Wossidia
Water (zur Aussprache
s. T)
n. Wasser: aqua 'Water' Chytr. 69; Mi 105
a;
vårə Jac. 1, 128 I. Wasser in der Natur, Gewässer 1. Wortbelege: 'bi den water, dar men den visch up schepede' (1296) UB. 3, 624; 'numment schal ... der stadt watere bevisken' (um 1400) 24, 143; 'desse ... watere ... hebbe wi ... gelaten ... Hinrike und Vicken' (1386) 21, 77; 'ock scholen de ratmanne de moelen nenerley wis hinderen effte schaden don, noch in dem watere entholdende, effte in der flut, effte anstellinge' (1367) 16, 186; in formelhafter Verwendung: 'dat dorp ... mit wische, mit weyde, mit wathere, mit deme thovløte, mit deme afvløte des wateres' (1318) 6, 336; 'ene hoven ... mit holte, mit weyde, mit watere lopende unde stowende' (1371) 18, 2; lopen,
stahn Water fließendes, stehendes Wasser, Gewässer: nu kann 'ck mit 'n Schuwstaken nich mihr grünnen, nu kümmt all fleiten Water RoRostock@DierhagenDierh;
vgl. 6; stahn Water
s. stahn 6;
dei Seemann is up 't will' Water RoRostock@DierhagenDierh; müllersprl. will' Water Wasser, das nicht zum Antrieb des Mühlrades benutzt wird: will' Water lopen laten durch Aufziehen des Frischütt überschüssiges Wasser ablaufen lassen Wo. Sa.; in 't Water fallen allgem.;
œwer 't Water führen: Reut. 1, 235; Hanning treckt ... einen Boors nah den annern ut dat Warer (angelt) Pld. Heim. 14, 34; das für einen Ort charakteristische Gewässer: up 't Water auf der Müritz WaWaren@RöbelRöb; wi gahn 'n bäten nah 't Water dal an den Hafen WiWismar@PoelPoel; wenn de Seelüd' von 't Water kemen im Herbst vom Meer nach Hause kamen RoRostock@DoberanDob. 2. Rdaa.: dat wir all' ein Häben un Water das ganze
Land stand unter Wasser LuLudwigslust@GrabowGrab; Füer un Water
s. Füer (
Bd. 2, 1121); seem. Abfertigung eines Landbewohners: hest noch nich mal in blag' Water (Seewasser)
schäten RoRostock@WustrowWustr; eines noch unerfahrenen Seemanns: hest woll just in gräun Water pißt ebda; jem. mit Kniestiefeln is sick noch hog' Water (Hochwasser) vermoden Ro; bi mi is noch hog' Water mein Geldbeutel ist noch gefüllt WaWaren@JabelJab;
vgl. Hochwater;
Water bläudig maken angeln,
s. bläudig;
nich dat Water dräuwen harmlos sein,
s. dräuwen;
einen dat Water fläumen jem. kränken,
s. fläumen 1; ein Plattfüßiger kann Water pedden kann über Wasser laufen Wa; dat Water schugen wasserscheu sein RoRostock@RibnitzRibn; hei hett dicht an 't Water bug't weint leicht WiWismar@PoelPoel; sei is ... dgl. allgem.; dei höllt ehr woll baben dat Water unterstützt sie RoRostock@RibnitzRibn; sin Fru hett em (den Säufer) œwer Water hollen seine Existenz gerettet Warn; ein junges Mädchen höllt sick ümmer einen (einen Liebhaber) œwer Water neben dem offiziellen Bräutigam GüGüstrow@GülzowGülz; dor (von der versprochenen großen Aussteuer) föllt noch wat von in 't Water sie wird geringer ausfallen HaHagenow@RedefinRed; in 't Water geiht hei nich (er ertränkt sich nicht) Reut. 4, 210; ick ... gah ok nich tau Water (ebenso) 6, 454; Stillfr. Köst. 2, 89;
tau Water angahn HaHagenow@WittenburgWitt; ... ingahn Red; GüGüstrow@KobrowKobr; dat Füer (Leuchtfeuer) güng' to Water war nicht mehr zu sehen, nachdem das Schiff es passiert hatte RoRostock@WarnemündeWarn; dei (Mädchen) geiht tau Water äbenso as dei Aant verkehrt geschlechtlich GüGüstrow@BützowBütz; einen tau Water smiten ertränken WiWismar@WangernWang; einen tau Water riden
s. riden
1 3 a; Abfertigung: bet dorhen löppt noch väl Water bargdal RoRostock@RibnitzRibn; WaWaren@SchwarzSchwarz; zum Kinde, das sich gegen den Willen des Vaters auflehnt: laht du dat Water so lopen, as et Vader hebben wil! Mantz. Ruh. 24, 62; seem.: Water maken Wasser über Bord nehmen: Wo. Seem. 2, 105; he (das Schiff) hadd' so dicke Bücksen (einen so schwerfälligen Schiffskörper), he künn dat (an Bord gelangte)
Water nich los warden RoRostock@WustrowWustr; iron.: dei Tun wir so dicht, dor künn binah kein Water dörch Carl; nu kümmt Water von baben Regen WaWaren@MalchowMalch; kriggt dee (Wetterwolke) uns fat't, denn drifft uns 't Water noch ut 'n Noors RoRostock@RibnitzRibn; dei Fisch hett tau väl Water krägen beißt nicht nach vielem Regen PaParchim@SchlievenSchliev; dei Strümp trecken Water, wenn sie, gleichsam mit Wasser vollgesogen, herniederhängen HaHagenow@BelschBelsch; Geld tau Water maken verschwenden Wo. Sa.; der Kapitän hett ehr (den Matrosen) de Hüer to Water maakt sie durch schlechte Behandlung zum Desertieren unter Verzicht auf die Heuer gebracht Ro. 3. Vgll.: ein Wasserscheuer schug't dat Water as gläuhnig Füer SchwSchwerin@JarmstorfJarmst; dee is so rik as 't Water deip Günth. Hs.; dei is so dumm, as 't Water deip is PaParchim@PlauPlau; ansehnliche, doch untaugliche Ware is wie Leder un höllt wie Water Wa; freie Verkürzung: eine scharfe Säge geiht dörch as Water als ob sie durch Wasser ginge HaHagenow@RedefinRed; RoRostock@GresenhorstGres; de Jung' las sinen Cicero as Water (fließend) Reut. 6, 74. 4. Sprww.: dat still Water hett dei deipsten Grünn' stille Wasser sind tief WaWaren@SchwarzSchwarz; Ro; dat Water is natt Warnung vor dem Baden GüGüstrow@KobrowKobr; dat Water hett kein Balken Warnung, zur See zu fahren RoRostock@RibnitzRibn; wenn 't Water rik is, is 't Land arm reiche Fischjahre sind arme Kornjahre Günth. Hs.; dat Water will ok wat hebben manchmal muß einer ertrinken LuLudwigslust@EldenaEld; 'wor was water, dar mach water komen' (wo Besitz war, mag er noch wiederkommen; 1532) Jb. 9, 474; so auch beim Kartenspiel: wo Water wäst is, kümmt ok Water wedder Wa; Rat, sein Geld nicht in Gebäuden, sondern in Ackerstücken anzulegen: 'n Hus vergeiht, Natur besteiht, Wenn Füer un Water œwergeiht RoRostock@RibnitzRibn. 5. in Namen von Spielen: Water sniden wie
Botterbrot smiten RoRostock@KritzmowKritzm; Water blitzen dgl. SchöSchönberg@WarnowWarn; Syn.
s. Botterbrot;
Water un
Land ein Greifspiel (
s. Land 1) HaHagenow@KogelKog. 6. in Sage, Märchen, Aberglauben und Volksmedizin: angeblich hat Blücher das Wasser des Rheins zufrieren lassen (1900) SchwSchwerin@NeuendorfNeuend; Petristauhlfäger (am 22. 2.) smitt 'n Engel von 'n Himmel 'n heiten Stein in 't Water, denn däu't dat Ies up WiWismar@NeuklosterNKlost; ... smitt Peiter Plumm 'n heiten ... Poel; als Unschuldsbeweis muß jem., ohne einzusinken, über Wasser gehen Wo. Sa.; auch Zwerge beherrschen diese Kunst Wa; man sagt, die kleinen Kinder kommen aus dem Wasser (Teich, See, Fluß, Meer) Atl.
d. Volksk. 71; 'n Drom sall man nich ihrer vertellen, ihrer man Water un Licht sehn hett erst dann hat er nichts mehr zu bedeuten Wa; das Berühren von fleiten Water ist von magischer Bedeutung, daher kann sich eine Sagengestalt, die von Geistern verfolgt wird, retten, als sie an einen Fluß kommt PaParchim@Wendisch PribornWPrib; der dreibeinige Hase, eine Verwandlungsform von Hexen, erhält bei Flußberührung sogleich wieder seine wahre Hexengestalt SchöSchönberg@HarmshagenHarmsh; mit 't Pädengeld sall man nich œwer fleiten Water gahn Wo. Sa.; auch eine schwangere Frau soll nicht hinübergehen WaWaren@LansenLans; auch nicht, wer koll Feewer hat MaMalchin@Groß HelleGHelle; der Leichenzug soll, auch wenn Umwege nötig werden, dem fließenden Wasser folgen, dann können die Toten nicht zurückkommen Schw; Pa; 'alles fließende Wasser widersteht nicht nur selbst der Zauberei ..., sondern läßt sie auch nicht über sich weg wirken'
Arch. Landesk. 14, 509; eine Frau, die vieles besprechen konnte, vermochte Wasser nicht zu besprechen SchöSchönberg@GrevesmühlenGrev; nur vereinzelt hat das Wasser keine Macht: nach einem Liebeszauber lett sei nich von em, un wenn hei dörch Water geiht MaMalchin@BredenfeldeBred; Gefährdung durch fließendes Wasser: wer die Beine hineinhält,
kriggt Wratten WaWaren@Groß GievitzGGiev; Abwehrund Heilzauber: Gössel soll man in fleiten Water schüdden, dann können ihnen später die Raubvögel nichts anhaben RoRostock@BartelshagenBart; Läuse wird man los, indem man drei davon inne Reitpip maakt un in fleiten Water smitt, de ierst, dei dorœwer geiht, kriggt de Lüs' Wi; im Fiebersegen: 'Wasser, ich tritt dich, Jesus, ich bitt dich' SchöSchönberg@RehnaRehna; im Blutsegen: 'Blut, steh stille, so wie das Wasser in der Donau steht' Wi; in der Formel gegen Moortriden
s. beswemmen. II. Wasser als Flüssigkeit in Gebrauch von Mensch und Tier 1. Wortbelege: 'he ... waschet mit water de vinger' Gry. Paw. Ddd 4
a; 'ein drOeplin Water' Lb. 2, C 2
a; nich 'n Druppen Water allgem.; 'n Emmer Water allgem.; Water drägen in Eimern von der Pumpe allgem.; Water pumpen allgem.; als Getränk meist abgelehnt: wer Water drinken wull un müßt, drünk fleiten Water ut Borns un Bäken Nds. 16, 122
b;
vgl. die Rdaa.; im kultischen Gebrauch: 'dat Sacramente der DOepe schal gescheen mit water, dat einen smack und farve des waters hefft' Gry. Paw. Zz 3
b; 'Altarkenneken mit Wyn und Water' Yy 4
b; 'men wert rein water aver de lde sprengen, dat se rein werden' Ccc 1
a; in der Sitte: mit Wasser wird begossen, wer die Nachricht erhält, daß er zum ersten Mal Gevatter stehen soll StaStargard@FeldbergFeldb;
bunt Water
s. bunt 2. 2. Rdaa.: dei ett Water un Brot sitzt im Gefängnis HaHagenow@RedefinRed:
insitten bi Water un Brot dgl.,
s. insitten; 'tho water un brode vasten'
s. fasten1; Zurechtweisung von jem., der kein Wasser trinken will: dat Water is dat stärkst Gedränk, dat drifft Mœhlen RoRostock@KlockenhagenKlock; ...,
dat dreggt dei gröttsten Schäp SchwSchwerin@PinnowPinn; Rdaa., wenn man es ablehnt, Wasser zu trinken: nah Water kriggt 'n Lüs' in de Mag' Nds. 16, 122
b; Waterdrinken gifft grot Ogen un 'n spitzen Noors SchöSchönberg@SchlagsdorfSchlagsd; nah Waterdrinken ward 'n driester, wo 'n nich hengeiht, dor föllt 'n hen WaWaren@JabelJab; Water mag 'k nich in min Stäwel, Un unnod nähm ick 't in de Mag Bri. 1, 144; Fromm. Meckl. 65; wenn jem. etwas beim Kartenspiel riskiert: ick stäk 'n Hund up 'n Kopp, un wenn 'ck ok morgen Water supen sall StaStargard@AhrensbergAhr; scherzh.: wenn ick god' Water heff, so lat ick dat Bier stahn un drink Win Wa; iron. vom Bezechten: he kann dat Boizenburger Water nich verdragen HaHagenow@BoizenburgBoiz; der Geizige günnt einen keinen kollen Drunk Water RoRostock@KlockenhagenKlock; WaWaren@MalchowMalch; Tröstung für ein naßgespritztes Kind: dat is man 'n bäten rein Water RoRostock@RibnitzRibn; bi denn' is Water (Waschwasser) düer, he süht bannig grimmelig ut Schw; dat Hus unner Water setten mittels reichlichem Wasser scheuern, gründlich reinemachen LuLudwigslust@BlievenstorfBliev; WaWaren@PenzlinPenzl; jem. is mit anner Water döfft (stammt aus der Fremde) Fromm. Meckl. 92; denn' reikst du nich dat Water bist ihm unterlegen,
eig. stehst so weit unter ihm, daß du ihm nicht einmal das Wasser zum Trinken oder Waschen reichen darfst RoRostock@DierhagenDierh; jem. möt Water drägen muß niederen Dienst verrichten, so von der älteren Schwester, wenn sich die jüngere vor ihr verlobt Wa; bes. beim Kartenspiel, wenn eine Karte nicht zum Stich kommt: Spandilg' möt Water drägen GüGüstrow@BorkowBork; dei Mataduurs möten ... WiWismar@NeuklosterNKlost; dat ward so kolt, dat man Water in 'n Sack drägen kann näml. als Eis Schw; a. Spr. 'Water aver HOevet nemen' dreist, frech werden: Gry. Lb. 1, K 2
a; Slüt. E 2
b;
vgl. Schill.-Lübb. 5, 614
a. 3.
Vgl.: 'Alzo water drynkstu dat ber' Red. Ost. 1738. 4. Sprww.: klor Water gifft ok klor Ogen GüGüstrow@BützowBütz; LuLudwigslust@GrittelGritt; wenn ein Gaus Water süht, möt dei anner drinken WiWismar@PoelPoel; Mahnung: man sall nich ihrer ful Water utgeiten, ihr 'n frisch wedder hett SchwSchwerin@PampowPamp; ... smutzig Water ..., ihr 'n rein ... RoRostock@RibnitzRibn; keiner süll unrein Water utgeiten, ihre hei nich reines wedder hadd Reut. 3, 138; Beispielsprww.: Water tehrt, säd' de oll Fru un pedd't œwer 'n Rönnsteen Pa; PaParchim@KladrumKladr; ..., hadd' sick ne Nachtmütz utwascht un dor dreimal wat bi äten HaHagenow@RedefinRed. 5. in Sage, Aberglauben und Volksmedizin: im Regenwasser, das sich auf einem hohlen Stamm gesammelt hat, wäscht sich der Wilde Jäger Schö; ein Toter muß wandern, weil ihm kein Trunk Wasser auf dem Sterbebett gereicht wurde SchwSchwerin@BanzkowBanzk; für einen Trunk Wasser darf man sich nicht bedanken HaHagenow@BelschBelsch; RoRostock@KlockenhagenKlock; Wasser darf nicht unnütz kochen, süs kaakt dat Glück ut 'n Hus' StaStargard@WesenbergWes; süs kaken dei Brüjams ut 'n Hus' SchöSchönberg@QuestinQuest; sonst verkocht die Schönheit der Köchin Dem; Schadenzauber: um Unwetter auf See zu zaubern, muß man
u. a. 'mit der kruken water jegen den strom vllen' Gry. Both. Jon. G 6
b; man muß Wasser gegen den Strom aus drei Bächen schöpfen und auf das Gebiet des Nachbarn gießen (
vgl. Gœt
m.), um dessen Vieh krepieren zu lassen WiWismar@NeuklosterNKlost; Gry. Lb. 2, L 3
a; Abwehrzauber: wer einen neuen Dienst antritt, soll zuerst 'n Emmer vull Water halen, denn ward em dei Tit nich lang LuLudwigslust@WarlowWarl; gegen das Verfangen (
s. d.) der Pferde schlug der Knecht an der Tränke mit der Peitsche dreimal kreuzweise aufs Wasser Bey. Lp. 54; damit die Milch der Kühe nicht behext wird, muß in den Melkeimer zuvor etwas Wasser getan werden ebda; wenn der Schinder ein Stück totes Vieh abholt, muß man ihm Wasser nachgießen, dann braucht er nicht wiederzukommen WaWaren@SchwarzSchwarz; Heilzauber: kinderlose Ehepaare sollen aus dem Bach mit einem Teelöffel Wasser schöpfen Wi; gegen den Voß (
s. Voß
2) der Kinder soll man deren Mund bestreichen mit Water, wo 'n Pierd odder Minsch in verdrunken is Schö; Vieh wird geheilt, wenn man Wasser dörch 'n Twölftenbessen up sei lecken lett GüGüstrow@LanghagenLangh; gegen Sommersprossen soll man sich dreimal mit Regenwasser waschen, das sich auf einem Leichenstein gesammelt hat: Bartsch 2, 363; dgl. auch gegen Warzen SchöSchönberg@GutowGut; Heilkraft wird auch dem Osterwater zugeschrieben,
s. d. und andere Zss. III. Tränen: De Dern de weent er oge Ock gar tho water natt (1742) Kohf. Hg. 32, 2; dat Water kem eenen in de Ogen aus Rührung StaStargard@CarwitzCarw; vor Lachen Wa. IV. Schweiß; im Beispielsprw.: alles ünner Water, säd' de Voß, dor sweit't he vör Angst StaStargard@NeubrandenburgNBrand; in Spuksagen: dat Water is em ümmer so daldräben Wo. Sa.
V. Urin oft; dat weit ick an min Water, dat de Klock nägen is RoRostock@WarnemündeWarn; dat gifft bald Rägen, dat fäuhl ick an 't Water HaHagenow@PicherPich; einem Pferde is dat Water œwer los' es läßt oft Urin Red; ick will ierst eins Water dörch 'n Kopp (Kopf, Eichel des Penis) gahn laten Urin lassen PaParchim@MestlinMestl; Beispielsprw.: wo Water is, kümmt ok Water wedder, säd' de oll Fru, dor pißt se eens Wa; in der Verbindung will' Water überschüssiges Wasser,
vgl. I 1: de Aas (Stute) hett soväl will' Water läßt oft Urin Wa; in der Volksmedizin: 'weghebrede (
s. Wäg'breid') gestot mit ereme sape unde en luttik waters van eneme kinde is sere gud' (Rost. Arzn.) Schill.-Lübb. 5, 614
b; sin eigen Water drinken gegen schweren Husten RoRostock@WarnemündeWarn; gegen Scharlach Ribn; Water von Frugens als Schutz gegen Behexung WaWaren@LansenLans; Wred. Krankheitsbezeichnung dat rod' Water das Blutharnen des Rindviehs allgem.; im landwirtschaftlichen Schrifttum des 18. und 19. Jhs. eine Fülle von Heilmitteln dagegen,
z. B. eine Mischung verschiedener Ölarten Land. Ann. 1844, S. 489; eine Mischung aus Blüten und Blättern verschiedener Pflanzen 1854, 1, S. 253
f.; Meerrettich und Sauerteig 1850, 1, S. 52; Braunwurz und Salz Nützl. Beitr. 1767, S. 235; Eichenlauge und Schafsmilch S. 116; Salpeter in Wasser Wo. Sa.; dicke Milch und Schweinekot ebda; Wasser, Hefe, Roggenmehl und Alaun Gem. Aufs. 1798, S. 186;
s. Adeborsnibben;
s. Blautstein; in der magischen Krankheitsbehandlung wird dem Vieh eine lebende Schwalbe eingegeben Nützl. Beitr. 1767, S. 236; z. T. wird Gleiches mit Gleichem bekämpft, daher dem kranken Rind sein eigener roter Urin zu saufen gegeben S. 116; ein scharlachrotes Tuch eingegeben ebda; magische Handlungen
s. Schill. Kr. 2, 3
b; Krankheitssegen
s. Arch. Landesk. 14, 515; weitere Literatur
s. rot 1 a; vorbeugende Magie
s. Schill. Kr. 2, 3
b. — PN.: 'Everardi Witwateres' (Ro 1287) UB. 3, 256; 'Wittewater' (Ro 1278/84) 10, 490;
Sadenwater StaStargard@NeubrandenburgNBrand; 'Herman Waterbecker' (Ro 1382) UB. 20, 470
a; Hans Waterstrat RoRostock@RibnitzRibn. FN.: Blag'-, Blank-, Langen-, Swartenwater; Waterbrauk, -buddel, -fall, -grund, -hoff, -koppel, -lock, -sack, -wisch; bi de Watermœhl. Zss.: Adel-, Afwasch-, Arepiß-, Aust-, Baben-, Bad'-,
Bickbeeren-, Black-, Bläk-, Bog-, Born-, Bräk-, Bräuh-, Brus'-, Brut-, Doden-, Döp-, Drœhn-, Dull-, Düwels-, Fang-, Fleit-, Fohr-, Frugens-, Füer-, Galgen-, Gift-, Görgel-, Grœl-, Hoch-, Höllen-, Jicht-, Juchheidi-, Juchhei-, Juchtel-, Kajüchtel-, Karbol-, Keel-, Kein-, Kettel-, Klafuchter-, Klocken-, Kolk-, Kommün-, Koppheister-, Krakeil-, Kulboors-, Läbens-, Läd'-, Leck-, Liken-, Lim-, Lösch-, Näs'-, Nüll-, Ogen-, Oorsbacken-, Oster-, Oewer-, Päper-, Pick-, Pludder-, Pregäulen-, Putz-, Quassel-, Quas'-, Quatsch-, Rägen-, Rapp-, Säut-, Schapen-,
Schauster-, Scheidel-, Schœl-, Schon-, Schöttel-, Schrot-, Schüchel-, See-, Soda-, Sod-, Solt-, Späul-, Sprak-, Spring-, Stahl-, Stämm-, Stau-, Süer-, Sweiß-, Torf-, Up-, Visier-, Wallachen-, Wasch-, Wih-, Wust-, Wut-, Ziel-,
Zuckerwater. — Mnd. water. — Br. Wb. 5, 205; Dä. 541
a; Da. 245
a; Kü. 3, 707; Me. 5, 540.