schmettern,
verb. ,
zufrühest bezeugt im sinne von schwatzen, plappern, schwatzend verleumden: slotern, smetern, snarren, kallen, snappen, claffen, lellen, snallen heiʒet man höflicheʒ tihten.
renner 16202; daʒ seu mer dann ander vier smaetern chund und zabelwort. Heinrich
d. Teichner
in Pfeiffers übungsbuch 162, 82;
verbotenare, smetern Dief. 612
b,
wol noch in diesem sinne: was schmetterstu von deinem Jesu Christ? Schade
sat. u. pasqu. 1, 65, 331 (
s. u. schmetterwerk).
die herkunft des wortes ist unklar; oben sp. 902
wurde vermutet, dasz schmettern
mit nd. schmaddern
zu verbinden sei. im hess. findet sich schmattern, schmettern,
auseinanderspritzen weichen kotes Vilmar 359;
tirol. schmattern,
mit gewalt zersplittern; aber auch: starken durchfall haben; schmatter,
f. splitter, ein groszer tropfen schmutziger flüssigkeiten; schmatterer,
m. gewaltsame zersplitterung Hintner 221;
bei Zingerle 52
a wird als bedeutung nur angegeben: zerschmettern, die thüre laut zuschlagen, vgl. cimbr. wb. 233
a;
schweiz. schmättera
wird vom niederfallenden platzregen gesagt (
also ganz wie nd. smaddern) Tobler 391
b (
die beziehung auf weiche, schmierige masse tritt auch hervor in schmätterchäs, schmotterchäs,
erweichter käse, der sich wie butter streichen läszt. ebenda; geschmetter,
mischmasch Stalder 2, 336);
daneben aber schmattera,
quetschung ebenda (schmuttera,
beule Schm. 2, 559); schmetere,
wie schriftdeutsches schmettern Hunziker 225.
ursprünglich scheint daher schmattern, schmättern
klatschendes schleudern einer flüssigkeit oder weichen masse zu bedeuten. grade wie klatschen
nimmt dann das wort den sinn an, der in der Rennerstelle hervortritt. gleichbedeutend mit diesem alten smetern
ist smetzen (
wol aus schmatzen
umgelautet, s. dieses oben sp. 947. 949
unter 5);
der übergang zu der bedeutung von schwatzen, plappern, schwatzend verleumden ist ähnlich wie bei schlabbern,
s. dieses oben sp. 231
unter 4.
bair. schmädern
hat diesen sinn noch neben der bedeutung des schriftdeutschen schmettern (
vgl. smadern
neben smaddern, schnadern
neben schnattern
u. ähnl.). Schm. 2, 544.
schwed. smattra,
prasseln, ein klangwort, erinnert in form und bedeutung stark an schmettern. Maaler
verzeichnet das wort nicht (
s. oben schmetterig); Hulsius
dict. (1616)
hat schmättern, knirschen, zerknirschen,
escraser, rompere ma non del tutto. 285
b.
in heutiger schreibung bei Schottel: schmetteren,
conterere, zerknirschen,
escraser. 1404. Stieler 1876
führt neben schmettern
ein selteneres schmittern
in gleicher bedeutung an. 11)
im 16.
jahrh. erscheint schmettern
im sinne von '
mit geräusch hinschleudern': hast du sein gnuog, und bist sein satt, so schmetters wider in die platt.
Grobianus 784
neudruck (
vgl. 911);
mit heftigem schalle werfen, krachend treffen, schlagen, zersplittern; in dieser bedeutung besonders vom beginn des 18.
jh. an; je nach dem zusammenhange tritt mehr die heftig schleudernde bewegung oder das schütternde geräusch hervor; gewöhnlich mit näheren bestimmungen: etwas auf die erde schmettern; ein glas in tausend stücke schmettern. Adelung; ich will ihn im kühnen schwung erhaschen, und zur erde schmettern. Klinger 1, 7; er schmetterte das bild auf den boden. Auerbach
dorfgesch. 1, 25; sie schmetterten nieder, was ihnen entgegenstand. Freytag
bilder 1, 99; schmettre den stein nicht gegen die mauer; er prallet zurück dir. Herder 26, 387
Suphan; dann schmettert mich leicht an den zackigen meerfels raffend die mächtige wog'. Voss
Odyssee 5, 415; alle zähn' auf die erd' ihm schmettern aus backen und maul. 18, 29; tyrannen haszt mein talisman und schmettert sie zu boden. Schiller 1, 268; vom strahl dahin geschmettert lieg ich hier, um nicht mehr aufzustehn.
jungfr. v. Orl. 3, 6; mächtig zürnt der himmel im gewitter, schmettert manche rieseneich in splitter. Lenau 1, 186
Koch. todt schmettern: mit Hermann braust er durch die reihn und schmettert Römer tot. Ludwig 1, 64.
in besonderer wendung: (
die götter) schmetterten mächtig die wuth von beiderlei heeren zusammen. Bürger 230
b.
ohne object: die präsiden schmetterten mit ihren klingen auf die tische. Freytag
handschr. 2, 240; da rann vom schmetternden steine dein (
des Stephanus) blut. Klopstock
Mess. 13, 784; warum hört' ich nicht lange den letzten schmetternden bogen tönen? 346 (
vorher: der fallende pfeil, der zuckende wurfspiesz); wann des zürnenden (
Zeus) strahl weitschmetternd das land des Typhoeus, Arima, schlägt. Voss
Ilias 2, 782; adler, welche dem Zeus schmetternden blitz tragen ins schlafgemach. Herder 27, 254
Suphan; wie einst die stürmenden Titanen unter dem schmetternden blitze fielen. 26, 215; der halbmensch fühlt bereits das schmetternde gewicht des ritterlichen schwerts und seine donnerschläge. Wieland 17, 74; (
wenn der krieger) den feind, in aller blösze, schmetternd über länder schlägt. Göthe 3, 71; sein schmetternd schwert haut alles in die pfannen. Gries
Bojardos verl. Roland 1, 15, 22.
indem in solchen wendungen das heftige krachende niederfahren betont wird, geht das verbum mehr und mehr in intransitive bedeutung über: schwerthiebe schmettern auf die schilde. Freytag
bilder 1, 98; es schmettert mir durch mein gebein, wenn mich mein feind verhöhnt. Herder 12, 242
Suphan; jetzt, eben jetzt, da ich dies sage, schmettern sie wie zwei sterne auf einander ein. Kleist
Penthes. 7; dann stöszt er so des feindes renner an, dasz er mit schmettern musz die erde schlagen. Gries
Bojardo 2, 18, 24.
eigenthümlich im sinne von zerschmettern: du trägest einen krantz von lorbeern um die schläffe, den nie kein donner-streich des unfalls schmettern kann. Günther 1058; höret ihr hoch in der wolke den donner des herrn? er ruft: Jehova! Jehova! und der geschmetterte wald dampft. Klopstock 1, 141; (
er) sieht unverwendet nach dem felsen, auf dem sein vater geschmettert und todt liegt.
Messias 9, 39. 22)
in neuerer zeit schränkt sich die bedeutung in bestimmten wendungen mit aufgabe des begriffs des schlagens auf die bezeichnung eines krachenden schalles ein und wird dann auch von tönen gebraucht, die das gehör wie mit heftigem schlage treffen. diese anwendung wird bei Steinbach
und Frisch
noch nicht verzeichnet. von hellkrachendem donner sagt man er schmettert Adelung: (
gott,) der im schmettern der wetterwolken wohnt. Rückert (1882) 1, 193;
vom thor der hölle: der herrschende Seraph, des abgrunds hüter, eröffnet mit weitschmetterndem krachen die diamantene pforte. Klopstock
Messias 9, 751.
vom krachen und sausen der geschosse: das heulen, pfeifen, schmettern der kugeln durch die luft. Göthe 30, 75.
besonders wird das wort auf den scharfen klang der trompete bezogen: die trompete schmettert, in die trompete schmettern, schmetternder trompetenklang
u. ähnl.: dieses lagers lärmendes gewühl, der pferde wiehern, der trompete schmettern. Schiller
Piccolom. 1, 4; dasz auch die drommete schmettre. Göthe 5, 12; die trompete schmettert, das hohe te deum begleitend. 40, 243; wie scharf der trompete schmettern ohr und eingeweid' zerreiszend anfaszt. 41, 205; (
der trompeter) schmettert in die trompete. Zedlitz
die nächtliche heerschau; von Edenhall der junge lord läszt schmettern festtrommetenschall. Uhland
ged. 354.
vom klange des kriegshornes, der kriegerischen, gellenden pfeife, der trommel: trommelwirbel, pfeiffenklang schmettert durch die glieder. Schiller 1, 231; schrecklich schmettert des Achivers horn. 6, 362;
helles pfeifen: spielt er ein hirtenlied, so klingts gewisz recht gut, er pfeifet auf zwey blättern, und schlägt doch dreyfach an, du sollst ihm hören schmettern. Rost
die gelernte liebe (1742) A 7
b.
besonders vom hellen gesang der vögel: schmetternder gesang der nachtigall, die lerche schmettert in den lüften
u. ähnl.: die nachtigall schmettert, als ob sie warnte. Klopstock 2, 180; kann ich schmettern wie du? und ach vermag ich zu flöten wie du flötest? höre denn auf, nachtigall, meinen (
der lerche) gesang zu preisen. 2, 211; auf ästen wiegt sie (
die nachtigall) sich da, lockt laut, und schmettert und wirbelt, dasz grund und einöde klingt. E. v. Kleist (1760) 2, 31; wenn über uns, im blauen raum verloren, ihr schmetternd lied die lerche singt. Göthe 12, 60; was sagt denn tausendfaches schmettern der nachtigall? Rückert (1882) 5, 326.
übertragen auf scharfen und hellen gesang des menschen: töne hervorschmettern (
häufig tadelnd); schmetternde triller: schmetternd schlug ein runder triller aus dem mund des guitarristen gleich dem blitz in blaue lüfte. Immermann 12, 54
Boxberger. von einer scharfen oder gellenden stimme: als sich in einiger entfernung die schmetternde stimme der donna Mencia hören liesz. Wieland 11, 132. 33)
besonderes; der neuern studentensprache gehört die wendung an einen schmettern,
ein glas bier, einen schnaps zu sich nehmen, freier: heute wollen wir einen schmettern,
ordentlich zechen.