schmatzen,
verb. 11)
durch rasches öffnen des mundes ein geräusch hervorbringen, papare Dief.
nov. gloss. 279
a (
von 1468),
diductis labiis porcorum mandentium aut equorum potantium sonos imitari Stieler 1867,
ore sonum labiis deductis edo Steinbach 2, 459, schmatzen wie die eichhornichen. Schottel 1403, als ein schwein beim trog wenn es iszt. Frisch 2, 206
a,
mhd. smatzen Lexer
mhd. handwb. 2, 1003,
wahrscheinlich contrahiert aus smackezen.
grammatik 2, 219.
vergl. auch Winteler
in Paul
und Braunes
beiträgen 14, 459,
einer weiterbildung von smacken,
die sich als schmacksen
landschaftlich erhalten hat, s. oben sp. 901.
nebenformen sind smatzgen Lexer
a. a. o., schmatzigen,
papare Dief. 410
b (
von 1440), schmatzgen (wie die schwein,
deductis labiis porcorum mandentium sonos aemulari) Dentzler
clavis ling. lat. (1716) 2, 252
b. Schmid 470. Schöpf 628. Seiler 257
b;
mit verbreiterung des zischlauts schmatschen Bernd 266,
nd. smatschen Schütze 4, 127;
umgelautet smeczen,
papare Dief. 410
b, schmetzen,
commessari, helluari, bauffrer, mit begier essen und einschlukken. Schottel 1404, schmätzen Stieler 1867, schmeze Müller-Weitz 216. 1@aa)
von thieren, besonders das geräusch beim aufnehmen der nahrung bezeichnend: sein (
des affen) gröst thun ist, alles bescheiszen und verderben, den kopff mit den leusen hinwerffen, schmatzen und im plosen hindern kratzen.
Garg. 245
b; die schweine schmatzen, wenn sie essen. Adelung; das eichhorn schmatzt. Eyering
sprichw. 2 (1601), 130; (
im bilde) die bäkken-schweine stehen und schmatzen in dem trog. Rompler 47.
als ausdruck des behagens betrachtet: man sieht der ziege gleich
an. dasz sie gerne säuerliche kräuter friszt, denn sie schmazt. Bettine
briefe 2, 228;
so auch vom menschenähnlich gedachten thier in der fabel: ich (
der floh) schmazt, das sie es schier hört auch. Fischart 2, 26, 884
Kurz; (
der mäuseprinz nach einem trunk) schmatzet wie die kleinen kind, wenn sie an der mütter brüst sind. Rollenhagen
froschm. (1595) C 7
b.
[] das ergrimmte oder verwundete schwarzwild schmatzt,
schlägt die kinnbacken heftig zusammen. Behlen 5, 505; das schmatzen der fische,
poppismus Nemnich. 1@bb)
von menschen. 1@b@aα)
beim essen oder trinken, für thierisch, unmanierlich geltend: (
des schäme man sich, dasz man bei tische) schmatze wie eine sau, schnaufe wie ein hamster. Mathesius
Syrach 3, 38
b; dasz er mit dem munde nicht schmatze wie ein schwein. Albertini
hofschul (1610) 52
a; swer snûdet, als ein waʒʒerdahs, so er iʒʒet, als etlîcher phliget, und smatzet, als ein Beiersahs, wie gar er sich der zuht verwiget. Tanhauser
hofzucht 63; schmatzen am drincken lob ich nit. Brant
narrensch. 110
a, 100
Zarncke; der (
narr) frasz und schmatzet wie ein schwein .. und treiffet auff das tischtuch nider. H. Sachs 2 (1570), 4, 62
d.
als zeichen des behagens: (
im bilde) ja, der schmeckt jn ins hertz (
teufelsdreck den juden), da schmatzten sie, wie die sew. so wollen sie es haben. Luther 8, 111
a; schmackts euch ohn schmaltz nicht, so schmatzt auch nicht.
Garg. 134
b; (
der bauernknecht) seiner roten öpffel asz mit schelfen, und asz ungschelt hinnein, und schmatzet darmit wie ein schwein, das öpffelessen schmeckt jm wol. H. Sachs 2 (1591), 4, 94
a;
dann auch schmatzend essen, behaglich schmausen, zechen: streifft seine ermel hinder sich und streckt sich auff die matzen, auff das ihm nichts wer hinderlich (
beim trinken), da fieng er an zu schmatzen.
Garg. 10; nur lecken kann sie gut und wählen noch vielmehr, und schmatzen noch viel besser. Günther 482; kastanien hatt' ä schiffersweib im schoosz, und schmatzt' und schmatzt' und schmatzte dir drauf los. Bürger 288
b (
Macb. 1, 3). schmatzen und schmausen: darauf ist denn noch geschmatzt und geschmaust worden. Zelter
an Göthe im briefwechsel beider 3, 478. etwas schmatzen Campe. 1@b@bβ)
im schlafe (
von trinken träumend?): der spiler abendzehren oder undertrunck, sagt er, schmack eben, als wenn einer im schlaff schmatzt.
Garg. 45
b. 1@b@gγ)
vor durst: als er aber im bett gelegen und gar findtlich mit dem maul geschmatzt, hatt jn sein gesell zuo letzt gefragt, was jm angelegen were, hat er jhm seinen groszen durst angezeygt.
rollwagenb. 112, 20
Kurz. 1@b@dδ) für andacht,
vor andächtigem staunen: wer jn ansahe (
einen fürstlichen barfüszermönch), der schmatz(t?) für andacht, und muszte sich seines weltlichen standes schemen. Luther 6, 10
a; wir jungen mü(n?)chen saszen, und sperreten maul und nasen auff, schmatzten auch für andacht, gegen solcher tröstlicher rede, von unser heiligen müncherey. 23
a. 1@b@eε)
um ein pferd anzuhalten: schmatzen und ein pferd halten,
poppysma edentem equum tenere Steinbach 2, 459, schmatzen, nennen auch einige den laut, den die kutscher zu den unbändigen pferden mit den lippen machen,
popysma, blandimentum, quod fit labia vi quadam aperiendo Frisch 2, 206
a,
auch um es anzutreiben Höfer 3, 90. 1@b@zζ)
todte oder scheintodte soll man schmatzen
hören: bei kurzen jaren ist ain schene junkfraw zu Haidelberg gestorben und begraben worden, von der sagt man, das (man) sie im grab des andern tags ires absterbens, hab heren schmatzen und schnufen.
Zimm. chron.2 1, 326, 31; anno 1603 schmatzte zu Nienstadt bei Hamburg ein todter körper im grabe nicht anders als die schweine wenn sie fressen. Paullini
zeitverkürzende lust (1695) 2, 886; tractat von dem kauen und schmatzen der todten in den gräbern.
titel eines Leipzig 1734
erschienenen werkes von M. Ranft. 1@b@hη)
vom lauten, derben küssen, wobei ein solcher laut entsteht, und als volksmäsziger ausdruck für küssen überhaupt. Adelung,
osculari impudenter Schottel 1403,
dissuavari impudenter, apprehensa buccula deosculari, basiare Stieler 1867,
basiare cum sono labiorum Frisch 2, 206
a; schmetzen Vilmar 359: (
im bilde)
d. Carlstadt hat sich mit fraw Vernunfft gehertzt, und hat die auff der cantzel geschmetzt.
quelle von 1615
ebenda; und ee das ich recht innen wart der katzen, schmatzt ich stet hinwider ('
küsse, kuszhand werfen'
ist gemeint).
fastn. sp. 285, 19
Keller; [] und auch der schendlich narr voran, der mich gewaltiglich anplatzt, auff der gasz mich umfieng und schmatzt. H. Sachs 5 (1579), 384
c; so lasz uns nu mein engelein ernewern unsern streit mit schertzen, hertzen, schmätzen. Weckherlin 775; du lecktest mich, du schmatztest mich, und thätst mit mir ein däntzel.
mägdelob 65.
vergl. auch abschmatzen
oben theil 1, 105
und schmutzen, schmützen
unten. 22)
mit sächlichem subject, klatschen, kurz und hell schallen, und zwar sowol von geräuschen im sinne von 1: jemanden küssen dasz es schmatzt Adelung; das treffen man och hören macht daʒ da beschach von jr baider munt das ich den krach nennen kunt daʒ tett ich gern sicherlich mich zimpt eʒ smaʒet minneclich. Laszberg
liedersaal 3, 309, 180; (
vom schnappen der fische) ein klatschendes gezische, ein schmatzend schnappen nach der lufft, wird überall gehört. Brockes
ird. vergn. 6 (1739), 144,
als auch allgemeiner von ähnlichen: wenn sie (
die leuchtkugeln) im feld weyt fielen nider theten sie gwaltig schleg herwider und theten fewer von jn spratzen mit sehr lautem knallen und schmatzen. H. Sachs 1 (1558), 204
c; die grossen krapffen hört man bachen die streublein inn der pfannen schmatzen. 543
d; wenn sie (
die läuse) sich in die fleck verkruchen, so thett er sie denn auszher kratzen und stach sie, dasz es laut thet schmatzen. 4 (1578), 3, 80
a; davon hört ich das feur schmatzen ser greulich funcken und aufspratzen. 1, 304, 212
Arnold; als nn mit ainem lawten schais zw seiner hintern thüer ausrais dem pawern loffel und püer kaczen (
purgaz) mit prasteln und ser lautem schmaczen.
fastn. sp. 7, 84, 310
neudruck; es bricht, kracht, schmatzt, platzt, rumort, bewegt sich alles mit einander und durch einander (
in der schlacht). Kirchhof
wendunm. 2, 304
Österley. im weiteren sinne heute nur noch mundartlich üblich. Sartorius 110. Schm.
2 2, 560 (sumpfiger boden schmatzt unter dem tritt). 33)
wie klatschen, ein kurzes, helles geräusch hervorbringen im allgemeineren sinne, mit persönlichem subject. so im siebenb.-sächs. ônschmatzen,
mit der peitsche klatschend (
das zugthier)
antreiben. Schröer 202
b.
in Würzburg trans. etwas nasses, z. b. mörtel mit klatschendem geräusch hinwerfen. Sartorius 110,
ähnlich schon in älterer sprache: er schmatzt den klumpen koth auff ein stein. Kirchhof
wendunm. 421; do voller spaichel was sein munt, die thet er sament dar smatzen dem kalen manne auf sein glatzen.
quelle bei Schmeller
2 2, 560.
hieran schlieszt sich wol die der älteren sprache und heutigen mundarten eigene verwendung im weiteren sinne von '
werfen, schlagen',
die auch klatschen
zeigt. thür. schmâze,
heftig die thür zuwerfen Kleemann 19
b, schmatzen,
schlagen, hauen Schm.
2 2, 560. Höfer 3, 99: stöcke schmatzen,
aus baumstümpfen scheite hauen. ebenda. Jacobsson 4, 3
a, abschmatzen,
abhauen (
in älterer sprache),
oben theil 1, 105, anschmatzen,
mit dem waldhammer bezeichnen Heppe
bei Schmeller
2 2, 560,
mit umlaut schmetz,
schlagen, werfen Regel 262,
doch vermutet man hierfür auch zusammenhang mit schmeiszen,
oben th. 1, 105,
mit schmettern Höfer 3, 99,
oder mit mlat. mazza,
keule Weigand
4 2, 601. 44) schmatzen,
schmieren, mit schmutz bewerfen, unschmatzen Lexer
kärnt. wb. 221,
wo zusammenhang mit schmeiszen
vermutet wird; vielleicht aus der vorigen anwendung zu erklären. 55) schmätzen, schmatzen,
schwatzen, reden (
verächtlich) Schm.
2 2, 560. Klein 2, 125 (â,
bair.). Höfer 3, 99 (â). Hügel 210
b ();
älter smetzen (
vel chlaffen),
verbocinare. vocab. bei Schm.
2 2, 560: ir alten vlattertaschen, ir kunnet vil smetzen und waschen.
fundgr. 2, 298, 3; und allzeit davon getzt und schmetzt was er in ihren talmut setzt. J. Prätorius
saturnalia (1663) 213.
transitiv, verläumden: wer aber einen mit worten an seinen ehren schmetzet, der ist in gnad und ungnad der obrigkeit.
weisth. 2, 233 (
rheinfränk.).
entweder dasselbe wie 1 (
vgl.klatschen
in solcher verwendung)
oder durch übergang von w
in m
aus swetzen, swatzen
entstanden, vgl. Lexer
mhd. hdwb. 2, 1010.