memme,
memm,
f. 11)
wie das masc. memm,
mutterbrust oder euter; nebenform zum fem. mamme
sp. 1519,
auszerhalb des bairischen und alemannischen sprachgebietes (
im letzteren hat mämmi, mämma
eine nicht sehr abliegende bedeutung, vgl. a. a. o.)
weithin verbreitet: rhein. memm
und memmpel,
mutterbrust, euter der säugethiere, besonders der kühe Kehrein 277; mämm
brust (
neben mutter und feigling, vgl. unten 2
und 4) Waldbrühl 188;
in Aachen die mämm Müller
u. Waitz 149;
westf. memme,
frauenbrust Wöste 173
b;
siebenbürg.-sächs. dêing mämmen sêing läwlicher denn wêing (
hohel. Sal. 1, 2). Fromm. 6, 100;
mammilla meme, memme Dief. 345
c; der keiser leszt sich melken wie eine memme. Luther
tischr. 347
a (
vergl. unter melken 6). 22)
dann die säugende mutter; vornehmlich niederd.: memme, mamme,
mutter, nur in der sprache der kleinen kinder oder im verkehr mit diesen gebräuchlich Schambach 133
b; memm
in der kindersprache mutter Danneil 136
b; memme, memm
mutter, weib, muhme, groszmutter ten Doornkaat-Koolman 2, 588
b;
in Hessen memme
mutter, angeblich blosz von judenkindern Vilmar 268;
schles. memme,
mater, mulier Steinbach 2, 44,
als wort der niedrigen rede bezeichnet; auch in Oberdeutschland bekannt: dann was ist lieblichers zu hören als wann die kinder reden lehren, wanns herauszlispeln bald die red und rufen: abba, vatter, ett, rufen der mutter, memm und ammen, geben nach jrer notturft namen. Fischart
dicht. 3, 205, 65 (
anmanung zu christl. kinderz.);
auf amme und wärterin übertragen, momme, mömme, memme
brem. wb. 3, 183 (
vgl. dazu muhme);
niederl. memme, mamme
nutrix Kilian; memm
nutrix Schottel 1363. 33)
auch der kinderbrei (
vergl. alem. 's mämm, mäm-mämm,
milch, trinkbare flüssigkeit überhaupt, in der kindersprache Seiler 203): und wenn man ihnen (
den kleinen kindern) nicht die memme oder pappen in mund striche, müsten sie verschmachten. Heyden
Plinius (
Frankf. 1584) 30. 44) memme
gewendet auf einen furchtsamen und weichlichen menschen, der einem kinderwartenden weibe verglichen wird. es ist seit dem 16.
jh. bezeugt und wird von mittel- und niederdeutschen gegenden ausgegangen sein, Schottel 1363
gibt wol irrthümlich memme,
homo timidus, muliebris als masc., das fem. ist sonst allgemein: die mämme,
homo timidus, muliebris, quasi ubera adhuc sugens, eine feige mämme,
meticulosus, pavidus, pusilli animi homo Stieler 40; denn es sind gemeiniglich memmen, die sich zu sehr für ihren weibern fürchten. Mathes.
Syr. 1, 54
a; du zertling und feige memme, rühme dich keiner stärke und tugend, .. was unterscheid ist denn zwischen dir und einem weibe?
pers. rosenth. 2, 36; dachte auch, beide studenten würden keine kinder oder memen sein, sich entweder verführen oder so leichtlich berauben zu lassen, weil jeder einen degen an statt desz steckens in händen trug.
Simpl. 3, 342
Kurz; es habe eine forchtsame meme einen andern kerl angesprochen, er wolte ihm doch einen zettel vor die festigkeit zukommen lassen. 4, 189; eine feige memme.
Salinde, vorrede; so geht er mit pfiffen um, deren sich nur eine theologische mämme schuldig macht. Lessing 10, 192; vereinigt können sie (
die enthusiasten) alles; getrennt sind sie immer in gefahr, das zu sein, wofür du sie ausgegeben hast, memmen und narren. Wieland 8, 125; still, du feige memme, lispelte ihm don Sylvio zu, der jetzt sah, was den guten Pedrillo in einen so groszen schrecken setzte. 11, 226; Pedrillo, der bei nacht und in den gespensterstunden die feigste memme von der welt war, hatte hingegen herz wie ein junger stier aus Andalusien, wenn es darum zu thun war, sich mit leuten von fleisch und blut bei tageslicht herum zu balgen. 328; feige, träge memme. Hamann 6, 58; o weh! o weh! die memmen! hat man noch solche abscheuliche memmen gesehen? .. wollt ihr noch nicht anpacken, ihr hasen? Fr. Müller 2, 107; in den koth mit euch, ihr memmen, ihr kröten. Schiller
räuber (
schausp.) 1, 2; warst du nicht die memme, die anhub zu schnadern (
mit den zähnen zu klappern), als sie riefen: der feind kommt! 4, 5; das unglück musz einen groszen mann nicht zur memme machen.
räuber (
trauersp.) 1, 4;
präsident (
drohend zu den gerichtsdienern). wenn euch euer brod lieb ist, memmen —
kab. u. liebe 2, 7; fasz dieses end an, sag ich. sonst wirst du ja fehl schieszen, memme! wie sie zittert, die memme! du solltest gott danken, memme, dasz du zum ersten mal etwas in deinen hirnkasten kriegst! 4, 3; bist doch krepirt, du memme. Göthe 8, 93; fürchte nichts, feige memme, du bist meiner stiche nicht werth. 35, 188; wenn ein reich durch die dummen und memmen gestürzt und durch die klugen und tapfern gerettet worden, so beginnt einige tage nach der rettungsstunde ganz sicherlich die herrschaft der dummen und memmen wieder. Immermann
Münchh. 2, 172; was thut der mann von tausend siegen? die memme weint, dasz dort zu kriegen, der himmel keine brücken hat. Lessing 1, 46; eine memme bin ich, deine schönheit entmannet mich. Fr. Müller 1, 213; seid ihr soldaten? memmen seid ihr! Schiller
jungfr. von Orl. 5, 5; ich bin gar ein armer wicht, bin die feigste memme, halten durst und hungerqual mich in angst und klemme. Bürger 50
b; der, wenn memmen matt und feig dingen um der knechtschaft lohn, nimmer müde, nimmer bleich, trotzt der spötter schnödem hohn. Arndt
ged. (1840) 235; maulhenker ihr, schlafmützen, memmen, tröpfe! Uhland
ged. 439,
überall in bezug auf zages und unkriegerisches verhalten; selten auf weichliche lebensgewohnheiten bezogen: die mämme Sardanapal vertrieb seine lange weile zwischen mägdgen und capaunen. Paulini
philos. luststund. (1709) 1, 168.