vornehmlich,
adv. (
und adj.),
s. fürnehmlich
th. 4, 1, 1,
sp. 780
und 781;
relatio vornemlich befelchunge Diefenbach
gl. 490
c;
prestans vornemelich
nov. gl. 302
a; vornemlich,
principalmente Kramer
teutsch-ital. dict. 2 (1702) 124
b; für-
et vornehmlich,
maxime, praecipue Steinbach 2, 135; vornehmlich Adelung; Campe;
nd. fürnamlik, fürnamelk, fürnämelk ten Doornkaat-Koolman 1, 543
a;
mnld. vorenemelike Verwijs-Verdam 9, 1043. 11)
zur schreibung: festgesetzt hat sich jetzt vornehmlich
entsprechend vornehm,
zu dem es gehört. 1@aa)
häufig, besonders im älteren nhd., ist vornemlich: vornemlich
aber soll man allen fleis ankehren Barth
weiberspiegel (1565) c 8
a; in der heiligen schrifft vornemlich erwenet Mathesius
Sarepta (1571) 7
a; was unsere teutsche sprache vornemlich angehet Opitz
poeterei 8
ndr.; weiter Rist
d. friedewünsch. Deutschl. (1648) 13; Schupp (1663) 17; Haller
Usong (1771) 17; Sturz (1779) 2, 12; G. Forster (1843) 1, 64; Schleiermacher
Platon (1804) 6, 18; K. L. v. Haller
restaur. d. staatswiss. (1816) 1, 10; Zinkgref
auserl. ged. 28
ndr.; Günther
ged. (1735) 312. 1@bb)
die schreibung mit ä
beruht auf anlehnung an nämlich
und name (
s. auch unter c). 1@b@aα)
die schreibung vornämlich
hält sich bis in die neuzeit: vornämlich der augenschein Herder 23, 536
S.; weiter Gerstenberg
Hamburg. n. zeitung 323
dt. lit. denkm.; Klopstock
gelehrtenrep. (1774) 15; Schleiermacher
Platon (1804) 2, 365; Niebuhr
röm. gesch. (1811) 1, 229; Dahlmann
gesch. d. franz. revolution (1845) 48; J. Grimm
kl. schr. 6, 155; Hebbel
br. 1, 346
W.; Mommsen
röm. gesch. (1854) 2, 421; Nitzsch
dt. studien (1879) 155;
Shakespeare Romeo u. Julia 5, 3. 1@b@bβ)
seltener vornähmlich: vornähmlich begriffen Zesen
beschr. d. stadt Amsterdam (1664) 300; Hippothous aber, welchem Anchialus vornähmlich nahe ging Bürger 267
a; Schleiermacher (1834) I 3, 43; Fr. Schlegel
pros. jugendschr. 1, 234
Minor; Hegel (1832) 6, 154; da nun vornähmlich konnt es gar nicht fehlen Freiligrath
dicht. (1870) 2, 188. 1@cc)
die anlehnung an name
und namlich
bringt formen mit a
hervor, vgl. nld. voornamelijk
und Verwijs-Verdam 3, 1043:
principalis furnamligeste Diefenbach
gl. 459
c; endelich und vornamlich Bräker (1789) 1, 200. 1@dd)
in älterer sprache wird hinter dem labialen nasal ein b
geschrieben: vornemblich in zweyen stücken Kirchhof
wendunm. 1, 43
Ö.; ist vornemblich in acht zue nehmen
verh. d. schles. fürsten u. stände 1, 54
Palm; die seinen, vornemblich hauszgenossen Moscherosch
insomnis cura parentum 22
ndr.; ferner Grimmelshausen 3, 386
Keller; Rollenhagen
froschmeuseler (1595) a 5
a. 22)
erweiterung des suffixes in älterer sprache: vornämlichen, dasz
ifg secretari hinterstellig verblieben Schweinichen
denkw. 99
Ö. 33)
bedeutung. im entwickelten nhd. ist das wort auf den adverbialen gebrauch eingeschränkt (
s. aber unter a)
und auch in diesem gegen früher eingeengt. 3@aa)
das adj. erscheint in älterer sprache in verschiedener bedeutung; sich etwas herausnehmend, anmaszend: presumere furnemlich seyn o. werden Diefenbach
gl. 457
c (
fehlt oben bei fürnehmlich,
adj.). —
vor anderem wichtig, sich hervorhebend u. ä.: dasz durch in und seinen rath und that ein vornemlichs vor den feinden auszgericht und geschehen sei graf zu Solms
ursprung des adels (1563) 2
b. —
in der bedeutung besonders wichtig, hauptsächlich vereinzelt auch noch in neuerer sprache im superl. wie vornehm (
s. dieses unter 4): dessen verwirklichung ... den vornehmlichsten inhalt der römischen geschichte bildet Jhering
geist d. röm. rechts (1852) 2, 1, 135; die vornehmlichste sorge des marschalls Moltke
schr. u. denkw. (1892) 3, 38. —
hochstehend nach geburt, rang und stand (vornehm 5,
vgl. vornehmlichkeit); heydnische vornehmliche geschlechter Prätorius
bericht v. Katzenveite (1665) c 2
b. —
freier von unpersönlichem: auszgenomen dy sontage und etsliche vornemliche feyre
Hedwigsleg. (1504) c 6
b; under andern vielen und herrlichen dörffern ... hat disz landt zwei fürnemliche dörffer Braun
beschreib. u. contrafactur d. vornembsten stät d. welt (1576) 2, 18
a. 3@bb)
auch im gebrauch des adv., worauf die neuere sprache eingeschränkt ist, bewegt sie sich unfreier als die ältere, worüber oben fürnehmlich
zu vergleichen ist: vornehmlich
kann nicht mehr in dem allgemeinen sinne von vortrefflich gebraucht werden (furnemlich reden, meisterlich reden
th. 4, 1, 1,
sp. 781);
es bedeutet vorzugsweise, vor anderem, besonders, hauptsächlich, zuvörderst u. ä. 3@b@aα)
es wird innerhalb eines satzes ein wort oder eine wortgruppe hervorgehoben: es hat sein sohn Carolus die stadt (
Breslau) vornehmlich geliebt Rätel
Curäi chron. v. Schlesien (1607) 284; bey den Griechen hat es Aristoteles vornemlich gethan Opitz
poeterei 8
ndr. in beiden stellen wirkt die ältere, freiere bedeutung nach; es sind vornehmlich vier ursachen, warumb ich solches ... begehre Moscherosch
insomnis cura par. 18
ndr.; der schauplatz ist Constantinopel und vornehmlich die käyserliche burg A. Gryphius
trauersp. 17
Palm; um diese zeit, vornehmlich aber heut Grimmelshausen 3, 444
Keller; so kan dieses vornehmlich von Miltons gedichte gelten Bodmer
abh. v. d. wunderb. (1740)
vorr. 5; ich bitte sie, vornehmlich auf die letzten acht zeilen aufmerksam zu seyn Lessing 8, 47
M.; anwendung dieser aussicht auf neuere sprachen, die deutsche und französische vornehmlich Herder 1, 138
S.; mit diesem geist schrieb er alles, vornehmlich die geschichte der kunst Göthe 46, 99
W.; durch die ganze froschtonleiter hör ich vornehmlich krächzen moral, moral, moral Bettine
Cl. Brentanos frühlingskranz (1844) 48; vornehmlich war es Shakespeare, der uns auf weg und steg begleitete Mörike 3, 92
Göschen; (
er) bat sie, sich vornehmlich seinen erwachsenen töchtern zu widmen
M. v. Ebner-Eschenbach (1893) 3, 232; dasz sich vornehmlich hier schlechte wetter sammeln Hans Grimm
volk ohne raum (1928) 1, 301; vornehmlich sieht das hohe Wien die opfferflammen aufwärts ziehn Günther
ged. (1735) 128; vornehmlich eine — grille, wenn ihr wollt, ist ihr sehr werth Lessing
Nathan 1, 1. 3@b@bβ)
hervorgehoben wird eine durch den infinitiv bestimmte gruppe: da er doch vornemlich sucht, ein herr über ihrer mutter ducaten zu werden Grimmelshausen 3, 340
Keller; (
der tambourjunge musz) vornehmlich ... einen würbel mit doppelt-prellenden stöcken schlagen lernen v. Fleming
d. vollk. t. soldat (1726) 144; vornehmlich aber musz er den hund zum hirsch gewöhnen Heppe
aufr. lehrprinz (1751) 6; der pfarrer habe es doch besonders bequem, da er vornehmlich nur zu denken und zu reden habe W. H. Riehl
d. dt. arbeit (1861) 202. 3@b@gγ)
vor einem relativsatze, wobei es zunächst auf ein verbindendes demonstr. bezogen werden kann, oder sonst zur hervorhebung eines satzinhaltes: dieweil vornehmlich zu befahren, dasz der feind diese niderlag nicht wird ungerochen vorüber gehen lassen Dilich
ungar. chronica (1606) 176; vornemlich, wenn sie (
die frucht) für sich selbst unwerth A. Gryphius
Horribil. 60
ndr.; vornemlich in dem, dasz wir unsere muttersprache ... säubern Neumark
neuspr. t. palmbaum (1668) 31; vornemlich wann ers (
das mittel) braucht, ehe 24 stund ... vorüber lauffen Grimmelshausen 3, 338
Keller; also musz bei einer guten erziehung vornehmlich darauf gesehen werden, dasz junge leute mit geschmack ... lesen können Gellert (1839) 7, 117; begehrten sie, darum sie vornehmlich kommen waren, dasz er ihnen ein gaukelspiel vorbringe Grimm
dt. sagen (1891) 1, 175; vornehmlich, weil du so still und fleizsig bei mir gearbeitet hast G. Keller (1889) 3, 243.