lautwandel 53 Wörterbücher · 2,7 Mio. Artikel
Wildcard · " Volltext

Aggregat · alle Wörterbücher

veil

mhd. bis GWB · 7 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
Anchors
7 in 7 Wb.
Sprachstufen
4 von 16
Verweise rein
13
Verweise raus
8

Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

veil m.

Bd. 25, Sp. 41
veil, m. viola. 11) das lateinische viola (verwandt griech. ἴον zum stamme vi flechten, Fick indog. wb. 2, 238) ist in früherer zeit nur als fremdwort im germanischen nachzuweisen, so ahd. viola Graff 3, 496. erst in den neuern nordischen sprachen (schwed.n. viol, f.) und mhd. (vîol, vîole, vîal, vîgol u. ähnl.) germanisiert sich das wort. mhd. trennen sich die formen vîol, m. und vîole, f., beide scheinen dieselbe pflanze zu bedeuten: ir sult ûf des meien plân den êrsten vîol schouwen. minnes. 3, 202a Hagen; bî der fîolen, die dâ nider ist und kleine, dâbî ist bezeichet unser vrowen otmuoticheit. Leyser pred. 37, 9. beide formen vererben sich auf das nhd., wo in den glossarien neben viol, vial, viel, fiel, veiol, veyhel, feygel, feygal, nd. fyoel sich viole, fyayle, nd. vyale findet. Dief. s. v. viola, crispua, cheiri, iuuisse 621a. 110a. 158b. 313c; gloss. nov. 382b. 82b; ein viel Dasyp. 261. im spätern nhd. hat sich die alte form viole in nachtviole (hesperis) volksthümlich erhalten, in verschiedenen mundarten ist vajôle (Wetterau), vajûle (Hessen) geläufig, doch mit von viola abweichender bedeutung. eigenthümlich das schweiz. viönle bei Geszner 137. Maaler 449; viöndle Stalder 1, 371. 22) aus viola entwickelt sich weiterhin die veile, die veil (so Stieler 2367), auch Nemnich scheint veil als femininum aufzufassen. aus vîol entspringt der veil Frisch 2, 402. Adelung (1780) 4, 1363, aber diese form veil ist etwa seit dem 17. jahrh. durch die verkleinerungsform veilchen immer mehr verdrängt worden. schon Stieler 2367 beweist in der aufführung der zusammensetzungen, dasz ihm zwar veil bekannt, veilchen aber geläufiger ist. die unverkleinerte form scheint sich als benennung der gröszeren pflanzen länger gehalten zu haben, die verkleinerung veilchen hauptsächlich anfangs viola bedeutet zu haben. doch führt schon Stieler cheiri als gelb veilchen auf und in der heutigen botanik ist diese form ebenfalls die übliche (z. b. Seubert naturg. d. pflanzenreichs 2, 229). über die verschiedenen deminutivformen s. unter veilchen. — die flexion von veil ist stark, von veile schwach. 33) veil schlechthin ist viola odorata, märzveilchen; als wiesenblume wird sie gern mit dem klee zusammen genannt: het mir ein gertlein bauen von veil und grünem kle. Uhland volksl. 129; der mei der tut uns bringen den veiel und grünen kle. 125; in rechter lieb und trewe warf sie zwei krenzlein rausz, das eine was von veiel, das ander von grünem kle. 126; hast du einen buhlen erworben in veiel und grünem klee, so steh ich hier alleine, thut meinem herzen weh. Simrock volksl. 316. 44) neben der viola odorata werden noch andere gattungen der viola veil genannt: die meyster sprechen gemeinigklich, das do sey dreierhant veyel, einer ist weisz, der ander schwartz, der drit pfellerfarb vnd habent all ein krafft in der ertzney. herbarius gedr. d. H. Schönsperger (Augsb. 1496). die glossarien führen als veilarten speciell an: rotgelveil, viola flammea; weyszveyel, [] viola lactea; rotbraunveiel, viola purpurea Dief. 621; Fuchs de historia .. plantarum (Basel 1542) führt als einheimisch an: blau veiel, ion πορφύριον Graecis; viola muraria vel purpurea Latinis; blaw veiel oder mertzenviolen Germanis dicitur. von den übrigen veilgattungen sagt er: germanice, quod rarae adhuc in Germania, dum ista scriberemus, fuerint welschveiel appellare voluimus, so führt er denn auf: viola matronalis alba, weiszwelsch veiel; punicea, rot welschveiel; purpurea, braun welschveiel fol. 312 D. der botaniker bestimme im einzelnen, welchen neueren pflanzennamen die obengenannten entsprechen; hier sei nur hervorgehoben, dasz viola purpurea, pheller farbner, blauer, rotbrauner veil wol unsere viola odorata ist. seit alter zeit hat der veil officinelle bedeutung: veyel sind kalt in dem ersten grade und feucht am end des andern grades. veieln söllen gesamelt werden im mertzen und die trücknen an der sunnen. diser syropel von feieln sol basz gesoten werden dann syropel von andern pluomen. der weissen veiel gesoten und die gelegte auff den bauch der frawen treiben aus das tod kind. Johannes meo ... spricht, das die veyel benemen das haubtwee, das do kumbt von hitze und machen ruoen und schlaffen und senfftigent die prust. herbarius 1496 cxx. noch heute wird aus diesen blumen syrup bereitet Oken naturg. 3, 1375. 55) veil für pflanzen gesagt, die wir heute nicht mehr zu den violae rechnen. 5@aa) levkojen (leucoium Nemnich 5, 612). in ihnen musz früh eine verwandtschaft mit viola gefunden worden sein, da schon das griech. λευκο-ίον darauf hinweist. wir nennen heute levkojen einige blumen, wenn auch ihre farbe nicht die weisze ist. in älterer zeit hat man, nach dem vorgange des Theophrast und der römischen naturforscher, veilchen, levkojen und hesperis in eine gattung zusammengeworfen; Fuchs nennt die levkojen noch veil, lat. violae: leucojon Graecis, viola alba vel viola simpliciter Latinis, officina Mauritana voce cheiri vel keiri appellatur, Germanis veiel. geel veiel, viola lutea; braunveiel, viola purpurea; weiter werden (als levkojen) genannt: weisz negelveil, purpurfarbveil, roth negelveil, staudenveil, gartenveil. dasz die nachtviole, hesperis matronalis, tristis, in älterer zeit den levkojen zugezählt wird (s. th. 7, 221), ergibt sich auch aus folgender stelle: wir sagen, dʒ selb sind die gelben (feieln) und die riechen des nachtes vast wol. diser feyeln tugent ist hitzigen und trucken machen und subtilieren. kräuterb. (1496) cap. cv; cheuri, geel feyeln. ettlich meyster sprechen, das dise bluomen geleychent an jrer farbe den feyeln und auch an der gestalt und dises ist die underscheid under disen feyelen. dann etliche dye ryechendt des tages und des nachtes, ettlich riechen des nachtes und nicht des tags, das selbig sind diese feyeln cheyri genant. auch so sprechen etlich meyster, das dise gelb feyelen geleichen den feyelen an jren gerauche. und derselben der sind ettlich weysz und ettlich geel. ebenda cap. cxx. die fortschreitende wissenschaftliche classification hat die einst gleichbenannten pflanzen getrennt und ihnen andere namen beigelegt. zum theil sind diese namen der wissenschaft auch volksthümlich geworden, so ist levkoje jetzt in die volkssprache eingedrungen und hat in diesem blumengeschlechte den namen veil beschränkt. Nemnich nennt die levkoje zwar lat. leucojum, setzt aber für leucojum aestivum, autumnale und vernum weiszes sommerveilchen, herbstveilchen, weiszes veilchen. 1, 387. heute hat sich noch allgemein erhalten: nachtviole, hesperis und gelbveil, gelbveilchen, cheiranthus cheiri (Seubert pflanzenreich 2, 229); Nemnich 5, 181 nennt noch gartenveil, cheiranthus incanus. 5@bb) auszerdem werden noch vereinzelt veil genannt: campanula speculum Veneris (glockenblume), fünfeckige veiel; gentiana verna, roszveil Nemnich 5, 474; hottonia palustris, wasserveil. 5, 634; nelken tragen den namen veil: lychnis dioica, veilröschen. 5, 612; die hessischen bauern (Marburg) nennen, nach mündlicher mittheilung, die grasblumen (armeriae) vajûlen, wetterauisch vajôlen. ferner jasmin (iasminum flore luteo) gelb veilreben (Fuchs); wegen des geruches hat iris germanica den namen veilwurz (s. d.) Nemnich 5, 612. 66) veil, der mit veilchen bewachsene rasen (vgl.klee th. 5, 1060): da Jhesus durch den feychel wuet am ölperg, schwitzt' er wasser unde pluet in allen seinen neten. anz. für k. d. vorz. (1883) 293. 77) zum schlusse sei bemerkt, dasz das (germanisierte) veil nicht überall in Deutschland eingebürgert scheint. so kennt Geszner (1542) es nicht; viola und leucojum sind ihm nägelein: viola [] alba, gele nägele und Straszburger nägele fol. 137; leucojum, gäle nägelin 52; hesperis, gäle nägelin oder nägelbluomen, grasz nägele. 41; viola purpurea (= odorata), viönle, violeten. 137; (viöndli bedeuten heute levkojen Stalder 1, 371). nelken und veil sind mitunter vertauscht; während in Hessen (s. 5, b) die grasblume (dianthus caryophyllus) vajule heiszt, wird daselbst cheiranthus cheiri (gelbveil) nelke genannt Vilmar 282. es wäre zu untersuchen, ob nicht nägellein, nelke die ursprüngliche deutsche benennung aller dieser blumengattungen war, die durch das fremde viola, veil zum theil verdrängt wurde, sich aber hier und da noch erhalten hat.
8321 Zeichen · 137 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    veil

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer) · +1 Parallelbeleg

    veil s. vegel.

  2. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    veilAdj.

    Köbler Mnd. Wörterbuch · +1 Parallelbeleg

    veil , Adj. Vw.: s. vēle (3) L.: Lü 472b (veil[e])

  3. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    VeilDer

    Campe (1807–1813) · +1 Parallelbeleg

    Der Veil , — es, Mz. — e , gewöhnlicher das Veilchen, — s, Mz . gl. 1) Der Name eines bekannten Pflanzengeschlechts, des…

  4. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Veil

    Goethe-Wörterbuch

    Veil [bisher nicht publizierter Wortartikel]

Verweisungsnetz

28 Knoten, 21 Kanten

Tap auf Knoten öffnet Detail · Drag zum Umpositionieren · Scroll zum Zoomen

1-Hop 2-Hop
Filter:
Anchor 3 Kompositum 21 Sackgasse 4

Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit veil

142 Bildungen · 127 Erstglied · 8 Zweitglied · 7 Ableitungen

veil‑ als Erstglied (30 von 127)

veilbat

Lexer

veil·bat

veil-bat stn. bad, welches man gegen bezalung brauchen kann Mb. 5,66 ( 1381 ).

veilbecke

KöblerMhd

veil·becke

veilbecke , sw. M. nhd. „Feilbeck“, Bäcker Q.: WeistGr (1378) E.: s. veile, becke W.: nhd. (ält.) Feilbeck, M., „Feilbeck“, Brot feilbietend…

veilbecker

Lexer

veil·becker

veil-becker stm. becker, der veilen kouf hât, brot zum feilhaben bäckt Mone z. 7,294, -becke swm. Gr.w. 3,645.

veilbeckære

KöblerMhd

veil·beckære

veilbeckære , st. M. nhd. Bäcker Hw.: vgl. mnd. vēlebeckære Q.: DRW (1466) E.: s. veile, beckære W.: nhd. DW- L.: Lexer 265b (veilbecker), L…

veilbieten

KöblerMhd

veil·bieten

veilbieten , st. V. nhd. feilbieten, zum Kauf anbieten Q.: MGH (1147), Urk E.: s. veile, bieten W.: nhd. feilbieten, V., feilbieten, DW-, DW…

veilblau

DWB

veil·blau

veilblau , adj. : veielblau, violaceus, amethystinus, janthinus Stieler 191 ; heute verdrängt durch veilchenblau oder das romanische violett…

veilblume

DWB

veil·blume

veilblume , f. : ein siropel gemacht von veyelpluomen also: nim veyelpluomen drey hant vol und gesoten in wasser und durchgeschlagen und auc…

veilbraun

DWB

veil·braun

veilbraun , adj. und n.: veilbraun sive violenbraun, color violaceus Stieler 2368 ; zuletzt ich noch begehre, dasz du mir trauren sollt in v…

veilchen

DWB

veil·chen

veilchen , n. viola, deminutiv zu veil. die form findet sich erst im 17. jahrh., so bei Stieler, dem die deminutivform die geläufige ist; ve…

veilchenaue

DWB

veilchen·aue

veilchenaue , f. wiese, auf welcher veilchen blühen: aber sieh! dort fliegt er ( der schmetterling ) schon auf die blaue veilchenaue, sauget…

veilchenauge

DWB

veilchen·auge

veilchenauge , n. dunkelblaues auge: o süsze lichter, holde veilchenaugen, so seid ihr mir noch immer treu geblieben. H. Heine 16, 47 .

veilchenbank

DWB

veilchen·bank

veilchenbank , f. : soll mich gewisz nichts verhindern, auf der veilchenbank deines stillen myrthenwäldchens den nachtigallen .. zuzuhören. …

veilchenbeet

DWB

veilchen·beet

veilchenbeet , n. gartenland mit veilchen besetzt: wo nur der wandrer, vom duft gelockt, den boden näher untersucht, dunkeln ihm unabsehlich…

veilchenbekränzt

DWB

veilchenbekränzt , adj. : ( er müsse ) es sich zur höchsten ehre rechnen, der weltberühmten, schönen, fetten, veilchenbekränzten Athenä ihre…

Veilchenbett

Campe

veilchen·bett

Das Veilchenbett , — es, Mz. — en , ein Bett von Veilchen gleichsam, ein Lager auf Veilchen, auf Veilchenrasen. Und in dem Wald, wo oftmahls…

veilchenblau

DWB

veilchen·blau

veilchenblau , adj. blau wie ein veilchen. wie veil als ältere form neben veilchen, so veilblau neben dem jüngeren veilchenblau; eigentlich …

veil als Zweitglied (8 von 8)

reinveil

KöblerMhd

rein·veil

reinveil , st. M. nhd. „Reinfal“ (ein Wein) Hw.: s. reinval E.: s. rein W.: nhd. DW-, vgl. nhd. (ält.) Reinfal, M., Reinfal (im Mittelalter …

Schneeveil

Adelung

schnee·veil

Der Schneeveil , des -s, oder die Schnee-Viole, plur. die -n, S. Adelung Schneeglöckchen .

steinveil

DWB

stein·veil

-veil , -viole leucojum album odoratissimum, weisze levcoje Krünitz 173, 61 ;

stockveil

DWB

stock·veil

stockveil , m. , cheirantus annuus L., sonst levkoje ( th. 6 sp. 852) Pritzel-Jessen 231 b ; als stockviole, f. bezeichnung von cheirantus c…

wasserveil

DWB

wasser·veil

wasserveil , m. die wasserfeder, hottonia palustris L. Tabernaemontanus (1664) 188 (-veyel). Nemnich 5, 634 , -veilchen 3, 179. der meerfenc…

weiszveil

DWB

weiszveil , m., f. , weiszveilchen, n., vgl. veil ( teil 12, 1, 41); für die levkoje ( matthiola incana ): viola lactea weyszveyel (1530) be…

wolveil

KöblerMhd

wol·veil

wolveil , Adj. nhd. wohlfeil, billig, käuflich, leicht zu habend Hw.: vgl. mnd. wolvēle* Q.: Flore (1220), Krone, RhMl, StrDan E.: s. wol, v…

Ableitungen von veil (7 von 7)

erveilen

FindeB

* erveilen swv. erkaufen, erwerben, geben Vät.

geveile

BMZ

geveile swv. mache feil, gebe preis. er ist ein sinnelôser man, der âne burgen durch daʒ wîp iemer geveilet den lîp Trist. 9896.

geveilen

Lexer

ge-veilen swv. BMZ feil machen, preis geben Trist. vgl. Bechstein zu 16949.

unveile

Lexer

un-veile adj. BMZ nicht verkäuflich Myst. Ms. ( H. 2,190 b ) ;

veile

Lexer

veile , veil adj. BMZ feil, käuflich, venalis Dfg. 610 a . allgem. ( daʒ chorn in Egipte veile wære Gen. D. 89,9. zehen sun er sant nâch der…

verveile

BMZ

verveile swv. verkaufe, gebe preis. daʒ er sîn gût verveilte Pass. K. 259, 89. 355,43. dô got sich vur uns verveilte in harte grôʒ ungemach …