glupen,
vb., '
scheel, tückisch, lauernd sehen, mit halboffenem auge einen heimlichen blick werfen',
seltener: '
starren, glotzen, wild, drohend aussehen'
; ein in mitteldeutschen und vor allem in niederdeutschen mundarten weit verbreitetes wort, das nur dem westen fehlt (
so dem Rheinland, dem südlichen Westfalen und teilen von Hessen).
in östlichen mundarten ist glupschen (
s. d.)
ganz oder teilweise an seine stelle getreten. neben glûpen
begegnen mundartliche formen mit kurzem stammvokal: gluppen Beck
ma. von Nordsteimke 41; glöppen, gleppen (
neben glupen
s. 44) Strodtmann
id. Osnabrugense 73.
auffallend ist ein gluppen
in Kärnten (
dort auch angluppen '
verstohlene seitenblicke zuwerfen', gluppaugat '
mit schielenden, seitwärts blickenden augen versehen'),
s. Lexer
kärnt. wb. 117. glupen
ist ein in den nordischen und westgermanischen sprachen verbreitetes wort (
zufrühest als glūpa '
heimtückisch sich einschleichen'
im altfriesischen, s. van Helten
lex. d. altostfries. 194),
gehört jedoch in der bedeutung '
lauernd sehen'
nur den nd. und nordniederländischen maa. an. im ostfriesischen und niederländischen lebt auch noch die ältere bedeutung '
ein wenig offen stehen, klaffen'
und das zugehörige subst. glup(e) '
spalte',
s. Doornkaat-Koolman 1, 644;
nl. te(r) gluip '
heimlich, verstohlen',
vgl. denselben bedeutungsübergang von '
offen stehen'
zu '
gaffen'
bei glaffen.
das westgerm. glupen
bedeutete also danach anfänglich '
durch einen spalt, eine schmale öffnung (
der augenlider)
sehen'.
im norden entwickelte sich glupen
über '
klaffen, gähnen'
zu der bedeutung '
schnappen, mit dem maule fassen, schlucken, verschlingen',
vgl. norw. glūpa,
st. v., Torp 168,
schwed. (
dial.) glupa, gliopa,
dän. (
dial.) glubbe,
dazu als intensiv altn. gleypa '
verschlingen',
s. Fritzner 1
2, 611;
als inchoativ glupna '
von irgend etwas schrecklichem überrascht werden'
ebda 614 =
mengl. ds. Stratmann-Bradley 298.
doch wird diese nach Falk-Torp 330
gegebene konstruktion der bedeutungsentwicklung fraglich durch die mit glupen
augenscheinlich verwandten glau '
hellblickend, klug', glû '
glänzend (
bes. auch von den augen),
glühend' (
s.glüh), glûmen '
düsteren, heimtückischen blick nach etwas werfen' (
s. d.), glûren, glûstern '
glänzen (
von den augen)' (
s. d.), glotzen (
s. d.).
alle diese gehören zur basis ghlu-
von der wurzel *hel- '
glänzen'.
dasz sich auch von '
glänzen'
aus eine bedeutung '
öffnung, spalte'
entwickeln kann, zeigt aisl. gluggr '
lichtöffnung, fenster': gloggr '
glau'
; schwed. dial. glänta '
kleine öffnung': glänzen;
norw. glōr '
offener platz im walde': glōra '
funkeln'
; norw. glīra '
kleine spalte, durch die das licht schimmert': glīra '
schimmern'
; norw. glott '
kleine öffnung, zwischenraum': glotzen,
s. Persson
beitr. z. idg. wortf. 571
anm. 2; 791; 794; 877.
neben glup-
begegnen auch die formen glep-
und glip-
von parallelerweiterungen derselben wurzel; vgl. glepen
klaffen von der tür Woeste
westf. ma. 80; glepe
ritze, spalte ebda; Köppen
Dortmund 23;
nl. glepen
offenstehen, klaffen; glepe
spalt, fuge (
beide je einmal bezeugt mit unsicherer qualität des stammvokals)
woordenboek 5, 55
und 57; glepoge
brem.-niedersächs. wb. 2, 516;
schwed.-dial. glippen (
eine tür)
oft öffnen Falk-Torp 1, 328;
niederfränk. scissura, ruptura, fissura glyppe, reete, spleete, spalde v.
d. Schueren 183;
mnd. glippoge Schiller-Lübben 2, 119. glupen
bezeugt lexikalisch zuerst Wachter (
aus unbekannter quelle): glupen
oculos vultumque demittere; gluper
qui neminem erecto vultu adspicere audet gloss. (1737) 598;
seither öfter: Frisch
wb. 1 (1741) 358
b (
neben glüpisch); Adelung 2 (1775) 731 (
neben glupsch, glupsk); Campe 2, 411.
literarisch erscheint es zunächst niederdeutsch, und zwar als partizipiales adj. glupende '
tückisch, heimlich, unversehens': wulve, panthir unde glupende hunde (
glosse zum Sachsenspiegel v. j. 1488) Schileer-Lübben 2, 124;
nl.: zwigende ofte glupende (
verwunden) Verwijs-Verdam 2, 2004.
schriftsprachlich wird glupen (anglupen)
bei norddeutschen schriftstellern des 18.
jh.: die beiden gelehrten glupten einander an J. G. Müller
Siegfried von Lindenberg 2 (1781) 61; gluhpende schielaugen
ders. d. herren v. Waldheim 1 (1787) 135; nachdem der lakei wieder auf die beine gekommen war, glupte er den herrn Jones an J. J. Chr. Bode
Thomas Jones (1786) 5, 62; so was erkennt man an dem augendrehn, am immer ängstlich flüchtgen nach allen seiten spähn, in so nem kerl da thut der böse leibhaft brennen, drum musz er immer glupen, immer rennen! Zach. Werner 24.
februar (1815) 139; und wie das glupt und stiert und heimlich an den arm sich stöszt und wispert Hebbel
w. 4, 258
Werner; vgl. ebda 259; missgunst glupt aus jedem winkel, in jeder ecke lauern neider Kotzebue
s. dram. w. (1827) 4, 124; schmeiszt die fledermäuse, die kleinen gespenster, klitschend gegen die rasselnden fenster. die glupen dumm neugierig hinein Storm
s. w. 1, 153
Köster; das mädchen glupte mit seinen klugen, scharfen augen nach der zornigen frau G. Frenssen
Klaus Hinrich Baas (1909) 4; das kleine scheusal (
eine alte hexe) glupte ihn schiefäugig mit so dummen huhnäuglein an
ders. dummhans (1929) 34; (
er) glupte stieläugig übereck nach seinem begleiter hin Eberh. König
Thedel von Wallmoden (1926) 278; da stunden sie herum wie scheu glupende bauernjungen, die den daumen ins maul stecken
ebda 103;
vgl. auch die composita aufglupen Fr. L. Jahn
w. 2, 580
E.; hinaufglupen Fr. v. Heyden
br. eines flüchtlings 1 (1838) 164; anglupen Freiligrath
ges. dicht. 6, 159.