schmarotzen,
verb. parasitari, älter smorotzen, schmorotzen, schmorutzen, schmarutzen (
so noch in klassischer zeit),
vereinzelt schmalotzen Birlinger 399
a,
bezeugt seit dem 15.
jh. der ursprung des wortes ist dunkel. im falle deutscher herkunft würde es landschaftlichen bildungen wie achezen, bagitzen, glockotzen, ragutzen,
deren endungen gemeindeutschem -zen
entsprechen, an die seite zu stellen sein. gramm. 2
2, 209. Kluge
etym. wörterb.5 329
b.
heranzuziehen wäre dann vielleicht aarg. schmorzen,
das '
knausern'
und '
schmoren'
bedeutet Hunziker 226
und mit dem letzteren wort verwandt zu sein scheint. nd. smarotzen Mi 81
b. Dähnert 433
b (
vgl. unten 3)
und mndl. smoorotsen, smærotsen,
parasitare Kilian (
erklärt: nidorem è dapibus surgentem avidis faucibus haurire),
nndl. smarotsen
müszten als lehnwörter aus dem hd. angesehen werden. vielleicht aber ist das hd. schmarotzen
selbst ein lehnwort. man vergleicht oberital. marosser,
schmuser Kluge
a. a. o. näher liegt franzö
s. maraud,
lump, herumziehender bettler, wovon unser marode,
s. dieses theil 6, 1669.
das rotwelsch, das als quelle in frage kommen könnte, bietet anscheinend nichts verwandtes. das verhältnis der unter 2—4
erwähnten selteneren bedeutungen zu der gewöhnlichen kann erst nach sicherstellung der etymologie völlig aufgehellt werden, doch ist ein gewisser zusammenhang auch so erkennbar. 11)
von andern zehren, auf kosten anderer leben, oft mit dem nebenbegriffe des frechen, schmeichlerischen, unterwürfigen: petteln
vel smorotzen,
mendicare. voc. von 1482
bei Dief. 355
c, schmorotzen, schmeichlen umb desz bauchs willen,
parasitari Maaler 358
c, schmarutzen, sich mit der naschparten werffen lassen,
parasitum agere. Corvinus
fons latin. (1660) 1, 147
b, schmarutzen, schmarotzen (
mit gleicher glossierung) Schottel 1403, schmaruzen,
parasytari Stieler
nachschusz 25
a, schmarotzen, schmarutzen, schmorotzen,
scroccare, scrocconare, parasitare Kramer
deutsch-ital. diction. 2 (1702), 596
c, schmarotzet
vel schmarutzet (
pro schmeicheln)
präs. ich schmarotze,
parasitor Steinbach 2, 459, schmarotzen,
mensas alienas sectari Wachter 1430,
parasitum agere, parasitari Frisch 2, 205
b,
in gleicher form bei Adelung
und Campe: aber sie ward gern geladen, gleichwol sie nit welte dafür angesehen sein, und so sie von herr Wilhelm Wernhern, wann es essens zeit, under ir thür standt, darumb angeredt, ob sie nit bei ime welt essen und schmorotzen, verschmur (verschwur?) sie das morgenmal, aber gleich darnach legt sie die hendt zusammen, sprechend: 'ach! ach!' so ward sie dann geladen.
Zimm. chron.2 3, 127, 3; sie wollendt aber nicht arbeiten, damit ihr nechster auch hab, sondern faullenzen und schmorotzen. Paracelsus (1589) 1, 268; wann die königin ausz reich Arabia nicht wol spendirt hätte, so würden sie alle diener Salomonis für eine närrin gehalten haben, dasz sie da ausz Arabia komme mit ihren schmalhansen, und wolle da einmal zu Jerusalem schmarutzen. Schuppius 111; er speissete mit dem gnädigen herrn an seiner tafel, worbey ich mich unter die aufwärter mischete, und mich mit schmorotzen von den biszlen auf den abgehobenen dellern und schüsseln behalffe.
Simpl. 3, 384, 1
Kurz; schmarotzen gehen bey jemand. Kramer
deutsch-ital. dict. 2 (1702), 596
c; manchmal gönne ich es ihm, dasz ihm in dem hause, wo er so lange zeit schmarutzt hat, der strick über die hörner geworfen wird. Lessing 12, 382; es sind dinge ganz verschiedener art, und so unterschieden, wie wahre freundschaft halten von schmarotzen. Lichtenberg 1, 236;
Hoffegut. wir hatten wenigstens zu essen und zu trinken —
Treufreund. wenn uns jemand borgte, oder es was zu schmarutzen gab. Göthe 14, 81; wie er die anstalten zur hochzeit gewahr wird, kann er dem triebe nicht widerstehen auch hier zu schmarutzen und auf anderer leute kosten seine ausgehungerten gedärme zu erquicken. 48, 90; schmacken brettly ist mein nam, schmorutzens ich mich nymmer scham, alle kirchwihe, brulofft, irten, und wo man frelich ist bey würten, do kan ich allzeit vornan ston: wen man bzalt, louff ich dor von. Murner
schelmenz. 28 (
nr. 16), 2.
neudr.; durch die falschen feder klauber, durch teller lecker und klawer der ohren, und sonst losz gesind das sich bey dem schmarotzen findt. Scharpffenecker
Acolast (1544) B 4
b; was hilffts das ich die stadt durchlauff schmorotzend an der bürger tisch? Hollonius
somn. vit. humanae 43, 812
neudr.; bey sieden, kochen, braten wirbt Fuscus jhm soldaten; die drommel sind die deller; bezahlung, gibt der keller; der krieg ist, schmeicheln, schmausen, schmarotzen, bübeln, mausen. Logau 2, 53, 97; das amt der poesie besteht nicht im schmarotzen. Günther 395.
im bilde: die weisheit wäre also eine waschhafte mäcklerin, die in jedem hause schmarozen (
lesart schmarutzen) geht, und geschmeidig in jene (jede?) laune plaudert, bei dem unglücklichen die gnade selbst verläumdet, bei dem glücklichen auch das übel verzuckert. Schiller 2, 351.
freier: immer haben grosze staaten zu geschwinderer wirksamkeit ihrer masse, einen monarchen erfordert, und das glück: in der trennung beider mächte (
der geistlichen und weltlichen) ein mittel gegen den despotismus zu erhalten, verfehlt; zufrieden in dem groszmüthigen vereiniger von beiden eine mächtige stütze gegen eine schmarotzende mittelmacht, einen Joseph oder einen Friederich zu finden. Möser
verm. schr. 1 (1797), 209. 22)
knausern, kärglich thun wie einer, der auf die wolthaten anderer angewiesen ist, nur in älterer sprache: aber in seinem eignen haus, filtzt und schmarutzt er uberaus, gibt zitterlich, bitt niemands ein, und ist viel härter als ein stein. Ringwald
laut. wahrh. 108. 33)
nd. smarotzen
nicht nur wie gewöhnlich im hd. '
sich gütlich thun auf anderer kosten' Mi 81
b,
sondern auch im allgemeinen sinne von '
schwelgen' Dähnert 433
b.
ebenso gebraucht der dem nd. sprachgebiet entstammende Hebbel
das hd. wort an scheinend in folgender stelle: wär' ich der teufel, denkt er, so macht' ich mir doch den spasz, in jedem hause, sowie man sich (
am weihnachtsabend) zum schmarotzen niedersetzte, die lichter auszublasen und den tisch umzustoszen. Hebbel (1891) 9, 96. 44)
in der gegend von Saalfeld in Ostpreuszen heiszt schmarûtzen
klatschen, verläumden Frischbier 2, 295
a,
eine anwendung, die ebenfalls der gewöhnlichen nicht fern steht, denn zu verläumden ist ja ein hauptgeschäft des schmarotzenden kriechers. 55)
als technischer ausdruck schmarotzende pflanzen,
die an andern lebenden pflanzen haften und aus ihnen ihre nahrung ziehen. Campe. Behlen 5, 505.
ebenso von thieren.