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glupen

mnd. bis sprichw. · 10 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
Anchors
10 in 10 Wb.
Sprachstufen
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

glupen vb.

Bd. 8, Sp. 477
glupen, vb., 'scheel, tückisch, lauernd sehen, mit halboffenem auge einen heimlichen blick werfen', seltener: 'starren, glotzen, wild, drohend aussehen'; ein in mitteldeutschen und vor allem in niederdeutschen mundarten weit verbreitetes wort, das nur dem westen fehlt (so dem Rheinland, dem südlichen Westfalen und teilen von Hessen). in östlichen mundarten ist glupschen (s. d.) ganz oder teilweise an seine stelle getreten. neben glûpen begegnen mundartliche formen mit kurzem stammvokal: gluppen Beck ma. von Nordsteimke 41; glöppen, gleppen (neben glupen s. 44) Strodtmann id. Osnabrugense 73. auffallend ist ein gluppen in Kärnten (dort auch angluppen 'verstohlene seitenblicke zuwerfen', gluppaugat 'mit schielenden, seitwärts blickenden augen versehen'), s. Lexer kärnt. wb. 117. glupen ist ein in den nordischen und westgermanischen sprachen verbreitetes wort (zufrühest als glūpa 'heimtückisch sich einschleichen' im altfriesischen, s. van Helten lex. d. altostfries. 194), gehört jedoch in der bedeutung 'lauernd sehen' nur den nd. und nordniederländischen maa. an. im ostfriesischen und niederländischen lebt auch noch die ältere bedeutung 'ein wenig offen stehen, klaffen' und das zugehörige subst. glup(e) 'spalte', s. Doornkaat-Koolman 1, 644; nl. te(r) gluip 'heimlich, verstohlen', vgl. denselben bedeutungsübergang von 'offen stehen' zu 'gaffen' bei glaffen. das westgerm. glupen bedeutete also danach anfänglich 'durch einen spalt, eine schmale öffnung (der augenlider) sehen'. im norden entwickelte sich glupen über 'klaffen, gähnen' zu der bedeutung 'schnappen, mit dem maule fassen, schlucken, verschlingen', vgl. norw. glūpa, st. v., Torp 168, schwed. (dial.) glupa, gliopa, n. (dial.) glubbe, dazu als intensiv altn. gleypa 'verschlingen', s. Fritzner 12, 611; als inchoativ glupna 'von irgend etwas schrecklichem überrascht werden' ebda 614 = mengl. ds. Stratmann-Bradley 298. doch wird diese nach Falk-Torp 330 gegebene konstruktion der bedeutungsentwicklung fraglich durch die mit glupen augenscheinlich verwandten glau 'hellblickend, klug', glû 'glänzend (bes. auch von den augen), glühend' (s.glüh), glûmen 'düsteren, heimtückischen blick nach etwas werfen' (s. d.), glûren, glûstern 'glänzen (von den augen)' (s. d.), glotzen (s. d.). alle diese gehören zur basis ghlu- von der wurzel *hel- 'glänzen'. dasz sich auch von 'glänzen' aus eine bedeutung 'öffnung, spalte' entwickeln kann, zeigt aisl. gluggr 'lichtöffnung, fenster': gloggr 'glau'; schwed. dial. glänta 'kleine öffnung': glänzen; norw. glōr 'offener platz im walde': glōra 'funkeln'; norw. glīra 'kleine spalte, durch die das licht schimmert': glīra 'schimmern'; norw. glott 'kleine öffnung, zwischenraum': glotzen, s. Persson beitr. z. idg. wortf. 571 anm. 2; 791; 794; 877. neben glup- begegnen auch die formen glep- und glip- von parallelerweiterungen derselben wurzel; vgl. glepen klaffen von der tür Woeste westf. ma. 80; glepe ritze, spalte ebda; Köppen Dortmund 23; nl. glepen offenstehen, klaffen; glepe spalt, fuge (beide je einmal bezeugt mit unsicherer qualität des stammvokals) woordenboek 5, 55 und 57; glepoge brem.-niedersächs. wb. 2, 516; schwed.-dial. glippen (eine tür) oft öffnen Falk-Torp 1, 328; niederfränk. scissura, ruptura, fissura glyppe, reete, spleete, spalde v. d. Schueren 183; mnd. glippoge Schiller-Lübben 2, 119. glupen bezeugt lexikalisch zuerst Wachter (aus unbekannter quelle): glupen oculos vultumque demittere; gluper qui neminem erecto vultu adspicere audet gloss. (1737) 598; seither öfter: Frisch wb. 1 (1741) 358b (neben glüpisch); Adelung 2 (1775) 731 (neben glupsch, glupsk); Campe 2, 411. literarisch erscheint es zunächst niederdeutsch, und zwar als partizipiales adj. glupende 'tückisch, heimlich, unversehens': wulve, panthir unde glupende hunde (glosse zum Sachsenspiegel v. j. 1488) Schileer-Lübben 2, 124; nl.: zwigende ofte glupende (verwunden) Verwijs-Verdam 2, 2004. schriftsprachlich wird glupen (anglupen) bei norddeutschen schriftstellern des 18. jh.: die beiden gelehrten glupten einander an J. G. Müller Siegfried von Lindenberg 2 (1781) 61; gluhpende schielaugen ders. d. herren v. Waldheim 1 (1787) 135; nachdem der lakei wieder auf die beine gekommen war, glupte er den herrn Jones an J. J. Chr. Bode Thomas Jones (1786) 5, 62; so was erkennt man an dem augendrehn, am immer ängstlich flüchtgen nach allen seiten spähn, in so nem kerl da thut der böse leibhaft brennen, drum musz er immer glupen, immer rennen! Zach. Werner 24. februar (1815) 139; und wie das glupt und stiert und heimlich an den arm sich stöszt und wispert Hebbel w. 4, 258 Werner; vgl. ebda 259; missgunst glupt aus jedem winkel, in jeder ecke lauern neider Kotzebue s. dram. w. (1827) 4, 124; schmeiszt die fledermäuse, die kleinen gespenster, klitschend gegen die rasselnden fenster. die glupen dumm neugierig hinein Storm s. w. 1, 153 Köster; das mädchen glupte mit seinen klugen, scharfen augen nach der zornigen frau G. Frenssen Klaus Hinrich Baas (1909) 4; das kleine scheusal (eine alte hexe) glupte ihn schiefäugig mit so dummen huhnäuglein an ders. dummhans (1929) 34; (er) glupte stieläugig übereck nach seinem begleiter hin Eberh. König Thedel von Wallmoden (1926) 278; da stunden sie herum wie scheu glupende bauernjungen, die den daumen ins maul stecken ebda 103; vgl. auch die composita aufglupen Fr. L. Jahn w. 2, 580 E.; hinaufglupen Fr. v. Heyden br. eines flüchtlings 1 (1838) 164; anglupen Freiligrath ges. dicht. 6, 159.
5607 Zeichen · 119 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    glupensw. V.

    Köbler Mnd. Wörterbuch · +2 Parallelbelege

    glupen , sw. V. Vw.: s. glūpen

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Glupen

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    * Glupen , verb. reg. neutr. welches das Hülfswort haben erfordert, aber nur in den niedrigen Sprecharten, besonders Nie…

  3. modern
    Dialekt
    glupen

    Mecklenburgisches Wb. · +1 Parallelbeleg

    glupen verstohlen und finster von unten her blicken: he gluhpt jümmer er sieht keinem Menschen gerade in die Augen N. Mo…

  4. Sprichwörter
    Glupen

    Wander (Sprichwörter)

    Glupen Er glupt 1 wie ein Hund. 1 ) Sieht schel, begierig. [Zusätze und Ergänzungen] 2. He gluppt 1 vun unnern up, as 'n…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit glupen

1 Bildungen · 1 Erstglied · 0 Zweitglied · 0 Ableitungen

Zerlegung von glupen 2 Komponenten

glu+pen

glupen setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

glupen‑ als Erstglied (1 von 1)

Glūpenbīter

WWB

glupen·biter

Glūpen-bīter m. [Hal] Gliubenbuiter „tückischer, falscher Hund“ ( Hal Bh ), hinterhältige Person ( Hal Ho).

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „glupen". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 11. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/glupen/dwb
MLA
Cotta, Marcel. „glupen". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/glupen/dwb. Abgerufen 11. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „glupen". lautwandel.de. Zugegriffen 11. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/glupen/dwb.
BibTeX
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