vorstellig,
adj. ,
vgl. fürstellig
teil 4, 1, 1,
sp. 858; für-, vorstellig,
repraesentaneus Steinbach 2, 663; vorstellig Frisch 2, 331
b; Adelung; Campe.
das adj. scheint nur in den verbindungen vorstellig machen
und vorstellig werden
vorzukommen; letztere wird von Steinbach, Frisch, Adelung
und Campe
noch nicht erwähnt, die unten 2 a
aus Schottel
angeführte stelle zeigt vorstellig werden
in einem ganz anderen sinne als dem heute üblichen; ein fürstellig werden
ist oben a. a. o. nicht belegt; vorstellig machen,
früher auszerordentlich häufig, ist nunmehr ungebräuchlich geworden. 11)
in vorstellig machen
ist vorstellig
passivisch; Adelung
nimmt jemandem etwas vorstellig machen
in dem eingeschränkten sinne von jemandem etwas vorstellen (16 a
β), '
um dadurch auf seinen willen zu wirken, eine thätige erkenntnisz der beschaffenheit und folgen einer sache bey ihm zu erwecken suchen; wo es ein wenig nachdrücklicher ist als vorstellen'.
die verbindung wird aber zu seiner zeit in viel weiterem sinne gebraucht. vorstellig machen, '
ist eben nicht gut, besser vorstellen' Braun
dt. orthogr.-gramm. wb. (1793) 293
b. 1@aa)
im sinne von jemand anderen zur stelle bringen (zeugen fürstellig machen)
ist die wendung oben teil 4, 1, 1,
sp. 858
belegt: wo man ihme mann vor mann oder auch gleich derselben etliche vorstellig machen (
gegenüberstellen) würde Rinckhart
christl. ritter 5
ndr.; alsbald erbote sich
d. Faustus, ob besagte helden morgenden tags ... vorstellig zu machen Widmann
Fausts leben 291
K. —
den äuszeren sinnen zur betrachtung darstellen in allgemeiner anwendung: diese bilder ... machen nach dem leben vorstellig alle römische keyser S. v. Birken
ostländ. lorbeerhäyn (1657) 108; den mond durch gute ferngläser abzuzeichnen und in kupfer vorstellig zu machen
d. neueste aus d. anm. gelehrsamk. (1751) 1, 43; (
zeichnen) mit röthel oder bleyweisz oder andern trocknen pastellfarben etwas vorstellig machen Gottsched
beob. (1758) 183; die reihe verschiedner wellenlinien, welche er (
Hogarth) oben auf der ersten kupfertafel vorstellig macht Lessing 7, 81
Petersen. — sich vorstellig machen: das unförmliche viereck, das sich auf der rückseite (
einer münze) vorstellig machte
d. neueste aus d. anm. gelehrsamk. (1751) 7, 797. —
dem gehör dargeboten: ein so grausames getöse ..., dasz es schiene, als ob sie das getümmel des sturmes wieder vorstellig machen wolten Ziegler
d. asiat. Banise (1689) 655.
[] 1@bb)
wie vorstellen
mit bezug auf die bühne: es wurde daselbst eine opera producirt, in welcher man einen verliebten prinz vorstellig machte Stoppe
Parnasz (1735) 489; die leidenschaft ..., die uns ... die theatralische person wird vorstellig machen Scheibe
d. crit. musicus (1745) 85. 1@cc)
dann in allgemeiner anwendung, der inneren schau, betrachtung, überlegung darbieten, darstellen, erklären, deutlich machen: jemanden etwas vorstellig machen,
exposer, expliquer Schwan
nouv. dict. (1783) 2, 978
a; und kan dem menschen nichts zu sinne kommen, dasz ein sprachkündiger nicht mit genugsamen worten sattsam vorstellig machen wird Harsdörffer
poet. trichter 3 (1653) 35; wie bereits vorstellig gemacht worden (
dargelegt worden ist) Neumark
neuspr. t. palmb. (1668) 178; wir haben hier die sache an ihr selbst nude vorstellig machen ... wollen Hohberg
georg. curios. 3, 1 (1715) 246
b; in diesen beiden abtheilungen haben wir zusammen 30 vollkommene accordgriffe vorstellig gemacht Mattheson
kleine generalbaszschule (1735) 148; dasz an der selbsteignen person des dichters nur in sofern etwas liegen kann, als sie die gattung vorstellig macht Schiller 6, 336
G. —
in der philosophischen sprache abstrakter: dagegen der naturbegriff seinen gegenstand zwar in der anschauung, aber nicht als ding an sich vorstellig machen kann Schopenhauer 1, 637
Gr.; leicht ist es, dieses gesetz ... vorstellig zu machen Vischer
ästhetik (1846) 1, 51. 1@dd)
mehr in dem von Adelung (
s. oben) angegebenen sinne, die absicht, auf den willen, den entschlusz, die entscheidung, haltung eines andern durch die darstellung einzuwirken, tritt hervor: dasz man in solchen wichtigen processen zu eben der zeit, wo man bey des richters frau in der küche seine notdurft vorstellig macht, auch in des richters stube durch baares geld der sache den ausschlag giebt Rabener (1777) 3, 90; wo er den pommerschen herrn vorstellig machte, dazs sie von den Dänen sehr wenig, alles aber von den Sachsen zu fürchten hätten Dahlmann
gesch. v. Dännemark (1840) 1, 290; es handelt sich um die geeignete form, unter welcher sie ihre wünsche vorstellig machen Hebbel
br. 2, 163
W. 1@ee)
in besonderer anwendung, in der äuszeren erscheinung nachbilden: gallertartige haut ..., die eine art von gedärme oder sack vorstellig machet Titius
betracht. über d. natur (1783) 2, 2. 1@ff) sich etwas vorstellig machen,
speciem rei animo repraesentare Steinbach 2, 663: so bald man sich nur die eigentliche abbildung des becken und die lage der mutter in dem selben recht vorstellig macht Deventer
neues hebammenlicht (1704) 34; sich die sache vorstellig und begreiflich zu machen Lichtenberg
br. (1901) 1, 386. 22) vorstellig werden. 2@aa) vorstellig
in passivem sinne wie bei vorstellig machen: es sind auch die definitiones in diesem buche ... mit teutschen worten vorgestellet, damit alles in teutscher sprache dest vernehmlicher, auch zugleich vorstellig werde, dasz ein solches im teutschen gar nicht unthunlich sei Schottel
ethica (1669)
vorr. a 6
a. 2@bb) vorstellig werden,
mit vorstellig
in aktivem sinne ist, wie oben bemerkt, erst in der neuzeit üblich geworden. es wird immer in eingeschränktem sinne von vorstellen (
s. dieses unter 16 a
β ff.)
gebraucht, um durch die darlegung einer sache etwas zu erlangen, die haltung eines andern zu bestimmen, auch etwa um sich zu beklagen, beschwerde zu führen u. ä.: um täglich vorstellig zu werden wegen der geraubten latifundien Johst
so gehen sie hin (1930) 37; bei jemandem vorstellig werden.