSteidle, Sueton u die antike Biographie, 1951,11 4) zum Titel von TuJ vgl ‘Annalen’ AnmElke Umbach E. U.