surren,
vb. ,
schallwort. erst nhd. bezeugt, aber von alter wurzel, vgl. mnd. surringe,
f., leises sausen Schiller-Lübben 4, 478
b;
norw., schwed. surra,
dän. surre
rieseln, summen; norw. mundartlich surla
leise singen; schwed. sorla
rieseln, murmeln A. Torp 746
b, Hellquist 827;
dt. schwirren
teil 9, 2716
f.; lat. susurro;
ai. svárati '
tönt',
zu idg. *ser- '
surren' Walde-Pokorny 2, 527.
das wort ist mundartlich im nd. und md. nur mäszig verbreitet: surren, sursen Doornkaat-Koolman
ostfries. 3, 367
b, sur
e n Bauer-Collitz
waldeck. 102, sorrn Müller-Fraureuth
obersächs. 2, 590
b,
in den obd. dagegen, z. t. neben verwandtem, aber ungebräuchlicherem surmen (
s. d.)
und surbeln (
s.sürfeln),
allgemein bezeugt und im westl. teil, besonders im schweizer., bedeutungsmäszig viel reicher gegliedert als im schriftsprachlichen gebrauch. surren
bezeichnet einen summenden, dunklen, gelegentlich auch einen helleren, feinen schwirrton, doch verbindet sich hier wie bei den synonymen oder bedeutungsverwandten verben sausen, schwirren, summen, schnurren
u. ä. mit der bezeichnung des geräusches häufig die vorstellung der [] den surrton hervorrufenden bewegung, namentlich in den geläufigsten anwendungsweisen des wortes (
s. u. 1 b, 2 b). 11)
zufrühest und bis heute am häufigsten vom fluggeräusch der insekten. 1@aa)
in rein akustischer bedeutung: da kame ein bienen- und wespenschwarm auff ihn daher geflogen, die haben ihn mit ihrem surren und sausen, auch hart stechenden angeln so ungestüm angefallen G.
F. Messerschmid
spital (1618) 126; heimengeschwirr ringsum, und surrende bienen im schauer, feldwärts herdengeläut, und die lockende stimme der wachtel J. H. Voss
s. ged. (1802) 2, 244; so um den stock surren wie aufgescheuchte bienen H. E. Busse
d. erdgeist (1939) 46; vom murren, so laut, wie tausend fliegen surren, erwachte Tristan Immermann 13, 110
Boxb.; kleine, surrende mücken hin- und herflogen H. Federer
berge u. menschen (1911) 129;
mit akkusativischem objekt: diskant und auch tenor die fliege surrt Annette v. Droste-Hülshoff (1878) 1, 82.
in bildlichem zusammenhang: mir sollte ... eine grille im kopf surren? Schiller 3, 388
G. 1@bb)
in der richtungsbestimmung durch ein präpositionales objekt schlieszt surren
die mit dem surrton verbundene bewegung ein: ein groszer schwarzer nachtfalter ... schwirrte und surrte um das heisze glas Gust. Falke
d. stadt mit den golden. türmen (1912) 189; es surrte eine grosze winterfliege durchs zimmer H. Hesse
diesseits (1907) 40.
gelegentlich auch vom flug anderer tiere: rebhühner surrten über die wasserfläche A. Ruge
briefw. u. tageb. (1886) 2, 70. 22)
daneben besonders in dinglich-gegenständlicher beziehung, namentlich von geräuschen der arbeit und der technik. 2@aa)
auf die wiedergabe des geräusches beschränkt: und spinnrad oder haspel surrt J. H. Voss
s. ged. (1802) 6, 202; das spinnrad surrte Fontane I 1, 335; da und dort hört man in den gassen eine sense dengeln oder ein ziehbrunnenrad surren J. Scherr
Michel 2, 88
Hesse; der wetzstein surrt, die sense singt, gedämpft von fern ein jauchzen klingt Huggenberger
hinterm pflug (1908) 15; der Guldeisner hieb mit der faust auf den tisch, dasz die bretter surrten Rosegger I 1, 103; und die sense surrt und die sense klingt und schnitt auf schnitt eine garbe sinkt H. Lersch
ged. i. kriege (1916) 16; das knattern des räderwerks, das surren der transmissionen K. Bücher
arbeit u. rhythmus (1899) 381; der motor surrt, das surren der motoren
heute besonders häufig: der motor surrte leise, das auto fuhr an Kurt Kluge
d. herr Kortüm (1938) 692; da surrte der motor und, noch einmal grüszend, sauste der besuch davon H. E. Busse
d. erdgeist (1939) 202; am dunklen nachthimmel surren flieger, bald deutsche, bald französische, auch bei nacht können wir sie an der tonhöhe unterscheiden Friedrich Lehmann
wir v. d. infanterie (1929) 160; ein surren erklang, wurde stärker, dröhnend wie ein langgezogener tiefer orgelton. über der italienischen stellung tauchten drei riesige flugzeuge auf Skorpil
Pasubio (1934) 162.
ungewöhnlich: eine zither hört man surren Rosegger II 12, 24. 2@bb)
mit hinzutreten der bewegungsvorstellung: die spindeln surren, die räder rollen
M. A. Niendorf
d. Hegler mühle2 (1861) 114; und fern am Rheine früh und spat die schlote rauchend stehen, dort rollt der zug, dort surrt das rad, und deutsche wimpel wehen
Liller kriegszeitung (
sommerlese 1916) 3, 252; ich habe degen blinken gesehen, und kugeln um mich surren gehört Schiller 2, 122
G.; die köpfe lagen in den
[] schotter gepreszt, zwitschernd surrten die sprengstücke Heinr. Zillich
zw. grenzen u. zeiten (1936) 511.
gelegentlich tritt das akustische sehr weit hinter der vorstellung der raschen, sausenden bewegung zurück: man kann nichts lieblicheres sehen, als wenn (
beim tanz) das mädel aus den armen ihres buben entschlüpft, sich ... wie eine surrende spindel so um sich selbst dreht Fr.
M. Böhme
gesch. d. tanzes (1886) 190.
namentlich mundartlich bedeutet surren
oft einfach '
sich sausend bewegen, eilen, rasch fallen oder fahren',
von menschen und dingen, vgl. z. b. züg surre
nd en ei
nem verbī Staub-Tobler 7, 1289; sō bin-i
ch druf lōs gsurret
ebda; s wasser surrt '
läuft schnell' Martin-Lienhart
elsäss. 2, 372; surren '
eilen' Müller-Fraureuth
obersächs. 2, 590
b. 33)
in der anwendung auf naturhafte laute und geräusche. besonders vom wind: auch der sturm, der drauszen surrt, wird abgeschnurrt J. H. Voss
s. ged. (1802) 6, 23; das warme surrende lüftchen aus süden Jean Paul
s. w. (1826) 17, 89; nur wenn sie (
die fallenden blätter) irgendwo anstreichen, entsteht ein wispernd-surrender ton H. Stehr
drei nächte2 (1909) 346; die schäfte des schilfrohrs im fahlen sichneigen stehn hoch vor dem abend und surren im wind Heinr. Zillich
komme, was will (1935) 46.
in freierer poetischer verwendung: oben rieselt die quelle und surret liebe Klinger
theater (1786) 4, 119;
mit dem gefühlston des heimeligen, traulichen: man hörte in der tiefen stille das leise surren des wassers im ofen A. Fr. Krause
sonnensucher (1907) 73; ein feuer surrte leise im kamine R.
M. Rilke
ges. w. 1, 243.
eine bewegungsvorstellung tritt in diesem bereich seltener hinzu: durch die schwarzen äste und buschruten surrte der warme, nasse wind Kolbenheyer
Paracelsus 1, 2. 44)
seltener und weniger bestimmt ist die anwendung auf den menschen. in deutlicher anlehnung an 1 a: ich erhielt einen goldpapiernen heiligen zum geschenk, dann wurde mir mein platz angewiesen, und ich war dem surrenden und sumsenden kinderbienenstock einverleibt Hebbel
w. 8, 98
Werner; ein knappe nahet, er surret leise — ha, welches gesummse im weiten kreise, wie hundert schwärme am klippenrand Annette v. Droste-Hülshoff (1878) 1, 274.
soviel wie '
brummen': ich glich einer wandelnden brummelsuppe (
mürrischer mensch), man hörte mich von weitem surren Jer. Gotthelf
ges. schr. (1855) 5, 147.
als '
brummend zanken, schelten, mürrisch sein',
auch '
weinen'
schweizer. und alemannisch-schwäbisch weit verbreitet, s. Staub-Tobler 7, 1288; Martin-Lienhart
elsäss. 2, 372
b; Fischer
schwäb. 5, 1968.
dazu das adj. surrig,
elsäss. surrisch '
mürrisch',
vgl. die angeführten wbb., dazu Schmeller-Fr.
bair. 2, 324
und im schweizer. zusammensetzungen wie surrmummle,
f. Staub-Tobler 4, 228, surrmummlig,
adj. ebda, rumpelsurrig,
adj. ebda 7, 1293;
s. auch oben surmen.
gelegentlich von dem verworrenen, dumpfen geräusch einer menschenmenge: am frühen mittage wars, dasz in den felsen ein eintöniges surren wiederhallte, und bald darauf sah der Josef am gewände die betende schaar herankommen Rosegger I 6, 132; und hier (
in Wien) alles voll lebenslust und heiterkeit, gutgekleidete menschen, geputzte frauen ..., das geschäftige summen und surren L. v. Przibram
erinner. eines alten Österreichers (1910) 1, 14.
vergleichbar, aber wohl im anschlusz an summen 5 c,
von halblautem, ungewissem, unbestimmtem reden: was in den leichten geschwätzen und gerüchten der leichten stunde surrt und schnurrt E.
M. Arndt
schr. für u. an s. lb. Dtsch. (1845) 3, 644. 55)
gelegentlich wie sausen 3
auf die empfindung gewisser innerkörperlicher vorgänge bezogen, vom brausen des blutes, brummen des kopfes u. ä.: das blut sauste und surrte in ihren ohren H. v. Kahlenberg
Eva Sehring (1901) 67;
[] nun schlug er auf uns ein mit flacher klinge, dasz mir noch jetzt die ohren surren Jer. Gotthelf
bauernspiegel (1839) 227.
mundartlich in gleicher anwendung sehr geläufig, daneben auch von zuckendem, ziehendem schmerz, s. Staub-Tobler 7, 1289, Fischer
schwäb. 5, 1968, Schmeller-Fr.
bair. 2, 324. 66)
gern tritt surren,
soweit es rein lautmalende bedeutung hat, in gleichklang mit synonymen verben, vgl. über einzelne belege unter 1, 4
und 5
hinaus noch: nun wolan, brumbt, surrt und schnurrt so lang und viel ihr (
bienen und wespen) wolt G. Fr. Messerschmid
spital (1618) 126; brummer brummt und summt und surret um die nase der gesalbten Immermann 12, 41
Boxb.; denn ein surren und summen scholl durch die luft, zwei wolken treuer bienen kamen ... zum markt geflogen Steguweit
d. stelldichein d. schelme (1937) 63; das (
spinnrad) surrt und summt Fontane I 2, 16.
mit schwirren
im klangspiel des ablauts: darin schwirrte und surrte es von insekten H. v. Kahlenberg
Eva Sehring (1901) 1.