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schlange

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

schlange f.

Bd. 15, Sp. 440
schlange, f. serpens, anguis; ahd. altniederd. slango m. (Graff 6, 795, altnd. ps. 57, 5), mhd. und mnd. slange m. und f., altnord. slangi m.; ablautsbildung zu ahd. slingan, mhd. slingen, nhd. schlingen, in der bedeutung schlängelnd kriechen, schleichen; in urverwandtschaft gestellt zu lit. slìnka, slànka, sluñkins schleicher, slanké f. schnepfe, slañkins steiles fluszufer, an dem die erde wiederholt herabgleitet, lett. slinks faul, träge, slinkums faulsein, trägheit; ferner lit. sliékas regenwurm, lett. sleeka dasselbe, altslav. slkŭ gekrümmt, krumm, vergl. Schade 2, 823b. im goth. und ags. ist das wort nicht belegt, die gemeingermanische bezeichnung ist deutsch wurm, goth. vaurms, ags. vyrm, altnord. ormr; während wurm die allgemeine bezeichnung eines reptils ist, scheint schlange zunächst ein gröszeres derartiges thier zu bezeichnen. Grimm gr. 3, 364. das geschlecht ist in der alten sprache das masc. im mhd. tritt neben dem masc. auch das fem. auf, jedoch bleibt während der ganzen mhd. periode das masc. vorherrschend. erst die bibelübersetzung Luthers scheint hier ausschlaggebend für das fem. gewesen zu sein, denn seit dieser zeit hört das schwanken auf und steht das fem. fest. als nachklang vom masc. vereinzelt im 16. jh.: ders haupt dem schlangen hat zerbrochen. Schade sat. u. pasqu. 2, 197, 41. Bedeutung. 11) schlange im eigentlichen sinne, mit besonderer hervorhebung ihrer eigenschaften und ihrer weise: die slangen sint von nâtûr hitzig und dar umb, wan si erkaltent, sô schadent si wênig oder gar niht. Megenberg 260, 29; Rabanus spricht, all slangen habent trüebz gesiht und dar umb siht si daʒ ir widerwärtig ist selten, wan die slangen habent ir augen niht an der stirn, si habent si an dem slâf und dar umb hœrent si ê daʒ si sehen. 261, 34; die schlangen sind mit aller gestalt den eidexen gleych, auszgenommen, dasz sie lenger und ohne füsz. Geszner schlangenbuch (Zürich 1589) 1b; zu den ächten schlangen gehören ... eigentlich nur die sogenannten groszmäuler. der mangel der füsze kann nicht entscheiden, weil es einige schlangen gibt, die wirklich spuren von hinterfüszen oder sogenannte sporen haben. die schlangen haben [] nie eine spur von vordern gliedmaszen, selbst kein schulterblatt und kein schlüsselbein. Oken 6, 514; alle ungiftigen schlangen haben neun gröszere tafeln auf dem kopfe. für uns ist daher dieser bau ein sicheres unterscheidungszeichen der giftigen schlangen von den ungiftigen. 515; der slange mit spæhen listen kan sich wider jungen, durch einen riʒ eins steines gêt er, seht, in sprungen, dar sliuft er durch und læʒet dâ die alten hût; sus wirt er junc und niuwe. minnes. 3, 98a Hagen; auch die schlange windet sich itzt aus dunkeler wohnung zu den blumengefilden einher; oft liegt sie geschlungen in dem blühenden klee, und scheinet unfähig zu schaden; aber auf ihrem giftigen kamme sitzt das verderben. Zachariä tagesz. 45 (1757). in verbindung mit anderen thieren genannt: die schlangen und affen, sind für allen andern thieren dem teufel unterworffen, in die er fehret, unnd sie besitzet. Luther tischr. (1568) 208b; besonders in verbindung mit gewürm, verderblichen oder als verderblich geltenden thieren: der gottgleiche mensch wird hier von schlangen, dort vom ungeziefer verfolgt, hier vom tiger, dort vom haifisch verschlungen. Herder zur gesch. u. phil. 4, 64; seine quelle, seinen strom muszte jeder rein erhalten, rein von sumpf, rein von Ahrimans brut, gewürm, fröschen, schlangen und giftigen thieren. 1, 219; ungeziefer, eidechsen, frösche, schlangen. 235; man spricht, es ist jn recht geschehen von wilden thieren und den schlangen, warumb ist er darmit umbgangen. H. Sachs 5 (1579), 129b; da aber aus eigenem beruf gott der herr allerlei thier' erschuf, dasz auch sogar das wüste schwein, kröten und schlangen vom herren seyn. Göthe 2, 200; schlangen sieht man gar nicht mehr, ottern und dergleichen und der drachen gräuelheer mit geschwollnen bäuchen. H. v. Kleist 5, 22 Hempel; schlang' und molch und fuchs und affen hat gott nicht blosz zum spasz geschaffen. Arndt (1860) 429. besonders in dichterischer sprache an unheimliche örter verwiesen: und hat dich geleitet durch die grosze grausame wüsten, da fewrige schlangen, und scorpion, und eitel dürre, und kein wasser war. 5 Mos. 8, 15; darinnen liegt ein junger knab, auf seinen hals gefangen, wohl vierzig klafter unter der erd bei ottern und bei schlangen. wunderhorn 1, 249 Boxberger; was bleibet nur von tod und zeit verschont? was stoltzer herren lust-sitz war, musz, eh verlauffen tausend jahr, von schlang- und ottern seyn bewohnt, musz seyn ein auffenthalt der eulen, ein ort, wo wölff und bären heulen. Abschatz poet. übers. (1704) 3, 74; dorthin, wo sich, in sümpfen, schlang' und tiger, durch rohr und dorngeflechte, tückisch drängen. Göthe 9, 340; es nisten schlang' und fledermaus in jeder felsenspalte. Kosegarten dicht. (1824) 1, 230; das irrlicht zündet seinen schein, die kröte schwillt, die schlang' im ried. Droste-Hülshoff 1, 112 Schücking. an stätten der verwesung von leichen zehrend, im verein mit würmern: bald der mensch ist mit tod abgangen, so fressen jn würm und die schlangen. H. Sachs 5 (1579), 127b; wer sein glück auff menschen baut, dieser hat es gantz vergessen, dasz in kurtzem diesen grund würm und schlangen werden fressen. Logau 2, 153, 69; der scheinet auch nur tod, den schlang und würmer fressen. Hoffmannswaldau ged. (1695) 143; wird man in tiefen gräbern sagen, wie gut du seyst? und wird im land, wo schlang und würmer uns benagen, an todten deine treu erkannt? Schubart ged. (1787) 1, 123; wogegen die friedliche gegend frei von schlangen erscheint: so sperrt auch nicht in unsern fluren die scheuszliche schlange ihren riesenschlund auf, der selber den tyger verschlinget. Zachariä tagesz. 47; oder in ihr die schlange ruht: da doch umher so heiter alles scheint. die vögel singen überall im busch, die schlange liegt im sonnenstrahl gerollt. H. Heine 5, 412 Elster; [] daher mit schlangen spielen in glücklicher, friedevoller zeit: kein verführen, höhnen und verderben ist da mehr auf gottes heil'gem berge. wolf und lamm, sie weiden mit einander, löw' und tiger gehn in zahmer heerde; und das süsze kind streckt in der otter nest die hand, liebkosend mit der schlange. Herder zur rel. 3, 302. auf schlangen treten, im vertrauen auf gott: auf löwen und schlangen trittst du kühn, zertrittst den löwen und drachen unter dir. 'weil er auf mich vertraut, errett' ich ihn'. zur rel. 3, 204. 22) in vergleichen; mit betonung des schnellen, geschmeidigen, sich windenden: (ein gewisses kraut) kreucht under anderm grasz als eine schlange. Lonicerus kräuterb. (1577) 237b; durch ungebahnte pfade wand er wie eine schlange sich. Wieland 9, 14 (Musarion 1); und die wurzeln, wie die schlangen, winden sich aus fels und sande, strecken wunderliche bande, uns zu schrecken, uns zu fangen. Göthe 12, 204; und winde sie sich wie der wind und schlinge sich wie schlangen; doch sie umwind', umschling' ich, sie verleid' es oder leid' es. Rückert (1882) 11, 359; das dunkel wich, des mondes schein drang flimmernd durch die zweige ein, und, eine weisze schlange, sich im walde zog des weges strich. Droste-Hülshoff 2, 165 Schücking; es fuhr der speer wie eine schlange. 176. der farbe: bunt wie eine schlange; die rechte grosz naterwurtz hat ein zwiblechte wurtzel, einen glatten hohen stengel, mit roten düpfflein besprenget, wie ein schlang. Lonicerus (1577) 230a; pflantze (taback), deren rauch das gifft bunter schlangen übertrifft. Abschatz poet. übers. (1704) 3, 76; des tückischen stechens, beiszens: ein wesscher ist nichts bessers, denn eine schlange, die unbeschworen sticht. pred. Sal. 10, 11; da nagte das unrecht, das ihm geschehen war, ihm wie eine schlange am herzen. Herder zur phil. 11, 236; merket, ob daʒ niht sî ein kranc, der den andern wil betriegen mit dem gruoʒe, und im hin nâch ein kerder gît, als einer slangen zagel, der bitters eiters ist sô vol, dâmit si heket, swen si wil ersterben. minnes. 2, 174a Hagen; wann er herrscht uber alles frey ist herr ob allen diesen dingen, die jm vor trawren möchten bringen, so ander beiszen wie die schlangen den allen ist er frey entgangen. H. Sachs 1 (1558), 237b; sich den wein nicht an dasz er schön ist in dem glasz, breunlicht und grün, er ist wol glat in dem eingang, nach dem so beist er wie ein schlang, und wie ein vippernatter sticht. 5 (1579), 190c; ein wäscher der ist besser nicht, denn ein schlang, die unbschworen sticht. 206c; von der zunge: sie scherffen jre zunge, wie eine schlange, otterngifft ist unter jren lippen. ps. 140, 4; die zungen wissen sie zu spitzen als wann uns eine schlange trifft, und unter ihren lippen sitzen der nattern schaum und kaltes gifft. Opitz ps. 259 (140, 4); das gift der schlange hervorhebend: es hat mir viel, sehr viel gekostet, bis er gefaszt war, der schreckliche entschlusz, der wie eine giftvolle schlange mit gefräszigem zahn an der ruhe meines herzens nagt. Grillparzer 10, 61; sie haben gifft wie gifft der schlangen. Opitz ps. 109 (58, 4); hast du denn zunge so sehnlich verlangen, einige worte der liebe zu fühl'n? schaue, wie freundlich die züngelnde schlangen mit dem so schlüpffrichten zungen-gifft spiel'n. ebenso kanstu mit zünglenden küssen, zwischen den lippen ihr honig geniessen. Hoffmannswaldau ged. (1695) 279; wie viel gibts wespen nicht, die die verleumbdung-fleck auf unsre lilgen schmirn, aus unsern süssigkeiten wie schlangen tödlich gift aus besten klee bereiten. Lohenstein Cleop. (1680) 59 (3, 96); stumm schwitzt er gift aus, wie die otter schweigt, wie die schlange gift haucht, gegen die kein zauber gilt. Göthe 6, 12. [] betonung des festen ringelns und haltens: die ungeduld hielt mich umringelt wie schlangen. H. Heine 2, 51 Elster; und wie mit langen armen zogen mich die riesentöne in das haus hinein, und wanden sich um meine brust, wie schlangen, und zwängten ein die brust, und stachen mich. 284; wie, oder hast du (Sigrun) jener nacht vergessen nach Siegfrieds abschied, als schlaflose sehnsucht wie eine ries'ge schlange mich umwand. Geibel ges. werke (1888) 6, 25; des häutens der schlange: könnt ihr die schäbige haut abstreifen wie die schlange und eure farbe wechseln wie das chamäleon. Musäus volksm. 4, 59 Hempel; wir sîn der arme slange, der dâ hât sô lange getragen die unreinen hût, die sô manich bôse krût der sunden hât durchsloffen. welle wir danne hoffen zuo dem himelrîche, sô muose wîr tuon gelîche rehte als der slange tuot; diz ist uns nuzze unde guot. wir ziehen abe die bôsen site, dâ gewinne wir guote mite, und ziehen abe die alten hût. Heinr. v. Krolewitz vater unser 4283; des verschlieszens der chren: noch stopffen sie die ohren zu, wie die schlangen, und wöllen uns wissentlich nicht hören. Luther 8, 100a. ein kluger herrscher pfleget für weibern seinen rath und ohr zu schlüssen ein wie schlangen, die umbkreiszt von dem beschwerer sein. Lohenstein Sophon. (1680) 60 (4, 86); der eigenschaft der klugheit, verbunden mit falschheit (vgl. und die schlange war listiger denn alle thier auff dem felde. 1 Mos. 3, 1): darumb seid klug, wie die schlangen, und on falsch, wie die tauben. Matth. 10, 16; die herren sind immer klug wie die schlangen. Seume werke (1826) 3, 146; sît wîse, als die slangen sîn, unde einvaltich als tûbelîn. Heinr. v. Krolewitz vater unser 4127; sei nie der arglist freund; doch auch ihr nie zum raube! sei wie die schlange klug; doch falschlos wie die taube! K. Fr. Kretschmann letzte sinnged. (1805) 321; im übrigen sind es leute vom alten glauben, — nicht klug wie die schlangen, doch ohne falsch wie die tauben. Rückert 11, 398; der wut, kampfgier: jr (der gottlosen) wüten ist gleich wie das wüten einer schlangen. ps. 58, 5; aber seine augen blitzten durch die brille, wie ein paar schlangen die springen wollen. Hebbel werke (1891) 2, 96; die gottlosen verkehret sind, von mutter leib an arge kind, ir wüten das ist mit verlangen gleich wie das wüten einer schlangen. H. Sachs 5 (1579) 47c; in sonstigen vergleichen: männer such ich, die dem tod ins gesicht sehen, und die gefahr wie eine zahme schlange um sich spielen lassen. Schiller 2, 120 (räuber schausp. 3, 2); er wirkte auf die vögel der unbedeutendheit wie der blick der schlange. sie zitterten vor ihm und stürzten todt auf seine ausgestreckte zunge. Gutzkow ritter vom geist 8, 278 (1852); sie that, als legten sich mit mir ihr schlangen bey, als ich zum andern mal beschriet ihr kaltes bette. Lohenstein rosen (1680) 19; denn nicht ein ehrlich offner krieg, ich denke, nur eine jagd wird's werden wie nach schlangen. H. v. Kleist 1, 7 Hempel; von dir berührt war ich geheilt; in deinen armen faszte das übel mich mit allen seinen klauen zum letztenmal, und schüttelte das mark entsetzlich mir zusammen; dann entfloh's wie eine schlange zu der höhle. Göthe 9, 96; entwürfe wurden aus entwürfen reif, doch, wie die schlange packt den eignen schweif, fand ich mich immer auf derselben stelle. Droste-Hülshoff 1, 95 Schücking; das nenn' ich eine winternacht! das eine jahresleiche! gnade der himmel jedem, den die noth treibt über diese blanken pfade! sie glitzern auf, der schlange gleich, im weiszen pyramidensande. 2, 10; als sich der bruder wieder fand und frisch auf beiden beinen stand, zog schneller er zurück den schritt, als wer auf eine schlange tritt. Uhland ged. (1864) 418. 33) beliebt ist das bild der unter dem kraute versteckten schlange, zuerst bei Virgil: qui legitis flores et humi nascentia fraga, frigidus, o pueri, fugite hinc, latet anguis in herba. ecl. III, 92. [] vielfach in neuerer dichterischer sprache: das kraut und blumenwerck des reichthums, streuet einen süssen geruch, allerhand bekwehmligkeiten und wohllüste von sich: aber vilmahls versteckt sich darunter die schlange aller laster. Butschky Pathmos 885; aber denke nicht, mein guter filosof, dasz ich die kleine schlange nicht gewahr werde, die unter diesen blumen versteckt liegt. Wieland 33, 255; sey'n sie immer auf ihrer hut, wenn bei sachen solcher art christentum angeheftet wird, da lauert gewisz die schlange hinter der rose. Herder zur rel. u. theol. 13, 193; ein kranz von blumen wird dem jüngling um haupt und herz geworfen und drinn sind schlangen und skorpione. zur phil. 10, 16; sieh aus, wie die unschuldige blume, aber sey die schlange unter ihr! Bürger 292a (Macbeth 2, 1); zwar in der welt läst sich's auf rosen gehen, doch iedes blatt verstecket schlang und pein. Lohenstein geistl. ged. (1680) 41; die gleichet dem, der, zwischen laub und gras, nach blumen greift, und eine schlang entdecket, die zischend schwellt, und, ungereizt, voll hasz den gelben hals der hand entgegen strecket. Hagedorn poet. werke (1771) 2, 79; wenn eitelkeit oft mit blümlein mich neckt, und unter dem straus die schlangen versteckt; wenn thorheit mich sucht; so eile geschwind und warne mich selbst, du himmlisches kind. Schubart ged. (1787) 2, 169; das unheil naht! ach! wehrt kein engel? schone! schone! die schlange bricht hervor durch das verhüllungslaub! Tiedge werke (1841) 1, 281; wenn ich mit der galle schwarzem zweifel unter jeder blume schlangen sah. Seume (1826) 1, 30; drum gleicht das mündlein gar genau den hübschen rosenbüschen, wo giftge schlangen wunderschlau im dunkeln laube zischen. H. Heine 1, 50 Elster; (ich sehe) heimlich unter'm blumenduft die alten schlangen zischen. Rückert poet. werke (1882) 1, 252; anders, und zuerst biblisch, die schlange ein bild tückischer oder verderblicher gabe: welcher ist unter euch menschen, so jn sein son bittet umbs brot, der jm einen stein biete? oder so er jn bittet umb einen fisch, der jm eine schlange biete? Matth. 7, 10; es were eine wilde ordnung, so wir wolten im widerspil unser heil suchen: gleich als ein kind, das umb brot schreyet gegen seim vatter, der gibt jhm nit schlangen für brot. Paracelsus 1, 32 C; solten wir gott haben, und er hat uns beschaffen, und gibt uns unser begern und nicht schlangen darfür. ebenda. 44) die schlange in mythologischen und religiösen vorstellungen. 4@aa) nach der anschauung des classischen alterthums, schlangen am haupt der erinnyen, furien: meine furien erdrosseln hier ihre schlangen — die hölle ist zernichtet — ich bin glücklich. Schiller 2, 330 (räuber trauersp. 5, 7); ha die Alekto (ungesetz ist ihr schrecklicher name) wird nun heimisch bey euch, zischt mit den schlangen umher! Klopstock 2, 136; wie oder haben lachend die furien dich ausgeboren, als im tanz sich gift'ger die schlangen der haare küszten? Herder zur lit. u. kunst 12, 234; so leuchtet der furie feuergesicht. und, unter dem kopfschmuck phosphorischer schlangen weisz glühen die augen und rothbraun die wangen. Göthe 4, 201; zärtlich um Megärens wangen küszten sich die wilden schlangen, keine geiszel klatschte mehr. Schiller 1, 240; und wo die haare lieblich flattern, um menschenstirnen freundlich wehn, da sieht man schlangen hier und nattern die giftgeschwollnen bäuche blähn. 11, 244; die Eumeniden lehnen auf den eisenbetten, selbst ihre schlangen, von den grausen scheiteln herunterringelnd, lauschen auf des sängers lied. Kosegarten rhaps. (1801) 3, 24; herbei! herbei! ihr rachegöttinnen! das haupthaar starrend von gelösten schlangen. Grillparzer 4, 253; er ist begangen, der völkermord! nun schwingt die schlangen, ihr furien alle, zerstört dem würger der letzten bürger jedwede lust, und setzt die kralle ihm auf die brust! Platen werke (1877) 1, 206; [] schlangen der Eris: Eris schüttelt ihre schlangen, alle götter fliehn davon, und des donners wolken hangen schwer herab auf Ilion. Schiller 11, 372; um den stab des Asklepios: die schlange, wie sanft windet sie sich den stab Aesculaps hinauf. Herder zur litt. u. kunst 19, 63; die lernäische schlange: in meinen adern zischt's und siedet's; wie das gift der lernäischen schlange brennt mich der name Medici. Grillparzer 10, 260; erfüllt hat gott, was ihr geglaubt, der stern ist aufgegangen, zermalmet liegt der hyder haupt mit millionen schlangen. Arndt (1860) 358; am haupt der Meduse: Pallas ... führe einen schild, darinnen das haupt Medusae und Gorgonis angehäfftet sey; welches einen erschröcklichen anblik; an stat der hare, schädliche schlangen gehabt; daher den ansichtigen ein schrökken gemacht. Butschky Pathmos 262; so ist Medusens haar ein heer gekrümmter schlangen, die zischend um ihr haupt, lebendge locken, hangen. Zachariä scherzh. ged. (1761) 1, 26. 4@bb) schlange in biblischen vorstellungen: und die schlange war listiger denn alle thier auff dem felde, die gott der herr gemacht hatte, und sprach zu dem weibe, ja solt gott gesagt haben, jr solt nicht essen von allerley bewme im garten? 1 Mos. 3, 1, vgl. 4. 13. 14; davon wir im paradis gefallen sind durch der schlangen list. Luther 8, 168a; dieweil gott der allmächtig der schlangen mehr, höhere und gröszere mysteria, dann sonst keinem andern thier, oder lebendigen creaturen zugeeygnet und gegeben, in jhrer erschöpffung: darum ist nit unbillich der fall eben durch die schlangen beschehen. Paracelsus 1, 1088 C; ein einziger verbotener baum ist im paradiese, und dieser baum trägt in der überredung der schlange die frucht der götterweisheit. Herder zur phil. 5, 287; do sprach der tivel uʒ der slange. Hahn ged. des 12. u. 13. jahrh. 16, 80; got dem slangen ouch gebôt, daʒ er sliche ûf den brüsten sîn, durch disen wol gedienten pîn, daʒ er die missetât geriet. R. v. Ems weltchr. 65, 386; weil Eva mit der schlang umging und neben jhr den Adam fing, so hat sie jhren töchtern auch verlassen list und schlauen brauch. Logau sinnged. 2, 144, 18; die meisten bleiben wol das theil der alten schlangen, die alle welt verführt. S. Dach 264 Österley; schüttle deinen kopf und sprich: fleuch, du alte schlange! was erneust du deinen stich, machst mir angst und bange? P. Gerhardt 136 Gödeke; vors erste, zeuch die larven ab der alten roten schlangen; sieh an, dasz sie kein gift mehr hab, es ist ihr abgefangen durch Jesum Christ. 289; staub soll er fressen, und mit lust, wie meine muhme, die berühmte schlange. Göthe 12, 25; folg' nur dem alten spruch und meiner muhme der schlange, dir wird gewisz einmal bei deiner gottähnlichkeit bange. 101; kennst du noch das alte liedchen von der schlang' im paradies, die durch schlimme apfelgabe unsern ahn ins elend stiesz? H. Heine 1, 33 Elster; als bezeichnung des verführers: Faust. schlange! schlange! Meph. gelt! dasz ich dich fange! Göthe 12, 174. ihre gestalt nimmt geradezu der teufel an: der teufel führet zweierley formen unnd gestalten, oder larven, darein er sich verkleidet und vermummet, entweder er verstellet sich in eine schlang, zu schrecken unnd zu tödten .. Luther tischr. 208b (1568); der ubel tivel was so charc, der sich da in dem slangen barc. Hahn ged. des 12. u. 13. jahrh. 16, 75; daher die schlange den teufel bedeutet: der pêlicânus der sol gotes sun bediuten, der slange den tiuvel, der ist gram allen liuten. minnes. 3, 101a Hagen; auch als besonders dem teufel unterthan oder vertraut bezeichnet wird: der schlangen samen (teuflische brut). Luther 8, 3b, vgl. dazu 1 Mos. 3, 15; die schlangen und affen, sind für allen andern thieren dem teuffel unterworffen. tischr. 208b; [] und dasz mit schlangen, gott behüt'! der teufel sein wesen treibt, ist längstens auszer zweifel. Fr. Kind (1817) 2, 225; die eherne schlange, von Moses aufgerichtet: da sprach der herr zu Mose, mache dir eine ehrne schlange, und richte sie zum zeichen auff, wer gebissen ist, und sihet sie an, der sol leben. 4 Mos. 21, 8; am todespfahl selbst werde er den verwundeten das seyn, was dem sterbenden volk jene erhöhete schlange in der wüste war, ein anblick der genesung. Herder zur rel. u. theol. 17, 82; des teufels bis der schadet nicht, wer diese ehrne schlang (Christus) ansicht. er ist der weg zur seligkeit, das leben und auch die warheit. Luther 8, 389b; uns ists durch dich (Christus) gelungen, du ehrne schlange du, du edle medicin, du Leviathans gifft und bisse nimmest hin. Fleming 12; die schlange als werkzeug der göttlichen rache: da sandte der herr fewrige schlangen unter das volck, die bissen das volck, das ein gros volck in Israel starb. 4 Mos. 21, 6; denn sihe, ich wil schlangen und basilisken unter euch senden, die nicht beschworen sind, die sollen euch stechen, spricht der herr, da will ich mich meiner mühe und meines hertzenleides ergetzen. Jerem. 8, 17; die wilden thiere, scorpion, schlangen, und schwert sind auch zur rache geschaffen, zu verderben die gottlosen. Syrach 39, 36; unter schauer und entsetzen ward der bund gemacht, der so oft durch schauerliche strafen, durch feurige schlangen, verschlingung der erde eingeschärft werden muszte. Herder z. rel. u. theol. 2, 68; fewer, hagel, hunger und tod, solchs hat zu rach geschaffen gott, wilde thier, scorpion und schlangen, und schwerter sind auch mit eingangen, zu verderbn der gottlosen meng. H. Sachs 5, 156c; formelhafte verbindung mit drache: Michahêl und sîne engele striten wider den trachen und wider den alden slangen. daʒ ist der tûvel, der ist gevallen von deme himele. myst. 1, 208, 39; und es ward ausgeworffen der gros drach, die alte schlange, die da heisst der teufel und satanas. offenb. 12, 9; und die schlange schos nach dem weibe aus jrem munde ein wasser, wie ein strom, das er sie erseuffet. aber die erde halff dem weibe, und that jren mund auff und verschlang den strom, den der drach aus seinem munde schos. 15. 55) schlange, bild für böse, heimtückische menschen; ohne hervorhebung des geschlechts: er dachte, als er ihren jammer ahnte, an die zungen, die hinter ihm herzischeln würden, aber nicht an die nichtswürdigkeit der schlangen, denen sie angehören. Hebbel (1891) 2, 139; man meint, dasz auf den dörffern nur, sind nattern, kröten, schlangen; mit diesen würmern ist man mehr in städten noch befangen; dort, weichen sie, wann sie man jagt und fliehen in die löcher, hier finden sie sich um uns her, im hausz, auff gasz, in glächern. Logau 2, 128, 46; gewöhnlicher für die falsche frau: aber auch sie, die ägyptische schlange (Cleopatra), wie liebt sie ihren römischen wolf! H. Heine 5, 405 Elster; weil meine raserey sich dar schon blicken liesz, als ich aus Barchens stamm und aus Carthagens schlangen mir eine frau erkohr. Lohenstein Sophon. (1680) 60 (4, 73); der holde unhold, die schlange der schlangen, in deren zauberknoten wir uns ewig wider willen fangen; der ewige abgott unsrer begier, der ewige teufel der uns peinigt, mit einem worte, das himmel und hölle in vier unselige töne vereinigt, ein weib — ist meines jammers quelle. Wieland 18, 255; nun kommt sie als ein werkzeug meines feindes, sie schleicht heran und zischt mit glatter zunge, die kleine schlange, zauberische töne. Göthe 9, 206; weib! tochter! seid getreu, o haltet fest, laszt euch von diesen schlangen nicht verführen! Schiller 13, 437 (Turand. 4, 2); es giebt auf erden recht listige schlangen in häubchen und mieder. Fr. Kind ged. (1817) 1, 236; gewaltig hat umfangen, umwunden, umschlungen schon die allerschönste der schlangen den glücklichsten Laokoon. H. Heine 2, 9 Elster; in halb scherzender anrede: geh! du schlange! wie sie nun schmeicheln kann! Lessing 1, 267; in scheltender: fort falsche schlange, du willst einen rasenden höhnen. Schiller 2, 198 (räuber schausp. 5, 2); schlange, du lügst. dich fesselt was [] anders hier. 3, 437 (kab. u. liebe 3, 4); siehe schlange! das war der einzige flek der vergebung — deine aussage bricht dir den hals. 497 (kab. u. liebe 5, 7); schlange, geh'! der satan blickt aus deinem auge! Schubart ged. (1787) 2, 47; du auch hier? weisze, silberhelle schlange? o, zische nicht mehr, züngle nicht so lieblich, du hast ja, was du wolltest, den gemahl! Grillparzer 4, 186; nieder in den staub, du schlange, die mit gift'ger zunge sticht! lügnerin! (Brunhild zu Chriemhild). Geibel 6, 63. schlange von männlichen personen: jr schlangen, jr ottern gezichte, wie wolt jr der hellischen verdamnis entrinnen? Matth. 23, 33; ere kappen de sind schwart ghewest, de duvel hefft darinn een nest, am gordel dragen se spangen; frame christen weren sy thovoren, nu sind se gewordhen schlangen. Soltau volksl. 1, 280 (spottlied auf Luther und die reformation); o Schill! o Schill! du tapferer held! was sind dir für bübische netze gestellt! viele ziehen zu lande, es schleichet vom meer der Däne, die tückische schlange, daher. Arndt (1860) 216; (Johann zu Ottokar.) fort, du schlange! nicht stechen will sie, nur mit ihrem anblick mich langsam tödten. H. v. Kleist 1, 33 Hempel; o, listig ist die schlange (Sylvester) — 's ist nur gut, dasz wir das wissen, denn so ist sie's nicht für uns. 57; die schlange (Ottokar) hat ein zähes leben. doch beschwör' ich's fast. das schwert steckt ihr im busen. 91. 66) schlange, in bildern für gefühle und stimmungen, sowie deren ausdruck. schlangen der reue: o schmertzliche bisz und zwick dieser innerlichen schlangen, die vielmals so hefftig wüten, dasz sie einen menschen gar in die verzweifflung bringen, dasz er ihm selbst das leben nimmt. Abr. a S. Clara etwas für alle 2, 19 (1711); daher jener verhaltene hasz, der nicht zorn werden kann, der elende neid, der nicht that werden kann, reue, traurigkeit, verzweiflung, die weder zurückrufen noch bessern — grausame schlangen, die am herzen des menschen nagen. Herder zur phil. u. gesch. 9, 13; o! so komm du mir zu hülfe jammer und du reue höllische furie, grabende schlange, die ihren frasz wiederkäut. Schiller 2, 239 (räub. 2, 1 trauersp.); sehen sie sich wohl für, milady — stunden der nüchternheit, augenblicke der erschöpfung könnten sich melden — schlangen der reue könnten ihren busen anfallen. 3, 462 (kab. u. liebe 4, 7); schlangen der sünde, schuld: mit schlangenwuth, wenn mich die sünd umflicht, so macht mir stärkern nicht ihr wüthen bange. die bisse dieser schlange heilt Jesu blut. Schubart ged. (1787) 1, 50; die schlangen der schuld sind stets im busen wach. Arndt (1860) 20; schlangen der bösen lust, wollust, leidenschaft, begier: und in dem mehr als wüsten leben, sind wir mit schlangen böser lust, die uns verwunden seel und brust, mehr als in Gor gantz Israel umgeben. Lohenstein geistl. ged. (1680) 68; wenn wollust die schlange so lieblich gefleckt sich unter die blumen des frühlings versteckt, und eh' sie sich rüstet zum tödtlichen stich, o himmlische göttin, so warne du mich! Schubart ged. (1787) 2, 330; läutre mich, wie gold im feuertiegel! würg' in mir die schlange sinnlichkeit! Kosegarten dicht. (1824) 6, 149; o hätt' ich weisheit nur gereift im laufe der verlornen stunden, hätt' ich mir von des busens wunden die schlangen der begier gestreift! Arndt (1860) 23; schlangen des neides: die schlangen der rache, des neides und undanks entschlafen am grabe des todten und wenden sich gegen den lebenden verbrecher. Herder z. phil. 13, 26; dem neid entgleiten die lauschenden schlangen. Kosegarten rhaps. (1801) 3, 22. des schmerzes, grams, der krankheit, qual: und hier (in Italien) hing sich die schlange (eine krankheit, die sich gleich selbst erklären wird) an seinen fusz, deren gift er zeitlebens mit sich trug. Herder z. phil. 15, 92; [] freunde, wenn eure thräne nur des todes kelch nicht bitter, das herz, wenn's bricht, nicht weich macht, krankheit mag mit zischenden schlangen, schmerz mit dornen ihn kränzen! Stolberg 1, 240; Evan, heil dir! sorgenbrecher! ... (du) erschreckst des grames schlangen durch der lieder melodie. Arndt (1860) 15; hier wohnt der schmerz mit seinen giftgen schlangen. 2, 268; schlange der verführung, bethörung: dieser keusche schnee der au nährt nicht schlangen der bethörung. Rückert ged. (1841) 408; die schlange der umschnürung lauscht' in dem blütenstrauch, und odem der verführung war in des frühlings hauch. 694; der verläumdung: wo ihn die schlangen der verläumdung rund umzischten. Göckingk 3 (1782), 151; des spottes: was ist's, wann peiniger uns hassen, wann um uns zischt die schlange spott? Schubart ged. (1787) 1, 46; daher von der zunge der spötter: thut der richter aller welt rechnung vor dem rath der spötter? derer zungen schlangen sind, ob schon ihre worte glätter als ein öl und honig scheinen? H. C. v. Gersdorf geistr. ged. (1779) 554; schlange der eifersucht: so kam aus ihrer finstern schlucht, gelockt von Fulcos minnesange, plötzlich hervor die gift'ge schlange, des grafen Barral eifersucht. Lenau 2, 375 Koch; des truges: die allerschlimmste schlange .. sie heiszet pfaffentrug. 394; der widerspenstigkeit: die schlange, die das herz vergiftet, die zwietracht und verderben stiftet, das ist der widerspenstge geist. Schiller 11, 282; schlangen im innern, in der brust u. s. w.: und feiertest, wie hier auf erden kein erdklos feiert, dem noch dunkle himmel wallen und schlangen drohen, oder schlangen im innersten vielleicht ihm wüthen ... Herder zur litt. 3, 117; vergiftet sind meine lieder; — wie könnt' es anders sein? ich trage im herzen viel schlangen, und dich, geliebte mein. H. Heine 1, 85 Elster. in anderer bildlichkeit, und mit anlehnung an eine bekannte fabel, eine schlange im busen ziehen, wärmen u. s. w.: so lehret doch die tägliche erfahrung, das sie (die wohlthäter) von ihren eigenen creaturen, offt mehr, als andere verfolget werden; und heiszet mit ihnen wohl recht: die schlange im busen erzogen haben. Butschky Pathmos 825; ha schlange, die ich in meinem busen ernährt! Fr. Müller 3, 414; eʒ irret guoter meister kunst, eʒ læt sich schenden unde hât dâ bî der herren gunst, unde ist doch schedelîcher, denne eines landes brunst, slange in dem buosem, wolf bî jungen schâfen. minnes. 3, 23a Hagen; weh dem! der schlang' und molch in schoosz und busen nehrt. Lohenstein Cleop. (1680) 28; nur leide, dasz der letzte hauch, der mir entflieht, dich warne vor der schlange, die du im busen wärmst. Wieland 10, 342; nein! — ich will sie von mir werfen, die schlange, die ich allzu lange duldend in meinem busen hegte! 26, 151; im busen hegt' ich dich so lange, wie jener die verklomte schlange. dem busen, der ihr leben bot, gab sie zum lohne schmerz und tod. Bürger 105 Sauer; zu fröhnen dem tyrannen, den ihr selbst an eurem busen wärmtet, wie der thor die schlange, eh' ihr gift in's herz ihm drang. Stolberg 5, 6; Hammon brachte vor funfzehn jahren sie in meine hand. an meinem busen nährt' ich diese schlangen, und ihre triebe feindeten mich an. Göthe 7, 175; es reiszt mich sehnsucht und verlangen vom süd zum nord, vom ost zum west, gleich einem menschen, der von schlangen im busen trüg' ein ganzes nest. Arndt (1860) 455; nähr' ich (Saul) die schlang an meinem busen, die das herz vergiften meines königthums, die krone mir vom haupte züngeln will? Rückert poet. werke (1882) 9, 129. 77) schlange in sinnbildern; der zeit oder der ewigkeit: er (der ring) ist bei allen morgenländischen nationen das bild [] der zeit oder der ewigkeit, zu deren symbol man nichts als den cirkel, ring, reif oder eine in sich zurückkehrende schlange oder endlich die kugel wuszte. Herder z. gesch. 1, 71; nimm die schöne hülle eilig weg, schlange der ewigkeit, die wie die grosze schlange, den kleinen menschen anfangs vergiftet und endlich verschlingt. J. Paul Kampanerthal 66; das bild der ewigkeit, die schlange, die im reif sich krümmt, und mit dem kopf sich beiszet in den schweif, mich wunderts, wie sie nicht erkrankt und stirbt, verwundet vom gift'gen biss, von dem nichts auf der welt gesundet. Rückert poet. werke (1882) 8, 605; der dauer eines zustandes: er (Spinoza) ist, wie er seinen hausleuten sagt, eine schlange, die mit dem schwanz im munde einen cirkel macht, anzuzeigen, dasz ihm von seinen jahreseinkünften nichts übrig bleibe. Herder z. phil. u. gesch. 9, 114; als genius des orts: eine reihe aufschriften ist bekannt, da altäre, oder andere denkmale, dem Genio loci gewidmet waren; und das oft wiederholte symbol, die schlange, die sich um den altar windet, ist uns an unserm ort bekannt genug. 10, 151. 88) in sprichwörtern: wenn die schlang den kopff ins loch gebracht hat, so wischt sie bald mit dem schwantz hinnach. Petri (1605) 2, B bb 6b; ein schlang wird kein drach nicht, es fresse dann ein schlangen. Schuppius 761; schlangen schleichen, tauben fliegen. Simrock; schlangen gifft ist bösz gnug, ein falsche zung hat mehr betrug. Petri 2, Ss 4a. in der landschaftlichen redensart schlangen schieszen, für faulenzen: der geht immer schlangen schieszen. Schmidt westerw. idiot. 187. 99) schlange, von schlangenförmigen oder schlangenähnlichen gegenständen. 9@aa) zur bezeichnung einer gekrümmten, gewundenen linie, vom flusse: (er sieht) zwischen schilf und krausem gebüsch ein schimmernd flüszchen in sanften schlangen sich längs der ebne hinunter ziehn. Wieland 21, 110; von wegen, straszen: aber in freyeren schlangen durchkreuzt die geregelten felder jetzt verschlungen vom wald, jetzt an den bergen hinauf klimmend, ein schimmernder streif, die länder verknüpfende strasze. Schiller 11, 77; das dunkel wich, des mondes schein drang flimmernd durch die zweige ein, und, eine weisze schlange, sich im walde zog des weges strich. Droste-Hülshoff 2, 165 Schücking; bei tanz und spiel: sieh, wie sie durcheinander in kühnen schlangen sich winden, wie mit geflügeltem schritt schweben auf schlüpfrigem plan. Schiller 11, 40. bei turnern in schlangen laufen, schlangen laufen, in schlangenartig sich windenden linien laufen (s.schlangenlauf); schlangenziehen, ein spiel, bei dem sich die spielenden schlangenartig in einer reihe bewegen. 9@bb) seiner bewegung entsprechend wird auch der blitz eine schlange genannt: diese schlange, der an schnelle keine gleicht, die aus der höhe schieszt, die stärksten eichen wie dünnes rohr zerbricht, durch schlosz und riegel dringt, vor der kein harnisch kann beschützen, die sich in eignem feuer selbst verzehrt, — es ist der blitz, der aus der wolke fährt. Schiller 11, 353; sie blickt, vom lauten sturm umfangen, hinunter in die grause wuth beschäumter wellen, und die schlangen der blitze zischen auf der fluth. Tiedge werke 2, 26. 9@cc) schlange, von der in die höhe schlagenden flamme: kehr in dein haus, züngelnde schlange, bleibest nicht lange, harre noch aus. Grillparzer 4, 228. 9@dd) von den haarlocken: locken, haltet mich gefangen in dem kreise des gesichts! euch geliebten braunen schlangen zu erwidern hab' ich nichts. Göthe 5, 167; sieh hin, sieh her, was willst du mehr? meine locken sind güldene schlangen. Geibel werke 2, 171. in der zusammensetzung lockenschlange: wimpern-pfeile, locken-schlangen, hals und busen reizumhangen, tausendfältige gefahr. Göthe 5, 152; [] allein die liebste, die das schlimm empfand, bewegte zürnend ihre lockenschlangen. Rückert poet. werke (1882) 5, 85; mich locken nicht des glückes schlingen am lebenspfad, ich ruh' in deinen lockenschlangen wie lange schon! 239. 9@ee) eherne schlangen als säulen: aufgeschmückt ist der freudensaal. lichterhell, bunt, in laulicher sommernacht stehet das offene gartengezelte. säulengleich steigen, gepaart, grün umranket, eherne schlangen, zwölf, mit verschlungenen hälsen, tragend und stützend das leicht gegitterte dach. Mörike ged. (1889) 130. 9@ff) schlange, in älterer zeit name eines feldgeschützes von schlanker form. Böheim waffenkunde 436 ff.: carthaunen oder schlangen. Luther 6, 8a; scharpfmetzen, nachtigal, karthaunen, auch schlangen, valkenet, busaunen, basilischgen, tracken darzuo, die machten uns gar vil unruow, da mit thet man den tanz anheben. Liliencron hist. volksl. 3, nr. 370, 16; zwo und zwenzig schlangen auch darneben, die sich gar wol zum striten geben, vagkunen, halb schlangen, hackenbüchsen gnuog. Nicl. Manuel 98, 1820 Bachtold; sy hieszen unsz all gotwilkummenn sein, ausz karthaunen unnd mit schlangen. Soltau histor. volksl. 1, 290; man lud auch alle büchsen wol, mit hagelgeschosz und ketten voll, und wolten sie empfangen, man wolt sie führen zu dem bad, mit carthaunen und schlangen, ja schlangen. 385; sie richten siben schlangen, lieszens auf das schlosz abgan. 2, 48; dapfer hand siesz angefangen so gar mit fryem mut, mit karthonen und auch schlangen, ouch manchen reiter gut hand sie gebracht zu samen so gar in kurtzer yl. 64; dann die nachtigaln, falken und schlangen hatten etliche tage darfür also angefangen zuo singen mit erschröcklichen donnerlichen ton, dasz ein ieder in Wolfenbüttel gewünscht er were darvon. Schade sat. u. pasqu. 1, 77, 11; ihr schleiffstein meiner sinnen, den über-grimmen schlusz ie habt erdenken können, krafft dessen grausamkeit, ihr zeughaus auffgemacht, und dreyzehnhundert stück' und schlangen vorgebracht. Gryphius (1698) 2, 104. 9@gg) name eines instrumentes der ärzte: und wann du es uffgeschnitten hast, so suoch dann das yszen, oder geschössz .. und nim dann ein schlang, oder ein ander instrument dorzuo geschickt, und zeüch es herusz. Gersdorff feldbuch der wundartzney (1530) 46b. 9@hh) in dem kühlfasse der branntweinbrenner eine mehrmals gekrümmte kupferne röhre. Campe. 9@ii) an den feuerspritzen der lange, biegsame, oft in schlangenwindungen am boden liegende schlauch. Campe. 9@kk) an dem zampelstuhl der weber die wie eine schlange sich windende schnur. Jacobsson 3, 615b. 9@ll) am schaft der schieszgewehre ein schlangenförmiges, massivgegossenes metallstück, das zum zierrat, und auch zur befestigung der schloszschrauben dient. ebenda. 9@mm) bei schiffsleuten eine lange, von leder oder starkem und getheertem segeltuch verfertigte röhre, vermittelst welcher man das wasser in die wasserlieger oder wassertonnen eines schiffes bringt. Bobrik 602b. 9@nn) bei den feuerwerkern bezeichnet schlange einen feuerwerkskörper mit schlangenartig sich windender bewegung; schlangen Pharao's, Pharaoschlangen. Karmarsch-Heeren 7, 677. 9@oo) name eines sternbildes: am himel wirds schön durch seinen wind, und seine hand bereitet die gerade schlangen. Hiob 26, 13; drohend hält euch die schlang' jetzt Ophiuchus entgegen, fürchtet sie nicht, es ist nur der getrocknete balg. Schiller 11, 108; auch die schlange, die dicht am beeiseten pole sich lagert, träg' in der kälte zuvor, harmlos, und fürchterlich keinem, ward nun erwärmt, und schwoll zu neuem zorn in der glut auf. Voss Ovids verwandlungen 7, 205; die kleine schlange blieb getreu, sie wies nach norden hin, und beide folgten sorgenfrei der schönen führerin. Novalis schriften (1837) 1, 220. [] 9@pp) in der gaunersprache kette jeder art, halskette, uhrkette; aber auch für geldstapel, geldrolle gebraucht. Avé-Lallemant gaunerthum 4, 600.
40561 Zeichen · 537 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Schlange

    Adelung (1793–1801) · +4 Parallelbelege

    Die Schlange , plur. die -n. 1. Ein Amphibium, welches weder Füße noch Floßfedern hat, sondern sich vermittelst einer we…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Schlange

    Goethe-Wörterbuch

    Schlange gelegentl apokopiert 1 sich in Windungen gleitend fortbewegendes Reptil mit dünnem, länglichem, schuppenbedeckt…

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Schlange

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09) · +2 Parallelbelege

    Schlange ( Serpens ), Sternbild des nördlichen Himmels, enthält verschiedene Nebel und Sternhaufen, vgl. Textbeilage zu …

  4. modern
    Dialekt
    Schlang(e)

    Elsässisches Wb. · +3 Parallelbelege

    PfWB LothWB RhWB RhWB Schlang(e) [ʿSlàə Hi. ; ʿSlà O. U.; Demin. ʿSlalə Co. , ʿSlal K. Z. , ʿSlæl Str. ] f. Schlang…

  5. Sprichwörter
    Schlange

    Wander (Sprichwörter)

    Schlange 1. An die Schlange beiss' ich nicht an, sagte der Bub' zum Pastor; da sollte er in der Kinderlehre den Sündenfa…

  6. Spezial
    Schlange

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Schlan|ge f. (-,-n) 1 ‹zool› bisca (-ches) f. , serpënt (-nc) m. 2 (von Menschen) fila (files) f. , prozesciun (-s) f. 3…

Verweisungsnetz

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit schlange

512 Bildungen · 371 Erstglied · 140 Zweitglied · 1 Ableitungen

Zerlegung von schlange 2 Komponenten

sch+lange

schlange setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

schlange‑ als Erstglied (30 von 371)

Schlange(n)

Idiotikon

Schlange(n) Band 9, Spalte 577 Schlange(n) 9,577

Schlange(n)büchs

Idiotikon

Schlange(n)büchs Band 4, Spalte 1006 Schlange(n)büchs 4,1006

Schlange(n)chrūt

Idiotikon

Schlange(n)chrūt Band 3, Spalte 910 Schlange(n)chrūt 3,910

Schlange(n)rüppeli

Idiotikon

Schlange(n)rüppeli Band 6, Spalte 1195 Schlange(n)rüppeli 6,1195

Schlange, eherne

Meyers

schlange·e·herne

Schlange, eherne , altisraelit. Kultgegenstand, wahrscheinlich von den Kanaanäern übernommen, nach 4. Mos. 21 von Moses auf Befehl Jahves au…

schlange als Zweitglied (30 von 140)

Aalschlange

Campe

aal·schlange

Die Aalschlange , Mz. die — en, oder der Meeraal, eine Aalart, größer als der gemeine Aal, mit aschgrauem Rücken, weißem Bauche, weißlich ge…

Abgottschlange

Campe

abgott·schlange

Die Abgottschlange , Mz. die — n, eine Benennung der Riesenschlangen, weil sie von den Idiern als göttlich verehret wird.

Augenschlange

Adelung

augen·schlange

Die Augenschlange , plur. die -n, eine Art sehr giftiger Schlangen, mit augenförmigen Flecken auf beyden Seiten des Rückens, welche wie ein …

Baumschlange

Herder

baum·schlange

Baumschlange , glänzende B. (Coluber fulgidus) , zu den verdächtigen Schlangen gehörend, in Südamerika, besonders Brasilien; prächtig grün m…

Blindschlange

RhWB

blind·schlange

Blind-schlange blentšla·ŋ. Malm-Rocherath , MülhRh-BGladb , Mettm-Düssel f.: -schleiche.

Brillenschlange

Adelung

brillen·schlange

Die Brillenschlange , plur. die -n, bey den neuern Schriftstellern des Naturreiches, eine Art sehr giftiger Rattern, welche um den Hals eine…

dreyquârtîrschlange

MNWB

*° dreyquârtîrschlange, f. : ein Geschütz mittleren Kalibers mit langem Rohr, Dreiviertelschlange (Zs. Schl.-H. Gesch. 43, 233).

durstschlange

DWB

durst·schlange

durstschlange , f. wie durstnatter dipsas Stieler 1855 . durstslang oder wiszwurm dispas ( so ) Voc. theut. 1482 f 3 b .

erdschlange

DWB

erd·schlange

erdschlange , f. serpens terrestris, im gegensatz zur wasserschlange. chersydrus. Maaler 109 a .

feldschlange

DWB

feld·schlange

feldschlange , f. 1 1) coluber silvestris. 2 2) colubrina, ein geschütz: eiserne feldschlangen, die ich wol kennt hab, dasz es eben dieselbi…

frühlingsschlange

DWB

fruehlings·schlange

frühlingsschlange , f. die im frühling wieder hervorkommende sich sonnende schlange: hu! ich erschrak! du dort, wie die frühlingsschlang an …

fühlschlange

DWB

fuhl·schlange

fühlschlange [fülschlange], f. caecilia tentaculata, die runzelschlange. die namen sind ihr beigelegt, weil sie auf ihrer oberlippe zwei kle…

Geldschlange

PfWB

geld·schlange

Geld-schlange f. : 'geldhungriger Mensch', -schlang [ WD-Niedkch ]. RhWB Rhein. II 1185 ; LothWB Lothr. 192 . —

giftschlange

DWB

gift·schlange

giftschlange , f. Stieler 1855 : die gemeinste giftschlange ist die weitverbreitete copra de capello Ritter erdkde 6, 144 ; fassen sie ( anr…

Ginsterschlange

RhWB

ginster·schlange

Ginster-schlange f.: 1. -šla·ŋ. Blindschleiche Daun-Strohn . — 2. -šlę·ŋ.əlχən Eidechse Aden-Quiddelb .

goldschlange

DWB

gold·schlange

goldschlange , f. , goldfarbene schlange: sie fragen auch, was für eine art der schlangen es ( im paradies ) gewesen? und antworten etliche,…

Ableitungen von schlange (1 von 1)

urschlange

DWB

urschlange , f. , Gerhard akad. abh. 2, 38 . —