schmitze,
f. hieb, streich, fleck u. s. w. (
zu schmitzen gehörig, s. dieses);
mhd. smitze,
starkes und schwaches fem. mhd. wb. 2, 2, 433
a. Lexer
mhd. handwb. 2, 1016.
im ahd. mangelt eine directe entsprechung, doch vgl. bismiz,
contagio u. ä. Graff 6, 837.
ags. smitta,
macula stimmt zu hochd. schmitze;
mnld. smette, smitte,
nnld. smet,
mnd. smitte, smette (
vgl. thür. schmetze) Schiller-Lübben 4, 264
b, smitte
brem. wb. 4, 867. 11)
hieb, schlag, besonders wenn er mit einem dünnen, geschmeidigen werkzeuge, z. b. einer ruthe oder peitsche ausgeführt wird (
vgl. schmitz 1): her streich im eine smitze. Bartsch
md. ged. s. 29, 999, kein land, kein stand, wo man nicht der wahrheit ein schmitzen gibt,
etwas lügt Abr. a S. Clara
bei Schm. 2, 561
mit andern belegen. grindschmitze,
hieb auf den kopf Kramer
deutsch-ital. dict. 2 (1702), 602
b;
leichter schlag mit der ruthe, besonders auch handschmitze. Reinwald 2, 112; die schmitze,
peitschenhieb, züchtigung mit der peitsche. Avé-Lallemant
gaunerthum 4, 601.
s. unten 4. 22)
wie schmisz
zur bezeichnung der durch den hieb verursachten wunde und der zurückbleibenden narbe: er hat eine schmitze übern backen,
cicatrice in vultu notatus est Stieler 1876 (
s. schmitzicht).
bei Schambach 198
b erscheint schmitze
mit der bedeutung '
kleiner risz in der haut'. 33)
altbezeugt ist für das wort der sinn von macula (
so im ags.),
vgl. schmitzen.
indessen ist sie im hochd. gebiete nicht heimisch: aller sünden smitten wuosch uns abe sin bluot.
minnes. 1, 267
b Hagen. so im moralischen sinne oft im mnd., vgl. Schiller-Lübben 4, 264
a; hir myt sy gy van alre smette quyd unde van allen sunden.
Reinke de vos 1605 (schmîte
bei Lauremberg 2, 380
steht euphemistisch für schîte,
was oben bei schmeisze
nachzutragen ist; anders ebenda v. 694 schmyt,
dreck). schmitze,
macula Schottel 1404; einem eine schmitze anhängen,
maculam alicui inurere Steinbach 2, 467; smitte,
schmutz, flecken, besonders kesselschwärze. brem. wb. 4, 867;
nld. smette,
macula, labes Kilian (
im Reinaert smette
und smitte);
dän. smitte,
ansteckung, ansteckende krankheit (
vgl. nld. smettelicke sieckte,
morbus contagiosus Kilian,
engl. to smittle,
anstecken, smittlish,
ansteckend);
schwed. smeta,
schandfleck. 44)
durch hochd. und md. gebiete ist schmitze
als bezeichnung des äuszersten, gewöhnlich besonders angeknüpften endes der peitschenschnur verbreitet, vgl. Stieler 1876. Schm. 2, 562. Reinwald 2, 112. Spiesz 220; schmetze Regel 262. Hertel
Salzung. wb. 41; schmitze Albrecht 204
a. Kleemann 19
b. Liesenberg 197. Bernd 268. Frischbier 2, 299
a;
in hochd. form bei Schambach 198
b: ein seiler schlug glockensträng, den fraget Claus: was machstu für groszen zwirn. der seiler sprach: es ist kein zwirn, es sind schmitzen an die peitschen.
Claus narr (1602) 32; so ward mit einmal an dem langen seile das boot und seine mannschaft im bogen rückwärts nach dem schiffe geschleudert, wie die schmitze einer peitsche wenn der fuhrmann einen zug thut. Göthe 28, 235. 55)
ausdrücke der technischen sprache und besonderes. 5@aa)
nd. smitte
heiszt der weberkleister, mit dem die kettenfäden glatt gestrichen werden Schiller-Lübben 4, 264
b; smittels, smittelbrij
in gleichem sinne (
ein smittelgeld
wird den leinwebern besonders dafür gegeben, smittelisse
bei Dähnert 434
b)
brem. wb. 4, 867; smittels Walther
Dithm. chron. (1683) 298; smitt, smitte
brem. wb. nachtr. 318; smitte, smötte Strodtmann 217;
schwed. smeta.
auf scherzhafter übertragung beruht schmittel,
rotz (
Coblenz) Klein 2, 128;
s. schmitzen 2,
k. 5@bb) dar tho schall se hebben eyne packen laken van veer smitten.
quelle bei Schiller-Lübben 4, 264
b; smitte
hat mit der unter a behandelten bedeutung, die a. a. o. mit zweifel herangezogen wird, nichts zu thun. es musz sich hier um ein masz handeln. diese bedeutung hat vläm. smet, smette,
zekere lengte van het lijnwaad dat gewewen wordt, maat der schering of zeker tal ellen waarin de wevers de schering verdeelen. Schuermans
vlaamsch idiot. 631
b; schmitze
heiszt jeder umgang des kettengarnes um den scherrahmen bei den webern, der auch bei dem scheren der kette gezeichnet wird, ein solcher umgang ist bald 5
bald 6
ellen lang. Jacobsson 4, 12
b (
vgl. Campe
unter schmitz 3).
der gebrauch ist so zu erklären, dasz man beim scheren auf die kette des garns einen strich an bestimmten stellen macht (
nd. smit,
entstellt schmied
bei Frischbier 2, 297
b,
hochd. schmitz,
s. dieses 7
und schmitzen 2,
h; schmitze anschreiben,
adscribere lineolam Stieler 1876),
nach diesen schmitzen
die eine bestimmte anzahl von ellen von einander entfernt sind, wird gemessen. bei Frischbier
a. a. o. wird die länge auf 5
oder 8
ellen angegeben, ebenda ein beispiel des gebrauchs: die Wirkersche hat schon 3 schmiede (
gesprochen schmidte)
abgewebt. fünf schmied machen ein stück.
aus den zeugnissen erhellt nicht, ob wirklich ein fem. smitze,
nd. smitte
im gebrauch ist. in Schlesien sind die schmitze
bunte striche im gewebe, gewöhnlich 7
ellen auseinander. Weinhold 86
a. Karmarsch-Heeren
3 7, 773
verzeichnet schmitz
als ein in den tuchfabriken gebräuchliches masz von 3, 11
m länge. 5@cc) schmitzen
heiszen fehlerhafte stellen im tuche, die beim scheeren entstehen Jacobsson 4, 12
b. Karmarsch-Heeren
3 7, 774. 5@dd)
färbemittel, um schwarz zu färben: schmitz,
f., noircissure, nigredine Hulsius
dict. (1616) 286
a; schmitze,
nigredo Schottel 1404; eine gute schmitze auf die schuh Colerus
öcon. (1680) 684
b.
nach Adelung
ist schmitze
eine '
wässigere farbe',
womit die lederfärber die felle bestreichen, um sie zu färben. die grundschmitzen,
grundfarbe Schm. 2, 562,
s. schmitzen 2,
e. 5@ee)
nach Schambach 198
b heiszt die schleuder, mit der die knaben spielen, schmitze (schmitzen
intensiv. zu schmeiszen).