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vogelweide

mhd. bis nhd. · 7 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
Anchors
7 in 7 Wb.
Sprachstufen
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

vogelweide f.

Bd. 26, Sp. 427
-weide, f. , begegnet zu frühest in glossen: aviaria, uugaluueidun Steinmeyer-Sievers 2, 702, 18 (Verg. georg. 2, 430: sanguineisque inculta rubent aviaria bacis, hierzu Servius: aviaria secreta nemora quae aves frequentant); aviarium, vogilweida Steinmeyer-Sievers 3, 222, 66; 294, 23; 266, 8 (Heinrici summarium buch xi); da die quelle der glossen dieses buchs in erster linie Isidor ist, kommt dessen definition für aviarium in betracht, die auf dem commentar des Servius zur Vergilstelle beruht u. das wort sowohl zu avis wie zu avius in beziehung setzt (orig. 14, 8, 32): aviaria, secreta loca et a via remota aut tantum avibus adibilia. das aviaria der Vergilstelle wird jedoch in einer anderen glosse durch fogalhus falsch übersetzt (Steinmeyer-Sievers 2, 635, 38). diesem glossator war also der gewöhnliche sinn des lat. wortes bekannt. ein sicherer schlusz auf die bedeutung von vogelweide ist zwar aus diesen glossierungen nicht zu ziehen, jedenfalls ist es aber nicht erst zur erläuterung des latein. wortes gebildet, musz also zunächst von der ursprünglichen bedeutung von weida aus verstanden werden: weida bezeichnet das ausgehen auf nahrung, dann das gebiet, wo diese nahrung gesucht wird und diese selbst; in diesem sinne wird es von wilden thieren ebenso gebraucht wie von zahmen: in der naht farent ûz in iro uueida alliu uualdtier Notker ps. 103, 20 (s. weiteres unter weide th. 14, 1, sp. 546); tiorweida glossiert lustrum Steinmeyer-Sievers 3, 16, 57; 116, 33; 406, 66; 443, 13; 607, 35; gemeint ist der aufenthaltsort wilder thiere: saltas ac lustra ferarum Verg. georg 2, 471. in silvis inter deserta ferarum lustra Aen. 3, 646. vogilweida also ist aufenthaltsort, futterplatz von vögeln, zunächst natürlich von wilden vögeln; es bezeichnet also einen ort abseits des von menschen bewirthschafteten landes. die vogelweide gehört dem walde zu, wie übrigens auch in der Vergilstelle unmittelbar vorher vom freien walde die rede ist. daher kann vogelweide den wald schlechthin bezeichnen wie vogelsang (s. dieses): daz ich sie iemer gerner sehen wolt dan alle vogelweid, für bluomen ûf der heid und für aller welte zier lieders. 2, 190, 41. wo die vögel sich gern aufhalten, ist der fang am ergiebigsten. die bedeutung von vogelfangplatz entwickelt sich also ganz natürlich aus der ursprünglichen und danach die von vogelfang, vogeljagd, wobei im zweiten falle die in weide liegende bedeutung von jagd mitwirkt. so erscheint das wort im liter. mhd., mhd. wb. 3, 553b; Lexer 3, 428, und später: closter Heinrichaw mit gulden czinsen renten ... weyden geyegden vogelweyden wassern (14. jh.) lehnsurk. u. besitzurkunden Schlesiens 2, 649; Lampel blätter f. landesk. von Niederösterreich n. f. 26, 9; die kleine vogelweyd (jagd auf kleine vögel) Heppe aufricht. lehrprinz (1751) 166; da geht auch an die vogel-weyd (im september) H. Sachs 4, 68, 1 lit. ver.; übertragen: also lange czeit die frau in (den liebhaber) an der vogelweyd hielt Arigo decam. 497 lit. ver.; das veraltete wort wird in neuerer sprache gelegentlich wieder aufgenommen, so von R. Wagner im werbelied des Walther Stolzing: im wald dort auf der vogelweid', da lernt' ich auch das singen. die nhd. wörterbücher zeigen, dasz das wort dem allgemeinen sprachgebrauch entschwindet: Frisius u. Maaler bringen eine erklärung, die durch das allerdings dürftige belegmaterial nicht gestützt wird: ornithoboscium, hünerstal, hünerhausz, ort da man die hüner und gefügel zeucht und neert, vogelweid oder hünerweid Frisius dict. (1556) 930a; vogelweid, die, ornithoboscium Maaler 471c; vgl. aviaria, die vogelziehung Orsäus nomenclator method. (1623) 203; es tritt hier die gewöhnliche bedeutung von lat. aviarium hervor, deren einwirkung schon in der glosse aviaria, fogalhus (s. oben) zu erkennen ist. Frisch 2, 405a bringt nach älterer quelle: vogel-waid und vogelheerd schlagen ... ist eine species des kleinen wildprets, Adelung verzeichnet das wort überhaupt nicht. eine sehr interessante entwicklung der ursprünglichen bedeutung wird durch das mnld. bezeugt: unbebaut, wüstliegendes land; man beachte besonders die redensart: veugelwee loopen, lanterfanten, ledig loopen Verwijs-Verdam 9, 779; in gleichem sinne wie vogelweide wird vogellant gebraucht (776); de hofsteden zullen bliven te voghelweede, sie sollen wüst liegen. hiermit vgl. man: vogelweyde, f., un endroit de terre, ou le blé ne peu venir, ou rien ne croist Hulsius (1616) 386a (hiernach bei Campe in diesem sinne, der aber auch die erklärung des wortes aus Frisch übernimmt). diese bedeutung entspricht durchaus der verwendung von vogel- in deutschen pflanzennamen, die dadurch als wilde von den für menschen verwendbaren und von diesen gezogenen unterschieden werden. im streite um die heimat Walthers von der Vogelweide ist das wort in verschiedenen gegenden Deutschlands als flur- u. hofname nachgewiesen worden (Burdach Walther v. d. Vogelweide 17; Wilmanns leben u. dichten W. v. d. V.2 69). die falken beize kommt hierbei nach dem, was wir über die bedeutungsgeschichte des appellativums wissen, durchaus nicht in betracht, vogelweide ist nicht ein ort, 'wo jagdvögel gehegt und abgerichtet werden', sondern ein solcher, wo vögel nisten und ihrer nahrung nachgehen, wo der vogelfang, die anlage eines vogelherdes oder einer vogeltenne sich besonders lohnt (in der nähe des Inner - Vogelweidhofes bei Klausen in Tirol ist eine vogeltenne nachweisbar Lampel bl. d. vereins f. landesk. von Niederösterreich n. f. 26, 14). auch wenn Walther durch seine herkunft von einem solchen hofe veranlaszt war, sich von der Vogelweide zu nennen, kann der name sinnvoll von ihm gewählt und so von seinen zeitgenossen verstanden sein: es läge ein schmerzlicher ausdruck des ausgestoszenseins darin, denn vogelweide ist wildnis, bezeichnet den gegensatz zum bebauten feld, zur gepflegten wiese; die verwünschung durch Leopold von Österreich (35, 17) scheint an diesen sinn anzuknüpfen.
5971 Zeichen · 84 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    vogelweidestf.

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +3 Parallelbelege

    vogelweide stf. ort wo wilde vögel zu weiden pflegen oder gehegt werden. aviarium sumerl. 1,36. daʒ ich si iemer gerner …

  2. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    vōgelwêidef.

    Mittelniederdeutsches Wb.

    vōgelwêide , f. , Stelle wo Vögel gefangen werden, Bezeichnung für eine Örtlichkeit.

  3. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    VogelweideDie

    Campe (1807–1813) · +1 Parallelbeleg

    ✱ ✱ Die Vogelweide , Mz. — n . 1) Ein Ort, wo man Vögel unterhält, ein Vogelhaus. Frisch. 2) Ein wüstes, ungebautes Land…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit vogelweide

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Zerlegung von vogelweide 2 Komponenten

vogel+weide

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