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Wild

as. bis spez. · 22 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

Campe
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38 in 22 Wb.
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Eintrag · Campe (1807–1813)

Wild adj, adv

Bd. 5, Sp. 718a
Wild, — er, — este, adj. u. adv. 1) Durch Kunst und durch Bildung im Körperlichen und Geistigen nicht verändert, veredelt. I allgemeinsten Verstande wird es von Thieren, Pflanzen und todten Naturkörpern gebraucht, für, in seinem natürlichen rohen Zustande befindlich, nicht mit Fleiß gebauet, geworben, erzogen, veredelt  Wilde Gewächse, Pflanzen, Bäume, welche wild wachsen, d. h. welche im Freien ohne alle Pflege wachsen und sich selbst fortpflanzen. Wilde Baumstämme sind aber schon in einer engern Bedeutung, entweder wild gewachsene oder aus Samen gezogene Baumstämme, welche noch nicht veredelt, gepfropft sind. S. Wildling. Ein wilder Wald, welcher sich ganz selbst überlassen ist, in Gegensatz von Forst, ein Wald welcher regelmäßig bewirthschaftet wird. Wilde Thiere, welche in der natürlichen Freiheit leben; in Gegensatz der zahmen, welche der Mensch gezähmt hat, zu seinem Nutzen zieht und erhält. Wilde Hunde, Katzen, Schafe, Schweine, Ochsen ; in Gegensatz der zahmen und als Hausthiere gehaltenen. Der wilde Sperling, die Sanggrasemücke (Motacilla modularis L.). † Der wilde Rehbock, ein Name des Damhirsches (Cervus Dama L.). I weiterer Bedeutung auch von Fischen, wo wilde Fische solche sind, welche nicht in Teichen gehegt und unterhalten werden, sondern in Flüssen, Bächen, Seen und Meeren leben; daher die wilde Fischerei, die Fischerei in Flüssen, Seen  Wildes Wasser, welches nicht durch Kunst an einen Ort geleitet oder an einem Orte gehegt ist. Ein wildes Bad, ein natürliches minerisches Bad, in Gegensatz der durch Kunst bereiteten Bäder. Ein wilder Boden, ein sich selbst überlassener, unangebaueter. Wilde Erde, die Erde unter der Dammerde, welche noch nicht angebauet worden ist und noch keine Gewächse getragen hat. Ein wildes Gestein, im Bergbaue, sowol ein taubes Gestein, als auch ein Gestein, welches seiner Härte wegen nicht zu gewinnen ist. I engerer Bedeutung, der gesellschaftlichen Bildung ermangelnd und derselben entgegengesetzt. Wilde Menschen oder Wilde, die Wilden, welche in keinem gesellschaftlichen Verein, wie wir, leben und daher von allem dem, was dieser Verein mit sich bringt, nichts wissen, dessen also entbehren. Demnach kann es Wilde auf vielerlei verschiedenen Stufen geben; gewöhnlich versteht man aber nur solche darunter, welche noch in einem rohen Naturzustande leben, vom Ackerbaue nichts und von Viehzucht auch nichts oder wenig wissen, und von Wurzeln, Kräutern, Früchten und Thieren leben, welche sie sich auf irgend eine Art, ohne besonders künstliche Hülfsmittel, verschaffen. Die Wilden in Kanada, Neuholland  Die alten Deutschen waren ursprünglich Wilde. Wie die Wilden leben. »Löscht wilden Thieren den Durst und kühlt die menschlichen Wilden«, Thümmel, d. h. die Menschen, welche Wilde sind. I noch engerer Bedeutung, der sittlichen Bildung ermangelnd, und derselben entgegengesetzt; wo es auch von Menschen gebraucht wird, welche in dem gebildeten gesellschaftlichen Vereine leben. Ein wilder Mensch, ein roher, ungesitteter Mensch. Ein wildes Leben führen. Ein wildes Vergnügen, ein rohes, unsittliches. Der (hofft) eine wilde Nacht an einer Dirne Busen. Göthe Ein wildes Geschrei. Der wilden Peitsche Knall betäubt die Straße ganz. Zachariä. Besonders, in sofern unsittlich, als die Leidenschaften nicht in Zaum gehalten werden, sondern denselben Freiheit gelassen wird, wie bei den Wilden; vorzüglich von den Leidenschaften des Zornes, der sinnlichen Begierden. Wild werden, zornig werden. Wild sein, zornig sein und seinen Zorn auslassen. »Er ist gewaltig wild auf mich.« Lessing. »Wie wild dein Vater schon war, als er hörte, daß der Prinz dich jüngst nicht ohne Mißfallen gesehen!« Ders. »Ein starker, wild blickender Mann.« Wächter. »Wilde Blicke.« Winsbeckinn. Wilde Begierde. Ein wildes Vergnügen. Zuweilen nennt man auch nur einen sehr lebhaften unbändigen Knaben einen wilden Knaben. Ein Vater war, wie viele Väter, Mit einem wilden Sohn geplagt. Gellert. 2) I einigen andern engern Bedeutungen wird es theils im gemeinen Leben, theils in einzelnen Gegenden gebraucht. So nennt man (1) das in Wunden wachsende Fleisch, welches die Heilung verhindert und welches weggeschafft werden muß, wildes Fleisch. † Das wilde Feuer, das Antoniusfeuer, die Rose. So gebraucht man wild (2) im Österreichischen für schmuzig, häßlich, und versteht unter wildem Wetter schmuziges Wetter, Regenwetter, und unter einem wilden Mädel, sowol ein unreinliches als auch ein häßliches. (3) * * Ehemahls war wild auch fremd, unbekannt; ein sehr nahe verwandter Begriff. »mir ist der knappe wilde, von dem ir sprachent hie.« Konrad v. Würzburg Troj. Kr. Bl. 35. Daher sagen wir auch noch jetzt wildfremd, für, ganz fremd. Dann auch für ungewohnt, wie auch, für erstaunlich.
4752 Zeichen · 66 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 9.–12. Jh.
    Altsächsisch
    wildst. N. (a)

    Köbler Anfrk. Wörterbuch

    wild , st. N. (a) nhd. „Wild“, wildes Tier ne. beast ÜG.: lat. animal LW Hw.: vgl. ahd. wild Q.: LW (1100) E.: germ. *wi…

  2. 8.–11. Jh.
    Althochdeutsch
    wildst. N. (a)

    Köbler Ahd. Wörterbuch

    wild , st. N. (a) nhd. Tier, Wild, wildes Tier ne. wildlife ÜG.: lat. bestia T, fera Gl, (hinnulus) Gl Vw.: s. swarz- Hw…

  3. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    wildAdj.

    Köbler Mnd. Wörterbuch

    wild , Adj. Vw.: s. wilde (1)

  4. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Wild

    Adelung (1793–1801) · +10 Parallelbelege

    Das Wild , des -s, plur. car. das vorige Wort als ein Substantivum gebraucht. 1. Wilde jagdbare Thiere und Geflügel, als…

  5. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    wild

    Goethe-Wörterbuch · +1 Parallelbeleg

    wild [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  6. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Wild

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +3 Parallelbelege

    Wild , alle jagdbaren Säugethiere u. Vögel; W. bann , das Jagdrecht, die Jagdverordnungen; W. diebstahlan dem in natürli…

  7. modern
    Dialekt
    wild

    Elsässisches Wb. · +14 Parallelbelege

    wild [wìlt u. welt S. O. Bf. Str. W.; weil M. ; wéil Geisp. ; wél K. Z. ] Adj. wild, unbändig, zornig. Mache n wie w. al…

  8. Spezial
    wild

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +2 Parallelbelege

    wild adj. 1 (von Tieren) salvare (-ri, -ria) 2 (von Pflanzen) mat (mac, mata) 3 (unzivilisiert) salvare (-ri, -ria) 4 (w…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit wild

1.312 Bildungen · 1.243 Erstglied · 54 Zweitglied · 15 Ableitungen

wild‑ als Erstglied (30 von 1.243)

Wildacker

SHW

Wild-acker Band 6, Spalte 549-550

Wildbacher

SHW

Wild-bacher Band 6, Spalte 549-550

Wildbann

SHW

Wild-bann Band 6, Spalte 549-550

Wildbau

SHW

Wild-bau Band 6, Spalte 549-550

Wildberg

SHW

Wild-berg Band 6, Spalte 549-550

wildblau

SHW

wild-blau Band 6, Spalte 549-550

Wildbret

SHW

Wild-bret Band 6, Spalte 551-552

wildbreten

SHW

wild-breten Band 6, Spalte 551-552

Wilddieb

SHW

Wild-dieb Band 6, Spalte 551-552

wilddieben

SHW

wild-dieben Band 6, Spalte 551-552

Wildeber

SHW

Wild-eber Band 6, Spalte 551-552

Wildente

SHW

Wild-ente Band 6, Spalte 551-552

Wilderde

SHW

Wild-erde Band 6, Spalte 551-552

Wildfang

SHW

Wild-fang Band 6, Spalte 551-552

Wildfeuer

SHW

Wild-feuer Band 6, Spalte 551-552

Wildfraß

SHW

Wild-fraß Band 6, Spalte 551-552

wildfremd

SHW

wild-fremd Band 6, Spalte 551-552

Wildgans

SHW

Wild-gans Band 6, Spalte 551-552

Wildgarten

SHW

Wild-garten Band 6, Spalte 551-552

Wildgraben

SHW

Wild-graben Band 6, Spalte 551-552

Wildhag

SHW

Wild-hag Band 6, Spalte 551-552

Wildhube

SHW

Wild-hube Band 6, Spalte 551-552

Wildkatze

SHW

Wild-katze Band 6, Spalte 551-552

wild als Zweitglied (30 von 54)

Freiwild

RDWB1

Freiwild n Böll wurde von Springer-Blättern zum Freiwild erklärt. - Шпрингеровская пресса объявила охоту на Бёлля.

Rotwild

RDWB1

Rotwild n (Lakune) олень оленятина

Schwarzwild

RDWB1

Schwarzwild n (Lakune) кабаны

Bërgwild

Idiotikon

Bërgwild Band 15, Spalte 1537 Bërgwild 15,1537

chatzfuchswild

Idiotikon

chatzfuchswild Band 15, Spalte 1521 chatzfuchswild 15,1521

chrǖztǖfelwild

Idiotikon

chrǖztǖfelwild Band 15, Spalte 1521 chrǖztǖfelwild 15,1521

Dāmwild

Idiotikon

Dāmwild Band 15, Spalte 1537 Dāmwild 15,1537

fuchsteufelswild

DWB

fuchs·teufelswild

fuchsteufelswild , adj. so aufgebracht, als wenn man ganz des teufels wäre, im höchsten grade aufgebracht: da wurd dir nun das männchen fuch…

fuchstǖfel(s)wild

Idiotikon

fuchstǖfel(s)wild Band 15, Spalte 1521 fuchstǖfel(s)wild 15,1521

fuchswild

DWB

fuchs·wild

fuchswild , adj. über die maszen aufgebracht, bis zum auszersichsein aufgebracht. von Adelung und Campe noch nicht aufgenommen, aber bei Sch…

furibundwild

Idiotikon

furibundwild Band 15, Spalte 1521 furibundwild 15,1521

Fëdergewild

Idiotikon

Fëdergewild Band 15, Spalte 1539 Fëdergewild 15,1539

Fëderwild

Idiotikon

Fëderwild Band 15, Spalte 1536 Fëderwild 15,1536

fǖrtǖfel(s)wild

Idiotikon

fǖrtǖfel(s)wild Band 15, Spalte 1521 fǖrtǖfel(s)wild 15,1521

gewild

DWB

gewild , gewilde II , verstärkte form zu wild (wildpret). 1 1) abgrenzung, formen. 1@a a) von gewilde I sind die hierher gehörigen verwendun…

gibeliwild

Idiotikon

gibeliwild Band 15, Spalte 1521 gibeliwild 15,1521

granāteⁿwild

Idiotikon

granāteⁿwild Band 15, Spalte 1521 granāteⁿwild 15,1521

haseⁿwild

Idiotikon

haseⁿwild Band 15, Spalte 1521 haseⁿwild 15,1521

Hirze(n)gewild

Idiotikon

Hirze(n)gewild Band 15, Spalte 1540 Hirze(n)gewild 15,1540

hochgewild

DWB

hoch·gewild

hochgewild , n. wild das zur hohen jagd ( sp. 1603) gehört; bei Maaler 227 a hochgwild, bergwild, ferae montanae: das herr Wilhelm Werner ..…

hochwild

DWB

hoch·wild

hochwild , n. wild was zur hohen jagd ( sp. 1603) gehört: lief voraus, gleichsam als vortrab, abenteuerliches hochwild, hirsch und säue, rud…

Ableitungen von wild (15 von 15)

entwilde

BMZ

entwilde swv. entfremde, treibe von mir, entferne. daʒ uns der bôsen bilde mit werken gar entwilde Pass. K. 191,92. — ob du mir sô grôʒe nôt…

entwilden

DWB

entwilden , was das folgende.

erwilde

BMZ

erwilde swv. werde wild. der valke was erwildet Hadam. 177. der sin ist mir erwildet Helbl. 7,260. dîn antlitze ist erwildet der forme unt d…

erwilden

DWB

erwilden , efferari, ferocire, silvescere, ags. âvildan, mhd. erwilden, würde goth. usvilþjan gelautet haben. mhd. sîn wîn ist âne süeʒe, er…

erwildung

DWB

erwildung , f. feritas, asperitas: das alsbald daraus ein greuliche verwirrung, scheuchen, abweichen und erwildung der frewdigen pferde ents…

gewild

DWB

gewild , gewilde II , verstärkte form zu wild (wildpret). 1 1) abgrenzung, formen. 1@a a) von gewilde I sind die hierher gehörigen verwendun…

gewilde

DWB

gewild , gewilde , substantivbildung , die in zwei hauptrichtungen des gebrauches belegt ist. beide gebrauchsformen tauchen spät in der mitt…

gewilden

DWB

gewilden , verb. , nur einmal belegt, in abgeleiteter ( causativer ) bedeutung, die an sich schon aus dem gegensatze zu heimisch machen, ein…

unwild

DWB

unwild , adj. adv. , gs. zu wild. mnl. onwilt: sehet jene wilden stämme an, wie unwilde sie unter sich leben! Herder 13, 321 S. zu Herder s …

unwilden

Lexer

un-wilden swv. diu minne kan wilden und unwilden, entfremden u. vertraut machen j.Tit. 703.

urwild

DWB

-wild (ur- C 4 a) Rosegger II 9, 238.

verwilde

BMZ

verwilde swv. 1. mache wild, fremd, entfremde. die leider ûch verwilden Pass. K. 670,66. daʒ wir daʒ volk verwilden von gotes gebote das. 21…

Verwilden

Campe

Verwilden , v. ntr . mit sein u. rec . wild werden, sowol von Menschen und zahmen Thieren, als auch vom Lande  Die aus der Gesellschaft aus…

verwildung

DWB

verwildung , f. , ziemlich selten: Kramer 2 (1702) 1349 ; wolt ihr eine gäntzliche barbarey und verwildung verursachen? Dannhawer catechismu…

wilde

DWB

wilde , f. , substantivierung von wild adj., wildes weib, wilde stute, weib eines wilden ( ahd. wilda, unbelegt ); 1 1) ein wildes, d. h. bö…