ziestag,
m.,
alemannischer name des dienstags, entspricht dem ags. tīwesdæʒ,
engl. tuesday,
afries. tīesdei,
nordfries. (
Sylt) tīsdai,
anord. týs-, týrsdagr,
ält. dän. tisdag,
dän. tirsdag,
schwed. tisdag,
norw. tys-, tisdag;
den zwischenraum füllt schriftsprachliches dienstag,
in Bayern-Österreich gilt ertag (
mhd. auch erin-, erge-, eri-, ere-, erchtag).
dies ist entlehnung aus got. *arjausdags
oder *areinsdags
aus Ἄρεως ἡμέρα; die beiden andern dagegen sind nachbildungen des lat. Martis dies: ziestag
und seine nördlichen entsprechungen enthalten den namen des germ. kriegsgottes *Teiwaz
in Teiwa
des bronzehelms von Negau (?),
anord. Týr
und ags. Tiig '
Mars' (
auch als runenname wie got. Tyz
und ahd. Ziu),
der identisch ist mit ai. dēváh,
av. daēvō,
alat. deiuos,
lat. deus,
gall. Devo-,
air. dia,
lit. diẽvas,
lett. dièvs,
apreusz. deiwas,
sämtlich '
gott' (
nur av. '
dämon').
vgl. den anord. plural tívar '
götter'
und W. Krause
nachr. d. ges. d. wiss. zu Göttingen phil.- hist. kl. 1940, 155
ff. dienstag
weist mit der nd. nebenform dingsdach,
aus der es entspringt, zurück auf *þingsaz,
einen beinamen des *Tīwaz,
der in einer am Hadrianswall gefundenen weihinschrift deo Marti Thingso
des 2.
jhs. bezeugt ist; in den Niederlanden erzeugt der zusammenstosz von tīs-
und dingsdach
die mndl. mischform dijsdach;
vgl. Helm agerm. religionsgesch. 1, 366
ff.; S. Gutenbrunner
d. germ. götternamen d. antik. inschrift. 24
ff. der alem. wochentagsname steht im schönen einklang mit dem beinamen Ziuverehrer,
den die Schwaben in einer glosse des 9.
jahrh. cyuuari suapa Steinmeyer-Sievers 3, 610, 14
tragen, und dem namen Ziesburg,
d. i. stadt des Ziu,
wie er in einer mittelbar, aber zuverlässig überlieferten ortsangabe civitas Augustensis id est ciesburc
Haupts zs. 8, 587
von Augsburg vermeldet wird. zies-
ist aus zīwes-
wie sēes
sees aus sēwes
entstanden; auch š
in der heutigen aussprache zischti (
lautlich tsīšdi)
ist regelrecht, muster fešt
fest. gegen ende des 13.
jh. tritt eine form zinstag
hervor: cinstag 1298
Entringen Fr. Kauffmann
gesch. d. schwäb. mda. 67; 1356
Hechingen mon. Zollerana 1, 195;
die nasalierung, die auch einst vor s
wie in eis, eisen, leise, faust, keusch
begegnet und von Fischer
geogr. d. schwäb. mda. 57
für ein rätsel gehalten wird, könnte erwachsen sein aus dem nebeneinander von urspr. nasal +
spirans und nasalverlust an den grenzen dieses lautwandels, der auf dem gröszten teil des alem. erfolgt ist, s. L. Jutz
d. alem. mdaa. 141.
dasz sich dabei der sinn zinstag eingestellt hat, beweist die nach H. Fischer
wb. 6, 1, 1231
im östlichen Schwaben herrschende aussprache zins-tag,
ohne bewuszte anlehnung an zins
hätte sich durchweg die gruppe -št-
ergeben; vgl. die folgende wörtliche auslegung der wortform zinstag: ich hab gehört sagen, wie die Römer sammleten ire zins uff den tag yn, darumb heiszt er der zinstag Keisersberg
wonnenkromer 83
in brösamlin (1517).
die heutige diphthongierung geht an den anfang des 16.
jh. zurück: zeinstag 1519
Tübingen, s. H. Fischer 6, 1, 1231;
dort auch die heutige ausdehnung des diphthonggebietes. nach der karte 26
des deutschen sprachatlas erstreckt sich zies-, zinstag
nach norden bis zu einer linie Saarburg-Zabern-Wörth-Hagenau-Rastatt-das Murgtal aufwärts - Freudenstadt - Reutlingen - Münsingen - Blaubeuren; die ostgrenze hält sich in einigem abstande westlich von der Iller; sie hat einst an der alten Schwaben/Baierngrenze am Lech gestanden, war aber um 1320
nach der pause 3
zu E. Kranzmayer
d. namen d. wochentage i. d. mdaa. v. Bayern u. Österr. (1929)
schon bis zur Wertach zurückgewichen; in den freien streifen zwischen Lech und Iller ist nicht ertag
nachgedrungen, sondern es wurde ein diesem und ziestag
ausweichender neuer name aftermontag
gebildet und in gebrauch genommen; eine grenzbeschreibung für ziestag
auch in H. Fischer
wb. 6, 1, 1230;
s. auch Schmeller-Fr. 2, 1171;
gegenwärtig noch in dem umschriebenen schwäb. gebiet, im Elsasz und in der Schweiz im allgemeinen gebrauch, obwohl in den gröszeren deutschen städten der schriftsprachliche name vorherrscht. zumeist im nicht lit. schrifttum belegt: ciesdach
dies martis (12.
jahrh.)
ahd. gl. 3, 205, 6; Schmeller-Fr. 2, 1071;
der nächste beleg deckt den astrologischen grund, aus dem der wochentagsname entsprossen ist, auf: an der ersten stunden dez cistages richzet mars, davon heizet er martis tac (
hs. des 14.
jhs.)
Meinauer naturlehre 5
Wackernagel; der folgende zeigt, dasz man noch den kriegerischen sinn des ersten namensgliedes kannte: zwischen Runters unde Schers ûf einem grüenen wîten plân solte dirre strît ergân an eime zîstage (
hs. zinstage) fruo wan der selbe tac dar zuo von alters ist gerichtet, daz man gerne vihtet an im unde kemphet Konrad v. Würzburg
Partonopier 4035;
dies war der grund, weshalb turniere auf diesen wochentag gelegt wurden, vgl.: einen turnei wunnenclich nâch gewonlîchem site von zinstag über aht tage, zwei hundert ritter lobelich, durch vrouwen âne widersage
Virginal 1003, 11; an dem nAehesten zistage vor sante Jacobes dage (1309)
mon. Zollerana 1, 253; an dem cistage vor ... (1319)
cartulaire de Mulhouse 124; zinstag (1356)
mon. Zollerana 1, 195; an dem zistag noch dem sünnendage in der vasten der do heiszet reminiscere (
Straszburg 1362)
chr. d. dt. st. 8, 72; 493; an dem zistage (1376)
dt. reichstagsakt. unt. könig Wenzel 1, 81; des zistdages vor dem palmetage Tauler
pred. 56
Vetter; zystag (15.
jahrh.) Grimm
weisth. 1, 416; und luog gar eben, wie man duo, dasz du bii im sigist am zistag fruo
fastnachtsspiele aus d. 15. jh. 838
Keller; zistag (
Unterelsasz 16.
jh.) Grimm
weisth. 1, 730; cistag, zistag
dies Martis, hodie Alsatis zistig Scherz-Oberlin 1, 215; zistig Stalder
Schweizer idiot. 2, 476; ziistig, zistig; wie 's wätter am erste zistig im moned isch, so isch 's der ganz moned Seiler
Basler mda. 326
a; der zistig Hunziker 310; zîstig Tobler 458; Martin-Lienhart 2, 667
b; zischta Follmann 559;
s. Jac. Grimm
dt. rechtsalt.4 2, 444;
dt. myth. 1, 167. —