lautwandel 53 Wörterbücher · 2,7 Mio. Artikel
Wildcard · " Volltext

Aggregat · alle Wörterbücher

gewinnen

mhd. bis spez. · 21 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
Anchors
25 in 21 Wb.
Sprachstufen
7 von 16
Verweise rein
131
Verweise raus
178

Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

gewinnen verbum

Bd. 6, Sp. 5923
gewinnen, verbum , verstärktes winnen (s. d.), hat sich in dieser zusammensetzung mit dem praefix ge früh zu einem der beliebtesten ausdrucksmittel des deutschen wortschatzes entwickelt, den es noch heute nicht so sehr durch eine mannigfaltigkeit der bedeutungsrichtungen belebt, als durch eine fülle von festen verbindungen bereichert. wie weit die verschiedenartigen bedeutungsfärbungen solcher wendungen auf das verbum zurückwirken, zeigen die varianten in der überlieferung älterer texte und zeigen die mannigfachen synonyma, mit denen das verbum früher oder später sich berührt. II. abgrenzungen. ältester verwendungskreis. gebrauchs- und bedeutungsgruppen im wechsel der stilgattungen und sprachperioden. statistik. formen. I@11) von der sippe, der gewinnen entspringt, ist es schon oben (s. gewinn sp. 5861 ff.) zugleich mit kurzer darstellung des verhältnisses zwischen gewinnen und winnen abgehoben, hier sei das verbum gegen das substantiv und gegen bedeutungsverwandte verba abgegrenzt. I@1@aa) dem substantiv, das doch viel und gern verwendet wird, ist das verbum durch einen unverhältnismäszig gesteigerten gebrauch überlegen. bemerkenswert ist auch, dasz mundarten, die dem substantiv sich verschlieszen, dem verbum offen stehen, vgl. sp. 5883 und unten (I, 4, b). weitgehender sodann als beim substantiv kennzeichnet das präfix beim verbum den bedeutungswandel, der an die änderung der actionsart anknüpft. durative actionsart, wie sie das angelsächs. gewinnan (fight, contend Bosworth-Toller 468a) einschlieszt, ist am deutschen nicht zu belegen. und wenn unser compositum anfangs überwiegend in formen des präteritums beobachtet ist, erscheint das präfix doch nirgends als bloszer begleiter der zeitstufe; überall kennzeichnet es den erfolg, nicht blosz den abschlusz, den ein kämpfen oder abmühen erreicht hat: gewinnen, (be)siegen, erkämpfen, erlangen. eine ausnahme wäre am ehesten in einigen glossenbelegen zu vermuten, wo das lateinische synonymon zweifel zuläszt: impendit, gewan. Steinmeyer-Sievers 2, 505; providit, giwan 2, 122; doch vgl. auch provideat, giwinne. 1, 309; von expetat, ni guinna. 2, 208; der zusammenhang, auf den diese glossen zurückweisen, läszt eher vermuten, dasz das lateinische verbum hier in der bedeutung gebraucht ist, die es über die perfective actionsart hinweg erreicht hat. I@1@bb) bemerkenswerthe gegensätze zwischen substantiv und verbum spiegeln sich in den verwandtschaftlichen beziehungen, die beide auf grund ihrer bedeutungsentwicklung eingehen. ein wichtiges synonymon des substantivs wie vortheil läszt in der kategorie des verbums eine lücke, und den synonymen des verbums andererseits fehlt in der kategorie des substantivs fast jede entsprechung. I@1@b@aα) am frühesten und am vollständigsten werden die gebrauchsformen von gewinnen durch erringen gedeckt, das freilich in bezug auf verbreitung weit zurückbleibt, vgl. mhd. wb. 2, 1, 714a; Lexer 1, 664 und nachtr. vgl. auch oben theil 3, sp. 946. erringen läszt aus seiner grundbedeutung ungezwungen die beiden hauptrichtungen entstehen, die auch gewinnen (vgl. auch gewinnan, obtain by fighting, conquer, gain, win. Bosworth-Toller) und ein groszer theil der synonyma in sich vereinigt: die engere beziehung auf kampf und kampfspiel mit der anlehnung an verba wie bezwingen, überwinden, erobern und die allgemeinere bedeutung eines durch körperliche anstrengung und mühe (die bei ringen stärker hervortritt als bei gewinnen) erzielten erfolges. zum ersten vgl.: wi ist daz geschehn daz ir habt, hêr Sîfrit der spil niht gesehn, diu hie hât errungen diu Guntheres hant. Nibelungen 442, 11; vgl. sig erringen, lant erringen (neben sieg gewinnen u. a. s. u.); zum zweiten vgl. verbindungen wie: lîpnar erringen; saelde, liebe, zorn erringen. wie dieser allgemeinere begriff je nach der stilform der verengerung unterliegt, zeigt der rechtsausdruck güter erringen, errungenschaft, der sich aufs engste mit älteren wendungen von gewinnen berührt (s. 2, c); andererseits wird die vorstellung der bewegung, von der dieser allgemeinere begriff eigentlich getragen ist, in einzelnen verbindungen wieder lebendig, die bei gewinnen und anderen synonymen eigenartige entsprechung finden: daz burgetor si errungen. pfaff Konrad Rolandslied 11, 5; dô si die kil errungen. herzog Ernst 3145. zu gewinnen vgl.: die menge macht ihm warm und wärmer noch ihr üppiges beginnen; er sucht umsonst die thüre zu gewinnen. Wieland (Idris 2, 41) 17, 89. I@1@b@bβ) der etymologie nach berührt sich mit erringen aufs engste das heute weiter abstehende erwerben, das in älterer zeit der meist begünstigte concurrent von gewinnen ist. vgl. mhd. wb. 3, 725a, Lexer 699 und nachtr. vgl. auch oben theil 3, sp. 1060. I@1@b@b@11)) aus der beziehung auf kampf und handgemenge entwickelt dieses verbum vor allem verbindungen mit persönlichem object, die später wieder absterben: wir suln in recken wîsevarn zetal den Rîn ... selbe vierde degenevarn wir an den sê: sô erwerben wir die frouwenswi ez unz dar nâch ergê. Nibelungen 338, 12 Lachmann und so öfters: mit gewalte nieman erwerbenmac die maget. 58, 1; vgl. auch: mir sulen ouch tohter lieber sîn ... sie wir verboten sî dez swert, ir wer ist anders als wert: si erwirbt im kiuscheclîche einen sun vil ellens rîche. Wolfram Parzival 367, 27; diese beispiele sind auch für die deutung der viel verbreiteten verbindung einen sohn, ein kint gewinnen (s. u.) von wichtigkeit. sie zeigen, dasz der allgemeinere begriff (obtinere), der ihnen zu grunde liegt, eigentlich doch auch von der vorstellung einer beute, eines kampfpreises abzweigt. die gleiche beziehung macht sich auch neben sächlichem object zuerst geltend: sîn strît erwerben an. Parz. 545, 14; sig erwerben. Nibelungen 213, 2; ich wils alles walten: und ouch diu erbe mîn, erwirbest dus mit sterke, diu sulen dir undertaenic sîn. Nibel. 112, 4; ebenso Iwein 108. doch münden hier auch andere richtungen der ursprünglichen bedeutung des verbums ein, in denen es sich ebenfalls mit gewinnen berührt: dar an gedenke, junger man, und wirp nâch herzeliebe: da gewinnest an. ob dus danne niht erwirbest (die froide) dû muost doch iemmer deste tiurre sîn. Walther 91, 29; jedenfalls ist der allgemeinste begriff der besitznahme früh vertreten: si rachen gotes êre des irwurfen si mere denne di guoten da fore virlorn heten. Vorauer bücher Mosis bei Diemer 55. 3; vgl. auch ors erwerben. Parz. 540, 12; lôn erwerben. Walther 77, 35; vgl.lob, êre, ruom, prîs, frumen erwerben, minne, hulde (haz) erwerben, küneges gruoʒ, ein guot wort erwerben. vgl. die concurrenz von erwerben und gewinnen in varianten mittelhochdeutscher handschriften (wîp erwerben, gewinnen. Nibel. 336, 4 u. a.; das gleiche neben golt erwerben. 1047, 4; erʒenîe erwerben. armer Heinrich 448; êre erwerben. Iwein 948), vgl acquirere, erberphen oder gewinnen. vocab. v. 1432. in der kennzeichnung einer besitznahme ist erwerben mit gewinnen eng verwandt. dasz aber auch hier noch eine grenzlinie lebendig ist, zeigt der ausspruch Friedrich Wilhelms III. über die polnischen erwerbungen. dasz Deutschland gewinne, was Preuszen erwerbe. I@1@b@b@22)) bei erringen nur schwach angedeutet, bei erwerben dagegen völlig ausgebildet ist die auch bei gewinnen überreich belegte verbindung mit objecten, die etwas widriges kennzeichen: waz hân ich erworben? anders niht wan kumber den ich dol. Walther 52, 29; dazu vgl.: do het in ir svester irworfin scande unde laster. Vorauer bücher Mosis 30, 14 Diemer; vgl.schande erwerben. Freidank 53, 26; 87, 17; (vgl. auch liep liebe, leit leide erringen. Burkart v. Hohenfels bei v. d. Hagen 1, 208b); vgl.sterben erwerben; den tôt erwerben. I@1@b@b@33)) das substantiv erwerb, als späte bildung, findet nur in einen kleinen theil der bedeutungskreise eingang, die dem verbum offen stehen. I@1@b@gγ) einige andere verba schneiden den verwendungskreis von gewinnen nur mit einem kleineren theil ihrer gebrauchsformen. I@1@b@g@11)) hieher gehören in erster linie zwei von der vorstellung einer körperbewegung ausgehende verba: erlangen und erreichen. vgl. mhd. wb. 1, 933b und 2, 654a; Lexer 1, 647 und 663 (und nachträge), vgl. auch oben theil 3, sp. 887 und 943. I@1@b@g@1@aa)) in der verbindung mit einem persönlichen object bleiben beide verba auf die räumliche anschauung eingeschränkt: nu bringet mir vil drâte die mînen gêrstangen si müezen alle sterben, die ich mit der mînen hende erlange. Gudrun 447, 4 Symons; vgl. auch Willehalm 48, 27; hilf mir, rîtter edele, mit dem lîbe dan ... wan erreicht mich Hagne, ich hân den tôt an der hant. Nibelungen 1920, 4; genau so 1958, 4 u. a. I@1@b@g@1@bb)) die gleiche anschauung wiegt auch zunächst in der verbindung mit sächlichen objecten vor, und hier erst beginnt die concurrenz mit gewinnen in dessen vielfach zu belegenden räumlichen bedeutungen: dô hiez er im langen eine viereckete stangen. Herbort 7405; ebenso Gudrun 859, 3; dâ wir doch sîn dem lande nâ dô wir ez mugen erlangen. Ulrich Tristan 2175; vgl.: die stat erreichen. Ludwigs kreuzfahrt 5014. vgl.: das gebirge erlangen bei Luther, die fläche erlangen bei Göthe. die richtung, in der sich diese verwendungen weiter entwickeln, ist im folgenden gekennzeichnet: der uf dem holze hanget und der gewalt erlanget alle dinc in sin gebot. passional 677, 6. beachtenswerth ist, dasz von dieser entwicklung, die überdies erst neuhochdeutsch einsetzt, concrete objecte anscheinend nicht ergriffen werden. vgl. gunst, recht, sieg, lob, macht erlangen bei Maaler. vgl. freiheit, barmherzigkeit, ehre, namen erlangen bei Luther, vgl. gewinn erlangen sp. 5910. bei erreichen setzt die gleiche bewegung früher ein: er tet als die alle tunt die applaʒ wollen erreichen. legende der passionalhandschr. (v. d. Hagens Germania 7, 271), sie bleibt aber in engeren grenzen zurück. I@1@b@g@22)) nicht sicher zu fassen sind die berührungen mit kobern, erkobern, vgl. Graff 4, 357; mhd. wb. 1, 855b; Lexer 1, 643 und nachtr.; in verbindungen wie die vesten gewinnen und derkobern (monumenta Boica 40, 342); die hunde erkobern, gulden erkobern ergeben sich mancherlei anlehnungen, und für die bergmännische bedeutung von gewinnen ist die von kobern ebenfalls bedeutsam. vgl. theil 5, sp. 1544. I@1@b@g@33)) erst neuhochdeutsch münden einzelne verba mit abzweigungen ihrer bedeutungen hier ein: so erhalten, vgl. theil 3, sp. 834. ursprünglich die bedeutung zurückhalten, unterhalten, conservare ausprägend, nimmt es in verbindung mit sächlichen objecten (den sieg erhalten, aus erzstufen gold erhalten, geld, geschenke, tadel, lohn, strafe erhalten) die richtung auf gewinnen, mit dem es aber verbindungen, wie briefe, befehle, auftrag erhalten, eine stelle, ein amt erhalten, nicht theilt. noch spröder zeigte sich empfangen (theil 3, sp. 421), das sich nur in verbindungen wie freude, angst, schrecken, liebe, reue lust empfangen, mit gewinnen berührt, sonst aber gerade in den verbindungen, die es mit gewinnen theilt, einen gegensatz der bedeutung ausprägt, vgl. kinder empfangen (meine mutter hat mich in sünden empfangen. psalm 51, 7 Luther) gegen kinder gewinnen (wie Adam und Eva kinder gewunnen. Koburger überschr. zu 1 Mos. 4); gäste empfangen und gäste gewinnen, geld empfangen und geld gewinnen (doch vgl. die variante gewinnen zu Nib. 1993, 4 die wunde ... die ich von im empfangen hân). dagegen hat sich bekommen (theil 1, sp. 1425) in seinem erst neuhochdeutsch entwickelten transitiven gebrauch in zahllose verwendungen von gewinnen eingedrängt, die es zum theil von dem älteren und ebenfalls reich entwickelten uberkomen (mhd. wb. 1, 905b; Lexer 2, 1632, vgl. quaerere, uberkommen, gwünnen. Cholinus-Frisius u. a.) ererbt hat; vgl. ein kind bekommen; einen flüchtling bekommen (erwischen); einen lieb, satt, los, frei bekommen; einen bart, federn, speise, trank, muth, kraft, hunger, durst, raum, luft, ein loch bekommen, strafe, prügel, eine krankheit bekommen. I@1@b@dδ) diese entwicklung von bekommen vollzog sich nicht blosz auf kosten von gewinnen, sie greift zugleich in den wettbewerb mit einem andern verbum ein, das allmählich in dessen stellungen vorrückte: kriegen, älter erkriegen, vgl. mhd. wb. 1, 880b Lexer 1, 645 und nachtr., vgl. oben theil 3, sp. 881 und unten theil 5, 2223 ff. für diese verba setzen die belege ziemlich spät ein, sie erscheinen zudem mundartlich gebunden (mitteld., niederd.) und bieten anfänglich auch eine schmalere basis für die verwendungen, indem die verbindungen mit einem persönlichen object so gut wie ganz fehlen. aber die verba stimmen schon in den ersten litterarischen zeugnissen mit wesentlichen merkmalen überein, die an gewinnen hervorzuheben sind: kriegen, erkriegen stehen sich gegenüber wie winnen und gewinnen (nur vereinzelt hält erkriegen durative actionsart fest, hier mit persönlichem object: die uns erkriegen, hindern oder beschedigen wolten. urkunde von 1353, monum. Zoll. 3, 296). die beziehung auf kampf und streit, die noch heute für das substantiv (krieg) den bedeutungsgehalt ausfüllt, nimmt bei erkriegen ihre richtung auf sächliche objecte: der marcgrave Chunrat die banir ercriget hat. manigen edelen Sarracin gevangen brahten sie mit in. Ludwigs kreuzfahrt 6233 v. d. Hagen; hait hey sin lant erkregen wale. Karlmeinet 132, 22 Keller; das der weder erkrigen sulde die lant unde die stede ... unde sulde soldener gewinnen. Rothe thür. chron. cap. 693; vgl. auch: wen in getorste nicht bestân kein ritter, dem er was bekant: sîn muot sîn ellenthafte hant, die hêten im den prîs erkriegen. Heinr. v. Freiberg Tristan 2055 Bernt; und wil er mir die minne mîn an erkriegen sunder danc, daz ist ein gar tumplîch gedanc. Ulrich v. Lichtenstein frauendienst 1248 Bechstein u. a. bedeutsam ist hier die frühe übertragung auf den rechtsstreit (vgl.swer mit dir ze gerihte var kriegen umbe dîn gewant. Barlaam 104, 9), in der sich erkriegen mit gewinnen enger berührt als alle andern synonyma (nur den übergang vom kampf zum spiel hat es nicht mitgemacht): ab ein man in czorne sin elich wip irsluge, ab der selbe sin recht wedir gewinnen (var. erkrigen) moge. Magdeburger fragen 1, 17, 1 (im inhaltsverzeichnisz wi er sein recht mag widdir irkrigen. s. 11); ercricht er din gut unde clagestu (var. gewinnet). richtsteig landrechts 26, 1 Homeyer; mag her denne lengern (tag) gehaben unde irkrigen. Magdeburger fragen var. 2, 2, 14; so ist der allgemeine begriff der besitznahme auch für erkriegen verschiedenartig vorbereitet, vgl.: were auch daz wir die lehn ubir die vesten und gut, die sie von andern herren als vorgeschribn sted, tzu lehn habn, itzund nicht erkrigen mochten, dieselbn lehn sulln sie uns ... inne habn ... alz lange bis wir sie von in heischen, und von den herrn von den sie gehn erwerben mugn. ouch sullen alle ire vesten, di sie itzunt habn adir noch gewunnen. Thüringer urk. v. 1347 bei Michelsen grafsch. Orlamünde 31; swer eʒ solde mâlen dran dâr wêre michel arbeit an: wer mohte eʒ gar erkrîgen? durch daʒ mac ich wol swîgen. Ebernand v. Erfurt Heinr. u. Kunigunde 4013; vgl.: friden erkrigen. Salomons haus 436 Adrian u. a.; urloub erkrigen livl. chron. 4348; êre erkrîgen myst. 1, 213; gnade irkrigen Salomons haus 418 Adrian; dazu vgl. habe, ehr und gut, ehre und reichthum, lohn, trost, freude erkriegen. in solcher verwendung wird das verbum gern mit gewinnen zusammengestellt: he enhebbe de gilde unde broderschaft ... gewunnen edder erkregen. westphäl. urkunde von 1458 bei Wiegand 144; ganz ähnlich Luther 4, 33a Jena. die belebung dieses allgemeinen begriffes durch räumliche bestimmungsmerkmale ist hier früh bezeugt und führt wol unmittelbarer als bei gewinnen auf die grundbedeutung zurück: sit der wec ist so reine, den wir solden hin bekumen, war umme du nu hast genumen ein ungemachsame trumme ... die vil kûme ich han ercrîgen. passional 347, 49 Köpke; ebenso wande si di hohe irkrieget. pass. 79, 142 Hahn; untz si ... erkreich ein so gar genaeme stat. 373, 32; vgl. auch wilt erkrîgen u. a. die weitestgehende übereinstimmung mit gewinnen entfaltet sich jedoch in der spätern zeit und knüpft sich an die form kriegen, die unter dem einflusz mitteldeutschen sprachgebrauches die auf perfective actionsart gegründeten bedeutungen von erkriegen überkam (genau wie winnen mitteldeutsch gegen gewinnen, nur dasz dieses nicht in die schriftsprache überdrang); vgl.: wer wol thut, der kriegt gut gewin. Henisch (s. sp. 5912) im gegensatze zu der älteren verbindung gewinn gewinnen (s. sp. 5872). vor allem entwickeln sich die verbindungen mit persönlichen objecten (erste ansätze Karlmeinet 134, 42; 45, 30, vereinzelt bei Luther: wenn du sie erkriegst; bei Sebast. Franck: daher er kein kind erkriegen ... mag). vgl. einen mann, eine frau, kinder kriegen. theil 5, sp. 2245; gäste kriegen sp. 2249; jemand lieb kriegen sp. 2251; zur verbindung mit sächlichem object vgl. graue haare, atem luft kriegen. sp. 2246, 2247; äste, zweige kriegen 2248; lohn, gewinn, früchte kriegen. sp. 2245; nachricht kriegen sp. 2249; zank, händel kriegen sp. 2244; ruhe, trost, kraft, muth, lust, gedanken, weisheit, verstand kriegen. sp. 2236, 2237, 2248; ein ende kriegen sp. 2236; einen sprung kriegen sp. 2248; (ein loch kriegen W. v. Kügelgen 351); seinen lauf kriegen sp. 2252; zu thun kriegen u. a. sp. 2250/1. natürlich fehlen auch hier die zeugnisse für solche sinnliche bedeutung nicht, die räumlichen bestimmungsmerkmalen erwächst oder durch diese aufgefrischt wird: sich bei den haaren kriegen, zu packen kriegen sp. 2243; her kriegen sp. 2239; kriegen = fassen sp. 2240, vgl. noch sp. 2247, 2250. auch in der verbindung mit objecten widrigen inhaltes hält kriegen gleichen schritt: strafe, schläge, schmerzen, krankheiten. den tod kriegen, vgl. sp. 2246. vgl. schon: der mede her ouch irkrigit di schande und fingirdutin. Rothe ritterspiegel 2135. und endlich vollzieht sich auch bei kriegen, das in gleicher weise wie gewinnen vorwiegend ein persönliches subject (menschen, auch thiere und personificationen) voraussetzt, langsam eine erweiterung des kreises durch einführung sächlicher subjecte, vgl. sp. 2248. I@1@b@eε) von allen synonymen hebt sich gewinnen schon durch das präfix ab (ge—er), dessen verschiedenheit ursprünglich wol auch unterschiede der construction bedingte (absoluter gebrauch, persönliches, sächliches object), die sich aber in den belegen nicht mehr nachweisen lassen. heute greifen erringen, erlangen, erreichen u. a. nur noch in einzelne kreise von gewinnen über; dagegen deckt kriegen fast den ganzen umfang des verwendungskreises. die gegensätze zwischen ihm und gewinnen liegen mehr auf stilistischem gebiete als in unterschieden der bedeutung: kriegen gehört der zwangslosen (nicht eigentlich mehr mundartlichen) redeweise, gewinnen der höheren, vor allem schriftmäszigen darstellung an. innerhalb seiner verwendungen übertrifft kriegen neuerdings den älteren nebenbuhler, der den wettbewerb mit empfangen mehr und mehr eingebüszt hat. hier setzt sich kriegen als verbum des zwangsloseren stils zugleich mit bekommen als dem ausdrucksmittel des höheren stils auseinander. dafür hat sich gewinnen ein gröszeres gebiet vorbehalten, das ihm keines der bisherigen synonyma streitig gemacht hat, die beziehung auf das spiel und den absoluten gebrauch. für den letzteren berührt sich gewinnen eigentlich mit keinem andern verbum; es musz umschrieben werden: den sieg davon tragen; erfolg, vortheil haben; voran kommen, vgl. auch die fremdworte reussieren, prosperieren, profitieren. I@22) der älteste verwendungskreis, der sich aus den glossen für gewinnen erschlieszen, aus althochdeutschen denkmälern belegen läszt, greift weit aus und ist schon vielseitig entwickelt. I@2@aa) kampf und streit liegen auch der bedeutung der lateinischen verba zu grunde, die als nächste entsprechungen für gewinnen gegeben sind, wie vindicare, refutare, refugare u. a., vgl. Steinmeyer-Sievers 1, 280, 295; 2, 263, 280; 1, 73 u. a. I@2@a@aα) verbindung mit sächlichen objecten: I@2@a@a@11)) waffen, kostbarkeiten, gebrauchsgegenstände erkämpfen, erbeuten: doh maht dû nû aodlîhho, ibu dir dîn ellen tauc, in sus hêremo man hrusti giwinnan, rauba birahanen, ibu dû dar ênîc reht habês. Hildebrandslied 56 (denkm. 13, 6); vgl. captiva giwunnaniu (glossen z. Vergils Aeneis 2, 765 captivaque vestis, erobertes feiergewand Voss). Steinmeyer-Sievers 2, 651; ebenso captivi, giwunnano (zu Aeneis 7, 184; eroberte wagen Voss) 2, 659; captivo (auro) demo giwunninin (z. 11, 779; mit erobertem golde) 2, 669. schon von hier aus liesze sich zu einem beliebten typus der allgemeineren verwendung des verbums ein übergangspunct finden. I@2@a@a@22)) noch häufiger sind objecte wie burg, stadt belegt; gewinnen, erobern: vgl. optinuit, giwan (glosse zu 1 Macc. 1, 2 et obtinuit omnium munitiones, hat grosse krieg gefürt, die feste stedte erobert. Luther) Steinmeyer-Sievers 1, 689; ebenso (zu Judith 2, 12) 1, 482; ebenso für occupare (arcem Jerusalem 1 Macc. 6, 26) 1, 692; für capere (arcem Syon. 2 Sam. 5, 7) 1, 416; ebenso (2 könige 12, 17) 1, 453; vgl. auch capte (urbi) giwunnun (Aeneis 2, 643) 2, 650; adprehensa (civitate) giwunnanero (2 Macc. 5, 5) 1, 701; habda (god) them heri-skipieherta gisterkid, that sia habdon bithwunganathiodô gihwilîka, habdun fan Rûmu-burgrîki giwunnan, helm-gitrosteon. Heliand 57 Heyne. poetische übertragung, abschwächung der bedeutung mag mancher verwendung zu grunde liegen, die zu einer neuen gruppe überführt: unz er selbo zi imo sprach: 'ih mag giwinnan, heriscaf, engilo giwelti, ob ih iz duan wolti.' Otfrid 4, 17, 15; lobôda thêm liudiunlêrâ Kristes, hêrron sînes,endi heban-rîki te gewinnanne,welonôthana mêston, sâlig sin-lîf. Heliand 1023 u. a. s. u. I@2@a@bβ) die verbindung mit einem persönlichen object greift nach zwei richtungen aus: den eben belegten wendungen entspricht die auffassung der person als kampfpreis, beute (gewinnen, gefangen nehmen); andere zeugnisse gehen nicht so weit, sie machen schon bei der vorstellung der entscheidung, des erfolges halt (gewinnen = besiegen, bezwingen). die zweite bedeutung mag wol die ältere sein (vgl. auch: ubarwinnan Graff 1, 880; ubarwintan 1, 751); in späteren belegen werden die gegensätze durch übertragung und verallgemeinerung verwischt. I@2@a@b@11)) occupaverat, giwan (gloss. z. Judith 7, 2 virorum illorum, quos occupaverat captivitas). Steinmeyer-Sievers 1, 483; bigondun thie ewarton ahton kleinen worton, datun ein githingi, wio man nan giwunni. gibutun filu harto selbero iro worto, so war so er lantes giangi, thaʒ man nan gifiangi. Otfrid 4, 8, 4 Erdmann; unde skeînda er in genâda fore allen diên fore diên si wîclicho gewunnen wâren. Notker psalm 105, 46 Hattemer 387b (in conspectu omnium quos ceperant, fur allen die sie gefangen hatten. Luther psalm 106, 46); I@2@a@b@22)) obtinuerunt, giwunnun (zu 1 Macc. 8, 2 quia obtinuerunt eos et duxerint sub tributum; wider die Gallos, welche sie bezwungen und unter sich gebracht hatten. Luther) Steinmeyer-Sievers 1, 693; obtinuit, giwan (zu Judith 1, 5 ff. pugnavit contra Arphaxat et obtinuit eum, und streit ... wider den Arphaxad ... und schlug in. Luther) 1, 482; obtinebimus, gewinnames (zu 1n. 20, 23 ut pugnemus contra eos in campestribus, et obtinebimus eos; was gilts, wie wolten jnen angewinnen? Luther) 1, 441, vgl. auch Notker (Boethius) s. unten (I, 3). I@2@a@b@33)) abschwächung und übertragung: gileitit ward tho druhtin krist thar ein einoti ist ... tho sleih ther farari irfindan, wer er wari, thaz zi irsuachanne ubar al selber ther diufal ... thia luchun wolt erfindan joh gerno nan giwinnan! er wolta in alawari, thaz er ouch sin wari. Otfrid 2, 4, 14; ebenso 5, 11, 23, vgl. auch Notker Boethius 114a. I@2@bb) die engere bindung des kampfes an die formen der wette, die für den späteren gebrauch des verbums so bedeutsam wurde, läszt sich aus den ältesten zeugnissen noch wenig erschlieszen. in spärlichen ansätzen sind aber immerhin beide richtungen vertreten, die später maszgebend erscheinen. einerseits die keime des engeren rechtsbegriffs, der sich gegen andere unterarten abhebt: unter den formen des wettkampfes wird auch der rechtsstreit zwischen zwei personen aufgefaszt, wobei der eine obsiegt, der andere unterliegt;auf der andern seite, das ganze durchdringend, die ausarbeitung eines altruistischen momentes: es ist nicht einfach die tüchtigkeit der sich bethätigenden person, die über gewinnen oder verlieren entscheidet, sondern das stärkeverhältnisz gegenüber einer zweiten, mit der sie sich miszt; die abhängigkeit von bedingungen, die auszer ihr liegen. diese vorstellung liegt namentlich den wendungen zu grunde, die vom wettkampf zum spiel weiter führen. I@2@b@aα) für die erste richtung, den engeren rechtsbegriff, liegt eine glosse vor, die sich ungezwungen an die letzten belege anschlieszt: convictus, gewunnan (zu can. apost. 36 episcopum non audere extra terminos proprios ordinationes facere ... si vero convictus fuerit, hoc fecisse). Steinmeyer-Sievers 2, 144, anders (mit abstractem object) evicit, gewan (zu can. Karth. 15 in civili actione perdat quod evicit) 2, 148. I@2@b@bβ) für die zweite richtung vgl. alde sie ioh anderest ad martyrium brâhte palmam gewunnen. Notker psalm 118, 43 Hattemer 428c. I@2@cc) der allgemeinere begriff einer besitznahme läszt die verschiedensten deutungen zu. aus einer abschwächung und verallgemeinerung der sp. 5932 belegten verwendungen erkämpfen, erbeuten sind sicherlich zahlreiche verwendungen zu erklären, wozu ja auch die synonyma (s. o.) ihre parallelen bieten. schwerer wird es, bei gewinnen auf die begriffe arbeit, mühe zurückzugehen, die aus winnen herauszuholen sind, vgl. gewinn, labor (sp. 5864), vgl. laboribus exigunt ut moriantur, kiwinnit (zu Gregor, cura past.). Steinmeyer-Sievers 2, 205. in allen einzelheiten die eine oder die andere wurzel (kampf, arbeit) bloslegen zu wollen, wäre bei gewinnen gerade so fruchtlos wie bei erwerben (s. d.); doch ist überall da, wo die anhaltspuncte einigermaszen zureichen, die frage wenigstens erörtert. I@2@c@aα) dasz der erwerb von geld und geldeswerth ungezwungen aus kampf und eroberung hervorgehen kann, ist oben schon aus glossen gezeigt worden. vgl. auch: ut custodiant iustificationes eius. et legem eius requirant. daz sie rehtes huôten. unde sîna êa begangen. wanda mit diû summum bonum (das meista guôt) gewuunnen uuirt. nals mit possessione regionum (pisezze lantscefto). Notker psalm 104, 45 Hattemer 381b. hier ist vor allem auf die thatsache hinzuweisen, dasz die einschlägigen verwendungen des verbums zu den frühesten und meist belegten überhaupt gehören: I@2@c@a@11)) quad that siu thâr geba brâhti mêron mikilu than elkor ênig mannes sunu: 'ef her ôdaga man', quad he 'êra brâhtun, mêdom-hord manag, sie lêtun immêr at hûs welonô gewunnan. ni deda thius widowa sô, ak siu te thesumu alahe gaf al that siu habda welonô gewunnan, sô siu iru wiht ni farlêt gôdes an irô gardun. Heliand 3773 ff.; ganz ebenso 3261. 3294. 4408. 2113. dazu vgl. prebuit (argentum et aurum) giwan (2 chron. 1, 15 machte des silbers und golds zu Jerusalem so viel. Luther), Steinmeyer-Sievers 1, 464; questum ... scaz gewin, praestabat, giwan (apostelgesch. 16, 16 trug jren herrn viel genies zu mit warsagen. Luther) 1, 747; lucretur, giwinnit (zu Gregor cura past.) 2, 172, ebenso 2, 280; vgl. auch: deservirent (pecunia ministeriis templi) kawunnin. Steinmeyer-Sievers 2, 333. I@2@c@a@22)) früher als bei erwerben ist hier die unter dem einflusz entwickelter geldwirtschaft stehende richtung auf tauschverkehr und geldgeschäfte eingeleitet, die nicht dem verbum, sondern den ihm zutretenden bestimmungen erwächst: 'war mugun wir nu biginnan, mit koufu brot giwinnan, thaz ther liut gisazi, unz er hiar nu gazi?' Otfrid 3, 6, 17 Erdmann; (vgl. dagegen: et querant a deo escam sibi. unde siû fone gote geuuúnnen fûora. Notker psalm 103, 21 Hattemer 373a); consecutus (civilitatem) giwan (zur apostelgesch. 22, 28 ich habe dis bürgerrecht mit grosser summa zu wegen gebracht. Luther), Steinmeyer-Sievers 1, 749; diabolus stuont a dexteris Judæ (Jude ze zeseuuun). der diuitias (rihtuôm) uuolta geuuunnen mit uendito (ferchouftemo) Christo. Notker psalm 108, 31 Hattemer 400a; domine quinque talenta tradidisti mihi. ecce alia quinque superlucratus sum (hêrro funf phunt gabe du mir funfiû geuuan ich ingesuoch). 111, 5 Hattemer 405b (Wiener hdschr. nu han ih geuuocheret); vgl. auch (Boethius) 3, 26a. I@2@c@a@33)) wie beim substantiv lassen sich auch beim verbum die spielarten des begriffes erwerben aus der bedeutung labor zwar erklären, doch nicht sicherstellen; auch die glosse arcessere guwinnan (zu Vergils georg. 4, 224 quemque sibi tenuis nascentem arcessere vitas). Steinmeyer-Sievers 2, 643) läszt die erklärung aus erbeuten zu. ebenso sind für die beziehung des verbums auf grundbesitz und landbau die bedeutungen gewinnen, erstreiten heranzuziehen, so sehr sie auch in den überlieferten belegen schon verblaszt sind: denne der man in pardîsu pû kiuuinnit, hûs in himile, dâr quimit imo hilfa kinuok. Muspilli 16 (denkm. 13, 8); do begonda ecclesia de gentibus mihi adhaerere et spem suam in me ponere, uone dannan ist siu in praesenti affluens spiritualibus deliciis unte guinnet ôuh in futuro apud me locum haereditatis, eiectis regni filiis (var. geuuinnet). Williram 136, 21 Seemüller s. 62; uuanda got behaldan duon sal Syon, inde gestiftôda sulun uuerthan burge Judae; inde uuonnôn sulun thâr, inde mit ervi geuuinnon sulun sia (et hereditate acquirent eam). altndd. psalm 68, 36 Heyne 32; et inhabitabunt ibi. et hereditatem acquirent eam. unde dârinne bûent siê. unde ze erbe geuuúnnent siê sîá. Notker psalm 68, 36 Hattemer 240b; ube er îlta geuuúnnen hus unde husce. chenun unde eîgen unde ander geuuôre. daʒ tâte dû in al besizzen mit amaritudine sêr bitteri. 40, 4 Hattemer 143b. dasz für die beziehung auf den landwirtschaftlichen ertrag die parallele gewinn, zins zuständig sei, ist schon sp. 5868 bemerkt, es wird durch den einzigen einschlägigen beleg auch hier bestätigt, der unmittelbar an den begriff wucher anknüpft: also daz erdheuue. dânne iz dâr ûzze rediuiuos flores (anderest chomene bluômen keuuunnet). Notker psalm 71, 16 Hattemer 251b. I@2@c@bβ) für die angliederung eines persönlichen objectes sind oben schon übergangspuncte angedeutet; sie führen in anderer weise als beim sächlichen object von der beziehung auf den kampf zum allgemeineren begriff der erwerbung weiter: I@2@c@b@11)) accepit, giwan (zu Samuel 5, 13 und David nam noch mehr weiber. Luther), Steinmeyer-Sievers 1, 416; uuanda elephas pudicum animal (chiûsche fiêo) ist. unde fure eîna chenun. neheîna mêr ne geuuinnet. Notker psalm 44, 9 Hattemer 159a. I@2@c@b@22)) provideat (virum sapientem) giwinne (zu 1 Mose 41, 33 nu sehe Pharao nach einem verstendigen und weisen man. Luther). Steinmeyer-Sievers 1, 309; nû gehugest du fideles ze geuuúnnenne unde noh uuanne gehugest dû coronam ze gebenne. Notker psalm 134, 13 Hattemer 470a; unde bîtet des uuillen daz er imo noh uuahse. unz er in sô hôhen geuuinne. daz in auaritia nider gezîehen ne muge. 118, 36 (426a). I@2@c@b@33)) hier ist ohne zweifel auch die verbindung kint (sun, tohter) gewinnen einzureihen, eine der beliebtesten wendungen des mittelhochdeutschen formelstils, deren erste anfänge weit in die althochdeutsche periode zurückreichen. die fälle, in denen als subject die mutter gekennzeichnet ist, könnten eine andere deutung nahe legen, aus winnen = pati: gewinnen wäre dann ein seitenstück zu gebären. die einschlägigen belege lassen aber nach keiner seite eine ursprünglichere entwicklung vermuten, als sie in den noch zahlreicheren beispielen vorliegt, die den vater oder das elternpaar als subject darbieten. die letzteren sind sogar früher bezeugt und lehnen sich ungezwungen an andere wendungen an, in denen gewinnen mit der bedeutung erlangen, bekommen ein persönliches object zu sich nimmt. bestätigt wird diese auffassung durch die frühen zeugnisse für die gleiche verbindung bei erwerben (sp. 5924), wie auch das spätere kriegen sich ebenso verhält (mann, frau, kinder kriegen sp. 5927): fon welicheru giburti er io sulih wurti, war worolt io giwuuni sulih adalkunni. Otfrid 2, 4, 24; 'hwo mag that giwerdan sô', quad he, 'aftar an aldre? it is unk al te lat, sô te giwinnanne, sô thu mid thinun wordun gisprikis.' Heliand 143; da mit sie geuuinnent spirituales filios, samo dîe reginae. Williram 103, 22 Seemüller s. 46; reginae daz sint dîe edelen sêla ... dîe der imo gewinnent gêîstlîhiu kint. 103, 7; ähnlich 112, 4; 127, 7. I@2@dd) auch für einige lieblingsformen des mittelhochdeutschen stils, die erst mittelbar auf die bedeutung erwerben, in besitz nehmen zurückgehen, zeigt die althochdeutsche periode einige, wenn auch vereinzelte, ansätze. I@2@d@aα) spärlich belegt ist die räumliche vorstellung, in der gewinnen mit erlangen, erreichen concurriert: sorgên mac diu sêla unzi diu suona argêt, za wederemo herie si gihalôt uuerde. wanta ipu sia daz Satanâzses kisindi kiuuinnit, daz leitit sia sâr dâr iru leid uuirdit, in fuir enti in finstrî. Muspilli 8 (denkm. 13, 7); montem quem acquisiuit dextera eius. den berg sin zeseuua geuuan. Notker psalm 77, 54 Hattemer 279a; in dîe sich diê ne uuellen soûfen. die in Syon gedingent stâtâ mendi ze geuuinnenne. 136, 1 (472b). I@2@d@bβ) viel ergiebiger ist schon hier die verbindung mit abstracten objecten, deren vorstellungsgehalt auf das verbum abfärbt. eine bedeutsame entwicklung setzt bei dem unterschiede zwischen solchen objecten ein, die der träger der verbalthätigkeit von auszen in seine sphäre zieht, und solchen, die er von sich aus hervorbringt. die verwendungen, die in dieser hinsicht eine mittelstellung einnehmen, sind wenig zahlreich. I@2@d@b@11)) mit thiu geduet ir widar got, thaz er iu ginadot, joh ob ir es biginnet, thio huldi giwinnet. Otfrid 1, 24, 12; diê iro fater gebot uuereton. unde mit dero oboedientia (gehorsami) gotes huldi geuuúnnen. Notker psalm 70, 1 Hattemer 242b, vgl. auch psalm 60, 4 (206b); ich bin selbo als êin mûra, unte sint abo mîni spunne als êin uuîghûs uon den stunton, daz ich frido unte sîne hulde guan. Williram 142, 3 Seemüller s. 64. vgl. 142, 16 (s. 65 der mir pacem hât gewunnen); noh uuir andar uuîs ni magun unsero sunteôno antlâz cauuinnan (nec aliter possumus veniam consequi delictorum) exhort. ad pleb. christ. denkm. 13, 201; da ich cham unde ablaʒ kewân. Notker psalm 138, 2 (476b); unte guinnont aber dîe duplicem remunerationem prae aliis. Williram 147, 8 Seemüller s. 66; dazu vgl. auch: thaz druhtin selbo wolta, bi unsih sterban scolta, joh sines bluetes rinnan uns sihurheit giwinnan. Otfrid 3, 25. 36. I@2@d@b@22)) peperit, giwan (gloss. z. Prud. 78, clerus sic tantum peperit triumphum). Steinmeyer-Sievers 2, 441; ascite (famae) gewunnenes (contra Symmach.) 2, 518; obtinuerit (dignitatem) urdigit odo gawinnit (can. apost.) 2, 97; unde dîe namin er dannân guuinnet. tîe heizent denominativa. also iustus fone iustitia. Notker kategorien 5 Hattemer 3, 380a. I@2@d@b@33)) giwan mit agaleize, mit mihilemo flize sar io thia wila thia heilida ana duala. Otfrid 3, 11, 29; mir ist ser ubar ser, ni ubarwintu ih iz mer, ni wan es untar manne iamer drost giwinne! 5, 7, 28; unde so geuuúnnet er samo sô fone erist iungliche chrefte. Notker psalm 102, 5 Hattemer 364b f.; noh kewunno saturitatem (seti). 87, 16 (314b); unde ich râwa gewunne in mînero conscientia. 38, 14 (138b): man ne gewûnnet nîemer grehti obe erdo. 139, 12 (482c) u. a. I@2@d@gγ) auch widrige vorstellungen wie jammer, unglück u. a. sind schon althochdeutsch als objecte mit gewinnen verbunden. man darf hierin wohl nicht die ursprüngliche bedeutung erleiden, erdulden suchen, man musz vielmehr mit einer weitgehenden abschwächung der verbalbedeutung rechnen, wie sie ja bei erringen, erwerben, bekommen, kriegen (s. o.) ebenfalls belegt ist. nist wib, thaz io gigiangi in merun goringi, odo merun grunni mit kindu io giwunni! Otfrid 1, 20, 16; turbatus sum. truôbe muôt quan ih fone dero faro mînero garrulitatis (spile = uuorto). Notker psalm 76, 5 Hattemer 269a (bei Schilter: quam); ih huôta des uuanda ih mortem carnis habo geuuunnen. daʒ ih ouh ne geuuúnne mortem animæ nube so du gebote habest. 118, 67 (432b). I@2@d@dδ) die entgegengesetzte entwicklung, die steigerung der bedeutung des verbums in der verbindung mit bedeutungsschwachen, meist pronominalen, objecten ist althochdeutsch ebenfalls schon belegt: I@2@d@d@11)) unwirksam bleibt diese in den fällen, in denen der nur angedeutete inhalt durch sätze näher ausgeführt wird: unde uuas uuolta ih umbe dih do geuuúnnen obe erdo. aurum. argentum. gemmas. familias? daz habent oûh peccatores. Notker psalm 72, 25 Hattemer 256b; odo er thes gisunni, zen ostoron waz gewunni, thaz sie thanne habetin, thes dages sih gidragotin. Otfrid 4, 12, 49; hweder im swôtiera thunkie te giwinnanne, sô lango sô sie an thesaru weroldi sind, that sie eft ubil efda gôd aftar hebbian. Heliand 3408; nu ik giwinnan mag, that he gio obar thesaro erdu ald ni wirdit. 725; ähnl. 3836; obtinuit (ut agrederentur) giwan. Steinmeyer-Sievers 2, 748. I@2@d@d@22)) dagegen wird der begriff einer glücklichen wendung, eines vorsprungs gegen die bisherige situation in den belegen vorbereitet, die das pronominale object nicht näher aufhellen: fert impetratum, gewinnit. altsächs. Prudentiusglosse (pass. Laurent: 566 quod quisque suppl. postulat, fert impetratum prospere); ad deos alienos (ʒe fremiden goten) ne fuôr ih. ad demones (ze dien tiêfelin) ne hafta ih mih. daʒ ih iro danches iêht keuuúnne. Notker psalm 72, 23 Hattemer 256a; et in rapina ne concupiscatis. unde in zocchonne ne geroent iêht ze geuuúnnenne. 61, 11 (209b); daz ih keuuúnne per gratiam. daz ih keuuúnnen ne mag per legem. 118, 119 (441a), ähnlich Boethius 26. I@2@d@d@33)) die abstreifung des bedeutungsschwachen objects und der absolute gebrauch sind nur einige mal und in glossen belegt; te gewanne, prosperare Lipsius-glossen 468 bei Heyne 48 (psalm 117, 25 en fac ... bene prosperare); exire, giwinnan (z. vita Martini: aliter exire nequisti). Steinmeyer-Sievers 2, 756. I@2@d@eε) die zusammenstellung von gewinnen und verlieren, die diesen intensiven begriff ebenfalls herausarbeitet, ist nur aus den jüngsten zeugnissen dieser periode belegt: Adam uuolta per rapinam diuinitatem (mit nôt = nâmo) gotehêit keuuúnnin. bediû ferlôs er felicitatem (sâlida). Notker psalm 68, 5 Hattemer 234a; daʒ siê wertlichi ferlîesent unde gotelichi gewinnent. 35, 9 (123b); ube oûh hiêr iêman æterna bona (êuuigiû guôt haben mahti. unde er faciem domini (gotis anasiûne) gesêhen ne solti. 85, 7 (307b). I@33) bedeutungs- und gebrauchsgruppen im wechsel der perioden und stilgattungen. I@3@aa) der poetische stil der mittelhochdeutschen dichtung bildet die überkommenen formen des gebrauches nach allen seiten aus und füllt die lücken im obigen überblick durch einen reichthum formelhaft wiederholter verbindungen. in solcher wiederholung schwächt sich natürlich die energie der bedeutung ab und so macht sich für die beziehung auf kampf, wette und spiel eine reihe von erweiterungsformen bemerklich, die eine im verbum schon liegende, ihm aber entschwindende bedeutung kräftiger zum ausdruck bringen sollen. andererseits sinkt der allgemeine begriff einer besitznahme in bestimmten verbindungen, die das verbum eingeht, bis zur bloszen syntaktischen function herab. den gegensatz zwischen beiden bedeutungsrichtungen legt schon ein beleg aus dem Alexander des pfaffen Lamprecht dar, der überhaupt an einschlägigen wendungen auszerordentlich reich ist: dô der wîse Alexander an den elefanden den sige mit listen gwan, des frowete sih der stolze man ouh gwan is sîn here grôz einen michelen trôst. di Indi begunden verzagen si heten michelen scaden vil nâh dâr gewunnen. 4492 ff. (Straszb. handschr.) Kinzel. in gleichen gegensätzen bewegen sich auch die zahlreichen varianten mittelhochdeutscher überlieferung: zu gewinnen und erwerben vgl. oben sp. 5924; ebenso Nibel. 52, 3; Walther 31, 16; zu empfangen Nibel. 1993, 4, komen Wilhelm v. Oesterreich 16210; dazu vgl. koufte (gewan) armer Heinrich 335; senden (gewinnen heiʒen) Alexander 2599; er betwanc si mit grôzem schal und mit vorhtsamer hant gewan er dô Egyptenlant (var. betwang). J. Enikel weltchron. 3530 und ähnlich betwanc C. v. Ammenhausen schachbuch 2805; ertwanc H. v. Beringen 843 (gegen gewan beim pfarrer z. hechte s. u.); han ich ervochten. Alexander 467 (var. gegen gewan); der künec von Niderlanden eine schalten genam von stade begunde schieben der helt vil lobesam. Nibelungen 58, 3 Zarncke (nach C, in A gewann); ebenso schon Alexander Straszburger handschr. 1887 (nam sînen vanen); Gottfried Tristan 6628 (den schilt an sich gewan); desgl. Nib. 821, 1 (urloup si namen B); 1544, 4 (den tot genomen D); genau so 588, 4; vgl. Daniel 6292 (den sic genomen); vgl. auch alse die herre ... vorspreken genommen hebbe (var. gewonnen). sächs. lehnrecht 67, 4 Homeyer. die verschiebung des subjectes führt andere verba an die stelle, so bringen Alexander 2398 (Basler handschr.) Nib. 407, 3; ze teile werden Nib. 1047, 4 (C). als merkmal der abschwächung ist schon die variante finde für gewinne anzusehen. Iwein 1911; Nib. 1414, 4; dazu vgl.: gewarf sînen hagel. U. v. d. Türlin krone 11900 (Wiener handschr.; gewan Heidelb. handschr.). für den übergang zur bloszen syntaktischen function zeugt eine reihe von varianten; so tritt an stelle der verbindung von gewinnen mit einem verbalsubstantiv einfach das entsprechende verbum: ward erfrouwet sîn muot. Alexander 5693 (gwan ... frölichen mût); rief (gewan eine stimme) 5397; begunde chreften Nib. 2054, 3 (C; gegen A: dâ von gewan vil krefte); vgl. auch sorgen bigan Nib. 419, 4 (lh gegen sorge gewan); noch häufiger tauscht gewinnen hier mit ausgesprochenen hülfsverben, so mit haben (Nib. 187, 4 muot haben; 236, 2 schaden hân; vgl. auch 288, 4; Heinr. v. Beringen schachged. 6974 vîntschaft hân) und mit sein oder werden: Nib. 354, 2 die ze sehene wâren (ze sehene ... gewan); Walther 54, 8 unt wurde mir daz vur mînen munt (nach D gegen gewünne ih daz für mînen munt); vgl. auch: so wurde es uns beiden zu clein. hessische redaktion des thür. spiels von den 10 jungfrauen 152 (für so gewunne wi iz lichte zu kleine). I@3@a@aα) die beziehung auf den kampf zeitigt einerseits erweiterungsformen, die dem bedürfnisse entspringen, eine durch abschwächung bedrohte bedeutung in ihrer stärke festzuhalten; andererseits wächst dieser gruppe durch den umfassenderen anbau der vom wettkampf zum spiel führenden wendungen ein neues gebiet zu, s. unter β). I@3@a@a@11)) änderungen und verschiebungen an dem mit einem sächlichen objecte verbundenen verbum. I@3@a@a@1@aa)) wo das verbum ohne weitere bestimmungen eingeführt ist, lassen sich zwei gruppen sondern; in der einen ist das moment der unterwerfung im kampfe noch in alter kraft wirksam, in der andern ist es durch den zusammenhang abgeschwächt. I@3@a@a@1@a@aα)) gewinnen bringt die volle bedeutung erkämpfen, erobern zur geltung: Vespâsîanus unt sîn sun Tîtus, die burc si gewunnen, ir wîcliet si sungen. kaiserchronik 5303 E. Schröder, ebenso 2035; ähnlich Alexander 464 (gewan die selben veste); pfarrer zum hechte, schachbuch (zsch. d. a. 17) 207 (die burg ... wolde he gewinnen); Jeroschin 14949; K. v. Megenberg buch der natur 265, 35 Pfeiffer (reht als der ain vest gewinnen well); berchfride si dar ûf sazten unt trîbin si zô den zinnen. alsus wolder gewinnen Tyrum di hêre stat. Alexander Straszb. handschr. 1202 Kinzel (Vorauer handschr. 862: alsus wolten si di burch gewinnen); ebenso 852 (Vorauer handschr.); desgleichen Moriz v. Kraon 199 Edw. Schröder; ebenso meier Helmbrecht 49; Jansen Enikel weltchronik 16907; J. Rothe passion 1988 Heinrich; die grosze stat Karthaginem gewan he und machte si im bequem. pfarrer z. hechte, schachb. 189 (betwang C. v. Ammenhausen 2805; besaz und ouch ertwanc in sînen gewalt. H. v. Beringen 843; et in suam potestatem redegisset. Jac. v. Cessole); ouch kom er hinze Friesach! die stat gewan er unde brach. Ottokar österr. reimchron. 13696; ebenso in anderen chroniken: gewonnen daz stedechen. Limburger chron. 83, 24 Wysz; ähnlich 40, 13; 91, 33; gewonnen die stat. J. Rothe Düring. chron. 47 Liliencron; Cêsar dâ den sige nam. duo vrouwite sich der junge man, daz her diu rîche al gewan. Annolied 464 Rödiger; ebenso (daz lant) Crescentia 40 Schade; der Stricker Daniel 3869 Rosenhagen; Ottokar 429 (guoten teil in Franken); haiz dîn chappelâne gân, in Rome unt in Lâterân daz heilictuom gewinnen, ê sîn die liute werden innen. kaiserchron. 11592; in die burch er giench ... die sînen er drûf liez, unt nam ir scaz unt gewant unt allez daz er dâ fant unt lêhnte alle sîne man mit dem daz er dâ gewan. Alexander (Vorauer handschr.) 526; unt Alexander sînen vanen wider gewan Mennes aber ime zû chom. 1371 (in Straszb. u. Basler hdschr.: nam); och treit er (Hagen) Balmungen, daz er übele gewan. Nibelungen 1736, 4 Lachmann; mit gar vil volkes er hin quam, daz gut wolde er gewinnen, des er da was worden innen. buch der Maccabäer 1171 Helm. I@3@a@a@1@a@bβ)) das moment der gewaltsamkeit wird durch den zusammenhang zurückgedrängt, der begriff erobern schwächt sich ab zu der bedeutung erwerben, in besitz nehmen: und fraget in der mære wes garzun er wære. er sprach: des aller tiursten man der kunechriche ie gewan, des kuniges von Britanie. Wirnt v. Grafenberg Wigalois 1442 Benecke; ez hât durch iwer minne, vrowe, dâ her gesant ein der aller beste der ie küneges lant gewan mit vollen êren oder krône solde tragen. Nibelungen 1157, 3 Lachmann (besaʒ C); ebenso Crescentia 28 (der ze Beiern î lant gewan); Freidank 76, 16 W. Grimm (einen armen man, der nie lant noch schatz gewan): so mahtu, ritter edele, mit vröuden immer leben, gewinnestu die marke, dâ Nuodunc inne saz. Nibelungen 1844, 3 Lachmann; swenne er nach den eren strebet unde sine diemuot hin leget unde die herschaft gewinnet da er nach ringet. genesis u. exodus 111, 15 Diemer; dar nâch er schiere gewan den gewalt mit ganzer êre. Ulrich v. Zatzikhoven Lanzelet 9215 Hahn; dô minnet er sî deste mê, und ime wart nâch ir alsô wê daz diu Minne nie gewan grœzern gwalt an keinem man. Hartmann Iwein 1607; ich gib úch zuo hand das aller bOest stechlin gewandt das ie kain fúrst truog. es ist so fest und so klug unnd gemacht zu Armenia. wie es ward gewunnen da, nu wil ich desz gedagen; wann davon wer vil ze sagen. Friedrich v. Schwaben 1970 Jellinek; daz lant der Niblunge Sîfride diente hie ... und Schilbunges recken, und ir beider guot. des truoc der küene Sîfrit deste hôher sînen muot. hort den aller meisten, den ie helt gewan, âne dies ê pflagen, hete der küene man den er vor eime berge mit sîner hende erstreit, dar umb er sluoc ze tôde manegen rîter gemeit. Nibelungen 665, 1 Lachmann; dar nâch vil unlange dô truogen si daz an daz diu frouwe Kriemhilt den grôzen hort gewan von Niblunges lande und fuorte in an den Rîn. 1056, 2; ganz ebenso 1047, 4 (des möht ir vil gewinnen; var.: erwerben; des wurde uns vil ze teile). I@3@a@a@1@bb)) um so mehr macht sich das bestreben geltend, da wo der begriff der gewalt voll empfunden wurde, ihm ein eigenes ausdrucksmittel zu entwickeln; der älteste beleg reicht noch in den ausgang der althochdeutschen periode zurück und zeigt ein object der person: er Otaccheren mit nôte guan, ad deditionem coegit. Notker Boethius 13. dazu vgl. aus mittelhochdeutscher zeit mit sächl. object: der in alten gezîten mit sturmen oder mit strîten ie sô manige lant gewunne oder sô manigen kuninc bedwunge. Alexander, Straszb. handschr. 43; (ebenso Vorauer 41); ähnlich Suchenwirt 17, 131 Primisser 55b (Maiburch ... ward gewunn mit sturmez chraft). Hermann v. Sachsenheim mörin 1867 Martin (als sturms Mailant gewunen ward); und hete ouch den brunnen mit manheit gewunnen. Iwein 2680; und ruoften mit schall das si sich gefangen geben all: tAetten si desz nicht, gewunnen si die statt in der geschicht, si msten liden nöt unnd küsen den tot. Friedrich v. Schwaben 5688 (vgl. dazu wOelt ir guot stett mit wortten gewinnen? 5698); dâ was vil manic degen balt. die burc sie gewunnen mit gewalt. livländ. reimchron. 1662 Pfeiffer; ebenso buch der Maccabäer 9735 Helm; er wOelt úbermasz fren der zwerg, iren richtung mit gewalt gwinnen (var. richtum). Friedrich v. Schwaben 3135; er sazte di crônen dô, di er Nicolaô hete geroubit, sînen vater ûf daz houbit. 'her vater, nemet diz ze minnen, daz ih mit sturme hân gewunnen unz ih mêr mac getûn; des habit ir êre unde rûm. Alexander, Straszb. handschr. 467 (Basler handschr.: das han ich ervochten do). I@3@a@a@1@cc)) diesen zahlreich belegten erweiterungsformen, die der stärkung des begriffes besiegen, erkämpfen gelten, stehen für den begriff der besitznahme, der erwerbung, zunächst nur wenig entsprechende zeugnisse zur seite. sie bereiten die später so reich anschwellenden reflexivconstructionen vor; vgl. schon althochd. conscivit (sibi) gewan (glossen zu Rufinus) Steinmeyer-Sievers 2, 601; diu selbe gotes diet was Pharaone liep, die wile er lebete groz[lich]er in gebete durch Josebis willen sines trtge[se]llen der im ze sinen handen daz lant het gewunen, schaz eigen und das uehe: siner genaden msen si alle leben. genesis u. exodus 120, 1 Diemer (vgl. dagegen wan daz mich mîn saelekeit von sînen handen gewan, daz ich vil kûme von im endran. Stricker Daniel 4875); nû vuor sî hin mit grôzer klage unde begruob ir bruoder unde ir man. dô sî daz lant zuo ir gewan unde daz ze mære erschal in den landen über al, vil manic rîcher herre nahen undê verre die gerten ir ze wîbe. Hartmann v. Aue Gregorius 858 Paul; Tristan dô er das hundelîn gewan in die gewalt sin. Gottfried v. Straszburg Tristan 16268 Marold. I@3@a@a@1@dd)) auch abstracta wie sieg, strît u. a., die die beziehung auf kampf und streit als inneres object angliedern, sind hier unter den älteren erweiterungsformen vereinzelt (doch vgl. die belege für wettkampf und spiel): den sic doch Sîfrit gewan. Nibel. 186, 4 Lachmann, ebenso Iwein 1039. 6799; ebenso: den sieg gewinnen. Hesler apokalypse 10037 Helm. fraglich ist Walther 41, 7 Lachmann (sic gewinne, var.: sie gewinne); in anderen belegen ist zugleich der gegner gekennzeichnet, mit dem gekämpft wird (s. u.); sonst vgl. noch: unde di beiden waren gezogen mit groszer gewalt ober den konig von Ungern ... unde lagen ober ime unde daden groszen schaiden. da gewan he etzliche stride unde vurloisz noch me stride. Limburger chron. (§ 196) 92, 13 Wyss; dazu vgl.: den vorstrit ... gewinnen. Basler handschr. des Alexander zu 4492; davon îlt er mit wer und mit solcher bereitschaft an der Franzoissere kraft daz er daz bezzer dâ gewan. Ottokar 3797. I@3@a@a@1@ee)) dagegen darf als eine erweiterungsform, die dem mittelhochdeutschen stil vor allem eigenthümlich ist, die kennzeichnung des gegners gelten, dem das subject der verbalthätigkeit ein sächliches object entreiszt (vgl. auch Wiesner beiträge 26, 394 ff.). ansätze liegen schon im Hildbrandsliede vor (in sus hêremo man hrusti giwinnan z. 56); der mittelhochdeutsche gebrauch führt neue präpositionen ein (an, ab) und löst diese bei gesteigerter verwendung von dem zugehörigen persönlichen dativ ab, um sie mit dem verbum zu verschmelzen: unz Jûliûs der wigant mit listen in die burch an gewan: daz machet der vurste Lâbîân. nû wil ih iu sagen wie ez kom daz Juljus Triere gewan. kaiserchron. 403; daz sî dî burc gewunnin ab den Cristis vîandin. Nicolaus v. Jeroschin 8611; daz du mir mîn rîche wênis an gewinnen, daz comet von unsinnen. Lamprecht Alexander, Straszb. handschr. 4262; ebenso (niederrh.) herzog Ernst I, 57 Bartsch (dîn lant und dîne burge); Alexander 2538 (dih ... bedwingen und den zins an dir gwinnen); dô wart hern Îweine gâch gewâfent von der veste, Wander sâ wol weste, ern beschirmte sînen brunnen, er ward im an gewunnen. Iwein 2546; swer ie durch hovescheit gestreit der gewinne in (den gürtel) mit manheit an mir, des hat er ere. Wirnt v. Grafenberg Wigalois 434; dô die wegemüedenruowe genâmen unde si dem landenu nâher quâmen, dô fundens ûf der markeslâfende einen man, dem von Troneje Hagneein starkez wâfen an gewan. Nibelungen 1571 Lachmann; ebenso (an dem getwerge ... gewunnen) Daniel 6239. 1775; Nibel. 98, 3 (die tarnkappe); 335, 2; du maht an mir gewinnen die aller besten sarewât, die keines rîches keisers kint an dem lîbe hât. Eckenlied 74, 10 Zupitza. vor allem zielt die entwicklung hier auf die angliederung abstracter objecte: si wurden im gevaere wi si im den lîp gewunnen abe. Lanzelet 67; ebenso 3843; desgl. klage 49; dô gedâht ouch Hagenean den spilman, dem der küene Hildebrantsîn leben an gewan. Nibelungen 2241, 2 Lachmann; Peiere vuorin ie ciwîge gerno. den sigin, den Cêsar an un gewan, mit bluote muester in geltan. Annolied 319 Roediger, vgl. oben e)); ähnlich Alexander 4492 (Straszb. handschr.); Daniel 6292 (var. genomen); Sigenot 102 Schade; Erec 3401; ähnlich pass. 237, 3 Köpke; 'Sathanas der sol den sic ûf mîner sêle gewinnen,' des enmac ich niht entrinnen.' Vorauer novelle 331 Schönbach; dazu vgl.: swane dise stat danne von in (von den bösen geistern) gewunnen wirt, daz ist, swane sie ober die armen sele gewalt gewinnen, sone lazen si einen stein ober dem andern niht, sien zuvuorn sie. altd. pred. Schönbach 1, 371. auch einfache pronominalformen, die bei formelhafter wiederholung leicht ganz unterdrückt werden, übernehmen hier die function des objects vgl. auch niht gewinnen s. u. 3)): lânt mich daz roz vor ûz hân. swenn ichz im abe gewinne, ich teile dan mit minne sîn harnasch und swaz er hât. Lanzelet 2899; ebenso Iwein 2608; Kistener Jakobsbrüder 1129; dar an gedenke, junger man, und wirp nâch herzeliebe: dâ gewinnest an. Walther v. d. Vogelweide 91, 28 Lachmann. dazu vgl. noch: dô fur der herre vort und vacht gegen sînen vîenden und gewan in allen ane und quam heim. Hermann v. Fritzlar s. myst. 1, 234 Pfeiffer; mit der abschwächung der ursprünglichen bedeutung am verbum öffnen sich diese fügungen den objecten verschiedenster art: und gewinnet mit minnen der küneginne ein urloup abe. Iwein 2886; mit bete gewinnet uns abe daz wir der vrowen hulde swern. Gregorius 574; ich wil in ze redenne gunnen (sprechent swaz ir welt), obe ich niht tobe. daz hât ir mir an gewunnen (A: an mir) mit dem iuwern minneclîchen lobe. Walther 86, 9; die armen betelere ... ruometen sich der genaden die in guote luote hatten getan ... und vluochten da wider den zolnere daz ern nie keine genade hatte getan. do sprach einer under in: 'was woldet ir mir geben, daz ich im ein almuosen an gewinne sunder sinen dank?' altd. pred. Schönbach 1, 103; zur weiterentwicklung, auch in der rechtssprache vgl.: angewinnen theil 1, 352; abgewinnen theil 1, 48 und s. unten II, 1. I@3@a@a@22)) die angliederung eines persönlichen objects an das verbum wird durch die ausdehnung der oben besprochenen fügungen wol beeinträchtigt, vgl. z. b.: gutlichen suchte is grave Heinrich von Henbergk an dem lantgraven von Doringen, do her gesach, das her mit krige an om nicht gewinnen mochte. Joh. Rothe düring. chron. (679) Liliencron s. 586; vorübergehend macht sich auch die neigung bemerklich, das object statt im acc. im genetiv anzugliedern: dar wolen wir intrinnen, sô nemogen si unser nît gewinnen. Crescentia 74; dô Daniel wart innen, daz er sîn niht gewinnen mit dem swerte kunde. Daniel 4050; nieman sin moht gewinnen, verwapent so mit sinnen was er gæn den drangen. Joh. v. Würzburg Wilhelm v. Österreich 17903 Regel; im ganzen sind es aber andere erscheinungen und verschiebungen, die hier beachtung fordern. I@3@a@a@2@aa)) für die bedeutung besiegen, bezwingen ist I@3@a@a@2@a@aα)) bemerkenswert, wie selten das verbum in solchen verbindungen mit einem accusativ des persönlichen objectes einer weiteren verstärkenden bestimmung bedarf: der engil in dem uiure ... er lhte in die naht unde beschirmet si den tach daz si die chrimmen niht mohten gewinnen, noch in die heidenische man niht mohten geschaden. genesis u. exodus 162, 5 Diemer; die ritter sprâchen 'wiest gewunnen mîn hêrre in sîme harnas, sô wol gewâpent sô er was?' Wolfram Parzival 105, 8; ganz ähnlich Ottokar 77289; sô mugen uns niht gewinnen die grîfen vor der sarwât diu uns dicke beschirmet hât: diu mac uns ouch dâ ze helfe komen. herzog Ernst 4186 Bartsch s. 92; sî sprach wilt in gewinnen Ecke, sô wis willekomen ... du wilt den Berner gerne bestân: mit beiden mînen ôren ich daz gehœret hân. Eckenlied 19, 6 Zupitza; ebenso 127, 10; dô wart mînem herren zorn, der flôch ûf den hôhen torn und beslôz sich darinne. den enweiz ich wie ich gewinne. Daniel 1950; do ward oc en vard over Elve uppe de Wenede under deme selven cruce van anderen vorsten; de worden gewunnen. sächs. weltchron. 213, 42 Weiland. präpositionalverbindungen begleiten das verbum hier selten, sie dienen auch nur theilweise der betonung der ursprünglichen bedeutung, tragen vielmehr auch schon zur abschwächung bei: swê dâr hâte rîtâris namen, die sunderte man dan unde gach en gôte rosse unde pellelîne rocke, zô den rossin stâlîne ringe, daz sie mit swerte nieman nekunde gewinnen. könig Rother 1344 v. Bahder; ähnlich Daniel 4050 (s. u.): dô der kunic erwahte und ûʒ dem slâf erschrahte, des er het gephlegen, dô muost er sich bewegen, daʒ er sich niht enwert, wand er wer unernert gewesen vor dem kristen, der in mit solhen listen hete dô gewunnen. Ottokar 50319; derselbe konigk Cyrus der wolde streiten weder ein landt do sint itel weib inne, die heiszen Amazones, unde gewan die uf mit seinen boszen listen, das her ir inn eime tage funff unde sechzigk stunt tuszent todt slugk. Joh. Rothe düring. chron. (49) Liliencron s. 46; er slug rosz und man. was er dar zu slage gewan, di waren nider geschlagen: zwar ich will sein lutzel klagen. Heinr. v. Neustadt Apollonius 7928 Singer. I@3@a@a@2@a@bβ)) eine neue gruppe von verwendungen schlieszt sich um einzelne formen der übertragung und personificierung. auf diesen beruhen schon bei Notker und Williram einige wendungen, die den kreis der zu gewinnen supponierten objecte erweitern (vgl. psalm 44, 9; 71. 16; 77, 54. vgl. sp. 5930. 5931); meist steht die neuerung in zusammenhang mit gleichen erscheinungen am subject: ouch ist dehein gesmide daʒ den wurm snide wan diu glavie eine. in einem holem steine ist er gelegen manigen tac da in niht gewinen mac. Wigalois 4776; undir der gotes diete da ne werrent dise note, newedir daʒ uehe noh den man nemach der tot gewinnen daʒ ir wol wiʒʒet wie got undirschichet unde wie got wil teilen die juden von den heiden. genesis u. exodus 151, 32 Diemer; er (der stein) ist sô veste unde ouch sô ganz daʒ in mit starken sinnen kunde nie gewinnen weder hamer noch der smit. Parzival 592, 16; sîn brünne was unmâʒen guot, si was gehert in trachenbluot, von golde gap si lichten schîn: kein swert mocht nie sô guot sîn daʒ si möhte gewinnen; si war geworht mit sinnen. Laurin 190 (heldenb. 1, 204), ebenso Ortnit 115, 4 (3, 17). I@3@a@a@2@bb)) in den wendungen, die analog der bedeutung erkämpfen, erobern eine besitzergreifung ausprägen, ist die abschwächung der ursprünglichen bedeutung in allen abstufungen zu beobachten von der bedeutung gefangen nehmen über zu eigen machen bis zu einem bloszen erlangen, bekommen: mit riemen in den munt, daʒ er niemen kunt mit sîner rede tæte, wie man in gewunnen hæte (var. gefangen). Ottokar 50326; ouch was diu tarnhûtalsô getân daʒ dar inne worhteein ieslîcher man swaz er selbe wolde,daʒ in nieman sach. dâ mit gewanner (handschr. gewāner) Prünhilt; dâ von im leide geschach. Nib. 337, 4 Lachmann; alsô hohen gîsel gewan nie künec mêr. Nib. 249, 2; dem sach man volgen durch daz wal den grâven von dem Liehten Brunnen und die er hâte gewunnen in dem lande zer Grüenen Ouwe. Daniel 5408; schiere hete Hagenedem künige geseit wie er gewinnen woldeden tiwerlichen degen. sus grôʒer untriuwesolde nimmer man gepflegen. Nib. 858, 3: ebenso 848, 7; in den selbin zîten von Littouwin Witen den kunigs sun an sich gewan. Nicol. v. Jeroschin 19888; er gewan in ainer luzelen stunt guoter cnehte fiunf tûsunt. kaiserchron. 13983, ebenso 6967. 6513; 15938; sîn pflâgen ouch die wîsen,den êre was bekant. des mohte er wol gewinnenbeidiu liute unde lant. Nib. 26, 4. I@3@a@a@33)) für den absoluten gebrauch mangeln hier die belege, die als primäre formen angesprochen werden können (anders bei der ausarbeitung der vorstellung der wette und des spiels). hier drängt sich überall die erklärung aus secundärer entwicklung vor: im folgenden ist das pronomen niht wol als object zu fassen (vgl. auch oben sp. 5937): mit swerten hiwen si sich den schilt er ime abe sluoc der stal was so guot. des nemacht er nicht gewinnen. Rolandslied 490, 21 (3398) W. Grimm; auch andere zeugnisse beruhen auf einer verschiebung, so die präpositionalverbindungen und die persönlichen genetive an stelle des objects s. o., in andern macht sich die kürzende tendenz bei formelhaften wendungen geltend: und wen man sal stritin, so vlien si besitin, und wen man sal gewinnen, so phlein si entrinnen. pfarrer zum hechte, schachb. (z. f. d. a. 17, 344) Sievers; dâ viel maneger zetal, der niemer wider ûfgestuont ... dâ wart gewunnen und verlorn. Daniel 5400; ebenso Ottokar 15650 (kleine gewunnen, vil verlorn); auffallend sind die zahlreichen belege in der participialform des präteritums, die sich durchaus nicht auf passivconstruction beschränken (s. auch unter gewonnen): er sprach: ich han gewunnen. vor waz ich verprunnen, vor waz ich derstunken, dar zuo sein mir die laus ertrunken ... (Chuonze) sprach: mich duncht, daʒ wir verlorn habin mere, dann gewunnen. wir sein in dem bach grunnen sam die toten mäuse. Heinr. Wittenweiler der ring 3b 24 ff. Bechstein; welch mus ir was entrunnen, die ducht, sie hett gewunnen. könig v. Odenwalde (8, 6 der mäuse rath) 67 E. Schröder. I@3@a@bβ) lehrreich für unsere erklärung des gewinnens im spiel als eines erfolgs im wettstreite sind zahlreiche belege, in denen der wettkampfauch als ernstkampf auf leben und todin der form des spiels gefaszt erscheint. für beide gruppen sind die belege zahlreich, sie zeigen in beiden die gleichen gebrauchsformen in der bevorzugung des absoluten gebrauches. wo ein object angegliedert ist, prägt es entweder allgemeine begriffe aus, die dem verbalinhalt entnommen sind, oder es begünstigt pronominale formen, die leicht wieder abgestreift werden. in beiden gruppen wird auch der gegner gern gekennzeichnet. I@3@a@b@11)) beziehung auf den wettkampf: der rinc der was bezeiget,dâ soldez spil geschehn vor manegem küenem recken,die daz solden sehn, mêr danne sibenhundert— die sah man wâfen tragen — swer daz spiel gewünne. Nib. 66, 5 Zarncke (in A: swem dâ gelunge 412, 4 Lachmann); den stein warf si verre, dar nâch si wîten spranc. swer ir minne gerte, der muose âne wanc driu spil an gewinnen der vrowen wol geborn: gebrast im an eime, er het daʒ houbet verlorn. Nib. 326, 3, ebenso 442, 15; er sprach: 'Unsaeld, nû bin ich dir entrunnen!' 'nein', sprach Unsaeld, ich hân den sic gewunnen; swaʒ dû gelief, daʒ selbe ich rande. Reinmar v. Zweter 178, 8 Roethe; der sunnen glanz ist worden ganz, die der arge winter twank, daʒ si durch truebe wolken drank an' iren dank, diu hat ir swank gewunnen, daʒ si schone spilt. Otte zem Turne (6, 3) bei v. d. Hagen 1, 345b; vgl. auch: wanc gewinnen. Wilhelm v. Österreich 8535 (s. u.); ouch sach disen kampf an manec kampfwîse man: ir deheines ouge was vür wâr weder so wîse noch sô clâr, heter genomen ûf sînen eit ze sagene die wârheit weder ir des tages ie gewunnen hete beʒʒer hie. Erec 7268; welt ir mir loufen mite ze wette zuo dem brunnen. sô daʒ sî getân der sol hân gewunnen, den man siht ze vorderst stan. Nibelungenlied 147, 5 Zarncke (nach C. vgl.man jehe dem gewinnes bei Lachmann); dirre flôs, jener gewan. dâ moht erholen sich ein man, hat er versûmet sîne tât: alhie was genuoger rât. si solden tjostieren, dort mit rotten punieren. Wolfram Parzival 77, 29, ebenso 82, 13; wil er mîn geteiltiu spil alsô bestân, behabe er die meisterschaft, sô wird ich sîn wîp: gewinne aber ich, eʒ gêt iu allen an den lîp. Nib. 402, 4 Lachmann; her Dietrîch sprach 'nu lose mir. zwei spil diu wil ich teilen dir, als ich dir hie bescheide: ... mich hilfet diu vorgâbe mîn: ich wil an dir gewinnen'. Eckenlied 13, 10 Zupitza, vgl. oben sp. 5936; ein man, der solcher minne lachet, dâ von ein vrouwe wirt geswachet, dâ hât er gewunnen unde si verlorn an disem spil. Reinmar v. Zweter 276, 3; vor im iait Wille, mit im Stæte und Triuwe. daʒ wilt het für gewunnen, doch liefen sie recht als eʒ wære niuwe. Hadamar v. Laber jagd 182 Schmeller; ebenso 444. 448. I@3@a@b@22)) beziehung auf das spiel. wan jene die wâren verdâht an ir spil sô sêre, daʒ sî dô nihtes mêre niwan ir spiles gedâhten. nu sîʒ dô vollebrâhten, sô daʒ Tristan daʒ spil gewan. Gottfried v. Straszburg Tristan 2317 Marold; ebenso Daniel 3476; ê das er denn (im spiele) gewinne ein pfunt sô mag er verlieren dr. C. v. Ammenhausen schachbuch 18012; genau so der viel spätere pfarrer v. Kalenberg (s. unter II) 634 (lasz eüch gwinnen dran ein pfundt, ein haller ich nie gwinnen kundt); nû sihe ich dicke daʒ ein man der zabel sêre minnet, swenn er daʒ guot gewinnet daʒ er uof zabel wâgen wil, vindet er ein glîch geteilteʒ spil, sô dunket er sich harte rîch. Hartmann Gregorius 1870 Lachmann; ebenso C. v. Ammenhausen 17194; H. v. Beringen schachged. 8646; doch jener die besten würfe warf der kein zabelære bedarf, dô half disen daʒ er in nie ûʒ den slegen komen lie, und gwan eʒ eine wîle sô sêre mit der île, unz er doch daʒ spil verlôs unde gelac vor im sigelôs. Hartmann Erec 946; swedre mêre ougen hete an den würfeln dâ ze stete, das ers gewunnen hAete. Conrad v. Ammenhausen schachbuch 17797; wirfistu mer ougin wen ich, so hastu jo gewunnen. pfarrer zum hechte 345, 17 (obtineret, sc. aequum J. v. Cessole) Sievers; diu werlt ist ein spil bret, daʒ müget ir kiesen, gewürket wol mit listen gar, daʒ drinne ein man gewinnen mag, unt drinne ouch wol verliesen: den werstein triffet nieman, læge er ie mer bar. der Hardegger (3) bei v. d. Hagen 2, 137b; mit stro miʒʒet man die spil: mit dem halm zhet man, einer gewint dem andern an. könig v. Odenwalde vom stroh (5, 160); spil ich auch nit liegens frei, mainswere ist sein maiste art, der würffel triu und warhait spart. das merck ain ieglich biederman, ain chind gewunn seinem vatter an, pfläg es mit im würffels spil. Hätzlerin 2, 43, 32 Haltaus 203. I@3@a@gγ) formelhafter gebrauch des verbums in der verblaszten bedeutung erreichen, erlangen, bekommen. I@3@a@g@11)) in der verbindung mit einem persönlichen object wahrt das verbum an sich die energie der bedeutung am zähesten; aber auch hier zeigt sich, dasz einzelne bestimmungsmerkmale zur verschiebung und abschwächung führen. I@3@a@g@1@aa)) auch wenn der satz, dem das verbum angehört, eines einengenden oder irgendwie ableitenden bestimmungsmerkmals entbehrt, finden sich doch im weiteren zusammenhange meist entsprechende bestimmungen, die dem allgemeinen begriff einer besitznahme einen engeren geltungskreis weisen: ir heiʒet Sîfridenzuo mîner swester kumen, daʒ in diu maget grüeʒe:des habe wir immer frumen. diu nie gruoʒte recken,diu sol in grüeʒen pflegen; dâ mit wir hân gewunnenden zierlîchen degen. Nib. 288, 4 Lachmann (da mit wir zeinem vriunde habnden zierlichen degen. C. E.); im weitesten sinne musz als ein differenzierendes moment die stilform angesehen werden, in der das verbum gebraucht ist. zur verengerung der bedeutung im gebrauch des geistlichen stils vgl.: des hilf uns got mit sîner tugent, daʒ wir in hie sô geminnen daʒ wir in dort gar gewinnen. Lamprecht v. Regensburg tochter Syon 4307 Weinhold. I@3@a@g@1@bb)) auch der persönliche dativ als zielbestimmung differenziert; 'nû sage an, magedîn, wer dîn trût sule sin: wem ganstû dîner minne? den heiʒe ich dir gewinnen'. marter der heil. Margareta 222 Haupt (z. d. a. 1, 164); neben den reflexivbestimmungen, die wir oben unter den erweiterungsformen beobachtet haben (sp. 5935), lassen adverbiale ergänzungen die abschwächung deutlich werden: ritter und sarjande, die er mit sînem guote oder mit höfschlîchem muote zuo ime gewinnen kunde. Gottfried Tristan 5905; unʒ daʒ er arme unde rîch mit gunst an sich gewan. etlich ir wille truoc daran, etlich ers mit nôt betwanc. Ottokar 1739, ähnlich 3756; I@3@a@g@1@cc)) meist geht die differenzierung von appellativen aus, in denen die zu gewinnende person gekennzeichnet ist. diese substantiva sind vorwiegend in der form eines accusativobjects an das verbum angeschlossen, seltener neben einem pronominalen accusativ durch präpositionalverbindung angegliedert. I@3@a@g@1@c@aα)) nach allen seiten greift die durch den reim begünstigte verbindung des verbums mit dem substantiv man aus, die sowol rechtliche, dienstliche als auch mehr familiäre beziehungen erschlieszt. so ergeben sich einzelne gruppen, denen um des inneren zusammenhanges willen auch andere wendungen hier angereiht sind, wenn sie im ausgangspunkte oder im endziel mit ihnen sich berühren: rechtliche, dienstliche beziehungen machen sich in solchen wendungen geltend, die auf gewinnen, zu eigen machen weisen: der war der aller getrûiste man, den ie sichein Rômisc kuninc gewan. könig Rother 56; ebenso (mit gleicher reimbindung) Alexander 1200; Iwein 6949; Nibel. 1305, 4; Crescentia 55; Daniel 150; 5973; ähnlich (gewinnen ... man) Alexander 4105; Nibel. 160, 1; Wilhelm v. Österreich 7725; den armen unt den rîchenbegunde si nu geben, daʒ dô reite Hagene ...daʒ si sô manegen man in ir dienst gewünnedaʒ eʒ in leide müeste ergân. Nibel. 1068, 4, ebenso Ottokar 2800, ähnlich Nibel. 1150, 4 (ze dienste). hieran liesze sich nach der höfischen auffassung des verhältnisses von mann und frau (dienstverhältnis des mannes) eine zweite gruppe reihen, in derfür die mittelhochd. dichtung charakteristischdie frau als die besitznehmende häufig auftritt (zum entgegengesetzten s. u.): rîtest du nu hinnen der aller liebeste man? du bist in mînen sinnen für alle die ich ie gewan. s. minnes. frühl. 5, 1; genau so Hartmann Erec 5353; Nibel. 1173, 4; 835, 1 (daz ich ie den man gewan); Iwein 1928. hier setzen erweiterungsbestimmungen an, die eine zurückdrängung der rechtlichen und socialen momente durch die gefühlswerte des liebesverhältnisses kennzeichnen; vgl.: Itonjê het aldâ vernomn daʒ ir bruoder unt der liebste man, den magt inz herze ie gewan, mit ein ander vehten solden. Parzival 710, 12. I@3@a@g@1@c@bβ)) in den kategorien des substantivs und des adjectivs nimmt die sippe liep, lieber einen breiten raum innerhalb dieser erweiterungsformen ein. sie ist hiebei natürlich auf die verbindungen mit man nicht beschränkt, wie sie andererseits auch die grenzen des liebesverhältnisses überspringt und den freundschaftlichen beziehungen innerhalb des gleichen geschlechtes sich zuwendet: wand sî muose tôten sehn ein den liebesten man den wîp ze liebe ie gewan. Iwein 1316; wan er mit sînen sinnen sîn liep niht mohte gewinnen das er vergeʒʒen niht enkunde. Tristan als mönch 96 Paul, vgl. 202; ir ietwederm was tougen daʒ in kempfen solde ein man der liebest, den er ie gewan. Iwein 6976; ich wart an ir nie valsches inne, sît ich si sô liep gewan. Friedr. v. Hausen s. minnes. frühl. 50, 14; ebenso Konrad v. Würzburg Engelhard 1058; ähnlich 1004; Konrad v. Landegge (11, 45) Bartsch 226; vgl. auch Walther 70, 31; (gott) gab das in des lantgraven hertzen das er sie recht lieb gewaen. Joh. Rothe Elisabeth 2055. zu der formelhaften erstarrung dieser verbindung vgl. liebgewinnen theil 6, sp. 961. zum ausgedehnten gebrauch in der heutigen sprache s. unten II, 1. I@3@a@g@1@c@gγ)) in dieser kennzeichnung persönlicher zuneigung, die sich gern auch auf das appellativ friunt stützt (als object und in präpositionalverbindungen), hat das verbum die energie der bedeutung kräftig gewahrt und zugleich aus den zusammenhängen manchen keim neuer entwicklung in sich aufgenommen: ir was ouch wol sô liep ir man, ob ie kein frouwe mêr gewan sô werden friunt, waʒ war ir daʒ? Parzival 103, 12; ganz ähnlich Nibel. 1199, 2; 'nu wol mich solher friunde',sprach Gîselher der degen die wir hân gewunnennu ûf disen wegen'. Nibel. 2109, 2 (zu vreunde uf. D.); ähnlich 1338, 3; Freidank 97, 9 W. Grimm; R. v. Ems Willehalm 4864 Junk; swer sich ze friunde gewinnen lât und ouch dâ bî die tugende hât daʒ er sich âne wanken lât behalten, des friundes mac man gerne schône walten. Walther 79, 25; ebenso Vorauer nov. 505 Schönbach; Nibel. 733, 2; ähnlich Joh. v. Ringgenberg Bartsch 375, 102; der mîn ze friunde ger, wil er mich gewinnen, der lâʒe alselhe unstætekeit. Walther 71, 14. I@3@a@g@1@c@dδ)) wo die frau als object der besitznahme erscheint, mehren sich die belege, die das verbum abschwächen und verblassen lassen. man vgl. z. b. den gegensatz zwischen der intensiven bedeutung in: alsô der starke Sîfritdie tarnkappen truoc sô hêt er dar innekrefte genuoc, zwelf ander manne sterke,als uns ist geseit. er gewan mit grôʒen listendie vil hêrlîchen meit. Nibel. 52, 3 Zarncke (nach C.; warp. erwarp in A. u. a.); ähnlich Albrecht v. Halberstadt Ovid bei Wickram 8, 100 Bolte; und der verblassten bedeutung in: si sprâchen 'welt ir immergewinnen edel wîp, die hôhsten und die bestendie künic ie gewan, sô nemt die selben vrouwen:der starke Sîfrit was ir man'. Nibel. 1084 Lachmann; ebenso schon genesis 41, 24 Diemer; J. Enikel weltchron. 19250; Gottfried Tristan 9294 (wîp noch frouwen); Iwein 8073 (vrouwen), ebenso Dietrichs flucht 2283; sît daʒ Kriemhildeze wîbe gewan Sîfrit mîn sune .., Nibel. 698, 2 (sit Chriemhilde zeman Sivrit minen sun gewan. C.), ebenso 2126, 4. er freiet frawen Gutten die marggrefin und wolt si zu der ehe gewinn. Joh. Rothe Elisabeth 2064. I@3@a@g@1@c@eε)) in solchen verbindungen unterscheidet sich gewinnen nicht mehr von dem verbum, das allgemein für verwandschaftsverhältnisse gebraucht wird: der êrste mensche wart ein man der vater noch muoter nie gewan. der ander vater nie gewan noch muoter und quam doch vom man. Freidank 19, 10/1 W. Grimm; des schuln wir unsich vrôwin. daz wir in (Abraham) ze geistlichem vater habin gewunnin. also der heilige Paulus sprichet. ... semen Abrahe estis. speculum ecclesiae 18 Kelle; do gewan er im ze göten den grâven Wülfîn. Wolfdietrich B 173, 1 (deutsches heldenb. 3, 193). I@3@a@g@1@c@zζ)) dasz in diesem zusammenhang auch die verbindung sohn, tochter, kinder gewinnen einzureihen ist, wurde oben begründet (sp. 5930f.); sie gehört zu den formeln, die auszerhalb des poetischen stils auch in der rechtssprache (s. u.) verbreitet sind. hier nimmt sie eine ungewöhnliche ausdehnung an: wo der vater als subject anzunehmen ist, macht sich an gewinnen immer mehr die bedeutung erzeugen geltend: si sprach 'nu gewer mich des ich gebitte dich: ich han eine diu hie, die lege ubir miniu chnie, die solt du chonelichen bechennen daʒ ich chint uon ir gewinne'. der bet gewert si der man, uil schiere er einen sun gewan. genesis u. exodus 57, 20 Diemer; ebenso Wilhelm v. Österreich 5824; sve wif to echte nimt unwetene, der he nicht hebben ne mut, unde kindere be ere gewint. sachsensp. landr. 3, 27 Homeyer3 321 (und kindere bî ir gewinnet. Leipz. hdschr. Weiske u. Hildebrand7 s. 98); ebenso 1, 5 § 1 (wint sone bi ire; gewinnet) u. a.; ebenso (bî des) Gregorius 181; Wolfram Parzival 455, 22; Dietrichs flucht 476. 2300; Braunschweig. reimchron. 1503 Weiland; Kolmarer meisterlieder 79, 32 Bartsch; J. Rothe Elisabeth, Mencken 1, 2033; desgleichen (mit ir) 2, 2102; buch d. Maccab. 12534 Helm; wand Adam driu unt sechzic chint gewan der waren driu unt dricic man. daʒ ander waren alleʒ wîp. die gewan er ê unt ouch seit. anegenge Hahn 21, 17; ebenso 21, 37. 21, 39 u. a.; summa Theologiae 30, 4 (denkm. 13, 124); 27, 9 (123); genesis u. exodus 10, 18 Diemer; 123, 36; 124, 1; H. v. Veldecke (Eneide) 108, 34 Ettmüller; nu müeʒe got erbarmendaʒ ich ie gewan den suon dem man itewîʒensol daʒ her nâch tuon daʒ sîne mâge iemanmortlîch hânt erslagen. Nibel. 936, 1 Lachmann (gwan J.); ähnlich Moriz v. Craon 155; Rudolf v. Ems Barlaam 292, 9; Boner edelstein 10, 22; J. Enikel weltchron. 3518; sächs. weltchron. 71, 21. 39; buch d. Maccab. 1156; ist daz der vorgenante Chunrat von Chapelle stirbet ane sne, daz er niht sne gewinnet. österr. urk. v. 1297 (urk. b. d. landes o. d. Ens 4, 264); ebenso schon sachsensp. landr. 3, 32 § 8; lehnr. 31, 2 (winne), charakteristisch für den übergang von gewinnen zu der bedeutung erzeugen ist das folgende: 'ach! hette ich nu di konginnin, ich wolde in dessir nacht gewinnin einin son, daʒ suld ir gesee, von deme vel wundirs uf erdin geschee'. Joh. Rothe passion 493 Heinrich; in den fast ebenso zahlreichen belegen für ein weibliches subject führt gewinnen zu der bedeutung gebären über. hier werden die anhaltspunkte dringlicher, die auf winnen in der bedeutung leiden, laborare, zurückzuweisen scheinen: trotzdem ist aus dem ganzen zusammenhang und aus der beweiskraft der synonyma auch hier auf secundäre entwicklung zu schlieszen: diu sin schone chone gwan im zwene sune: den si gebar e den nennot er Manasse. genesis 88, 1; ebenso genesis u. exodus 57, 5; ähnlich (an mir) Eneide 72, 7; ähnlich (von im) 108, 16; Wickram (Albrechts Ovid 9, 10) 8, 26 Bolte; desgleichen (bi im) Brun v. Schonebeck seligpreisungen 423 (ndd. jahrb. 30, 143b); Braunschw. reimchron. 1449; Ottokar 1210; Daniel 1936; dir spriche ichʒ beste daʒ ich kan. nie muoter reiner kint gewan noch kint gewan ein muoter nie sô reine. lobgesang auf Maria u. Christus 31, 2 u. 3 Haupt (z. f. d. a. 4, 525); ebenso genesis u. exodus 45, 23 Diemer; 38, 25; 57, 1; 57, 4; könig Rother 2219; Nibelungen 659, 3; Parzival 276, 20; Konrad v. Würzburg lieder u. sprüche 1, 223 Bartsch; Friedrich v. Schwaben 8005; Hans v. Bühel Diokletian 3363; Joh. Rothe Düringer chron. 679; Elisabeth 2066; Hesler apokalypse 16953; Gregorius 2634 (den wîp ie ze sun gewan); man seget dat ne kind siner muder keves kint ne si, des n' is doch nicht. ein wif mach winnen echt kint, adel kint, egen kint unde keves kint. Sachsenspiegel landr. 1, 51, § 2 (var.: gewinnen); ebenso 1, 36, § 1; lehnr. 2, 23; ähnlich Kulm. recht 4, 20 Leman. wie weit das verbum in dieser engeren verbindung dem neuern bedeutungskreise zustrebt, zeigen die folgenden belege: sumelîchiu wîp, sô si chindelîn gewinnent, sô zerbrestent si in der wambe. arzneibuch des Bartholomäus, (Wiener sitzungsber. 42, 132) Pfeiffer; des kindes jar ne sal man nicht rekenen von der tiet dat it die muder untveing, mer von der tiet dat it die muder gewan (var.: gebar) unde it levendich in die werlt quam. sächs. lehnr. 26, 1; ebenso spiegel deutscher leute, lehnr. § 75; vgl. auch sächs. lehnr. 71, 11. dazu vgl. die übertragung auf die thierwelt: ein vogel heiʒt pellicânus: swenne der fruht gewinnet, alze sêre er die minnet: in twinget sîner triwe gelust daʒ er bîʒet durch sîn selbes brust, unt lætz bluot den jungen in den munt. Parzival 482, 17; iewelk ve sven it sin junge gewint, svar it des avendes to herbergen kumt, dar sal man't vortegeden. sachsensp. landr. 2, 18 § 4 (wen ez sîne jungen gewinnet. Leipz. handschr.; dasz von ir vriedels stimme wirdet tragehaft, dar nâch muoʒ sie daʒ kelbel danne gewinnen. Lohengrin 436 Rückert. die vereinigung von vater und mutter im subjecte des verbums ist verhältnismäszig selten beobachtet: die naht sîn (Lohengrins) lîp ir minne enphant ... si gewunnen samt schoeniu kint. Parzival 826, 9; ebenso Friedrich v. Schwaben 7062; anhang z. Limburger chron. 108, 15; nimet ein man ein wip unde hat kindere unde si hat ouch kindere unde gewinnen kindere mit einander. Freiberger stadtrecht cap. 1 § 8; ebenso österr. urkunde von 1296 (urkundenbuch d. l. ob d. Ens 4, 247). in einzelnen belegen bleibt das subject unbestimmt; es troumte ... dem künge, eʒ würde boeser in den rîchen. die nû ze vollen boese sint, gewinnent die noch boeser kint, jâ hêrre got, wem sol ich diu gelîchen? Walther 23, 15 Lachmann; ebenso Barlaam 53, 1. 4; ähnlich (ich sî mit valsche gewunnen) pfaffe Amis 636; dat de mensche ghewnnen unde gheboren si in rechter esschap. stadtbuch v. Dortmund § 55 Frensdorff (Hans. geschichtsquellen 3, 81). ebenso Dortmunder urtheilsbuch § 1 (ebenda 3, 123). I@3@a@g@1@c@hη)) die vielseitigkeit der verwendungen, die von der verbindung des verbums mit dem substantiv man abzweigen, ist noch nicht erschöpft. zahlreich sind hier gerade die synonyma, die sich mit man in der kennzeichnung eines auf kriegerische leistungen zielenden dienstverhältnisses berühren und die von hier aus das verbum in seiner bedeutung beeinflussen: der wirt wolde wænen, die geste wæren tôt von ir arbeite und von des fiurs nôt: dô lebt ir noch dar inne sehs hundert küener man, daʒ nie künec deheiner bezzer degene gewan. Nibel. 2061, 4 (var. recken); ebenso 168, 4; 1755, 13; ähnlich (recken) 106, 4; 1308, 3; Iwein 5719 (kempfen); 2569 (helt); Daniel 945 (ritter); Alexander 3197 (Straszb. handschr.: here); Judith 3, 1, denkmäler 13, 137 (giwan ein heri); desgleichen Daniel 974; Wilhelm v. Oesterreich 16210 (grozzritterschaft); Nibel. 476, 2 (geverten); 1696, 4 (hergesellen); Crescentia 35 (knechte); Limburger chron. 75, 23 (diner). dazu vgl. nun: wir gewinnen niemer mêre deheinen herren alsô guot der uns tuo daʒ er uns tuot. armer Heinrich 496; ähnlich (sô rehte bœsen hêrren nie gewan) Walther 26, 31; Nibelungen 1101, 3 (obe si gewinnen solde vrouwen alsam ê); Alexander 52 (der allirhêriste man, den Kriechen ze kuninge ie gewan); J. Rothe düring. chronik 633 (Rome gewann abir einen nawen babist); da gedachte Herodes in sime sinne, kundistu Pilatum zcu richtir gewinne, daʒ her dir desse Judin betwunge, vellichte dir dan baʒ gelunge. Joh. Rothe passion 678 Heinrich; do hieʒ er im gewinnen die diu buoch chunden. leben Jesu bei Diemer deutsche ged. 234, 13; ähnlich könig Rother 124 (gewinnen herren, die dû ... mugis senden); Alexander 7080 (lûte, die in solden tragen); der kuninc heiʒ ime gewinnen man, die gôt gesmîde kunde slân. könig Rother 794, ähnlich livl. reimchron. 134; einen meister gwan er abir sint Alexander daʒ edele kint, der lêrtin mit gewêfene varen. Alexander 227; ebenso 191. 207. 219; Konrad v. Würzburg Partonopier 8081; ähnlich Nibelungen 486, 8 (kamerære); Wilhelm v. Österreich 277 (ockerlier, steuermann); arzte gewan her Gâwein im selben unde in zwein, ze heilenne ir wunden. Iwein 7773; das gleiche schon kaiserchronik 711 (s. u.); 4115; ebenso Wolfram Parzival 19, 28; Rudolf v. Ems Willehalm 10139; Daniel 5815; do hiʒ si ilen gengen eine ammen gewinnen do gewan man der chuneginnen ein heideninnen. Vorauer Moses (32, 31 Diemer), ebenso Daniel 2610. wie weit von diesen und ähnlichen verbindungen das verbum in seiner bedeutung beeinfluszt wird, läszt sich an den gebrauchsformen der neuhochdeutschen periode noch eingehender beobachten (s. II). im mundartlichen (bairschösterreichischen) gebrauch nimmt hier gewinnen die bedeutung dingen (anstellen) an, während in entsprechenden wendungen der schriftsprache eine andere bedeutungsrichtung geltend wird (einen für einen posten gewinnen). I@3@a@g@1@c@thθ)) charakteristisch stehen solcher entwicklung andere verbindungen gegenüber, in denen das appellativ als object keine wirkung auf das verbum ausübt. gewinnen läszt hier den begriff der besitznahme verblassen (vgl. finden, bekommen): ir sult noch hie bestân; wan ich sô lieber gesteselten iht gewunnen hân. Nibel. 1626, 4; dagegen vgl. (leide geste) 1752, 2; 1939, 4. dazu vgl. auch: wir mʒʒen manigen siechen vor der stat gewinnen. Wirnt v. Grafenberg Wigalois 9900. I@3@a@g@1@dd)) schon bei den eben dargelegten verbindungen mit einem appellativ lieszen sichals begleiterscheinungeneinige bestimmungsmerkmale beobachten, die geeignet schienen, das verbum an sich zu beeinflussen: einerseits die abhängigkeit von einem verbum des befehlens: heiʒ (mir) gewinnen und andererseits die verbindung mit einer bestimmung, die auf eine ortsveränderung mit nachdruck hinweist: heiʒ si ilen gengen, eine amme gewinnen. aus jeder dieser verbindungen wird das moment der bewegung im bedeutungsgehalt des verbums geweckt und zur entwicklung gebracht: der chunich vil grimme hieʒ si vur sich gewinnen ... er sprach zuo den hêrren. kaiserchron. 10891; nu heiʒ in dir gewinnen und danke in der minnen. Alexander 2599 (Straszb. handschr.; sende etwen nach mir Basler handschr.). I@3@a@g@1@d@aα)) wo gewinnen nicht von einem verbum des befehls abhängt, ist die räumliche bewegung durch eine präpositionalverbindung des reflexivpronomens genügend vorbereitet: Symon der was ein frut man die Irle' er fur sich gewan er sprach ... fragm. d. Macabäer 10 Kraus; ebenso Daniel 5832; der wilde mann Vespasianus 86; desgleichen (zuo im) Nibelungen 729, 2; 645, 2; Parzival 112, 22; Gottfrid Tristan 13411; Vespasianus 26. I@3@a@g@1@d@bβ)) in den meisten einschlägigen fällen jedoch geht das verbum aus der sphäre eines befehls hervor. überwiegend ist dabei das ziel der bewegung durch eine form des reflexivpronomens (meist im persönlichen dativ) gekennzeichnet. selten, dasz dazu noch eine besondere ortsbestimmung tritt: Arnolt hîʒ drâdi rennin pfaffen imi dari gewinnin. Annolied 840 Roediger; genau so jüngere Judith, Diemer 143, 21; ähnlich kaiserchronik 4276 (hieʒ im gewinnen in sîne kemenâten). sonst genügt hier der reflexive dativ, um auch die ortsveränderung zum ausdruck zu bringen: do Jacob uirstunt daʒ ime nahote der tot do hiʒ er ime gewinnen Joseben sinen liben sun. uil shire er ime chom. genesis u. exodus 105, 9 Diemer; ebenso 48, 13; 53, 4; 138, 3; genesis 116, 9; Vorauer Moses, Diemer 22, 19; jüngere Judith (157, 9); könig Rother 4867; Rolandslied 260, 10; kaiserchronik 1630. 4172. 6121. 6941. 8345. 8360; armer Heinrich 1061. dazu vgl. auch kaiserchron. 1140. 5774; Tristan als mönch 293 Paul; vgl. 1485. nur wenige belege lassen an die stelle der reflexivbestimmung eine ortsangabe treten: biten unde gebieten hieʒ er allenthalben dar die sînes wortes næmen war. dô er sî alle dar gewan, beide mâge unde man, dô tet er in die rede kunt. armer Heinrich 1463; ganz ähnlich Gregorius 2709; desgl. Nibelungen 1191, 1; Daniel 5804. manchmal fehlt auch die ortsangabe, in diesem falle bietet jedoch der weitere zusammenhang entsprechende bestimmungsmerkmale: er hieʒ in allen gahen gewinnen Abramen, er sprach ... genesis u. exodus 34, 9 Diemer; ganz ähnlich leben Jesu (234, 25); vgl. auch Ottokar 14401; er hieʒ gewinnen Hagnenund ander sîne man, und bat ouch harte baldeze hove nâch Gêrnôten gân. Nib. 147, 3; unn hieʒ die kindelin gewīnē, ilende vuor sich bringē. Tricrer Sylvester 70 Roediger (z. f. d. a. 22, 147); der fürste hieʒ gewinnen zwelf wol gebornü kindelin, dü bi im soltent sin. Rudolf v. Ems Willehalm v. Orleans 2748 Junck. I@3@a@g@1@ee)) in keinem verhältnis zu der häufigkeit und ergiebigkeit der eben belegten fügungen steht die einwirkung anderer präpositionalverbindungen auf das verbum. sie gehören meist zu den bloszen erweiterungsbestimmungen, vgl.: er gewan ouch in sîn wer ein gar kreftigeʒ her. Ottokar 383; alle diet mit hôher craft gewinnen zeiner erbeschaft. Konrad v. Würzburg Silvester 4040; vgl. auch oben sp. 5935; nur vereinzelt sind hier wendungen, die die bedeutung des verbums abschwächen und ablenken: I@3@a@g@1@e@aα)) sô her die meinstreinge man niconde nie biduingan. ci jungist gewan hers al zi gedinge: daʒ soltin cin êrin bringen. Annolied 279; ze sîner heinlîche er gewan von Gâles einen spilman, gefüegen unde wîsen; den begunde er underwîsen. Gottfried Tristan 16275. I@3@a@g@1@e@bβ)) (gott:) zuo Pharaone solt du varen, du muost von im gewinnen die minen iungelinge; du solt heitære sin des liutes daz ist min. genesis u. exodus 126, 21 Diemer; ebenso Nibelungen 319, 4 (von der reise in gewan). I@3@a@g@1@ff)) dagegen sind ergänzungssätze, die dem verbum die richtung weisen, schon früh belegt: tara nâh kuan er den medicum der imo blûot lieʒ. Notker Boethius 114a; sît ich ân einen vrumen man mîn lant niht bevriden kan, so gewinn ich gern einen (var. gewunne, funde, hette) ... sô vrumen ... daʒ er mîme lande guoten vride baere und doch mîn man niht waere. Iwein 1911; daʒ er etlichen teil ûf dem kôr gewunne, der im der wal gunne. Ottokar 38388; si sendet got der guote. ze unserer huote, daz si uns gewinnen. in gotes hulde bringen. bücher Mosis 4, 13 Diemer; wær ieman nû sô gefüege, daʒ er uns den kunde gewinnen, daʒ er uns hulfe hinnen. Daniel 3728. I@3@a@g@22)) die verbindungen mit einem sächlichen object. I@3@a@g@2@aa)) einen breiten raum nehmen hier gebrauchsgegenstände ein. was der mensch in natur und welt sich dienstbar macht, wird auch vom verbum gewinnen als object angezogen; in poetischer übertragung werden auch objecte erfaszt, die dem menschen unerreichbar sind: möhte ich ir die sternen gar, mânen unde sunnen, zeigene hân gewunnen, daz wær ir, so ich iemer wol gevar. Walther 52, 37 Lachmann; dazu vgl. auch: daz er werden hiez daz liecht. das tet er umbe daz nicht. daz er îe vinster gewunne. anegenge bei Hahn 2, 44. I@3@a@g@2@a@aα)) eine gruppe schlieszt sich um objecte, die den kreis der nahrungsmittel streifen. entsprechend den ältesten primitivsten formen ist sie einerseits von der vorstellung der jagd und beute getragen, während andererseits der begriff des erwerbs deutlich bloszgelegt wird: wahsen begund[e] do der chintder gevie manich wilt, mit geschoʒʒe unde mit geiaidegewan er sin getraide. genesis 39, 19 Diemer; ähnlich Reinmar v. Zweter 179, 10 Roethe (vom fischfang); Wiener physiologus 31 Hoffmann (vom raubzug des fuchses); Iwein 3922 (vom löwen); dô sach er vil hôhe stân einen raben, der hiez Diezelîn, der hâte mit den listen sîn einen niuwen kaese gewunnen. Reinhart Fuchs 223 Reissenberger; ouch heter ze sînen tische fleisch unde vische sô unmâzlîchen vile, ... diz môse man ime gewinnen mit liebe und mit minnen âne roub und âne ungemach, daz ime nihtis ne gebrach. Alexander 4055; dar zuo gît man in spîse,die besten die ie gewan. in der werlte künec deheiner. Nibel. 1408, 1; ähnlich Walther 17, 24; Neidhart 52, 18 Haupt (gewinne ich eigen brôt); Parzival 577, 15 (gewinnen ... daʒ potenbrôt). genau so Wilhelm v. Österreich 511. I@3@a@g@2@a@bβ)) in den verbindungen, die auf das eigenthum an grundbesitz und fahrender habe zielen, war der begriff der besitznahme schon althochdeutsch von dem ausgangspunkt einer eroberung, einer beute abgedrängt, vgl. sp. 5930. das gleiche gilt für die mittelhochdeutsche zeit, die einzelne feste verbindungen wörtlich übernimmt: wært ir mir der vremdeste man der ie ze Riuzen hûs gewan. Iwein 7583; genau so 2825; Daniel 34 (eigen hûs). vgl.: daʒ wir nie hof gewunnen. Tristan als mönch 36 Paul; do Abram was heim chomen der hungir het ende genomen: er unde Loht sines brudir sun gewunen michelen richtuom. genesis u. exodus 34, 17; ebenso Nibelungen 1216, 2; Rudolf v. Ems Barlaam 22, 5 (rîcheit); in einem jâre dô gewan er kiste und kasten vol. meisterlieder der Kolmarer handschr. (198, 21) 615 Bartsch; die meiste menge enruochet wies erwirbet (var. gewinnet) guot sol ichz alsô gewinnen, sô ganc slâfen hôher muot. Walther 31, 16 Lachman; ebenso (guot gewinnen) Mai u. Beaflor 133, 6; Iwein 7989; troj. krieg 46238. 46244; Engelhard 124. 126; Freidank 56, 21; 57, 3. 16; pfarrer z. hechte (344); Wilhelm v. Österreich 18427; bruder Philipp Marienleben 3066; Hesler apokalypse 17446; livl. reimchron. 131; ähnlich spec. eccles. 101. in solcher beziehung auf geld und geldeswert wird ein im verbum an sich ruhender gegensatz besonders herausgearbeitet: der unterschied zwischen activer und passiver besitznahme, erwerben und empfangen. für das letztere vgl. vor allem: den hutirn gabin si gelt umme daʒ ... abir dô di hutir daʒ gelt gewunnin erin haʒ si do besunnin und sagitin di rechtin warheit. Joh. Rothe passion 1106 Heinrich; zum ersten vgl.: Werbel unde Swemlîn, des küneges spilman, ich wæn ir ieglicher zer hôchzît gewan wol ze tûsent marken oder dannoch baʒ. Nib. 1314, 2 Lachmann; nû hân ich mit dem golde gebâret als ich solde nâch dîner muoter gebote, ich hân dir ez in gote gemêret harte starke. fünfzec und hundert marke habe wir dir gewunnen. Gregorius 1767; ähnlich Seifried Helbling 1, 743; Swert gewinnen) an wendungen, die im sinne der sp. 5932 angeführten althochdeutschen zeugnisse in solcher form einer besitznahme auch den kauf darstellen, ist die mittelhochdeutsche dichtung arm. die belege beschränkea sich auf ein denkmal: er gewan ir swaz er veile vant spiegel unde hârbant. armer Heinrich 335 (var. koufte); ebenso (arzenîe) 202; 444 (var. mit keiner habe erwerben). I@3@a@g@2@a@gγ)) die bedeutungsverschiebung, die oben schon an einzelnen fügungen mit persönlichem object belegt wurde (gewinnen heiʒen = rufen, holen lassen; gewinnen = herbeirufen), greift auch in die verbindungen mit sächlichem object über. das moment der bewegung, das hierdurch am bedeutungsgehalt von gewinnen belebt wird, nimmt in der beziehung auf gebrauchsgegenstände natürlich eigene formen an: der begriff herbeiholen, herbeirufen wird hier durch herbeiführen, herbeitragen verdrängt. in dieser einen beziehung ist auch die thierwelt, die sonst den persönlichen objecten analog vertreten ist, unter die sächlichen objecte zu rechnen: do hiez er gewinnen die besten ors die man do vant ... dar zu hiez er gewinnen do sechzec schüzen uf die vart. Rudolf v. Ems Willehalm 8736; ebenso (ros gewinnen) Daniel 4931; Tristan als mönch 734 Paul; er rief den chinden und hiez im den sluzzel gewinnen. Alexander (Vorauer handschr.) 300; ebenso (daʒ kriechische fûr) 2398 (Straszb. handschr.; Basler handschr.: hies er bringen); Wigalois 5242 (salben); Nibelungen 2254, 3 (gewant); 407, 3 (dort var.: dar bringen); Rudolf v. Ems gute Gerh. 2912 (sîden, golt); arzneibuch des Bartholomäus 128 Pfeiffer (der sol gewinnen ein wîʒeʒ glas): hei waz man guoter seteleden schoenen vrouwen gewan. Nib. 1208, 4; ähnlich (wâfen) Alexander 429; Iwein 3698 (harnasch); Engelhard 322 (swaʒ er haben solte ... ûf sîne vart, vil schiere im daʒ gewunnen wart); sîe hat ein küssîn, daz ist rôt: gewünne ich daz für mînen munt sô stüende ich ûf von dirre nôt. Walther 54, 8 Lachmann (var. wurde mir das vür); ebenso (ab der hant gewan) Iwein 3199 (daʒ vingerlîn); ähnlich Gottfried Tristan 2942; Wigalois 3867 (da von gewinnen); Konrad v. Würzburg Alexius 975 (drûʒ gewinnen); pfaffe Amis 249; wer des ochsen gall mischt mit hong, sô zeucht si ainen dorn oder ain holz oder ain eisen auʒ. alsô gewinnt man pfeil auʒ den wunden. K. v. Megenberg buch der natur 160, 7 Pfeiffer. I@3@a@g@2@a@dδ)) eng an diese wendungen schlieszen sich einzelne feste verbindungen des verbums an, die ebenfalls eine bewegung zum ausdruck bringen, deren ausgangspunkt jedoch erst erschlossen werden musz; es ist kein zufall, dasz diese verbindungen fast alle bestimmten situationen eines handgemenges entspringen. auf eine bewegung der arme, hände zielen die verbindungen mit schilt, helm, schwert; vgl. den gegensatz zwischen der intensiven bedeutung des verbums in: sît ich den schilt von êrst gewan und rîters fuore mich versan. Parzival 258, 21 (vgl. auch 209, 12) und der neuen formelhaft abgelenkten bedeutung in: sîn schilt was verhouwen:einen bezzer er gewan. vil schiere wart der reckedô gewâfent baz. Nib. 1996, 4; Tristan den schilt an sich gewan (var. genam). Gottfried Tristan 6628; vgl. 7042 (nu er den helm ze sich gewan). und stach im einen selhen stich ... do truoc in daz ors dan unz er daz swert gewan. Iwein 5040; ebenso Rudolf v. Ems Willehalm 9302. 1148; Sigenot 24, 6 (deutsches heldenbuch 5, 211) u. a. s. II; Hiltebrant sich selbs so lang wandt bis im auff gieng das eine bandt das er gewan die hende. Sigenot 162 Schade. andere gebrauchsgegenstände als waffen sind neben gewinnen in dieser bedeutung nur selten belegt: Sîfrît dô baldeeinen schalten gewan, von stade er schiebenvaste began. Nib. 3681 (var. eine schalten genam); vgl. dazu (ein agest und einen slegel sî do zehant gewan) meisterlieder der Kolmarer handschr. 615 Bartsch; zu einer andern art, der körperlichen fortbewegung im raume, leitet die ebenfalls aus den situationen des kampfbildes entspringende verbindung ors gewinnen über: dâ mite wart ouch er gesant ûz dem satele als ein sac ... er nam daz ors, dô erz gewan und vuortez vür den künec dan. Iwein 2601; ähnlich Sigenot 10, 10 (daʒ ich müge mîn ors gewinnen); vgl. dagegen Iwein 5895 (do hieʒ ir vrou Lûnete ... ir pfert gewinnen, s. o.). ob und wie weit in diese entwicklung, die den begriff gewinnen, ergreifen in der richtung auf das ziel erreichen weiterleitet, die vorstellung des wettlaufes (s. o.) einwirkt, ist fraglich. mittelhochdeutsch treibt sie überhaupt erst ansätze: ê si die tür gewunnenmit ellenthafter hant. Nib. 2011, 3 (vgl. die ganz andere bedeutungsrichtung in 99, 4 Albrîch der vil starke dô die kamere gewan, er erhielt die aufsicht über die kammer); ganz ähnlich Daniel 3377 var. (daʒ er den weg gewan); mit so vil luten das er dan mit gAeher vluht vil kume endran; er gewan vil stillen nawint. Rudolf v. Ems Willehalm 12127. die hauptentwicklung dieser wendungen liegt in der neuhochdeutschen periode, s. unter II. I@3@a@g@2@a@eε)) stärker als in den bisherigen wendungen macht sich die eigenart des angeschlossenen objectes in folgenden belegen geltend, in denen das verbum nicht so sehr einen gebrauchsfertigen gegenstand erfaszt, als vielmehr durch theilnahme des subjectes einen solchen erst erstehen läszt. hier vor allem wäre man geneigt, auf die grundbedeutung von winnen zurückzugehen und den begriff crarbeiten, fördern (von rohproducten) von dort aus zu entwickeln. jedoch auch das erscheint bei näherer betrachtung in frage gestellt; in einzelnen wendungen zeigt sich vielmehr ganz deutlich, wie der allgemeinere begriff des verbums durch die besondere bedeutung des angeschlossenen objects wieder differenziert und hiedurch einer bedeutung wieder genähert wird, die dem verbum von hause aus eigen war. entsprechende beeinflussung durch das angeschlossene object macht sich schon innerhalb der oben besprochenen formel gewinnen heiʒen bemerklich: dô hîz he imme gewinnen vil manichen boim langen. he wurhte igel ind mangen ind bergfride vîre. herzog Ernst niederrheinisch (III, 39) Bartsch 5b; vgl. dazu Alexander 1080 (vil grôʒe boume er gwan und hîʒ si ze samene spannen); ir sult mir einen kranz von eines boumes rîse gewinn (gewinnen in allen handschr.). Parzival 600, 22; vgl. auch arzneibuch des Bartholomäus 139 Pfeiffer. ebenso entwickelt sich auch in andern ähnlichen verbindungen, in die gewinnen zunächst mit der allgemeinen bedeutung von erwerben eintritt (die aller besten sîden, die ie mêr gewan deheines küneges künne. Nibel. 355, 2; ähnlich Alexander 632; Iwein 1215), durch verschiebungen des zusammenhanges die möglichkeit einer neuen auffassung: der beste zobel kumt von dan den diu werlt ie gewan. Erec 2011; ebenso Nibel. 355, 2 (var.); vgl. auch Neidhart 10, 3 Haupt; Jansen Enikel weltchron. 9700; swer wil einen brunnen graben, der muoz haben howen und bickel, schûfel unde grabestickel, wil er die erde enginnen, des wazzers vil gewinnen. tochter Syon 3426; 3437; daz her gewan blut uz siner swarte und schreib durch der rede urhaf ein handfeste unde gaf si deme leidigen Sathan. Brun v. Schonebeck hohes lied 6218; an der stat tôte er hundert man und als vil, unz er gewan bluotes eine bütene vol. Daniel 4422; liben, wi teten gerne uwere bete, ob wirs di state heten, solde wirz (das öl) uch mete geteile, so gewunne wi iz lichte zu cleine. thür. spiel von den 10 jungfrauen 152 Beckers (var. so wurde es uns beiden zu clein). I@3@a@g@2@bb)) einzelne und nicht unwirksame typen der verbindung mit sächlichem object greifen auch in die organischen veränderungen an naturgebilden und am menschlichen oder thierischen körper über. dem verbum wächst hier eine sinnliche bedeutungsfärbung zu, die sich am ehesten mit der verbindung kint gewinnen (s. o.) berührt und die ebenso wie diese als secundäre entwicklung aufzufassen ist. an ein daz schœneste gras daz diu werlt ie gewan, dâ vuorte sî mich an. Iwein 335; ebenso Neidhart 24, 25 (der meie ... hât gewunnen loubes vil); vgl. K. v. Megenberg 348, 23 (die poum ... ê si loüber gewinnent); der nie gewan hâr noch den bart, den möhte man alsô sanfte roufen. Reinmar v. Zweter 201, 11 Roethe; ebenso 201, 6 (gevidere von der vledermûs); desgleichen (vederen) passional 88, 88 Köpke; K. v. Megenberg 166, 26; predigt bei Nicol. v. Landau 44 Zuchold; ebenso (flügel) K. v. Megenberg 186, 34; 299, 31; 301, 9; dô gwan er eine stimme, di was harte grimme, grôz unde freislîch, eines lewen stimme gelîch. Alexander, Straszb. handschr. 5397 (Basler handschr.: do rieff er also freissam); ähnlich (gewinnet ein ander stimm und verändert auch ir varb) K. v. Megenberg 221, 13; dô mêrte sich ir varwe, die si vor liebe gewan. Nib. 525, 4; vgl. Annolied 656 (die goltsteine ... gewinnit er in die variwe); Wilhelm v. Österreich 8751 (daʒ die bluomen ... roten schin gewunnen); der selben müle phlac ein man, der nie vleisch noch bein gewan. könig Tirol (rätselged. 16, 3) s. 20 Leitzmann; ebenso (vleisch oder vel) Daniel 775; (fleisch unde geist) 6992; (glieder) K. v. Megenberg 162, 23; in den sô kurzen zîten gewunnens wider ir lîp und wurden diu schœnsten wîp diu er ie mê gesach. Iwein 6851; dô begunde clagen diu edel küniginnedaz si ie gewan den lîp. Nib. 863, 3 (vgl. dagegen: daʒ si mir gewinnen doch den lip, ob er niht lebe. Wigalois 5590); ebenso 2073, 1; Daniel 536. 547; bruder Philipp Marienleben 359. so edels noch so gutes, so tugenthaftz so raines, so gesellichleichz so gemaines hertzen nie gewan ein leib. Suchenwirt 1, 59 Primisser s. 2a; vgl. auch leben gewinnen in 3)). I@3@a@g@33)) abstracta als object drängen die bedeutungskraft des verbums am weitesten zurück; doch gelten auch hiefür mannigfache abstufungen, vgl.: 'ich trîbez kurz ode lanc, sone weiz ich wiech ir minne iemer gewinne, wan daz ich zuo dem brunnen var und gieze dar und aber dar. gewinne ich kumber dâ von, sô bin ich kumbers wol gewon ... ir getete der kumber auch sô wê daz ich noch ir minne mit gewalt gewinne. Iwein 7794 ff.; 'frouwe, mîne sinne, di mir wârn entrunnen, die habt ir gewunnen wider in mîn herze. Parzival 580, 10; wie gar mîne sinne eins andern wîbes minne in ir gewalt gewunnen hât. Iwein 6805; er antwurt: du magst das wol nennen was dir ist zu mir zu sinne mein verdenken saltu nicht gewinne'. Joh. Rothe Elisabeth (13) bei Mencken, script. 2, 2056. I@3@a@g@3@aa)) je selbständiger und unabhängiger das object der verbalthätigkeit entgegengesetzt ist, um so mehr läszt sich an gewinnen noch die vorstellung einer besitzergreifung, einer erwerbung durchfühlen: si larten ime strîten und vermezzenlîchen rîten ... der liste di er von in gwan, der wart er ên vil vornême man. Alexander 199; die hulde mînes hêrren, die hilf mir gewinnen, du gotes gebêrerinne. Vorauer sündenklage 65 Waag u. a. s. Roediger zeitschr. f. d. a. 20, 264; ebenso (gotes hulde) anegenge 15, 32; Crescentia 79; Iwein 4047; Walther 81, 36; 84, 8; troj. krieg 27238; Thüring. spiel v. d. 10 jungfrauen 528; desgleichen (kuniges, fürsten hulde) Nibel. 1079, 3; Crescentia 27; ebenso (frouwen hulde) Iwein 1619. 5447; Daniel 1519. 5861 u. a. Daniels traumdeutungen 171 (seiner feinde hulde) ztsch. d. a. 48. dazu vgl. Jansen Enikel weltchron. 7084 (daʒ si mir huld gewinne wider den künic); 7124 (ob ich im mug hulde gewinnen umb sîn schulde); und dâ er mîne minnesô rîterlîch gewan, dô jach Sîfriter wære sküneges man. Nib. 764, 1; ebenso Iwein 7794; Nibel. 1158, 4 (herzenliebe); Parzival 439, 24 (des minne ich nie an mich gewan); Nibel. 783, 4 (dînen meituom); disir rede enzæme keinem man, wan der nie trôst von iu gewan. Parzival 292, 6; ebenso: alle ablâʒe ligent nider, man gelte dann und gebe wider. nâch gnâden und nâch minnen, sus sol man suone gewinnen. Freidank 150, 15 W. Grimm; Wilhelm v. Österreich 10211; Hesler apokalypse 21415; genau so Hätzlerin 2, 68, 191; ebenso (antlaʒ) anegenge 20, 54 Hahn; spec. eccles. 52; desgleichen (vride) Nibel. 2026, 4; Iwein 5385; Hesler apokalypse 16759; Joh. Rothe Düring. chron. 666; vgl. auch Parzival 72, 12 (an den er sicherheit gewan vgl. oben sp. 5931); Eneide 148, 5 (herberge); Iwein 1627 (der stat dâ gewan); dazu vgl. (urloub gewan) 130, 33; genesis 53, 12 Diemer; Nibel. 821, 1 (var.: namen); Parzival 523, 27 (vrîheit gewan); du hâst in einer reinekeit das hœhste lop gewunnen daz an die werlt ie wart geleit. lobgesang auf Maria 20, 10 Haupt; genau so Nibel. 877, 4; 1818, 8; 1882, 4; Freidank 61, 101; Eckenlied 98, 3 Zupitza; Tristan als mönch 609; ebenso armer Heinrich 72 (der werlte lop unde prîs); Parzival 830, 30 (prîs); Daniel 6661; Wilhelm v. Österreich 6292 (prises ruon); 6860 (lob und ruom); ebenso (rûm) genesis 22, 20 Diemer; Alexander 4801; wol erkand ich Aldrîânen:wan er was mîn man, lop unde michel êreer hie bî mir gewan. ich machte in ze ritterund gap im mîn golt. Nib. 1693, 2; desgleichen (êre gewinnen) kaiserchronik 4904; Nibel. 7, 4; 21, 4; 1270, 4; 1273, 4; Iwein 3970. 6607; 948 (var.: irwerben); Freidank 41, 14; 63, 11; 93, 11; Daniel 5974. 6265; Tristan als mönch 540; desgleichen (togent unt êre) Crescentia 36; Freidank 56, 26; ebenso (frumen und êre) Gottfried Tristan 2300; desgleichen (fromen) Alexander 4471. 2106. 1656. 485; Walther 19, 28; Friedrich v. Schwaben 4462; desgleichen (heil) Eneide 203, 17; Reinmar v. Zweter 178, 2; Jansen Enikel weltchron. 10918. 16916. 28888 (vgl. auch 19134 gewan der stein daʒ heil); Tristan als mönch 1270, vgl. 1315. 1333. 2024. 1780. dazu vgl. (sælde) Freidank 4, 18; sî sprach ... 'geselle, an dir ist tôt der aller tiureste man, der rîters namen ie gewan, von manheit und von milte'. Iwein 1456, ebenso 3038; genau so Nibel. 32, 4; Daniel 146. 1166; vgl. schon Heinr. v. Melk erinnerung 186 (der briesterlîchen namen ie gewan); vgl. auch (fürsten namen) Rud. v. Ems der gute Gerhard 556; (hette gewunnen ein kint mannes namen) pred. der Leipziger handschr., s. Schönbach 1, 34, vgl. oben sp. 5931; vgl. auch sîn recht gewinnen unter b); diu hôchgezît dô wertewol sibenzehn tage. ob künec ie deheiner,mit wârheit oder nâch sage, deheine groezer gewünne,daz ist uns gar verdeit. Nib. 208, 6 Zarncke (var. in A.); ebenso Iwein 37; Daniel 4381; Iwein 8147 (süeze zît); vgl. auch (lieben tag gewinnen) Iwein 6026. 1743; U. v. Lichtenstein frauendienst, 40. lied (kurzen tac); Eckenlied 127, 10 (niuwe naht); Iwein 6026 (vrist). vgl. aus der rechtssprache: dar ne werde ... ordeles vrist mit rechte gewunnen. sächs. lehnrecht 80, 1; der leste gewinnet es tag alsô lange. Sachsenspiegel 2, 12, 7 Weiske-Hildebrand. vgl. lengern tag irkrigen sp. 5926. I@3@a@g@3@bb)) viel weiter von der ursprünglichen bedeutung entfernt sich das verbum in verbindung mit solchen objecten, die nicht aus einem fremden lebenskreise herausgeholt, sondern aus der bethätigung des subjectes selbst entstehen. mitunter erscheinen die gleichen oder ähnliche nomina, wie sie in der ersten gruppe zu belegen waren, auch hier; doch in anderem zusammenhange: ob si die wâren minne in dem herzen sulen gewinnen. Heinrich v. Melk erinner. 203; ähnlich Freidank 135, 1; ich mane dich mit ganzem vlisz, sant Jakob an din minne die du ze got ie gewünne. K. Kistener Jakobsbrüder 502 Euling (vgl. dagegen oben sp. 5950: daʒ ich noch ir minne mit gewalt gewinne); swer diheine tugend sol gewinnen, der sal is in sîner juginde beginnen. Alexander 414; ebenso Daniel 8066; lobgesang auf Maria 28, 2 Haupt (kiusche), vgl. unten (triwe gewinnen). je mehr sich der substantivbegriff verallgemeinert und der abstraction zuneigt, um so mehr bedeutung und energie wird das verbum entfalten; je mehr das substantiv der individuellen bethätigung (dem nomen actionis) zustrebt, um so leerer wird der gehalt des verbums, das am ende nur noch einer syntaktischen function dient. deutlich wird dies an den verbindungen mit dem object leben, das als abstractum an die stelle des sinnlichen lîp tritt (vgl.daʒ er sînes lîbes macht wol widere gewan Iwein 6523, vgl. oben sp. 5950): ach unde wê mir, armez wîp, daz ich gewan mîn leben ie. Konr. v. Würzburg Alexius 1155; genau so Partonop. 14725; Sigenot (deutsches heldenb.) 2, 5; 13, 5; Heinrich v. Neustadt visio Philiberti 79; Daniel 4372; Jansen Enikel 7101; Reinmar v. Zweter (denke in dinen sinnen, wi dû gewinnest êwiclîcheʒ leben) 191, 3. vgl. dagegen die ausarbeitung des nomen actionis in Nibel. 643, 3 (darumbe gewan Hagene zorneclîcheʒ leben); C. v. Ammenhausen schachbuch 15540 (müelichs leben); Joh. Rothe Elisabeth (heiligs leben) 2, 2089 Mencken. I@3@a@g@3@b@aα)) abstufungen der verbalbedeutung in der richtung auf die function eines hülfsverbs: Adam inslîf, sîn sîti wart ingunnin, Evûn wart dannin bigunnin, beinis vesti wîb von man giwan. summa theologiae (denkmäler 13, 119); dô die andern daz gehôrtendaz ez in dûhte guot, dô wart ir michels mêredie trunken ouch daz bluot. dâ von gewan vil krefteir etlîches lîp. Nib. 2054, 3 (nach A), vgl. oben sp. 5931; genau so 100, 4; 589, 8; Erec 938; Parzival 518, 12; 573, 10; 654, 16; Jansen Enikel fürstenbuch 3481; Friedrich von Schwaben 2953; Nicolaus v. Landau 96 (vom wasser); ebenso (macht) Friedrich v. Schwaben 6244; Joh. Rothe Elisabeth 2, 2087 Mencken (von den fischen); (schwäre) Friedrich v. Schwaben 810; daz her dir den anderin schôn gebe unde mich selbe wille gesên, och her in sîme kunne ie gôter slachte gewunne. könig Rother 2082, ebenso 2112 (geslechte); ouwe! daz er ie erkos im ze friunde ein den man der nie deheine triuwe gewan. Wigalois 3691; ebenso Parzival 694, 10; ebenso Walther 115, 13; Friedrich v. Schwaben 5514 (lieb unnd trüw); ähnlich Daniel 3377 (belde); Heinr. Wittenweiler ring 4a, 22 (künew herczen). ebenso (zorn gewinnen) Alexander 491; Tundalus 355 Kraus; Parzival 272, 23; Daniel 3715; Hesler apokalypse 7725. vgl. auch Wigalois 10541 (hochvart); ungewöhnlich reich und vielseitig ist die verbindung mit muot belegt: und swer von wîbe ie muot gewan oder iemer wil gewinnen der trachte in sînen sinnen. Gottfried Tristan 1774; ebenso (hôhen muot) Walther 123, 16; Parzival 742, 5; Friedrich v. Schwaben 1556; C. v. Ammenhausen schachb. 18901 (hôchvertigen muot); Alexander 5693 (frôlîchen muot; var.: ward erfrwet sin muot); 4381 (freislîchen muot); 4518 (grimmigen muot); 2704 (manlîchen mût); 4586 (stâten mût); Iwein 7359 (rehten muot); armer Heinrich 1235 (niuwen muot); dazu vgl. (lewen mût) Alexander 1031; Eckenlied 120, 10; Daniel 1075; Sigenot 129 Schade; ähnlich Nibel. 2262, 1 (heldes muot); Erec 6947 (ritters muot); Iwein 2507 (schalclîchen muot; vgl. auch trûrigen, ringen muot, ungemüete, s. u.); ebenso (der nie nâch êren muot gewan) Iwein 3552; Daniel 1274; Friedrich v. Schwaben 2402 (muot nach der liebe strangen); Gottfried 10395 (uf solhe untât). endlich vgl. Alexander 2592 (ih ne gewan des nie deheinen mût, daʒ ih dir tête den tôt). ähnlich Iwein 6329; Daniel 4820; C. v. Ammenhausen schachb. 17703. ähnlich Tristan als mönch 25; daz ir ze manslahte iemer gewinnet ahte. Gottfried Tristan 10398; ebenso Iwein 8088. ganz ähnlich Daniel 6815 (willen). vgl. Nibel. 209, 4 (freislîchen sit); nie wart so wol sprechender man der ie von buochen sin gewan. Wernhers Maria 64 (fundgr. 2, 164); ebenso Wigalois 5885 (guoten sin); Stricker Daniel 6165 (sinne); ähnlich (gedanc, gedanke) 2340. 1073; kl. gedichte 4, 125; Wilhelm v. Österreich 2786; Wigalois 622 (gelouben); Rudolf v. Fenis (minnes. frühl. 80, 1: guoten wân); armer Heinrich 1118 (zwîvel); ebenso Tristan als mönch 1613; Barlaam 59, 6 (wîsheit): swaz ich fröiden zer werlde ie gewan, daz hât ir schœne und ir güete gemachet, und ir rôter munt, der sô lieplîchen lachet. Walther 110, 24; ebenso Nibel. 2023, 4; 294, 3; Jansen Enikel weltchron. 4864; Friedrich v. Schwaben 1565. 6650; Daniels traumdeutungen (zschr. f. d. alt. 48, 520); Laurin 2300 Schade; Nibel. 45, 4 (fröuden unde arebeit); dazu vgl. (wunne gewinnen) Alexander 5321; könig Rother 1922; ähnlich (gemach) Iwein 1783. 5466; weihnachtslied bei Weinhold 387 (kain rue gewan); eines hübschen ritters gewan ich künde. Kürenberg s. minnes. frühl. 7, 22; genau so Wigalois 7722. 5444; Nibel. 89, 4; 1255, 4; 449, 4; Iwein 7418; Parz. 240, 28; Ulrich v. Singenberg (Schweiz. minnes. 50); Rudolf v. Ems Willehalm 1502; Barlaam 26, 30; Daniel 6322. 5311. ähnlich Heinr. v. Morungen, s. minnes. frühl. 130, 5 (gewinne künde der vil grôʒen sünde); der verbannte könig 48a Leitzmann (ir sites); Walther 31, 11 (daʒ ich der trüge ie künde an in gewan); Parzival 516, 7 (gewinne küende, wieʒ umb ir herze stüende); ebenso Willehalm 324, 15; als enkan der gotes minnen niemant ursete gewinnen. Hesler apokalypse 31, 90, vgl. oben sp. 5931. I@3@a@g@3@b@bβ)) schon die letzten wendungen haben zum ausgesprochenen nomen actionis übergeleitet und das verbum gewinnen in der function eines bloszen hülfsverbs gezeigt, vgl. auch: Adam eruorht im harte do er got erhorte, truorichlichen er daz wort gewan, er sprach ... genesis u. exodus 15, 24 Diemer (vgl. später pfarrer von Kalenberg 1343 sein red gewan); ähnlich (deheine frage gewinne) Konrad v. Würzburg Engelhard 2121; der getriuwe hergeselle der kratzet unde beiz dan holz und erde, unz er gewan ein vil gerûme ûzvart. Iwein 6748; ebenso anegenge 15, 27 Hahn (wider vart); C. v. Ammenhausen schachb. 9084 (ûsgang); desgleichen (ende) Walther 121, 3; Nibel. 2224, 4: Rudolf v. Rotenburg (v. d. Hagen 1, 86b); Parzival 568, 15 (gewan daʒ krachen ende); Barlaam 1, 19 (dîn kraft gewinnet niemer ort); dazu vgl. Walther 78, 24 (der anegenge nie gewan); Rudof v. Ems Willehalm 8753 (gewunne schiffunge uber mer); Ottokar 31533 (die vordern reis); 3691 (râche); swer küssen hie ze mir gewinnen wil, der werbe ab ez mit fuoge und âne spil. Walther 111, 36; ebenso (das nachreiten gewinnen) Suchenwirt 28, 231; und wizzet daz ich nie gewan ze tuonne mit deheinem man den ich sô gerne erkande. Iwein 7425. hieran schlieszen sich auch wendungen, die der verbindung mit einem unpersönlichen subjecte entspringen: der Aventür anker haft nu erst gewinnet. Wilhelm v. Österreich 15354, ebenso Winsbeke 21, 7; den rock tailn unsers herren, der kain stuck noch kain nât nie gewan. K. v. Megenberg 218, 5. daz ez michel genuht gewan swaz er buwen began. Wernhers Maria 16 (Hoffmanns fundgr. 2, 151); die snider schroten manig cleit: da gewinnet ez ein underscheit. könig vom Odemwalde (6, 38 vom schaf) s. 60 Edw. Schröder; I@3@a@g@44)) wie weit der bedeutungsgehalt des verbums in solcher function eines hilfsverbums austrocknet, zeigt die verbindung von gewinnen mit objecten, die etwas widriges, eine einbusze, einen nachtheil kennzeichnen (zum althochd. vgl. sp. 5932); sie erreicht hier ihren höhepunkt: I@3@a@g@4@aa)) in einer reihe von solchen verbindungen wäre man versucht, eine nachwirkung der ursprünglichen bedeutung des grundverbums (got. winnan, pati) anzunehmen, wenn nicht die andern zeugnisse [vgl. zu erwerben sp. 5925, vgl. unten c))] auch hier secundäre entwicklung wahrscheinlich machten: ûf sîn ros er gespranc, ân ir allir danc reit er zô dem Strâge. ê er dar ubir quême, gwan er michil arbeit. Alexander 3176; genau so Eneide 190, 38; Iwein 5776; Tristan als mönch 1922; ähnlich (nôt gewinnen) Alexander 4348; Nibel. 2226, 3; 1045, 1; 15, 4; Iwein 4392. 7451; Parzival 740, 22; Rudolf v. Fenis (minnes. frühl. 83, 23); Wahsmuot v. Künzingen (1, 302b v. d. Hagen); Konrad v. Würzburg Engelhard 2125; turnei von Nantheiz 956; Daniel 4033; Sigenot 114; Tristan als mönch 86. 1240. vgl. lehrgedicht der Melker handschr. 21a Leitzmann; die marner alle jahen, daz si so groze swære nie halbe naht gewunnen: mir tet ir schrîen we. der Tannhäuser (13, 3) bei v. d. Hagen 2, 95a; ebenso Friedrich v. Schwaben 1082. 1256; Wilhelm v. Österreich 9379; Daniel 5917. I@3@a@g@4@bb)) das gleichedie wahrscheinlichkeit einer secundären entwicklunggilt auch für einige wendungen, die auf kampf und handgemenge weisen und damit zu der grundlage zurückführen, von der die bedeutung abzweigte: wan er mit der tobesuhte winnet, unz er den tôt gewinnet. die hochzeit 116 Waag s. 85; si truog in zeime nagele und hienc in an eine want. dô er si slâfes irte, minne si ime verbôt. jâ het er von ir krefte nâch gewunnen den tôt. Nib. 588, 4 (genomen); ebenso 1544, 4. dagegen vgl.: daz der tumbe spottere sinen tot von einem so guten man umb so kleine schulde gewan. der eigensinnige spötter bei Leitzmann lehrged. der Melker handschr. 7a; genau so Rudolf v. Ems Willehalm 1080; Turnûs der edel man dô her den grôzen slach gewan, den im tete Ênêas, und im der helm verscrôten was. Ennide 328, 4; wande dâ viel manic man, der nie wunde ne gwan von stiche noh von slage. Alexander 3319; ebenso graf Rudolf 23 W. Grimm; Nibel. 1993, 4 (var.); 'swer den wanc gewinnet under in zwaien, dem wil ich minnen aigen gefgen nimmer mere'. Wilhelm v. Österreich 8535; vgl. dazu: daʒ ich nit undank erstech. Widman histori Peter Lewen (Weimar. jahrb. 6, 425). I@3@a@g@4@cc)) denn die hauptmasse der einschlägigen belege führt deutlich auf feste verbindungen zurück, die oben schon nachgewiesen sind und dieoft mit leichten änderungendem ganzen eine bedeutungsrichtung geben, die der bedeutung des verbums an sich widerspricht: owê daz ich sô grimmen vîent ie gewan. Nib. 2230, 2; vgl. oben sp. 5942; ebenso schon genes. u. exodus 108, 7 Diemer; C. v. Ammenhausen 13585. desgleichen (ze vînde gewinnen) Nibel. 1903, 4; Seifried Helbling 8, 605; vgl. auch Ottokar 28856 (einen argen nâch gebûr an dem bischolf er gewan); vgl. dazu: svie to allen dingen gerne rechte sprict, he gewint dar mede manigen unwilligen man. des sal die vrome man sik getrosten durch got unde durch sine ere. dit buk wint ok manegen vient. sächs. lehnrecht 78, 3; vil hazzes er von in gewan. Parzival 297, 15; vgl. oben sp. 5950. 51; ebenso Rudolf v. Ems Willehalm 2958; Friedrich von Schwaben 234; Hesler apokalypse 22247; er sprach ... vüer ich verstolne ze vüezen von hinnen, des müese ich wol gewinnen laster und unêre. Iwein 1768; vgl. oben sp. 5950; ebenso (laster) 7453. 757; Friedrich v. Schwaben 5780 (lasters mal); Erec 58 (mâl); frauendienst 577, 1 (wandelmeil); Wilhelm v. Oesterreich 19023 (wandel); desgleichen (schande) Nibel. 304, 3; Iwein 7835. 2028. vgl. auch Daniel 2829 (unsite); Wigalois 1487 (valsch); 'owê mir dirre nôt' sprach ein wîp: 'der sumer wil zergân. des gewinne ich lîhte noch vor leide ein grâwez hâr'. Neidhart 44, 38; ähnlich Boner edelstein 100, 74 (totlich varwe); swenne er solich unkraft gewinnet von alder und von siecheit. das bild bei Leitzmann lehrged. der Melker handschr. 36b; ähnlich (krankheit) C. v. Ammenhausen 15918; ähnl. arzneibuch des Bartholomäus 133; sächs. weltchronik 76, 22 (da von gewan he de ruore); K. v. Megenberg 110, 20 (schwüren); so erblüejet sich mîn varwe als rôse an dorne tuot, und gewinnet mir das herze vil manegen trûrigen muot. minnes. frühl. 8, 23; vgl. oben sp. 5953; genau so Nibel. 1572, 2; 187, 4; ebenso Reinmar v. Zweter 52, 6 (swæren muot); St. Pauler predigten 66, 22 (ringen muot); Alexander 454 (ungemûte); frauendienst 561, 18 (valschen muot); C. v. Ammenhausen 17648; des gwan sîn here grôz vil michelen untrôst. Alexander 2559; ebenso 3338; anegenge 10, 47 Hahn (truobe); von ir vater landechom ir vil manic man, da von der kunic Ezelevil manigen iamer sit gewan. Nib. 1654, 4 (C.) Lachmann; ebenso 1849, 4; 1966, 2 (gewinnent mer zeklagene C); desgleichen (leid) Nibel. 1358, 2; 2246, 2; 2256, 1; 1155, 4; Wigalois 2474; Parzival 326, 27; Rudolf v. Ems Willehalm 4514; Wahsmuot (v. d. Hagen 1, 302a); Tristan als mönch 1751; Daniel 2244; K. Kistener Jacobsbrüder 1106 Euling; Sigenot 49 Schade; desgleichen (kumber) Iwein 5785. 7797; Parzival 367, 11; 634, 11; Konr. v. Würzburg 740; Hesler apokalypse 2712; Oswald v. Wolkenstein 96, 71 Schatz (verdriess); daz was ein frîer bûman der vil selten ie gewan dehein grôz ungemach. armer Heinrich 270; vgl. oben sp. 5953; manege riuwe gewinnet (var. schaden) der hazzet daz in minnet. Freidank 100, 10 W. Grimm; ebenso Winsbeke 66, 4; Friedrich v. Schwaben 3336; Hesler apokalypse 15484; J. Rothe passion 248. 1731; sî muose gewalt od vorhte hân: nu gewan sî vorhte von drô. Iwein 7709; ebenso Daniel 3593; ähnlich (angest) Eneide 194, 22; Nibel. 2048, 4; Stricker kl. gedichte 4, 122 Hahn; desgleichen (sorge) urstende bei Hahn 124, 8; Nibel. 419, 4; Jörg Wickram Albrechts Ovid 9, 9; Ottokar 953 (grûs); got weiʒ wol von himele,an Sîfrides tôt gewan ich nie schulde. Nib. 1037, 3; ebenso Iwein 8106; Tristan als mönch 1595. 1646. I@3@a@g@4@dd)) so verbindet sich gewinnen am ende gerade mit demjenigen substantiv, das neben gewinn als contrastbegriff beobachtet wurde, vgl. sp. 5888: der den grôzen scaden dâ gewan, daz was Alexander und sîne man. Alexander 4608; ebenso Heinr. v. Veldeke 129, 23 (var.); Iwein 7368; Wigalois 7422. 3221. 1172; Nibel. 2093, 1; 1935, 4; 2000, 3; 2008, 2; 210, 4; 236, 2 (var.); Parz. 656, 24; 664, 18; Willehalm 51, 8; Walther 120, 29; Reinmar v. Zweter 275, 12; 84, 6; C. v. Ammenhausen schachb. 9041; Barlaam 14, 21; Partonopier 3474; Daniel 5708. 6468; Friedrich v. Schwaben 1640; ich gewinn es schaden oder frommen. Tristan als mönch 914 Paul. I@3@a@g@55)) eigentlichen absoluten gebrauch hat die mittelhochdeutsche periode für den begriff der besitznahme kaum ausgebildet, immerhin hat sie eine reihe von wendungen entwickelt, die zum absoluten gebrauche überführen. hierher gehören verbindungen mit objecten allgemeinsten inhaltes, der durch pronominalformen nur angedeutet ist; unterliegen diese nun den verschiebungen zum adverbium und zur satzpartikel, so wird das object hier auf rein mechanischem wege verdrängt. I@3@a@g@5@aa)) entwicklungsgang bei indefiniten pronominalformen: er schupfte starke und drabte, daz er vil lutzel ûf gehabte, swaz er von dem orse kunde gewinnen alle stunde, unz er kam vur das palas. Heinrich v. d. Türlin krone 11099 Scholl; ebenso (so si meist ... gewinnen mahten) Lanzelet 2024; desgleichen Erec 815; der tôre sêre minnet swaz er mit nôt gewinnet, und swaz er sanfte möhte hân, daz lât er lîhte hine gân. Freidank 82, 27; ebenso Gudrun 940, 4; Iwein 5732; Alexius 751; pfaffe Amis 357; Jansen Enikel weltchronik 7097; erzähl. aus altd. handschr. 641, 24 Keller; wirt gib uns geleich frstuck reich ... du darft nit fragen der solt uns gewinnen (handschr. vil gewinnen)! gib iedem knappen ainen trappen. Hätzlerin 1, 91, 64; ebenso altd. pred. 1, 118 Schönbach; Ottokar 13175 (lutzel). it daz er drinne iht gewinnet, daz sîn senunge minnet. tochter Syon 2926; er was von dem hêrre und man, von dem sîn vater nie niht gewan. Gottfried Tristan 5626; er wirket niht vergebene, den man niht gewinnen siht. Daniel 8135; ähnlich 4254. I@3@a@g@5@bb)) demonstrativ- und personalpronomen: swelch künec der milte geben kan, sî gît im daz er nie gewan. Walther 17, 8; ebenso schon Alexander 7170; desgleichen Freidank 41, 27; Daniel 7115; ähnlich Hesler apokalypse 15455; der hæte daz daran gewunnen, man sprach, er wære entrunnen. Daniel 7115; ähnlich J. Rothe Elisabeth 2, 2090 Mencken; es ist ein ding, des menlich begert, so mans gewint, so ist es unwert. Boner edelstein 19, 2; Ammenhausen 17059; unz sie ez gewunnen alsô guot, daz man sie gerne werte. Daniel 6644; ähnlich Faernand v. Erfurt Heinrich u. Kunegunde 342. I@3@a@g@5@cc)) so liesze sich im folgenden die unterdrückung des objectes erklären: nû tuot als ich iuch bite: diu siben ros nemet ir nû ze gelte von mir. der wirt neig im an den fuoz. als ein man gewinnen muoz, sô wirt er herzenlîche frô. Erec 4020; anders bei der zusammenstellung mit verlieren, deren formelhafter charakter schon zur kürze drängt (vgl. oben sp. 5939): in hät unsælec getân aller sînen sælden wân: er hazzet daz er minnet, und vliuset so er gewinnet. Iwein 7074. I@3@bb) sonderformen der geschäfts- und verkehrssprache. I@3@b@aα) die rechtssprache: I@3@b@a@11)) schon aus dem rechtsstreite entspringen wendungen und verbindungen, die als untergrund der bedeutung einen wettkampf bloszlegen lassen und dann weiter zu allgemeineren begriffen überführen. je nach der art des objectes, mit dem sich gewinnen hiebei verbindet, ist mit den bedeutungen besiegen, überwinden, überführen, vor gericht fordern oder erstreiten, erwerben, herbeischaffen zu rechnen. für den eigentlichen rechtsstreit kommen hauptsächlich die verbindungen mit einem accusativ des objects in betracht. die kennzeichnung des gegenspielers im persönl. dativ gehört zu wenig der besonderen stilform der rechtssprache an, um hier erledigt zu werden (vgl. einem etwas angewinnen II, 1); das gleiche gilt für einzelne belege zum absoluten gebrauch, die alle auf anderweitig erörterte typen weisen: du gewinnest lichte, var. zu: din gewin lecht (an redeliken worden). richtsteig landr. cap. 4; zu gewinnene und zu verlisene. urk. v. 1332 Haltaus 713; ob es beschehe, daʒ du mit gerihte gewunnest und machtest daʒ men in vorbrande. R. Merswin v. d. zwei mannen 38 Lauchert; geworket unde gewunnen mit ordel unde mit rechte. Hameler urk. v. 1532 (quellen z. gesch. Niedersachsens 10, 543), s. auch II, 3. I@3@b@a@1@aa)) das object der person. I@3@b@a@1@a@aα)) zunächst kennzeichnet es den gegner, der im rechtsstreit, im proceszverfahren, überwunden wird: svene man vor gerihte scüldeget in sin antwerde, wert he ding vlüchtich, he is in der klage gewunnen. Sachsensp. landr. 2, 45 Homeyer; sve so ok begint to antwerdene, unde wirt ime en ding geleget mit ordelen, ne kumt he nicht vore, he is in der klage gewunnen. 2, 9 § 1. ganz ähnlich 3, 9 § 1; 3, 39 § 3; 2, 11 § 1; Kulmisches recht 3, 58; ebenso (her ist in der schulde gewunnen) 5, 63; sächs. lehnrecht 66, 4; gewinnet he in also mit dem eide, so sal he im leisten in deme dinge. Freiberger stadtrecht 1, 22; bekennen si des, daʒ he gesworen habe, als reht ist, so ist der dip gewunnen. irvellet aber he an dem eide ... so ist der dip genesen. 19, 13. vgl. auch 30, 5 (der in uf den heiligen gewunnen hat); nicht ne mut ok de vrone bode panden, he ne werde mit ordelen dar to gewunnen (var.: gewunden, vunden, gebracht odder gezwungen u. a.). Sachsenspiegel landr. 1, 53 § 3; do clagete der Romsch konig zu Ungern über den selben Schallaga Nicläs im lantrechten und er gewan in mit recht. Eberhard Windecke gesch. kaiser Sigismunds (200) 178 Altmann; do sü alsus etwie lange behuote worent und daʒ gemeine volke vaste uber sü ergrimmet worent ... die meistere und der rot ... woltent sü nüt verteilen an den dot, sü mohtent sü danne mit rehtem ürteil gewinnen, wande sü woltent nüt wider den trostbrief tuon, den die Juden hettent von der stat. Closener, s. d. städtechron. 8, 128. I@3@b@a@1@a@bβ)) da die älteren rechtsverhältnisse schon der einleitung eines proceszverfahrens mannigfache hindernisse in den weg legten, so galt der gegner vielfach als überwunden, wenn es überhaupt gelang, ihn rechtlich zu stellen. bei solcher auffassung wurde für die bedeutung von gewinnen ein anfangspunkt in der reihe der handlungen maszgebend, die das verbum sonst im endpunkt zusammenfaszt. gewinnen geht in die bedeutung vor gericht fordern über: wie man den vridebrechen gewinnen sal in einem andern gerichte. überschr. zum Sachsenspiegel landr. 2, 71 (Leipz. handschr.) Weiske u. Hildebrand; und also sul und mag ein ieclich man, in der vorgenanten stat zu Rabensburg vor dem gerichte seinen diep oder rouber ewigclichen gewinnen. privil. Karls IV. an Ravensburg 1354 bei Lünig reichsarchiv 14, 215b. dazu vgl.: zum erstenn were, das ein man bossheit gethon hette mit fursatz die an das geriecht gehorend der ein freischoff were, den solt man verpottn und gewunnen als recht ist; wer er aber kein freischopff, so mag man uber in riechtn on aller verpott. westphäl. gerichtsordn. v. 1547 bei Hahn 2, 608; dazu vgl. Haltaus 714. I@3@b@a@1@a@gγ)) im gegensatz dazu stehen typen einer bedeutungsverengerung, die von zielbestimmungen und noch häufiger von appellativen im object ausgeht: mit süsgedanen tügen ne mach aver neman den anderen nicht to geweren gewinnen (var. brencgen off g.). Sachsensp. landr. 3, 4 § 1; der muʒ iu selbe sweren unde den richter gewinnen. mac aber he nicht gesprechen, so muʒ sin wip sweren unde den richter gewinnen. Freiberger stadtrecht 30, 4; wint man ok burge binnen geloveden vrede. Sachsensp. landr. 3, 9 § 2 (gewinnet Leipz. handschr.). I@3@b@a@1@a@dδ)) aus dem rechtsverfahren zweigen auch verwendungen des verbums ab, die dem einfachen begriff der besitznahme zustreben: wirdet ein man irslagen, der ellende ist ... den sal der burgermeister laʒen ufheben unde der voit der sal in vorderen, alse recht ist, ab da wo nimant ist, der in gewinne mit dem eide. Freiberger stadtrecht 30, 1. auch in folgenden wendungen ist ein rechtsverfahren wol vorauszusetzen: ob man einen lamen man ze kampfe an sprichet, der nicht vormundes hat ... der rihter sol von des lamen mannes gute einen kemphen gewinnen. Schwabenspiegel cap. 62 Gengler; so schon Sachsenspiegel landr. 2, 20 § 2 (dat he dar vormunden mede gewinnen); item der ainem vorsprecher gewint ohne des richters erlaubnusz. österr. weisth. 6, 59 (Spital 16. jahrh.); ne mach die lame man ... sin recht to dun, he gewint to vormunden, sve't vor ine dun wille. Sachsensp. 1, 48 § 2, anders dagegen: eʒ sol auch der clager gewinnen den botten, der eʒ dem gebaure kunt tuo, der da beclagt ist. Nürnberger polizeiordnungen 20 Baader. auch die bedeutung herbeiholen, herbeischaffen (vgl. sp. 5946) kehrt in einer eigenartigen rechtsformel wieder: manschaft muoʒ der man wol auf die heiligen behalten der im der herre besaget selbe muʒ er aber die heiligen gewinnen. spiegel deutscher leute lehnr. § 177 Ficker s. 172; das gleiche schon Sachsenspiegel lehnr. 64, 2; zur sache vgl. R. Schroeder d. rechtsgesch.5 § 37 anm. 33. I@3@b@a@1@bb)) auch für die verbindung mit sächlichem object gelten die meisten der eben für das persönliche object festgestellten gliederungsgründe; einzelne gegensätze spitzen sich hier noch unverkennbarer zu. I@3@b@a@1@b@aα)) die verlegung des schwerpunktes auf das anfangsstadium statt auf den abschlusz des rechtsstreites (vgl. gewinnen = vor gericht fordern) wird in der verbindung eine klage gewinnen wirksam, die nicht so sehr der erstreitung des klageinhaltes, als dem anbringen der klage gilt: dise, di di erste klage haben gewunnen. Freiberger stadtrecht 27, 4; swer sich anders richet, danne hievor geschrieben ist, swatz schaden er darumbe jemanne tut, den sol er jm zwivalt gelten, und swatz schaden jm geschehen ist, der soll gar verloren sin, und sol nimmer deheine clage darnach gewinnen. kaiser Rudolfs erster reichsabschied 1287, erneuert 1291, bei Lehmann Speir. chron. 556a; vgl. Haltaus 714. ähnliches gilt auch von den verbindungen wergeld, schuld, busze gewinnen, die nicht so sehr auf den erwerb des klägers, als auf die entscheidung des richters zielen: uppe wene die klegere weregelt oder bute gewint vor gerichte, uppe den hevet ok de richtere sin gewedde, of he it vorderen wel. Sachsensp. landr. 3, 32 § 10; sächsisches lehnrecht 65, 6; ebenso richtsteig lehnrechts 27, 7; der so einen scheppen strofet uf der bank. her gewinet sine buse einen vierdung und der richter sin gewette. beschuldigit abir ein man einen schepphen so das orteil gevolget ist. so haben si gewunnen all ire busse und der richter sin gewette. Kulmisches recht 2, 3; ebenso 3, 71; ähnlich schon Sachsensp. landr. 2, 41 § 2; is aver he umme scult beklaget, die noch nicht up ine gewunnen n'is (var. gebracht, erzeuget). Sachsensp. landr. 3, 10 § 2; sweme man icht gelden sal, die mut is warden wente die sunne under gat, in sines selven hus oder in' me nesten hus des richters, dar dat gelt gewunnen is. 3, 40; ganz ähnlich 1, 65 § 4. dazu vgl.: ovir virtein nacht sal man scult gelden, de man vor gerichte gewint (var. nomet) 2, 5 § 2. je mehr sich diese bedeutung von gewinnen auf das formaledie anerkennung des rechtsansprucheseinschränkt, um so notwendiger werden neue ausdrucksmittel, die den praktischen erfolgdie ausführung des rechtsentscheideskennzeichnen. so finden wir in schweizerischen, elsässischen und bayrischen quellen viel gebraucht das compositum eingewinnen, die busse eingewinnen: und heissen ze stund ingewinnen fünf schilling ze buoss. Züricher stadtbücher 2, 121; vgl.helfen in gewinnen. Züricher richtebrief (s. oben sp. 5626); und sol der vogt dem kleger sin geltschulde und sin busse, und dem gotzshuss sin busse in gewünnen. weisthum v. Birmensdorf 1317 (Zürich), s. weisth. 1, 32; ebenso Züricher stadtbücher 1, 80; ebenso (1320 Unterelsasz) weisth. 1, 698; daʒ chain gastgeb oder purger chainem gast sein gelt eingewinn mit der stat rechten. Münchner stadtrecht art. 328 Auer; desgl. urkunde v. 1339 bei Schöpflin 2, 164. anders eingewinnen theil 3, sp. 191. I@3@b@a@1@b@bβ)) je abstracter das object, um so mehr tritt dieser unterschied zwischen formalem und materiellem erfolg zurück, um so schwieriger aber wird es auch, die bedeutungen erstreiten und erwerben auseinander zu halten. die verbindungen mit einem und demselben object neigen bald auf diese, bald auf jene seite, vgl.: nieman ne mach ene rechte gewere gewinnen mit lenunge oder mit sattunge noch mit aplatene an enes kindes gute. sächs. lehnrecht 26, 9 gegen: man ne sal niemane wisen von sime gude, dat her in geweren hevet, ime ne werde die gewere mit rechte afgewunnen. Sachsenspiegel 2, 70; — ebenso vgl.: der knecht gewinnt urtheil vom herrn, nicht der herr vom knechte. Immermann (gericht v. St. Petersburg 6, 2) 15, 349 Hempel; gegen: der het sich zuo seinem meister verdingt für 20 duckaten, er solt in leren in seiner kunst, das er auch an dem rechten künt reden, und wan er ein urteil gewinnen solt er im die 20 ducaten verfallen sein. J. Pauli schimpf u. ernst (cap. 119) 88 Österley;vgl. auch: nempt mug im recht gbinen an. Sterzinger spiele (Wiener neudr. 9); nu hab ich das recht gebunnen. ludus solat. bei Keller fastnachtspiele 1003; kummet ... darzuo, dasz er selbst unrecht gwünnet. Zwingli 2, 2, 3; gegen: das meister-, bürgerrecht gewinnen u. a. sp. 5962. — vgl.: ein fürsprecher, nach dem er vil handlung gewunnen. Bebels facetien deutsch G 3a; aber er gewan kein sach, seine sachen da er ret, die gewunnen alwegen unrecht. J. Pauli schimpf u. ernst 89; gegen: da gewan sein gesel ein sach vor im zuo schaffen. 90. auszerdem vgl.: si, das mich sin botschaft nit gön löss ... so gewin mir lenger züg, als mir ... uf morn ain rechtag gesetzt ist. (aus 1457) bei Steinhausen privatbriefe 1, 367; vgl. die rechtfertigung gewinnen. Ayrer histor. procesz (2, 6) 543; die instanz gewinnen. ebenda u. a. vgl. einen procesz gewinnen u. a. unter II, 2. I@3@b@a@1@b@gγ)) bei concreten objecten kommt die beziehung auf einen vorhergehenden rechtsstreit nur selten gegen die überwuchernde vorstellung der besitznahme auf: ist abir, daʒ ein uʒman ein pfert anvangit, der muʒ ... den selben eit sweren. ... so haben si daʒ pfert gewunnen. Freiberger stadtrecht 9, 3; war ein gast ... stirvet in der statt thuo Dorpmunde ... dar zolen dei neesten erven dat hervede unde gherade opboren, wan sei dat ghewinnet na der stades rechte. grosze stadtbuch v. Dortmund § 18 Frensdorff. I@3@b@a@22)) der begriff der besitznahme (gewinnen, erwerben) in der sichersten und sinnlichsten fassung wird vor allem von den geschäfts- und verkehrsformen der rechtssprache getragen. ergeben sich schon hieraus mancherlei beeinflussungen, so kommt noch in besonderem masze die einwirkung des formelhaften stils hinzu, die an unserem verbum in der gewohnheitsmäszigen verbindung mit haben und anderen die bedeutung des fortschrittes, des zuwachses entwickelt und steigert. die verbindung mit persönlichen objecten wird von dieser formel wenig berührt: sveder de man sone hevet eder se dar nach gewinnet. var. z. sächs. lehnrecht 31, 2 Homeyer; were auch sache, daʒ wir, unser ametman und unser dinere, di wir itzund han oder gewinnen, der vurgenanten unser stede unde burgere vigenden nemen kuhe, schaiffe oder phihe. urkunde von 1393 (vgl. Limburger chron. 145, 24 Wysz); allen unsern vitztumben, pflegern ... die wir ietzo haben oder furbas gewingen. urkunde v. 1431, monum. Boica 8, 276. um so reichlicher zweigen die entwicklungsformen von der verbindung mit sächlichem objecte ab. I@3@b@a@2@aa)) am vielseitigsten zeigt sich die verbindung gut (güter, land) gewinnen, bei der für einzelne verwendungen, die wir aus secundärer entwicklung erklären, wiederum mit der grundbedeutung von winnen abzurechnen ist. I@3@b@a@2@a@aα)) die breite masse der belege fällt in den oben gekennzeichneten rahmen der bedeutung erwerben im gegensatze zu besitzen: trit ein burgir adir ein andir man vor richter und vor scheppen in gehegit ding in uwir stat gerichte. und gebit und vorreicht sinem bruder und sinen geerbin allis das gut das her hat ader immer gewinnet. Kulmisches recht 4, 20; das vor und gestanden hat der ersame Lutke von der Nysse ... und reichte uff recht und redelich alle sine guter, di her hat adir immer gewint in dem Breslawuschin furstume. urk. v. 1389 bei Meitzen urk. schles. dörfer 35; quam in geheget ding und begavede Hanse, örme rechten werde, alle dat sie nuo het unmer mer gewint, it sie an varnder haue oder an welkeme guode dat sie und an gerade. 3. Hallisches schöppenbuch 584 Hertel 1, 277 und so auch in allen entsprechenden urkunden; zum bairisch-österr. vgl.: all ihr hueben die sie nun haben und hinfür gewinnen. (Spital 16. jahrh.) österr. weisth. 6, 54. I@3@b@a@2@a@bβ)) auch auszerhalb der formel behauptet sich diese vorstellung des zuwachses auf dem gebiete des familienrechts, worin sich gewinnen eng mit erringen berührt: stirbet ein man und leʒet eine vrowen ... unde leʒet erbe unde gut, daʒ si mit einander irerbeit unde gewonnen haben. Freiberger stadtrecht cap. 1 § 7 Ermisch; man unde wiif, dei echte lude weren und hedden eichte kindere to samene unde hedden gud gewunnen unde erworven. Dortmunder urtheilsbuch § 55 Frensdorff (Hans. geschichtsqu. 3, 122); dair ein mann hefft gehat twee offte dree echte frouwen, und bi einer jeder kinder gehat, und hefft dairmede guet gewunnen, de erste frouwe starvet, und leth kinder nae, de ander frouwe stervet oek, und leth kinder nae, und bi der moeder tiden guet gewunnen is ... so nemen de kinder van der ersten frouwen, und der andern frouwen, dat gewunnen guet tegen den vader, wat bi eines jeden tiden to gewunnen is. ostfries. landr. (2, 109) 409/410 v. Wicht u. a.; was ligende güter ist ... daʒ iedweder tail vor der ee gehebt hat, daʒ sol beleiben ... was sie baide mit ainander gebuwen oder gewunnen haben, es sîe ligents oder varents daʒ soll ... der frowenhalb den dritten tail haben. (Münsterthal 1427) österr. weisth. 4, 353; dasz ... zwai menschen ehlich zusammen verheirat wurden, die beide nichts hetten ... aber vil oder wenig guets, bei vnd mit ainander gewunnen, erübrigten und ersparten. Tiroler landtsordn. v. 1603 (3, 20) 41b; erkobern oder gewinnen ... de societate, quae est inter virum et uxorem, respectu conjugalis acquestus. C. Besold thesaur. pract. 320 Dietherr; wem das in währender ehe errungen und gewonnen gehoret. ebenda (aus Zorer); vgl. auch gewonnen (s. d.) und errungenschaft. I@3@b@a@2@a@gγ)) beachtenswert ist eine bedeutungsverengerung, die den allgemeinen begriff erwerben (vgl.: hefft de vader oek sülvest guet gewunnen eder gekofft. ostfries. landr. 417) betrifft, er nimmt die engere bedeutung an: rechtmässig erwerben (in gesetzmässiger form sich aneignen). der ausgangspunkt dieser entwicklung läszt sich noch in verbindungen des verbums mit entsprechenden bestimmungen nachweisen: ist des nicht, so gewinnet der erste cinsmeister die hovestat mit rechte. Freiberger stadtrecht 1, 24; so bite he iz uf unde gewinne iz, alse recht si. 1, 25; das pfert hat he rechte unde redeliche gekoufet mit siner wol gewunnenen habe. 9, 4. vgl. auch: den wol gewonnen, erworbnen und erkaufften gütern. Besold 320. in dieser entwicklung nimmt Westphalen wiederum die schon bei gewinn (s. o. sp. 5880) bemerkte ausnahmestellung ein, indem es das verbum für eine vorübergehende eigenthumsübertragung verwendet: die lehenrechtliche form, die später zur pacht überführt (gewinn = pacht, miethe) hat die verbindung zur hand gewinnen entwickelt, von der sich dann das verbum mit der neuen bedeutung ablöst: item wanner ein hoffsman sein hoeffsguid zur hand gewunnen ind geworven von dem herrn off scholtisz, so sall hie dem herrn off scholtisz ... einen eidt doen. hoffsrechte v. Eikel, s. Grimm weisth. 3, 36; hand gewinnen ist, wenn ein leibeigener verstorben, dasz der erbe des verstorbenen recht an sich lösen und bringen musz. Joh. Hier. Hermann jur. lex. 1 (1739), 480b; hierher gehört wol auch: hedde ein man to jarmalen land gewunnen unde hedde dat korn, dat dar oppe stonde, vort verkoft enen anderen manne. Dortmunder urtheilsbuch § 57 Frensdorff; und liesz den erbpächter dieser form wegen, alle acht oder zwölf jahr von neuem pachten; wie dieses die vielen colonate, welche alle zwölf jahr von neuem gewonnen werden müssen ... beweisen. Möser patriot. phant. (über die Osnabrück. zehnten) 4, 373. allgemein gilt gewinnen für die freie, auch in ihrer dauer grundsätzlich nicht beschränkte besitznahme: hier erwachsen ihm synonyma, die in die ältesten und einfachsten formen der landgewinnung, in die rodung und urbarmachung zurückweisen, die aber für die grundbedeutung unseres verbums nichts besagen: ungewunnen land sve dar over veret (var. tribet), it ne si en geheget (var. gewunnen) wese, die blift is ane wandel. Sachsenspiegel landr. 2, 47; sve so unrechten wech sleit over gewunnen (var. geeret, gearn, gevruchtet) land, vor iewelk rat sal he geven enen penning. 2, 27 § 4; ire guetter ... als nemlich das dorf ... mit allen gnaden, rechten ... mulen, mulsteten, wegen und stegen, gewunnen und ungewunnen. urk. v. 1538 bei Klinger dorf- u. baurenrechten 3, 177; dazu vgl.: gewinnen, sepire, claudere (erschlossen aus dem Sachsenspiegel). Scherz-Oberlin 1, 548; ein gewunnen wese, pratum septum; geheget wiset. ebenda. der zusammenhang, in den sich diese belege einfügen lieszen, rechtfertigt es, wenn wir alle diese wendungen mit samt der parallele gewinn, labor, die Haltaus erschlieszt (gewunnen gut, bona nostro labore acquisita), aus secundärer entwicklung erklären. auf winnen, laborare ist die letztere so wenig zurückzuführen als die formeln irerbeit unde gewunnen, gebuwen unde gewunnen; gewunnen. erübrigten und ersparten, s. o. I@3@b@a@2@bb)) nicht so häufig ist die formelhafte zusammenstellung von haben und gewinnen neben einem abstracten object, das einen besitztitel, einen rechtsanspruch kennzeichnet. I@3@b@a@2@b@aα)) also das wir ... itz, noch hinfür hintz dem benanten viertail aller seiner zugehörung, dhain ansprach, vordrung, eribschafft, noch rechten nimer mer haben, noch gewinnen sullen noch wellen in dhainer weis trewlich und ungeverlich. urkunde v. 1427, s. monum. Boica 4, 376; wann si darumb an aller stat alle ire recht behabt, gewunnen und erlangt habent, und wir gein in verloren. 337; wann ouch ein meister an einen gesellen, oder ein gesell an einen meister oder ein gesell an einen andern gesellen einicherlei ansproch gewinnet oder hat. Straszburger armbruster-ordnung v. 1465 Brucker 16; vgl. auch: ez soll auch kain burger briefe gewinnen, daz er niht rehtes halten sulle vor dem schulthaizen zu Nüremberg ... und swer der were, der der briefe, die also vor diesem gesetze gewunen sint, geniezen wolte und niht rehtes haben wolte vor dem schulthaizen, der muz geben an die stat dreizick pfunt haller. Nürnberger polizeiordnungen 20 Baader. I@3@b@a@2@b@bβ)) das si niemant geirret hat in kauf oder zu verkaufen nach ir notturft, damit si herrschaft dienst und ir forderung gewinnen mügen. (pfarröffn. v. Breitenbach) österr. weisth. 2, 124, ebenso (Liesfelden 1563) 3, 357; ist ouch, daz ein burger diz lantgerichte gewinnet oder wer es gewinnet, der muz schozzen oder wachen, zu dinge gen unde alles des rechtes pflegen, des ein ander man pfliget der stat zu rechte. Freiberger stadtrecht 233; darnach sol nieman mines herren knehte beklagen, wande vor ime, und mag ers im gebesseren, wol und gut, mag er deʒ nut, er sol ime den urloup geben, das er sin gerichte gewinne swa er muge. weisthum des Dinghofs zu Ebersheimmünster 1320 (Unterelsasz) weisth. 1, 672; daʒ der kunic zuo dem mâl füer gen Wîʒenburc zetal und ouch diu kuniginne. dâ sold er gewinne kuniges reht genzlich mit krônung und mit wîch. Ottokar österr. reimchron. 41200 Seemüller; die vrâgen in beguonden von âventiure mære. si sehent daʒ reht dâ wære, ze hove aʒ weder wîp noch man, ê der hof sîn reht gewan, âventiur sô werdeclîch. Parz. 648, 20; die schuworchten unde di gerewer haben ouch eine innunge mit einander hi in der stat, also daʒ nimant gerewen noch schuwerc wirken sal, he habe ir innunge gewunnen mit eime halbe pfunde; der geburn vumf schillinge den burgeren unde vumf schillinge den gewerken. unde welchis meistirs sun sin werc gewinnen wil, der gibet niwan vumf schillinge, di sint halp der burger unde halp der gewerken. Freiberger stadtrecht 248, ähnlich 241. 249. 250; der soll das werk von neuem zu gewinnen schuldig sein. neu - revidirte willkür der stadt Danzig (1761) 65; wer ouch frbaʒ me dehein zunft gewinnet hie zu Spire, der sol sweren zu den heiligen ze haltenne alles daʒ, daʒ dirre brief besaget, dem gezunftmeister, der danne ist in der gezunfte meister, die er gewonnen hat. urk. v. Speier v. 1327, s. z. f. gesch. Oberrh. 17, 43; das meisterrecht gewinnen, passer maître. Schwan 1, 746a, ebenso Hilpert 2, 1, 464c (to be made a freeman); keiner kann für groszjährig gelten, meisterrecht gewinnen, gewerbe treiben. F. L. Jahn (deutsch, volksth.) 1, 254; da vor mugent sü schürmen die burger sü jetzs sint, oder ander stett, da sü hie nach burgrecht gewinnen möchten, oder lantfriede, da sü inekhommen möchtent, oder darinne su danne werent. urk. v. Alpirspach 1364 bei Besold docum. rediviva ... Wirtemb. 158; man hat auch gesetzet, daʒ ein ieclich smideknecht, swie er genant ist, der meister hie werden wil, der sol vor burckreht gewinnen. Nürnberger polizeiordn. 159 Baader; anno domini 1564 den 18. tag octobris hat Veit Schaps bürgerrecht alhie zu Trautnaw gewunnen und balde das wachregister bekommen. Simon Hüttel chron. v. Trautenau 178 Schlesinger; das bürgerrecht gewinnen, jus civitatis adipisci. Stieler 2543; dasz die meinigen in dem gegenwärtigen augenblick das Frankfurter bürgerrecht gewinnen ist eigentlich nicht unumgänglich nothwendig. Göthe (an Schlosser, 26. okt. 1808) briefe 20, 190. vgl. auch II, 2. I@3@b@a@2@cc)) in einzelnen fällen greift diese formelhafte verbindung mit haben sogar in verbindungen ein, die das verbum der bloszen syntaktischen function zuführen: das wir ine und iren gewerken, die sie icz haben und noch zu ine komen mogen in kunftigen zitten, wie die dan namen han oder gewinnen ... etlich bergwerg ... verlihen wellen. urk. v. 1476 (s. zeitschr. f. gesch. d. Oberrh. 1, 45); genau so bergordnung v. Freiwaldau 1529, cod. Siles. 21, 9 u. a.; das man in der stat diheinin bu umbe diheinin vrevil noch diheine missehelle, die ieman widir den anderen hat odir hie nâh gewünnit, stOerin noch brechin sol mit gerichte noch ane gerichte. aufhebung der zünfte zu Ruffach 1306 (zeitschr. f. gesch. d. Oberrh. 18, 32, vgl. dazu: irrung oder stözz gewunnen. polizeiordn. von München v. 1370 Westenrieder 6, 164a; wo knechte oder knaben zweinge gewinnen mit iren meistern. Landauer urk. v. 1414; span gewinnen Basler urk. v. 1335, Straszburger urk. v. 1322; einunge gewinnen 1339 u. a.); was sach er fürbas zu handeln hab oder gewinne mit burgern oder burgerin zu Nüremberg oder den iren, daz er darumb recht nehme vor dem ... gerichte zu Nüremberg. Nürnberger polizeiordn. 25 Baader; und wer' es, daz sie etwas hie zu schigken oder zu schaffen hettent oder gewonnent. Landauer urk. v. 1450 (zeitschr. f. gesch. d. Oberrh. 17, 49); doch were das einer oder me mit einer closterfrown zu tun hette oder gewinne in spontzierens wise, der oder ... Straszburger verordn. v. 1480 Brucker 298. I@3@b@bβ) unter den eben beigebrachten zeugnissen fanden sich auch belege aus der bergmännischen sprache, die im urkunden- und geschäftsstil breiten raum einnimmt. eben diese berufssprache hat jedoch in ihrem technischen betriebe eigene gebrauchsformen des verbums entwickelt, die gelegentlich in einer und derselben verbindung in einen gegensatz zum rechtsausdruck treten. vgl. auch die buchungen sp. 5973. I@3@b@b@11)) die bergmännischen prägungen gehen zunächst von der gleichung gewinnen, bezwingen aus (vgl. im besondern oben sp. 5938; vgl. auch kobern theil 5, 1546), die sich in der beziehung auf zechen, erzstufen, erzgänge u. ähnl. weiter entwickelt: auch wo derstickt und ertrunken czechen sind. die kein rad noch gepl geweldigen kon, oder gewinnen. Schemnitzer bergr. § 6 Wenzel; es seindt alhie drei gebürge, darauf man bauet: eines der Gulden Esel genandt, darauf bricht viel erzt, sein fest oder hart, die muss man den mehrentheils mit feuer und groben gezeug gewinnen. Christoph Stepper gen. Kolling bericht über das bergwesen zu Reichenstein (c. 1509), s. cod. Silesiae 20, 158 (nr. 321); soll derselbig bischof gewar wern, was die Freidentalischen ertz, die mit zimblicher costumb pei genuegsamen holz und wasser zu gewingen sein, von gold, silber und kupfer halten. urk. v. 1538, s. cod. dipl. Silesiae 21, 68 (nr. 538); so ist der gang so vest, das man ihm mit keinem eisen mag zukommen unnd gewinnen, das selbig wirtt auszgehauwen. G. Agricola vom bergwerk (5: ferro tractari), deutsch v. Bechius 83; aber ein vesteren gang ... auch ein vesters ... gstein des hangenden, gwinnendt sie mitt sterckeren bergkeisen. 83; sie (die bergleut) sprachen: herr, ihr solt wol hoffen. wir haben ein harten fels antroffen, den können wir nicht bald gewinnen, des wassers ist auch ser viel drinnen, das müssen wir zum stollen füren, sonst wir gediegen ertz drein spüren. Rollenhagen froschmeuseler (1, 2, 14) 1, 113 Gödeke; wir gewältigten also an diesem bergk zwei jahr. und zum ersten kamen wir auff eine strecke, da wir nun den schacht auff 30. lachter gewonnen hatten. es waren solcher schächte 5 ... aufzeichnung Nicol. Staudes, s. Chr. Melzer bergkläufftige beschreibung v. Schneebergk (1684) 507; wann es aber auff der seiten ist, so zerschlagen sie es mit feusteln, wann aber etwan im fürsten bleibt, so gewinnen sie es mit schlägel und eisen. G. E. v. Löhneisz bericht v. bergwerken (1690) 56; wie die gänge und gesteine mit feuer gewonnen werden ... so nicht wohl möglich, wegen der veste, mit der hand und gezeug zu gewinnen. Balth. Röszler hell - polierter berg - bauspiegel 61a; ebenso 63b (anders: die verfahrne wände damit losz zu gewinnen, zu zersprengen und zerschlagen. 61a, vgl. oben sp. 5948; deme man mit eisernem gezeug nichts angewinnen kan. 75a. 75b u. a.); gewinnen (im bergbau) erbrechen. gut gestein gewinnen, ist gut gestein erbrechen. Jablonski 247b (erschlossen aus Abr. v. Schönberg berginformation); ebenso G. R. Lichtenstein entdeckte geheimnisse von bergwerken 71; in der mitte des durch sinkwerke zu gewinnenden grubenfeldes. Krause zeitschr. f. d. berg-hütten u. salinenwesen 4, 239; ist z. b. das deckgebirge sehr massig und deshalb schwer zu gewinnen. Ottiliae ebenda 8 B, 122; daher wird auf einem bergwerke mitunter jahrzehnte hindurch dasselbe flötz gegewonnen. 10 B, 25; gewinnen oder erobern, das abbauen ... nützlicher mineralien mittelst der bergarbeit, welche die erzgewinnung oder eroberung genannt wird. Scheuchenstuel idiot. d. österr. berg- u. hüttensprache 102; die grundelemente eines bergbaues bilden jene arbeiten, welche vorgenommen werden müssen, um das in seiner ursprünglichen gestalt anstehende 'gestein' zu brechen, zu zertrümmern, loszulösen, abzuhauen, oder wie der bergmann sagt, zu 'gewinnen'. Franz Rziha lehrb. der ges. tunnelbaukunst 1, 1. nicht immer läszt sich feststellen, ob dieser bergmännische begriff oder der allgemeinere rechtsausdruck (gewinnen, rechtsgültig erwerben) vorliegt, vgl.: wer erbestollen adir gemessene berge gewinnen wil, der sal si gebiten czu bestellen drie virczen tage czu kirchen unde czu strassen. deutsches Iglauer bergrecht (§ 9) 23 Zycha. der rechtsbegriff ist gesichert in: wo czwei lehen in krige ligent kegen ein ander, und gewinnet eines das ander mit dem perkmeister und mit den gesworn leuten. zusatz z. d. Iglauer bergr. 35 Zycha; wie man erbtaill mit clage sol gewinnen. Kuttenberger zusätze 37; von teill gewinnen an hespeln und an lehenschafften. ebenda. I@3@b@b@22)) mit änderung des objects verschiebt sich auch dieser engere begriff des verbums: das gestein und ertz wird unterschiedlich gewonnen. Balth. Röszler 60b; womit das gesteine weggehauen und das ertz gewonnen wird. ebenda; da die schiefern flözweis, die kobolte aber gangweis brechen ... so müssen iene mit streben, diese aber mit oertern und strossen gewonnen werden. F. L. Cancrin beschr. d. bergwerke in Hessen (1767) 69. schon das Schemnitzer bergrecht liesz dem oben ausgehobenen satze den weitern folgen: und wird das mit dem erbstollen gewunnen und weil er sein recht darczu haben, das ist alles das, das er gewinnet, und treugt und darczu onnemet ... das gibt man im darczu. § 6; ebenso: und was er gewinnet mit slegll und mit eisen ... das beheltt er mit dem rechten. § 8; wir haben in auch solich arbait gefreit, und freien in die auch wissentlich in crafft diz briefs, also was si oder ir jeder, darinne aerzt hauen oder gewinnen werden, das sullen si wechsel frei haben. bergfreiheiten v. Werdenfels (1477) bei Lori baier. bergr. 113b; und was auf solchem lengordt ertzt gewonnen wird, soll beider gewerckschaft zugut gehen. urk. v. 1529, s. cod. dipl. Silesiae 21, 1, ebenso 60 (urk. v. 1538); 64 (1538); so sie (die gewerken) ir erzt ohne der kunst hilf gewinnen möchten. (urk. v. 1533) 31; sover die golt silber und kupfer erzt in den ietzt empfangen grueben auf den Freidentalischen perkwercken dermassen zu gewingen, wie ich bericht wurd, vor augen sten und sovil golt silber und kupfer geben oder halten, als ich darin durch die klein prob befunden. urk. v. 1538 cod. dipl. Siles. 21, 63 (vgl. dagegen: was man ihm von einer huellen erz zu gewinnen giebt. Christoph Stepper cod. dipl. Siles. 20, 159); den bergmann musz man preisen, denn er ist preisenswert; er gewinnt gold, silber, stahl und eisen wohl aus der tiefen erd. bergreien bei Köhler alte bergmannslieder 19; vor der entdeckung des spanischen Amerika, brachten die ergiebigsten bergwerke in Europa, ... eine eben so grosze rente, als jetzt die reichsten peruanischen ... wenn auch das aus ihnen gewonnene silber an quantität weniger betrug (though the quantity of silver was much less). Garve übers. d. Adam Smith (1, 11) 1, 326; der bergwerkseigenthümer hat die ausschlieszliche befugnisz ... das in der verleihungsurkunde benannte mineral in seinem felde aufzusuchen und zu gewinnen. preusz. bergges. v. 1865 gesetzsamml. s. 707; zur abführung der gewonnenen soole. zeitschr. f. d. berg-, hütten- u. salinenwesen 4, 230; gewinnen (to get, breakabattre, atteindre) losarbeiten, überhaupt alles erlangen durch bergmännischen betrieb. Gätzschmann u. Gurlt bergm. ausdr. (1881) 45. in einigen fällen ist dieser engere bergmännische begriff erbeuten, fördern nicht sicher gegen den allgemeinen begriff des erwerbens abzugrenzen, unter dessen einflusz die eben besprochene bedeutungsverschiebung sicher begünstigt und beschleunigt wurde, vgl.: also vil er mit seinem stollen in der purger lehen uber sich hewit; und was er des geniessen oder gewinnen mak, das beheldet er ledicleich (ut quantum eo lucri habuerit). Iglauer stadthandfeste (§ 10) bei Zycha s. 5; nicht was eczlicher wachende mit seiner arbeit gewinnet, das das ein ander slafender und saumig ane redlikeit mit gewalt behalde ... (non ut quod quisque vigilans laboransque lucri invenerit). Iglauer ius regale montanorum (1, 2, § 1) 47 Zycha. I@3@b@b@33)) dem neueren bergmännischen stil ist eine wendung eigen, die an sich auf den allgemeinen begriff erwerben zurückgeführt werden könnte, die aber nach allem doch ansprechender aus dem engeren bergmännischen begriff abzuleiten ist: auch musz er (der bergmeister) darauf aufmerksam machen, dasz in abgebauten räumen, besonders bei rückwärts geführtem abbau, die zimmerung, soviel ohne gefahr möglich ist, unter aufsicht des steigers wieder gewonnen werde. Nassauische instr. f. d. bergbeamten v. 1857 (verordnungsbl. s. 54); wogegen bei der gewinnung des stempels vermittelst des treibfäustels der arbeiter während des schlagens eine kräftige bewegung nach dem zu gewinnenden stempel, also nach dem punkte hin macht, woselbst das zusammenstürzen des hangenden zu fürchten ist. Herold zeitschr. f. berg-, hütten- u. salinenwesen 3, 60; der zu gewinnende stempel ... wird von einem häuer hoch oben mit dem spiesse gehalten, um ihn beim fallen lenken zu können und von dem andern ... mit dem grossfäustel herausgeschlagen. V. Meitzen 5, 123. I@3@b@b@44)) für die erscheinungen des formelhaften stils, die die ältere bergmännischen sprache mit der rechtssprache theilt, vgl.: dis sin di bergrecht ... mit der stad unde der burger ingesigel, eim iczlichen bergmanne czu vorlisen undec zu gewinnen. überschr. d. dtsch. Iglauer bergr. 18. dazu vgl. auch zahlreiche zeugnisse für die abschwächung der verbalbedeutung zur bloszen syntaktischen function: so aber in solcher jarzeit die arbeit mit schacht eingehn, aber dergleichn einstecken gewunne, dardurch solch waschen vorhindert wurde, soll es an dieser zeit der freiheit nicht abgerechnet werden. bergordn. f. Freiwaldau (1529), s. cod. dipl. Silesiae 21, 8; gang führet einen kurzen strich, ist wenn er sich bald verliert, und nicht weit ins feld streicht ... gang gewinnet ein ander streichen, ist, wenn er aus seiner stunde fällt. Jablonski (1767) 1, 499a (fehlt 1721) (vgl. 2, 1500b gegen welchen theil der gang sein streichen hat). dazu vgl. so gewint sich der stain ze spalten, so gewint sich der stain klieben, wendungen, die Schmeller 22, 931 aus Münchner handschriften anführt und in denen er gewinnt durch beginnt ersetzen möchte. I@44) statistik. I@4@aa) die bibelübersetzung zeigt beim verbum ein ganz anderes bild als beim substantiv (vgl. oben sp. 5881 ff.). hatte Luther dort den gebrauch stark eingeschränkt und sich dabei in gegensatz gestellt zu den neigungen der neueren sprache, so dehnt er ihn beim verbum nach den verschiedensten richtungen aus. und da Luther selbst da, wo die neuere sprache zu ungunsten unseres verbums abweicht, mit seinen vorgängern treulich übereinstimmt (ganz vereinzelte ausnahmen s. u.), so ergiebt sich für ihn ein höhepunkt in der anwendung von gewinnen. I@4@a@aα) in den wendungen, die dem kampf erwachsen, läszt die neuere bibelübersetzung synonyma vordringen (so schon Eck, vor allem aber Kautzsch); hier übertrifft Luther in der bevorzugung von gewinnen auch seine vorgänger. I@4@a@a@11)) für die verbindung mit einem sächlichen objecte (gewinnen, erkämpfen, erobern) ist auch die ältere bibelübersetzung reich an belegen, die niederdeutsche version noch mehr als die hochdeutsche. Luther übertrifft beide. I@4@a@a@1@aa)) übereinstimmung mit der hochdeutschen älteren übersetzung: denn Pharao der könig in Egypten war erauff komen und hatte Gasar gewonnen und mit fewr verbrand. Luther 1 könige 9, 16 (gewan Eggesteyn, Koburger u. a.; wan Quentel, Arndes; hatt gewunnen Züricher bibel u. a.; nam ein Eck; hatte erobert Kautzsch); und wil sie wider fur diese stad bringen, und sollen wider sie streiten, und sie gewinnen, und mit fewr verbrennen. Luther Jeremia 34, 22 (gewinnen Eggesteyn, Koburger u. a.; winnen Quentel, Arndes; erobern Eck; einnehmen Kautzsch); ebenso (gewinnen Eck; erobern, einnehmen, nehmen Kautzsch) Josua 11, 29; Sacharja 14, 2; 1 könige 16, 187; Jeremia 32, 14; Jesaia 20, 1 [Dietenberger: einnam]; Daniel 11, 18 [Züricher bibel, Dietenberger: einnehmen]; Jeremia 38, 28 [gwunnen und angenommen Züricher bibel, Dietenberger]; 2 Samuel. 12, 26 [streit an die stad Eggesteyn; bestrit Dietenberger; stormden Quentel]; — desgleichen (einnehmen, nehmen Eck; erobern, erstürmen, in die gewalt bekommen Kautzsch) richter 1, 18; 2 chron. 32, 18; 17, 2; 2 Samuel. 5, 7 [nam Arndes]; Nehemia 9, 25 [genæmen Quentel, Arndes]; — desgl. (erobern Eck; einnehmen Kautzsch) Jeremia 38, 3; Josua 10, 32; 10, 1; 35; richter 1, 8; Jeremia 32, 28 [einnemen Züricher bibel, einnem und gewin Dietenberger]; ähnlich 1 chron. 12, 5 (Kautzsch: erstürmte); Josua 8, 21 (Kautzsch: besetzt hatte); — desgl. (erobern bei Eck und Kautzsch) richter 9, 45; 2 Samuel. 12, 27; 2 könige 12, 17; 17, 6; 18, 10; 2 chron. 12, 4; 15, 8; Josua 19, 47; — desgl. (einnehmen bei Eck und Kautzsch) 5 Mos. 2, 34; Josua 10, 28; 11, 10; Jeremia 37, 8; richter 1, 12; Baruch 1, 2; Jeremia 39, 1 [hier und im folgenden auch bei Dietenberger und in der Züricher bibel einnehmen]; 32, 3; Daniel 11, 15 [gewinnen Dietenberger]; Jesaia 36, 1 [zebestreiten Züricher bibel]. die fälle, in denen Luther hier zu ungunsten von gewinnen abweicht, sind anscheinend vereinzelt: dorumb Josue der gewan alles das birgig lande. Eggesteyn Josua 11, 16 (cepit; nam Luther); ebenso Judith 3, 6. I@4@a@a@1@bb)) Luther geht mit der niederdeutschen bibel über den hochdeutschen gebrauch hinaus: meist handelt es sich hier um die concurrenz mit fangen, das von den älteren oberdeutschen übersetzern auch in bezug auf sächliche objecte gebraucht wird, hier aber bald wieder zurücktritt: Judas hatte sieg und gewan die stad. Luther 1 Macc. 5, 8 (wan schon bei Quentel, Arndes, dagegen vieng die stat Eggesteyn, Koburger u. a. gewan bei den späteren, erobert Kautzsch), ebenso 5, 36; Josua 6, 20; 8, 19; 11, 12; Jeremia 48, 1. 41; 50, 2; 51, 31. 41. andere synonyma stehen hier seltener in concurrenz: gen Jerusalem, wider sie zu streiten, kundten sie aber nicht gewinnen. Luther Jesaia 7, 1 (verwinnen Quentel, Arndes; mochten ir nit derstreiten Eggesteyn u. a.); vgl. auch Judith 7, 10 (uberwinden Eggesteyn u. a.); 10, 14 (behalten); Habacuc 1, 10 (nemen). in einem fall trägt die hochdeutsche fassung dem bedürfnis der variation rechnung: so nim nu zuhauff das ubrige volck, und belagere die stadt und gewinne sie, auff das ich sie nicht gewinne, und ich den namen davon habe. also nam David alles volck zuhauffe, und zoch hin und streit wider Rabba und gewan sie. Luther 2 Sam. 12, 28 (bei Quentel, Arndes gewinnen, wan; dagegen vgl.: umbleg die statt und vach si ... daʒ ... die uberwindung werd zuogeschriben meim namen ... gewan si. Eggesteyn). zu der bedeutung erbeuten, die weder in der ersten, noch in dieser zweiten gruppe neben dem begriff erobern aufkommt, vgl.: das die Jüden in seinem lager gros gut, und viel wapen gewonnen. Luther 1 Macc. 6, 6 (ebenso Quentel, Arndes, genommen Eggesteyn, Koburger, abgenommen Kautzsch). I@4@a@a@1@cc)) Luther geht noch über die niederdeutsche bibel hinaus: in einigen fällen hatte die ältere version den text anders aufgefaszt (2 könige 16, 9; 4 Mos. 32, 39; richter 9, 50; 5 Mos. 3, 4), in andern synonyma bevorzugt (besitzen 1 Macc. 8, 3; begreifen 4 Mos. 32, 41; 2 könige 14, 7); in allen fällen hat der neue übersetzer (Kautzsch) erobern eingesetzt. an zwei stellen löst Luther ein substantiv in das verbum auf: wenn Babel gewonnen wird. Jeremia 50, 46 (ähnlich Kautzsch; captivitatis, geuangenschafft ältere bibel); ein gedültiger ist besser denn ein starcker, und der seines muts herr ist, denn der stedte gewinnet. sprüche Salom. 16, 32 Luther (expugnatore urbium, der streitter der stet Eggesteyn u. a.; ain stat stürmer Eck; ein städteeroberer Kautzsch). ebenso steht Luther in folgenden wendungen allein: erobert er ... die stad Joppe ... und gewan seinem volck mehr land. 1 Macc. 44, 16 (behielt daʒ reich Eggesteyn u. a., Arndes, Quentel, fürmeerete bei den nachfolgern); Judas gewan den raub. 1 Macc. 3, 12 (nehmen bei allen übersetzern, auch Kautzsch); ganz ähnlich 5 Mos. 2, 35 die ausbeute der stedte, die wir gewonnen). I@4@a@a@22)) für die verbindung mit einem persönlichen object (bezwingen, gefangen nehmen) gehen die ältere hochdeutsche und niederdeutsche bibel noch weiter auseinander. Luther stimmt auch hier mit der niederdeutschen zu gunsten von gewinnen überein, ja er übertrifft sie wiederum: und schlug sie von Kades Barnea an, bis gen Gasa, und das gantze land Gosen, bis gen Gibeon, und gewan alle diese könige mit jrem lande, auff ein mal, denn der herr der gott Israel streit fur Israel. Josua 10, 42 Luther (und gewan mit einer geche alles daʒ land Goʒen untz zuo Gabaon und verwuost alle die kúnige und ir gegent. Eggesteyn u. a.; gewan Quentel; wan Arndes u. a.; regiones ... cepit atque vastavit, nahm ein Kautzsch); darumb das du dich auff deine gebewe verlessest, und auff deine schetze soltu auch gewonnen werden, und Camos mus hinaus gefangen wegzihen, sampt seinen priestern und fürsten Jeremia 48, 7 Luther (u du wirst geuangen Eggesteyn u. a.; gewonnen werden Quentel, Eck; eingenommen werden Züricher bibel, Dietenberger und Kautzsch); ähnlich 2 könige 16, 5; 4 Mos. 21, 32 (gewannen ire töchter); zu den verwendungen, die noch über die niederdeutsche bibel hinausgehen, vgl.: also nam Josua alle dis land ein ... alle jre könige gewan er, und schlug sie, und tödtet sie. Josua 11, 17 Luther (vieng Eggesteyn u. a., auch Quentel, Arndes, ebenso Eck, bekam er in seine gewalt Kautzsch); ebenso 2 chron. 22, 9 (begreifen in var.); 28, 20 (weder stunt en in var.). I@4@a@a@33)) auch die übertragenen verwendungen, die an diese verbindung mit einem persönlichen object anknüpfen, finden bei Luther mehr pflege als bei den vorgängern. I@4@a@a@3@aa)) auch diese allerdings zeigen eine wendung, die unserem heutigen sprachgebrauch vertraut ist: jemanden (für sich) gewinnen. die übereinstimmung, die sich hier in seltenem grade durch die bibelübersetzung zieht, ist von der vorlage getragen: sundiget aber dein bruder an dir, so gehe hin, und straffe jn zwischen dir und jm alleine. höret er dich, so hastu deinen bruder gewonnen. Matth. 18, 15 Luther (ἐκέρδησας, gewonnen in allen übersetzungen vom cod. Tepl. ab bis auf Weizsäcker); ebenso Philipper 3, 8; 1 Petr. 3, 1 (hier bei Arndes, Quentel: werden bekeret); desgleichen: denn wiewol ich frei bin von jederman, hab ich doch mich selbs jederman zum knechte gemacht, auff das ich jrer viel gewinne. den Jüden bin ich worden als ein Jüde, auff das ich die Jüden gewinne. denen die unter dem gesetz sind, bin ich worden als unter dem gesetz, auff das ich die so unter dem gesetz sind gewinne. denen die on gesetz sind, bin ich als on gesetz worden, ... auff das ich die, so on gesetze sind, gewinne. den schwachen bin ich worden als ein schwacher, auff das ich die schwachen gewinne. ich bin jederman allerlei worden, auff das ich allenthalben ja etliche selig mache. 1 Corinth. 9, 12—22 (κερδήσω, κερδάνω ; bei allen übersetzern durchweg gewinnen). dazu vgl.: jeder lerne sich ein weib gewinnen. Luther 1 Thess. 4, 4 (ebenso Weizsäcker, während die übersetzer wörtlich der vorlage folgen, vgl. τὸ ἑαυτοῦ σκεῦος κτᾶσθαι). I@4@a@a@3@bb)) dagegen führt Luther die verbindung lieb gewinnen (vgl. sp. 5942) als erster in die bibelübersetzung ein, für ἀγαπεῖν, amare, diligere: und der könig gewan Esther lieb uber alle weiber, und sie fand gnade und barmhertzigkeit fur jm. Esther 2, 17 Luther (het si lieb Eggesteyn u. a., ähnlich Quentel, Arndes; hat sie mer lieb gehabt Eck; gewan lieb Züricher bibel und spätere, auch Kautzsch). ebenso 1 Mos. 24, 67; 29, 18; 2 Samuel. 13, 4; desgleichen (kreech hi ein wiiff leef Quentel) richter 16, 4; 2 Samuel. 13, 1; also kam David zu Saul, und dienete fur jm, und er gewan jn seer lieb und er ward sein waffentreger. 1 Samuel. 16, 21 Luther (hette in lieb Eggesteyn u. a.; krech Quentel; gewann spätere); ebenso (Quentel wie Eggesteyn) 1 Samuel. 18, 1; 1 Thess. 2, 8; denn Demas hat mich verlassen, und diese welt lieb gewonnen. Luther 2 Timoth. 4, 10 (lieb haben Eggesteyn u. a.; lieb gewinnen Züricher bibel und spätere). I@4@a@a@44)) selbständig hält sich Luther auch in anderen belegen für die erweiterung und verallgemeinerung der aus dem kampf erwachsenen verwendung. I@4@a@a@4@aa)) will er mit grosser macht mit mir rechten? er stelle sich nicht so gegen mir. sondern lege mirs gleich fur, so wil ich mein recht wol gewinnen. Hiob 23, 7 Luther (perveniat ad victoriam, zu der uberwindung. Eggesteyn u. a.; victorie Quentel; seyhe, sig Arndes, Eck; mein recht gewinnen Dietenberger, anders Kautzsch); ir seid begirig und erlangts damit nicht, ir hasset und neidet, und gewinnet da mit nichts, ir streitet und krieget, jr habt nicht, darumb das jr nicht bittet. Jacob. 4, 2 (οὐ δύνασθε ἐπὶ τυχεῖν; mugt nit gewinnen cod. Tepl. und die ganze Vorlutherische bibel; nichts erlangen Züricher bibel und Dietenberger nach einer variante Luthers, desgleichen Weizsäcker; nichzit auszrichten Emser, Eck). ähnlich Judith 3, 3 (schaden leiden bei anderen übersetzern); Syrach 11, 10. I@4@a@a@4@bb)) zum absoluten gebrauch (gewinnen, siegen, erfolg haben) läszt sich für die Vorlutherische bibelübersetzung die eben erwähnte variante zu Jacob. 4, 2 anführen, von Luther selbst gehört hierher: du bist mir zu starck gewest, und hast gewonnen, aber ich bin drüber zum spot worden teglich, und jederman verlachet mich. Jerem. 20, 7 Luther (u hast angesigt Eggesteyn; overhant gehalden Quentel, Arndes; obgelegen Eck; überwältigest mich Kautzsch); dazu vgl. auch: und die sonne gieng auff, und ward helle, und die elenden gewonnen, und brachten umb die stoltzen. stücke in Esther 7, 8 Luther. I@4@a@bβ) auch für die bedeutung erlangen, (durch arbeit) erwerben läszt Luther im gegensatze zu den vorgängern, die an der vorlage kleben, das verbum gewinnen in freien wendungen vordringen, die uns als solche auch in gleichzeitigen denkmälern begegnen. I@4@a@b@11)) die ältere übersetzung läszt gewinnen hier fast nur für lucrari (κερδάνειν) eintreten, also für den engeren begriff des geschäftlichen erwerbs: da gieng der hin, der fünff centner empfangen hatte, und handelte mit den selbigen und gewan andere fünff centner. Luther Matth. 25, 16 (bei allen übersetzern gewinnen); ebenso Luc. 19, 15; Matth. 25, 20; vgl. auch Syrach 42, 4 (bei Luther gewinnen, bei älteren übersetzern gewinnung); in einem fall weicht Luther hier zu ungunsten von gewinnen ab: herr dein pfund het zehen pfund erworben ... dein pfund hat fünff pfund getragen. Luc. 19, 16 ff. (προσηργάσατο ... ἐποίησεν, hat gewunnen, hat gemacht. cod. Tepl., Beheim u. a.; getragen, gemacht Weizsäcker). in den gleichen zusammenhang gehört nach der vorlage auch folgende bekannte stelle, in der gewinnen an sich auch als erobern (s. o.) gedeutet werden könnte: was hülffs den menschen, so er die gantze welt gewünne, und neme doch schaden an seiner seele? Matth. 16, 26 Luther (ebenso cod. Tepl. und alle anderen). die gleiche stelle gleichlautend Marc. 8, 36; Luc. 9, 25; ebenso bei Sebastian Lotzer 73 Goetze und Matthesius hochzeitpredigten 206 Loesche. I@4@a@b@22)) die fälle, in denen Luther hier gegen die vorgänger mit gewinnen vorschreitet, beruhen meist auf einer freieren übersetzung, aber gerade deshalb sind sie beachtenswert, um so mehr als Luther sichtlich den weitesten begriff des arbeitsertrags anstrebt: denn was sie mit jrer erbeit gewinnen mügen. Syrach 38, 39 (in operatione artis, werkung, werk bei den älteren übersetzern, betreibung ihres gewerbes Kautzsch); das. er wol zunam, und viel guts an seiner erbeit gewan. weish. Salomonis 10, 10 (complevit labores illius, danach die älteren übersetzer; machte reichlich den ertrag seiner arbeit Kautzsch); sie seen weitzen, aber disteln werden sie erndten, und was sie gewinnen, kompt jnen nicht zu nutz. Jeremia 12, 13 (hereditatem acceperunt, at non eis proderit); mit aller irer habe, die sie gewonnen hatten. 1 Mos. 12, 5 (quam possederunt). I@4@a@b@33)) einer bedeutsamen neuerung folgt Luther hier mit dem absoluten gebrauch, der auszerhalb der beziehungen auf kampf und spiel (vgl. oben sp. 5940) zunächst befremdet: wolan, die jr nu saget, heute oder morgen wöllen wir gehen in die oder die stad, und wöllen ein jar da ligen und hantieren und gewinnen, die jr nicht wisset, was morgen sein wird. Jacob. 4, 13 Luther (κερδήσομεν, lucrum faciamus, machten einen gewin cod. Tepl. und spätere; gewinnen, Emser, Eck, Dietenberger u. a.; gewinn machen Weizsäcker); wonet, und werbet und gewinnet drinnen. Luther 1 Mos. 34, 10 (possidete eam, besitzt es Eggesteyn u. a.; setzt euch fest darin Kautzsch); dazu vgl.: das dw solchs guts gerne mangelst umb gottis willen, zu unrecht vorterbt und zu schanden werdist fur der wellt, wie gotis wort auch leret: 'es sein zwei ding gut oder recht, bekennen und gewinnen'. dir ist gnug das bekentnisz, das du gut und recht habist, kanstu nit gewinnen, lasz got befolen seinn, dir ist befohlen zu bekennen, got hat ihm behalten das gewinnen. wil er, das du auch gewinnen solt, szo wirt er esz selber thun oder dir alszo furbringen on deinn gedancken, das du es must in die hand nehmen unnd gewinnen, auff die weisz du nimmer gedacht noch begeert hettist ... o solch ding solten alle fursten und ubirkeit wissen, die nit benugen am bekennen des rechten, szondern auch stracks gewinnen und obligen wollen on alle gottis furcht. Luther (das magnificat verdeutschet u. ausgelegt. 1521) 7, 582 Weimar. einen typus des absoluten gebrauches, der sich mehr mit andern berührt, zeigt die ältere bibel einmal in anlehnung an die vorlage, von der Luther hier abweicht: ein zeit zuogewinnen und ein zeit zeuerliesen. Eggesteyn prediger 3, 6 u. a. (tempus acquirendi et tempus perdendi; suchen, verlieren hat seine zeit. Luther) I@4@a@gγ) mit voller selbständigkeit steht Luther seinen vorgängern auch in der art und weise gegenüber, wie er die secundären entwicklungsformen der allgemeinen und übertragenen bedeutung erreichen, erlangen einführt. I@4@a@g@11)) kaum belegt allerdings ist die aus räumlicher anschauung erwachsene wendung, die den neueren stil so reich belebt. Luther hat sie nur in solchen fällen, die sich eng an gewinnen, erobern anlehnen: und sie jagten jm nach, und gewunnen die furt am Jordan ein, die gen Moab gehet, und liessen niemand hin uber gehen. richter 3, 28 Luther (occupaverunt, bekumerten, belachten, eingenommen Eggesteyn, Quentel, Eck; besetzten Kautzsch); vgl. eingewinnen theil 3, sp. 191; ein weiser gewinnet die stad der starcken, und störtzet jre macht durch jre sicherheit. sprüche Salom. 21, 22 Luther (civitatem ascendit, bei Eggesteyn und anderen bis auf Kautzsch steigen, ersteigen). I@4@a@g@22)) bevorzugt dagegen ist gewinnen neben objecten, die auf eine körperliche entwicklung, auf ein wachsthum deuten: an dem feigenbaum lernet ein gleichnis, wenn sein zweig jtzt safftig wird, und bletter gewinnet, so wisset jr, das der somer nahe ist. Matth. 24, 32 Luther (τὰ φύλλα ἐκφύη, die lauber geborn cod. Tepl. und spätere; sine twigere sint weke ende de loue iunck Quentel, Arndes; blätter gewinnet Emser, Eck, Dietenberger u. a.; blätter treibt Weizsäcker); ebenso Marc. 13, 28 (lauber entsprungen Zainer u. a.; auch Quentel, Arndes); das es zweige gewinne und früchte bringe. Hesekiel 17, 23 (erumpet in germen, auszbrechen Koburger u. a.; ähnlich Marc. 4, 32 (ποιεῖ κλάδους, macht groʒ este cod. Tepl.); der feigenbaum hat knoten gewonnen, die weinstöcke haben augen gewonnen. Luther hohes lied 2, 13 (protulit grossos ... dederunt; dem entsprechend die anderen übersetzer); ebenso 2, 15; 2 Mos. 9, 31. I@4@a@g@33)) ebenso liebt Luther auch die verbindung mit verbalsubstantiven, die das verbum zum hilfsverbum herabdrückt. I@4@a@g@3@aa)) da die Paulus sahe, dancket er gott, und gewan eine zuversicht. apostelgesch. 28, 15 Luther (ἔλαβε θάρσος, er enphieng den trost cod. Tepl. u. a.; gewan Emser, Eck u. a.; faszte vertrauen Weizsäcker); desgleichen Philipper 1, 14 (ἐν κυρίω πεπαθότας, di sich versachen an dem herren cod. Tepl. u. a.; getrawend Zainer und spätere; Emser, Eck u. a. wie Luther); das volck gewan ein hertz zu erbeiten. Luther Nehemia 4, 6 (provocatum est cor populi ad operandum, ward bewegt zewircken Eggesteyn u. a.; war voll eifer für die arbeit Kautzsch); und gewan einen grewel an seinem erbe. Luther psalm 106, 40 (abominatus est, leidizta sîn erbe Notker; vorsmete Trebnitzer psalmen; verachtet Koburger und andere; verabscheute Kautzsch). I@4@a@g@3@bb)) bis das Christus in euch eine gestalt gewinne. Luther Galat. 4, 19 (οὑμορφωθῇ, hier Emser, Eck, Dietenberger, Weizsäcker wie Luther); und das haus gewan einen grossen riss. Luther Luc. 6, 49 (ἐγένετο τὸ ῥῆγμα, entsprechend bei den übersetzern); ebenso Amos 6, 11; da aber Jonathas sahe, das er raum gewonnen hatte. 1 Macc. 12, 1 (quia tempus eum juvat); darumb gehets gar anders denn recht und kan kein rechte sach gewinnen. Habacuc 1, 4 (non pervenit usque ad finem); machet, das die versuchung so ein ende gewinne. 1 Cor. 10, 13 (tut ioch hilf in der versuchung cod. Tepl. u. a.). I@4@a@dδ) ablehnend zeigt sich Luther gegen die verbindung kinder gewinnen, die überhaupt in der bibelübersetzung rasch verdrängt wird: si gewan einen soen. Quentel 2 Samuel. 12, 24 (gebar Eggesteyn u. a., Luther und die späteren); vgl. auch: wie Adam und Eva kinder gewunnen. überschrift zu 1 Mos. 4 bei Koburger, Quentel. I@4@bb) was für die wörterbücher in bezug auf gewinn oben (sp. 5883) anzumerken war, gilt in gesteigertem grade auch vom verbum. die buchungen sind auch hier von einer lückenlosen überlieferung getragen, sprichwörtliche wendungen (s. unten I, 4, c), noch mehr aber die festen fügungen (s. II) in überraschender fülle verzeichnet. schon bei Maaler beansprucht das verbum eine ganze spalte (gegen 9 zeilen für das substantiv), und während Dasypodius im deutschlat. theil, ebenso Henisch, das substantiv eher breiter darstellen, verbraucht Adelung für das verbum (3 spalten gegen ¾) das vierfache. I@4@b@aα) umfassendere darstellungen, die den allgemeinen sprachgebrauch verzeichnen. I@4@b@a@11)) schon aus den lateinisch-deutschen vocabularien, die den bedeutungsgehalt nach der reihenfolge der lateinischen stichworte zersplittern, ist annähernd ein gesamtbild zu erzielen, vgl. expugnare Diefenbach 219a; usurpare 631b; sortiri 543c; lucrari 338a; acquirere 10b; nancisci 371c. die ältesten lateinisch-deutschen wörterbücher sind aber geradezu erschöpfend, so Cholinus-Frisius und das etwas spätere dictionarium des Frisius (v. 1556). wie zähe die beziehungen auf kampf und streit hier festgehalten sind, dafür zeugen die reichhaltigen buchungen unter expugnare, potiri (bello potiri), vincere, captare, bello cepi, conficere aliquem, palmam accipere; palmam adipisci, dare; praemium auferre; praemiari. für den begriff des erwerbs sind in den buchungen unter acquirere, consequi, profici, quaerere (facile victum quaerere, sein narung leichtlich gwünnen) die grenzen weiter gezogen (vgl. auch blanditiis agitur nihil, man gwünt nüt mit flattieren. Frisius 65b), aber der schwerpunkt liegt doch auf der engeren vorstellung des gelderwerbs, von der die fügungen für lucrari; lucri, lucrativum esse; mereari, merere, demerere (geld gewinnen, verdienen) beherrscht sind, vgl. auch: permagna pecunia ex ea re confici potest. es mag da ein grosz gAelt zewAegen bracht werden, es ist da wol zegewünnen, man mag da ein hüpsch gAeltle erschnappen. Frisius 290a. die weitere entwicklung, die unter dem einflusz der verbindung mit abstracten objecten steht, ist hier ebenfalls durch verschiedene typen vertreten, so die gunst, achtung, freundschaft, das herz eines andern gewinnen, die sowol unter conciliare, consequi, parere, als auch unter demereri und quaerere angeführt sind: vor allem aber kommen die wendungen zur geltung, die das verbum in seiner bedeutung bis zur bloszen syntaktischen function (eines hilfsverbs) herabdrücken, so vgl. unter capere (137): vires capere, stercke gewünnen (vgl.robur capere, stercke überkommen gegen gewünnen bei Frisius 185b), radicem capere, wurtzen gwünnen; capere rimas, ein spalt gwünnen, noxam capere, eine kranckheit gewünnen (kranckheit empfahen Frisius 185b); odium alicuius capere, einen zehassen gwünnen (einen hasz an einen werffen Frisius); ähnlich voluntatem erga aliquem suscipere, gunst und liebe gegen eim gwünnen. 839b; dazu vgl. auch unter agere: spalt gwünnen 67a; vgl. coliculum agere, stenglen oder stengel gwünnen, stirtzlen. Frisius 65b (das kraut stenglet oder stirtzlet Cholinus-Frisius 49b). dieser fülle stehen andere zeitgenössische buchungen mit bemerkenswerter zurückhaltung gegenüber. Dasypodius z. b., der sich im deutsch - lateinischen theil ganz auf den engeren begriff des gelderwerbs einschränkt, läszt gewinnen auch im lateinisch - deutschen theil nur für wenig verba eintreten, die über diesen kreis hinausgreifen. die beziehung auf kampf und sieg macht sich hier nur bei expugnare und praemiari geltend, dagegen begnügt er sich für vincere, potiri, capere, palmam auferre u. s. w. mit synonymen (gesigen, uberwinden, erobern, erlangen; vgl. dagegen: vinco, vici, uberwinden, gewinen. Aventin rudimenta grammatica). desgleichen giebt ihm der allgemeinere begriff erwerben nirgends anlasz, an gewinnen zu denken; er übersetzt acquirere, adipisci u. a. ausschlieszlich mit erlangen, uberkommen (vgl. dagegen: obtinirn, erwerben, erlangen, erhalten, gewinnen. Simon Rot L 4b) und geht auch bei capere, agere nicht auf die oben erwähnten allgemeinen verwendungen ein (vgl.: corporirn, ein leib werden, oder leibsgestalt gewinnen. Simon Rot E 2a). nur für lucrari, demerere, meritare liegt ihm gewinnen nahe. noch ausschlieszlicher wird für gewinnen die bedeutung auf den gelderwerb (lucrifacio, elucror, lucror u. a.) eingeschränkt bei Garth - König (bei König auch: profecto, gewinnen, ausrichten. 932a), Reyher theatr. rom. (hier auch: expugnare aliquem pecunia, einen durch geld gewinnen, bestechen. 2, 2451), Matthiae, Dentzler (hier sind übertragene verwendungen von lucrari durch gewinnen gedeckt). dazu vgl.: lucriren, gewinnen, gewinst suchen, wuchern, vortheil überkommen, z. e. ich werde nicht viel dabei lucriren. Sperander a la mode sprach der Teutschen (1727) 353a. vgl. auch Campe verdeutschungswb. 448a. einen umfassenderen kreis zieht Faber (1571), dem auch die verbindungen von palma und die verba vincere, superare anlasz geben, an gewinnen zu erinnern; bei ihm, wie auch den späteren, ist vor allem die formel gewonnen geben der träger dieser beziehungen auf kampf und sieg. vgl. Corvinus 445. 559. 898. 942b, vgl. auch Calvisius 927a, Comenius orbis pictus 279. I@4@b@a@22)) die deutsch - lateinischen verzeichnisse, bei denen aus der reihenfolge und aus der aufzählung selbst manches zu erschlieszen ist, setzen schon beim ältesten vocabular mit deutlicher bevorzugung des begriffes erwerben ein, an dem überwiegend die engere richtung auf geldinteressen betont ist. in diesen zusammenhang ist nunmehr auch der erfolg im spiel einbezogen, gegen den die beziehung auf kampf und sieg zurücktritt: gewinnen, consequi, emolimentari, lucrari vel requirere, nascisci, nancisci ... gnosci ... vendicare, requirere, oder bieten, vel usurpare, zu unrecht nemen, vel retinere, behalten ... lucrari ... sortiri sortiari ... loszen oder loszwerffen. vocab. theut. (1482) m 5 ff. dasz Dasypodius 50 jahre später sich ganz auf den gelderwerb einschränkt, ist schon erwähnt (lucrari, lucrifacere, merere, emereri); dazu vgl. die einseitigen angaben bei Decimator (1580) V 8d; Kilian (1599) 147a (hier auf die verbindung kinder gewinnen bezug genommen, s. u.); Schönsleder (1647) V 5b (mit verweis auf das umfassendere uberkommen); und C. Seidel (1650). andere darsteller halten sich bei der begriffsbestimmung des verbums in den gleichen engen grenzen; mit den belegen aber, die sie von andern überkommen oder sonst wie beibringen, erweitern sie den bedeutungsumfang, so schon Maaler (s. 180a. 201d). für kampf und sieg bringt er den preisz gewünnen (den sig darvon bringen, das hälme erlangen, palmam ferre) und mehrere wendungen bei, die sich auf den rechtsstreit beziehen: rächtshandel gewünnen, mit dem rächt und urteil gewünnen. aber zu praemiari, gwünnen giebt er eine neue deutung: mit arbeit erlangen 201d. andererseits trägt er dem weiteren begriff erwerben mannigfach rechnung, so in der verbindung mit persönlichem object (einen gewünnen und zuo einem fründ machen) und in formen, die vom sächlichen object ausgehen: sein kosten oder narung gewünnen, einsi gunst und fründschafft gewünnen, die beide mehrfach variiert sind, dazu vgl. auch ein stercken gewünnen oder überkommen. noch weiter geht hier Erasmus Alberus, der neben der bedeutung von expugnare (ich gewinn den sturm; nicostratia, ein heer dasz gewunnen hat u. a.) für den begriff erwerben nur die allgemeineren formen berücksichtigt (lieb gewinnen, conciliare; wurtzeln gewinnen, farbe gewinnen). die bedeutung von sortiri kommt ihm in anderem zusammenhang, beim würfel in erinnerung (wer ... Canem warff, der must einsetzen, wer Venerem warff, der gewan alles. Y 2b). bei Henisch, der vor allem die sprichwörtlichen redensarten zusammenträgt, ist unter den angaben der erfolg im kampfe am stärksten betont: gewinnen, erobern, überkriegen, vincere expugnare. 1599; gewunnen haben, palmam ferre, hastam adjicere, victorem esse, manum tollere. 1609; doch wird auch der allgemeine begriff des erwerbens gekennzeichnet: gewinnen, nancisci, acquirere. 1599. unter den entwicklungsformen, die von hier ausgehen, ist entsprechend der älteren buchung Kilians (ghewinnen, gignere, generare, suscipere libros. 147a; vgl. dagegen: quaerere libros, kind ze úberkummen. Cholinus-Frisius 721b) auch auf die verbindung kinder gewinnen bezug genommen, deren unter den späteren erst Adelung wieder erwähnung thut. nach Henisch wird der gegensatz zwischen begriffsbestimmung und gebrauchsfeststellung immer wieder aufgenommen: Stieler rückt übereinstimmend mit Emmel (silva quinquel. N 2d, ähnlich Kirsch 2, 151b; Matthiae 2, 181b; Hederich 1, 424b) die bedeutungen lucrari, lucrificare, quaestus facere in den vordergrund und läszt vincere, superare erst an zweiter stelle folgen. 2544. unter den formelhaften verbindungen, die er aufzählt, macht sich vincere, superare ganz anders geltend, vgl.: es hat keiner gewonnen (aequo Marte discesserunt); wette, im wettlaufen gewinnen, mit dem schwerte gewinnen. daneben sind gelt gewinnen; bürgerrecht, gunst, zeit, anfang, ausgang gewinnen angemerkt. noch deutlicher wird der gegensatz bei Steinbach, der sich für das erste ganz auf die bedeutung gelderwerb einschränkt, während er unter den wortverbindungen auch lieb gewinnen, im kampf, im spiel gewinnen berücksichtigt und unter den übertragungen die von Stieler beigebrachten durch glanz gewinnen, ein loch gewinnen erweitert. bei Aler nimmt die bedeutung vincere auch in der begriffsbestimmung den ersten platz ein (gewinnen, siegen, alium vincere, victoriam consequi, reportare, superiorem discedere, causam obtinere. 1, 937), und ihm schlieszt sich Frisch an (2, 450), der gewinnen auch etymologisch mit vincere zusammenbringt. er stellt die verbindungen schlacht, spiel, procesz gewinnen voran, fertigt den engeren begriff des gelderwerbs kurz ab und zieht um verbindungen wie ausgang gewinnen den weiteren kreis des begriffes bekommen, aus dem er auch den bergmännischen gebrauch von gewinnen ableitet. Adelung, der (2, 658 ff.) die fülle der einschlägigen verbindungen aus neueren und älteren quellen in überraschender vollständigkeit zusammenträgt, läszt sich durch die verschiedenartigkeit der verwendungen zu gewagten etymologischen deutungen verleiten. bei verbindungen wie den berg gewinnen u. a. schweben ihm lat. venire, deutsch bewegen, beginnen, wanken vor, die ihn zu kommen, bekommen weiter leiten. bei anderen verbindungen wie schmerz gewinnen denkt er an verwinden und pein, während er durch die zahlreichen neutralen verwendungen auf finden, invenire geführt wird. auch die gliederung der verbindungen ist durch diese irrthümer natürlich verwirrt, sie bedeutet einen rückschritt gegen die vorgänger. als charakteristisch läszt sich aus der reihenfolge die neigung entnehmen, die auf spätester entwicklungsstufe stehenden bedeutungen als allgemeinste begriffe voranzustellen und die dem verbum eigenen grundbedeutungen als ausnahmen und vereinzelte spielarten am schlusse folgen zu lassen. im gegensatz zu Adelungs etwas äuszerlicher zusammenstellung ist an Campe (2, 364b) das bestreben einer inneren erfassung des thatsachenbestandes zu rühmen, bei ihm kommt zum ersten male die abhängigkeit des erfolgs vom glück und zufall grundsätzlich zur geltung. I@4@b@a@33)) unter den parallelen, die die neueren fremdsprachlichen wörterbücher beibringen, überrascht die weitgehende übereinstimmung und die vielseitigkeit, mit der einzelne fremde verba, die aus anderen wortstämmen abzweigen, den verbindungen von gewinnen sich anschmiegen. falls auch nur im groszen und ganzen eine selbständigkeit der entwicklung vorliegt (auf deutscher seite spricht nichts dagegen), haben wir es hier mit einer erscheinung zu thun, deren ergebnisse auf die bedeutungsgeschichte von gewinnen allein sich nicht beschränken. die vorstellungsgruppe. von der das franz. gagner, ital. guadagnare, abzweigt, und die, zu der engl. gain gehört, wurzeln ebenso, wie wir es für gewinnen annehmen, in begehrlichkeit, raub, beute. wenn auf beiden seiten auf verschiedenen wegen die gleichen formen sich entwickelt haben sollten, so lägen hier anhaltspunkte vor, die gesetzmäszigkeit der bedeutungsentwicklung in einzelheiten festzulegen. I@4@b@a@3@aa)) am nächsten berührt sich gagner mit gewinnen: gaigner, vaincre, surmonter, gewinnen oder überwinden. Duez dict. gall.-germ.-lat. 461a; dazu vgl. 461b; die oberhand gewinnen, gagner le dessus. Rondeau 2, Uu 3d; ihr müszt das über euch zu gewinnen suchen, tâchez de gagner cela sur vous. Schwan (1783) 1, 746b; gaigner ou gagner, gewinnen, lucrari. Duez 461a; er hat zwei hundert pistolen gewonnen, il a gagné deux cents pistoles. Schwan 1, 746a; vgl. gewinnen, gagner, profiter. Rondeau 2, Uu 3c; gewinnen, gagner prospérer. Frisch nouveau dict. des passagers 2, 279; gaigner, acquerir, gewinnen, erwerben. Duez 461a; ablasz gewinnen, gagner les indulgences. Schwan 1, 746b; es ist schon gut, wir müssen das dorf zu gewinnen suchen, gagnons de village 1, 746a; das freie feld gewinnen, gagner la plaine. Rondeau 2, Uu 3d, ebenso Schwan 1, 746a; ebenso den wind, die herberge, raum gewinnen bei Rondeau und Schwan. dem gegenüber scheint das ital. guadagnare nur für die engere fassung von erwerben angezogen zu sein: gewinnen, guadagnare, acquistare, consequire, far guadagno. Hulsius (1605) 63a; ebenso (1616) 138b (durch gewinn uberkomen erweitert); gewinnen, bekommen, guadagnare, ricevere, avanzare, gagner recevoir, avancer. Rädlein 1, 383b; gewinnen, abgewinnen, guadagnare, profitare, gagner. ebenda; gewinnen, nutzen schaffen, was vor sich bringen, guadagnare, avanzer. ebenda. I@4@b@a@3@bb)) dem englischen gain stand zur vollen entwicklung von vornherein die concurrenz mit win im wege, das die beziehungen auf kampf und spiel sich kaum entreiszen liesz. wie weit sich gain und win gegen einander abgrenzen, das läszt sich aus den belegen, die beide zusammenstellen, kaum ersehen. eher erzielt man für gain ein bild aus den zusammenhängen, in die es für sich allein, ohne win, tritt. vgl.: gewinnen, to gain, win, get, carry, obtain. gewinnen (etwas), to gain, win, get, carry, obtain or acquire something. teutsch-engl. lex. 2 (1760), 773; gewinnen, to win, gain, get, acquire. gewinner, a winner, gainer. Th. Arnold 2, 427. gegen: gewinnen, to get, gain, to obtain to acquire. Hilpert 2, 1, 464b; was gewinnen wir dadurch, what shall we get or gain by it. 465a; er hat im handel viel gewonnen, he has gained much by trade. 464c; gewinnen, to gain, to profit. ebenda; er hat dabei gewonnen, was a gainer. ebenda (aber: bei einem gewinnen, to gain or win any ones good graces. 465a); die gute sache kann dadurch nur gewinnen, can only gain by it. ebenda; reach or gain the village. 464c; gewinnen, reach, get, come to, arrive at, gain. ebenda; ablasz gewinnen, gain or get indulgence. ebenda. I@4@b@a@3@cc)) auszerhalb dieser bedeutungsgruppe sind nur wenige fremdsprachliche parallelen verzeichnet: acquérir ... gewinnen. Duez 10a; acquester, amasser des biens, gut erwerben ... sammeln, gewinnen. 10b; gewinnen, signifie aussi, obtenir, remporter quelque chose que l'on désire. Schwan 1, 746a; vgl. ebendort auch exploiter, ouvrir, tirer ebenda aus der bergmannssprache, s. sp. 5973; etwas über sich gewinnen, ... to prevail on ones selve. Hilpert 2, 1, 465a; etwas über einen gewinnen, to prevail upon any one. ebenda; gewonnen haben, to have the advantage or the better; er gewinnt bei diesem handel, this bargain is advantageous to him. 464c; an etwas gewinnen, to obtain or increase. 465a; er hat seit kurzem sehr gewonnen, he has much improved; an einflusz gewinnen, to obtain greater influence; gewinnen, to come into a certain state. ebenda; wir konnten die höhe nicht gewinnen, get or reach the hill. teutsch-engl. lex. 2 (1716), 773. I@4@b@bβ) auch die specialwörterbücher, die dem substantiv gegenüber sehr spröde sind, haben dem verbum besondere und mannigfaltige beachtung geschenkt. I@4@b@b@11)) die sprachrichter hatten sich vor allem mit der fülle der festen verbindungen auseinanderzusetzen, die in den buchungen um so mehr anschwoll, je mehr die älteren denkmäler mit ihren fügungen ausgebeutet wurden. die notwendige kritische sonderung liesz es freilich oft an beobachtungsgabe fehlen, so dasz sie nicht nur aussterbende, sondern auch lebenskräftige wendungen traf: gewinnen für erhalten oder erlangen ist nicht in allen und jeden redensarten zu gebrauchen. z. b. gute schriftsteller sagen so leicht nicht die oberhand gewinnen, ob es gleich zuweilen vorkömmt. ablasz gewinnen, einen zum gevatter gewinnen sind oberdeutsch. eine stadt mit sturm gewinnen, löcher oder spalten gewinnen, stärke gewinnen, ähren gewinnen, blätter gewinnen, sind veraltet, obgleich einige davon noch in der höhern schreibart statt finden. auch veralten folgende: ein ansehen gewinnen, eine andere gestalt gewinnen, es gewinnt den anschein, fortgang gewinnen, einen anfang, ein ende, einen zuwachs gewinnen. die kunst gewann in verschiedenen gegenden verschiedene namen. Heynatz Antibarbarus 2, 56 f. vgl. auch: gewinnen, ein ansehen, eine andere gestalt, einen anfang, fortgang, ein ende, einen anschein; — fängt an, zu veralten. Rumpf wb. z. reinigung d. sprach- u. schreibart 138. I@4@b@b@22)) einen reichen ertrag an festen wendungen haben auch die wörterbücher der berufssprachen zu verzeichnen, wie sich schon oben (sp. 5957 f.) vermuten liesz: gewinnen, heisset, wenn man von den feld- und gartenfrüchten redet, soviel, als einerndten oder einsammlen. allgem. öconom. lex. (1731) 829; gewinnen, lat. lucrari, frantz. gagner, oder profiter, heist von einer sache einen gewinst oder nutzen haben. es wird aber dieses wort hauptsächlich von dem vermögen gesagt, welches durch die handlung erworben wird. z. b. dieser kauffmann hat 100 000 thaler in 2 jahren gewonnen; ich habe 100 pro cent an meinen waaren gewonnen; dieser mann verstehet den handel nicht; er verliehret mehr dabei, als er gewinnet etc. Chomel 4, 1061; vgl. auch 1, 493; 1, 430; sub verbo gewinnen intelligi etiam ea quae per successionem et universitatem nobis obveniunt. C. Besold thesaur. pract., hrsg. v. Speidel 353a; gewinnen heisset auch, was durch erbfall auf jemanden gekommen ist. Chomel 4, 1061; gewinnen, acquirere, consequi, obtinere, nancisci, studio, labore, pecunia, precibus, iure ac legibus, bonorum fortuna. Haltaus 714. gewinnen, erhalten, bekommen: gewint der richter hincz einem gawmanz oder ain auzmanz icht zu sprechen. Westenrieder 206. am ausgiebigstenauch in allgemeinen wörterbüchernist der bergmännische gebrauch berücksichtigt (vgl. sp. 5962 f.): gewinnen ist so viel als erbrechen. Ch. Herttwig bergbuch (1710) 184b; desgleichen Chomel 4, 1061; ertz gewinnen, heist das ertz loszhauen, oder brechen, schiessen und dergleichen. 3, 1157; gewinnen in bergwercken, terra metallica fodiendo potiri. Frisch 2, 450c; wenn ein gang fest oder hart zu gewinnen. ebenda; einen gang gewinnen, exploiter une mine. Schwan 1, 746a; gewinnen, erbrechen, fördern, ouvrir, tirer. ebenda; gewinnen, fr. tailler couper, (bergwerk) das gestein von dem, daran es gewachsen, losmachen, ablösen, absprengen. Jacobsson (1782) 85a; vgl. auch Adelung u. a.; gewinnen, ertze, kohlen, to extract, draw, dig out, produce, extraire. Karmarsch technol. wb. 13, 247. gewinnen, auch abbauen, brechen, erbauen, erhauen, erobern: durch bergmännischen betrieb losarbeiten, insbesondere nutzbare mineralien von ihren natürlichen lagerstätten nach einem bestimmten systeme lostrennen, sie abbauen. Veith 242. zur seemannssprache vgl.: gewinnen des chronometers oder der uhr (uhr geht schneller als das gestirn, nach welchem der gang geregelt worden)... accelerieren. Stenzel dtsch. seemänn. wb. 147b. I@4@b@b@33)) auch die mundartlichen wörterbücher nehmen in überraschender vollständigkeit auf das verbum bezug (s. dagegen sp. 5883 zum substantiv). schon Serz führt unter den redensarten des täglichen lebens auf: ich gewinne viel dabei; einen gewinnen; wie gewonnen, so zerronnen. teutsche idiotismen 54b. wie dieser legen auch die neueren buchungen den schwerpunkt auf den begriff erwerben, erlangen; die bedeutung siegen, erfolg haben, den preis davon tragen kommt aber um so mehr in festen verbindungen (namentlich mit bezug auf das spiel), ganz spät auch in der begriffsbestimmung zur geltung: gewinnen, siegen Martin u. Lienhart 2, 831; z' Abmsperg hat de Napoleon gwunge Schmeller 22, 930; die Preuszen haben gewonnen. Frischbier preusz. wb. 1, 232a; wer wagt dei wint. Schambach wb. d. Göttinger mda. 299b; wer nix wägt, gewinnt nix. Martin u. Lienhart 2, 831a; nû heffe gewunnen, nun soll's wol gehn. Woeste wb. d. westphäl. mda. 79a; vgl. auch volksüberlieferungen d. grafsch. Mark s. 80. vgl. auch 's neujohr abgewinne. Ch. Schmidt wb. d. Straszburger mda. 41b, ebenso Schmeller; kwinn, nur vom los gebraucht. Meisinger wb. d. Rappenauer mda. zum begriff erwerben, erlangen vgl.: du gewinnst nix dabi, wenn du im unkel der kopf zeigst. Martin u. Lienhart 2, 831b; ables gwinge u. a. Schmeller, vgl. auch Lexer kärnt. wb. 258 u. a. bemerkenswert ist das fortleben einzelner verbindungen in den mundarten, die in der schriftsprache untergegangen sind: leut giwinnen, taglöhner aufnehmen. Lexer kärnt. wb., vgl. auch Schmeller a. a. o.; en kind von ênem gewinnen. Woeste wb. d. westphäl. mda. 79a (vgl. dazu gewinnen, eines kindes genesen. Avé-Lallemant dtsch. gaunerthum 4, 544); für alte formen der verbindungen mit sächlichem object ist die bairische mundart am ergiebigsten, vgl. stöcke gewinnen (baumstöcke ausgraben) Schmeller a. a. o.; heu, holz gewinnen u. a. ebenda; vgl. jedoch auch kirschen g'winnen (Schwarzwald) Schmid schwäb. wb. 532; gewinnen, wein abzapfen (Ingersh. Rappoltsweiler) Martin u. Lienhart. wo gewinnen ohne weitere angaben vermerkt ist, darf wenigstens für die wendungen, die dem täglichen leben angehören, voller gebrauch erschlossen werden: gewonnen wb. d. Luxemburger mda. 144b; gewinnen C. Schumann wortschatz v. Lübeck 76 (unter der rubrik: häusliches und bürgerliches leben); vgl. auch Lenz z. Handschuhsheimer mundart. I@4@cc) das sprichwort. I@4@c@aα) es sind nicht nur die ursprünglichen mit gewinn gemeinsamen bedeutungen, die das verbum in die kreise des sprichworts ziehen, sondern auch abgeleitete, der bloszen syntaktischen function sich nähernde verwendungen: wie man hauszhelt, so gewinnet das hausz einen gibbel. Ch. Lehmann floril. polit. 372; wie du thust, also gewinst du ein blust. Henisch 1602. es ist aber charakteristisch, wie das sprichwort auch in diesem fall immer wieder die grundbedeutung des verb. aufspürt: man gewind offt bei einem geschäfft nichts denn eselohren. Lehman 852, vgl. Wander 1, 1660 (wer fremden hund anbindet, gewinnt nichts als den strick. Reinsberg - Düringsfeld 1, 490); schon Agricola giebt sich in dieser richtung besondere mühe: ich gewinn das zuosehen. die Teutschen haben ein spil, das heiszt flössen ... hat zwen gewinn, das zuosehen, und den flosz, der flosz ist drei blat einer farb, das zuosehen zwei gleiche ... wenn nun iemandt diser keines gewinnet, sondern setzet immer ein, der sihet zuo wie anndere gewinnen, er gewinnet aber nichts, denn das zuosehen, darumb ist das zuosehen gewinnenn, amphibolon, ein mal für ein teil des spils, das an der mal für nichts gewinnen, sonder auffsetzen und den gewinnern zusehen. sprichwörter 2 (1528), 28b. dazu vgl.: ich gewinn das auffsetzen. wer nicht gewinnen kan auff dem spil und muosz gleich wol immer auffsetzen, und wil sein selbs spoten der sagt: ich gewinne auch, mein ich, ja das auffsetzen, der dem spile zuosihet, saget auch zuo dem, der nichts gewinnet, du gewinnest das zuosetzen. ebenda; im folgenden freilich schieszt er mit seiner deutung über das ziel hinaus: er gewinnt das kratzen hinder den oren. wer auff dem spil verleurt, dem thuots wee ... darumb sücht ers im nacken und hinder den oren. ebenda. die überwiegende masse der belege wendet sich den bedeutungskräftigen wendungen zu, unter denen die beziehungen auf kampf und spiel am verbum kräftiger hervortreten als am substantiv. vgl.: es mag keiner mehr gewinnen, dann der sich selbst gewinnt. S. Franck sprichw. 1, 135a (in 1, 67b bei ähnlichem gegensatz ist das zweite gewinnen durch sich selbst überwinden ersetzt). bemerkenswert ist, wie sehr im sprichwort der absolute gebrauch oder die verbindung mit bedeutungsschwachen objecten überwiegt (vgl. II, 3), so dasz wendungen wie die folgenden vereinzelt stehen: heuchelmann ist am besten dran. bei dem heuchelstab, gewinnet man ehr gunst und hab. Lehman 383. [eigentliche sprichwörter sind im folgenden, auch wenn gereimt, nicht in verse abgesetzt.] zur bevorzugung der participialform im sprichwort s. unter gewonnen. I@4@c@bβ) im zusammenhang damit steht die neigung, das verbum an andere verba zu binden. die zusammenstellung mit synonymen ist freilich nur spärlich entwickelt: wenn man alles hat gewonnen, so hat man doch nur den kosten errungen. Lehman 534; man gewinnt nicht wenig, wenn man einen freund erwirbt. Wander 1, 1660. viel ergiebiger ist die abgrenzung gegen contrastbegriffe: I@4@c@b@11)) fortes fortuna adjuvat, wagen gewint, wagen verleust. G. Hauer's sprichwörtersamml. (1515), s. zeitschr. d. phil. 36, 130; wagen gewinnt, wagen verleurt; daran trag gedult. Kirchhof wendunmuth (3, 91) 2, 355 Österley; ebenso Hans Sachs 11, 228 Keller; das gleiche (qui non periclitatur, non ditescit) Henisch 1602; (ausus ancipitem sortitur finem) Steinbach 2, 1009; thut dir gewinnen wol, so lasz dir es verlieren nicht wehe thun. Henisch 1602; ebenso Lehman 560 u. a.; gewinnen und verlieren ist kauffmans wahr. Lehman 420 (vgl. sp. 5888 gewin und verlieren bei Petri); gewinnen ist der abend vom verliehren. Winckler 2000 gute ged. 4, 76; gelt und gut läszt sich gewinnen und verlieren. Henisch 1602; leicht gewunnen, leicht verlohren. 1609 u. a.; ubel gewunnen, ubel verschlungen. 1600 und oft (s. u.); der gewinnt viel, der eine hure verliert. Winckler 2, 23; der gewinnt genug, der seine sorgen verliert. Wander 1, 1659 (assez gagne qui malheur perd. Bohn 1, 5); aber: er gewinnt eine katze und verliert eine kuh. Wander 1, 1663; gewinne ich nichts, so verliehre ich nichts, si nihil evincam, nihil quoque perdam. G. T. Pistorius teutsch. jurist. sprichwörterschatz 782; wer nichts gewinnt, der verliert. Wander 1, 1662 (qui ne gagne, perd. Bohn 1, 50); der eine gewind, der andere verleurt. Petri der Teutschen weiszheit N 6a u. a.; einer gewinnet was der andere verlieret, l'un gagne ce que l'autre perd. Rondeau 2, Uu 3d; allzeit gewinnen, macht verdächtig, allzeit verlieren, macht verächtlich. Eiselein sprichw. ... des deutschen volks 236; wer gewinnt, geniesse; wer verliert, der büsse. Graf rechtssprichw. 427, vgl. Wander 1, 1662. I@4@c@b@22)) es ist leichter etwas zugewinnen den zu behalten. Lehman 374; ähnlich 370, vgl. Henisch 1601; gewinnen verdient nur preis, wenn man zu erhalten weiss (nach Schonheim proverbia illustrata v. 1728, s. 153). Wander 1, 1660; was man spart, das hat man gewunnen. Henisch 1610 (in mehreren variationen); ein pfenning erspart, ist auch gewunnen. 1609; was man erspahret, ist auch gewonnen. Butschky Pathmos 350; was man ersparet, ist so gut als gewonnen, a penny saved, is a penny got. teutsch-engl. lex. 2 (1716), 773; gewinnen und sparen macht bald reich. Wander 1, 1660 (ähnlich im franz.). I@4@c@b@33)) wer gibt mehr lohns, denn er gewint, desz kauffmanschafft gar bald verschwindt. Petri der Teutschen weiszheit Fff 8a; der gewint mit geben, der wirdigen gibt. N 8b; wenig gewinnen und viel verzehren, geschicht wenig in ehren. Aaa 5a; res quaesita mora, parua consumitur hora. grosz gut lest sich langsam gewünnen, thut doch zu zeiten schnell zerrinnen. loci communes prov. (Basel 1572) 46; nichts gewinnen, viel verthun macht einen zum armen man. Lehman 372; wer nichts gewinnt und vil verthut, der kompt gar bald um grosses gut. Henisch 1793; wenig gewinnen und vil verzehren, geschicht wenig in ehren. 1602 und so noch in mehreren variationen; der gewinnt übel, der alles verthut. Körte sprichw. 2138 (mal gagne, qui tout dépense) u. a.; dagegen vgl.: er kan gewinnen und verzehren. Henisch 1600; wer nütz gwönnt ond nütz verthud ist ein fotzehued. Tobler Appenzell. sprachschatz 197. I@4@c@gγ) schon in den obigen zusammenstellungen treten die linien deutlich hervor, in denen sich die auffassung auch beim alleinstehenden verbum bewegt. I@4@c@g@11)) zahlreiche wendungen nehmen die bedingungen zum ziel, unter denen ein erfolg erreicht wird. I@4@c@g@1@aa)) gegenüber von wagen gewinnt, wagen verleurt (s. o.) vgl.: wer gewinnen wil, der musz wagen und auffsetzen. Petri Ppp 6b. I@4@c@g@1@a@aα)) wagen gewint, fortes fortuna adjuvat. Henisch 1600 (vgl.wagemann, gewinne man. 1602); wer gewinnen will, der musz wagen das spiel. Wander 1, 1662; wer nichts waget, der gewinnet nichts, nothing venture, nothing have; no pains, no gains. teutsch - engl. lex. 2 (1716), 773; frisch gewagt, ist halb gewonnen. J. C. Günther ged.2 98; ebenso (a brisk onset, is half the business done) teutsch-engl. lex 2, 773; ebenso Frisch 2, 451a (audaces fortuna adjuvat), s. auch unter gewonnen; frisch gewagt ist schon gewonnen, halb ist schon mein werk vollbracht! Göthe (an die erwählte) 1, 61; was zerrst du mich? wir sind nun einmal da.wer wagt, gewinnt. hier ist der beste platz.fest auf den sockel setz' ich den fusz; lasz sehn, wer mich vertreibt. Grillparzer (des meeres u. der liebe wellen 1) 75, 26; ich wag' es drauf! das wagen hilft gewinnen. ich wag' ein ständchen unter deinem fenster. Wilhelm Müller (ständchen in ritornellen: die motte) 251 Hatfield. I@4@c@g@1@a@bβ)) beginnen ist halb gewunnen. Henisch 1609; wohl begonnen ist gewonnen. F. L. Jahn (denknisse) 1, 381; im gegensatz zu dieser auffassung steht: wann das pferd gewunnen ist, so ist der zaum nicht gewunnen. Henisch 1610; lach nicht, ehe du habest gewunnen. 1609; es soll einer den harnisch nicht ablegen, ehe er gewunnen hat. ebenda. vgl. auch die beispiele unter 2)). I@4@c@g@1@a@gγ)) der etwas gewinnen wil, muosz etwas dran setzen. S. Franck sprichw. 1, 84a; ebenso Lehman, Henisch u. a.; wer gewinnen wil, musz mit zusetzen, musz auch auffsetzen, necesse est facere sumptum, qui quœrit lucrum; quœstus sine impendio non instituitur. Aler 1, 937b; wer gewinnen wil, musz beisetzen. G. T. Pistorius 865; mit gelt gewinnt man gelt, mit nichts kan man nichts anfangen. Henisch 1602; wie ich spinne, also ich auch gewinne. ebenda: gewinnen ist an lust, wenn's nischt kust. Wander 1, 1659 (verweist auf entsprechendes dänisches sprichw.). I@4@c@g@1@bb)) in zahlreichen der obigen wendungen ist im besonderen auf das spiel bezug genommen, diesem gelten auch sonst mehrere prägungen: wer will gewinnen, musz ausz seiner hand karten. Lehman 246; kart ausz deiner hand, wilt du gewinnen. Henisch 1602; wer gewinnen wil, musz mitspielen, laurea desidiae praebetur nulla. Aler 1, 937b; wer einen auff dem spil kan erzürnen, der hat halb gewunnen. Henisch 1609; er gewinnt über den rücken. Wander 1, 1663; wer gewinnt, der spielt am besten. 1, 1662; es gewinnen nicht alle, die spielen. 1, 1659. I@4@c@g@1@cc)) ob geld oder fleisz mehr erfolg versprechen, das wird in mancherlei wendungen erwogen, die sich meist jedoch weder durch prägnante fassung, noch durch weite verbreitung auszeichnen: der basz mag, der gewinnets. Henisch 1601; pretio vincitur fides, welcher mehr gibt, der gewinnts. Dentzler 616a; nam partum significat, was mit arbeit gewunnen ist. Dasypodius Aa 7a; es wird nit alles mit arbeit gewunnen. Lehman 534; ohne schwere arbeit läszt sich nicht wol etwas gewinnen. Henisch 1602; wer gewinnen wil, der musz viel vertragen. Petri Kkk 5b u. a.; mit lauffen gewinnt man am meisten. Henisch 1602; nichts ist so fest, so grosz und hoch, der fleisz gewinnets immer noch. ebenda; wer oft gewinnt, gewinnt viel. Wander 1, 1662. I@4@c@g@1@dd)) so sind es schlieszlich gerade die dem wagemut (s. o.) entgegengesetzten eigenschaften, die für den erfolg angesprochen werden: geduld und selbstbeherrschung. dieser gegensatz erwächst einerseits verschiedener lebensauffassung, andererseits auch der zwiespältigen bedeutung von gewinnen: mit gedult und nachgeben gewinnt man am meisten. Henisch 1602, vgl. auch Schottel 1120a; thue gemach und lach, so gewinst du alle sach. Henisch 1602; effugere cupiditates, regnum est vincere, der gewint ein land, der sich selbs uberwint. S. Franck sprichw. 1, 67b; wer sich von hertzen für gott demütigen kan, der hat gewunnen. Henisch 1610; jedermann gewinnt seinen herrn mit seiner seele. Graf deutsche rechtssprichw. 179; jedermann gewinnt seinen arbeitslohn mit seiner seele. 178. I@4@c@g@1@ee)) zahlreich vertreten ist auch die negative fassung: man kan nicht an aller waar gewinnen, sonst wurde man zu reich und zu stolz. Henisch 1602; an sünden gewinnt man nichts. 1601; an armen waiszt man nichts zugewinnen. ebenda; man gwünt nüt mit flatieren oder schmeichlen, blanditiis agitur nihil. Maaler 20d; wenig gewinnt, wer säet wind. Wander 1, 1661; wer neidet und sich selbs rechet, der gewinnt nit viel. Henisch 1602; mit zanck gewinnt man nicht viel. ebenda; mit hader gewinnt man nichts, dann haderlumpen. ebenda; vgl. auch: wer nicht kan gewinnen, der tregt hader ein. Petri Hhh 6a, ebenso Henisch u. a. I@4@c@g@22)) der erzielte gewinn wird in der form des verbums nur wenig gepriesen: das süssest ist gewinnen. Henisch 1601. um so zahlreicher sind die wendungen, die ihn abträglich beurtheilen. sie gehen meist von den vorbedingungen des erfolges und von der art und weise aus, in der er errungen wurde. dem ersten und raschen erfolg wird übereinstimmend mit der in 1)), d)) vertretenen auffassung nur wenig bestand zugetraut, wie andererseits an dem mit schlechten mitteln erworbenen auch die entsprechenden wirkungen hervorgehoben werden. andere wendungen schränken die tragweite des erfolges durch drastische vergleiche bis zur verkehrung ins gegentheil ein, am seltensten sind die formeln, die den unbedingten erfolg schelten: I@4@c@g@2@aa)) salis onus, unde venerat, illuc abiit, so gewunnen, so entrunnen. E. Tappius adag. 139a u. a. (s.gewonnen); wie mans gewint, so wird mans queit. Petri Ppp 8a; ebenso Henisch; wer zu erst gewan, war zuletzt ein armer mann. Henisch 1602 u. a.; erst gewonnen, letzt verspielt. Kirchhofer Schweiz. sprichw. 154; dazu vgl. die mundartlichen fassungen: de iirst gewinner — de läst verspäler (Strelitz). Firmenich 3, 73, 101 u. a. s. unter gewinner; dat erste winn'n hôlt de Kieler jungs nich för gôd (Süderdithmarschen). Wander 1, 1658; zerst gwunne, z'lest d'bach abgschwuMe (Mühlhausen). Martin u. Lienhart 2, 831b. I@4@c@g@2@bb)) male parta, male dilabuntur, bösz gewunnen, bösz verzert. G. Hauer sprichwörtersamml. (1516) 131; ebenso E. Tappius germ. adag. 154b u. a., s. unter gewonnen. dagegen vgl.: unrecht gewunnen, kompt nit an die sonnen. S. Franck 2, 86a (1545). I@4@c@g@2@cc)) da hetten sie wol gewechselt, ja gewonnen, wie Jütte, die liesz sich küszen umb ein teige birn und gab zwei eier zu. Kirchhof wendunmuth (3, 26) 2, 295 Österley; er wird dabei so viel gewinnen wie einer, der ein messer am feuer wetzen wil. (aus einer satire wider Murner) Wander 1, 1664; du wirst so viel dabei gewinnen, wie Michel bei den schweinen. Wander 1, 1663; an dem han ich gewunn, wie der deiwel an de riewe. Stenzel allerlei us um Westrich 57; vgl. auch Martin u. Lienhart 2, 831a; es ist zu gewinnen wie honig von den wespen. Simrock 4936; er gewinnt, wie der fisch den angelhaken. Wander 1, 1663. I@4@c@g@2@dd)) sô der man ie mê gewinnet, sô erʒ guot ie sêrer minnet. Freidank 56, 2 W. Grimm. vgl. dazu: je mehr man gewinnt, je mehr man drauf sinnt. Wander 1, 1660; als bald ein mann gewinnet gut, verkehret er dick seinen mut. loci communes proverbiales (Basel 1472) 45 (fermentat celebres numerosa pecunia mores); er kann vor gewinnen nicht reich werden. Wander 1, 1663. I@55) formen. I@5@aa) der stammvocal I@5@a@aα) unterliegt bei gewinnen dem ablaut. ansätze zu schwacher flexion sind am conjunctiv des praet. aus späterer zeit beobachtet: den (goldenen ring) versilberte ich ... und demnach ich mir einbilden konte, dasz disz bald ausz sein würde, da ich nichts darzu gewinnete (im druck v. 1669 und 1713 gewinne). Grimmelshausen Simpl. 1, 567 Keller; vgl. auch gewinnet neben starken formen des conditionalis bei Schmeller 22, 930. die gesetzmäszige abstufung des vocals vor dem gedehnten nasal (ich gewinne, gewan[n], du gewünne, wir gewunnen, haben gewunnen, ich gewünne) ist in der neuhochdeutschen periode durch ausgleichungen abgelenkt (hier zwischen dem sing. und dem plural des praet.: ich gewann, du gewannst, wir gewannen; ich gewänne) und durch mundartliche einflüsse getrübt (mitteldeutsch gewonnen tritt schriftsprachlich im part. praet. für gewunnen ein). I@5@a@a@11)) ausgleichungsbestrebungen zwischen dem singular und dem plural des praet. I@5@a@a@1@aa)) der gegensatz innerhalb des singulars des praet. machte sich wenig bemerklich: neben der überaus zahlreich belegten form gewan (gewann) für die erste und dritte person ist die zweite litterarisch nur ganz vereinzelt gebraucht: dînero frowun dîa dû danches kwunne (quam tu sponte legisti). Notker Boethius (3, 48b); die du gewünne. Kistener Jakobsbrüder 502 Euling, wofür schon Gengenbach gewannest einführt. I@5@a@a@1@a@aα)) beeinflussungen der 1. und 3. pers. sing. durch die übrigen formen sind trotzdem nicht zu verkennen; sie lassen sich meist gegen die fälle abgrenzen, in denen nur mundartliche lautfärbung vordringt. das letztere gilt für Hans Sachs, der statt gewan im reime auf mon (man) u. a. gewon schreibt (fab. u. schw. 4, 68, vgl.mone, gewone 5, 159; 4, 38; plon [plan] gewon 4, 207; aufton, gewon 2, 188 u. a., aber vgl. gewan auszerhalb der reimstelle 3, 178; 5, 367). bei anderen formen, die deutlicher für formenausgleich sprechen, musz der einflusz des anlautenden halbvocals (s. u.) jedenfalls mit erwogen werden: ich gewunn nichz daran deutsch - ital. sprachb. 94b Brenner; gewunn Teuerdank 86 Goedeke (sonst überall gewann); gewün Hans Sachs 4, 151; gewonne ich einen solchen lust, mich unter ihre zunff schreiben zu lassen. Grimmelshausen (vogelnest 2, 22) 4, 671 Keller; ein lämmgen, das mich lieb gewonne. F. C. L. Creuz oden 1 (1769), 207; vgl. auch ich gewann et gewunne, du gewonnest et gewunnest, er gewann et gewonne. Stieler 2543; gwunn, gwung oder gwann, gwang. Schmeller 22, 930; gewinnen, praet. gewun. Schambach 63b; vgl. auch die entsprechenden formen bei Siebs zur gesch. d. englisch-friesischen sprache 1, 86. I@5@a@a@1@a@bβ)) der unbeeinfluszte stammvocal unterliegt vielfach der verlängerung, vgl. gewaen bei Quentel, Arndes (Josua 11, 19 u. a.); vgl. ich gewahn Steinbach 2, 1028; vgl. die formen sp. 5981 oben; s. die langen vocale bei Siebs a. a. o. I@5@a@a@1@bb)) in den pluralformen des praeteritums wird der gesetzmäszige vocal vom singular her verdrängt. I@5@a@a@1@b@aα)) der zuständige vocal hat sich in den indicativformen nicht eigentlich über das 16. jahrh. hinaus gehalten; vgl. gewunnen, gewonnen unter 2)). die erste form mit a zeigt Aventin: gewannen die roter ruer 5, 168; vgl. auch gewannen Matthesius (Luther 6) 3, 133; sie gewahnen Götz lebensbeschr. 104 Bieling u. a. I@5@a@a@1@b@bβ)) zäheren widerstand leisten die conjunctivformen giwunni, gewunne, gewünne (gewunne, gewün), gewönne (zur abgrenzung von gewünne und gewönne s. u.). das erste zeugnis für umgelautetes a giebt der mitteldeutsche Rothe Elisabeth 2055; ihm folgt eine urkunde von 1497 aus den bairischen landtagsverhandl. (11, 23 Krenner). dazu vgl. gewan, gewen in der mundart um Gieszen (zeitschr. f. hochd. mda. 1, 11). Luther und die litteratursprache bei Günther, Haller, Lessing, Gellert, Bürger, Herder, Schlegel, Forster halten an gewönne fest. Wieland bevorzugt gewänne, ebenso W. v. Humboldt. Voss geht in der Odyssee von 1793 zur neuen form über (gewänne 8, 21 gegen gewönne der ausgabe von 1781). Göthe und Schiller bevorzugen noch die ältere form, lassen sich aber ein gewänne gelegentlich entschlüpfen (Göthe 3, 42 var.; Schiller br. 1, 317). gewönne findet sich noch bei Müllner, Börne, Heine, W. Alexis, Arndt, F. Lehwald, Fontane, und Bismarck. die wörterbücher streben schon seit Steinbach einer regelung in anderem sinne zu: ich gewahn, ich gewähne. 2, 1028; ich gewann ... ich gewäne. Frisch 2, 450c; ebenso Adelung, Schwan. I@5@a@a@22)) die verdrängung des nasalvocals u in diesen pluralformen durch o ist ebenfalls von Mitteldeutschland aus in der schriftsprache durchgesetzt worden; auch hier aber widerstreben die oberdeutschen mundarten, denen hier auch einzelne niederdeutsche zur seite treten. I@5@a@a@2@aa)) die ältere sprache zeigt bis in den ausgang der mittelhochdeutschen periode ausnahmslos das gesetzmäszige u und zwar nicht nur in oberdeutschen, sondern auch in mittel- und niederdeutschen denkmälern. vgl. gewunnen (particip) Pfälzer urkunde von 1284; Fierrabras A 2b; myst. 1, 107; Hesler apokalypse 10759; sächs. weltchron. 213, 42; stadtbuch v. Dortmund; Lübecker todtentanz 995. 1170; gewunnen (plur. praet.) predigt d. Leipziger handschr.; livländ. chronik 6662; Jeroschin 8611; myst. 1, 181; Nürnberger handschr. d. Eckhart 48 Jostes; predigten bei Zuchhold 109; heil. leben (1472) 2d; Pontus u. Sidonia c 6c. I@5@a@a@2@bb)) mit dem ausgang der mittelhochdeutschen periode machen sich: I@5@a@a@2@b@aα)) die ersten mundartlichen einflüsse zu gunsten des o bemerklich: gewonnen daʒ stedechen. Limburger chron. 83, 24; ebenso J. Rothe Düringer chron. 47; passion 1106 (handschr.); gewonnen Joh. v. Neumarkt leben des heil. Hieron. 193 (nd. druck ghewunnen); Nicol. v. Landau 109 Zuchhold (var. gewunnen); Elisabeth v. Nassau Huge Scheppel 3 rb; buch der liebe 275c u. a.; Aimon 91b; Nürnberger chron. (d. städtechron. 10) 320; selbst Augsburger chron. (22) 353; Zimmersche chron. 2, 229; 3, 109. in der bibelübersetzung ist es Quentel, später Luther, die gegenüber der älteren bibel (Eggesteyn, Koburger, selbst Arndes u. a.) die neuerung einführen (eine ausnahme s. u.); gewonnen hadde Quentel Jesaia 20, 1 (gewunnen Eggesteyn, Koburger, Arndes); ebenso Sacharja 14, 3 u. a. (aber Josua 19, 47 wunnen Quentel); sie gewonnen Luther Nehemia 9, 25 (gegen die vorgänger). die bearbeiter und nachdrucker Luthers verhalten sich verschieden, die Züricher bibel bleibt consequent bei gewunnen, Dietenberger nimmt gewonnen auf, Eck schwankt (gewonnen Sacharja 14, 3; gewunnen Josua 11, 19; Jeremia 32, 24). I@5@a@a@2@b@bβ)) im gleichen zeitraum hält sich auf oberdeutschem boden das alte u fast unbeschränkt: so gewunnen bei Elsb. Stagel, Königshofen, Murner, Manuel, Zwingli, Waldis, Stumpf; desgl. in Augsburger, Donauwörther chron.; bei S. Franck, Lotzer; im Iglauer recht, österr. weisth., Sterzinger spiele; Andreas v. Regensburg, Aventin, Albertinus, Schaidenreisser; auch Nürnberger quellen bieten gewunnen, s. d. städtechron. 1, 115; 3, 97; Dürer nachl. 7; Hans Sachs (mit der umgelauteten form gewünen); Peter Probst und J. v. Schwartzenberg. I@5@a@a@2@b@gγ)) schwankungen ergaben sich hier innerhalb der gleichen dialektgrenzen; sie sind aber auch für die überlieferung eines schriftstellers beobachtet; vgl. gewonnen neben gewunnen bei Luther 19, 198 Weimar; vgl. gewonnen (Luther 6, 285; 7, 638; 11, 24; 15, 296) gegen gewunnen (Luther 4, 403 Jena und in den predigtnachschriften 6, 502 Weimar; 12, 92). später sind solche noch für Kirchhoff, Corvinus, Bünting und Grimmelshausen zu verzeichnen. auch bei Abraham a S. Clara, für den in 'heilsames gemisch' gewonnen belegt ist (11. 372), finden sich in 'auff auff ihr christen' noch zeugnisse für gewunnen 12. 59. vgl. dazu gewonnen et gewunnen bei Stieler. I@5@a@a@2@b@dδ)) eine ausnahmestellung nimmt auch hier der conjunctiv ein. selbst Luther hält hier eher am ü bezw. u fest: gewunnest 15, 297; gewün 11, 24; gewünne 4, 431a Jena; 3, 123b (gegen gewönne 4, 411a; 3, 68b; 23, 269 Weimar); vgl. vor allem: ob er die gantze welt gewünne. Luther Lucas 9, 25 (gewunn cod. Tepl., ähnlich Mentel, Eggesteyn u. a. Quentel, Arndes [wunne], gewünne Emser, Dietenberger, gewunne Eck, Lotzer). dazu vgl. gewünne bei E. Alberus nov. dict. Au 3a; O. v. Demeringen, Logau sinnged. 98 (allerdings im reim auf sinne); vgl.gewünne neben gewönne bei Stieler; vgl. noch gewünne, gewonnen bei Rondeau 2, Uu 3c. I@5@a@a@2@b@eε)) für die wörterbücher der schriftsprache, die bei Henisch, Duez und Aler noch u zeigen, ist dem o mit Frisch die alleinherrschaft verbürgt: ich hab gewonnen 2, 450c. das gleiche bei Adelung, Schwan, Hederich u. a. I@5@a@a@2@b@zζ)) anders verhalten sich die mundarten: gewunnen Kantzow chronik v. Pommern; wunnen C. Schumann wortschatz v. Lübeck 76. vor allem aber vgl. die oberdeutschen belege: gwunge (als particip; oberöstr.) s. d. mundarten 3, 183a; ebenso gwunne, gwunge Schmeller 22, 930; gwune aus Kenzingen (zeitschr. f. d. mda. 1, 361); kewune, kwune, kewun. Martin u. Lienhart 2, 831b; kwunn Meisinger Rappenauer mda. 2, 82a. I@5@a@bβ) die stammsilbe auszerhalb der wirkungen des ablauts. I@5@a@b@11)) einwirkungen des consonantismus auf den präsensvocal. I@5@a@b@1@aa)) der anlautende halbvocal übt frühzeitig seinen einflusz: ze gewunnene statt gewinnene. Notker psalm 134, 13 und so öfters; vgl. auch die varianten 108, 31; 102, 5 u. a. dazu vgl. gewuonne für gewinnen in der Heidelberger handschr. zu bruder Philipps Marienleben 359. im allgemeinen sind es durchweg Schweizer und Schwaben, denen hier belege zu entnehmen sind: möcht gewunen Basler chron. 4, 193; sie gewünnen Züricher bibel; ebenso Frisius, Maaler, Steinhöwel, Wetzel, Wickram, Zwingli u. a.; der etwas gewünnen wil S. Franck 2, 86a (nach d. ausg. v. 1545; in der von 1541: gewinnen). vgl. auch gewünnen Haimonskinder 150; der gewünnet Hainhofer reisetagbuch; gewünnen Abraham a S. Clara auff auff ihr christen 52; Zesen adriat. Rosemund 1, 66; 3, 121; vielleicht ist hierher auch gewonnen, gewinnen wb. d. Luxemburg. mda. 144b zu ziehen. I@5@a@b@1@bb)) vielfach wird der praesensvocal vor dem nasal auch als e wiedergegeben: gewennen handschr. vocab. (15. jahrh.) Diefenbach 338a; euch hiermit zu gewennen, mir keine schwein mehr hüeten zu lassen. Zimmersche chron. 2, 388 Barack (oder gewöhnen?); kwene u. a. Martin u. Lienhardt 2, 831b; gewenne Hönig wb. d. Kölner mda. 655. I@5@a@b@22)) veränderungen des schlieszenden nasals im wechsel der flexionsformen. I@5@a@b@2@aa)) die vereinfachung im auslaut oder vor consonanten und die wirkungen des systemzwangs. I@5@a@b@2@a@aα)) auslautend im praeteritum wird der nasal bis weit in die neuhochdeutsche periode als einfacher geschrieben: gewan Joh. v. Neumarkt, die mystiker, Gregors dialoge, Basler, Straszburger, Donauwörther chron.; die volksbücher; Murner, Geiler; Luther Jesaia 20, 1 (ebenso Eggesteyn); 2 Samuel. 12, 26 (ebenso Koburger Züricher bibel, Eck) u. a.; ebenso Luther in seinen schriften; Matthesius, Hans Sachs, Tucher, Kirchhoff, Waldis, Wickram, Stumpf; bergreihen; gewan noch Tscherning dtsch. ged. frühling (1642) 98. die neuerung setzt mit schwankungen ein: gewanner Nibel. handschr. A zu 337, 4; das ich ie solichs kind gewann Sterzinger spiele s. 64 (nie gewan 120); da gewann sie aber einen son buch der liebe 267a (gewan 267b), ebenso 279a; das gleiche (gewann neben gewan) bei Frey (gartengesellsch.) im Teuerdank, Aimon, Albertinus, Fischart. vgl. auch gewann Alsfelder passionssp. 293; Agricola sprichw. 121b; Livius deutsch 60a u. a. I@5@a@b@2@a@bβ)) inlautend vor dental hält sich die einfache schreibung bis ins 18. jahrh.: gewint Sachsensp. landr. 3, 27, 2, 184; Nürnberger Eckharthandschr. 28; Geiler evangel. 19b; Luther (pred.) 25, 494 u. a.; Hans Sachs 9, 246 Keller; Schwartzenbeag teutsch Cicero 127, ebenso (mehrfach) Dürer, P. Probst, E. Alberus; desgl. in den sprichwörtersamml. von G. Hauer, S. Franck, Petri; desgl. bei Fischart Gargantua 260; Fickler 113a; Lobwasser psalm 1; Henisch 1601 (doch s. unten); Duez 461a; Rachel satyr. ged. 49; Weise Masaniello 17; gewind Daniels traumd. 52; Judas Nazarei 52; Ayrer 3, 1588; Lehman 852; Lotzer 28; gewindt Fronsperger kriegsbuch 2, 199a; Seuter roszarznei 193; Endinger jugendspiel 29; Wickram 5, 98; frau rath an Göthe (2. 7. 1804). doppelconsonanz bietet schon Eggesteyn: er gewinnt si Jeremia 38, 3 (gewint sie Koburger); vgl.gewynnt H. v. Mügeln (1489) 60a; S. Brant narrensch. 77a; buch der liebe 275d; Fischart glückh. schiff 456; Aeg. Albertinus 339; E. Alberus nov. dict. R 3a; bei Henisch verhalten sich einzelne formen verschieden: gewinst du nicht 1602; wagen gewinnt ebenda (neben gewint, vgl. auch gewinst Wickram (Bolte 5, 99) aus 1559 gegen gewinnest (aus 1538) u. a. um vieles häufiger sind jedoch die schwerfälligen formen gewinnet (gewinnest) eingesetzt; sie herrschen bei Joh. v. Neumarkt, bei den mystikern, in der reformationspolemik und in der lehrhaften litteratur des 16. u. 17. jahrh., später bei Lessing, Herder und noch bei Hoffmann v. Fallersleben. I@5@a@b@2@a@gγ)) vorübergehend ist auch zwischen vocalen der nasal einfach geschrieben (vgl. auch die verlängerung des stammvocals s. o.): gewune Alexanderlied 43 (var.); gewunen Sterzinger spiele 219 (neben gebunnen 159); gewinen Aventin 1, 421, S. Lotzer 34; gewinen Hans Sachs 4, 247 schwänke und oft; gewünen 4, 117 u. a.; gwinen P. Probst 62, 118; gewunen het Endinger Judenspiel 38; gewonen d. städtechron. 22, 353. I@5@a@b@2@bb)) die gemination des nasals wird vereinzelt durch den dental gestört: gewinden vocab. lat. germ. Diefenbach 338a. vgl. überwinden neben überwinnen vgl. gewinst. I@5@a@b@2@cc)) in der bayrisch-österreichischen mundart entwickelte sich ein guttural: gebungen monum. Boica 21, 543; gewungen Aventin 1, 235. 236. 239. 118; vgl. auch Schmeller 22, 936 (g'wunga); deutsche mda. 3, 183a; Lexer kärnt. wb. 258; gewingen schles. urkunde v. 1538; österr. weisth. 5, 543; gewingt Sterzinger spiele 138. 184; gewang Aventin 1, 238. I@5@a@b@33)) in derselben mundart wird natürlich auch das anlautende w vielfach als labialer verschluszlaut übermittelt: gebinen deutsch-ital. sprachbuch 97b Brenner; gebungen monum. Boica 21, 543; ebenso fastnachtspiele 1003 Keller; Sterzinger spiele 135; gebinnen 118, 74, 117 (s. u.); gban 16; gebinnest weist auch der Oberpfälzer Poliander in den aufzeichnungen von Luthers predigten (9, 646 Weimar) auf. I@5@bb) das präfix. I@5@b@11)) wie bei kriegen gegen erkriegen haben einzelne mundarten auch bei gewinnen das präfix nachträglich wieder eingebüszt, vgl. auch englisch win gegen angels. gewinnan (Bosworth-Toller 468a). wie weit mitteldeutsche mundarten an dieser bewegung sich betheiligen, ist noch nicht festgestellt, immerhin vgl. die variante der Heidelberger handschr. zu Iwein 1607 nie ne wan gegen gewan. sichergestellt ist sie fürs niederdeutsche (mndl. auch gewinnen s. Verwijs u. Verdam 2, 1913); winnen Sachsenspiegel landr. 1, 51. 52 u. a.; to winnende Lübecker chron. (d. städtechron. 26) 63; wan 61 (gewuonnen hadde); up Kreichmart wart die strit begunnen, da de burgere den eirsten sege wunnen. G. Hagen, Kölner chronik 3467 (d. städtechron. 12, 121); ebenso 770. 773; dagegen im part. praet. gewunnen 3487. dazu vgl. sortiri, winnen ndl. glossen d. 14. jahrh. Diefenbach 543c; lucrari winnen dict. lat. germ. d. 15. jahrh. ebenda 338a; vgl.en wonnen die stad Quentel 2. chron. 32, 18; ebenso (wunnen) Arndes und ähnlich öfters; für die heutigen mundarten vgl. winnen (winst, wint) versuch eines bremischen wb. 5, 264; winnen Danneil wb. d. altmärkisch-plattd. mda. 247; wunnen Lübecker mda. I@5@b@22)) in den oberdeutschen mundarten andererseits unterliegt das präfix von früh an der verkürzungmeist durch synkope. hierzu vgl. schon die belege aus den glossen; ebenso vgl. die varianten guinnet gegen gewinnet bei Williram; guinnen Wiener handschr. z. Notkers psalmen gegen geuuinnen 143b; 470a u. a.; gwan genesis 88, 1; u. a. gwinnen in Wickrams druck v. 1538 (Bolte 5, 99) gegen gewinnen im druck v. 1599; gwinnen Groszbaseler todtentanz; Pontus u. Sidonia f. 3a; Teuerdank 290; Hans Sachs fab. u. schw. 4, 202; vgl. gbinen Sterzinger spiele 117; gban 16 gegen gebinnen 118; 74; gebunnen 135; gwint Stifel cosz 250b; Fickler 113a; gwind S. Lotzer 28; aus den heutigen mundarten vgl. gwunne, gwunge Schmeller 22, 930; kwune, kewune Martin u. Lienhart 2, 831b. zu der form günne, die Behaghel (1, 169b) für die sprache Hebels anmerkt, vgl. abgünnen Stalder 1, 497. I@5@cc) die flexionsformen nehmen nicht in gleicher regelmäszigkeit an der breiten fülle der dem verbum möglichen verwendungen theil. wie sich schon aus dem überblick über die formen ergab, haben die 1. und 3. person singular hier einen ungewöhnlichen vorsprung gegen die übrigen. das gleiche giltwenigstens in der älteren sprachefür das praet. gegenüber dem praesens. ungewöhnlich häufig wird der infinitiv angezogen; nächst dem das part. praet., das sich einerseits im sprichwort hervorthut (wie gewonnen, so zerronnen; frisch gewagt ist halb gewonnen) andererseits in festen verbindungen fortlebt, die am verbum selbst verkümmern: gewonnen gut (gewonnen spiel), gewonnen geben, s. auch unter gewonnen. noch weiter in der isolierung geht das part. praesentis, das naturgemäsz den absoluten gebrauch des verbums begünstigt. die gegensätze, die sich dort auf grund der verschiedenheit des supponierten objectes entwickeln, haben der participialform gewinnend ihr besonderes gepräge gegeben. vgl.: gute manieren .., wie ich sie in berührung mit ältern Franzosen und mit französischen und noch gewinnender bei russischen damen jeden alters kennen gelernt habe. Bismarck ged. u. erinn. (10) 1, 223. gegen: wollte man aber billig sein, und könnte man zuletzt eine bilance aufstellen, so würde ich doch immer als der gewinnende erscheinen. Göthe an gräfin v. Chasseport 21. 4. 1830. dazu vgl. gewinnend (s. d.), wo auch die zeugnisse für passive actionsart gewürdigt werden. von geringerem belang sind einige verschiebungen am infinitiv, so die ansätze zur substantivierung, die durch die lebenskraft von gewinn unterbunden bleiben: sterben ist gewinnen, es reist geist und sinnen aus der gantzen noth. Joh. Chr. Günther (das ist meine freude, dasz ich mich zu gott halte ...) ged.2 20; ebenso 796 (vor wucher und gewinnen im reime auf zinnen). IIII. die gebrauchsformen der neuhochdeutschen periode. auch hier werden die älteren formen zunächst übernommen und weitergeführt, so dasz die früheste prosa sich nicht wesentlich von dem gebrauch der mittelhochdeutschen dichtung unterscheidet. wie dann im weiteren verlauf einzelne wendungen zurücktreten, andere vordringen oder in umformungen neu erstehen, das liesz sich schon aus dem verhalten Luthers, theilweise auch aus den aufzeichnungen der wörterbücher ersehen (s. oben). die vielseitigkeit und beweglichkeit, die sich die sprache des 18. jahrh. im dienste der aufblühenden litteratur erringt, trägt auch in den ver wendungskreis unseres verbums neues leben. rascher veralten die fügungen, die durch neue bildungen mehr als ersetzt werden. fast alle stilisten haben den verwendungskreis erweitert, am wenigsten wol Schiller. in der bevorzugung einzelnermeist abstracterwendungen erreicht Herder den höhepunkt, während sich in der sprache Göthes alle möglichkeiten vereinigen: neubildungen, aufgefrischte alte formen und eigenwüchsiger bestand. als gliederungsgrund empfiehlt sich bei den unmerklichen übergängen, in denen der bedeutungswandel hier verläuft, an stelle der bedeutungsunterschiede die art der verbindungen, die zudem auch den begrifflichen entwicklungsgang in geeignetem rahmen erfassen läszt. es ergeben sich hier als hauptgruppen: verbindungen, die einen gegenspieler kennzeichnen; verbindungen, die nur auf das ergebnisz zielen, das sie in einem sächlichen oder abstracten object kenn zeichnen, und endlich das verbum ohne solche verbindungen, der absolute gebrauch. die bedeutungsabstufungvom erfolg im kampf oder spiel bis zu dem einfachen begriff der besitznahme und dessen abschwächungen in der mehr syntaktischen function eines hülfsverbssteht groszentheils in wechselwirkung mit den verbindungen des verbums. bei der kennzeichnung eines gegenspielers hält sich die beziehung auf den kampf am lebendigsten, sie erfährt hier nur da, wo der gegenspieler als object der person angegliedert ist, durch weitere bestimmungsmerkmale mancherlei ablenkung und abschwächung. in verbindung mit dem sächlichen oder abstracten object macht sich neben dem kampf auch das spiel geltend, andererseits entwickelt sich hier im besonderen die mannigfaltigkeit der auf den begriff der besitznahme wirkenden ablenkungen, der verengerung und abschwächung. je lebendiger die bedeutung des objects zum ausdruck kommt, um so mehr drückt sie auf die des verbums und umgekehrt. daher ist es gerade die stark angeschwollene gruppe der verbindungen mit verblaszten pronominalformen und mit ähnlichen bedeutungsschwachen objecten, die dem verbum kraft und energie der bedeutung erhält. am stärksten wird diese beim absoluten gebrauch, dem auch durch abstreifung der bedeutungsleeren objecte viele wendungen zuwachsen. die festen verbindungen und formeln, die im neueren gebrauch sich vor allem mehren, bedingen auch in der kategorie des subjects, in der schon der mittelhochdeutsche stil manche sächlichen nomina eingebürgert hatte, ein vordringen der sachbegriffe und der abstracta, entsprechende neuerungen werden am besten bei der einzelnen fügung vermerkt. II@11) altes und neues an den verbindungen, die einen gegenspieler kennzeichnen: II@1@aa) die losere form der angliederung durch präpositionen hatte schon in der mittelhochdeutschen dichtung bei an gewinnen und ab gewinnen (vgl. oben sp. 5936) zu formelhaften bildungen geführt, die die präposition vom persönlichen dativ abziehen und mit dem verbum verschmelzen. der neuere stil übernimmt die überlieferten formen, die er theils umformt theils weiterbildet. vor allem aber entwickelt er neue wendungen, die sich besonderer beliebtheit erfreuen. für alle entsprechende gebrauchsformen ist die vorstellung eines kampfes unverkennbar die grundlage, die auch bei der verblaszten wendung immer wieder durchschlägt. II@1@a@aα) umformung oder weiterbildung des überlieferten. II@1@a@a@11)) eigenartig ist der gang bei der verbindung mit an, die im 15. und 16. jahrh. für die überlieferte formel einen gesteigerten verbrauch in allen abstufungen der bedeutung erkennen läszt, der später rasch unterbunden wird. andererseits mehren sich gerade im neueren stil wendungen, die die präposition wieder in loser stellung zum verbum und in engster verbindung mit dem persönlichen dativ zeigen. II@1@a@a@1@aa)) die präposition in engster verbindung mit dem verbum: II@1@a@a@1@a@aα)) Schawenburg in der Mortenawe, ein gut veste schloss, wart dem stamme von Schawenburg angewonnen von graff Hansen von Eberstein. M. v. Kemnat chronik Friedrichs I. s. 29. dazu vgl. Luther 4 Mos. 21, 26 (land angewinnen); 2 chron. 13, 19 (stede); Alberus 87b (die schlacht); Stumpf 1, 32a (veldstreit); fastnachtspiele 274, 20 (einen rank); ebenso 335, 13; 385, 3; weisth. 1, 831 (den halm); recht angewinnen s. oben sp. 5959; vertrug sein pferd in dem scharmützeln, daʒ er dovon must vallen, und sie gewunnen uns das pferd an. d. städtechron. (Nürnberg) 2, 66; ich weisz ein wipp uff miner wann, die wel ich zu hilff how ... sich, wie wulde ich unmer basz eme gewinnen an sin lipp dan durch das selbe bose wipp? Alsfelder passionsspiel 678 Grein; wie nun das ehrliche jungfrewlein zum brunnen kompt, sihet es sich nicht lang umb, unnd helt kein stenderling, gewint auch niemand rede an, sondern schöpfft jren krug vol ... Matthesius (hochzeitspred. 3) 2, 55 Loesche; ebenso Keisersberg brösaml. 56c (den mund); Ayrer procesz. jur. 1, 15 (rechtfertigung); uno te vicimus. wir habends dir in einem vorgethon, wir habend dirs umb eins angwunnen. Frisius dict. (1556) 1382b; ein ieder pur, der lesen kan, der gwünt's eim schlechten pfaffen an. Niklaus Manuel vom papst u. s. priesterschaft 272 Bächtold; und mit beziehung auf unpersönliches subject: man gab mir gelt und fullt mich voll. dann ich muoss vil wins trunken han, sechs mass gewinnend mir nit vil an. 272; pflöcker und klötze, denen ... andere waffen nicht angewinnen können ... (mit pulver) von einander sprengen. Grimmelshausen wieder erstand. Simplic. (3, 1) 3, 65. vgl. dazu Fischart glückhaft schiff 637 (wie solt ... die sonn ... etwas angewinnen). II@1@a@a@1@a@bβ)) die bedeutungsleeren objecte haben hier schon früh (sp. 5937) zum absoluten gebrauch übergeführt, der die verbindung am längsten hält: denn der teufel hat sich bisher so lang gebissen, mit der schrifft, und dem wort, aber noch nie können jm abgewinnen noch umbstossen .., so gehet er dir nicht richtig unter augen, zappeln mag redich machen, gewinnet dir aber nicht an. Luther (1 Corinth. 15. aus-gelegt 1534) 6, 215a Jena; ebenso (nicht) 2, 408b; 3, 430b; desgleichen (ohne negationspartikel) 4, 181b; briefe 4, 316; 1 n. 20, 13; Alberus 76b; fastnachtspiele 356, 3; Schmelzel verlorne sohn 11a; Opitz psalm 147, 2; Werder Ariost 11, 7; A. Buchner trostschr. (Wittenberg 1644) 32. II@1@a@a@1@a@gγ)) das pronominalobject, das der negationspartikel (nicht) eigentlich zugrunde liegt, wird bei Wieland vorübergehend wieder aufgefrischt: ein herz, dem königssöhne nichts angewonnen hatten, war nicht gemacht zu negern oder mulatten unrühmlich überzugehn. (der neue Amadis) 4, 133. II@1@a@a@1@bb)) sonst begünstigt der neuere stil die lockerung der präposition vom verbum bei engerer verbindung mit dem pronominalen dativ. diese fügeweise wird von einzelnen wendungen gefördert, die sich im rahmen einer anderen bedeutung (gewinnen: erlangen, erreichen, davon tragen) entwickelt haben: du gewinnest nummer ein gut wipp an mer, dar zu wel ich nummer gefolgen dir. Alsfelder passionsspiel 783 Grein. ei wie hübsch hat mich denn die welt sampt dem teufel geteuscht ... wie gros hat sie an mir gewonnen? wie grossen schaden hat sie mir gethan? Luther (das man die kinder zur schulen ...) 5, 176a Jena; was du an uns gewonnen hast damit die schu thue schmieren. lied v. d. belagerung v. Leipzig (1543) str. 23 Soltau u. Hildebrand (was er daran gewonnen hat Hortleder 2, 407a). je mehr er sah, dasz die verfolger an ihm gewannen (ihm näher kamen). Fr. Gerstäcker der flatbootmann 152. es scheint, dasz die verbindung, wenn sie sich auf diese bedeutung stützte, der entwicklung zum compositum stärkern widerstand leistete. so blieb eine form erhalten, die auch für den begriff des überwindens in die lücke trat, als dort die alte formel abkam: ein obrister ... welcher einen schönen ehrbaren knaben .., mit gewalt seinem willen unterwerffen wollen, weil er zuvor etliche mahl mit güte an ihm nichts gewinnen können. Adam Olearius persian. reisebeschreibung (5, 15) 311b; ähnlich pers. rosenthal (4, 4) 60b; wolan, versetzt der hirt, Zeus will; ich musz mich schon ergeben; man sagt uns, dasz durch widerstreben nicht viel an ihm gewonnen wird. Wieland (komische erzähl., urtheil des Paris) 10, 164; man kan nichts an ihm gewinnen, er läst sich nicht gewinnen, he is not to be prevailed upon; one cannot prevail with him; he would not yield or condescend ... teutsch-engl. lex. 2 (1716) 773; dazu vgl. (falls nicht wiederbelebung älterer wendungen vorliegt): denn satan trug gar fein gebär, und stellte sich gewaltig an, als ob ihm nun und nimmermehr kein andrer was gewönne an. E. M. Arndt (Sankt Christoph) ged. 309. II@1@a@a@22)) dem gegenüber ist abgewinnen noch heute ein viel verwendetes compositum, freilich mit einem gegen früher (vgl. theil 1, sp. 48 f.) völlig veränderten gebrauch. II@1@a@a@2@aa)) hier ist der absolute gebrauch anfangs bevorzugt: das du so emssig thuost begern deins nebenmenschen guot und hab, im understast zuo gwinnen ab und weist, das gott verbieten thuot. J. Wickram (treue Eckart) 5, 99 Bolte; wie denn viel scribenten einen spieler Leonem Mytilenum kennen, der in dem würffelspiele dermassen glücklich gewest, dasz ihme niemand habe abgewinnen können. Praetorius gazaph. 39; ähnlich schon Luther 3, 484 (wer kan diesem geiste abgewinnen?); 5, 111b. 512b; 8, 189a; Opitz 2, 176; Lokman fabeln 21; Günther, Schirmer, Lessing. pronominalformen als object erscheinen hier wie eine secundäre neuerung, vgl.: 'brüstet euch mit eurem triumph. ihr habt mirs abgewonnen!' 'freilich es kann einen stolz machen, über einen so fürchterlichen gegner gesiegt zu haben.' Schiller (parasit 3, 2) 14, 227; ebenso (Piccol. 2, 3) 12, 100 Göthe 1, 216. II@1@a@a@2@bb)) die verbindung mit einem sächlichen object, die für die sinnliche bedeutung noch heute in der beziehung auf das spiel fortlebt (gewannen ihnen das geld wieder ab. Grimmelshausen Simpliciss. 151 u. a. vgl. Henisch, Stieler, Steinbach, Frisch), hatte früh einige übertragene wendungen entwickelt, die sich später in anderen formen verloren: da gewann der Leimlin das urteil Hansen Kentzelmann ab. d. städtechron. 23, 69. vgl.: die gewere abgewinnen. sp. 5959; da ruckten wir zu ihnen, und gewahnen ihnen bescheid ab, wer sie wären. Götz v. Berlichingen lebensbeschr. (3, 2) Bieling. vgl. auch Lessing 21, 323. II@1@a@a@2@b@aα)) gewan in das feld ab. S. Franck weltbuch 224b; ein dicker nebel ... dasz ich ihm mit meiner bergansteigenden heerde das feld nicht abgewinnen und keine sonn erreichen konnte. Bräker der arme mann im Tockenburg 30 Bülow. vgl. unten das feld gewinnen (2, b); II@1@a@a@2@b@bβ)) wenn ein solcher mensch, von solcher herkunft, einem mann wie du den vorsprung abgewönne. Wieland, übers. v. Horazens briefen (1, 6 tibi sit potius) 1, 110; ähnlich Göthe 16, 95 (den schritt) vgl. sp. 6009/10. II@1@a@a@2@cc)) dagegen wird der neuere gebrauch von verbindungen beherrscht, wie sie vor allem Göthe belegen läszt: einer erzählung ihren charakter abgewinnen. 19, 182; (vgl.: der Klingsteinfelsen ward bestiegen ... und von der weiten ... aussicht der charakter gewonnen. [annalen 1806] 31, 268); ein geheimnisz abgewinnen (13, 146); wird er sogar ... dem unzugänglichen etwas abgewinnen können, wie wohl ... nur bis zu einem gewissen grade beizukommen ist. zu Eckermann (gespräche 6, 95 Biedermann). auch ältere wendungen werden von ihm aufgefrischt: hatte man dieser ungewohnten speise erst einigen geschmack abgewonnen. (tag- u. jahreshefte 1805) 31, 223. vgl. dazu oben sp. 3927. vgl. auch: er (der Franzose) springt von dem wetter auf die mode, von der mode auf das herz ... gewinnt jedem dinge die interessante seite ab. Heinr. v. Kleist br. 5, 25 Minde-Pouet. dazu vgl. aus dem neuesten stil (mit unpersönlichem subject): alles gewann mir ein interesse ab und selbst der blick in den alkoven konnte mich nicht umstimmen. Fontane v. zwanzig bis dreiszig 115. II@1@a@bβ) wendungen, die dem neueren stil entspringen. II@1@a@b@11)) voran steht hier die präposition über, die in der älteren sprache nur das grundwort differenziert hatte (s. überwinnen und überwinden) und nunmehr auch an das compositum herantritt, dem sie damit ein neues verwendungsgebiet erschlieszt. die belege reichen nicht über das 18. jahrh. zurück: II@1@a@b@1@aa)) die voraussetzungen, unter denen sich die entwicklung vollzog, lassen sich schon in einem älteren belege für das alterthümliche ob fassen und für die beurtheilung der andern verbindungen verwerthen: ein bOese botschafft wurd gesant, eim hertzogen in Mayland. wie das der Genuoeser leüt, ob jm gewunnen grosse peüt. J. v. Schwartzenberg teutsch Cicero (memorial d. tugend 112b); und ihr traut euch zu blosz einer frau zu lieb' mit sechs und zwanzig rittern es aufzunehmen; sollt euch wohl, den dank des turneis zu gewinnen über uns ein leichtes sein? Wieland (Geron) 18, 47; als der feind schon anfing, terrain (land) über uns zu gewinnen. K. W. Kolbe beleucht. einiger urtheile über sprachreinheit (1818), 26 s. Sanders 3, 1620a; und so, indem man einen gleichen schritt hält, drängt man sich an ihnen auf dem schmalen wege vorbei, und gewinnt über solche ganze reihen den vortheil. Göthe (briefe aus der schweiz 16, 300; das mitleid gewinnt doch endlich über die spottsucht die oberhand. K. Ph. Moritz Anton Reiser (2) 173 Geiger; ebenso Auerbach neues leben 3, 307; wenn die blicke zungen wären, hätten sie dir längst erzehlt: was dein wesen, kluges kind, über mich vor macht gewinnt. Joh. Chr. Günther ged.2 252; das gute sollte übermacht gewinnen über das böse durch alle edle streiter, durch jeden treflichen kämpfer aus dem menschengeschlechte. Herder (briefe d. stud. d. theol. betr.) 10, 199; ebenso (v. einflusz der regierung) 9, 384; wild über die gewalt so sie über mich gewonnen ... werf ich mich aufs bette. S. v. La Roche frl. v. Sternheim (1) 111 Ridderhoff. II@1@a@b@1@bb)) je mehr das object an bedeutung einbüszte, um so rascher geht die entwicklung zur formel voran: ich glaube auch, dasz es sehr unvorsichtig ist, wider seinen feind satiren zu schreiben ... unser feind gewinnt zu viel über uns. er darf nur sagen, dasz wir von ihm beleidigt sind, und dasz wir als feinde schreiben: so hat er seine fehler vertheidigt, und kann ganz ruhig lasterhaft bleiben. Rabener (vom miszbrauch der satire) satiren 12, 11; diese absicht gelang ihnen, und man musz gestehen, dasz sie dadurch schon ein groszes über ihn gewonnen hatten. Wieland (Agathon 12, 3) 3, 77; da es hingegen in keines mannes gewalt stehe, mehr über sie zu gewinnen, als sie ihm freiwillig einzuräumen geneigt sei. (Aristipp 1, 13) 33, 143; nicht, dasz beim kommen oder scheiden das herz ihr höher schlug; ihn nicht mit fleisz zu meiden war wohl das höchste, was er über sie gewann. Oberon (4, 44) 22, 168; heute, mein freund, heute wird sie in der hofcomödie dem blick des fürsten zum erstenmal ausgesetzt ... ich lebe auf, mein freund, der graf von F. zweifelt, das man etwas über den geist des fräuleins gewinnen werde. S. v. la Roche frl. v. Sternheim (1) 83; Wieland (Peregrinus Proteus 7) 28, 76 (über seine vorgesetzte meinung); Göthe 54, 291 (über die farben). vgl. auch: etwas über einen gewinnen. Schwan 1, 746b; Hilpert 2, 1, 465a. II@1@a@b@1@cc)) so drängt auch diese entwicklung zum absoluten gebrauch, der neuerdings durch einführung der pronominalform (es) verschleiert wird: II@1@a@b@1@c@aα)) nicht wahr, es, (das oberste commando) sollte nach der staatsform geformt werden? ist die monarchisch, aristokratisch, demokratisch, so auch das commando. der hat sehr über den soldaten gewonnen der ihm einbilden kann, er wäre zu hause! Hippel (lebensläufe) 4, 241; unter diesem unaufhörlichen geschrei geht das ausblasen und anzünden der kerzen immer fort. man begegne jemanden im haus, auf der treppe, es sei eine gesellschaft im zimmer beisammen, aus einem fenster ans benachbarte, überall sucht man über den andern zu gewinnen, und ihm das licht auszulöschen. Göthe (2. aufenthalt in Rom: Moccoli) 29, 273; diese edlen gestalten (antike gypsabgüsse) waren eine art von heimlichem gegengift, wenn das schwache, falsche, manierirte über mich zu gewinnen drohte. 330; der ausdehnung, d. h. der geographischen verbreitung nach gewann ... die römische über die griechische. Alex. v. Humboldt kosmos 2, 218. II@1@a@b@1@c@bβ)) ich beschwor ihn, sich dieses selbstmörderischen verfahrens zu enthalten; ich sprach mit meinem arzte über seinen zustand und gewann es endlich über den unglücklichen, dasz er wenigstens mit gelinderen dingen sich hinhielt. Immermann (memorabilien: Grabbe) 19, 35 Hempel; damals waren die spiele des dichters noch in populärer ehre; schon aber hatte es jetzt ein Fletscher in der gunst des überreizten theaterpublicums über den meister gewonnen. Gervinus Shakespeare 14, 11. genau so 18. 112. früher als diese belege fallen andere zeugnisse, die von einem unpersönlichen subject getragen sind (vgl. auch oben zu Günther 252; Herder 10, 119; Humboldt kosm. 2, 218 und Göthe 29, 330): aber die eifersucht über Spanien gewann es diesmal über diese politische sympathie. Schiller (abfall d. Niederlande 1. einl.) 7, 19; der hasz gegen diesen gewann es sogar einmal über seine angebotene verstellungskunst 95; wie es die grösze des dichters mehr und mehr selbst über die verschlossenen geister gewann. Gervinus Shakespeare 14, 15; ebenso 24, 261; die belebenden freuden der jagd gewannen es wieder über mich. K. v. Holtei 40 jahre 2, 76. II@1@a@b@1@dd)) besondere beliebtheit und verbreitung erzielen innerhalb der eben gekennzeichneten formel die wendungen, in denen das subject zugleich auch den gegenspieler stellt: II@1@a@b@1@d@aα)) wo das object aus einem substantivsatze zu ergänzen ist, bedarf hier der ältere stil keines vorauslaufenden pronomens: und ob sie gleich mit müh kaum über sich gewann, dem marmorharten jungen mann in ihren armen nicht empfindung abzuzwingen ... Wieland (Oberon 11, 60) 23, 238; ebenso (Aristipp 3, 19) 35, 220; ich habe über mich gewonnen, dich in einigen tagen nicht zu sehen. Göthe (Wilhelm Meisters lehrjahre 1, 16) 18, 96; ebenso (zur naturwissenschaft) 50, 204; ein lausiges ungeheuer! ich könnte über mich gewinnen, es zu prügeln. Schlegel übers. v. Shakespeares sturm 2, 23 (I could find in my heart to beat him); sie zeigte sich kräftiger, als sie vorher gewesen war, nur auf die pflege des freiherrn bedacht, gewann sie über sich, stundenlang neben seinem stuhl zu sitzen. G. Freytag (soll u. haben 6, 1) 5, 273. II@1@a@b@1@d@bβ)) anders: ihr müszt das über euch zu gewinnen suchen, tâchez de gagner cela sur vous. Schwan (1783) 1, 746b. vgl. Hilpert 2, 1, 465 (to bring ones self to do a thing); und sollte denn in der weiten welt kein mädchen sein, das die wünsche ihres herzens erfüllte? gewinnen sie's über sich, suchen sie darnach, und ich schwöre ihnen, sie werden sie finden ... gewinnen sie es über sich! eine reise wird sie, musz sie zerstreuen! Göthe (Werther 2. buch) 16, 158; mein vorsatz zu hause zu mahlen ist schwanckend, und doch mögt ich gleich zu anfange etwas über mich gewinnen. (an frau v. Stein 1782) br. 5, 256; ... gegenwärtig gewinnt es prinz Borghese über sich und verehrt diese köstlichen reste dem könig von Neapel. (ital. reise 1) 27, 261; ich habe es nicht über mich gewinnen können in die erste einige veränderungen hineinzuarbeiten. (an Eichstädt 1808) briefe 20, 3; (wahlverwandtschaften 2, 12.) 17, 344; (dicht. u. wahrh. 1) 24, 52; ich wünschte unendlich, dasz sie Griechisch wüszten ... allein ich kann es dennoch nicht über mich gewinnen, nicht die stunden zu bedauern, die sie beim ersten anfang rein verlieren. Wilh. von Humboldt an Schiller (20. 11. 1795) Leitzmann s. 211; er hatte etwas zu sagen gehabt; doch konnte er sich das herz nicht fassen; als er es endlich über sich gewann, sprach er so einfach und so gründlich. Ranke die römischen päpste 12, 155; ... von denjenigen herren, welche es nicht über sich gewinnen können, eine regierungsvorlage ohne eine gewisse werthsverminderung von der tribüne aus ... anzunehmen. Bismarck im reichstag d. nordd. bundes 2. 4. 1868. II@1@a@b@1@d@gγ)) auch an dieser beliebten formel setzen im neueren stil mancherlei neubildungen an. vereinzelt ist hier die neigung zur kürze, wie sie in der unterdrückung der reflexivbestimmung zu tage tritt: die angst, die angst mir schnürte alle sinnen, hinan zu treten konnt' ich kaum gewinnen. A. v. Droste (des arztes vermächtnisz) 2, 259 Kreiten. dagegen sind erweiterungsformen beliebt: ... haben sie sich wirklich einbilden können, dasz ich das über meinen stolz gewinnen könnte, oder gar über mein herz? Paul Heyse (neue moral. nov.: ein abenteuer) II, 4, s. 258; es erwachte ein groll gegen den man, der so viel macht über ihre seele besasz, und der es doch übers herz gewann, sie so zu quälen. Georg Reicke das grüne huhn (4, 3)2 367. auch die formel macht gewinnen (sp. 5985) dringt nunmehr in den geltungsbereich des reflexivpronomens vor: nur mühsam über mich gewann ich macht, von neuem zu dem fremdling aufzuschauen. Schack (nächte des Orients 2) 1, 25. II@1@a@b@22)) in einem gewissen zusammenhang mit dieser formel stehen einige wendungen, die jedoch vereinzelt bleiben und anscheinend auf den sprachgebrauch Goethes beschränkt sind: wenn ihrs könntet auf euch gewinnen, und mir mehr schriebt, oder nur manchmal, ohne antwort, glaubt dass mirs ewig werth ist ... Göthe (an Kestner 28. sept. 1777) briefe 3, 179 Weimar; und ob ich gleich mich sonst gern alles dessen bediente, was mir gereicht ward, so konnte ich es doch nicht von mir gewinnen, mich derselben (der durch Klopstock vermittelten nordischen mythologie) zu bedienen, und zwar aus folgenden ursachen. (dicht. u. wahrh. 12) 26, 143; II@1@a@b@33)) andere bedeutungsrichtungen fallen für diese und ähnliche präpositionalverbindungen nur wenig ins gewicht: II@1@a@b@3@aa)) von einem im spiele gewinnen. Campe 2, 364b; Hilpert 2, 1, 464c. II@1@a@b@3@bb)) er verlor allemal gegen J .., sobald es auf witz und lebhaftigkeit ankam, aber er gewann immer gegen ihn, sobald es darauf ankam, die eigentliche kraft des denkens an irgend einem gegenstande zu üben. K. Ph. Moritz Anton Reiser (2) 137; ebenso 253; gewinnen gegen dich die philologen, das hilft uns alles nichts: wir sind betrogen. Göthe (Kestners agape) 5, 70 Weimar. die ... sind am besten dran und gewinnen meistens den vorsprung vor denen, welche forderungen einer höheren bildung an sich und andere machen. an J. J. Willemer 5. 12. 1808. II@1@a@b@3@cc)) der schulmeister hatte hier wieder gelegenheit, seine stärke in der latinität zu zeigen, indem er den anschlagbogen ins deutsche übersetzte; und so hatte Reiser schon viel bei ihm gewonnen. Moritz Anton Reiser (4) 355 Geiger. II@1@bb) der gegenspieler als object der verbalthätigkeit. II@1@b@aα) für den erfolg im kampfe (das spiel kommt bei der verbindung mit persönlichem object nicht in betracht) sind nur aus der älteren schicht belege beizubringen, die deutlich auf einen austrag mit waffen zielen. dagegen mehren sich im neueren stil die abgeleiteten wendungen, denen bei der metaphorischen vielseitigkeit des kampfbegriffes die vorliebe zu gute kommt, mit der der neuere stil den begriff der besitznahme durch die beziehung auf kampf und streit auffrischt. vor allem gilt dies für das verhältnisz der geschlechter, das im neueren sprachgebrauch immer mehr unter dem bilde eines kampfes erfaszt wird. II@1@b@a@11)) gewinnen in den alten bedeutungen von überwinden und gefangen nehmen. II@1@b@a@1@aa)) gewinnen, überwinden. II@1@b@a@1@a@aα)) im kampfe der waffen: mich dunckt, er habe vil mer volcks dunn wir, darumm er uns wol gewunnen mag. Haimonskinder 150 Bachmann; nun hett hertzog Ludwig ain wagenpurg, darinn er sich vergraben und verheget hett so stark, dasz in niemant gewinnen mocht. B. Zink, s. d. städtechron. 5, 244; czum dritten wil ich mich ouch weren mit dem kurtzen degen, damit mann die kirisser gewinnet, szo man nien sust weder mit spiesz noch schwert beikommen mag. Emser gegen Luther (neudrucke 83) 12; nun weiszt üwer wisheit für das erst wol, was der fromm bruoder Claus von Underwalden ernstlich geredt hat von einer eidgnoszschaft wegen: dasz die kein herr noch gwalt gwünnen mög denn der eigen nut. Zwingli (vermahnung an die eidgenossen) II, 2, 315. dazu vgl. mit unpersönlichem subject: sunst ist kein kling auff erden, die den trachen gwinnen kan (var. gewinnen; afwinnen mit dativ). lied vom hürnen Seyfried 107; als einen der letzten nachzügler vgl. folgenden unter dem einflusz der bibelsprache stehenden beleg: darnach zog Josua hinauff sammt dem gantzen Israel gen Eglon, belägert und bestritte sie, und gewann sie desselbigen tages, und schlug sie mit der schärffe des schwerdts. Schupp schriften (1684) 402. II@1@b@a@1@a@bβ)) der streit mit geistigen waffen. vgl. die belege der rechtssprache oben sp. 5957; vgl. auch: wo sollen mer nu gezeuge nemmen, die uns zu dissen sachen zemen, dasz mer mit rechte gewinnen en? Alsfelder passionsspiel 3452 Grein. in eine andere richtung weist: damit gibstu dich selbs gewonnen, das du ein falscher lügnergeist bist. Luther (vom abendmahl ... 1528) 3, 441a, s. auch unter gewonnen. wilche aber noch nicht verzagen, die sind noch nicht gewonnen, mit denen ficht der hellt noch imer durchs wort, bis er sie gewinne odder dem gericht gotts heim stelle. Luther (die epistel des proph. Jesaia 1526) 19, 158 Weimar; da er unser sünde in seinem blut erseufft ... des teufels gewalt, durch seinen tod und aufferstehen gewan und unter sich warff. Luther (111 psalm ausgelegt) 5, 213b Jena; er greifft zum ersten das hertz an mit dem wort ... wo aber das hertz verzagt und gewonnen ist: was will odder kann man sich do weren odder streiten (epistel des proph. Jesaia) 19, 158 Weimar. II@1@b@a@1@bb)) gewinnen, gefangen nehmen: item disen sommer ward hertzog Hainrich der jünger von Braunschweig ... vertriben von allem seinem land, die 3 herlen und 2 fräuelen wurden zu Wolffepütll im schlosz gewunnen. L. Widmann s. d. städtechron. 15, 191. dazu vgl.: gewonnen und gezwungen volk. Corvinus 898; cum bello cepi, ich hab jn im krieg gewunnen. Cholinus-Frisius 136a; (erobert oder gewunnen Frisius 184b). dazu vgl. aus jüngster zeit: setze dich auf, ich bringe dich hin, es hat sich vor kurzem dort ein hirsch im walde verborgen, den sollst du gewinnen. Göthe (Reineke fuchs 10) 40, 173 (vangen Reinke de vos 5081, das gleiche Gottsched); II@1@b@a@22)) für das moment der bewegung, das sich aus den situationen eines kampfbildes entwickelt, sind beide haupttypen, gewinnen = erreichen und gewinnen = losbekommen vertreten. während aber die erste gruppe auffallend rasch zusammenschrumpft, nimmt die zweite eine bemerkenswerte ausdehnung. II@1@b@a@2@aa)) gewinnen, erreichen: sie sprach 'herre Ditterich, du salt laszen smeden slosz so veste, das si nimant zubrechen möge: do met wol wir uns beslieszen, das uns do kein man gewinnen möge. du salt uns dor uf spise schigken, das wir ein jar genug haben'. Crescentia (15. jahrh.) bei Wackernagel altd. leseb. 990, 28; ... unnd wie man sagt, soll er jhn mit eim tolchen unden durch das pantzer hinein gewunnen unnd erstochen haben. Wiguleus Hund bayr. stammbuch 2, 83. nach dem aussterben dieser gruppe rückt aus ähnlichen verwendungen neben sächlichem object (s.das freie feld gewinnen), die in der neueren sprache grosze verbreitung fanden, eine art ersatz in die lücke: nur ein einziges kleines, graues männlein stand noch bei vater Romanus auf der gasse, der zahlmeister, und brachte die forderung in richtigkeit. aber auch dieser kletterte nun auf sein röszlein und suchte die andern zu gewinnen. Stifter (Prokopus 1) erzähl. 1, 13 Aprent. II@1@b@a@2@bb)) gewinnen, losbekommen. wolten kein hauptman wider deutsch noch welsch hineinlassen ... man muste die Spaniol auch herausz gewinnen. newe zeittung v. Padua ... 1509 bei Weller 14; wolan es ist zum theil gemelt unform und grobheit diser welt ... meins theils steck ich so tieff darinnen, dasz ich mich nit kan rausz gewinnen. Scheidt Dedekinds Grobianus v. 4884 Milchsack; sein sohn ist ihm nicht zu theuer, nein er gibt ihn für mich hin: dasz er mich vom ewgen feuer durch sein theures blut gewinn. P. Gerhardt (sollt ich meinem gott nicht singen) andachten 397; wie dein poete singet (Wenzel Schärffer) und mit dem alter dinget, dich, Brieg, und die darinnen vom sterben zu gewinnen das zeugen seine lieder. Logau sinngedichte (3, 6, 13) 531 Eitner; fühlt ich die kraft, entgegen lust und schmerz vom leben fest mich selber zu gewinnen, wenn andres nicht, so doch ein ganzes herz. Th. Storm (im zeichen des todes) 8, 244 (s. auch sp. 5996); wo diese frau in einem walde mir begegnete, und hätte zum geleit' nur diese sechs und zwanzig, als ich mir getraute, sie von ihnen zu gewinnen! Wieland (Geron) 18, 45, s. auch oben sp. 5987. II@1@b@a@33)) immer häufiger wird gewinnen für die befestigung persönlicher beziehungen herangezogen, die als ziel and ergebnisz eines kampfes und gegenstreites erfaszt werden. II@1@b@a@3@aa)) unter diesem bild wird schon das verhältnisz der menschen zu gott gern dargestellt: ... und was er daran gewendet, und gewagt hat, das er uns gewönne, und zu seiner herrschaft brechte ... Luther (deudsch catechismus 1529, 2. art.) 44, 11a Jena; o wunderbare ... langmuth gottes, der auch seinen öffentlichen und bekannten feinden ... nachzugehen nicht unterläst! er duldet sie nicht allein, sondern trachtet auch auff mancherlei art und weise sie zu gewinnen und zu bekehren. Christ. Scriver seelenschatz 2, 427b; mit gott hat lieb gerungen, sein sieg hat sie gewungen. hirtenlied bei Lexer kärnt. wb. 258; sucht gott durch busse zu gewinnen und liebt den nehsten, wie man sol so ist euch jetzt und ewig wol. Simon Dach 38 Österley, ebenso 179; vgl. auch 238. dazu vgl.: ein gleiches trifft auch die göttinnen. sie hassen zwar der Venus lieblichkeit, weil sie gesiegt bei jenem schönheits-streit: doch lassen sie sich täglich noch gewinnen; doch lassen sie sich hertz und sinnen noch täglich abgewinnen. Besser (triumph der liebe) 618. II@1@b@a@3@bb)) auch die politischen beziehungen zwischen völkern und volksgruppen rücken in diesen verwendungskreis ein: vgl. im gegensatz zu der älteren verblaszten bedeutung von gewinnen (als darnach auff das dritt jar, die Römer vil feind gewunnen. Livius deutsch von 1562, s. 41a; donoch gewan der keiser vil fürsten zuo vigende. J. Twinger, s. d. städtechron. 8, 436) nunmehr die steigerung der bedeutungsenergie: vergebens hatten sie, um den kaiser durch unterwürfigkeit zu gewinnen, das bündnisz mit Schweden und jeden weg der selbsthülfe verschmäht. Schiller (30 jähriger krieg 2) 8, 160; das land ist schwer bedrängt. — warum mein oheim? wer ist's, der es gestürzt in diese noth? es kostete ein einzig leichtes wort, um augenblicks des dranges los zu sein, und einen gnäd'gen kaiser zu gewinnen. (Tell 2, 1) 14, 309. s. auch unten sp. 5996; die aufgabe, einen Franzosen oder Engländer zu gewinnen, hatte für sie mehr anziehung als dieselbe aufgabe einem landsmanne gegenüber. Bismarck ged. u. erinn. (26) 2, 172; ich glaube deshalb, dasz es uns mit deutscher geduld und deutschem wohlwollen gelingen wird, den landsmann dort (im Elsasz) zu gewinnen — vielleicht in kürzerer zeit, als man jetzt erwartet. im deutschen reichstag 2. 5. 1871; man meinte, die Schleswiger leicht zu gewinnen, wenn man ihnen als mitgift der dänischen einheit das köstlichste aller güter, die demokratische freiheit, entgegenbringen könnte. Sybel d. begründung des deutschen reiches 32, 16. II@1@b@a@3@cc)) vor allem aber ist es das verhältnisz der geschlechterwenigstens soweit die bemühungen des mannes um die frau in frage kommendas immer mehr durch die vorstellung eines kämpfens und ringens belebt wird; man vgl. den gegensatz zwischen der ausarbeitung des reinen begriffes der besitznahme in: das mich der bischoff darzu zwang, das ich ein iung must varen lan und solt ein pei viertzig iarn han. do dachte ich in meinen sinen ich mocht alsz leicht do zwo gewinen, iede bei twentzig iaren alt, so wrden die viertzig iar gezalt. pfarrer v. Kalenberg 1030 Dollmayr gegen: wie leicht ist das weib zu gewinnen, in welche die gäst unnd ander leut, weil sie singt, danzt, unnd auff der lautten schlegt, jre augen, wort unnd gedancken werffen? J. B. Fickler übers. v. Putherbeys tract. v. verbotenen büchern 1, 43b. II@1@b@a@3@c@aα)) auch der älteren auffassung lag hier die vorstellung des kampfes nicht fern (zur höfischen auffassung eines dienstverhältnisses vgl. sp. 5941); nur erschien die frau dabei meist als preis, nicht als gegenspieler vgl.: und wie er wolt auf die fart, gewinnen die künigin zart durch ritterliche tat und er. Teuerdank (9, 10) Goedeke s. 19. dazu aus späterer zeit und mit übertragung auf das kampfspiel: löszt er sie (die rätsel) nicht, musz er vom beile sterben, ... löszt er die räthsel auf, hat er die braut gewonnen. Schiller (Turandot 2, 4) 13, 387 Goedeke (: sonnen); ganz ähnlich Grimms märchen 1, 60 (herr Fix u. Fertig). II@1@b@a@3@c@bβ)) neu dagegen ist die auffassung des liebeswerbens selbst als eines kampfes, die frau erscheint als gegenspieler, conficere aliquam virginem: mit guoten worten überreden, übertörlen, gwünnen, überkommen unnd zewege bringen. Frisius dict. (1556) 289b (gegen: conficere aliquem, einen überreden, oder zewägen bringen. Cholinus-Frisius 196b); wasz zimpt euch, maester Khuenrad? gebt auch darzue eurn radt. wasz zimpt euch in euren sinnnen, wie der jungling die jungfra mocht gebinnenn? Sterzinger spiele (Wiener neudrucke 9), s. 74; sie aber hat die sinnen weit von mir abgekehrt, ist gar nicht zu gewinnen, als wer ich ihr nicht werth. Opitz teutsche poemata 130 neudr.; o grimmige jungfraw, princessin meiner sinnen, kan euch dann meine bitt und seufftzen nicht gewinnen, mein ungestalte farb, und bleiches angesicht, so auch noch jetzundt ist von thränen trucken nicht? s. 140; mich liebten andere schäferinnen, sie aber war nicht zu gewinnen. S. Dach (klage eines verliebten schäfers) 461 Österley; geh' den weibern zart entgegen, du gewinnst sie auf mein wort; und wer rasch ist und verwegen, kommt vielleicht noch besser fort. Göthe (antworten bei einem gesellschaftl. fragespiel) 1, 40; 'wer mich will, der musz mich gewinnen mit so viel müh', als wie eine der besten im land'! ... 'und was hat er geredet, um dich zu gewinnen?' ... 'was ein bursch nur reden mag, dem um eine dirn ist, und da verschwört jeder das himmelreich öfter, als sein jahrlohn groschen hat. Anzengruber (der ledige hof 2, 4) 73, 236; ich war vor einigen tagen in einer ungeduldigen verlegenheit über die auswahl der mittel, die ich brauchen müszte, um das fräulein von Sternheim zu gewinnen. S. v. la Roche frl. v. Sternheim 109; da nun auch Leukonoe so viel als gewonnen ist. Wieland (Krates u. Hipparchia) 39, 364; ähnlich Stifter (bunte steine) 185 Aprent; zu der beliebtesten form der verknüpfung vgl.: bist du gar nicht zu gewinnen, so beklag ich dich, mein kind. J. C. Günther ged.2 261; genau so S. v. Laroche frl. v. Sternheim 85; Immermann (Petrarca 2) 16, 256 Hempel (sie ist ein weib und folglich zu gewinnen). deutlicher und anschaulicher kommt die voraussetzung eines kampfes im folgenden zum ausdruck: ich kenne zarter weiber sinnen, wie schleunig der sie kan gewinnen, der nur die rechten griffchen weisz. geharnschte Venus (neudrucke 74) s. 37; ähnlich J. C. Günther gedichte2 634; (Lisette:) ergebene dienerin! das hiesse sich zu weit in des feindes länder wagen. der platz hier ist neutral. hier kan ich ihren anfällen trotzen. (Lelio:) ach! wer nur den angriff wagen will, gewinnt dich aller orten. Lessing (die alte jungfer 1, 4) 33, 207; burgen mit hohen mauern und zinnen, mädchen mit stolzen höhnenden sinnen möcht' ich gewinnen! Göthe (Faust I) 12, 52: die erfahrung gleicht einer unerbittlichen schönen. jahre gehen vorüber, bis du sie gewinnst, und ergibt sie sich endlich, seid ihr beide alt geworden und ihr könnt euch nicht mehr brauchen. Ludw. Börne der narr im weiszen schwan 2) 23 (1840), 446; das kämpferische regte sich in ihm. nein, nein, er wollte sie nicht kleinmütig preisgeben, er wollte sie sich schon noch gewinnen. G. v. Ompteda d. zeremonienmeister6 199. auch die beziehung auf das (glücks)spiel schlägt gelegentlich hier durch: nur ein einziges böses weib lebt noch unter der sonnen, aber jeder ehemann meint, er hab's gewonnen. Wilhelm Müller (epigr. spaziergänge 2, 83) 336 Hatfield. II@1@b@a@3@c@gγ)) seltener natürlich sind die wendungen, die die bemühung von der frau ausgehn lassen. auch hier heben sich deutlich von ältern typen des abgeblaszten begriffes der besitznahme (ob dein weib ain andern gbun zu dier. Sterzinger spiele, das knofloch v. Claus Putze) die neueren durch die vorstellung eines kämpfens und ringens belebten wendungen charakteristisch ab. (Camilla:) es ist doch vergebens! meine jungfrau ist bei ihm ... in grossem ansehen ... (Coelestina:) ich hoffe durch standhafftigkeit mainer liebe ihn zu gewinnen. Gryphius horribilicr. 26 Braune; ach! was blüht mir vor ein glücke, da mich so ein ehrlich kind unter feinden, gram und tücke sonder eigennutz gewinnt! da sie mir den schwur gethan, fang ich erst zu leben an. J. C. Günther (an seine braut) ged.2 271; wenn ich nun träumet mit dir und aufwachet am morgen, die arm', verfolgt' dirn' von eh'nder, dein' vatern als mein' alt' feind, so mächtig wie früher, und nur dich g'wonnen hätt' als mein' neuen freund, — könnt'st da auch versterben und mich verlassen! Anzengruber (der meineidbauer 3, 5) 63, 199; keine königin soll mich gewinnen und keiner krone strahl, ich trachte mit allen sinnen nach der schäferin im thal. Uhland (der junge könig u. die schäferin 2) 1, 172 Erich Schmidt. II@1@b@a@3@dd)) auch als träger bloszer freundschaftlicher beziehungen (vgl. einen freund gewinnen u. a., sp. 5997) wird das verbum in seiner bedeutung durch anklänge an kampf und sieg immer mehr gehoben (vgl. schon zur bibelübersetzung sp. 5966): der gehässige feind der physiognomik musz dadurch gewonnen werden. Herder (über Lavater) 9, 412; vielleicht bereut es bald das volk.du weiszt es ja, wie sie ihn liebten.komm! ich wend' an deinen vater mich und helfen sollst du mir.wir können ihn vielleicht gewinnen. Hölderlin (tod des Empedokles 1) 3, 48 Böhm; entweder er sucht mich zu beschämen, oder zu gewinnen. keines von beiden soll ihm gelingen. Lessing (der freigeist 3, 7) 23, 90; darum gewinnen mich dichter und geschichtschreiber so selten. F. M. Klinger (die zwillinge 1, 1) 1, 4; wie seid ihr nicht so gut, so euch zu bessern willig, auf eigne fehler streng und gegen fremde billig; und, zu gefallen unbemüht, ist niemant, den ihr nicht gewönnet (: kennet). Göthe (an mademoiselle Oeser zu Leipzig) 56, 58; vgl. auch briefe 1, 174; ihre glänzende schönheit, ihr kluges und herablassendes betragen, die art, wie sie alle zu gewinnen, allen ein geneigtes gehör zu schenken wuszte ... Platen (gesch. des königreichs Neapel 3, 4) 3, 127 Redlich; sie wuszte die frauen eben so zu gewinnen wie die männer. P. Heyse neue nov. (Helene Morten) II, 4, 200; vgl. gewinnend (s. auch sp. 5982); ich war gekommen in der stimmung eines frondeurs, dem es ganz recht sein würde, ungnädig weggeschickt zu werden, und ging, vollständig entwaffnet und gewonnen. Bismarck ged. u. erinn. 1, 44. II@1@b@bβ) für die von gewinnen in der bedeutung einer besitznahme entwickelten alten formeln ist im neueren stil nach verschiedenen richtungen eine einbusze zu verzeichnen. liebes- und freundschaftsverhältnisse werden durch den anklang an kampf und sieg in andere richtung gezogen, die verwandtschaftsverhältnisse lassen das verbum mehr und mehr abkommen, die formel gewinnen heiszen stirbt ganz aus, dagegen hat die verbindung lieb gewinnen ihr gebiet auszerordentlich ausgedehnt; sie läszt dem aus kampf und sieg hervorgehenden begriffe (jemanden für sich einnehmen) aus der bedeutung des erwerbs eine art passiver actionsart erwachsen: für jemand eingenommen werden. II@1@b@b@11)) die verbindung sohn, tochter gewinnen verkümmert am raschesten und vollständigsten. II@1@b@b@1@aa)) die beziehung auf ein männliches subject: wir hörn wi Leupolt vil sün mäht, die da gwunnen entspriesse. der ain Wilhelmus hiesse. Michael Beheim (1, 66: v. d. baum v. Österreich) Karajan 29a; item under den obgeschreben wasz einer genant Henselen Rorbach, der nam ein eewip die wasz fast lang suberlich und erlich. mit der gewan er zu rechter ee vier sone und vier tochtere ... B. Rorbach stirps Rorbach (quellen z. Frankfurter gesch. 1, 161); ganz ebenso Closener (d. städtechron. 8) 30; buch der liebe (Melusine 41) 275c (von jhr); der kaiser gewan nach im einen sun mit namen gehaissen Wenzeslauus. d. städtechron. 1, 350 (Nürnberg); it is wâr, vele papen sîn in Lomberdien de gemênliken hebben ere egene amien ... desse driven vele sunde unde schande, se gewinnen kindere, so mi is gesecht, alse andere minschen dôn in deme echt. Reinke de vos 3977 (sie kriegen kinder Gottsched; sie haben kinder Göthe); nu we, nun wee mir armen mann, das ich ie solichs kind gewann. Sterzinger spiele (Wiener neudrucke 11) 64. II@1@b@b@1@bb)) die beziehung auf das elternpaar: ein grauf ... der hiessz Georius, und het ein frowen ... und die ee lewt gewunnen drei sún. heiligen leben (1472) 9a (Sant Jörgen); die erst gesellschaft kumbt uns her von man und weib die gwinnen kind alsz dann so wechst gantz hauszgesind das mehret sich und wird ein gmein. Wolfgang Schmeltzl Samuel und Saul (1551) Wiener neudr. 5, 9; Adam und Eva ... da sie ausz dem paradisz wurden getrieben ... gewunnen da jre kinder. Otho v. Demeringen übers. d. Joh. d. Mandeville (1) 74 (fehlt im lat. text und in der übers. v. 1481), ebenso 107. II@1@b@b@1@cc)) die beziehung auf ein weibliches subject (vgl. auch: wo die sonn gewint ein erben. Waldis Esopus v. dieb u. d. sonnen): es was ein iunckfraw nit alt ain iar, sie nam ein man zu der ee, ist war; sie gwan ein sun mit mansz gewalt, e das sie wardt ains iares alt. räthsel von der Eva beim pfaffen v. Kahlenberg 543; also fürt der konig von Engelant die koniginne mit im heim und sie gewan hernoch einen jungen sone mit ime Eberh. Windecke gesch. kaiser Sigmunds 146 Altmann. ebenso Murner gäuchmatt 32, 290 Uhl; (Joseph:) Maria wirt ein kint gewinnen da bin ich werlich unschuldig ane ich wil nü von ir lan. hessisches weihnachtsspiel des 15. jahrh. v. 58 Piderit; des jars, montag nach sant Endris tag fergruob man hie ain jungs tochterlin, das het ain kind gewonen und warf es in ain scheishausz. H. Mülich (d. städtechron. 22) 353; ähnlich Ulman Stromer (d. städtechron. 1) 68; Andreas v. Regensburg chronik v. d. fürsten zu Bayern 599 Leidinger; buch der liebe 267a. 267b; Geiler v. Keisersberg ausg. d. juden H. 2; Ryff übers. d. Artemidor 21a; up dat se mi einem finen manne geven, dâr ik in dem echten state mede mochte leven, na der werlde lôp kinder mochte gewinnen. Lübecker dodes danz 1315 Baethcke (de junkfrowe); der het einen sone hiesz Fierrabras, der gröste riesz, so ie von einichem frawenbild zur wellt was gewunnen und bracht worden. Fierrabras A 2b; und desselbigen jars gewann ich in einer geburt drei tOechter, die alle schOen und wolgestallt gewesen seindt. buch der liebe (Melusine 50) 279a. II@1@b@b@1@dd)) mit dem 17. jahrh. tritt die verbindung ganz zurück und wird auch in den wörterbüchern (vgl. sp. 5971) erst, seitdem die buchungen der geschichtlichen darstellung und der mundart (sp. 5974) sich zuwenden, wieder gestreift; Adelung führt einen sohn gewinnen unter den veralteten redensarten auf; Campe bezeichnet sie als ungewöhnlich und dichterisch. vereinzeltes wiederaufleben auf grund freier fügung wäre freilich auch heute nicht undenkbar, doch ist der folgende beleg aus Göthe nicht hierher zu ziehen, weil kind hier nicht mit seiner familienrechtlichen bedeutung erfaszt ist, sondern nur der kennzeichnung der altersstufe dient. und auf diese jugendfülle, dieser glieder frohe pracht harret einer in der stille, den sie einzig glücklich macht ... wie's ihr ist und wie's ihr war, kenn' ich sie doch ganz und gar. wer gewänn' an seel' und leib solch ein kind und solch ein weib! Göthe (juni) 3, 42. bei Immermann dagegen wird wol an beeinflussung durch die kenntnisz älterer dichtung zu denken sein: von Jolanthen, seines betts genossin, gewann er mich, den ältesten, dann Carlo, zuletzt Arminio in wenig jahren. (die prinzen von Syrakus 1. aufz.) 14, 16 Hempel. II@1@b@b@22)) ungewöhnlich entwickelt dagegen und begünstigt im neueren gebrauch ist die verbindung lieb gewinnen. diese formel, deren spärliche ansätze in die mittelhochdeutsche zeit zurückreichen (vgl. oben sp. 5942), und die mit Luther in der bibelübersetzung vordringt (vgl. sp. 5967) ist die erfolgreichste spielart unter den verbindungen des verbums mit einem prädicativen adjectiv (vgl. die sich nicht allzu reich gewinnen mügen. Luther 15, 296 Weimar; anders: gewan ein frmen man. Hans Sachs fab. u. schw. 3, 178 (s. sp. 5996); an verbreitung übertrifft sie auch durchaus die verbindungen liebe zu einem gewinnen und die liebe eines andern gewinnen (s. u.); bei der ersten der beiden wendungen ist überdies das substantiv neuerdings ganz durch synonyma verdrängt (neigung, ein herz für jemanden gewinnen) — wol nicht ohne einflusz unserer formel. II@1@b@b@2@aa)) die entwicklung zur formel nimmt einerseits dem adjectiv die syntaktische selbständigkeit, andererseits begünstigt sie unter den freiheiten der wortstellung die formen, die das adjectiv und das verbum so nahe wie möglich zusammenrücken. II@1@b@b@2@a@aα)) die steigerungsformen und sonstige adverbiale bestimmungen verkümmern und sind meist nur in den leichtesten formen vertreten: wan daz liebeste, daz er (gott) ie gewan, daz bist dû (Jesus) ime mit dem heiligen geiste. David v. Augsburg (Pfeiffer z. f. d. a. 9, 49); einn stücklein fleisch an des füllens stirn, das frist das mutterpferd nach der geburt, unnd gewinnt das füllin noch dester lieber. Er. Alberus nov. dict. genus R 3a; ebenso Sterzinger spiele 16 (s. u.); das sie ... unns fürthin lieber gewinnen. Alberus ehezuchtbüchlein E 1b; hier schickt ihnen ihre schwägerin die ich täglich lieber gewinne ein stückgen desert. Göthe (an frau v. Stein 1776) br. 3, 113; ein junger student was zuo Ingolstatt, der gewann eins reichenn herren magt fast lieb. Frey gartengesellschaft (89) 104 Bolte; worent si aber alse guote gesellen alse vor ... also das si gar liep einander gewunnent. Nicolaus v. Basel 79 Schmidt; Tobler wird dir geschrieben haben .. wir haben ihn gar lieb gewonnen. Göthe (an Lavater 1781) br. 5, 150; und die weil er (der herzog Heinrich) dem lindwurm den schwantz abgehawen ... solle ihn der lew sehr lieb gewonnen haben. Bünting Braunschweig. chronik 149; ohne zweifel haben sie Wernern schon sehr lieb gewonnen. J. v. Sonnenfels briefe über die Wiener schaubühne 1, 12 neudruck; wie selten ... ein ... mensch einen menschen umfaszet und ihn so lieb gewinnt, dasz er ihn mit sich trage. Herder (plastik) 8, 63; und bald gewann er es so lieb, dasz er es zu seiner gemahlin machte. Grimms märchen (Marienkind) 1, 11; seltener sind wendungen wie: in einem deutschen staate erst werden diese häszlichen züge der Süddeutschen verschwinden; es sind trotz alledem herrliche menschen, und ich habe sie herzlich lieb gewonnen. Treitschke (an Freytag 1864) briefwechsel s. 25. II@1@b@b@2@a@bβ)) schon hier zeigte sich das bestreben, dem adjectiv das verbum so eng wie möglich folgen zu lassen, dazu vgl.: wie dasz doch der menschen sinnen sich so können lieb gewinnen. S. Dach 840 Österley (nr. 366). diese neigung, der im hauptsatze die natürliche wortstellung meist widerstrebt, wird mehr nur in älteren belegen (vgl. auch oben Grimms märchen) durchkreuzt: in einem dorff wohnt ein ertz-dieb, der gewan ein junge metzen lieb. B. Waldis Esopus (3, 61) 1, 348 Kurz; ähnlich J. C. Günther nachlese 53; du bleibest jmmer gut.auff deinen angetrieb gewan doch, der jtzund mich hasset, erstlich lieb. Tscherning deutscher gedichte früling 98; je lenger je mehr gewann mich mein herr der cardinal lieb. A. Albertinus landtstörtzer Gusman (18) 123. am wenigsten natürlich stören leichte prominalformen: als bald si jn ansahe do gewan si jn lieb. Pontus u. Sidonia b 4a; gewinn sie lieb. Alberus nov. dict. genus B 3b; da sah den jungling eine muse blühen, gewann ihn lieb, gosz in sein weiches herz gefühl, bei ihren chören zu entglühen. Gotter (an meine freunde) ged. 1, 3; den förmlichen übergang zum compositum hat die schreibung mehr nur vorübergehend gekennzeichnet. den ersten beleg bietet Zesen: wi ihn seine himlische Rosemund straks im anfange schonn so häftig lihb-gewonnen hätte adriat. Rosemund 92 neudr. dazu vgl.: die zu vollem herzvereine mich so innig liebgewann. Bürger (elegie) 98 Sauer; ihre augen werden sich schon an meinen anblick gewöhnen. sie werden mich leiden können — vielleicht liebgewinnen — ja liebgewinnen. Gotter Marianne (2, 9) ausgabe von 1776 s. 51; nun war es Reisern sehr auffallend, dasz dieser junge mensch, den er schon so liebgewonnen hatte, gerade mit ihm einerlei namen führte. K. Ph. Moritz Anton Reiser (2) 150. die meisten belege sind Herder entnommen, der zugleich für die weitestgehende entwicklung auch nach der seite der bedeutung zeugnis ablegt (s. u.), wie er andererseits auch bereits analoge verbindungen mit synonymen nachbildet: dasz sie diesen groszen republikaner ... so werthgewönnen als ers verdient (briefe das stud. d. theol. betr.) 11, 34. II@1@b@b@2@a@gγ)) dem bestreben, adjectiv und verbum zusammenzurücken, entspringt auch die bevorzugung bestimmter verbalformen, so des particip. praet. (liebgewonnen) und des infinitivs, andere formen begegnen meist nur im nebensatze: liebgewinnt bei Göthe (s. oben theil 6 sp. 961) und vgl.: es wäre übel, wenn er die schöne reihe ächter philosophischer perlen in diesem briefe nicht liebgewönne. Herder (kleine schriften) 15, 56. II@1@b@b@2@bb)) abstufungen in gebrauch und bedeutung. II@1@b@b@2@b@aα)) die volle bedeutungskraft, die dem zusammentreten der beiden worte erwächst, entfaltet sich in der kennzeichnung von liebesverhältnissen, der die verbindung seit ihrem ersten auftreten mit vorliebe dienstbar gemacht wird; vgl. die oben angeführten beispiele aus Pontus u. Sidonia, der gartengesellschaft, Luther (sp. 5967); Zesen, Gotter, Bürger, dazu vgl.: ob si mich wolt nemen zu einem man; dan ich kain mensch nie lieber gban den nur diselb schon Adlhayt. Sterzinger spiele (Wiener neudrucke 11) 16; Liszabetta mit name, ein jnges nnlein wase. das het lieb ueber mase ein jngen edelmone, der sie auch lieb gewone doch ir lieb nicht genossen: das nnlein wart verschlossen. H. Sachs (die epthesin mit der prüch) fab. u. schwänke 4, 38; ebenso 3, 310; 4, 247; in hac commotus sum: disse hab ich lieb gewunnen. Erasmus Alberus nov. dict. genus B 3b; wa man mit sollicher vermischung des kadts mit dem öl, das mannlich glied bestreiche, unnd sich denn der unkeuschheit gebrauchen, dasz das weib sollichen man vor allen andern sehr lieb gewinne. Ryff thierbuch Alberti Magni C6; so viel feiner, junger gesellen, die lust zu mir trugen und mich lieb gewunnen. Kirchhof wendunmuth (3, 97) 2, 363 Oesterley; dasz er mit jhr anhube zu bulen, und für sein schlaffweib bei sich behielt, die er so lieb gewann, dasz er schier kein augenblick von jr sein konnte. volksbuch von doktor Faust 106 neudruck; des Potiphars weib sagt vil von Josephs schönem leib, und wie sie ihn lieb gewonnen hab. Nicod. Frischlin (Joseph) s. 69 Strausz; ei triff nur auch das hertz der liebesten freundinne, dasz sie mich, wie ich sie, auch wider lieb gewinne, so sag ich, du schieszt recht mit urtheil und verstandt. Opitz teutsche poemata 122 Witkowski; Proxim wird heimlich lieb gewonnen, von einer schönen liebes-sonnen. Grimmelshausen wieder erstandener Simplic. 3 (1713), 5a; Galathee, du preisz und ehr aller schäfferinnen, dich must' ich je mehr und mehr damals lieb gewinnen. S. Dach (herbst-lied) 412 Österley (nr 171); dasz diese Dorilis Montanus lieb gewonnen. Joh. Chr. Günther ged.2 1135; als Zeus Europen lieb gewann, nahm er, die schöne zu besigen, verschiedene gestalten an. Lessing (sinnged.: auf die Europa) 13, 5 einen lieb gewinnen, einem gewogen werden, divenire affezzionato ad alcuna, devenir affectionné à quelcun. Rädlein (1711) 1, 383b; einen oder eine lieb gewinnen, to fall in love with one. teutsch-engl. lex. 2 (1716), 773; einen lieb gewinnen, amore alicujus corripi; Steinbach 2, 1028; ähnl. Frisch 2, 450c; ähnl. (prendre en affection) Rondeau, Schwan, Campe, Hilpert (take a liking to a person); neuere belege aus Hölty, Stolberg s. theil 6, sp. 907. auch auf die thierwelt wird die wendung gern übertragen (vgl. oben den beleg aus Bünting): jener lewe der des hirten tochter lieb gewan, liesz sich ausz törichter brunst der jungfraw vatter bereden, das man jm die zeene auszschluge. Matthesius (Luthers leben) predigten 143 Loesche; ein lämmgen, das mich lieb gewonne. F. C. C. v. Creuz oden 1, 207. II@1@b@b@2@b@bβ)) neben dem eigentlichen liebesverhältnisse sind die beziehungen zwischen verwandten hier wenig beobachtet. auszer der übertragung auf die thierwelt (das mutterpferd ... gewinnt das füllin noch dester lieber. E. Alberus nov. dict. genus R 3a) ist das verhältnis zwischen eltern und kindern nur aus jüngerem gebrauch zu belegen: der reiter nahm den knaben mit sich und gewann ihn lieb wie einen sohn. G. Freytag (ahnen 6, 16) 13, 195. analog aufgefaszt ist das verhältnis zwischen gott und menschen: nicht darumb das uns gott lieb gewin. Seb. Franck chron. 2, 135b; indessen schäz ich mir vernüglich für ein glükk wann mein gelassens herz von himmlischem geschikk so weit beseligt wird, dasz ich mit reinen sinnen kan vater, sohn, und gaist (den dreiling) lieb gewinnen. Rompler v. Löwenhalt erstes gebüsch seiner reimged. 3. II@1@b@b@2@b@gγ)) um so häufiger sind die belege für allgemeinere freundschaftliche beziehungen: (vgl. oben die belege aus Nic. v. Basel, E. Alberus, Albertinus, S. Dach, Tscherning, Sonnenfels, Herder, Moritz, Göthe, Treitschke): Huge der bleib so lange da bis in jong und alt liep gewonnen. Elisabeth v. Nassau Huge Scheppel 3rb Urtel; auff das sich die freunde unternander erkennten, und lieb gewönnen. Luther (das diese worte 'das ist mein leib' 1527) 23, 269, ebenso 1 Thess. 2, 8; verhielte mich auch gegen allem hauszgesindt dermassen, dasz mich jederman lieb gewan. A. Albertinus landtstörtzer Gusman (9) 59; ebenso 189. 406; ebenso E. Alberus nov. dict. genus m 4a; heltst du dich also gschickt mit sinnen, dein herr wird dich bald lieb gewinnen. Scheidt Dedekinds Grobianus (von dischzucht) 27 Milchsack; es war das unglück meines lebens, dasz er die bekanntschaft meines guten seligen mannes machte, dasz dieser ihn lieb gewann. L. Tieck (die verlobung) 17, 112; wo sie auch sind, fräulein, die leute werden sie lieb gewinnen. G. Freytag (ahnen 5, II, 2) 12, 207. II@1@b@b@2@b@dδ)) die verbindung mit unpersönlichen objecten (vgl. unter 2) beruht hier ganz auf übertragung und secundärer erweiterung, daher sind die einschlägigen belege schon hier angereiht: die erd' ist sauber und beleckt durch den gewünschten schein der sonnen, ist ihres winter-fells entdeckt und wird vom himmel lieb gewonnen. S. Dach 429; ebenso 597 (die welt so lieb gewinnen); vgl. schon Luther s. o. vgl. J. C. Günther ged.2 460 (die etwas mehr, als das, was welt ist, lieb gewinnt); von da binn ich nach Homburg, und habe wieder das leben lieb gewonnen. Göthe (an Kestner 1772) br. 2, 37; des klugen Breszlers haus gewann mein dichten lieb. J. C. Günther nachlese 53; sie haben ein höheres interesse lieb gewonnen, und können sich nicht mehr an dem gemeinen interesse erwärmen. Heinr. v. Kleist (an seine schwester 12. 11. 1799) 5, 51 Minde-Pouet; man musz allerdings in verfassungen der art gelebt und sie liebgewonnen haben, um auch die kleinen, versteckten züge, die das gemählde eigentlich beleben, zu schätzen und zu bemerken. Herder (kleinere schriften) 15, 38; ähnl. 12, 235. 11, 39; in deren stillen stunden die liebgewonnenen schatten mir von neuem vor die seele treten werden. Georg Hermann Jettchen Gebert8 475. II@1@b@b@33)) die differenzierung des begriffes der besitznahme durch die bestimmungsmerkmale, die im object gegeben sind (vgl. oben sp. 5945) hat für den neueren gebrauch erweiterte geltung. ganz zurückgedrängt und nur als zeugnisse des ältern stils beobachtet sind die wendungen in denen gewinnen hier (im gegensatz zu den obigen belegen für gewinnen = bezwingen) auf die totalität des persönlichen objectes zielt: gib, daʒ ich hier alles nur achte für koth und Jesum gewinne: dis eine ist noth! J. H. Schröder eins ist noth (Freylingh. gesangb. 533b); er sprach: 'ich will ein stadt hie bawen' ... sie sprach: 'wiltus nicht anders beginnen wirst nicht viel alter bürger gewinnen'. Waldis Esopus 1, 324 Kurz; heut ist auch ein fröhlicher tag dasz man den sommer gewinnen mag alle ir herren mein der sommer ist fein. Uhland volksl. 23; vereinzelt ist hier die reflexivconstruction und einer ergänzung bedürftig, die bei Storm s. sp. 5989 erkennbar ist: hab' ich, unglückliches doppelkind, mich erst gewonnen im schoosze der armen. Immermann (Merlin: der Gral) 15, 98 Hempel; meist aber ist die person nicht in ihrer totalität, sondern von einer seite ihres wesens oder ihrer bethätigung erfaszt: würde das ein gefälliger dienst sein ... für die heilige, da wir eine gnädige fürsprecherin im himmel gewönnen. W. Alexis hosen des herrn v. Bredow (1, 7) 159; solt du uns alzeit vol schencken ein so gwinstu frölich geste. Forster frische teutsche liedlein 83 Marriage. vgl. auch oben sp. 5993; ebenso Tell 2, 1 (sp. 5990). II@1@b@b@3@aa)) unter den entsprechenden appellativen haben die auf freundschaft oder verwandtschaft zielenden formeln für den neueren stil nur noch wenig bedeutung: ich enmagk keinen brudder mer gewinnen, der sich moge geglichen Lazaro unserm brudder in sim rich. Alsfelder passionsspiel 2218 Grein. ein pawer wolt gwinnen ein gfatern da pekam im vor seinem gatern unser hergot und sprach: 'wohin?' er sprach 'ein gfatern ich gewin' der herr sprach 'gewin mich, mein mane'. H. Sachs (der pawer mit dem dot) fabeln u. schwänke 4, 315; genau so noch Grübel 1, 33 (der su ... an g'vattern g'winna koh) vgl. auch sp. 5999; kompt (er) usz Schluraffen lant, hat er pfenning, er wirt bekant und gewinnt freunt und basen. der Missener junker Pfennig 43 Bolte. Erich berichtete von dem leben auf Mattenheim und wie ihm das glück geworden, auch da einen freund zu gewinnen. B. Auerbach das landhaus am Rhein (11, 7) 3, 33. vgl. auch: einen patron gewinnen. Schupp (v. d. einbildung) schriften 564. II@1@b@b@3@bb)) weit ergiebiger sind die appellativa, die auf eine berufsthätigkeit oder lebensstellung zielen. hier kreuzen sich zwar die bestimmungsmerkmale, die im object liegen, vielfach mit solchen, die in anderer form eine zielbestimmung zum ausdruck bringen: den minister, den richter, den kerkermeister [für eine bestimmte sache] gewinnen s. u.; also gewan ich ainen man, der mit mir solt gan durch den wald B. Zink s. d. städechron. 5, 108; und gewan man arm gesellen darinn, die solten den gewelben ze hilf kommen. 5, 149. zahlreich und entwicklungsfähig sind aber auch die wendungen, die die differenzierung ganz aus dem object entnehmen: wann lanng hernach bei kaiser Fridreichs zeiten, dez ersten, gewan Beheimland sein ersten künig (primum regem cepit habere) A. v. Regensburg (chron. v. ... Bayern) s. 260; nu hat mir Ruolman geschriben daz ir zuo disen ostern sechs priestere gewinnende werdent und zwene schüelere. Nicolaus v. Basel 305 Schmidt: also hät kaiser Murat wol zwai mal hundert tausend man, die er mit hilf seins swager gwan, di er speiset und furet. Michael Behaim 5, 69 Karajan; ich phennig hab manchen dinst mann, wann kung oder keiser ie gewann. ged. auf den pfennig (Jakob Köbels bearbeitung eines ged. des Teichners. anf. des 16. jahrh.) Bolte z. f. d. a. 48, 32; als nun mein vater ... das ganze land durchlaufen hatte, um manchen söldener zu finden, den er mit seinem golde gewann, Braunen zu helfen: so kam er. Gottsched Reineke fuchs (1, 26) 49 (de he wan mit sineme golde. Reinke de vos v. 2309; gewonnen Göthe, jedoch mit abstreifung des formelhaften in der wendung); doch bringen er keine bottschafft wider, wenn er zur hell sich glassen nieder, so werd er ewig bleiben drinnen, wer wOell mOeg andre botten gwinnen. Sandrub histor. u. poet. kurzweil 127 Milchsack; hie kumpt der pfarrer an die mietstat und gewint hawer umb den lon unn weist sie mit im. pfarrer vom Kalenberg s. 15 Dollmayer; do saget im der richter zue, das er des andern morgens frue das viech solt treiben an das veldt oder gewn ain umb das geldt, und er das viech trib an die wait nach ir alten gewohnhait. 1894, vgl. auch 2064; welh der wär, er war in baider arbait oder in der ain und der scheffart selbs mit dem leib nicht vermöcht, der sol ain andern an sein stat gewinnen, der nutzlich ist, damit nicht saumung in der scheffart beschech. (Admonter ordn. 1440) österr. weisth. 6, 46; ferner sollen die marigen zu gelegener zeit, als zu liechmössen, um einen gaiszhirten, ... umb einen schaafhirten und um drei küehirten, ... sowohl auch um zwen schweinhirten sechen, gewingen und dieselben den ausschüssen und nachparen fürstellen. (dorfordnung von Niederdorf handschr. 1782) österr. weisth. 5, 543, ebenso 545; vgl. mähder, schnitter gewinnen. Schmeller 22, 931; brecherinnen, taglöhner gewinnen (aufnehmen, bestellen, miethen, dingen). ebenda. die neuere schriftsprache hat diese wendung im allgemeinen nicht aufgenommen; wo sie von ihr gebrauch macht, legt sie die bedeutungsenergie hinein, die gewinnen in seinen beziehungen zum glücksspiel erworben hat: er sprach von der universität, die er zu Frankfurt gründen wolle ... er nannte die männer, die er gewonnen, deren ruf durch ganz Germanien strahle. W. Alexis hosen d. herrn v. Bredow (2, 3) 2, 92. naturgemäsz wurde aber auch hier der gebrauch wieder erweitert und abgeschwächt: als regisseur war ... Franz Fischer gewonnen worden. Wahle d. Weimarer hoftheat. 35; dachte Fischer daran, die hauboisten der Zeitzer garnison zu gewinnen. 39. dazu vgl.: man sagt für engagieren gewinnen, etwa von einem groszen bedeutenden künstler, welchen gleichzeitig viele zu engagiren wünschen, so dasz derjenige, der ihn wirklich engagirt, in der that wie der glückliche gewinner eines treffers zu betrachten ist. aber dem ist nicht so. nicht blosz das beste, alles wird 'gewonnen'. die obskursten namen werden gewonnen, frische und ausgesungene stimmen, neue und abgespielte comödianten. Ferd. Kürnberger (sprache u. zeitungen 1866) literar. herzensachen 22. II@1@b@gγ) eine ungewöhnliche verbreitung erreichen im neueren stil einzelne erweiterungsformen, die für den begriff einer besitznahme bisher wenig bedeutung gehabt hatten. II@1@b@g@11)) hierher gehört in erster linie die zielbestimmung, deren differenzierende wirkung auf das verbum sich, wie schon bemerkt, mit den gleichen erscheinungen am object vielfach kreuzt. II@1@b@g@1@aa)) die zielbestimmung ist im satze angedeutet. II@1@b@g@1@a@aα)) sie ist durch einen persönlichen dativ selbst vertreten: ein gutes wort, findet eine gute stat, und ein unglaubiger mann, wirdt offt durch ein solch ehrenweib geheiliget, unnd Christo gewonnen, auch ohne wort, nur durch der weiber wandel. Matthesius hochzeitspredigten 207; vgl. die seelen Christo gewinnen, gagner, aquerir. Rondeau 2, Uu 3d. deutlich zeigt sich, dasz die zielbestimmung hier die verbalbedeutung stärker beeinfluszt, als wenn es sich um ein sächliches object (vgl. unter 2) handelte: schmeichelnd wohl gewann er sich was auf erden das höchste; aber ruhig besitzt er's nicht ... Göthe (Faust II, 3) 41, 223 (älteste fassung: gewinnt er sie auch durch freundliches schmeicheln); den noch immer für ihn gewonnenen monarchen zu überreden, dasz der zweck jener geheimen zusammenkünfte kein andrer sei, als Deutschland den frieden zu schenken. Schiller (30 jähr. krieg, 4. buch) 8, 333; mein oncle hat eine halbschwester in dem damenstift zu G., die er wegen einem reichen erbe, so ihr zugefallen ist, zum besten seiner kinder zu gewinnen sucht. und aus dieser ursache muszte meine tante mit ihren beiden söhnen die reise zu ihr machen. S. v. la Roche frl. v. Sternheim (1) 74; die führer auch des heeres sind gewonnen, euch zu dienste. Grillparzer (der traum, ein leben 3) 75, 177; ebenso C. Spitteler Prometheus und Epimetheus (1)2 64 (um ein weniges ihn mir gewinnen.) dazu vgl. mit unterordnung unter ein unpersönliches subject: ein einziger zug konnte ihn schnell für einen menschen gewinnen. Heinrich v. Kleist (an seine braut) 5, 188 Minde-Pouet: o sieh, sie lieben mich, nur erst gekommen, als ob wir jahre schon uns sähn und kennten. mein mildes wort, den armen ungewohnt, gewann mir sie, wie mich ihr unglück ihnen. Grillparzer (Medea 3) 55, 197; die entschlossenheit, mit der ich sein vertrauen als etwas mir gebührendes in anspruch nahm, gewann ihn mir, und ich glaube, dasz er in diesem augenblicke so offen von sich sprach, wie er überhaupt konnte. Ricarda Huch aus der triumpfgasse4 31. II@1@b@g@1@a@bβ)) appellativa als object neben dem pronominalen dative: wo ein kahles kleid, und steckt auch Sokrates darinnen, ihm keine gönner wird gewinnen. Göcking (episteln 2, 6) 2, 74; erst kniend lasz die treue widmung dir gefallen, hohe frau ... bestärke mich als mitregenten deines gränzunbewuszten reichs, gewinne dir verehrer, diener, wächter all' in einem. Göthe (Faust II, 3) 41, 217, auch hatte er (Bürger) durch sein bedeutendes talent sich ein publicum gewonnen, dem er völlig genügte. Göthe (zu Eckermann) Biedermann 5, 203; als der graf Brandenburg ... sich bereit erklärt hatte, das präsidium zu übernehmen, kam es darauf an, ihm geeignete und genehme collegen zu gewinnen. Bismarck ged. u. erinn. (2) 1, 50; wie sie dem wesen einen vogt gewännen, und boten sandten sie ins Meisznerland, von dorther einen fürsten sich zu holen. Grillparzer (Ottokar 1) 65, 22. II@1@b@g@1@a@gγ)) die appellativa in der zielbestimmung die für die ältere sprache nur in engen grenzen zu beobachten waren (vgl. sp. 5942. 43. 44 vgl. auch: hertzog Ludwig ... hat uns zu burgluten gewunnen. urk. v. 1284 Hess. urk.-buch 2, 371) haben sich auf kosten des accusativs des objectes (s. o.) reicher und freier entwickelt: alsz man Winthern zuo eime houbtman gewan. Frankfurter archiv (aus 1376) Diefenbach u. Wülcker 614; siehe, die schönste tochter des Atreionen gewännst du, her aus Argos geführt, zum weibe dir. Voss Ilias 13, 378; hei! des Pehrson Dahlsjö tochter Ulla willst du zum weibe gewinnen, deshalb arbeitest du hier ohne lieb' und gedanken. E. T. A. Hoffmann (Serapions-brüder 1) 6, 185 Grisebach; er (der pfennig) macht zwei zu (der) e greiffen und gewinnen sich (ein) zu gevatter. Der Missener junker Pfennig 33 Bolte; bisz endlich das weib eines schönen jungen knabens genesen, worzu sie eine ansehnliche frau zu gevattern gewunnen. Grimmelshausen wieder erstandener Simplic. 3, 109. vgl.: jemanden zum gevatter gewinnen. Adelung 2, 665 (als oberdeutsch bezeichnet); Hilpert, Campe u. a.; den prinzen zum bundesgenossen für den kampf gegen Manteuffel zu gewinnen. Bismarck ged. u. erinn. (5) 1, 93. II@1@b@g@1@a@dδ)) auch nomina actionis und ähnliche abstracta mehren sich in der zielbestimmung, wobei an die stelle älterer anknüpfungsmittel (item zwen pawren sol man gewinnen zuo kuntschaft. d. städtechron. 1, 184) neue treten: ich erinnere mich der umfangreichen denkschriften, welche die herrn unter sich austauschten und durch deren mittheilung sie mitunter auch mich für ihre sache zu gewinnen suchten. Bismarck ged. u. erinn. (5) 1, 110; den könig und damit schlieszlich sein heer der deutschen sache zu gewinnen. 1, 295; ich hatte zwei hauptpersonen, den fürsten Primas und den grafen Bose, für meine ansichten gewonnen. Göthe (an Cotta 1. okt. 1809) briefe 21, 99; und es gelang mir, meine collegen für mein vorhaben zu gewinnen. Bismarck ged. u. erinn. 2, 247, ebenso 1, 92; ähnl. 1, 113; wenn es dem verfasser gelingt, den einen oder andern ... freund für sein erzeugnisz zu gewinnen. 2, 273; jetzt hatte sie ihre mutter verloren, war durch nichts gebunden und liesz sich für die erziehung der beiden mädchen gern gewinnen. W. v. Kügelgen jugenderinn. (4, 5) 278; einen stosz der zur besinnung brächte, falls man nämlich die herren für die wissenschaft gewönne. K. Gutzkow (Seraphine 3) 3, 194; anders: er wünscht sein verhältnisz zu den ältesten freunden dadurch wieder anzuknüpfen, mit neuen es fortzusetzen, und in der letzten generation sich wieder andere für seine übrige lebenszeit zu gewinnen. Göthe (einleit. in die propyläen) 47, 8 Weimar. II@1@b@g@1@bb)) der einflusz, den diese und andere zielbestimmungen auf die bedeutung von gewinnen ausüben, wirkt auch am isolierten verbum nach. die wörterbücher erweitern die begriffsbestimmung gern durch wendungen, die auf ein entsprechendes ziel weisen: einen underston ze gewünnen und an sich zeziehen, captare aliquem. Maaler 180b, ebenso Henisch 1599 (auff seine seite bringen); teutschengl. wb. 2 (1716) 773 (mit in die partei ziehen); Schwan 1, 746a (attirer a son parti, me mettre dans ses intérets). Campe u. a.; die richter gewinnen unnd an sich ziehen, iudicum animos sibi conciliare. Maaler 180ab, ähnlich Rondeau, Schwan; einen minister gewinnen, ihn auf unsere seite bringen, to practise upon minister at court, to bribe him. teutsch-engl. lex. 2 (1716), 773. die gleiche bedeutungsverengerung ist auch für die folgenden belege anzunehmen: er ist nit zu gewinnen, cautus est. Aler 1, 937b; jemand gewinnen, gagner quelqu'un. Rondeau 2, Uu 3d; man muss diesen menschen zu gewinnen suchen, il faut gagner cet homme la. Schwan 1, 746; ähnl. Hilpert II, 1, 464c; sie gewann den kerkermeister, she won or braught over the jailer. Hilpert II, 1, 464c; bittet man um beschleunigung, so darf man ja wohl auch um gunst bitten ... am ersten durch untergeordnete; diese müssen gewonnen werden, und so ist die einleitung zu allen intriguen und bestechungen gegeben. Göthe (dichtung u. wahrh. 12) 26, 133; nachdem ich den kaiser schlieszlich gewonnen hatte, war bei abschätzung des feszuhaltenden und des aufzugebenden die neue stellung der fortschrittspartei und der secessionisten ein entscheidendes moment. Bismarck ged. u. erin. 2, 134. II@1@b@g@1@cc)) die zielbestimmung kommt im weiteren zusammenhange zum ausdruck (vgl. sp. 5997): ohne zweiffel dieser heidnische keiser, durch das wort Esther, und jren christlichen und züchtigen wandel, gewonnen wirdt, und wird auch ein gliedmasz des volcks gottes. Matthesius hochzeitspredigten 20 Loesche; ach herr, lasz doch diesen menschen nur ein jahr ungestrafft, ich wil mirs saur werden lassen, und nicht auffhören, ihn mit thränen zu vermahmen, vielleicht lässt er sich gewinnen, und trägt frucht. Heinr. Müller geistl. erquickstunden (190) 362; aber da ich nicht erfahren konnte, wo er sich aufhielt, muszte ich meine guineen zu hülfe nehmen, und einen post-officier gewinnen, der mir alle briefe zu liefern versprochen hat, die an das fräulein ... einlaufen werden. S. v. la Roche frl. v. Sternheim (1) 180; die ritter, die euch aus ihrer zahl löschen wollten, habe ich wieder zu gewinnen gesucht. sie sind bereit, euch wieder unter sich aufzunehmen, wenn ihr euch ganz losgemacht von jener feindlichen gewalt. Grillparzer (Melusina 3) 75, 261; sie haben ihn gewonnen, dasz er zu ihrer religion getreten ist, they gained him over to their religion. teutschengl. lex. 2 (1716), 774; ich muszte endlich den knecht Markus, der sonst den pflug geleitet hatte, gewinnen, dasz dieser versicherte ... der junge bub' sei leidlich genug stark und geschickt den pflug zu führen. Rosegger waldheimat 1, 355. II@1@b@g@22)) auch instrumentale bestimmungen haben unter den differenzierungsmerkmalen für den neueren stil mehr bedeutung; dafür spricht schon der breite raum, den sie in den wörterbüchern einnehmen, wo sie der gleichung gewinnen, expugnare die entscheidende richtung weisen: II@1@b@g@2@aa)) legatorum pertinaciam expugnare, uberreden, gewünnen. Cholinus-Frisius 347a; expugnare pecunia ... mit gält zegewünnen 347a; ebenso Frisius 521a; Faber 660a; vgl. expugnare (mit gründen), gewinnen bei Aler, Kirsch, Mathiae; einen gewünnen und zuo einem fründ machen, mit erzeigung der guotthaten, complecti hominem. Maaler 180b; vgl. auch (einen durch wohlthaten gewinnen) Aler, Kirsch, Matthiae (mit wohlthaten), Steinbach; einen widersacher gewinnt man selten mit bOesen worten. Henisch 1601; einen mit guten worten gewinnen, blande appellando delinire. Steinbach, Hederich; ähnlich (mit schmeicheleien, gagner, Schwan; (durch geschenke, win) Hilpert; sich gewinnen lassen, duci mercede. Aler, Kirsch, Steinbach, Matthiae; dieser mann lässet sich mit geld nicht gewinnen, cet homme n'est pas prenable par argent; c'est un homme incorruptible. Rondeau 2, Uu 3d; Schwan 1, 746a; durch freigebigkeit, durch liebe, durch güte, durch dienstleistungen gewinnen, durch überredung (zum beifall bringen). Adelung, Campe u. a. II@1@b@g@2@bb)) auch im litterarischen gebrauch finden sich zahlreiche entsprechungen: hiemit wird gelehret, dasz einer mit sanfftmuth und freundlichkeit die leuthe viel ehe, als mit ungestüm gewinnen kan. Adam Olearius Lokmans fabeln (33) 116b; er (der monarch) musz sorgen, ... wie er seine unterthanen beschütze, im frieden erhalte, mit holdseeligkeit gewinne, sie nicht beleidige noch erzürne. Grimmelshausen wieder erstandener Simplic. 3, 85; für schmeicheln, list und heuchelei bewahre mir die sinnen, und lasz mich ja durch gleisznerei den nechsten nicht gewinnen. Joh. Rist himml. lieder (4, 8) 266; was gutte naturen sein, lassen sich leichter mit gutten; als schelt - worten gewinnen. Butschky Pathmos 709; ebenso 260 (sich mit der ersten beredung lasse gewinnen); er stellte sich bei ihm von aussen höflich an, und liesz aus dem gesicht sehr holde minen blicken, dasz er durch diese kunst den Sylvium gewann; durch diese sucht er ihn nur in sein garn zu rücken. J. C. Günther ged.2 1135. durch überredung und bestechung gelang es, noch mehrere zu gewinnen. Platen gesch. d. königreichs Neapel 3, cap. 5; dazu vgl. (mit verschiebung der syntaktischen functionen): das ich der gnadenzeit noch nie bin worden innen? und das mich keine red' noch warnen kan gewinnen? Andr. Gryphius sonn- und feiertags-sonette 53 Welti. II@1@b@g@2@cc)) mit diesen typen ist die vielseitigkeit des litterarischen gebrauchs natürlich nicht erschöpft, die hier besonders unter dem einflusz bestimmter richtungen und stilformen steht, vgl. z. b. aus dem geistlichen stil: gott durch busse gewinnen. S. Dach 386; das jr htind und spisind die versammlung gottes, die er gwunnen hat mit sinem eignen bluot. Zwingli von freiheit der speisen 30 Walther. charakteristisch für den neueren gebrauch ist andererseits die vorliebe für pronominalformen in diesen verbindungen: vgl. die variante des druckes zum junker Pfennig: man gewint damit vil freund, s. 33, vgl. 5999; wie wär' ein theil der güter, so köstlich angelegt, wenn er dafür die holde schwester zu gewinnen wüszte? Göthe (natürl. tochter 2, 1) 9, 284 (vgl. dazu die ellipse: es sind sachen drein um eine fürstin zu gewinnen. Urfaust v. 588; vgl.: dann saget mir doch: wie gewinn' ich vater und mutter? Hermann u. Dorothea [40], 317); Wieland sagte: so wär's recht und ich gewänne ihn dadurch; wir würden noch die besten freunde werden; 'Goethe hat mit respect von Ihnen gesprochen'. Jean Paul, briefw. mit seinem freunde Chr. Otto 3, 25. II@22) verbindungen mit sächlichen objecten, soweit diese nicht durch personification gehoben sind (s. sp. 5996), und mit abstracten. II@2@aa) gewinnen in der beziehung auf kampf, wettstreit und spiel, s. oben sp. 5933 ff. II@2@a@aα) für den kampf ist entschiedene einbusze zu verzeichnen. wol blüht die fähigkeit, den begriff erobern aus eigenen mitteln unseres verbums zu decken oder in der zusammenstellung mit verwandten verbis zu sichern, für kurze zeit lebhaft weiter, mit dem ende des 16. jahrh. schrumpft sie aber ebenso rasch wieder zusammen und findet bald nur noch an den instrumentalen erweiterungsformen einige stützpunkte. dies gilt allerdings mehr für den begriff erobern, wenn er sich auf objecte geographischer art stützt, während der von der verbindung mit concreten getragene begriff erbeuten zähere widerstandskraft entfaltet und neuerdings von dem substantivbegriff (gewinn) aus wieder belebt wird. dieser verkümmerung entspricht auf der andern seite eine intensivere pflege der verbindungen mit innerem object: sieg gewinnen, neuerdings namentlich auch schlacht gewinnen. II@2@a@a@11)) gewinnen = erobern. II@2@a@a@1@aa)) das verbum deckt die bedeutung ganz aus eigenen mitteln: und sprâchen zu Thomas: 'wer was der herre der dich zu uns brâchte?' dô sprach Thomas: 'her ist eines kunges sun, der sitzit ûf einer burg die niman gewinnen mag'. H. v. Fritzlar s. myst. 1, 24; ähnlich A. v. Regensburg chronik 597 (Forum Julii ... capiunt); ebenso (haben gewunnen ain vesten, castro expugnato) 647; solle uwer liebe wissen, das unser lieber gemahel ... gezogen für das slosse Bitsche, das dann kurzlich gewunnen ist. E. v. Leiningen (1447) Steinhausen, privatbriefe 1, 48. genau so Teuerdank (88) 27; Goedeke s. 23; Aimon d 5b; d 6b; desgl. verdeutsch. d. Petrarca 33a. vgl. auch: zeigt .. auff sein brust und hertz ... 'disz ist mein schlosz, das ist fest, kein unfal sol mirs gewinnen'. ebenda; ebenso Luther (predigten v. 1529 var.) 29, 277; es ist kein schlosz so fest noch so hoch, das mann nit gewinnen möcht, wann ein geladner esel mit gold hinein und hinauff steigen mag. verdeutschung des Petrarca 33a; das gleiche bei Zwingli (vermahnung an die eidgenossen) 2, 2, 315; ähnl. Grimmelshausen wieder erstand. Simplic. 3, 23; man kOempt schwerlich beis schlosz hinan, das mans nicht wol gewinnen kan, der tieffen smpff sind allzu vil, drumbs warlich arbeit kosten will. Er. Alberus fabeln d. Esop 8 Braune; vgl. auch Schaidenreisser Odyssee 40b; buch der liebe (Melusine 16) 266d; doch solt ich rathen unbesint, wi man sonst stet und schlosz gewint. Joh. v. Schwarzenberg trostspruch 20 Scheel; wan die Swobe tribent inen von einer stat zuo der andern, und mit kunig Heinriches helfe besoszent sü die stat zu Ulmen in Swoben. aber sü gewunnent ir keins ... von gebreste der spisen, daz sü muostent dannan zogen. Closener s. d. städtechron. 8, 39; ebenso 8, 30; Michael Beheim (5, 318) 38b Karajan; Lübecker chronik (d. städtechron. 28) 62; Basler chroniken 4, 432; Augsburger chronik (d. städtechron. 23) 426. 145; ein büchsenmeister mir nächt spat schrieb, das wir mochte gewinnen die stat. Teuerdank (78, 36) 187 Goedeke; ebenso (94, 7) 229; Fierrabras H 1a; Reuchlin verdeutsch. d. 1. Olynth. rede d. Demosthenes (εἰληφότες πόλιν) 6 Poland; Aventin bayr. chron. (1, 146) 4, 324 Lexer; (2, 1) 4, 586; ebenso (ursachen des Türkenkriegs) 1, 236. 238. 239; ebenso verdeutschung des Frontinus (3. buch 1. cap.) 19b; da er sicher war, sas und tranck, hatte einen guten mut, wie Daniel schreibt, kamen die Perser und Meder plötzlich, gewonnen Babylon und tödten den könig inn einer nacht, Luther (der proph. Habakuk ausgelegt 1526) 19, 403 Weimar; ebenso Murner gäuchmatt 3, 92; urbis potiri, die statt ze gwünnen. Cholinus-Frisius 678b (zu Frisius von 1556 s. u.); desgl. Otto v. Demeringen übers. des Mandeville (2) 137; also kom auch das, daz man ein schuech macht in das panir, und under dem zaichen ward das heilig grab gebunnen ... ich main, daz di iczunt genant sach, das man das heilig land gewunnen hat, sei geschehen under kaiser Heinrich dem vierden, do ... der herzog Godefrid zu Lotharingia gewan Jerusalem (recuperaretur ... recuperacionem terre sancte ... quando Godefridus ... cepit Jerusalem). Andr. v. Regensburg chron. d. fürsten zu Bayern 625; ebenso 632. 637; bi des ziten ... wart daz heilige grab gewunnen. Closener (d. städtechron. 8) 36; nu merckt, ihr herren alle gleich! die schrifft thut uns gar wunderlich von einem Fridrich sagen, der sol gewinnen das heilig grab. bergreihen 24 J. Meier; vgl. auch Uhland volksl. (353) 926. 927; herzallerlibster son. du wollest wissen, das mir mein herr schreibt, das er di schleuse gwunnen hab und fast ebenteuer dovor bestanden. Sidonie v. Sachsen (1492) bei Steinhausen deutsche privatbriefe 1, 298; darinn liess er sein fussknecht all auff diesem perg ligen zu mall, daʒ in niemen gewunne (var. endrunne). Michael Beheim (5, 176) Karajan 37a; ebenso 40b (gewunnen si den turn). in solcher engeren beziehung auf bestimmte localitäten hebt sich gewinnen mit der bedeutung erobern kräftig von der bedeutung bezwingen ab, die neben dem sächlichen object am raschesten verkümmert ist: Egypten ist ein gar festes verschlossen land, von hohen gebirgen unnd felsen, die man gar ubel gewinnen mag. Otto v. Demeringen übers. des Johann d. Mandeville (1) (in der übersetzung von 1481: wan manger hart darumb kommen mag); den (thurm) hueb man an abzuprechen ... der was so stark und so hört, dasz in die maurer mit groszer not ... mochten gewinnen. B. Zink s. d. städtechron. 5, 315. vgl. auch unter c), δ). bei umfassendern objecten (ländernamen) andererseits wird das moment der gewaltsamkeit am begriff der besitznahme zurückgedrängt: gegen Selim, der dritt türkisch kaiser, hat Egypten, Syrien, Arabien gewungen, zwên soldan erschlagen. Aventin (ursachen des Türkenkrieges) 1, 239 vgl. andererseits: ir habt nun das aller schönest und lustigest land gewunnen das man verren oder nahendt mag finden. Pontus u. Sidonia a 5a; nicht fürcht euch habet sterchen muot, ain land gewinn wir das ist guot. Joh. v. Schwarzenberg teutsch Cicero 194a. II@2@a@a@1@bb)) die bedeutung erobern wird durch die zusammenstellung mit verwandten verbis gesichert und belebt: II@2@a@a@1@b@aα)) wenn gewinnen die reihe der parallelen verba schlieszt, erfährt es von diesen wie durch vorbereitende züge eine steigerung: doch ist der mangel gewest an leuten, die zu kriegen, zu streiten, zu sturmen und schlosz zu gewinnen wissen. M. v. Kemnat chronik Friedrichs I. s. 94 (vgl.: und sturmet die stat, als er die gewan. J. Nazarei vom alten und neuen glauben s. 15 neudruck); darnach wirt die vestt Stauff ... besessen, aber nicht gewunnen. A. v. Regensburg chron. 648 (obsidetur, sed non expugnatur); vgl. auch oben d. städtechron. 8, 39; und zogent mit gewalt in welische lant, und namen ein die stet und lant, die zu dem reich gehörten und gewunnen Rom. S. Meisterlin (d. städtechron. 3) 98; derhalben kam es abermals zu aim offentlichen krieg, das sie ainandern beiderseits angriffen und plagten. die von Freiburg zogen zum Weir und gewonnen das. Zimmerische chronik 1, 188 Barack; und mügent eüch auch darnache jr mechtigen. und auch starcke schlösser und stötte gewinnen. Pontus u. Sidonia a 5b; und der herr gab Lachis auch in die hände Israel, dasz sie sie desz andern tages auch gewonnen. Schupp schriften (1684) 402. dazu vgl. den übertragenen gebrauch (s. u.): das stücklin haben wir so erobert und gewonnen, das weder Carlstad noch alle teufel mit aller sophisterei mügen umbstossen. Luther (der 2. theil wider die himl. propheten) 3, 72a Jena. II@2@a@a@1@b@bβ)) seltener ist das verbum in der mittelstellung zwischen zwei verbis belegt, bei der es sich vom vorigen typus nur wenig entfernt: die arme stat mit gewalt überzogen, gewonnen und geplündert ward. Hutten (Vadiscus) 4, 195 Böcking; hat die schlösser Rodenburg und Saltzungen belagert, gewunnen und zerbrochen. Bünting Braunschweig. chronik 192; vgl. auch: dauon die imm castell all erschlagen und berürtes castell gewunnen und eingenommen ward. verdeutsch. des Frontinus (3. buch 2. cap.) 20a; haben sechsmahl mit dem Grohs-türken gekriget ... drei-mahl mit der mächtigen stat Konstantinopel, di si auch gewonnen, aber nicht lange behalten haben. Zesen adriatische Rosemund 156 Jellinek. II@2@a@a@1@b@gγ)) häufiger dagegen sind die belege, in denen gewinnen die reihe eröffnet. das nachfolgende verbum hält sich dabei seltener im rahmen des von gewinnen erschlossenen vorstellungsinhaltes, meist führt es die erzählung weiter und geht so im neuen geleise des eben besprochenen typus: ist Bockszberg, slosze und stettelein ... ane gewonnen und genottet von dreier fürsten ... haubtleuten. d. städtechron. 10, 320 (Nürnberg); traurige meer, wie der stettlin mit sampt dem schlosz gewunnen und eingenommen wer. verdeutsch. v. Bebels facetien (1558) A 4; dasz Graispach desz schlosz gewunnen ward und in die hend und gewaldt der von Brandenburg ist kumen. Knebel chronik v. Kaisheim 294 Hüttner; die statt zegwünnen, herr der statt zewerden. Frisius dict. von 1556, s. 1030b; dann er hat Sicilien wider gewunnen, gantz Aphricam den ROemeren underthAenig gemacht. Eppendorff übers. des Plinius (7, 24) 19; potiri regni, ein reich gwünnen und innhaben. Cholinus-Frisius 678b; dass der Bayer die Brandenburger marck nie gewann, noch ruhig besitzen kont. Kirchhof wendunmuth (3, 6) 2, 274 Österley; Odoacker hat Rom, welsche land, domals pisz an die Tonau sich streckend, gewungen und regirt. Aventin 1, 118; am funfften tag da wart di statt gewunnen und verprennet drat. Michael Beheim (5, 372) Karajan 39b; anno 1297 gewonen die von Basel das schlos Ramstein, und darnoch 1303 brachen si es gar ab. Basler chroniken 5, 18; darinn auch geslösser gewunnen und zeprochen waren. A. v. Regensburg chron. 653; gewan ein statt die hiesz Tripel und verwüst si. verdeutsch. des Mandeville (1482) (2a); sein meinung war die statt Paris zu gewinnen, und gantz zerstören. Elisab. v. Nassau Huge Scheppel 11 r Urtel; ebenso M. Beheim 41a; ebenso A. Reiszner Jerusalem 2, 46b. II@2@a@a@1@cc)) die instrumentalen bestimmungen haben sich in diesem gebrauch früh festgesetzt (s. sp. 5935); sie lassen ihn am weitesten in die neuere sprache übergreifen: am driten tag gewunnen si das haus mit ainem sturne. da si es ein genamen drat erslugen si vil Türken tot. Michael Beheim (5, 442) 40a; genau so A. Reiszner Jerusalem 2, 70b; Uhland der junge könig 2 (er gewann die burg im sturme); so vest was er (der thurm) von herten quader, wol 13 schuoch dick fOelig. und meintent etlich, man mOecht in nut mit schiesen gewunen. Hans Brüglinger s. Basler chron. 4, 193; nu seczt sich der pabst wider künig Conrad, das er nicht zu kaiser würd und das er auch nicht mit gwalt das reich in Sicilia wider gewünn (regnum Sicilie recuperaret). Andreas v. Regensburg 629; und het nun ein guotes schlosz mit gewalt gewunnen. Pontus u. Sidonia (1498) g 2a; ebenso Teuerdank (63, 9) 149; desgl. Fischart Gargantua (1) 32 neudruck; so möcht sich mancher understan, die tochter zu holen mit gewalt und dis land mit krieg gwinnen bald. Teuerdank (1, 68) s. 5; ebenso (mit seiner ritterlichen hand 1, 6) s. 3; (mit dem geschosz) s. 149; dazu vgl. die lange fortlaufende überlieferung in den wörterbüchern: expugno ... mit einem sturm, oder mit gwalt gwünnen. Cholinus - Frisius (1541) 347a; ebenso Frisius (1556) 512a; Faber 660a (erstürmen, im sturm gewinnen); Henisch 1600 (mit stürmender hand gewinnen); Hulsius (1616) 138b (mit stürmen gewinnen); Duez (1664) 199a; Rädlein 1, 383b; ein land im kriege gewinnen, regionem bello devincere. Steinbach 2, 1028; ein land; eine stadt mit dem schwerdt gewinnen, conquerir une province; une ville par les armes. Rondeau 2, Uu 3d; er hat das land mit dem schwerde gewonnen, ou erobert, il a conquis cette province par les armes. Schwan 1, 746a; ähnl. Hederich 1, 1424; eine stadt mit gewalt, mit list, durch einen überfall gewinnen, sie ein nehmen ... im hochdeutschen veraltet. Adelung 2, 664; eine stadt mit gewalt, mit list, durch überrumpelung gewinnen, sie einnehmen, in seine gewalt bringen. Campe 2, 364a; vgl. auch Hilpert 2, 1, 464c; 'her kaiser!' spricht der herzog Naims im bart — 'wollt ihr die stadt gewinnen mit gewalt, die hohen mauern mit den zinnen stark, die festen thürme, manch jahrhundert alt, so heiden einst erbaut mit groszer kraft: in eurem leben wird es nicht vollbracht.' Uhland (Roland u. Alda) 1, 336 Erich Schmidt. II@2@a@a@1@dd)) auszerhalb solcher verbindungen zeigt das neuere gewinnen, auch wenn es vereinzelt zu entsprechenden objecten tritt, doch nicht eigentlich mehr die bedeutung erobern, vielmehr die von in besitz bekommen. darauf weist schon die seit dem 16. jahrh. auch hier sich mehrende zusammenstellung mit verlieren: wie der künig von Galicia geschlagen und das land do selbs verloren unnd gewunnen was. Pontus u. Sidonia 61b; uff ubermorgen geschicht die schlacht die statt zu gewinnen oder verlieren. J. Ayrer (Valentin u Ursus 4) 3, 1588 Keller. auch aus wörterbuchangaben ist kein gegenbeweis zu erzielen, abgesehen von der bedingten tragweite solcher zeugnisse. nur in einem falle könnte der begriff der eroberung angesprochen werden: die festung wurde in wenig tagen gewonnen, la place fut emportée en peu de jours. Schwan 1, 746a; ein land, einen ort in wenig tagen gewinnen, emporter [reduire; soûmettre] une place en peu de jours. Rondeau 2, Uu 3d. die andern weisen mehr auf den begriff der besitznahme: eine stadt gewinnen, expugnare urbem. Steinbach 2, 1028; ebenso Frisch, Hederich; einen posten, eine stadt ... gewinnen, to carry a post or town; to make your self master of it. teutsch-engl. lex. 2 (1716), 773. II@2@a@a@1@d@aα)) im allgemeinen werden diese verbindungen auch schon deshalb gemieden, weil es bei ihnen leicht strittig wird, welche bedeutung dem verbum zu grunde liegt: erobern oder erreichen. vgl. z. b.: der ruf des krieges ist zu euch gekommen, der ... die ganze macht der fürsten Griechenlands um Trojens mauern lagerte. ob sie die stadt gewonnen, ihrer rache ziel erreicht, vernahm ich nicht. Göthe (Iphigenie 1, 3) 9, 20 gegen: wie der papst mich zu gewissen arbeiten bestellt habe, ich wolle deszwegen wieder die schöne stadt Rom gewinnen, und indessen an seiner medaille arbeiten. (Benvenuto Cellini 2, 4) 34, 234; vgl. auch: so machen sich die schiffe ... auf, um die kaiserstadt zu gewinnen. J. G. Kohl Petersburg 1, 40. II@2@a@a@1@d@bβ)) wo der gebrauch noch heute lebendig ist, beruht er auf verbindungen, die solchem miszverständnisse nicht ausgesetzt sind, und ist mehr von dem begriffe des gewinns, der beute als von dem der eroberung getragen: herrschaft wird niemand angebohren, und der sie ererbte, muss sie so bitter gewinnen als der erobrer, wenn er sie haben will, und bitterer. Göthe an (Lavater) briefe 4, 319; während aber die Deutschen sich mit der auflösung philosophischer probleme quälen, lachen uns die Engländer mit ihrem groszen praktischen verstande aus und gewinnen die welt. Göthe zu Eckermann 1829 1. sept. (vgl. dagegen: nichts denn das wort füren und damit on allen schwerdschlag, ja mit viel leiden und creutzes die welt gewinnen? und nicht alleine gewinnen, sondern auch sich wehren und setzen wider alle ketzerei und irthum und zu letzt dawidder slahen und den sieg behalten. Luther epistel des proph. Jesaia 1526; vgl. unten: die welt gewinnen); dasz dieser zuwachs, der hafen von Kiel, die militärische stellung in Schleswig und das recht, einen canal durch Holstein zu bauen, in friede und freundschaft mit Oestreich gewonnen worden. Bismarck ged. u. erinn. (19) 2, 8; ich führte euch in dieses land.der insel umkreis liegt, durch meine kunst gewonnen, euch zu füszen, bis auf das nest der wilden Falken droben. Max Wetter der eroberer (1906) s. 8. II@2@a@a@22)) denn in der verbindung mit objecten, die einen gebrauchsgegenstand kennzeichnenalso in der begriffsfürbung von erbeuten — hat sich gewinnen auch für den neueren gebrauch lebendig erhalten: die grosse feiszte bekersaw in die festin hat gethon, sie selb unsz gern gewinnen lon. Murner vom groszen Luther. narren (d. dritt sturm) 3309 Kurz; vgl. auch unten sp. 6008; die wagenburg erobert, gewunnen bei den 450 raisiger und 1600 wagenpfert, des hertzogen silbergeschier, klaider. Wilwolt v. Schaumburg 39 Keller; das kostlich schwert ... und ein guldin gürtel ... söliches kostliches ding hat Pontus gewunnen in dem schiff do des soldans sun was gewesen. Pontus u. Sidonia e 6b; vgl. auch Eppendorff übers. des Plinius 19; und wann etwas mit höchster gefährlichkeit im kriege erobert und gewunnen werde, nehme der könig hinweg, was ihme geliebe. Grimmelshausen wieder erstandener Simplic. 3, 82; es waren in disem schlahen etlich rotzen überpliben, die machten sich auf, ain beut zu gewinnen. 40; wann sie auszzugen wollten, ain beygt gewinnen. N. Thoman Weissenhorner historie 13 Baumann. vgl. auch Schwartzenberg deutsch Cicero 114b (ob jm gewunnen grosse peut); 21 (gewinnen peuten, land und hab); (ein beut gewinnen) Teuerdank 218; Eppendorff verdeutschung des Plinius 19; Bunting Braunschweig. chronik 381. dazu vgl. aus neuerem gebrauch: der jäger will tödten dem früchte wir pickten; wir müssen ihn höhnen und beute gewinnen. Friedrich Schlegel die vögel; die rechte ward ihm abgehaun, da griff die linke zu, die link' auch fiel zu boden hin, und flugs in einem nu packt' er die beute, wie ein leu, mit seinen zähnen an, und bisz sich ein, und wankte nicht, bis dasz er sie gewann. Wilhelm Müller (neueste lieder der Griechen: halt fest!) 220; nur musz man das glück auch finden. wer es nun einmal nicht hat ... der musz es sich suchen, gewinnen, erobern. G. v. Ompteda der zeremonienmeister6 208. II@2@a@a@33)) abstracta des innern objectes, die sich für die ältere sprache in bescheidenen grenzen hielten (vgl. sic, strît, daz bezzer gewinnen sp. 5936) nehmen in der neueren sprache besonders breiten raum ein. neben den alten formen, die zum theil weiter leben (sieg gewinnen) drängen sich neue vor (schlacht gewinnen, die oberhand gewinnen); vor allem treten sich hier verbindungen gegenüber, in denen die vorstellung erkämpfen am verbum sich verflüchtigt und solche, in denen sie sich neu belebt. II@2@a@a@3@aa)) sieg gewinnen: derhalben so war der Arbogast abermals ... an den feindt. aber die heiden gewonnen den sig, und ward bemelter Arbogast ... gefangen. Zimmerische chronik 3, 109. in den wörterbüchern hat die verbindung anfangs mit concurrenzformen zu kämpfen. neben gewinnen wird ein anderes object bevorzugt (accipere palmam, die abentheuer gwünnen, sigen. Cholinus-Frisius 623b u. a.) und neben sieg ein anderes verbum (den sig darvon bringen ... die abentheur gewünnen. Frisius 941b). doch. vgl. palmam adipisci: den sig daruon bringen und gewünnen. Cholinus-Frisius 28b; adipisci palmam, sigen, den sig daruon bringen, oder die abentheür gewünnen. Frisius 36a; gewinnen im krieg, den sieg gewinnen, victoriam reportare. Frisch (1741) 2, 450c; den sieg gewinnen, victoriam reportare. Steinbach 2, 1028; ebenso Hederich 1, 1424; gagner la victoire. Rondeau 2, Uu 3d; den sieg gewinnen, ist im hochdeutschen veraltet. Adelung 2, 664. dagegen vgl. die übertragenen verwendungen im neueren stil: jene rosen, aus den händen liebend-heiliger büszerinnen, helfen uns den sieg gewinnen, und das hohe werk vollenden, diesen seelenschatz erbeuten. Göthe (Faust II, 5) 41, 337; wie dunkel auch die nacht sein mag, die sonne kämpfet jeden tag, sie will und musz den sieg gewinnen, sie treibt die finsternisz von hinnen. Hoffmann v. Fallersleben 1, 96 Gerstenberg. II@2@a@a@3@bb)) das bessere, das beste gewinnen in concurrenz mit die oberhand gewinnen: drumb, jhr kriegsleut, habt gute acht, das jhr das best gwind in der schlacht und stellt euch tapffer zu der wehr J. Ayrer (Valentin u. Ursus 4) 3, 1588 Keller. dagegen vgl. nun die oberhand gewinnen (vgl. gewinnen über sp. 5985): umb des willen, wenn ein gemein uberhand gwinnet, das denn vil kumers darvon ufferston mag. H. Offenburg (Basler chron. 5) 253; die oberhand gewinnen, gagner le dessus. Rondeau 2, Uu 3c; die oberhand gewinnen, der mächtigere theil werden, besonders durch gewalt der waffen, im gefechte ... im wettstreite. Adelung 2, 664; ebenso Hilpert 2, 1, 464c (die oberhand gewinnen, siegen, to gain or get the better of); Campe u. a. der litterarische brauch nimmt die wendung meist in beziehung auf abstracte subjecte zwecke auf: wo der miszbrauch erst die ober-hand gewinnt. J. C. Günther ged.2 723; was wird wohl die wirkung dieser sprache der verzweiflung sein, wenn sie die oberhand gewönne? A. Haller (vorrede zu Buffon) kl. schr. 12, 55; gewinnt aber auch in der wissenschaft das falsche die oberhand, so wird doch immer eine minorität für das wahre übrig bleiben. Göthe (Wilhelm Meisters wanderjahre 3, 14) 23, 209; vgl.überhand gewinnen, wofür jetzt überhand nehmen bevorzugt wird; da aber endlich der frühling kam und die sonne die herrschaft gewann, taute sein gemüt ein weniges auf. G. Keller (Züricher nov.: Hadlaub) 6, 65. II@2@a@a@3@cc)) die verbindungen einen streit, krieg gewinnen u. a. werden ganz in den schatten gestellt durch die neue bildung eine schlacht gewinnen, die noch heute sehr beliebt ist: II@2@a@a@3@c@aα)) das ich nummer ... wider kommen wil, ich enhabe dan diesen strit gewonnen und unser vigende uberwonden. E. v. Nassau-Saarbrücken Huge Scheppel 34 va; und sprach iederman er wär der best in dem streit gewesen und het den gewunnen. Pontus u. Sidonia 93a; darum rürt in ouch da mit der schmeichler, als ob sie einen strit gewonnen het. Straszburger verdeutschung des Terenz (Eunuch 3, 1) 48a; gewinn ich den streit, dann verlier ich deine liebe auf kurze zeit. C. A. Kuhn ein heldengrab (1906) 11; dazu vgl. krieg gewinnen: were aber das ... deheinre ... krieg ... gewunnent gegen uns. Basler urk. v. 1338 Wackernagel; 'kinder seid fröhlich, eszt und trinkt nach herzenslust, wir haben den krieg gewonnen.' Grimms märchen (der zaunkönig u. d. bär) 2, 106; dasz es vor 40 jahren einem kampf galt, der zwar gewonnen, aber doch nicht geendigt ist. Göthe an Johannes Müller, nov. 1829. II@2@a@a@3@c@bβ)) und wann sie erschlügen den man, so wär die schlacht gewunnen schon. Teuerdank (90, 36) Goedeke s. 217, ebenso 222; botz marter Küri Velti! du hast vil lieder gmacht, rüempst dich in aller welte, du habest gewunnen ein schlacht. Nicolaus Manuel (Bicocca-lied) 21 Bächtold; und sprach, jm solt kein feind entrinnen, wOelt wol die schlacht on gott gewinnen. Waldis streitgedichte gegen Heinrich d. jüngeren von Braunschweig s. 33 neudruck; die schlacht gewinnen, praelio vincere. Steinbach 2, 1028; ebenso Frisch, Hederich; ähnlich Rondeau, Schwan (ein treffen gewinnen), Adelung (schlacht, treffen gewinnen) u. a.; bei den übrigen abendländern und nordischen völkern gieng die musik noch lange nach Christi geburt, unter aufsicht der priester mit in den krieg, und gewann schlachten fürs vaterland. Herder (vom geist d. ebr. poesie 2) 12, 252; he gewinnt de schlacht. s. Grimms märchen (der wilde mann) 2, 262; schon manches hast du durchgemacht, nun, so gewinn' auch eine schlacht. Göthe (Faust II, 4) 41, 263; denkt ihr mit Hegel schlachten zu gewinnen und den begriff zu schicken in den feind? Conrad Hermann die deutschen studenten (Leipzig 1877) s. 9; so könnten wir zwar ertragen, dasz unsre freunde gegen einander schlachten verlören oder gewönnen. Bismarck ged. u. erinn. (28) 2, 214; es ist eben ein ewiger krieg zwischen mir und der krankheit. bald gewinne ich eine schlacht, bald verliere ich eine. Hermann Hesse Peter Camenzind28 218. II@2@a@bβ) für die an die voraussetzungen einer wette gebundenen spielarten des streites gehen die verwendungen von gewinnen hauptsächlich in den alten bahnen weiter. II@2@a@b@11)) für den rechtsstreit wurden die einzelnen verbindungen schon (sp. 5959) im rahmen der rechtssprache gekennzeichnet. für den allgemeinern litterarischen gebrauch kommen die wendungen in betracht, die sich um die heute geläufige formel einen prozess gewinnen gruppieren. II@2@a@b@1@aa)) vorübergehend wird dieser bedeutungskreis auch von der formel recht gewinnen gestreift, die sonst ganz an den begriff der besitznahme übergegangen ist (vgl. einen rechtsanspruch erlangen, vgl. auch die variante erlangt, gewann [H2] zu Göthe Faust II, 1, vers 5073: der kaiser, er, an heiligen sohlen erbat sich erst das recht zur macht): di werdn zeuckhnus gebn zuhandt darnach wirdt auch werden bechandt wer das recht wirt gebinnen. Sterzinger spiele (Wiener neudr. 9) 118, ebenso 130; nach dem sein widerpart hinein dem richter pracht ein faistes schwein, im pesten zu gedencken sein. als nn diser richter untrew ausprach das urteil an schew, gwan recht der pauer mit der sew. H. Sachs fabeln u. schwänke 4, 459. bemerkenswert als zeugnis für die verkümmerung der bedeutung erfechten, durchfechten in unserer fügung sind neubildungen: sein rächtshandel gewünnen und verlieren, litem obtinere et amittere contraria. Maaler 180b. vgl. auch: den rechtshandel gewinnen, gagner le procès. Rondeau 2, Uu 3c. II@2@a@b@1@bb)) reiner kommt der begriff obsiegen, siegreich durchfechten in der verbindung eine sache gewinnen zum ausdruck: die sach obligen, gewinnen, causam obtinere. Dasypodius N 2; die sach gewunnen geben. ebenda s. gewonnen; du hast dein sach gewunnen und erobert. Frisius (1556) 1382b, gaigner sa cause; seine sache gewinnen oder erhalten, litem vincere. Duez (1664) 461b; er hat seine sache gewonnen oder blosz, er hat gewonnen. Adelung 2, 664 u. a.; als nu die schwermer meinen, sie haben ihre sachen gewonnen, faren sie zu und machen aus dem abendmal ein symbolon. Luther ('das ist mein leib') 23, 269 Weimar; als der schelm die sach gewonnen. J. Nazarei vom alten und neuen glauben s. 21. die engere beziehung auf eigentliche rechtsfälle tritt zurück: damit (dasz er bei seinem barte schwört) hat er schon, wann ers nur gleich von andern gehöret und bei der that nicht gewesen, dem beklagten, wann er gleich unrecht, die sach gewonnen. türckischer vagant (5) (1683) 34; ich solte, sagte er, freilich studieren, und einen juristen abgeben, aber ich bedachte diesz, wie leicht könte ich eine sache wider einen edelmann gewinnen, der mirs nachtrüge. Chr. Weise die 3 ärgsten erznarren (cap. 20) 104 neudr. II@2@a@b@1@cc)) dem neueren stil im besonderen gehört hier die verbindung einen procesz gewinnen an: einen procesz gewinnen, to carry the cause; to have judgement given on your side; to cast your adversary. teutsch-engl. lex. 2 (1716), 773; einen procesz gewinnen, vincere la sua lite, gagner son procès. Rädlein 1, 383b; procesz gewinnen, causam obtinere; in judicio vincere. Aler (1727) 1, 937b; ebenso Frisch 2, 450c (causam vincere); Matthiae 1, 230 (causam tenere); Adelung u. a; Seymour liebt sie, läszt sich aber durch mylord G. leiten, weil diese rose für den fürsten bestimmt ist, bei dem sie einen procesz für ihren oheim gewinnen soll. S. v. la Roche frl. v. Sternheim (1) 91; ebenso 145; vgl. geheimnisz jeden prozesz zu gewinnen. Halle 1782; oder gar, wenn die brüder jenen prozesz gewännen, der sie fast so reich macht, als ich es bin! K. Gutzkow ritter vom geiste (9, 2) 92, 49; ebenso (9, 6) 221. zum übertragenen gebrauche vgl.: aber auch ausserdem, würde es nicht so aussehen als ob wir ... den Damis aus furcht vor seinen vernunftschlüssen (es gäbe keine götter) aus dem wege geschafft hätten ... als ob wir unsern prozesz blosz aus mangel eines gegners gewonnen hätten? ὥστε τί ἄλλο ἐξ ἐρήμης οὕτω κρατεῖν δόξομεν;) Wieland Lucian 2, 387; doch ein schelmischer streich, den Amor der letzteren spielte, liesz jene den prozess gewinnen und die götter entschieden für die heirath. Göthe (dicht. u. wahrh. 7. buch) 25, 136; wir machten kurzen prozesz .. und gewannen ihn durch alle instanzen. U. Frank der herr college (Wien 1877) s. 82 vgl. auch unter gewonnen. II@2@a@b@22)) für den wettkampf liegen ältere zeugnisse vor, die einen lebendigen einblick in alte volksbelustigungen gewähren. für den neueren stil werden einzelne feste verbindungen bedeutsam, an die sich dann auch übertragungen heften. II@2@a@b@2@aa)) und werdent von Swechent lauffen herein zu dem scharlach, und welhs das erst darczu ist, das (pferd) hat den scharlach gewunnen, und welhs das ander darczu ist, das hat gewunnen den sparber, und welhs das lest darczu ist, das hat gewunnen die saw ... auch werdent die freien knecht zu ainem parhant lauffen, und welher der erst darczu ist, der hat den parhant gewunnen. copeibuch der stadt Wien (1454) s. font. rer. Austr. II, 7, s. 13; es ist gleich ain ding umb brüderschafften, als wann man umb ain scharlach rendt: vermaint ein ieder, er wöl in gwinen, wirt doch nun ainnem, amm anderen darmbrost, dem dritten dsau. also auch hie: der pfaff nimpt gelt, und der kramer umb wachs, hatt der meszner auch sein tail dauon: die hond dann abentheir gewunnen. Sebastian Lotzer (heilsame ermahnung an die einwohner zu Horb) Goetze s. 34; da mercken die priester allzuomal gleich auff, welche rott am besten singet, dise gewinnen etlich kanten mit wein die ihn ausz diser urtheil zuogesprochen werden. Seb. Frank weltbuch (2) 51a; an sant Lorintzentag lieffen die schützen mit ainander; also lieff sie ain kramer alle hin, der gewann ain becher für 4 fl. C. Sender (d. städtechron. 23) 126; am sumptag nach Laurentii sprangen si, 3 spring auff ainem fuosz, um ain becher für 4 fl, den gewann Hans Jacob. ebenda; dernach warf man den stain um ain becher ... den gewann ainer von Zirch. ebenda; dazu vgl. 123 u. a. vgl. auch die verbindung es gewinnen unter 3). II@2@a@b@2@bb)) auferre praemium, die gaab oder abentheur hinnemmen und gwünnen. Frisius dict. (1556) 1041a; gab gewinnen Puschmann ber. d. dtsch. meistergesangs 31; vgl. auch oben [a))] zu S. Lotzer; den preisz gewünen, palmam ferre. Maaler 180a; den preisz gewinnen ... darvon tragen, es gewinnen, gaigner ou l'emporter le prix. Duez (1664) 199a; ähnl. teutsch-engl. lex. 2, 772; ebenso Steinbach, Hederich, Kramer, Rondeau, Schwan, Adelung, Hilpert u. a.; in diesem jahre (1586) wurde vom rath ... ein groszes stahlschieszen hier gehalten ... es wurden zum besten preis 100 fl. ausgesetzt, den ein schlosser von Passau gewonnen ... die andern gewinner wurden aus dem leggeld bezahlt. Gumpelzhaimer Regensburger gesch. 2 (1837), s. 979; Herder hat wieder einen preiss in Berlin gewonnen, wie du wohl schon aus den zeitungen wissen wirst. Göthe (an Lavater 3. juli 1780) briefe 4, 252; es hält sich ... Heinrich Kolbe in Paris auf, einer von denen, die bei uns den preis gewannen. Göthe an F. H. Jacobi 23. 11. 1801; einmal ... gewann ich den preis mit einer ballade. Fontane von zwanzig bis dreiszig s. 276. u. a. vgl. theil 7, sp. 2089. früh setzt hier übertragener gebrauch an: billich ziert des adlers bild dieses grossen hauses schild, weil sie längst den preiss gewonnen aller vorsicht im gemüth, wie ein adler standhafft zieht in den hellen glantz der sonnen. S. Dach (chiur. brandenb. rose, adler ...) 556; welches theil den seinigen ... heimbringet, der soll den preisz gewonnen: und die praeeminentz vor den andern haben. Grimmelshausen Simpl. 486; den preis gewinnen, sich durch seine überwiegenden vorzüge den preis erwerben, ihn davon tragen. Campe 2, 364a; das leben war, die welt war aufgegeben, und nichts war da, als jenes helle vliesz, das durch die nacht, ein stern im sturme, schien. der rückkehr dachte niemand, und als wär' der augenblick, in dem der preis gewonnen, der letzte unsers lebens, strebten wir. Grillparzer (Medea 1) 55, 148. bei der vielseitigkeit des substantivbegriffes ist bemerkenswert, dasz die verbindung mit gewinnen jeweils nur von einer bedeutungsrichtung getragen ist. durch die neue formel den preis gewinnen ist die alte fügung lob und preis gewinnen (vgl. oben sp. 5951) ganz verdrängt, und der neuere versuch, einem jüngeren begriffe hier eingang zu schaffen, steht vorläufig vereinzelt da: jede hoffte für sich allein bessere preise zu gewinnen, als der verwalter, und nun verkaufte jede ihre einkünfte apart auf ihrem zimmer. K. Gutzkow der zauberer v. Rom 3, 274. II@2@a@b@2@cc)) so schwör ich bei allem, was lebet und liebet, wo anders der Paris gerechtigkeit übet, dasz diese, dein engel, den apffel gewinnt. Joh. Chr. Günther ged.2 926; empfängt sie einen held, der durch sein schnelles rad umb Pisa ohngefähr den krantz gewonnen hat, mit hellem lust-geschrei. S. Dach (lobgesang Jesu Christi) 262; gedenck auch an die frohen zeiten, die noch in wunsch und zukunfft sind! die vorsicht wird uns glücklich leiten, bisz lieb und treu den krantz gewinnt. J. C. Günther (an Leonoren) ged.2 309; da woll'n wir steine sammeln, für unsre hand gerecht, mit hartem grusz zu grüszen den ersten feigen knecht, der ohne blut und wunden besiegt nach hause kehrt, und keinen kranz gewonnen für seiner mutter herd! Wilhelm Müller (lieder der Griechen: die Mainottin) 185 Hatfield; vgl. einen kranz erringen, erfechten, erwerben theil 5, sp. 2044 ff.; macht meine schrift einer würdigeren platz, desto besser zu Winkelmanns ruhme; gewinnt sie die krone, so sei auch diese dem grabe dessen geweiht, dessen schriften ich genosz. Herder (denkm. J. Winckelmanns) 8, 442; II@2@a@b@2@dd)) welch pewrin die maisterschaft hab gewünen, das gib ich zw urteilen eüch. H. Sachs fabeln u. schwänke 5, 168; leidenschaft ist jugendzeitvertreib. aber endlich wird man ganz besonnen. heil mir, dasz ich dieses ziel gewonnen! Immermann (auge der liebe 1. aufz.) 14, 101 Hempel; die klugheit ohn' erfahrung ist ein scharfes aug' im labyrinth! je mehr es späht, je mehr es läuft, je müder es das ziel gewinnt. Wilhelm Müller (nachlese zu den epigr. spaziergängen 37) 355 Hatfield. II@2@a@b@2@ee)) während um den könig seine sklaven noch beschäftigt sind, gewinnt den vorsprung Harun al Raschids erzeugter, Assad. Platen (Abbassiden 2) 2, 470 Redlich; gibt die hoffnung schnelle füsze, leiht dafür das schrecken flügel. bald gewinn' ich einen vorsprung, und heraus ins freie tretend, blinkt mir euer schlosz entgegen. Grillparzer (ahnfrau 1) 45; einen vorsprung gewinnen, gagner le devant. Rondeau 2, Uu 3d; ebenso Schwan 1, 746a (er fährt fort: faire diligence pour arriver plutôt qu'un autre); den vorsprung gewinnen, to get the start of any one. Hilpert II, 1, s. 464c. in diesem zusammenhang wird auch das einem allgemeineren begriff erwachsene vortheil gewinnen (vgl. oben gewinn = vortheil) umgedeutet: einen vortheil vor einen andern gewinnen, to get the start of one; to be before hand with him; to prevent him. teutsch engl. lex. 2 (1716), 773; und wenn ich nur eine linie breit vortheil über ihre eigenliebe gewonnen habe, so will ich bald bei zollen und spannen weiter gehen. S. v. la Roche frl. v. Sternheim (1) 115; der unschätzbare vortheil, welchen die ausländer gewinnen, indem sie unsere literatur erst jetzt gründlich studieren. Göthe (maximen u. reflexionen 5) 49, 118. II@2@a@b@33)) auch für die wette im heutigen engeren sinne treten nunmehr verbindungen mit gewinnen an den tag: sponsione vincere, ein gwett gwünnen. Frisius dict. (1556) 1382b; wette gewinnen, sponsionem vincere. Stieler 2543; ebenso teutsch-engl. lex.; Rondeau, Adelung, Hilpert u. a.; die wette gewinnen, seine meinung oder behauptung eintreffen sehen, wie auch das auf diesen fall ausgesetzte erhalten. Campe 2, 364b; 'ich hab die macht wol, das ich möcht mitten in die kirchen scheissen.' Blenspiegel sprach, 'das gelt euch und mir ein thunn biersz, ob ir das thuon' ... 'meinstu nit, das ich so frisch sei' unnd korte sich umb, unnd schis einen grossen hauffen in die kirchen, und sprach. 'sich her, custor, ich hab die thunn bierss gewunen.' Till Eulenspiegel 18 Knust; und eh das seelchen sich entrafft sich einen neuen körper schafft verkünd ich oben die gewonnene wette. Göthe (paralipomena zu Faust) 15, 2, 187 Weimar; Mephistopheles darf seine wette nur halb gewinnen, und wenn die halbe schuld auf Faust ruhen bleibt, so tritt das begnadigungsrecht des alten herrn sogleich herein. Göthe (an K. C. Schubarth 1820); gewänne er dann seine wette, so könne er sein mädchen heirathen. Cl. Brentano (die mehreren Wehmüller) 4, 273; giebst du mir dein wort, dasz du die wette hältst und mir, gewinne ich sie — schenkst, was ich mir wünsche. W. v. Hillern guten abend (1873) s. 10. II@2@a@gγ) die beziehung auf das spiel setzt gewinnen besonders lebhaft in bewegung; hier macht es mit die meisten fortschritte. unter den wendungen, die dem würfel- und kartenspiel entspringen, ist es die verbindung das (ein) spiel gewinnen, die in übertragenem sinne grosze verbreitung erzielt. als eine einrichtung der neuen zeit tritt das lotto, die lotterie in den kreis der glücksspiele ein, wo sie ihre besondere anziehungskraft auf das verbum ausübt. II@2@a@g@11)) wendungen und verbindungen im rahmen des würfel- und kartenspiels: II@2@a@g@1@aa)) ich hebe uns mit den wirffel an, ab ich den rock gewinnen kan. funffzehen augen stehen vor mer ... Alsfelder passionsspiel 5703 Grein; er hat ouch geseit das spil am thorehuse si zuo summerzit besser dann im winter, deshalb das vil frömde knecht usz Swoben ... harkomment ... was geltz dieselben gesellen gewinnen, das verspilen sie donoch hie. Straszburger nachrichterbestellung v. 1487 Brucker 397; das gelt auff dem spiel gewonnen. Luther (v. wucher) 6, 53 Weimar; mannicher ist so verschmitzt, wann er das gelt verspilt hat, so spricht er, er hab nicht einen pfenning gewunnen. Henisch 1610; dieser lässet Geron viel gelts gewinnen, unnd nach dem er vermeint reich zusein, ... gebraucht er auch seiner kunst, unnd gewinnet dem armen Castillaner ab so viel er hatte. Harsdörfer schauplatz lust- und lehrreicher gesch. 98; alles auf dem spiel stehende geld gewinnen, netteier le tapis. Rondeau 2, Uu 3d; er hat zwei hundert pistolen gewonnen. Schwan (1783) 1, 746a; ähnl. Hilpert 2, 1, 464c; Campe 2, 364b; auch Civitella verlor beträchtlich, ich gewann gegen 600 zechinen. Schiller (geisterseher) 4, 327. II@2@a@g@1@bb)) eben ein solcher tyrann war der kaiser C. Caligula, der, wenn er mit würffeln spielete, das meiste mit lügen, fluchen und schwören gewanne. Georg Wesenigk böse spiel-sieben 74; ein knabe verspielte 3 franken, ohne das geringste zu gewinnen. Hebbel briefe 3, 11 Werner. II@2@a@g@1@cc)) wanne wie wol im alles wurfelspil widerzem sei, dennoch wil ich von diser stat nicht scheiden, ich habe denne dises spil nach meiner lust gewonnen. Johann v. Neumarkt leben des heil. Hieron. 193 Benedict (non nisi victor exsurgam, hebbe denne dat spel ... ghewunnen); ich glaub, du künst ein kunst besunder, das du gewinnest alle spil. Jörg Wickram (der treue Eckart 5, 99) Bolte; da rieff ein zänckisches geschrei: du funffzehn-hut, du bärenheuter, verstehst nicht, was das spill-recht sei, ich hatt' es offenbahr gewonnen. J. C. Günther ged.2 167; das er zum stich ein blat behalten solt, und wirfft es weg, dadurch er sonst das spiel gewunnen hette. J. Agricola sprichw. 61b; war ein edelmann, der spielete mit seinen sohne ... in der karte, und da der sohn ein und das andere spiel gewann, verdrosz es dem zornigen vater. Georg Wesenigk böse spiel - sieben 51; im piquet - spiel heiszt caput, oder copot, wann einer alle lessen sticht und das gantze spiel gewinnet. Sperander a la modesprach der Teutschen 93a; ist eben so unbillig, als wenn ich die gesetze eines künstlichen schachspiels lüge nenne, mit meinen bauern gleich in das letzte feld des gegners rücke und mein spiel für gewonnen erkläre. L. Tieck (die verlobung) 17, 138. dazu vgl. auch (unter 3): im spiele gewinnen. II@2@a@g@1@dd)) darumb ihe mehr ein mensch der selbigen versuchungen hat, ihe besser es mit ihm steht, ihe mehr er der puff gewinnet, ihe sterker er Christum fasset. Luther (predigt v. 9. 11. 1522) 10, 3, 427 Weimar (zu puff, buff im würfelspiel vgl. theil 2 sp. 490 f.); solt man iedem leihen nach seinem begeren, man fundt manchen schlüffel, vordert mer dann drei gewunnen mit spilen, brassen und anderm. Hans Sachs (argument d. Römischen) 22, 56 Keller u. Götze; mit würffeln und mit kartenspil. halt ich des jars der schantzen vil. wann ich eins verleur, gwinn ich zwei. Jörg Wickram (der treue Eckart 5, 99); sie waren fro, und hofften gantz, sie hetten gewonnen gar die schantz. Chryseus hofteufel (vorrede) B 1b; die oben schon aus eben diesem schriftsteller (Seneca) angezogne stelle beweist, dasz wer einen stein mehr hatte als sein gegner, sich schon gröszere hoffnung machen konnte die partie zu gewinnen. Wieland (über d. ält. zeitkurzspiele) 24, 134; anfangs gewann er einige karten; diesz machte ihm muth, er wählte sich nun favoritkarten und verdoppelte die sätze. J. C. Brandes meine lebensgesch. 1, 210; und bei der ersten runde — Julius gewann stich auf stich ... Georg Hermann Jettchen Gebert8 313. II@2@a@g@22)) der übertragene gebrauch knüpft an die in diesem kreis beliebteste verbindung spiel gewinnen an; von ihr sind einzelne wendungen zu trennen, in die gewinnen mit der bedeutung erreichen, erlangen, nehmen eintritt: dasz unser keiner nichtt flüchttigen fuosz sötzen ... im widerigen fall würdtts ein ernstliches spil gewinnen. Ulrich Kraft reisen 144 (vgl.: es werde ein andern weg mit uns gewinnen s. 145); das gute, das zu ihrer (der kreuzzüge) zeit geschah, kam meistens von nebenursachen her, die in dieser epoche ein freieres spiel gewannen, und doch auch in manchem betracht ein sehr gefährliches gute erzeugten. Herder ideen (20) 4, 273. die meisten formen weisen jedoch auch in der übertragung oder verallgemeinerung noch immer deutlich auf das wettspiel zurück: wern pAegschirrer iederzeit wert unnd ire possen wol verkert. ... unnd hetten liederlich herrn vil allda gwunnens ain kosstlichs spil im trinckhn hieltn si sich nit subtil. Georg Rösch v. Geroldshausen wunschspruch 449; so hon wir dan das spil gewunnen, wie suer milch, die da ist zerrunnen. Murner vom groszen Luther. narren v. 1891 Kurz; wideruomb erhebt und erhöhet gott unsere widersacher auch also seer, das sie stoltz werden und meinen, sie haben das spiel gewonnen und stehe in irer faust. Luther (pred. über 2. Mos. 9) 16, 135 Weimar; darüber lachet der teuffel und hat aber ein gewunnen spill. Eberlin v. Günzburg 3, 209 Enders; die gleiche verbindung später bei Gotter 3, 367 (hat mein herr gewonnen spiel); ähnlich Lessing 33, 450 (so giebt sie mir ja gewonnen spiel); desgl. 43, 43 und Göthe (ital. reise 1) 27, 26, s. auch unter gewonnen; die gmein die stundt grad wie ein mur, des gsachen die valschen burger sur, si wandend si hetens gwunnen, do was das spil noch nit recht gAen. lied v. aufruhr in Solothurn str. 24 bei Soltau und Hildebrand 2, 148; der sach gib ich dir aller recht, das spil hastu gewonnen alhier vor allen frommen. lied v. buchsbaum u. felbinger s. Uhland volksl. 1, 32; wenn du ein sach anheben wilt, und wilt, dasz sie nicht werd verspilt, so merck vor, wos hinaussen wil, als dann gewinnest du das spil. Erasmus Alberus praecepta vitae 117a; das spil ist unser, wir habens gewunnen, noster hic ludus est. Henisch 1609; das spiel gewinnen, vincere il giuoco, gagner le jeu. Rädlein (1711) 1, 383a; das spiel gewinnen, gewonnen haben, 't spel winnen, gewonnen hebben. Kramer 2, 97b; ein spiel gewinnen, to get or win a set, a play or game; to beat a man one game. teutsch-engl. lex. 2 (1716), 773; du hast das spiel gewonnen, vicisti. Steinbach 2, 1028; ähnl. Frisch 2, 450c; das spiel gewinnen, gagner la partie. Rondeau (1765) 2, Uu 3d; ein spiel gewinnen, das spiel gewinnen, es für sich vortheilhaft enden, darin siegen. Campe 2, 364b; gönn' ihnen doch das fleckchen land, geht's ja nicht von dem deinen! was bekümmerts dich, wenn du das spiel gewinnest, wer es zahlt. Schiller (Piccolomini 2, 5) 12, 106; behielte mein vater seinen schatz in der hand, so brächt' er viele zusammen, sicher gewänn er das spiel und wir verlören den könig. Göthe (Reineke fuchs 5) 40, 78 (mit sineme valschen spele to plasse bringen vele. Reinke de vos); das willst du da, wozu denn aber die ewigen trümpfe mit denen man nicht sticht, und kein spiel gewinnt, weil sie kein mensch gelten lässt. Göthe (an Lavater 28. oct. 1779) briefe 4, 112; ja, Franz, es musz geschieden sein! von Dresden lief die nachricht ein: ihr habt das spiel verloren, gewonnen die professoren. O. J. Bierbaum der musenkrieg (1907) s. 27. II@2@a@g@33)) die lotterie: II@2@a@g@3@aa)) es glückte auch einigen währenden ihren dabei sein noch so ziemlich wohl, indem dieselben ein und das andere stückgen aus selbiger bude gewonnen, und sich sodann damit fort machten. der Göttinger student auf der Plesse 1, 126; ich habe ... in die lotterie gelegt, um ... andern gutes zu thun, wenn ich etwas gewönne ... wenn ich nun zum exempel hundert thaler gewönne. Gellert 3, 223; diesen beutel hat sie in der lotterie gewonnen. J. L. Huber das lotto s. 20; die ganze lotterie ist mein ... ich hab's gewonnen — alles hab ich gewonnen, das ganze vermögen des lotterie-herrn. s. 66; eine schöne copie der madonna della Sedia ... wurde von mad. Schopenhauer für 90 thaler ausgespielt. mein sohn hat sie gewonnen. Ch. G. v. Voigt bei Geiger, Alt-Weimar, s. 270; ich freue mich, dasz der kunstverein so klug war, ihn (das bild Jacob Molay) anzukaufen und würde noch glücklicher sein, wenn ich ihn mit meinen armen drei loosen gewänne. K. Gutzkow ritter v. geiste 3, 15) 32, 445; in Hamburg gab es früher eine redensart: 'en eiermaan gewinnen', wenn man sagen wollte, dass auf ein lotterielos ... kein gewinn gefallen war. korrespondenzbl. d. ver. f. niederd. sprachf. 1907 s. 87. II@2@a@g@3@bb)) das grosze los in der lotterie gewinnen. Adelung 2, 665; ebenso Hilpert 2, 1, 465a; das grosze loos gewinnen, einen dreitreffer gewinnen. Campe 2, 364b; lieber sohn! dein loosz hat wieder die einlage zur künftigen lootheri die im mai gezogen wird gewonnen. frau rath (an Göthe 12. märz 1798) 2, 45 Köster. vgl. auch: das grosze loos gewinnen bei Heine und in übertragenem gebrauch bei Jean Paul, s. o. theil 6, sp. 1156. eine andere form der übertragung liegt vor in: doch seit ich hier, ein armer fischersmann, ein ärmlich, aber ruhig loos gewonnen, dank' ich dem herrn an jedem neuen tag. Th. Körner (das fischermädchen 1) 4, 7 Streckfusz. II@2@bb) für die ausarbeitung des momentes der bewegung zeigen die verbindungen mit sächlichem objecte bemerkenswerte gegensätze zwischen älterem und neuerem stil. die älteren typen, die die bewegung aus einer adverbialen bestimmung hervorgehen lieszen (die tür ... sie mochten die aufgewinnen nicht. Teuerdank s. 209 Goedeke u. a.) treten zurück, während die wendungen, die das object zum ziel der bewegung werden lassen (eh' sie die thür gewannen mit tugendvoller hand. Simrock übers. d. Nibelungen 2011) eine ungewöhnliche verbreitung erzielen. II@2@b@aα) der ältere typus erfährt im 16. jahrhundert noch reichhaltige pflege und entwicklung, um dann jedoch rasch zu verkümmern und der gemeinsprache abzusterben, vgl. sp. 6020; vgl. Adelung, der als 'eine im hochd. veraltete bedeutung' anführt: gewinnen, handlungen oder bewegungen vornehmen, deren art aus dem beisatze oder zusammenhange näher bestimmt werden musz. 2, 663. II@2@b@a@11)) im mittelpunkt der einen gruppe steht das schwert gewinnen, eine formel, die auf eine vollere verbindung zurückführt, von der auch andere ellipsen abzweigen: gewinnt von leder eur gut schwert. Teuerdank 94 Goedeke; ebenso 86 (gewunnen ... heraus sein schwert); dazu vgl.: gewann von stund sein schwert 186; ebenso: gewinne snelliken diin swert. Halberstädter bibel v. 1522 richter 9, 54; gewan er sein schwert. Aimon C 1a; Fierrabras E 5a; B 6a; B 2b; sie wolten, als ob der turnir end het, die schwert gewinnen. Wilwolt v. Schaumburg 54; sie gewunnen die degen 149; ebenso d. städtechron. 23, 110; darein schluog er jm wol einer spann lang ein scharten das er des schwerts nit gewinnen mocht. Pontus u. Sidonia d 6b; und wie ich das schwerdt wieder gewahn, so schlägt der bauer her. Götz von Berlichingen leben 26 Bieling; dazu vgl.: dem getreuen man gieng zu herzen die grosz büebrei an seinem herrn begangen, gewan von scheiden, vermeint den buben zu erstechen. Wilwolt v. Schaumburg 192. vgl. dagegen: der knecht want sich aus dem stich, liesz sein schwert faren, das gewan die wog und empfiel im aus der scheiden. ebenda 67, ähnlich 135, vgl. auch die wendungen sp. 6031. II@2@b@a@22)) si mochten jre bein von den pferden nicht gewinnen. Pontus u. Sidonia e 2b; dasz er nit gewinnen mocht seinen fusz heraus wider. Teuerdank s. 37; ein kranich mit eim langen hals der sties dem wolff sein kragen in den rachen gewn das pein mit hoffelichen sachen. Hans Sachs fab. u. schw. 4, 151; ganz ebenso Rollenhagen froschmeuseler 1, 161 Goedeke; er kunde ... sine scharpfen zen nit uff gewinnen. Steinhoewel Aesop 231 (ausgabe v. 1569: nit gewinnen 71a); ebenso 225; bisz ich dich (nagel) gar herausz gewinn und dann geprauch nach meinem sinn. J. v. Schwarzenberg teutsch Cicero 121b; ganz ebenso noch Butschky hochd. kanzelley 2, 345. dazu vgl.: wenn ein zündtloch vergossen, vernagelt oder sonst verschlagen würd, und solcher zweck oder nagel durch zangen oder schraufen nit zu gewinnen were, so müste man behend ein ander zündtloch boren, oder man möchte oel darneben schlieffen lassen, auff das es dester leichter zu gewinnen. ... ob dardurch der zweck oder nagel bewegt würde, das er dester leichter und ringer zu gewinnen were. Fronsperger kriegszbuch (1, 8) 1 (1573), 194b. 195a; es stecken die spitz so fest, dasz du khainen gewinnen kannst. feuerbuch v. 1591 bei Schmeller 22, 930; dieses zu gewinnen und herausser zu bringen. Würtz wundarzney 270. vielleicht läszt sich als jüngere neubildung hierher ziehen: erhielt ich hingegen den sieg, und gewann die sonne und den hellen himmel über mir, das grosze weltmeer von nebeln ... unter meine füsze. Bräker der arme mann im Tockenburg 30 Bülow. II@2@b@bβ) für den vom neueren stil begünstigten typus, die kennzeichnung des ziels der bewegung am object selbst, erwachsen zahlreiche feste verbindungen, mit denen sich vielfach wendungen kreuzen, die bei gleichem object auf eine andere bedeutung von gewinnen weisen. für die ältere zeit macht sich der zugrunde liegende begriff erobern, erkämpfen geltend (vgl. oben sp. 6004/5: die stadt gewinnen im sinne von erobern und im sinne von erreichen), für die neuere zeit die beeinflussung durch den begriff der besitznahme. beide richtungen lassen sich an der einen fügung das feld gewinnen (vgl. dazu sp. 6015) belegen: und also gewan Alexander das feld, unnd uberwandt die helfanten mit dem geschrei. O. von Demeringen übers. des Joh. de Mandeville (2) 161; noch weitter helfend mir bracht er durch der angst furch und dicken trübsals nacht mich an den schein der sonnen, mit solcher sorg und trew, dasz sigreich ich dardurch das weitte feld gewonnen. G. R. Weckherlin (ps. 18, 33) ged. 2, 45 Fischer; das feld ist gewonnen, der feind ist entflohn. Geibel Juniuslieder: Alf u. Erek; dagegen vgl.: wie meine einsicht zugenommen und feld gewonnen hat. Zelter 1, 262 Riemer; durch eine widerrufliche bewilligung würden die etwa vorhandenen neigungen ... zwar ein kleines, aber durch sorgfältigen anbau doch fruchtbar zu machendes feld gewinnen. Bismarck (in der 2. kammer 14. 2. 1851) 1, 300 Kohl. diese und ähnliche kreuzungen der bedeutungsrichtungen werden bei den einzelnen festen verbindungen jeweils im zusammenhang verfolgt: II@2@b@b@11)) die thür, den eingang gewinnen: do wurffen si di (leitern) an die maur und stigen hinauff. also das in einer kurtzen weil mer dann tausendt auff der maur waren und gewunnen das thor ... und lieffen darnach zuo dem schlosz unnd zuo des küniges sal den zuo gewinnen. Pontus u. Sidonia a 3a; verschwand vor seinen augen, machte mich unsichtbar, gewann das statt thor, lieff noch denselben abend zwo meil wegs. A. Albertinus landtstörtzer Gusman (11) 77; also auch wir, demnach wir sind gegangen ausz mutterleib', und nunmehr angefangen, die schwehre reis', erheben wir die sinnen, das schöne thor des himmels zugewinnen. Joh. Rist himml. lieder (3, 6) 176; schied sie von dannen, gewann die innere pforte des gartens eilte die schattigen gäng' entlang. Kosegarten (Jukunde 2) 25, 83; ich verstör' euch nit, ich verhalt' mich kein minuten länger, als sich schickt, wie sich unterm fensterl was meld', gewinn ich die thür. Anzengruber (dorfgänge 1: Hartingers alte Sixtin) 33; das mädchen aber flieht von einer ecke zur andern; als sie die küchentür gewinnen will, fliegt ihr die flasche an den kopf, die der Luszmann vom tisch gegriffen hat. Ernst Zahn schattenhalb (das muttergöttesli) 334; er gewann die treppe und öffnete unten behutsam die pforte. P. Heyse ital. nov. 1. Andrea Delfin. hier münden auch verbindungen mit verbalabstractis ein, die sich von der gruppe, in der das verbum den begriff der besitznahme zur bloszen syntaktischen function verblassen läszt, durch die betonung der bedeutung erkämpfen, erzwingen abheben: es soll noch mancher hund das blut vor meiner thür-schwelle vergiessen, ehe er den eingang gewinnen soll. Chr. Weise Masaniello 1, 10) 19 neudruck; es (das schlosz) stand einsam, und als die allerneuste, wenn auch nicht architektonische doch politische ruine da, und ich hatte nicht den muth, mir von dem umherwandelnden schloszvogt den eingang zu gewinnen. Göthe (campagne in Frankreich) 30, 184; da es ihm bei Kassel miszlungen war, unter den kanonen der belagerten den uebergang über den Rhein zu gewinnen. Schiller (30 jähr. krieg. 3. buch) 8, 217. vgl. dagegen eingang gewinnen u. a. unter e) γ. II@2@b@b@22)) wirstus nur erger machen, und dem teufel mehr raum geben, denn er hat ein schlangen kopff, welcher, wo er ein lücken gewinnet, darein er schlieffen kan, so gehet der gantze leib hinach unauffgehalten. Luther (deutsch. catechism. 1529) 4, 420b Jena (anders: ein loch gewinnen, sp. 6031); wir gewannen die bresche, we gained the breach. Hilpert II, 1, s. 464c; der alte, Towadei mit sich ziehend, suchte einen spalt zu gewinnen, der, überwuchert von gestrüpp, in eine schlucht mündete. A. E. Brachvogel Friedemann Bach (3, 2) 3, 67 (anders: einen spalt gewinnen, sp. 6031); so versahen wir uns mit den notwendigkeiten aus unsrem schiffsvorrat und machten uns auf, unsere verlorene strasze wieder zu gewinnen. Münchhausen wunderbare reisen 63 Griesebach; der dieb .., gewinnt die strasse, umsonst, die nervigten arme der frau halten ihn fest. der freimüthige f. d. jahr 1811, s. 48; ebenso P. Heyse Helene Morton (gewann die fahrstrasse); G. v. Ompteda Cäcilie v. Sarvyn (cap. 13: die strasze zu gewinnen); oftmals hab' ich hingeschaut nach des hauses zinnen; manche hohe brück' erbaut, bahn mir zu gewinnen. Hoffmann v. Fallersleben (eintagschönchen 2) 1, 208 Gerstenberg; gewann ich durch den vorgang Würtembergs im abschlusz des bündnisses ... den weg zu den andern (staaten). Bismarck ged. u. erinn. 2, 73; während die voltigeurs allmählich die böschung hinabzusteigen und einen weg über das eis hin zu gewinnen suchten. Fontane vor dem sturm 73 (anders: oder es werde ein andern weg mit uns gewinnen. Ulrich Krafft reisen s. 145); erst nachdem sie das thier eine weile geliebkost ... gewann sie freien weg. G. Reicke das grüne huhn (1, 1) 7; Lentin ... versuchte weiterzugehen. aber sie stellte sich immer wieder wegsperrend vor ihm auf. dennoch gewann er den steg. Ernst Zahn schattenhalb (Lentin) 230; sie hielt sich indessen nicht mit einer antwort auf, sondern gewann die station, wo eben der zug bremste. Carl Spitteler Conrad der leutnant2 205. II@2@b@b@33)) hierher gehört die verbindung das freie feld gewinnen im gegensatz zu den obigen belegen für feld gewinnen: das freie feld gewinnen, gagner la plaine. Rondeau 2, Uu 3d; ebenso Schwan 1, 746a (gagner les champs); das freie feld or das freie gewinnen, to gain the open field. Hilpert 2, 1, 464c; wiszt ihr, dasz es jetzt nur an mir läge, mich durch alle diese hasenjäger durchzuschlagen, und das weite feld zu gewinnen? Göthe (Götz, bühnenbearb. 4, 22) 42, 598; rannt' ich die gassen hin und wieder. ich hätte das freie feld gewonnen. (Wilh. Meisters wanderjahre 3, 10) 23, 134; sucht ich fliehend zu entrinnen und das freie zu gewinnen. Grillparzer (ahnfrau 1) 45, 35; denn es ist wider die natur der furcht, dasz er gegen mich stürzen, mich überrennen und so das freie gewinnen sollte. Immermann (Münchhausen 7, 11) 4, 74 Hempel; ebenso M. v. Ebner-Eschenbach dorf- u. schloszgesch.2 100. II@2@b@b@44)) auch bei boden, land fusz, platz gewinnen ist die kürzere fassung meist von anderen bedeutungsrichtungen getragen: II@2@b@b@4@aa)) die bedeutung erobern wird selten nahe gelegt: gestern war ein schlimmer tag. der feind gewinnet boden.doch was thut's? ich habe Drosendorf, der rücken ist gesichert. Grillparzer (Ottokar 5) 65, 123; mit schrecken sah das protestantische Deutschland die Spanier an dem Unterrhein festen fusz gewinnen. Schiller (30 jähriger krieg 1) 8, 65. vgl. oben terrain, land über uns gewinnen. II@2@b@b@4@bb)) vielfach geht die sinnliche bedeutung in der formelhaften kürze überhaupt verloren; vgl.: wenn ... seine art zu philosophiren platz gewinnet. Herder 15, 188 u. a. (s. die belege sp. 6038 f.) gegen: und so ritten die zwei männer aus der stadt hinaus, in welcher Hugo jetzt so lange gewesen war, um den nächsten platz zu gewinnen, an dem sie sich dem handelnden heere zur verfügung stellen konnten. A. Stifter studien (das alte siegel 4) 2, 313; von allen den namen nahe umgeben, die meiner vaterstadt damals in der geschichte des deutschen geistes mehr als einen ehrenplatz gewannen. Gervinus leben s. 2; und am deutschen Helicon wollt ich noch wohl platz gewinnen. J. C. Günther ged.2 839. II@2@b@b@4@cc)) zäher hält sich die sinnliche bedeutung bei boden gewinnen: in diesem gespräch war also für Jettchen auch nicht der kleinste griff oder tritt, wo sie sich anhalten oder anklammern konnte, kein stellchen, wo sie nur einen fuszbreit boden gewinnen konnte, um von ihm aus weiter zu kommen. Georg Hermann Jettchen Gebert8 272; und welche fülle von (legenden-) bildungen ähnlicher art haben wir selbst vor unseren augen und ohren erstehen, boden gewinnen und sich einbürgern sehen im anschlusz an die heldengestalt kaiser Wilhelms. H. Prutz preusz. gesch. 1, 27; und so schien man nach und nach wieder einen heitern tag, einen freien boden zu gewinnen, und vielleicht ist es uns vergönnt den ganzen verlauf dieser holden cur gelegentlich mitzutheilen. Göthe (Wilhelm Meisters wanderjahre 2, 5) 22, 92; er gab sich in der schnelligkeit den charakter als baron, um für sein cavaliermärchen grund und boden zu gewinnen. Immermann (epigonen 1, 13) 5, 60 Hempel. II@2@b@b@55)) auf dieser grausamen höhe, sich in festem stande zu erhalten, das braucht ungleich gröszere kunst; als dieselbe durch klimmen und klettern zu gewinnen. Butschky Pathmos 705; wir konnten die höhe nicht gewinnen oder erreichen, we were not able to get or reach the hill. teutsch-engl. lex. 2 (1716), 773; die höhe des berges gewinnen, gagner la montagne. Rondeau 2, Uu 3d; einen hügel, einen berg gewinnen, denselben durch anstrengungen erreichen. Adelung 2, 663 u. a.; leicht und behende, doch oft auf dem schlüpfrigen gras' ausgleitend, flohn sie hinan und gewannen die anhöh'. Kosegarten (Jucunde 4) 2, 186; links ab bogen die rollenden jetzt vom gethürmten gestade, lenkten ins innre des landes, gewannen das thal. (Jucunde 3) 2, 121; stiegen die bergwand oft umschauend hinan, und gewannen den saum des gestades. (Jucunde 4) 2, 183; vgl. auch (2) 2, 88; die andern waren all entronnen und hatten schon den berg gewonnen, doch wie sie nach der frau hinsahen, so thät sich schon die flut ihr nahen. Uhland (legende) 1, 334 Erich Schmidt; der knabe wuszte schon, sie wollte, um von der dame am fenster gesehen zu werden, mehr die höhe der kleinen hafenbucht gewinnen. K. Gutzkow der zauberer von Rom 3, 266 (anders: gebürge, die in der mitte des landes nur eine gröszere höhe gewinnen. Herder 13, 33); als er sich nun zum weitergehen wendete und die höhe vollends gewann, zeigte sich auf dem rücken des berges abermals ein neues landschaftsbild. Gottfried Keller (Hadlaub) 6, 30; dabei geschah ihm das unglück, bei dem versuche, die steile böschung hinauf land zu gewinnen, das gleichgewicht, das er bisher halbwegs bewacht, zu verlieren. Georg v. Ompteda der zeremonienmeister6 95; (anders: wenn die flut verrauscht ist, musz das brack gefüllt und vorland gewonnen werden. F. L. Jahn [runenblätter] 1, 415. vgl. auch: auszerdem gewannen sie noch das ganze breite bett des flusses ... für ihre waldung. Heinse Ardinghello 4, 336 Schüddekopf); den 12 dieses, da der sturm sich etwas geleget, zogen wir das schiff mit anckern fort, kunten aber den gantzen tag nicht uber eine meile gewinnen. Adam Olearius persian. reisebeschreibung (4, 12) 201a. dazu vgl. Adelung 2, 663; Campe u. a. II@2@b@b@66)) weil wir gleich die freie see vor uns hatten, ob wir mit hülffe eines frischen windes dieselbe vielleicht gewinnen möchten. Martiniere-Lange (1675) neue reise s. 34 u. a., s. Kluge seemannssprache s. 313. vgl. auch: die räumte oder die hohe see gewinnen. Karmarsch technol. wb. 13, 247; die schiffe zu bewundern, die gereiht, uns unerwünscht, das hohe meer gewinnen. Göthe (natürl. tochter 5, 1) 9, 360; ebenso 39, 32; wann wird der zornige strom das meer gewinnen? Strachwitz (neue ged.: ein wort für die kunst) ged.8 181; jeder strom wird's meer gewinnen, jedes leiden auch ein grab. Wilhelm Müller (die winterreise: das irrlicht) 120; Bläuling wandte ohne weiteres seine barke und gewann mit eiligen, kräftigen ruderzügen wieder die seemitte. C. F. Meyer (schusz v. d. kanzel) nov. 1, 134; oder er liesz sich an den ranken des rebstockes hinunter, gewann mit seinem morschen boot die see. Wilhelm Hegeler Pietro der korsar3 13; wer, wenn er mühsam nur das land gewonnen, sehnt sich ins meer zurück, wo's wüst und schwindelnd? Grillparzer (des meeres u. der liebe wellen 1) 75, 13; ergriff ... ein niedrig hängendes gesträuch, woran ich mich mit noth erhielt; nach und nach gewann ich stärkere zweige, und so arbeitete ich mich endlich ... ans ufer. J. C. Brandes meine lebensgesch. 1, 56; und theilt mit gewaltigen armen den strom, und ein gott hat erbarmen. und gewinnt das ufer und eilet fort, und danket dem rettenden gotte ... Schiller (bürgschaft) 11, 287; man gewinnt nach dem nächtlichen sturm das ufer wieder, der durchnetzte trocknet sich. Göthe an Zelter 3. 12. 1812 (anders: die Franken brechen wieder los und wollen jenes ufer sich gewinnen. Grillparzer [weh dem, der lügt 4] 85, 87); eine schwache abteilung derselben, die gleich darauf gefangen wurde, gewann gleichzeitig mit ihm das ufer. Th. Fontane (vor dem sturm, cap. 39); so stiegen sie in endlos langem zuge vor ihm auf und über all ihrer herrlichkeit schlossen sich die wellen des meeres. nur über einen schlossen sie sich nicht; er gewann das ufer. cap. 5; ebenso P. Heyse, Maria Franziska; über diesem gedanken verlor er (der spieler) völlig den boden und 'schwamm' und konnte kein ufer gewinnen. Riehl das quartett; nur noch hundert schritte waren die fliehenden entfernt vom nachen ... indessen hatte Hubertus den nachen gewonnen. K. Gutzkow der zauberer von Rom (8, 10) 9, 329; ähnlich (mit stärkerem anklang an gewinnen = erobern): die feinde hatten uns zwar von hinten und vornen umgeben, und suchten mit dem sebel in der faust unser schiff zu gewinnen, allein wir trieben sie 3 mahl mit grossen verlust zurück. gesch. d. Gött. studenten 3 (1748), 353. II@2@b@b@77)) den wind gewinnen (t. de mer), gagner le vent. Rondeau Uu 3d; ebenso Schwan 1, 746a; (in seamen's language) den wind, den vortheil des windes gewinnen, to gain the wind, to get the wind wart, to weather. Hilpert II, 1, s. 464c. II@2@b@b@88)) die herberge gewinnen, gagner le gîte. Rondeau 2, Uu 3d; ein gott gebeut jetzt durch des sehers mund, auf schneller flucht die heimat zu gewinnen. Schiller (zerstörung Trojas 30) 355; und auch die andern, welche sich später eingefunden hatten, ... entfernten sich einer nach dem andern, um die heimath zu gewinnen. Stifter erzählungen (Prokopus 1) 1, 32 Aprent; statt dem vater zu danken, wankte er rückwärts, um einen stuhl zu gewinnen, auf den er sich halb atemlos hinwarf. J. J. Engel herr Lorenz Stark (34); so bat ich den doktor, mit mir hinauf zu eilen, damit ich vorher mein fenster und mein bett gewinnen könnte ... ich schob das brett hinaus bis in mein fenster ... der doktor hielt das eine ende fest und ich setzte mich rittlings darauf, um langsam vorwärts rutschend den hafen zu gewinnen. F. W. Hackländer handel u. wandel (1, 11) 1 (1850), 111; sie bleiben rechts vom tische stehen, während frau Gottsched, hinter allen hinum gehend, die linke seite des tisches gewinnt. H. Laube Gottsched u. Gellert 2, 4 bühnenanweisung, vgl. auch die seite abgewinnen sp. 5985; vgl. die seite einer person gewinnen sp. 6028. II@2@cc) der begriff der besitznahme läszt bei der verbindung des verbums mit concreten objecten immer mehr die geschäftsformen des erwerbs, die zuspitzung auf den gelderwerb, hervortreten, wie schon die übersicht über die verhältnisse in der bibelübersetzung und wie die buchungen ersehen lieszen. diese richtung wird auch dadurch begünstigt, dasz sich ihr aus dem spiel und aus der lotterie die vorstellung des geldgewinns zur seite stellt. daneben wird das verbum jedoch in älterer wie in jüngerer zeit immer wieder von objecten angezogen, die der vorstellung der besitznahme einen weiteren umfang sichern. II@2@c@aα) dies gilt zum theil schon für die objecte, die auf nahrung und unterhalt zielen (vgl. oben sp. 5947): II@2@c@a@11)) wenigstens wird bei der beziehung auf eszbare thiere durch die vorstellungen der jagd und der beute immer wieder die bedeutung erkämpfen, fangen belebt (vgl. oben sp. 5988): und wölicher die saw zw dot künt schlagen, der solt sie gwünen haben und haimtragen. H. Sachs fab. u. schw. 5, 84: ... dar in ses hunde, starck unde groff, de bewarden mine kinder unde hadden se leff. dit hatede Reinke, de quade deff dat se so vaste weren dar binnen, dat he der nene konde ghewinnen. Reinke de vos 340 Prien (dasz er keins davon bekommen konnte. Gottsched 1, 4 anders Göthe). dat he gût unde ere vorlorre, mochte he daran gewinnen ein vet morsêl van einer hennen. 105; (ebenso Gottsched 1, 2; gewänn' er nur einen bissen dabei von einem fetten capaune. Göthe 40, 7); Christianus könig in Dennenmarck hatt der Engländer jagen sehr auszgelacht, unnd als er sie sahe einen schnellen hirsch zu pferd verfolgen, hat jhn desz pferdts gedauret, still gehalten, und gesagt: er möge kein pferd verlieren, umb ein hirsch zu gewinnen. Zinkgref apophthegmata 2, 106; so bewog er sie einst in einem teiche zu waten, durch den morast, und hatte versprochen, sie solle des tages viele fische gewinnen; sie habe den schwanz nur in's wasser einzutauchen und hängen zu lassen. Göthe (Reineke fuchs 11) 40, 191 (wolde se vele vissche vangen, Reinke de vos 5635; ebenso Gottsched); da brachte die otter eine junge ente hervor und reicht' sie ihm sagend: eszt, ich habe sie euch mit manchem sprunge gewonnen an dem damme bei Hünerbrot. 40, 209 (eer ik den einem vögheler nam. Reinke de vos 6237; nehmen konnte. Gottsched). II@2@c@a@22)) im engeren rahmen des begriffs erwerb halten sich verbindungen wie nahrung, unterhalt, brot gewinnen, in denen auch die sinnliche grundbedeutung des objectes der verblassung zur abstraction nicht entgegenwirkt. bei dem formelhaften gepräge, dem diese verbindungen zustreben, ist die anziehungskraft, die sie auf das possessivpronomen ausüben, bemerkenswert. II@2@c@a@2@aa)) bei der verbindung nahrung gewinnen ist unter dem besondern einflusz des zuständigen subjects vereinzelt auch eine berührung mit gewinnen, erbeuten, jagen zu belegen: die spinn mit laster war pehaft, sprach zw ir (der biene): 'die natre hat mich gelert suptile neczlein spinnen, das ich darin den smer lang mein narng kan gewinnen on alle arbeit, me und angst. Hans Sachs (die spin mit der pin) fabeln u. schwänke 3, 246; sonst begünstigen gerade diese verbindungen die bedeutung erarbeiten: II@2@c@a@2@a@aα)) item dieser obgemeldt Albrecht Dürrer der Älter hat sein leben mit groszer mühe und schwerer harter arbeit zugebracht und von nichten anders nahrung gehabt, dann was er vor sich, sein weib und kind mit seiner hand gewunnen hat. Dürer (familienchronik) nachlasz 7; die handwercks gesellen in dem röm. reich sind keine knechte, sind auch keine herrn, und haben doch bürgerl. nahrung, gewinnen mehr als die bauern. J. J. Becher närrische weish. 136; feir halttu unnd feirt der knecht. da wöl wir wol ein narung gwinen! Peter Probst (von 2, männern) 118 Kreisler; es geht der mensch ans akkerwerk die nahrung zu gewinnen. Joh. Rist himml. lieder (5, 1) 287; wer gott zum freunde hat und hat ein eignes feld, fragt wenig nach der stat, der vortelhafften stat, da nahrung zu gewinnen. fast ieder musz auff list, auf tück', auff ränke sinnen. Logau sinnged. (1, 3, 4) 56 Eitner. II@2@c@a@2@a@bβ)) und sprach do zuo Adam: 'sit du dime wibe gefolget hest, derumb solt du dine narunge mit kumber und mit erbeiten gewinnen.' J. Twinger s. d. städtechron. 8, 238; da mich der selb arm hungerig in so grossen eren sach und so ringlich min narung gewinnen. Straszburger übers. des Terenz (Eunuch 2, 2, tam facile victum quaerere) 44a; ich hallt den fur ein salig kinndt, der sein narung mit seinr hertn arbait gewinnt Sterzinger spiele (Wiener neudrucke 11) 199; die bettel münch sollen durch jhrer händ arbeit jre narung gewinnen und suochen, und nit durch den betel. S. Frank chronica (1543) 2, 157a; o wie glückselig seind die kinder, denen gott jhre eltern so lang leben läst, von denen sie gottsförchtiglich erzogen werden, und so weit kommen, dasz sie jhre nahrung selb gewinnen können. Aegidius Albertinus landtstörtzer Gusman (6) 49; sein kosten oder narung gewünnen, sumptum suum exercere. sein narung leichtlich gewünnen, facile uictum quaerere. Maaler 180b; und baht, dasz er ein reicher glückhafftiger kauffmann würde, dasz er seine narung damit gewünne. Ottho v. Demeringen übers. des Joh. de Mandeville (2) (1600) 131; oberzhelte tabacks - brüder, sonderlich die jenige, so ihre eigne hauszhaltungen ... und ihre nahrung mit ihrer handarbeit zu gewinnen haben. Grimmelshausen wieder erstandener Simplic. 3 (1713) 79; mein kostherr war ... ein notarius ... und hielt stets 8 pferde auff der streu, welche er den rAeisenden um geld hinzuleihen pflegte ... mit welcher drei ... fachen handtierung er ... seine nahrung reichlich gewann. Simplic. 282 Kögel. II@2@c@a@2@a@gγ)) denn der ander gemeine hauffe, gehöret noch weit herunter in das siebende gebot, als die nicht viel darnach fragen, wie sie das jre mit ehren und recht gewinnen. Luther (deudsch catechismus) 4, 407a Jena. II@2@c@a@2@bb)) von disen sprichit sancte Bernhart: 'in der andâcht dô di spîse inne gewunnen wart, dô wirt si ouch inne verzeret: wirt si îttellîche gewunnen, sô wirt si ouch îttelîchen verzerit.' Hermann v. Fritzlar s. myst. 1, 107; kompt ... in eines armen pauren hausz, welcher mit einem affen ime und seinem hauszgesind die speiss gewann. J. Wetzel reise der söhne Giaffers 79 Fischer u. Bolte; der Berglappe weidet schon sein rennthier, welches weder der Grönländer noch Eskimoh thun konnten; er gewinnet an ihm speise und kleid, haus und decke, bequemlichkeit und vergnügen. Herder (ideen 6, 1) 13, 212; darnach zogen wir auf Meiszen zu ... unterwegs das essen zu gewinnen. G. Freytag (bilder a. d. d. vergangenheit 2, 1) 19, 15 (bei Thomas Platter: underwägen zuo essen uberkon). II@2@c@a@2@cc)) und hast nicht so viel gelernet, einen einfältigen bauer zu betrügen, und dein maulfutter davon zu gewinnen. Grimmelshausen Simplic. 312; der hunger und die liebe sind beide scharffer sinnen, sie finden leichtlich mittel, ihr futter zu gewinnen. Logau sinnged. (3, 1, 100) 461 Eitner; die auff manier der widertäuffer allein sich beflissen, unter einem verständigen vorsteher durch ihrer hände arbeit ihren leiblichen unterhalt zu gewinnen. Grimmelshausen Simplic. 440; er gewinnt seinen unterhalt mit abschreiben, he gets his livelihood by copying. Hilpert 2, 1, 464c; jene zu Epheso sagen: bei der Diana gewinnen wir unser leben ... sol sie nun deswegen ihr gott sein, weil sie sich von ihr nähren? Butschky Pathmos 196; ein heimatloses menschenkind (die zigeunerin), gewohnt, auf kümmerliche weise, widerwillig, sein leben zu gewinnen und seine wohlgestalt in bettelhaftem aufzug durch die schnöde welt zu tragen. Mörike (maler Nolten 1) 4, 74 Krausz, vgl. dagegen leben gewinnen sp. 6042. II@2@c@a@2@dd)) weitaus die verbreitetste, wenn auch jetzt nicht mehr beliebte, verbindung ist brot gewinnen. deutlich hebt sich hier die in formelhafter erstarrung erzielte abstracte verwendung von lockeren formen der verbindung ab: vgl. er gewinnt heute zwei brote, hodie binos panes compendifacit. Steinbach 2, 1028; ebenso Hederich 1, 1424; er hett sein brot mit schwimmen können gewinnen, wie die kinder inn Egypten am Nilflusz, welchen man nit ehe das brot gibt, man werffs jhnen dann inn mitteln stram, dasz sie inn den Nil darnach schwimmen müssen. Fischart Gargantua 282 Alsleben. gegen: des Linhart Tuchers maid geben als ir fraw gelegen und eine tochter gepracht hat, gewan sie das pottenprott an mir. Tucher haushaltungsbuch 127 Loose. II@2@c@a@2@d@aα)) zm eilften sprach ein hantwercks man: 'den hertesten orden ich han, mein hantwerck, das ich dreibe, damit gewin ich kaum das prot. Hans Sachs fabeln u. schwänke 3, 67; alimenta arcu expedire, 's brodt mit wild schiessen gewinnen. Schönsleder V 5b; ebenso Aler 1, 937a (dort auch: das brot mit einer kunst, mit spinnen gewinnen); dasz man sich mit ... (den) eltern, weiln der sohn schon auf der werckstatt sasse, und ihnen das brod zu gewinnen mithalffe, in der güte ... vergleichen solle. Abele künstl. unordnung 3, 192; ein fischer, der mit seinen netzen brodt und zufriedenheit gewann, that einen schweren zug. Hagedorn (fab. u. erz. 2: der fischer u. der schatz) 2, 141. II@2@c@a@2@d@bβ)) sihe das dein gewissen sei rain ... arbait, leid, im schweisz gwinn dein prot. G. Rösch v. Geroldshausen wunschspruch 664; auch ist er noch zu kindisch, sein brot zu gewinnen. buch der liebe (kaiser Octavian 16) 9a; lahme, blinde und krüppel, die jhr brot nit gewinnen können. Luther hauspostille (evang. a. tag Michael.) 2, 95b; gewinnen kondte ich mein brot, und hatte allbereit ein gutes lob und vertrauen bei meinem herrn erlangt. A. Albertinus landstörtzer Gusman (10) 65; ein blinder mann ein armer man sein mus und brot nicht gewinnen kan. Groszbaseler todtentanz s. z. f. d. a. 9, 344; ganz ähnlich Peter Probst 4 Kreisler; ein armer, der nicht faul ist, gewinnet sein brot und nahrung noch mit seiner handarbeit. Grimmelshausen wieder erstandener Simplic. 3, 105; sein brodt gewinnen, gaigner la vie, victum quaerere, victum sibi acquirere. Duez (1664) 199a; von dem armen betrangten man der sein brodt in schweisz seines angesichts hörtiglicher gewunnen (stat. v. St. Ruprecht an der Raab) öst. weisth. 6, 206; dasz man das brod werde essen in dem schweisz des angesichts, aber diese gute leuth (die schornsteinfeger) müssen das ihrige gewinnen in dem rusz ihres angesichts. Abr. a S. Clara (etwas für alle (der schornsteinfeger) 1 (1699), 660; sein brod im schweisse seines angesichts gewinnen, gagner son pain a la sueur de son front. Schwan 1, 746a; ebenso Hilpert 2, 1, 464c; wozu hat der studirt, der schimpflich alle morgen vom brauer musz das bier, das brot vom bekker borgen? so lange hering sein, saltz, butter, pech und schmeer, gewint er wohl sein brot ohn bcher und gewehr. Rachel satir. ged. 49 Drescher; fleisz, wirthschafft und verstand entdecken schon noch mittel, wodurch man in der welt sein ehrlich brodt gewinnt. Joh. Chr. Günther (an die Phillis) ged.2 628; ich hab' kein vermögen, keins von euch kann noch sicher sein brod gewinnen. Bräker der arme mann im Tockenburg (3) 58 Bülow; sein brot gewinnen, erwerben, verdienen. Adelung; sein brot, seinen unterhalt gewinnen, erwerben, verdienen. Campe; durch herrendienst möcht' ich mein brot gewinnen. Uhland (Fortunat 1, 69) 1, 345 Erich Schmidt. II@2@c@bβ) anschaulicher sind die verbindungen des verbums mit objecten, die in den betrieb der landwirthschaft weisen. dasz die sinnliche anschaulichkeit hier nicht unmittelbar aus dem bedeutungsgehalt des verbums entspringt, ist oben (sp. 5960) an einigen wendungen der rechtssprache gezeigt worden. noch mehr gilt das für einzelne wendungen der älteren gemeinsprache, die mundartlich noch fortleben und bei denen der ausgangspunkt der entwicklung meist in der verbindung des verbums mit ortsbestimmungen nachzuweisen ist, s. oben sp. 6013. II@2@c@b@11)) und heiszt mich das wasszer gewinnen mit mim gefesz usz dissen borne ... Alsfelder passionsspiel 1314 Grein; gewin daz saf dar us so mit ... oder mit drucken. Elsässisches arzneibuch s. Alemannia 10, 221; sahe ich ein stachelecht gewächs, so erinnert ich mich der dörnen crone Christi ... gewane ich palmwein ausʒ einem baum, so bildete ich mir vor, wie mildiglich mein erlöser am stamm des h. creutzes sein blut vor mich vergossen. Grimmelshausen Simplic. (6, 23) 569 Kögel; und in dem mein zimmermann hinging, palmwein zugewinnen (6, 20) 557; so wuste mein camerad den palmwein gar artlich in grosse häfen zugewinnen, und denselben ein paar tage stehen zu lassen, bisz er verjoren, hernach soff er sich so voll darin, dasz er dorckelte. 564; dein mndlein ist ein gärtelein wie blühen doch so fein die röszlein darinne! darausz ich gewinne, wann du sie bewegest und gegen mir regest, den besten rosen-wein. Angelus Silesius heilige seelenlust 33 Ellinger. auf eine andere bedeutungsrichtung von gewinnen weist: so ist der wein. doch es ist mit ihm wie mit allen köstlichen gaben und künsten. er will geliebt, gesucht, verstanden und mit mühen gewonnen sein. H. Hesse Peter Camenzind28, 101. II@2@c@b@22)) gewünnen, abgewünnen, als blumen, legere, carpere, decerpere. Maaler 180a; so ... etwer von irentwegen ain obisz vom paum herab gewungen (landtaiding im Pongau 16. jahrh.) öst. weisth. 1, 186; abgünnen, abginnen, abpflücken, ablesen z. b. äpfel, birnen, beeren, trauben ... wofür in andern kantonen gewinnen, g'wünnen, abgewinnen ... Stalder 1, 497 (ebendort auch angünnen für anschneiden) vgl. heruntergewinnen, herunterlangen, herabnehmen. Weinhold beitr. z. e. schles. wb. 105b. II@2@c@b@2@aa)) in der weiterentwicklung werden natürlich die ortsbestimmungen abgestreift: sieder het me gheuet, und chriesi gunne no pfingste; sieder het me pflümli gunne hinterem garte. Hebel (das haber-musz) 1, 71 Behaghel; er sammelte das von der Aach ausgeworfene holz, dasz die mutter mehr als genug hatte; auch gewann er beeren für den pfarrer und andere liebhaber. F. M. Felder reich u. arm (2) 19. die wörterbücher belegen entsprechende wendungen schon früh (vgl. sp. 5973): in dem acker- feld- und gartenbau saget man auch, er hat so viel korn, heu oder obst gewonnen, das ist, eingeerndtet, oder eingesammlet. Chomel 4, 1061; gewinnen, im feldbau, die feld- und gartenfrüchte einerndten oder einsammelen. Jablonski 247b; ebenso Jacobsson technol. wb. 5, 671a; wir haben diese ernte wenig getreide gewonnen, so auch von allen feld- und gartenfrüchten. Adelung; getreide, obst gewinnen, ziehen und einernten. Campe; ein feld gewinnen Schmeller 22, 930; aperna gewenna, erdbirnen gewinnen (im Braunauer gebiet). J. Petters z. stoffsamml. i. d. dtsch. md. Böhmens 48. II@2@c@b@2@bb)) von einer ähnlichen grundlage zweigen wol auch andere wendungen ab, wie heu, holz gewinnen, es mähen, schlagen und zum gebrauch bereit machen. Schmeller 22, 930. die belege reichen hier weit zurück, ohne dasz der ausgangspunkt sicher zu fassen wäre: ik hebbe ôk twintich voder hauwes gewunnen. Lübecker totentanz 1170 Baethcke; item auch meldent si, das ain lechenman pretholz gewinnen soll ... 4 kasten und mag die hingeben und nit aus dem oblai, und ain selman zwen kasten. weisth. v. Riez (handschr. 1491), s. österr. weisth. 3, 53; welcher darinn eigens für nembens einen stamm holz nieder geschlagen oder einen baum, der vom wind umgeworfen worden, aufzuhaken oder einen poschen zu gewinnen unterstanden hat, der ist der nachbarschaft um 1 fl. reinisch in münz zu widerkehrung und abtrag verfallen gewesen. weisth. v. Wiesenschwang (1561), s. österr. weisth. 2, 82; stöck gewinnen, in den holz schlägen baumstöcke ausgraben; bäume, die in den strom gesunken, zur sicherung der wasserfahrt wegräumen. Schmeller 22, 930. II@2@c@b@2@cc)) wo die litteratursprache entsprechende wendungen aufnimmt, ist sie meist von anderen bedeutungsrichtungen des verbums angeregt, zumal da der übertragene gebrauch hier mitwirkt: das man nicht ein splitter ziehe ausz den augen der zuhörer, und sich selbs odder andere hindere, einen grossen balcken zu gewinnen. Eberlin v. Günzburg 3, 209 Enders; das schrecken wacht bei groszen schätzen, die wir mit schweisz so lange netzen, bis feind und dieb die frucht gewinnt. J. C. Günther nachlese 4. ebenso ged.2 65 (vielleicht gewinnt es eher frucht); die blume wird gewonnen, die pflanze, auf der sie hervorging verdorret (var.: die perle wird gewonnen, es verdorrt die muschel). Herder (br. d. studium d. theologie betr.) 11, 48; die reichsten garben sind gewonnen, wer jetzt auf diesem felde noch ärnten will, musz vergessene ähren lesen. F. L. Jahn (bereicherung des hochd. sprachschatzes) 1, 27; seine trophäen waren blühende bäume, reiche kornfelder, grünende wiesen, striche, die einst das wasser ertränkte, zu wiesen durch fleisz gewonnen. F. M. Klinger (gesch. eines Deutschen 4, 1) 8, 200; fallen gewisz unter die spreu, wenn man den abfall auf die schwinge bringt, um noch hinterkorn oder die drespe zu gewinnen. Möser patr. phant. (wie ist die drespe im menschl. geschl. am besten zu veredeln?) 4, 46; nicht eine stadt, kein haus, nicht eine scholle gab er dahin von Oestreichs weitem grund; und wenn 's die aerzte hundertmal geschworen, des kaisers hohes leben hinge dran, kein blättchen saffran, den si dort gewinnen. Grillparzer (Ottokar 4) 65, 106; dasz ein jägervolk zuerst darauf verfallen sein sollte, tiere zu zähmen, um milch, eier und fleisch zu gewinnen. K. Bücher entstehung der volkswirtschaft5 43. II@2@c@gγ) in der beziehung auf mineralien und andere bodenschätze tritt dem allgemeineren begriff im bergmännischen (bezwingen, erbeuten, gewältigen, fördern) eine engere bedeutung entgegen, vgl. die erze mit feuer setzen, mit schlägel und fäustel gewinnen. Adelung u. a. vgl. oben sp. 5962 ff., sp. 5973. vgl. auch: erde, die schwer zu gewinnen ist, terra aspera tractatu. Kirsch 2, 151b; genau so Matthiae 2, 181b; terre mal traitable Schwan 1, 746a. auszerdem münden auch von der vorstellung der bewegung aus einige wendungen hier ein: II@2@c@g@11)) also wolt man noch mer stain gewinnen ausz dem grund, denn man fand gar grosze und guet stain im grund. B. Zink s. d. städtechron. 5, 319; lasst es daselbst drei tag prinnen fecht an das prennt kol zuogewinnen. den hauffen er alda zerstert lescht das prennt kol ab wie es ghert. gewint ain fuedr, und etwas mer G. Rösch v. Geroldshausen, Tiroler landreim 527 ff.; dem silber hat der mensch den ausgang funden, den ort des goldes, das er gieszt; hat eisen aus dem staub gewonnen und stein zu erz geschmelzt. Herder (vom geist d. ebräischen poesie 1) 11, 402; es ist besondres gold, gewonnen auf geheimnisvollen wegen. Grillparzer (ein bruderzwist 3) 95, 65; vgl.: arbeit gewint feuer ausz steinen. Henisch 1601; aus dem erze metall gewinnen, durch schmelzen erhalten. Adelung, Campe u. a.; kohlen gewinnen, durch brennen hervor bringen. ebenda; so ein leben ist wie hobelspäne; kaum ein häufchen asche ist daraus zu gewinnen zum seifensieden. Göthe (über frau v. Krüdener) gespräche 5, 298; du forschest in der schrifft, und forschest ihren geist, vor welchen die gewisz nur schlack und spreu gewinnen, die ihr verführter weg auf neben-strassen weiszt. Joh. Chr. Günther ged.2 576. II@2@c@g@22)) sichergestellt ist der allgemeine begriff des erwerbs im folgenden: das si si twingen mit notiger, unpilleicher gepete umb ir ercz, das si mit sweisiger arbeit gewunnen haben. Iglauer jus reg. mont. 1. 4. 7 (pro suo metallo et laboribus sudore plenis); ein wuchrer het bei seinen tagen viel gelt und gut zusamen geschlagen. da er zum letsten sterben solt, liesz er ein grossen sack mit golt, welchs er mit snd gewunnen het, her zu jm bringen fr das beth. Waldis Esopus (3, 26, 5) 1, 315 Kurz; nach seinem (des vaters) tod durchgruben und durchwülten sie (die söhne) den weinberg, gewonnen zwar keinen goldschatz, doch im herbst einen köstlichen weinschatz. Heinr. Müller geistl. erquickstunden (207) 403. vgl. auch 229 (faule tage, gold und silber zu gewinnen); wenn dann das gold seine possessores also verstellet, was thut es dan allererst frembden, die dessen noch keins gewonnen. Grimmelshausen wieder erstandener Simplic. 3, 29. das gleiche giltnur mit einer wendung zum begriffe des glücksgewinnes vom folgenden: auf dem St. Gotthard hatte ich schöne mineralien gewonnen; der hauptgewinn aber war die unterhaltung mit meinem freunde Meyer. Göthe (tag- u. jahreshefte 1797) 31, 76; (frau Welser:) dasz er es satt wär', unter daransetzung von leib und leben gold zu suchen für leute, ... die ihre werktätigen männer nicht teilnehmen lieszen an dem, was sie gewinnen ... sondern ihre männer abfänden mit einem hundslohn, und alles gold und allen gewinnst einheimsten in die eigenen kisten und kasten. E. v. Wildenbruch die Rabensteinerin (2, 2) 58. II@2@c@dδ) andere gebrauchsgegenstände werden immer seltener mit gewinnen verbunden, das in der bedeutung erwerben, in besitz nehmen, für das object meist allgemeinere begriffe, namentlich collectiva, bevorzugt. II@2@c@d@11)) sinnkräftige einzelvorstellungen dieser art, wo sie mit gewinnen sich verbinden, weisen meist auf eine andere bedeutungsrichtung des verbums, auf den begriff erbeuten (s. o.) oder auf die vorstellung einer bewegung. II@2@c@d@1@aa)) die verbindung weist auf andere bedeutungsrichtungen des verbums: raubt der könig ja selbst ... da findet sich keiner, der sich getraut ihm die warheit zu sagen ... sie schweigen ... sie genieszen es mit, und wär' nur ein rock zu gewinnen. Göthe (Reineke fuchs 8) 40, 132 (al were id ock men to eineme klede. Reinke de vos, ähnl. Gottsched); doch leg die nicht auff einander, sie bachen und kleben sonst auff einander, dasz die nicht one schaden zu gewinnen sein, lasz die trucken werden. Fronsperger kriegsbuch 1, 183a; so must mir hilffe thon, zu mir herab faren in prnen. auf das der kes doch wert gewnen. Hans Sachs fab. u. schw. 2, 6. viel weiter geht die ellipse, die für das folgende zu ergänzen ist: alle jar die gemeinen heimlichen gemach, die auf der Pegnitz sein ... raumen und saubern lassen, allweg umb Martini ... mügen sie es recht saubern und gewinnen. Tucher baumeisterbuch 113. aber wie mannigfaltig die zusammenhänge sind, in die gewinnen noch heute von hier aus gezogen werden kann, zeigt: nun eile frommt, zu schlüpfen in die röckchen. ... der schreck verwirrt die tänzerinnen, die jeden rock verkehrt gewinnen. F. Rückert (haus u. jahr 3) 2, 258. II@2@c@d@1@bb)) die verbindung stützt sich auf den begriff der besitznahme, des erwerbs: die guet fraw sas in irr nechtlichen harre, wart pei eim liecht an irem rocken spinnen, da fluchet ir der drncken man, sprach: 'zndestw zwai liechter an?' mit deim gespnst kanstw kam ains gewinnen. Hans Sachs fabeln und schwänke 3, 152; den von seinem vater ihm angestammten gewerbsinn übt er im groszen: es sind nicht mehr heerden, die man einem schwiegervater, die man für sich selbst gewinnt, es sind völker mit allen ihren besitzungen, die man für einen könig einzuhandeln versteht. Göthe (dichtung u. wahrh. 4) 24, 222; in diesen ornat stolzierten sie gar komisch einher und behaupteten durch kauf und tausch sich diese maskerade gewonnen zu haben. (campagne in Frankreich: 29. sept.) 30, 100. II@2@c@d@1@cc)) neuerdings wird dieser zusammenhang von der seite des begriffs eines unerwarteten vortheils, eines glückstreffers, erweitert. vielleicht gehört hierher schon eine wendung, die der sprache des täglichen lebens geläufig ist: gewinnen, heraussparen, vgl.alles kommt darauf an, dasz wir noch ein groszes zimmer zwischen dem saal und vorsaal gewinnen, welches zum alltäglichen speisezimmer dienen kann. Göthe (an Arens 1792) br. 18, 44. jedenfalls gilt dieser für: nimmermehr werde ich mich fähig fühlen, eine so niedrige rolle zu spielen; und wenn auch ordens bänder zu gewinnen stünden. Lessing (an Mäcen) 13, 149. aber auch die folgenden gehören hierher: könnt' ich schlau der parzen händen die verhaszte scheer' entwenden, oder durch mein heiszes flehn ihre spindel mir gewinnen. Gotter (der wunsch) ged. 1, 60; so starrte nie der ehrfurcht lodernd feuer, im Arouet, den goldnen schlüssel an, den seine sittenlose leier mit eines königs gunst gewann. Goeckingk lieder zweier liebenden (1777) 119. II@2@c@d@22)) umfassende (collectiv) begriffe in der stelle des objects werden für gewinnen bei der bedeutung erwerben schon durch die rechtssprache (s. o.) nahegelegt: wie Abraham mit aller habe, die sie gewonnen hatten ... auszoch. Luther (pred. üb. 1 Mos. 9) 24, 202. charakteristisch ist die häufung entsprechender typen für die ältere periode des neuhochdeutschen stils. II@2@c@d@2@aa)) am vielseitigsten ist hier die verbindung gut gewinnen, die in der ältern sprache auch den grundbesitz einschlosz, jetzt aber ausschlieszlich fahrende habe betrifft. wie oft sie in dieser bedeutung auch für den begriff erobern, erbeuten angezogen wurde, dafür nur ein paar proben: da schreiben inen die margrafischen bauren, dasz si gen Anhausen zu inen kemen, da welten si guot gewunnen. Joh. Knebel Donauwörther chron. bei Baumann 256; machet ain kuntschaft uber etlich echter und gutgewinner auf dem Aalbuch in seiner herschaft und pfleg, kamen iren acht zusamen, wolten gut gewinnen, wurden all acht erstochen. Nic. Thoman Weissenhorner hist. bei Baumann 20; ob sich die gutgewinner wölten herauslassen. 21; vgl. auch gut gewinner. d. städtechron. 23, 414. ähnlicher bedeutung steht auch das folgende noch nahe: das er solchs alles thut mit der armen schweis und blut, mit unrechtem gut, durch auff setz und wurgen gewonnen. Luther (der prophet Habakuk) 19, 413. II@2@c@d@2@a@aα)) da múgen wir wol ere und guott gewinnen. heiligen leben (1472) 9b (v. Sant Jörgen); ich hoff, wir wellen er und gut heut auf diesen tag gewinnen. Teuerdank (89, 15) Goedeke s. 215; als das sie grosse ehre, rhum, und gut gewinnen, land mehren ... Luther (v. krieg wider den Türcken 1529) 4, 439b Jena; denn obligen, gut und ehre gewinnen ist herlich ding fur der welt. aber unterligen dem feinde, arm und zu schanden werden ist ein schendlich ding. (der prophet Habakuk ausgelegt 1526) 19, 419 Weimar. II@2@c@d@2@a@bβ)) wem trawmpt dar nach, wie er vogel vach, der gewint ein farend gut oder ein weib wol gemut. Daniels traumdeutungen 11 (z. f. d. a. 48, 517); alle ir begerunge ist nicht anders nur wie sie werltliches gut gewinnen, wie sie allewege reichlichen essen und trinken. Johann v. Neumarkt leben des hl. Hieronymus 215 Benedikt (nd. druck v. 1482 wertlick gud gewinnen; im lat. text keine entsprechung); dasz er (der kaufmann) sich solt genuegen laszen an ... seines herkomens art, und gut gewinnen mit sein selbs person und nit durch knecht. S. Meisterlin s. d. städtechron. 3, 98; und desgleichen was aller ding wolfail und waren über all die leut ainander freuntlich und guet gesellen und nerten sich die leut gering und liederlich, und was guet guet gewinnen. B. Zink s. d. städtechron. 5, 148; das kein gestolen und felschlich gewunnen gut gedeihet. Luther (deudsch catechismus 1529, 7 gebot) 4, 403a Jena; ebenso 8, 93b. II@2@c@d@2@a@gγ)) die verbindung geld und gut ist für die zuspitzung auf den begriff von geld und geldeswerth charakteristischeine bedeutungsverengerung, die das object hier auch über die formel hinaus begleitet: gleich, wie auch die kriegsleute und waghelse, sich williglich in fahr geben, das sie ehre einlegen, oder gelt und gut gewinnen. Luther (1 Korinther 15 ausgelegt) 6, 274a Jena; sie lassen uns erbeiten im nasen schweis, gelt und gut gewinnen (v. d. Juden) 8, 92a; wo ik (de kopman) gelt unde gût mochte gewinnen. Lübecker totentanz 973 Baethcke; ebenso 898; 901; vgl. auch 995 (dat gût hefstu mit arbeide gewunnen); gar offt sei es swerer gut zu behalten dan zugewinnen (ἀγαθὰ κτήσασθαι). Reuchlin verdeutsch. d. 1. olynth. rede des Demosthenes 30 Poland; zuo guoter arbait bisz nit trAeg, gewinnen guot, such zimmlich weg. Schwartzenberg teutsch Cicero (memorial) 144a; all, die mit schaden ander lewt on arbeit get gewinnen, als financzer und wuecherer, vur kawffer falsch jristen. Hans Sachs fabeln u. schwänke 3, 37; grosz guot, so man mit recht gewint. E. Alberus praecepta vitae 85a (opes recte partas); ähnl. 84b (was mann gewint mit schinden, male partum); vgl. auch ehebüchlein G 3b; wiewol ich selbst kein wuchrer bin, iedoch so wucher ich im sinn und wolt auch gern gwinnen viel guts, frag nichts nach dem gemeinen nutz, sonder nach dem, was ghöret mir ... Jac. Ayrer (der falsch notarius) 5, 2981 Keller; als baldt ein mann gewinnt grosz gut, verkehrt sich an jhm sinn und muth. Henisch 1601; ja es wirdt auch das gerecht guot, das erblich von den eltern herkompt, mammon, genent, dann alles zeitlichs guot, ohn grosse mhe und arbeit nit kan gewonnen werden, unnd hart ohn ungerechtigkeit besessen. Simon Rot K 3a. II@2@c@d@2@a@dδ)) im gegensatz dazu stehen neuere übertragungen: in der ruh vergnügter sinnen steckt das höchste guth der welt; und diez kleinod zu gewinnen braucht man weder staat noch geld. J. C. Günther ged.2 213; ebenso 617. vgl. auch: das gute, das für die menschheit dadurch gewonnen würde. Wieland (Peregrinus Proteus 8) 28, 122; so gewinnt man ihr durch inhalt und form ein gutes. Herder (briefe d. stud. d. theol. betr.) 11, 64. II@2@c@d@2@bb)) opes quam maximas consequi, grosz guot oder reichthumb gewünnen und überkommen oder bekriegen. Frisius dict. (1556) 305b; nit heftig zerr und reisse, gros schecze zw gewinnen. Hans Sachs fabeln u. schwänke 3, 245 (vgl.: wie er mer der reichtüm gewin 3, 332); wolle der himmel verhüten, dasz sie jemals diese groszen reichthümer gewännen! K. Gutzkow ritter vom geiste (6, 5) 62, 148. II@2@c@d@2@cc)) wie hoch aber dein lohn zuschetzen sei, den du an solchem handel gewinnen sollt, kanstu nicht besser rechen und abnemem, denn ... Luther (von kaufshandlung) 15, 297; zimlichen lohn, den du fur deine muhe, erbeit und fahr dran gewunnest. ebenda; damit si all zuo schaffen han, mit lib und leben kumm entrinnen, am suw kouff wenig nutz gewinnen. Murner schelmenzunft 57 Matthias. vgl. auch nutzen gewinnen Adelung 2, 665 (eine vortheilhafte veränderung erleiden); was fahrende hab seie. gelt und geltschulden, so kein zinsz gewinnt, wein allerlei korn und äszige speisz. landbuch des kantons Appenzell Ausserroden (54), s. 50; ebenso 61 u. a.; Braun und Isegrim sandten sofort briefe in alle lande, an alle, die reichen sold gewinnen wollten. Gottsched Reineke fuchs (1, 25), s. 49 Bieling (an alle, de soldie winnen wolden. Reinke de vos 2293; anders bei Göthe); denn was kann der arme wicht für zeit verlieren, der mit dem abend kaum sein tagelohn gewann? Goecking (episteln 2, 13) 2, 145; und der tag ward immer hell und heller; hört' ich schon des nachbars türe gehen, der das taglohn zu gewinnen eilet. Göthe (morgenklagen) 2, 103: dasz das einkommen von ausländischen werthen höher zu besteuern sei als von deutschen, gewissermaszen ein schutzzoll für deutsche werthe, und das von selbst flüssige höher als das durch arbeit jährlich neu zu gewinnende. Bismarck ged. u. erinn. (27) 2, 208. II@2@c@d@2@dd)) item ob einer gelt gewunnen het vor einem jar und het ein rechnung oder einen furslag tün in disem jar, die selb rechnung odir fürslag solt ab sein und solt man rechen von dem tag als daz gelt gewunnen. vereinbarung des schwäb. städtebundes v. 1385, s. d. städtechron. 1, 115; ob einer gelt an den juden vor einem jar gewunnen. ebenda; gelt leszt sich gewinnen und verlieren, ere nit, und ewig boszs nachgerucht hort nimmer auff. Albrecht v. Brandenburg bei Steinhausen privatbriefe 1, 225; mit loggen unde ôk welke valsche ede, der hefstu nicht gesparet, mochtestu gelt gewinnen. Lübecker totentanz 1003 Baethcke; so kan si negen, fegen, spinnen, mit ruoben schelen gelt gewinnen. Murner gäuchmatt 12, 52; ähnl. schelmenzunft 8; aera merere, gAelt gewünnen oder verdienen. Frisius dict. (1556) 816a; ebenso Henisch 1606; Duez (1664) 461a (gaigner de l'argent); Rondeau 2, Uu 3d; und thuons (das salz) ausz den phannen bringen damit si ir gelt gewinnen. G. Rösch von Geroldshausen Tiroler landreim 160; wie sie den könig wol widerumb frisch und gesundt machen, unnd hiemit ime pauren ein grosse summa gelts gewünnen unnd verdienen könte. H. Wetzel reise der söhne Giaffers 80 Fischer u. Bolte (far guadagnare); kom mit mir under mein tach! da soltu haben gut gemach, wil du mir ietz wz gutz verkündst, dabi ouch ein gut drinckgelt gwinst. Tobias Stimmer comedia 107 Oeri s. 7; darmit der arczet obgemelt gewan ein rüeff und groses gelt. H. Sachs (der eselssattel) fab. u. schw. 4, 59; sondern er ehelichte sie auch offentlich, und zwar nit ohne ursach, dann er wuste ein ansehenlichs gelt bei jhr, aber wie das gelt war gewunnen, also ist es entrunnen. Aegidius Albertinus landtstörtzer Gusman (2) 23. dazu vgl. sp. 6010 die belege für das spiel. II@2@c@d@2@ee)) hat gewunnen, oder hat so vil gulten auszzeleihen. Cholinus-Frisius (1541) 547b (vgl.: ich hab 2 fl. mit spiel gewunnen. A. Dürer nachlasz 149); ein pfennig mus jr zweene, hundert gülden müssen zwei hundert dazu gewinnen. Luther tischreden 87b Aurifaber (1566); gwündenpfennig, der umm lon grosse werck thuot, und schwAer burde auff rAeffen tragt, baiulus. Maaler 201d; und meine gOethin legte sich auff viehzucht, und wuste die milchpfenninge besser zu gewinnen und zusammen zu halten, als zehen solcher weiber, wie ich eins gehabt hatte. Grimmelshausen Simplic. 404; auch ist pesser ain pfening durch got geben, dann taussent pfund in der kisten gelegen, ist am jungsten tag als ain wind. man verliurt und gewint mich geschwind. ged. auf den pfennig 160 (Bolte z. f. d. a. 48); damals erkennte ich, was ein häller seie, und was gestalt derjenig, der jhne nit gewinnet, seiner nit achtet. Aegidius Albertinus landtstörtzer Gusman (6) 46; zwahr vil verligen ietzt, die guts zuthun beginnen, und doch mit grossem schatz kein hällerswährt gewinnen. J. Rompler erstes gebüsch s. reimgetichte 34; dieses gut verkauffeten wir allezeit stracks den Italiänern ... gewann also den winter über bei zweihundert ducaten ... ubrigens wo ich neben diesem in der stadt etwas gewinnen mochte, saumete ich auch nicht. türkischer vagant (14) (1683) 120; und jederman kam zu mir, unnd begerte, dasz ich jhnen supplicationes machen und schreiben wolte, durch dises mittel gewan ich etliche real. Aegidius Albertinus landtstörtzer Gusman (25) 197; denn gewinnt er auch an jeder mahlzeit einen bis zwei franken. E. M. Arndt reisen 5, 190; dem herrn baron ist's gleich, ob er einmal gewinnt ein paar tausend thaler oder nicht, aber unser einem ist es nicht gleich. ich kann in diesem augenblick machen ein solides geschäft und ein sicheres, und mein geld ist versteckt, ich musz mir entgehen lassen einen baaren gewinn von viertausend thalern. G. Freytag (soll u. haben 1, 6) 4, 79; ebenso (3, 4) 478. vgl. sp. 6010 ff. die belege aus spiel und lotterie. II@2@dd) die kennzeichnung organischer veränderungen am menschlichen (thierischen) körper und in der natur (vgl. oben sp. 5950) läszt das verbum anfangs in vielseitiger entwicklung vorwärts schreiten. zu den oben belegten festen verbindungen treten neue typen; neben dem sinnlichen entwickelt sich übertragener gebrauch, und auch der kreis der zuständigen subjecte erweitert sich immer mehr (vgl. die bevorzugung des unpersönlichen subjectes bei Luther sp. 5968). ungewöhnlich häufig wird das verbum auch für krankheitserscheinungen (vgl. oben sp. 5955) angezogen, die in unseren zusammenhang weisen. aber wie bei diesen, so ist in der ganzen einschlägigen gruppe mit dem neueren stil ein rascher rückgang zu verzeichnen. für die heutige sprache kommen nur noch einzelne wendungen in betracht, in denen die frühere bedeutung entweder durch übertragungen verdunkelt oder von neuen bedeutungsrichtungen durchkreuzt wird, vgl. namentlich unter α) 3)). II@2@d@aα) für die erscheinungen am menschlichen (thierischèn) körper waren aus der älteren sprache als verbindungen belegt: bart, gevidere, flügel gewinnen; eine stimme, varwe gewinnen; vleisch, bein, glieder, lîp gewinnen. dazu vgl.: II@2@d@a@11)) warumb gewinnen die weiber haar umb den bauch, und sonst nirgent, die männer aber werden haricht an der brust, problemata Aristotelis A 7a; warum gewinnen die weiber keine bärthe. A 7b; dasz der kälte wird vergessen, Haff und Pregel offen sind, und der wald sein haar gewinnt. S. Dach 611 Österley (no. 269); also gieng es vor zeitten zuo, da die brautt noch jung was, da würgt man ainen tag zwaintzig, den anderen dreissig, ietzund ist si alt worden und hat runtzel gewunnen. Luther 10, 3, 77; Popea Neronis uxor badet sich inn esels milch, dasz sie weisz würde und kein runtzeln gewünne. Erasmus Alberus nov. dict. Aa 3a; und in aim augenplick verluren si all menschliche stimm und gestalt, gewunnen grosse sewpersten und warden urbarlich in sew verkört. Schaidenreiszer Odyssee 42b; das thet jm so bitterlich wehe, das er dauon stacheln am leibe gewann. E. Alberus d. barfüsser mönch Eulenspiegel u. Alcoran J 1a; wenn der esell horner gewinnet und der bock ein schaff wirt. Luther 7, 632; ein seidinwurm ligt den winter in eim weplin ... dan so gewint er fetich und würt ein pfeiffholter. Geiler v. Kaisersberg evangelia 19b; federn gewinnen, plumare. Henisch 1600; da gewunnen die (gebratenen) vogel federn und flohen hinweg. Erasmus Alberus d. barfüsser mönch Eulensp. G 2a; nicht richt dein augen auff das gut, das alle zeit von dir fliehen thut! denn es gleich wie der adler gewint federn und fleucht durch den windt. lob der armut (Nürnberger flugblatt v. 1530) Bolte (zeitschr. d. a. 48, 45); indehm ein poet dein lob beschreibet, gewinnest du flügel wie ein adler; schwingst dich in die höhe, wie ein ander Pegasus. Butschky Pathmos (201: der poeten freundschafft) 270. II@2@d@a@22)) wil mir zu kurtz der aten sein, thue ich aten gewinnen. Hans Sachs (die drei trinker) fabeln u. schwänke 3, 341; da man den athem schwerlich, und nit ohne schmertzen gewinnen kan, spiritus difficilis. Henisch 1599; wenn er nur ein wenig lufft gewonnen, so hat er wider angefangen zu tirannisiren. Luther (pred. über 2 Mos. 9) 16, 133 Weimar; und öfter: drum last die seele lufft gewinnen zerreist, was sie gebunden hält. Joh. Chr. Günther (auf Hachmanns abschied) ged.2 955; ebenso (lust und lufft gewinnen) 624; (bis der quell der adern lufft gewann) 1069; doch immer reift von innen und schwillt der braune kern, er möchte luft gewinnen und säh' die sonne gern. Göthe (west-östl. divan; buch Suleika) 5, 174; ... auch das pferdchen, luft gewinnend zwischen den hochschaftigen, weitstehenden bäumen, spielte neckisch vorwärts ... Stifter (studien 1: der hochwald 2) 1, 236 Sauer; verschon' uns, gott, mit deinem grimme! zaunkönige gewinnen stimme. Göthe (west-östlicher divan: buch der sprüche) 5, 121; vgl. auch sp. 6037 f.; aufgeschobner dank, lieber, gewinnt die miene von undank. Lavater handbibl. f. freunde 4, 259; und sein gesicht gewann einen ganz frohen ausdruck. E. Zahn herrgottsfäden5, 79; den ausdruck, den sie beim sprechen gewann. G. v. Ompteda der zeremonienmeister6 69; der wirt sprach, sei doch guter ding, ich denck, das ich jhm einen bring, das er widder ein farb gewinn. E. Alberus fabeln des Esop 37 Braune; purpurasco, ich gewinn ein purpurfarb. nov. dict. E 3a; gegen: ein rote farb gwünnen, colorem rubicundum trahere. Maaler 261d; dasz ... die feinen schwarzen bogen über den saphirenen augen nie wieder ihre goldfarbe gewinnen sollten. Paul Heyse (der mönch v. Montaudon) rom. u. nov. 2, 5, 221; die südlichen wolken stellten sich indessen zu artigen partien zusammen und gewinnen immer liebere und wärmere farben. Stifter (studien 1: feldblumen 2) 1, 49 Sauer; die sage vom fliegenden Holländer, wie ich sie aus dem munde der matrosen bestätigt erhielt, gewann in mir eine bestimmte eigenthümliche farbe, die ihr nur die von mir erlebten seeabenteuer verleihen konnten. Richard Wagner lehr- u. wanderjahre (1871) s. 21. II@2@d@a@33)) bei der kennzeichnung einzelner körpertheile macht sich der für die abstracta (sp. 6032 ff.) so bedeutsame unterschied geltend zwischen objecten, die in der sphäre des subjects entstehen, und solchen, die von auszen her einbezogen werden; die letzteren gehören ganz dem neueren stil an. II@2@d@a@3@aa)) da gewann unglück ein breiten fusz. Matthesius leichenreden 119 Loesche; vgl. auch: die oberhand gewinnen sp. 6006; doch sollt du kein ding gar zu lang, kurz, dick, dünn, breit oder schmal machen ... daraus findt sich dann, dasz etlich gewinnen breit schultern, dünn weichen, schmal hüft, und diesem widerwärtig. so gewinnen etlich kurz leib, lange bein und aber dem widersinns. A. Dürer nachlasz 220 (vgl. dazu: also bleibt ... ein kleiner uberschus uber, also gewint dis cap(i)tel ein kleiner hals. underweisung der messung G 4a); dazu vgl. aus neuerer zeit: justement, als es halb vier auf dem dom schlug, that der junge seinen ersten schrei. das bedeutet einen künftigen chorherrn! rief der brigadier. wenn der junge eure schmächtige gestalt und breite nase gewinnt, kann er auch bei Sanct Gangolph als löschhorn dienen. Heinr. König die klubisten in Mainz 1, 274; das er von stund zum wolffe wart, sein sprach vorwandelt in das heulen, gwan augen wie die grossen eulen, aussn armen wurden wolffesbein. Waldis streitged. gegen Heinrich v. Braunschweig 19 Koldewey; iedoch meint Vadiscus drei ding sein den Römern beschwerlich ... von einem gemeinen concilium sagen, einer reformation des geistl. standts gedencken und das die Teutschen ietzo augen gewinnen. Hutten (Vadiscus; oculos recipiunt) 4, 178; anders: augen gewinnen von pflanzen s. sp. 6030; der (Jesus) hab im gethan die wolthat. sein augen auff than am sabat nur mit ein khot, das er allein hab geschmirt auff die augen sein. darvon hab er gwunen sein gesicht. Peter Probst (comödie v. blindgeborenen 326) 13 Kreisler; o tod, du schwartzer tod, du schauer unsrer sinnen! o, thu ich dir zu viel? ja, ja; du kanst gewinnen ein englisches gesicht.dann du bists, der erfreut; du bists, der uns entzeucht dem toben toller zeit. Logau sinnged. (2. zugabe zum 3. tausend no. 142) 657 Eitner; Paulus ... einen eigen sin, kopff gewint, las ihn ghen, er ghet da hin, lest ihm nicht sagen. Luther (pred. über 4 Mos. 22.) 25, 494; der alle manegfeltekeit der werlete leszet und der sünden unde sich mit eime demuodegen hertzen einfelteclichen keret zuo gotde, der gewinnet eine gotdragende sele und wirt voreinit mit gode. Nicolaus v. Landau pred. bei Zuchhold 137; um das, was ich von der guten zu sagen hatte, darin niederzulegen, gewann ich einen poetischen körper. Göthe (zu Eckermann) gespr. 5, 256; so scheint das trockne geripp der paradigmen einen körper zu gewinnen. Fr. Jacobs elementarbuch der griech. sprache. einl. s. 5, vgl.gestalt gewinnen, ein herz gewinnen sp. 6042; wie im aug' erst auflebt des malers tuch, wie der schriftzug im tiefsinnigen buch, von dem lesenden seine seele gewinnt. Immermann (Merlin: d. Gral) 15, 98; die ganze bedeutung des höhern lebens ist eben, aus uns heraus zu gelangen und in andern eine verklärte persönlichkeit zu gewinnen. (memorabilien: fränk. reise) 20, 87. II@2@d@a@3@bb)) fünffmahl hab ich schon versucht, nur dein antlitz zu gewinnen; fünffmahl hast du mich verschmäht: o was sind dann disz vor sinnen! Joh. Chr. Günther (deprecations-schrifft an seinen vater) ged.2 855; hier stand unser tisch, den deutsche vertraulich umgaben; drüben suchte das kind neben der mutter den platz, rückte vielmals die bank, und wuszt' es artig zu machen, dasz ich halb ihr gesicht, völlig den nacken gewann. Göthe (römische elegien 15) 1, 281; ich weisz, bestürzter ort! dasz, wo man feuer schreit, kein geil- und süsses wort ein offnes ohr gewinnt. J. C. Günther ged.2 450; ähnl. 750 (ein auge); von sorgen oft verdrängt, gewann zuletzt ein später schlaf dies auge. Brawe Brutus (1, 2) 8; trotz seiner äuszerlichen unschönheit gewann dieser kluge und tapfere offizier die hand einer hübschen gräfin Schulenburg. Bismarck ged. u. erinn. (4) 1, 80; es ist Lavaters vortrefliche art den kopf durch das herz zu gewinnen. Herder 9, 412; daz man bei hof verschiedene anschläge macht, ihren kopf zu gewinnen; das herz, denken sie, haben sie schon. S. v. la Roche frl. v. Sternheim (1) 163; Unger ist sehr gutwillig, wenn man seine schwache seite gewinnt. Wilh. v. Humboldt an Schiller (29. 8. 1795) Leitzmann s. 102. II@2@d@bβ) zur kennzeichnung der leibesschäden führen mehrere der oben belegten wendungen unmittelbar über: der erst gewon fre ainen pOeszen kopfe, einen leren pewtel und ein hellen kropfe. Hans Sachs fabeln u. schwänke 4, 207; vgl.: da gewan er baldt ein feisten kropff. B. Waldis Esopus 1, 39 Kurz; man sol im (dem neugeborenem kinde) sein augen mit fleisz bedecken vor dem liecht dʒ es icht krancke augen gewinn. Ortolff v. Beyrlandt arzneibuch 5a. für sie ist das verbum anfangs ungewöhnlich häufig angezogen. vom 17. jahrh. ab schrumpft aber der gebrauch ein, um erst später vereinzelt wieder aufgefrischt zu werden: II@2@d@b@11)) älterer gebrauch. II@2@d@b@1@aa)) denn underweilen bricht die haut auff unnd gewinnet scheden an mancherlei orten des leibs, ettwan werden sie reüdig oder schebig, mitt flechtendem oder gemeinem grind. Ryff thierbuch Alberti Magni C 4a; kein wund ein solcher nie gewan, es hett jms dann ein huor gethan. Hutten (clag u. vormanung) 3, 514; würt ainer mitt ruotten ausz gehawen, das er grosz und tieffe schnaten gewint, und das bluot under der haut gerint. Hieronymus Braunschweig chirurgia 84c; wann si dann so ellendt gat und pülen, blatern, gewunnen hat. Murner narrenbeschw. (80, 112) 242 Spanier; der kloen von geisz oder bocks füssen gebrant, und mit essig auszgefeuchtet zu einem pflaster, benimpt das scheutzlich haar auszfallen, vonn wellichen das har viel kalter [!] pletz gewinnet. Ryff thierbuch Alberti Magni B 3b; ebenso B 4a; wo du jhn anrührest mit einem eisen, deinem finger oder nagel, so gewint er ein maasen, und bekompt schaden von dem anrühren. Fel. Würtz practica der wundartzney 266. II@2@d@b@1@bb)) won si gewan sOelichen siechtagen. Elsbeth Stagel leben der schwestern zu Tösz 18, 26 Vetter; das die leut gehling sterben oder sunst ein ewig kranckheit gewinnen. M. v. Kemnat chronik Friedrichs I. 115 (vgl.: das man sich vor siechtumb behüten künne und gesundtheit gewinne des leibs. Steinhövel reg. sanit. 126 Ehrle); vgl. dagegen: und schau, ob, wenn und wie die kranckheit zugewinnen. die ehre sol dein lohn, gold dein begleiter sein. Hallmann Antiochus (5) 59; so müssen wir durch unsern fleisz offt unsern tod gewinnen. viel hat verstand und, was uns weise macht, in's grab gebracht. Andreas Gryphius (oden 1, 5: vanitas mundi) lyr. ged. 211 Palm. II@2@d@b@1@cc)) sô gewinnet er den stechen in der zeswen sîten. bayr. arzneibuch 129 Pfeiffer; das die feuchtikeit in dem menschen unnd das pluot in im faulet das er kúrtzlich den ritten oder sucht gewinnet. Ortolff v. Beyrlandt arzneibuch 9a; der unczeittig öpphel isset, der gewinnet geren den ritten. 73b; nach dem fünff und zwainzigisten tag gewan si die kranckhait des friesens. Gregors dialoge IV cap. 17; das eine ... das fieber gewan. I cap. 8; da gewan si den krebs an einem packen. IV cap. 13; gewinnen sie ... grindt oder geschwere der bein. verdeutschung des Petrus de Crescent. (1493) 3b; er hett gewunnen das wild fewer an einer zehen. Nürnberger chron. (d. städtechron. 1) 399; es gewindt ein pferdt den wurm offt zwischen haut und flaisch. Seuter roszartznei 193; gewannen die roter ruer. Aventin 5, 168; dann wann du zuovil mit dem zeug (dem pulver) umbgast, so gewinnest du gern die lAeme ... büchsenmeisterei (Straszburg 1529) A 4a; swer iʒʒet also vil, dasʒ er eʒ nicht verdowen mach, der gewinnet die maʒleide. s. Schmeller 22, 931; wer des zu vil getrunken hat, der gwint die pflader geut (durchfall). bauernkalender (16. jahrh.) bei Liliencron, dtsch. leben im volkslied s. 138; 'mein dochter', sprach die müeter küen, hat gwünen den aussatz. Hans Sachs fab. u. schwänke 4, 265; es ist genug lächerlich, dasz die eunuchi, und calui, pueri, mulieres, kein podagra gewinnen. Paracelsus (von dem podagra) 1 (1616), 542; die Ephraimiter wolten auch zu frü ins feld rucken ... aber sie gewannen auch entlich das krimmen im nacken. Joh. Matthesius (Luther 6) 3, 133. II@2@d@b@22)) auffrischung im neueren gebrauche: das fuhr mir in die glieder dasz ich den frost gewann. Göthe (parabolisch: valet) 3, 201; auch hab ich ein knötgen gewonnen an einem zahn, schon in Stüzzerbach, habs parforce dressirt und hab viel dran gelitten. briefe 3, 173 Weimar; er (der prinz von Oldenburg) ist in Jever an einem hitzigen nervenfieber gestorben ... seine gemahlin liebte ihn unaussprechlich ... ich fürchte beinah, sie könnte auch die krankheit gewinnen. Ch. Schiller an Knebel s. Düntzer 93; Mythos war ein epileptisch kind, und leicht vermochten seine brüder zu gewinnen diese selbe krankheit. C. Spitteler Prometheus und Epimetheus2 277; obgleich diese mit bedenklichen blicken das schlachtfeld überschauten, so machten sie sich doch auch fertig, wunden und beulen zu gewinnen. Immermann (epigonen 4, 6) 6, 40 Hempel. II@2@d@gγ) für die veränderungen in der natur, für die oben gras, laub gewinnen belegt sind, treten mancherlei neue verbindungen auf, vgl. auch sp. 5968; 5970 (oben). II@2@d@g@11)) laub gewünnen und grünen, inducere frondes. Maaler 201d; radices agit, facit, capit, concipit, gewint wurtzeln. Erasmus Alberus nov. dict. B 64a u. a.; die [!] epheu ... verwicklet also den gantzen boum, das der boum not gewind zuo wachsen, so gewind aber der [!] epheu so vil Aestlin und menig der pletter unnd beer, das der recht boum erstoket und daub wirt. Judas Nazarei vom alten u. neuen gott 26 Kück; ein schöns geschlecht limonij, das von 10 inn 12 blettlein gewinnet. Rauwolf reisebeschr. 314; ebenso 76 (ein kraut ... gewinnet rundlechte glatte stenglein); das gleiche 37 und 38; sunder gleich wie eim junger baum, den man ungschnait auff waxen lëst, der gewint auch darnach krumme ëst und wird unschlachtig. Peter Probst 73 Kreisler; der wald gewinnet blätter, die bäche rinnen klar. S. Dach 621 Österley (no. 272): vgl. auch 441 (dasz alles neuen schmuck gewinnt); die mailust ist begonnen, der baum hat seine grüne. die blätter schon gewonnen. L. Tieck (aufzug der romanze) 1, 6; die rebe weint erst, eh sie laub gewinnet und ihre blüth' entfaltet. Hoffmann v. Fallersleben (buch der liebe 13) 1, 253; das getreide gewinnet aehren, le bled jete des épis, monte en épis. die gerste hat schon aehren gewonnen, l'orge est déja en épis. Schwan (1783) 1, 746b; ebenso Hilpert 2, 1, 465; der flachs hat knoten, der feigenbaum blätter, der weinstock augen gewonnen, von Adelung 2, 665 (wol aus der bibelübers.) als 'ungewöhnlich' angeführt; reif und schnee sind entflohen: ihr gras gewinnen die fluren wieder, die wälder ihr haar (redeunt iam gramina campis arboribusque comae). Ramler (übers. v. Horaz od. 4, 7) lyr. ged. 206; die fortsetzung der geschichte Cids, die eben hier den knoten gewinnet. Herder (Adrastea 5, 239) 28, 443; anders: fachten zwen geschickte mit einander, die rissen ein ander zu poden, damit das fechten gwan ein knoden. Ambr. Oesterreicher schwerttanz (1562) 306 Schneider; und sehen ob unsere reben auch blühen, und augen gewonnen von hitzen der sonnen. Zesen deutsch. Helicon 2, 134; ebenso 119; die reben gewinnen augen schon. maler Müller die schaaf-schur; augen, knospen, etc. gewinnen, to bud or burgeon. teutschengl. lex. 2 (1716), 773; die bAeume gewinnen augen; blthen; blAetter etc., les arbres poussent des boutons, fleurs, feuilles. Rondeau 2, Uu 3d; ebenso Schwan 1, 746b; ihre finger verwandelten sich in rebschosze, voll durch einander geschlungener ranken, und fiengen bereits an augen zu gewinnen und früchte zu versprechen. Wieland Lucian (καρποφορήσειν ἔμελλον) 4, 152; ach, erseufzete sie, der weinstock hat noch kein auge gewonnen, der wind sauszt über den dürren strauch. Musäus volksmärchen (liebestraum) 3, 233. II@2@d@g@22)) an diese wendungen reihen sich auch verbindungen wie einen spalt, riss, ein loch gewinnen, die zugleich durch die häufigkeit übertragenen gebrauches zu der verbindung mit abstracten objecten überleiten. in der älteren sprache sind sie nicht belegt, nehmen aber in den frühesten wörterbüchern schon breiten raum ein. II@2@d@g@2@aa)) wie gantʒ und wie veste ein schif allenthalben sei, das mus dertrinken, ob es durch unfleiʒ der marner einiges hol gewinnet. Johann v. Neumarkt leben des heil. Hieronymus 23 (ebenso im nd. druck von 1482); cederbaum gewünt kein spalt, rimam non capit cedrus. Maaler 180b; und warf das mit ganzem gewalt in das eis dermasz, das ein spalt gewann und zerschnitt das schiff gar. Teuerdank (46, 33) Goedeke s. 113; es thet sich das erdtrich mitten auff dem marckt auff, und gewann ein tieffe gruoben, darausz gieng ein so gifftiger schAedlicher lufft. Livius deutsch (1562) 60a. II@2@d@g@2@bb)) viel beobachtet, doch meist an abstracte subjecte gebunden ist: ein loch gewinnen; II@2@d@g@2@b@aα)) zum wasser das jhr antlitz netzt, wird ein krug galle noch gesetzt, der niemals wird ein loch gewinnen und ausgetruncken werden können. Opitz (thränen der ewigkeit) 3, 177; und wenn der beutel dann ein heimlich loch gewinnt. J. C. Günther (an einen guten freund) ged.2, 485. II@2@d@g@2@b@bβ)) was ist anders darausz erfolgt, dann dasz die alte ainigkeit ein loch gewunnen, zanck und hader eingerissen ist. J. B. Fickler übers. v. Putherbeys tract. 164b; wo die sprachen er fur kennen, würde sein reich ein fach (loch) gewinnen, das er nicht kunde leicht wider zu stopffen. Luther (an die ratherren) 15, 36 Weimar; also die gesellschaft gewan ein loch. J. Wickram (knabenspiegel 3 akt) 6, 307; also der lantzknecht in dem krieg, weil er ist gsund, hat glück und sieg, so nimbt er zu und dünckt sich hoch. etwan gewint der krieg ein loch, ist noch nicht zalt von den kriegszherrn, denn sucht er ein andern von ferrn. H. Sachs 9, 246 Keller; wie aber der krieg nit lang wäret, sunder wie man sagt, ein loch gewan. J. Wickram (rollwagenbüchlein) 3, 31; genau so Fr. Duckher Saltzburger chron. 172; Grimmelshausen Simplic. 550 Kögel; wieder erstand. Simplic. 3, 95 Keller; wie nun dise brief also wider menigclichs verhoffen, ... herfürkammen, do gewann die rechtvertigung ain loch, dann wer wolt der sein gewest, der den römischen kaisern in ire sigl wolt geredt oder ain zweifel darein gemacht haben? Zimmerische chron. 32, 56 Barack; alsdann gewinnt dise regel ein loch. Fischart bienenkorb Q 6a; lücken gewinnen von Adelung 2, 665 als 'ungewöhnlich' angeführt. II@2@d@g@2@cc)) ein kleid, welches zerstochen ist, oder einen ries gewonnen, kan von einem kleinen nagel dorn, oder schiefer leichtlich mehr zerrissen werden. Butschky Pathmos 408. der glaube kan mich ihm (Christus) so fest verbinden dasz seine treu nie einen risz gewinnt. S. Dach (sterbens-trost) 186 Österley; ich habe gesagt, dasz die mosaische verfassung nicht lange in ihrer ersten lauterkeit bestanden. schon zu den zeiten des propheten Samuel gewann das gebäude einen risz, der sich immer weiter aufthat, bis die theile völlig zerfielen. Moses Mendelssohn Jerusalem 2 (1783), 125. dazu vgl. Adelung a. a. o., der die verbindung als ungewöhnlich bezeichnet. II@2@d@g@33)) so entzündet es sich von dem windt, und verwüst was es begreifft, geuszt man wasser darauff, so gewindt es rötlich flammen. Fronsperger kriegsbuch 2, 199a; der anblick giebt uns trost und läst die düstern sinnen im spiegel deines ruhms von neuem licht gewinnen. J. C. Günther ged.2 652; ähnlich 736 (schmuck gewinnen); und wie diese kopfbedeckung von seinen zügen, die sie beschattet hatte, weg war, gewannen diese gleichsam licht und zeigten, dasz er sehr jung war. Stifter erzähl. (Prokopus 1) 1, 6 Aprent. II@2@ee) die verbindungen mit abstracten objecten, zu denen schon aus den unter c) und d) dargelegten gruppen zahlreiche tropische verwendungen überführen, bieten vor allem für die geschichtliche betrachtung ein reich bewegtes bild des absterbens alter formen, des vordringens neuer verbindungen. von wichtigkeit ist hier die stellung des subjectes zum objecte. II@2@e@aα) verbindungen mit objecten, die von auszerhalb in die sphäre des subjectes einbezogen werden. gewinnen hält an der bedeutung besitznehmen fest, vgl. sp. 5950 ff. II@2@e@a@11)) wie aus der vorlage zu ersehen, ist schon für die bekannte bibelstelle 'was hülffs den menschen, so er die gantze welt gewünne' (vgl. sp. 5967) nicht die bedeutung erkämpfen, erobern, sondern der begriff des erwerbs, der besitznahme (κερδαίνω) ausschlaggebend; da die welt auch nicht in sinnlicher, sondern in übertragener bedeutung aufzufassen ist (im gegensatz zu: wär ... würdig zuo regieren und zuo gewinnen alle diese welt durch sein tugent. Pontus u. Sidonia i 5b; vgl. auch die belege sp. 6005), so gehört die stelle, die auch in der spätern litteratur weiter wirkt, hierher: gewönn' ein mensch die gantze welt, was hülff' es sein gewissen! J. C. Günther ged.2 59; nimm, wenn ich eine welt gewönne nimm nicht mein himmlisch vorrecht hin. Uz 202 Sauer; dazu vgl.: doch als uns vom altare ... der pfarrer eilen sah; da gingen andre sonnen und andre monden auf, da war die welt gewonnen für unsern lebenslauf. Göthe (die glücklichen gatten) 1, 127; vgl. auch 49, 112 (die natur ... mit forscherblick und methode für sich zu gewinnen). in der gleichen richtung bewegen sich die verbindungen den himmel, die hölle gewinnen: o güldene zeiten! o selige stunden! ... durch welches die erde den himmel gewinnt. J. C. Günther ged.2 334; vor den so oft gewünschten tod den himmel auf der welt gewinnen. nachlese 160 (anders 117); ein dieb bei lebzeiten, kurtz aber vorhero, und vor seinem todt, hat er den himmel geraubt, was war die ursach, dasz er so bald den himmel gewonnen? Abr. a S. Clara heilsames gemisch 372; der einzige von mir geborne knabe ... die wonne der eltern und der stolz der mutter — ich sage nicht dasz ich ihn verlor, — was für ihn gewinn war, sah mein mutterherz nie für verlust an; er gewann den himmel. Auguste v. Bernstoff (Stolberg) an Göthe 15. 10. 1822; du verlierest dein seel, zerstörest dein gewissen, und gewinnest die höll. A. Albertinus landtstörtzer Gusman 10; weil ihme das pulver der gOettlichen gnade; die kugel der gutten meinung, und das feuer der gOettlichen liebe mangelt; so kan er den himmel nicht erOebern; aber wohl die hOelle gewinnen. Butschky Pathmos 312 (gutte wercke). II@2@e@a@22)) eine ungewöhnliche entwicklung und verbreitung erzielt die gruppe, für die aus der mittelhochdeutschen zeit huld, winne, ablasz, süene gewinnen anzuführen waren (vgl. sp. 5951). auch hier werden die alten formen durch neue verdrängt, wie schon ein überblick über die buchungen zeigt: demereor, eines gunst gwünnen durch dienstbarkeit. Cholinus-Frisius (1541) 257a; ähnlich (unter concilio) 189a (vgl. mereri offensam, eines ungunst erlangen und etwa an gewinnen 547a); ebenso Frisius (1556) 385b u. a. A. Reyher theatr. rom.-teut. 1, 1718; Matthiae 1, 405b; ergo se studium alicuius ... consequi, einsi gunst und freundschafft gewünnen. Frisius 305b; ebenso Maaler 180b (dort auch: fründtschafft und liebe gewinnen); vgl. auch Duez (1664) 461a; nach und nach eines geneigten willen und gunst gewünnen, colligere benevolentiam alicuius. Maaler 180b; vgl. auch 180a; vgl. auch gunst gewinnen Henisch 1602; Stieler 2544; Rondeau 2, Uu 3d (seiner richter gunst gewinnen); der richteren hertzen gwünnen (animos ... conciliare) Cholinus-Frisius 189a; eim das hertz angewünnen Frisius 278b; seiner underthanen hertz gewinnen. Rädlein 1, 383b; eines herz gewinnen. Adelung u. a.; eines affection gewonnen haben teutsch-engl. wb. 2, 773 (gained, wun, got or acquired ones heart); jemandes liebe, freundschaft etc. gewinnen, gagner l'afection, l'amitié de quelquun. Rondeau 2, Uu 3d; lucrari peccata, die sünden gewinnen, entrinnen der straff der sünden. Dentzler 413a; ablass gewinnen. Schwan 1, 746b; vgl. Adelung, Hilpert u. a.; parere sibi laudem, ein lob gwünnen Cholinus-Frisius 628a; ehre gewinnen Rondeau a. a. o.; ich habe seine hochachtung gewonnen, je me suis attiré son affection. Schwan 1, 746a; jemandes vertrauen, huld, gunst, liebe gewinnen. Adelung 2, 664; eines liebe, zuneigung, wohlwollen, gunst, gnade, vertrauen etc. gewinnen, sich eines liebe, zuneigung etc. durch seine bemühungen aller art, durch seine verdienste etc. verschaffen, erwerben. Campe 2, 364a. II@2@e@a@2@aa)) und ob in seine sunde alein in der zeit seines todes rewent, dannoch gewinnet er genade von dem almechtigen gote. Johann v. Neumarkt leben des heil. Hieron. 39 (vgl. ebenda genade von gote erworben habe); und von dir geschicht, und man och do gesach die schOenen liechter, die von gottes ordnung hie schinent, do gewan er als grosse gnad das er willeklich von hinnen schied. Elsbet Stagel leben der schwestern zu Tösz, vorrede; wie Oliuier der ganntz tödtlich verwundt was, umb den kampff badt, und vom keiser urlaub gewan. Fierrabras A 4b; scheust er aber und trifft in oder scheust in zu todt, das wandl ist XXXII ℔ ₰. oder das leben und sol den puessen und der freundschaft huld gewinnen. (banntaid. zu Reichenau) öst. weisth. 6, 68; des andern huld zu gewinnen. ebenda; vgl. auch 6, 70; darumb so mus der falsche dieb mir lan sein junges leben. auch gewinest du nimer mein huld. H. Sachs fabeln u. schwänke 3, 21; du gwinst auch nit mein gunst noch hult, die weil mir gott mein leben gindt, will ich dir sein im hertzen findt. Jörg Wickram (irr reitend bilger cap. 1) 4, 134 Bolte. II@2@e@a@2@bb)) unnd durch dises mittel gewann unnd erlangte ich meines herrn desz cardinals gnad unnd gunst dermassen, dasz er mich jmmerdar bei sich haben muste. A. Albertinus landtstörtzer Gusman (17) 119; ebenso 407 (gunst und einen guten namen); vielmehr ergetzt es mich und meine Pierinnen, den beifall deiner gunst durch neider zu gewinnen. Joh. Chr. Günther ged.2 464; Hippolita, ich buhlte mit dem schwerdt um dich, und unterm lerm der wilden waffen gewann ich deine gunst. Wieland Shakespeare 1, 4 (St. Johannis nachtstraum 1, 1 won thy love, habe dein herz gewonnen Schlegel); die gunst derjenigen zu gewinnen, die doch zur ausführung die hände bieten sollen. Schiller briefe 7, 165; (Phorkyas:) durch Castor dann und Pollux aber bald befreit, umworben standst du ausgesuchter helden-schaar. (Helena:) doch stille gunst vor allen, wie ich gern gesteh', gewann Patroclus, er, des Peliden ebenbild. Göthe (Faust II, 3) 41, 194; er hat Angela's gunst gewonnen (wanderjahre 3, 14) 23, 213; die allgemeinste gunst gewinnen (zu Eckermann) gespräche 5, 143 Biedermann vgl. dazu sp. 6042. II@2@e@a@2@cc)) herr, klopf in gnaden bei mir an, und führ mich wohl zu sinnen, was böses ich vor dir gethan, du kanst mein hertz gewinnen. (Luise Henriette v. Brandenburg) ich will von meiner missethat s. Freylinghausen ges. buch 408a; hast du dich gesellt wol zu meinen sinnen, nichts in dieser welt wirt mein hertz gewinnen. S. Dach (sel. ewigkeit) 229 Österley; durch wolthun wirstu das feindseelige hertz gewinnen, das kalte hertz anzünden. Heinr. Müller geistl. erquickstunden 215; ebenso 339; und sucht dabei kein ander lob, als feind und hertzen zu gewinnen, und daher stöhrt ihr auch kein gram die allzeit aufgeräumten sinnen. J. C. Günther ged.2 441; ebenso (mit gleichem reim) 36, 1135; ähnl. Wieland (an Olympia I, 2) 9, 135; Herder (über bild, dichtung und fabel) 15, 556; o wie selig ist die stunde! da man, angenehmes kind! auf dem rosen-vollen munde deines hertzens huld gewinnt. J. C. Günther ged.2 274; reiz, jugend, unschuld, freud' und scherz gewinnen euch ein jedes herz. Lessing (sinnged.: an 2 liebenswürdige schwestern) 13, 29; ebenso Ferd. v. Saar Heinrich IV. 1, 173; ähnl. Gellert 1, 94 (wirst du Monimons herz gewinnen); Wieland Shakespeare (Veroneser 3, 5) 6, 381; die geduld, womit er sich von dem kleinen mädchen auf seinem schoosz alle augenblicke in der arbeit stören liesz; gewann ihr auf einmahl das herz. Wieland (Danischmend 27) 8, 218; so melodisch flosz sein vers dahin, und so bescheiden und doch voll edlen stolzes war seine muse, dasz sie die zuneigung aller herzen ihm sicher gewinnen muszte. Moritz Anton Reiser (4) 348 Geiger; dir, edle nichte, geb' ich einen vater, durch allgewalt'gen königlichen spruch; erhalte mir nun auch, gewinne mir des nahverwandten mannes herz und stimme. Göthe (natürl. tochter 1, 5) 9, 264; ähnl. (Hermann und Dorothea: der männer geist ... die herzen der weiber) 40, 290; du hast mein herz gewonnen und ewig lieb' ich dich. Hoffmann v. Fallersleben (schön Anni) 3, 270 Gerstenberg; ich will nicht hinter ihrem rücken ein herz für mich gewinnen das mit ihrem leben so eng verbunden ist. G. Freytag (verlorene handschr. 1, 10) 6, 182; bald gewann er durch seine vorschläge ... das ganze herz des gouverneurs (ahnen 6, 6) 13, 96; das gewann mir recht eigentlich sein herz. Fontane von zwanzig bis dreiszig s. 478; die ... aber mehr noch durch ihr liebevolles, ein wenig schalkhaftes wesen des kindes herz gewonnen hatte. Georg Reicke das grüne huhn (1, 5)2 50; erst nach und nach gewann er sich die herzen seiner pfarrkinder. Detlev v. Liliencron (aus marsch u. Geest auf meinem gute) 2, 223; herzgewinnend, schön, aufmerksam und begabt, schienst du mir ein unter günstigen sternen geborener Este. C. F. Meyer Angela Borgia 75 u. a. vgl. theil 4, 2, sp. 1247; anders ein herz gewinnen sp. 6041. II@2@e@a@2@dd)) bei meinem bart, hat er es gethan, so soll er alle die tag seines lebens, niemmer frid mit mir gewinnen, und wirt auch hinfür, kein freud meher im hertzen haben ... Aimon b 4a; es het ein fraw ein man, der was unguetig, wetig, selten sie fried gewan. Hans Sachs fab. u. schwänke 3, 177; der edelmann forcht solche rach, lies dem wirt sein schüeld alle nach, so der wirt fried gewann. 5, 335 (vgl. dagegen friede gewinnen sp. 6042); endlich war mein schlusz ich wolte vor allen dingen meines schwehr-vaters freundschafft wieder gewinnen. Grimmelshausen Simpl. 276 Kögel; nach dem ... hat er das überausz reiche vermögen, und völligen verlasz in seine hände bekommen, welches ihn dann bald in grosses ansehen gebracht, und hat er absonderlich vieler freundschafft an sich gewunnen. Abraham a S. Clara auff auff ihr christen, neudruck 12; jemands freundschaft gewinnen, to gain any ones friendship. Hilpert II, 1 s. 464c; ich gewann seine freundschaft nicht ohne mühe. H. Hesse Peter Camenzind28 32; die liebe der gmein sie damit gewinnen, das sie als süsz in predigen künnen. Murner vom groszen Luther. narren 1194; sie wird die mutter meiner kinder sein, gern möcht' ich ihre liebe mir gewinnen! das vliesz lockt euch, vielleicht gefällt ihr schmuck. Grillparzer (Medea 4) 55, 212; mit fernerer bedingung, dass alles übrige, sowie das gewinnen ihrer liebe, auf menschlichem wege zugehen. müsse. Göthe (ankündigung zur Helena) 15. 2, 213 Weimar; übrigens steh ich sehr gut mit den menschen hier, gewinne täglich mehr liebe und zutrauen, und es wird nur von mir abhängen, zu nuzzen und glücklich zu sein. Göthe (an Kästner 1780) br. 4, 221; wenn Agathon während einer staatsverwaltung, welche nicht ganz zwei jahre dauerte, das vollkommenste vertrauen seines prinzen und die allgemeine liebe der nazion, welche er regierte, gewann. Wieland (Agathon 12, 3) 3, 73; hatt' ihn höher an wuchs und jugendlicher gebildet: dasz bei allen Faiaken Odüszeus liebe gewönne. Voss Odyssee (8, 21) 141; 'und haben sie die zuversicht, ihre liebe für sich zu gewinnen?' G. Freytag (verlorene handschr. 1, 10) 6, 182; ähnlich 181; vgl. dagegen liebe gewinnen sp. 6045. II@2@e@a@2@ee)) durchteuffeltes gemüth! vermaledeite sinnen! die keine redligkeit noch wolthat mag gewinnen! A. Gryphius (Leo 1, 2) trauersp. 24 Palm; beteten viel und gelobten dem erdumgürter Poseidon, dasz sie doch leicht gewönnen den hohen sinn des Achilleus. Voss Ilias (9, 184) 1, 220; diser prophetische tropff gewinnet bei seinen Türcken ein so grossen glauben, dasz sie unfehlbar darvor halten, er lebe bereits in unendlichen wollüsten. Abr. a S. Clara auff auff ihr christen, neudr. s. 61; die kenntnisz des menschlichen herzens würde seinem feinen geiste den weg weisen, das vertrauen des fürsten zu gewinnen. S. von la Roche frl. v. Sternheim (1) 101 Ridderhoff; prüfung braucht es! doch bei zeiten überzeugung still und süsze, ehe sich ein glück bereiten, sich vertraun gewinnen liesze. Göthe an sie 1829 (jub.-ausg. 3, 171); leicht gewann ich da ihre vertraulichkeit. kunst, die spröden zu fangen (jub.-ausg. 3, 188); er konnte sich seines glücks, die achtung der menschen, die ihn zunächst umgaben, in gewiszem maasze gewonnen zu haben, nicht recht freuen. K. Ph. Moritz Anton Reiser (3) 273 Geiger; eine frau kann sich die achtung und das vertrauen ihres mannes erworben haben, ohne sein interesse zu besitzen. wodurch gewinnt und erhält sie sich dieses? Heinr. v. Kleist (an seine schwester) 5, 61 Minde-Pouet; und hatte mir daher zur aufgabe gestellt, das vertrauen der dynastien durch ehrliche und wohlwollende wahrung ihrer verfassungsmäszigen rechte im reiche zu gewinnen. Bismarck ged. u. erinn. 2, 309; (die sympathie gewinnen) 1, 98. II@2@e@a@33)) die gruppe lob, preis, ehre, namen gewinnen war schon in der mittelhochdeutschen dichtung stark entwickelt (vgl. sp. 5951); auch hier zeigt der neuere stil seine eigenen formen und eine reichere verzweigung: II@2@e@a@3@aa)) und thet das alles willigklichen das er des alles grosz preisz und lob gewan. Pontus u. Sidonia c 6b; nicht nur wer obenauf setzt des baues zinnen, oder der säulen knauf, soll lob und preis gewinnen; gelobt soll jeder sein, wer da, grosz oder klein, arbeitet im tiefsten gemache, oder auf höchstem dache. Friedr. Rückert (zeitgedichte 1, 48); wagtest du wohl, Menelaos ein schnelles geschosz zu ensenden? preis gewännst du und dank vor allem volke der Troer. Voss Ilias (4, 95) 1, 88 (ἄροιτο); was gilts, wir wollen noch der ehren lob gewinnen, dasz die vergessenheit auch unser denken soll. P. Fleming dtsch. ged. 1, 173 Lappenberg; andre mögen ihre sinnen schärfen durch verschlagenheit, dasz sie lob und ruhm gewinnen bei den grossen dieser zeit. Joh. Job prange, welt, mit deinem wissen, s. Freylingh. ges. buch 840b. II@2@e@a@3@bb)) also Saturnus was ein künstricher man uff buwung des erdtrichs, gewann das lob vom volck, und nach sim tod machten si sin bildnusz. J. Nazarei v. alten und neuen gott, s. 6 Kück; unredligkeit gewan nie lob. Petri d. Teutschen weiszh. Vv 3b; ach herre gott, knd ich aus meines hertzen grund gewinnen ein lob von weissem sinne von Maria der hochgelobten kOeniginne. bergreihen (2, 1) 6 Meier; dein mahlschatz ist mein hertz, dein hertz mein heiraths-gut, und unsrer beider ruhm die dicht-kunst meiner schrifften, in welchen lieb und schertz so lange lob gewinnt, als kunst und wissenschafft in Deutschland fruchtbar sind. Joh. Chr. Günther ged.2 695; ebenso 712 (wo nach uns ein dichter lob gewinnt); er will sich an scribenten reiben, nur weil er selbst kein lob gewinnt. Hagedorn (oden u. lieder 5) 3, 105. II@2@e@a@3@cc)) do gab man ir ein biderman bei dem si ehren vil gewan. Laurin 2672 Schade; wir haben lützel nutz oder ehren gewunnen, darzu werden wir einander nimmer hold. B. Zink s. d. städtechron. 5, 195; ich besorge, wir gewinnen auch als vil ere an diser arbeit als der honig im sprachhause sucht: des lon seind beschiszene hende. botsch. an den bapst bei Schade sat. u. pasqu. 2, 257 (anderer druck: erlangen wenig ehre); ein islik dar sîn recht bekive, de de ere winnet, bi deme se blive. Reinke de vos 4430 (wer dann die ehre gewinnet Gottsched; wer dann ehre gewinnet Göthe); das sie ist kumen umb ir er die sie gewinet nimer mer. Hans Sachs fab. u. schw. 3, 23; diese ist einmal ein gegenstand, durch den sich ein künstler ehre gewinnen kann. Stifter (studien 1: feldblumen 7) 1, 79 Sauer. II@2@e@a@3@dd)) selbst geleitet' ich ihn, dasz edlen ruhm er gewänne dort in der fremd'. Voss Odysse (13, 420) 2 (1793), 21 (ruhm sich erwürb' 1781); ebenso 109 (beidemale κλέος ἄροιτο); dein nachruhm sol von zeit zu zeit durch ihre lieder glantz gewinnen. Joh. Chr. Günther (an die frau v. Breszlerin) ged.2 151; die arbeit musz das glück erbeuten, und durch den staub gewinnt man glantz. 174. II@2@e@a@3@ee)) als dasz mein sinn im wein, und wein schwümm in dem sinne, als dasz der spieler dank, der schlecht ist, ich gewünne. Logau sinnged. (1, 5, 3) 98 Eitner; so wird von demselben gleichwohl eine schenkung angenommen; aber er wird dessen einen schlechten dank gewinnen. Butschky Pathmos (324) 435; dasz die edelste art der deutschen dichtkunst, das trauerspiel, auch an unsern höfen eingang und beifall gewinnet. Gottsched neuest. a. d. anmuth. gelehrs. 5, 40. II@2@e@a@3@ff)) derhalb die Franzosen ir geschrai (famam) ganz und gar verluren, wie die vor gewunnen wart. Wilwolt v. Schaumburg gesch. u. taten 89 Keller; denn sein neuer patron hatte den höchsten ruf als ein einsichtiger, tapferer, obwohl sonderbarer mann gewonnen. Göthe (dichtung u. wahrh. 12) 26, 111; der ruf der stabilität, den die letztre (die östreichische politik) unter dem langjährigen regimente Metternichs gewonnen hatte, ist .. nicht haltbar. Bismarck ged. u. erinn. 1, 350; einen namen in der weltgeschichte ... zu gewinnen. Göthe (an Schilling 1806) briefe 19, 222. anders: die lerchen gewinnet bei den Lateinern den nahmen alauda, lobvögele. Abraham a S. Clara Astriacus Austriacus (1684) 4; die nun auf solche art verbreitete kunst gewann in verschiedenen gegenden verschiedene namen. M. Denis einleit. i. d. bücherkunde 1, 130; von welcher sage sie denn auch ihre benennung gewonnen haben. Göthe (münzen, medaillen) 39, 328. II@2@e@a@3@gg)) ich habs aber für gut angesehen, solch büchlin unter e. f. g. als eines berhümbten mechtigen fürstens namen, auszulassen, damit es deste ein besser ansehen gewünne, und deste vleissiger gelesen werde. Luther (v. kriege wider den Türcken 1529 vorr.) 4, 431a Jena; so grosz Philipps einflusz in diesen ländern war, so groszes ansehen hatte die spanische monarchie damals in ganz Europa gewonnen. Schiller (abfall der Niederlande 1 buch, einleitung) 7, 16; fern sei es, diesem einfalle, auch nur durch unser stillschweigen, das ansehen einer regel gewinnen zu lassen. Lessing (Laokoon 14) 93, 91; für das darin enthaltene blümchen danken, welches ganz das ansehn eines veilchens gewonnen hatte. Göthe (an frau v. Stein 1808) br. 20, 80; so nahm er wenige nahrung und gewann ein blasses ansehn. Tieck (vogelscheuche) novellenkranz 4, 150 (vgl. ein aussehen gewinnen sp. 6041); und sihet und findet man immerzu thorheit, die doch biszweilen in eine andere form gegossen, ein anders ansehen gewinnen. J. B. Schupp schriften 784; würde die sache ein ganz anders ansehn gewinnen. Lessing (Philotas 4) 23, 362; dehr-gestalt, dasz es das ansAehen gewünnen wolte, als ob er aus dem rAegen in di trauffe kommen. Zesen adriat. Rosemund (3) 121; ebenso Weise erznarren 9; Novalis (H. v. Ofterdingen) 1, 36; ebenso ansehen (gestalt) gewinnen Adelung u. a. II@2@e@a@3@hh)) dem wiert von stund an lutzl basz und gwingt ain schein wie ain alts kuchn gl(as). Sterzinger spiele (Wiener neudr. 11) 138; das das selb capitel fur allen schrifften der gantzen bibel hin und her gezogen ist widder den ehlichen stand und gleich ein gewelltigen schein gewunnen hat für den ferlichen und seltzamen stand der keuscheit. Luther (d. 7. cap. S. Pauli zu d. Corinthern) 12, 92 Weimar; ebenso (einen schein gewinnen [wider die himml. proph.]) 3, 88a Jena; wie das verrufenste gewerbe unter dieses Volkers händen einen schein von liebenswürdigkeit gewann. Mörike (maler Nolten 2) 5, 73 Krausz; es gewinnt den anschein, als wenn ... Adelung 2, 665; wenn, wie es den anschein gewinne, ein neuer krieg gegen den landesfeind erklärt werden würde. Stifter studien (das alte siegel 2) 2, 296; ebenso G. v. Ompteda der zeremonienmeister6 112; 'das redet man mir nimmer ein.' 'und doch gewinnt es so den schein.' Grillparzer (finanzreformator) 35, 88; aber nicht das geringste anzeichen eines menschen wurde sichtbar, so dasz der glaube immer mehr wahrscheinlichkeit gewann, es sei nur irgend ein schütze durch zufall so tief in den wald gerathen. Stifter (studien 1) 1, 273 Sauer; (im 1. druck: mehr an wahrsch. gewann); dasz was ich hier ... angedeutet habe, auch vor ihrem denken wahrscheinlichkeit gewinnen könnte. W. Siegfried Fermont3 77; II@2@e@a@3@ii)) das (die komödie) ist, ein spiel, welches auch auff obgesetzte art oder weise gehandlet wird, und allein von demselbigen einen unterscheid gewinnet (v. d. tragödie), dieweil es einen frölichen auszgang oder end nimmet. Ryff übers. v. Artemidors traumbuch (1, 57) 54a (zusatz des übersetzers); herr der gesammten europäischen situation werden ... und in Deutschland eine Preuszens würdige stellung gewinnen. Bismarck ged. u. erinn. (5) 1, 98; es war ... begnadet von den göttern unser stamm ... zu sprechen liebten sie durch unsern mund: lockt's dich nun nicht, zurück es zu gewinnen, das schöne vorrecht? Grillparzer (meeres u. d. liebe wellen 1) 75, 13. II@2@e@a@44)) dem neueren stil gehören hier einzelne verbindungen an, die an dem fremden subject, aus dessen wirkungskreis das object entnommen wird, den akt der bethätigung hervorheben: II@2@e@a@4@aa)) an der suonnen en moht man niht wol bekennen den schein, er en gewunne einen widerslak von der erden. predigt der Nürnberger Eckhart-handschr. bei Jostes s. 80; darumb weil ich befind ungemAesz die sach meinen sinnen werd ich benOetiget hOehere hilff mir zugewinnen. Fischart (Gargantua 2) 55 neudr.; wer nimmt uns zu sich ein? wer lässt uns schutz gewinnen, bisz sich das wetter legt ...? S. Dach (begräbnisz-lied) 325 Österley; der aufstand der Niederlande gewann meine aufmerksamkeit. Göthe (dichtung u. wahrheit 19) 48, 165; so gewann der begriff des verhältnisses eine doppelte aufmerksamkeit. W. v. Humboldt aufsätze 121 Leitzmann; aber einen eigentlichen nationalantheil hatten doch die Nibelungen gewonnen; sie sich anzueignen ... war die lust mehrerer verdienter männer. (tag- u. jahreshefte 1806) 31, 262; in dem moment, wo er meine dienste gewinnen wollte. Bismarck ged. u. erinn. 1, 45; um für diesen zweckdie mitwirkung der rechten in den kammern zu gewinnen. 1, 23; hätte ich die unterstützung der culturkampfgewöhnten räthe ... gewinnen müssen. 2, 133; ebenso (den beistand des papstes ... gewinnen) 2, 124; (den einflusz für eine politik gewinnen) 1, 66; (die zustimmung des kaisers zu gewinnen) 2, 30. II@2@e@a@4@bb)) o wie stammeln witz und sinnen! wenn die seufftzer stummer pein keinen holden blick gewinnen. J. C. Günther ged.2 248; einen blick voll minne. wann ich den gewinne. Hölty (minnelied) ged. 102; könnte ich nur erst wieder den alten blick der liebe von dir gewinnen. Immermann (die verschollene) 17, 390; so dasz einige zuversichtliche, die sich vermessen hatten, wenigstens einen kusz zu gewinnen, nach geringen anstalten zur eroberung ihre wette freiwillig verloren gaben. Paul Heyse (neue novellen: der kreisrichter) rom. u. nov. II, 8. s. 30. das gleiche F. Dahn Odhins trost 31. II@2@e@a@4@cc)) predige gotis wort mit allem fleisse ... gewinne dir behegliche wort, domite allermeniclich geleret werde. Johann v. Neumarkt leben d. heil. Hieron. (acquire verba; beginne de beheghelike word. ndd. druck); mir aber kömmt vor, man könne gar manches wort auf diesem wege gewinnen, wenn man nachsieht, woher es in jener sprache stammt, und alsdann versucht, ob man ... durch ähnliche ableitung zu demselben worte gelangen könnte. Göthe an Riemer 30. 6. 1813; 'sie haben wohl gethan', sagte er, 'dasz sie, um deutsch zu lernen, zu uns herübergekommen sind, wo sie nicht allein die sprache leicht und schnell gewinnen, sondern auch die elemente, worauf sie ruht ... hinübernehmen (zu einem Engländer) gespr. 5, 123 Biedermann; ich sehe es als einen versuch an bei welchem autor, schauspieler und publicum wenigstens manche gute lehre gewinnen können. (an Knebel) briefe 15, 20; er hatte sich bei Voltaire und Holbach raths erholt und eine zeitlang mit groszer dreistigkeit die sätze versponnen, welche in dieser schule zu gewinnen sind. Immermann (epigonen 4, 3) 6, 17; und gewann mir auf diese weise eine solche innere gegenwart von dergleichen ansichten. Göthe (dicht. u. wahrh. 19) 48, 135; denn eben dadurch gewann sie alle drei stücke, die ein bild oder eine allegorie haben musz, um sich der menschlichen seele zu empfehlen. Herder (über bild, dicht. u. fabel) 15, 542; gelang den freunden, ein werk für die neue firma zu gewinnen, welches auf viele jahre ein lieblingsbuch der Deutschen werden sollte ... es waren ... die dorfgeschichten. G. Freytag (Karl Mathy) 22, 215. II@2@e@a@55)) auch die denkformen (raum, zeit, causalität) sind in viel verbreiteten verbindungen des verbums vertreten, die auf verschiedenartige richtungen der bedeutung weisen. bei platz gewinnen war schon oben (sp. 6015) auf den gegensatz zwischen der sinnlichenvon einer bewegung getragenenbedeutung und der formelhaften abstraction aufmerksam gemacht, in der sich platz gewinnen enger mit raum gewinnen berührt. für zeit gewinnen hat schon die rechtssprache einige zuständige formeln entwickelt (vgl.lenger züg gewinnen sp. 5959; lengern tag irkrigen sp. 5926), andere entstammen dem poetischen stil (lieben tag, süeʒe zît gewinnen sp. 5951); für den neueren gebrauch ist jetzt allgemein die vorstellung des ersparens geltend, die aus dem engeren geschäftsbegriffe von gewinnen erwächst, da und dort durch die anlehnung an den begriff des glückstreffers belebt. II@2@e@a@5@aa)) dasz wir on unterlasz dich zu bitten ursach gewinnen. Luther 10, 2, 471; ebenso schon Joh. v. Neumarkt Hieronym. 194; dasz die herren jhren dienern ein so gar kleine besoldung geben ... sie gewinnen dardurch ursach zum stehlen. A. Albertinus landtstörtzer Gusman (9) 643; ebenso (4) 339; einen berechtigt erscheinenden anlasz zum kriege zu gewinnen. Bismarck ged. u. erinn. (3) 1, 76; dann dadurch kann ... ein armer bauer oder ander unterthan offt gelegenheit gewinnen, seinem herrn seine sache und sein anligen selbst vorzutragen. Schupp schriften 28 (Salomo 3); du gewönnest die möglichkeit, dich ... zu habilitieren. Fanny Lewald wandlungen 1, 208. II@2@e@a@5@bb)) so verwandelt, der selbig versetzt teil, sein zeichen. als so der versetzt teil vorhin hatte + so gewinnet er -. hatte er aber das -, so kompt jhm das +. Mich. Stifel die coss Christoffs Rudolffs (1553) 75b; nun, des höchsten vater-treu hat mein sehnliches geschrei lassen statt vor ihm gewinnen. S. Dach 569; dasz die begierden wenig raum allhie bei uns gewinnen. 308; doch vorwärts schreiten, denken, schaffen, wirken gewinnt nach innen raum, wenn eng der äuszre. Grillparzer (Libussa 5) 85, 202; der gedanke, mir ein ministerium ohne portefeuille zu geben, wird hoffentlich allerhöchsten ortes nicht raum gewinnen. Bismarck ged. u. erinn. 1, 252; raum, feld gewinnen, gagner du terrain. Rondeau 2, Uu 3d; ebenso Schwan (1783) 1, 764a; raum, platz gewinnen, sich verschaffen, sie bekommen. Adelung 2, 664a. dasz die fraw alle ding, die ein argwohn gebären möchten, ausz dem weg zu raumen, desto mehr platz gewünne. Kirchhof wendunmuth (3, 175) 2, 447 Österley; und wo die forcht erst platz gewan glaubt sie all welt zu feinden han. J. C. Günther (1, 245) 1, 299; kummer, einsamkeit und noht haben bei ihr platz gewonnen. S. Dach 579; die resultate einiger untersuchungen sind vielleicht zu fremde, als dasz sie sogleich platz gewinnen könnten. Herder (v. geist d. ebreischen poesie 2. vor.) 12, 3; ebenso 15, 188; 18, 100; leben sie recht wohl und thätig ins neue jahr hinein und fahren sie fort in dem dramatischen felde platz zu gewinnen. Göthe (an Schiller) briefe 11, 292. neuerdings wird auch diese formel wieder durch sinnliche anschaulichkeit belebt: musz er ausjäten, um platz zu gewinnen? Herder 15, 295; gewinn ich platz für viele millionen. Göthe (var. zu Faust v. 11563 eröffn' ich räume) 15, II, 157 Weimar; ähnl. Wilh. Müller (Griechenlieder 2: dasz wir alle platz gewinnen in dem ... zufluchtsorte) 190; vgl. dazu den beleg aus Günther sp. 6015. ich gewann einen punkt, zu sehen, was jeder kunst eigen. Herder (plastik) 8, 15; ich habe den punkt gewonnen, von welchem aus sich mir mein leben wie eine geordnete und begrenzte landschaft darstellt. K. Gutzkow Richard Savage 1, 1; die erforschung unscheinbarer ... eigenthümlichkeiten Deutschlands, aus welchen ich haltpunkte zu gewinnen trachtete. Jacob Grimm (meine entlassung) kl. schr. 1, 27; unbesorgt zu sein und für die erinnerung so sichere merkzeichen zu gewinnen. Göthe (ital. reise 2: Neapel) 28, 74. II@2@e@a@5@cc)) hoc egi, compendium temporis sequens, ich hab das thon, damit und ich die zeit gewunne. Frisius dict. (1556) 267b; gaigner le temps, zeit gewinnen. Duez (1664) 461a; ebenso Rädlein, Rondeau; zeit gewinnen, lucrifare tempus, tempus idoneum nancisci. Stieler 2544 vgl. auch Dentzler 413a; zeit zu gewinnen suchen, spin out the time. teutsch-engl. lex. 2, 773; zeit gewinnen, bekommen Adelung, Campe u. a. II@2@e@a@5@c@aα)) also das si nie guotte stund gewan und sich der siechtag alle tag meret. Elsb. Stagel leben der schwest. z. Tösz 115, 8; darzwischen er kain guote stund nimermer gewann, von unmuot starb. Zimmerische chron. 1, 175; wem in dem trawm so geschech, wie er tranck eszech und wasz sauer wesen mag, der gewind vil trawrig tag. Daniels traumdeutungen 52 (z. f. d. a. 47, 518); daz got nie guoten tag gewan darumbe. Nicol. v. Basel 284 Schmidt; daz got 33½ jar uf ertrich gieng und nie lieben dag gewan. Closener s. d. städtechron. 8, 116; solt niemer guoten tag noch naht gewinnen. ebenda; da pei ich kain gueten tag nie gwan. Sterzinger spiele (Wiener neudrucke 11) 120; aus der schenke blinkt das licht, da geht der fiedelbogen, die schönsten mädchen glüh'n beim tanze; eine lustige nacht wird gewonnen. H. Hartung Euphrosyne vorw. vergebens flammten mir so vieler tage sonnen, wenn ich, vom schöpfer aufgestellt, als bürger einer welt, durch eine gute that nicht ieden tag gewonnen. Uz 93 Sauer; wie Titus einst zu rufen: ich gewann den tag! Platen (Gaselen 23) 1, 129 Redlich; andern den tag zu verderben, sich den tag zu gewinnen; das, meinen sie, heisze erwerben. Göthe sprichwörtlich (jub.-ausg. 4, 34); das ist die hefe, die den tag gewinnt, nur um den tag am abend zu verlieren. Grillparzer (ein bruderzwist 3) 95, 66; vgl. auch die den tag gewonnen (by whom the day is won) Schlegel Shakespeares Heinrich VI., theil 1, 1, 6. II@2@e@a@5@c@bβ)) nuo wissant das dir eman unze in das sehste jor nie underzuog gewan, wedder van gote noch van allen sinnan creatuoran; er was alle zit, bedde tag und naht, in dieseme sweran grosan liddende. Nicolaus v. Basel buch v. d. 5 mannen 112 Schmidt; das doch die plage einen verzug und lenger auffschub gewünne. Luther (vermanung z. friede a. d. 12 art.) 3, 123b Jena; es kommen felle, die einen auszug gewinnen. 19, 360 Weimar; ach! könnt ich, sprech ich, noch ein jahr von der verflosznen zeit gewinnen. J. C. Günther nachlese 184; und die tocken, die den wocken abespinnen und mit kunst die zeit gewinnen. Paul Gerhardt trostgesang christl. eheleute (Fischer u. Tümpel 3, 433); wo sie zeit gewinnet, bisz das gifft auch in andern gassen seine operation ausbreitet. Chr. Weise Masaniello (1, 2) 9 Petsch; so musz er fliehen, und der prinz gewinnet wenigstens zeit. Lessing (Emilia Galotti 3, 1) 23, 410; ebenso 6, 404; das todesurtheil bleibt unvollstreckt, und wir gewinnen zeit — (Mortimer:) nein, wir verlieren zeit! Schiller (Maria Stuart 2, 8) 12, 479; vgl. auch 2, 373; nehmen sie das wenige, was ich ihnen geben kann, als ein brett, das ich ihnen in dem augenblick zuwerfe, um zeit zu gewinnen. Göthe (an Kraft) briefe 3, 252 Weimar; es sei, fuhr er fort, vor allem nöthig, wenn wir schlagen wollen, zeit zu gewinnen. Bismarck ged. u. erinn. 1, 69; ebenso 1, 76. II@2@e@a@5@c@gγ)) zeit so einer gewinnt zu dem schreiben. Dentzler 413a; und er gewann inzwischen zeit, sich in Asien desto besser in verfassung zu setzen. Wieland (Athenion 7) suppl. 6, 27; hatte dieser zeit gewonnen, sich am jenseitigen ufer zu verschanzen. Schiller (30 jähr. krieg 3. buch) 8, 218; um ... zeit zu gewinnen, für deinen bruder zu arbeiten. H. v. Kleist br. 5, 21 Minde-Pouet; und eh' ihr zeit gewönnet, zu beweisen, dasz er Sicilien und nicht euch belog. Müllner (Albaneserin 1, 1) 4, 13; der schlechte geschmack gewinnt zeit sich zu etabliren. W. v. Burgsdorff (an Tieck) br. 167 Cohn; so gewann er zeit, sein schönes seitenüber zu studieren. G. Reicke das grüne huhn (2, 12)2 183; ähnl. G. Hermann Jettchen Gebert8 343 u. a.; ich habe schlechterdings keine eil damit, und gewänne vielmehr dadurch zeit zu einer umarbeitung einzelner abschnitte. Wilh. v. Humboldt (an Schiller) Leitzmann s. 50; und für so vieles zeit gewinnen, zu enden nicht, nur zu beginnen. Friedr. Rückert (haus u. jahr 6. reihe) 2, 543; liebes herz, nun freue dich, dasz du zeit für dich gewannst. Hoffmann v. Fallersleben (tröste dich) 1, 168 Gerstenberg. II@2@e@a@66)) charakteristisch ist für den neueren stil, wie rasch die verbindungen des verbums mit objecten, die etwas widriges (unglück, schaden, verlust vgl. sp. 5954f.) kennzeichnen, einschrumpfen: II@2@e@a@6@aa)) anno 1315 gewan der bischoff krieg mit dem graven von Neüwenburg am See. Stumpf (Schweiz. chron. 12, 27) (1606) 706a; das man sich vergeblich mühet, und nichts denn feindschafft dran gewinnet. Luther (zu 1 Corinth. 15) 6, 247a Jena; darumb auch Saul der erst künig der Juden über David ein ewige feindtschafft gewan. Murner gäuchmatt (47) 162 Uhl; doch so gewan der lantgrof zü demselben mole die niderloge. Eberh. Windecke gesch. kaiser Sigmunds (237) 217 Altmann; von dannen man gar leichtlich kan gefahr und fall gewinnen S. Dach (hochzeitsged.) 9080 Österley; schläge gewinnen, gagner des coups. Rondeau 2, Uu 3d. II@2@e@a@6@bb)) wann er ist so ein schöner ritter das ich besorg das sich etwas nerrischer lieb zwischen jn möcht erheben und wachsen des ir hinfür scham und uneer möcht gwinnen. Pontus u. Sidonia f 3a; schande gewinnen, gagner du deshonneur. Rondeau 2, Uu 3d; so jemandt darwider sei, und disz wöll verfechten, der werde bei den gelerten nichts anders gewinnen, dann ein gespött und gelächter. S. Frank chronica (1543) 2, 141a; hat man noch so treue sinnen, wird man doch nur spott gewinnen, wo man nicht, wie andre, schilt. Joh. Chr. Günther ged.2 81; von dieser frag gewon ein strppel manch gelerter mon, und wrden vil opinion, in zwo part es sich spalten wolt H. Sachs fabeln u. schwänke 4, 68; der hochmuth stürtzt uns in gefahr, der neid musz fluch gewinnen. 22; des vaters fluch — du halfst ihn mir gewinnen. Zacharias Werner der 24. februar 2. II@2@e@a@6@cc)) da von gewint er zwen schaden: er wirt pleich und flockacht, alzo daz er sein liht verleuzet. meister Eckhart pred. der Nürnberger handschr. bei Jostes s. 28; doch gewann unnd begegnet Goffroy von dem ungeheueren riesen dennoch lastes viel und gnug, und auch mercklicher schaden, als jhr hernach hOeren werdet. buch der liebe (Melusine) 277d; wer heimlich durch den zaum thut stechen, mit list sich an seim feindt zurechen, der fellt offt in sein eigen spiesz, gewint schaden, spot und verdriesz. B. Waldis Esopus (3, 69) 1, 356 Kurz; vgl. auch schaden gewan in der erneuerung des Nibelungenliedes. v. Simrock 1501; es rufft sein stummer mund: wer mit den eiden spielt, gewinnt ihm den verlust, verschertzt sein eignes glücke. Joh. Chr. Günther (Theodosius 5, 2) ged.2 1036; hab ich grosze schuld bezahlt, die ich zu Venedig gewunnen hab. A. Dürer nachlasz 15; ob er an dem gelt icht abgangs gewung. Münchner urk. v. 1425 s. Schmeller 22, 931; dadurch sie an jhrer obgenanten gült mangel unnd abgang möchten gewinnen. Salzburger urkunde (1463) bei W. Hund 2, 229; die Gallier gewunnen mangel an speisz. Stumpf Schweizer chron. (3, 16) 152b. II@2@e@bβ) unter den fügungen, die das object aus der sphäre des subjects selbst herausholen oder entstehen lassen (vgl. oben sp. 5952), kehren manche der eben belegten verbindungen vereinzelt wieder, doch unter änderung in der bedeutung: durch diesen unerwarteten anblick gewann er neue gunst für den verlorenen. K. Gutzkow zauberer v. Rom 6, 148; vertrauen zu sich selbst gewinnen. Möser patriot. phantasien 1, 215; gewann dadurch noch mehr vertrauen, dem ehepaar mit ihrem anliegen zu kommen. G. Reicke das grüne huhn2 460; ähnl. G. v. Ompteda d. zeremonienmeister6 130; sint einigen gemach oder fride das hertze mit nichte gewinnen mag. Joh. v. Neumarkt leben d. heil. Hieronym. 204 Benedict (quies mentis); über eine zeit gewann er frieden aus der allzugroszen traurigkeit. C. Spitteler Prometheus2 58; wie oft gewinnen die dinge ein ganz anderes aussehen! Platen (lebensregeln 28) 3, 196 Redlich; es war ein gifftig bOese spinne, die thet grosz hasz und neid gewinnen uber ein schwalb darumb, das die schwalb allzeit die fliegen frasz, welch der spinnen allein gehOeren. Waldis Esopus 2, 218 Kurz; der fiebernde konnte kein wort gewinnen. K. Gutzkow zauberer v. Rom 7, 54; die antwort auf diese frage kann nur auf dem wege der erfahrung gewonnen werden. K. Bücher entstehung der volkswirtschaft5 5; und er suchte einflusz auf meine geistesrichtung zu gewinnen, wogegen ich mich indes spröde verhielt. A. v. Schack ein halbes jahrhundert (1, 6) 1, 57; wenn ich die wünsche sr. majestät früher gekannt hätte, hätte ich vielleicht einen einflusz gewinnen können. Bismarck ged. u. erinner. 1, 140. zwei gruppen von verbindungen sind an beiden zusammenhängen gleich stark betheiligt: liebe gewinnen und herz gewinnen. während sich aber beim ersteren die bedeutung des substantivs im neuen zusammenhang nicht ändert (vgl. liebe, neigung zu jemand gewinnen sp. 6045), hebt sich gegen das herz eines andern gewinnen die viel gebrauchte redensart ein herz (zu etwas) gewinnen auch nach dieser seite deutlich ab: und do die cristen die nun gefangen waren das ersahent. do gewunnen si widerumb ein hertz. und lieffen die heiden an. Pontus u. Sidonia c 6a; da gewunnen sie alle gar ein herz wider und liefen dar an dasselbig schwein mit gewalt. Teuerdank (19, 63) Goedeke s. 46; der pawer as und dranck, wider ein hercz gewon. Hans Sachs fab. u. schwänke 3, 75; also gewan iederman ein guotes getreues manliches hertz. Pontus u. Sidonia c 4a; vgl. J. C. Günther ged.2 809 (die wir durch verlust ein müdes hertz gewinnen); ein friedsam frölich hertz zu gott gewinnen. Luther 3, 90a Jena (wider d. himml. prophet 2); ein kindlich hertz zu gott gewinnen. Luther (epistel d. prophet Jesaia) 19, 160 Weimar; aber der schuldige kann nie wieder ein herz zu uns gewinnen. Möser patr. phant. 1, 215; nun hab ich ihn (den geisterseher) das drittemal liegen lassen. ich habe noch immer kein herz dazu gewinnen können. Schiller briefe 2, 180; ein herz zu arbeiten gewinnen. Adelung 2, 665 (als 'ungewöhnlich' verz.). die meisten verbindungen jedoch erwachsen diesem besonderen zusammenhang, und auch hier werden ältere aussterbende typen durch einen weit reicheren kreis jüngerer bildungen abgelöst. II@2@e@b@11)) leben, gestalt, kraft, eigenschaften gewinnen vgl. sp. 5952. II@2@e@b@1@aa)) von gott wart mir darzu geben alles, was ie gwan das leben. Valten Voith (spiel v. urspr. u. fall d. menschen 1, 1) 216 Holstein; könnten wir nicht in frohem genusz harmlos vergnügliche tage spinnen, lustig das leichte leben gewinnen? Schiller (braut v. Messina 1, 3) 14, 23; fahrt nur fort nach eurer weise die welt zu überspinnen; ich in meinem lebendigen kreise weisz das leben zu gewinnen. Göthe zahme xenien 1; aber wie der quell gewinn' ich immer neue lebensflut. Hoffmann v. Fallersleben (buch der liebe 172) 1, 304; aus däm mehre bin ich kommen, aus däs bitren salzes kraft hab' ich dises sein gewonnen. Zesen adriat. Rosemund 50 neudr.; hierzue dein rath auch dapffer gib, so gwindt die sach dan ihren trib. das Endinger judenspiel 29 Amira; der fortgang der zeit gleicht einem schwungrade, das ... keinen schnelleren antrieb gewinnt, doch auch ... nicht gehemmt wird. Musäus volksmärchen 3, 232; das blut röthet sich und gewinnet ... energischen kreislauf. Herder (ideen z. philos.) 13, 80; der meerbusen ... ohne gerade grosze ausdehnung nach allen seiten zu gewinnen. F. L. Jahn (bereicherung d. hochd. sprachschatzes) 1, 115. II@2@e@b@1@bb)) gestalt gewinnen. II@2@e@b@1@b@aα)) sein gedicht gwint erst ein gestalt, von groben bossen manigfalt. J. B. Fickler übers. v. Putherbeys tract. 113a; bracht ain traurige antwort und botschafft, wie es umm seine gesellen ein gestalt het gewunnen. Schaidenreiszer Odyssee 42b; ich sag euch, ein andre gestalt werden eur sach hinfür gewinnen, drum wolt euch weitr nit besinnen ... Teuerdank (115, 109) Goedeke s. 290; nun dächte ich gewönne die sache schon eine andre gestalt. Möser patr. phant. 4, 47; wodurch ganze zeiträume auf die dauer eine andere gestalt gewonnen haben. Stifter bunte steine, vorrede; ein anderes ansehen, eine andere gestalt gewinnen. Adelung u. a. II@2@e@b@1@b@bβ)) ware feindtschaft gewinnt gestalt grosser freuntschaft. Schwarzenberg büchl. v. zutrinken 40 Scheel; wolken, die in fratzenhaften umrissen gestalt von ungeheuern gewannen. C. Viebig die wacht am Rhein7 216; die geschäfte, die meine reise veranlasset haben, fangen endlich an, eine vorteilhafte gestalt zu gewinnen. J. von Sonnenfels briefe über die Weimarische schaubühne, neudr. s. 3; welche regierungsart in Karthago eine vestere gestalt gewann. Herder ideen (12, 4) 3, 104; ähnl. 105; ebenso (eine organische gestalt) 8, 152 Suphan (die plastik); dasz die erde ... nicht ihre gestalt aus wasser könne gewonnen haben. (über den urspr. d. sprache 2) 5, 133. II@2@e@b@1@b@gγ)) der nebel überwälzt sich, ballt zusammen sich, gewinnt gestalt. Wieland (wintermärchen 1) 18, 223; seltsam fremde töne wimmern, zuckend fahle lichter schimmern, es gewinnt die nacht bewegung, und der staub gewinnt gestalt. Grillparzer (ahnfrau 2) 45, 44; jedes geschöpf sucht gestalt zu gewinnen und formt sich. Herder (ideen 3, 5) 13, 103; im ei eines vogels ... ehe die frucht gestalt gewinnt und sich diese vollendet. (5, 2) 173; dasz die prose aus der poesie hervorgegangen sei und gleichsam an und um ihr (!) gestalt gewonnen habe. (briefe das stud. d. theol. betr. 4) 11, 64; ich kam — ich geh' — ich sah das rechte siegen, das leben, weisz ich, soll gestalt gewinnen, doch hier hält eitles nichts noch maskenspiele. Otto Heinr. v. Loeben (abschied v. Paris) ged. 153; ähnl. Th. Storm (Psyche) 4, 234; C. Justi Winckelmann 22, 63 u. a. II@2@e@b@1@b@dδ)) durch die worte nämlich gewinnet unsere empfindung gleichsam form und gestalt: unser gefühl wird durch sie ein helleres bild. Herder (zerstr. blätter 1, 2) 15, 210; ebenso (inwendige gestalt, form der humanität zu gewinnen. ideen 5, 4) 13, 187; hier gewinnt also schon die sprache eine form der kunst. (urspr. d. sprache 2) 5, 120; aber auch unter diesem cabinet blieb ihr einflusz nicht dauernd gouvernemental, sondern gewann bald die natur einer begünstigung derjenigen minister, welche der obersten staatsleitung unbequem waren. Bismarck ged. u. erinn. 1, 211. II@2@e@b@1@cc)) es würt aber als dann ein andere rechnung gewinnen (aliter se habebit res). Hutten (Vadiscus) 4, 198; bis oben in die auszladung der fasen, also daz es oben ein ausschweif gewinn. Albr. Dürer underweisung der messung G 4a; und gewann ob es gleich anfangs ... unproportionirt am kopf ist ... zuletzt völliges verhältnisz. Herder (ideen zur philos.) 13, 143; wie er insbesondere zu der erwachenden deutschen litteratur ein verhältnis weder gewinnen konnte noch wollte. H. Prutz preusz. gesch. 3, 224; die doppelverfassung gewann jetzt das heilig Pipinsche reich. Herder 5, 688; das bild wird bald mehr ähnlichkeit gewinnen. Adelung 2, 665; und welchen umfang kann die traurige aussicht desselben nicht gewinnen! Herder (vom geist d. ebr. poesie) 12, 333; ein solcher anschlusz würde vielleicht einen gröszeren umfang gewonnen haben als die Welfenlegion. Bismarck ged. u. erinn. (21) 2, 75. II@2@e@b@1@dd)) daz dir ... kranc würt, so snit dirre selben biren eine uf und is ir, so bevindest du, daz du an stette kraft gewinnest. Rulman Merswin v. d. zwei mannen 9; wein oder wazzer daz sol man im ein wienig geben ze versuochen gewinnet er douon grosse krafft so gib im sicherlichen mer. Ortolff v. Beyrlandt arzneibuch 7a (so gewinnent si nit guote krafft dem leib. 58b); und als pald ich das geasz, da gewan ich wider kreft. Gregor dialoge 4, 49; vgl. robur capere bei Cholinus-Frisius u. a.; und schencke mir, dasz ich in dir mag ferner krafft gewinnen. Simon Dach 112 Österley (no. 13); wenn man die (würz und kraut) kunstlich ordinirt, zusam sties, prent und conficirt, so gwnen sie warhafte ein solche edle krafte, das man die dotten mit erwecket. H. Sachs fabeln u. schwänke 4, 117; dämpffe sie (die sünden lüste) im anfang, damit sie in den gedancken keine krafft gewinnen. Heinr. Müller geistl. erquickstunden (117) 194; und lasz die schwachen sinnen durch wort, erkänntnisz, geist und müh im guten krafft gewinnen! Joh. Chr. Günther ged.2 47; genau so 554. 783; ähnlich (bisz die zunge krafft gewinnt) 305; (bisz die beszrung krafft gewinnt) 118; (wie ... das sprichwort krafft gewinnt) 550; die schlaffe zeit, damit sie kraft gewinne durch druck, zu stehn von neuem ohne krücken. Friedr. Rückert (geharnischte sonette 58) 1, 35. II@2@e@b@1@ee)) ein stercke gewünnen oder überkommen, robur capere. Maaler 180b; wenn im hexameter der schmerz stärke gewinnet. Herder (vom geist d. ebr. poesie) 12, 337; wem traumpt in dem slaff dabei, wie er in grosser armut sei, das bedeut grossen gewalt, den er gewinnen mag manigvalt. Daniels traumdeutungen 88 (z. f. d. a. 48, 519); findest du nicht auch, dasz deine mutter etwas gereiztes hat in letzter zeit? da gewinnen vorstellungen leicht grosze gewalt. Georg Reicke das grüne huhn (2, 9)2 159. II@2@e@b@1@ff)) da die nacht die krtze gewan, der tag empfund die lenge. bergreihen (5, 14) 14 Meier; das edelste ist auf der erde nie ausgeführt worden, das reinste hat selten bestand und dauer gewonnen. Herder (ideen 5, 6) 13, 195; ähnl. ideen (15, 5) 3, 357; der zweite theil des romans hat in dieser zeit einigen bestand gewonnen. Göthe (an Mar. v. Eybenberg 1809) br. 20, 366; die vorarbeiten zur farbenlehre ... waren so weit gediehen, dasz ... das ganze ... eine consistenz zu gewinnen versprach. (tag- und jahreshefte 1806) werke 31, 259; sogar bei dem landvolk ... fangen die entstellungen an consistenz zu gewinnen, welche von allen seiten ... verbreitet worden sind. Bismarck ged. u. erinn. 1, 27; die sprache gewinnt immer mehr biegsamkeit sich andern ausdrucksweisen zu fügen. Göthe (volkslieder d. Serben) 46, 324; wie der bach die lieblichste krümme durch einen entgegenstehenden fels gewinnt. (an Kayser 1786) 7, 166. II@2@e@b@1@gg)) diz ist gesprochen gemeinlîche von den tuginden, di dâ sint gewunnen; aber von den în gezogenen tugenden sprichit sanct Augustinus. Hermann v. Fritzlar s. myst. 1, 181; die ... blumen ... gewinnen auf den höhen schätzbare eigenschaften, welche sie in der tiefe nicht haben. J. G. Kohl Alpenreisen 3, 240; gewinnen die an sich unwichtigsten begebenheiten ... wichtigkeit und grösze. W. v. Humboldt aufs. ü. d. klass. alterth. 145 Leitzmann; dadurch gewann er (d. griech. nationalcharakter) in der ansicht klarheit. 142; überhaupt würde die schöne abhandlung Lessings ... mehrere bestimmtheit gewonnen haben. Herder (wie die alten d. tod gebildet) 15, 479; durch vieljährige literarische übung gewinnt er sich die höchstmögliche facilität der behandlung und des vortrags. Göthe (leben Napoleons v. W. Scott) 46, 233; mit einer geschicklichkeit verrichtet, die sie im wachenden zustande weder besessen, noch später gewinnen konnte. H. Zschokke die verklärungen (5. neuer werbungsversuch); ich hatte durch langjährige gewohnheit allmälig ziemliche sicherheit in beurtheilung der frage gewonnen. Bismarck ged. u. erinn. 2, 285; bagatellprozesse, wo der ungeschulte junge jurist wenigstens eine übung im aufnehmen von klagen und vernehmen von zeugen gewann. 1, 8; Marx war von höchstem fleisze und gewann eine innerlichkeit des vortrags, die ich ihm zuvor nicht zugetraut hatte. Th. Storm (es waren zwei königskinder) 5, 243; diese doppelgängerei fing nun an, etwas unheimliches zu gewinnen. Stifter (studien 1: feldblumen 7) 1, 81 Sauer. II@2@e@b@1@hh)) domit gewinnest du ewige selikeit. Johann von Neumarkt leben d. heil. Hieronym. 69; (ghewinnestu ewighe salicheit. ndd. druck; salus tua deus erit); wie man die seligkeit sol gewinnen. bergreihen (12, 1) 27 Meier; mit solchem trost bin ich verwahrt, und wil das heil gewinnen. Simon Dach 107 Österley; ebenso 334; drum jauchzet das vertraun der muntern Pierinnen, die stets mit deiner wahl ein neues heil gewinnen. Joh. Chr. Günther ged.2 740; auf diesem angedeuteten wege die heilung zu gewinnen. Göthe (variante zu dasz der jüngling bald wieder herzustellen sei wanderjahre 2, 5) 25, 2, 96 Weimar; dasz die milch und die molken der Alpen ... eine in den thälern nicht erreichbare heilsamkeit gewinnen. J. G. Kohl Alpenreisen 3, 240. II@2@e@b@1@ii)) des selben glich, do unser herr der keiser hie was, das ich tag noch nacht nie kein ruow gwan. Henmann Offenburg (1433) s. Basler chron. 5, 235. genau so S. Dach 337 Österley; hir umb wel ich kein ruwe gewinnen, ich brenge en dan zu der groisze pinn. Alsfelder passionssp. 224 Grein. vgl. Geiler v. Keisersberg siben tractat d 4a (gewinnet ein mönsch zum dickren mal darausz grösser unruow); darum ob ir welt gwinnen ru, so habet fleisz und tut darzu, das ir Teurdank, diesen hauptman, habt gfangen oder sonst weg tan. Teuerdank (95, 109) Goedeke s. 235; komm und lasz die müden sinnen wieder ruh gewinnen. Joh. Chr. Günther ged.2 917; Münchhausen's glieder hatten ruhe gewonnen. Immermann Münchhausen 6, 15; fühlten es die regenten, dasz sie nur durch licht ruhe gewännen, nur durch wissenschaft ihren ländern ruhe gäben. Herder (einflusz d. regierung) 9, 341; und selber hatt' ich ruhe mir gewonnen, gekühlt der thatendurst'gen jugendgluth, und war geduldig worden und besonnen. Chamisso (Salas y Gomez 2) 4, 156; bessert von neuem die schutzbaren zinnen, drunter wir segen und ruhe gewinnen. Logau sinnged. (1. zugabe zum 3. tausend nr. 101) 629; bis hier im dunklen hause (im grabe) ich ruh und rast gewann. Friedr. Rückert (Körners geist) 1, 78. II@2@e@b@22)) unter den verbindungen, die auf gemütsbewegungen zielen (vgl. sp. 5952/3), ist wiederum die zurückdrängung der unerfreulichen eindrücke kennzeichnend für den neueren stil, in dem sich die verbindungen mit lust, freude u. a. weit verzweigen. II@2@e@b@2@aa)) alle di wonne, die alle geiste ie gewunnen. predigt Hanes des Karmeliters 109 Zuchhold; alle di freud und wunne, di alle engel und alle heiligen ie gewunnen. pred. der Nürnberger Eckharthandschr. bei Jostes s. 48; er het sonderlich freud daruon gewonnen. Aimon 91b; die froed, die alle menschen ie gewunnend ald iemer mugend gewinnen. Elsbet Stagel leben d. schwestern zu Tösz 59; sölicher rede und fürnemens gewan der künig grosse freüde. Pontus u. Sidonia a 6b; die küngin drab grosz freud gewann. Teuerdank (103, 44) 262 Goedeke; darfon er frewd gewünne. H. Sachs fab. u. schwänke 4, 41; ähnl. 4, 74 (ob der sünen schewben); es ist auch an magister Möller keine rechte freude zu gewinnen. A. Stern die letzten humanisten 29; frewd und lust werden si gewinnen; smertzen und seuffzen werden von in flihen. Joh. v. Neumarkt übersetz. d. soliloquien 94 Sattler; der gewn den baldt ein lust und lieb zcur keuscheit und wurd sie an speien. Luther (predigt v. 1523) 11, 24 Weimar; das man lust und willen darzu hatt ... wie geth es nuen zu, das man die lust [moge] gewinnen. (predigt in die coenae dom.) 9, 644 Weimar; und gewinnen selber lust und willen zum jagen. Ryff thierbuch A 6b; lust und liebe gewinnen zum gesetz gottes. Matthesius leichenreden 202 Loesche; und läszt sie bei gezeigter pflicht zum guten trieb und lust gewinnen. Joh. Chr. Günther ged.2 141; das si lust zum ehestand gewinnen. Luther (deudsch catechismus) 4, 401b Jena; gewanne er einen lust solcher kinder mehr zu zeugen. E. Alberus ehebüchlin E 2b; und er lust zum weibe gewan. Eulenspiegel D 3a; der brombeer-strauch sagte einsmahl zum gärtner ... 'es solten wohl könige lust zu mir gewinnen'. A. Olearius Lokmans fabeln (22) 114b; dasz er sich solt wenden, und ein lust gewinnen zur schrifft, ich mein er wards wol jnnen. Scheidt Dedekinds Grobianus 49 Milchsack; als tränk' er lieb' und jugend, der eisgraue mann; wohl keiner je aus wasser solche lust gewann. Geibel (juniuslieder: wie könig Sigurd Alfsonnen traf) 23, 196; so redet mein verstand mit leuten, die nicht sind, durch deren beispiel auch mein elend trost gewinnt. Joh. Chr. Günther ged.2 479, ebenso 706. 1152; erquickung hast du nicht gewonnen wenn sie dir nicht aus eigner seele quillt. Göthe (Faust I) 12, 38; kaum gewinnt das gemüth durch den anblick des ofnen meers ... seine freiheit und heiterkeit wieder. W. v. Humboldt aufsätze 110 Leitzmann; und gewinne dabei das vergnügen, weniger gesehen zu werden. S. v. La Roche frl. v. Sternheim 84 neudr. II@2@e@b@2@bb)) Einhart und die Imma ... gewonnen in mitler zeit ain solch liebe und naigung zusamen. Zimmerische chron. 2, 229; das S. Johannes uber den kreis zu der jungfrawen gieng in jr halb teil, und umb fieng sie lieblichen, und gewan gros lieb zu jr. Luther 6, 502a Jena; dem exempel nach sol wir auch solch lust lib brunst gewinnen ad dominum. (pred. über Joh. 20, 11) 28, 449 Weimar: so wird mit luost der kunig girig innen gen deiner schön prinnende lib gewinnen. Paul Schede Melissus psalm 45, 6; vgl. S. Dach (gewinnen keusche gegen-gunst) 140; wie das weib Putiphars gar bald ein brünstig liebe zu ihm gewan. Nicod. Frischlin Joseph. 1. prolog; und wirt ein lieb zu dir gewinnen, so du jm mittheilst also frumb. Scheidt Dedekinds Grobianus 4, 794; und wiszent, so ich joch wol underwilent ettewaʒ natürlicher neigungen zuo irme orden gewinne. Nicolaus v. Basel 287 Schmidt; Reiser gewann dadurch eine auszerordentliche zuneigung zu diesem manne. K. Ph. Moritz Anton Reiser (3) 297 Geiger; dasz die gräfin neigung zu mir gewinnen könnte. H. Zschokke die verklärungen cap. 16; immer gröszeres wohlgefallen gewinnt sie an der tugend. C. F. Meyer Angela Borgia 68. II@2@e@b@2@cc)) das er gantzen fursatz gewan, er wolte an derselben tugentlichen junkfrawen, seiner swester, begern unmenschliches lasters. Johann v. Neumarkt leben des hl. Hieronymus (vorsate gewan niederd. druck; quod pene eam ad illicita ... invitasset); ir man aber der gwan ein lan, kam spat hinas gangen in garten. H. Sachs fabeln u. schwänke 3, 250; gros eiffer sie gewnnen, die eptasin af weckten. 4, 38; gewunnent so grossen flis und ernest umb der stette nutz. Twinger v. Königshofen, s. d. städtechron. 8, 321; das er doch unter der mesz: sich wandele unnd vorlangen gewinne diszes testaments. Luther (sermon v. d. guten werken) 9, 256 Weimar; darumb gewan er so grosse begirde und senen noch ir. 288; wer das wort gottes erkent und ain begird darzü gwind. S. Lotzer (ermahn. a. d. einwohner zu Horb) 28 Goetze; und begirde zuo sterben gewinnen. Luther (zu epistel S. Petri) 12, 396 Weimar; dardurch sie ein verlangen gwann, zu sehen den teurlichen man. Teuerdank (90, 193) Goedeke s. 221; davon sie das herzeweh und sehnsucht zum vaterland gewonnen. Luther (an Johann Friedrich) briefe 4, 611 De Wette; do gewan si grosse andacht darzu und natte den selben namen mit rother seiden auf ein kleines tüchlein. J. Meier vorrede zu Elsbet Stagel; das ein mensch, auf solche weise anlas und trieb gewinne, fleissig zu beten. Butschky Pathmos 783; unter den vielen antrieben die damals Europa gewann. Herder ideen (20, 3) 4, 305; da sprach die hehre jungfrau: 'wes klagt ihr mich an? da doch solchen willen ich arme nie gewann: ...' Simrock übers. der Gudrun 1277; das wir doch einen schmack davon gewinnen. Luther (pred. 1529) 29, 575 Weimar; ehe ich wiederum geschmack an ihr gewonnen. Herder (v. geist d. ebr. poesie 1) 11, 225; dasz das pupplicum geschmack am groszen und schönen gewindt. frau rath an Göthe (20. juli 1804); geschmack an etwas gewinnen, prendre goût. Schwan 1, 746b; ebenso Adelung, Campe u. a.; vielleicht hatten die beamten, denen die nicht getrunknen weine verblieben, durch lange erfahrung schon einen zu durchgebildeten geschmack gewonnen. Bismarck ged. u. erinn. 1, 225; wie er ... interesse an den dingen gewann. G. v. Ompteda der zeremonienmeister6 204; gewann interesse an mancherlei leuten. H. Hesse Peter Camenzind28 190 (dagegen vgl.: was ich seit langem theilnahmlos hatte an mir vorbeistreifen lassen, das gewann nach dieser nacht plötzlich ein ... interesse für mich. W. Raabe alte nester 1, cap. 15; stücke die ... wieder einmal ein actuelles interesse gewinnen können. Bismarck ged. u. erinn. 1, 352); doch gewan er ein hoffnung zu gott, und gedacht, ich wil beichten. Luther (aufs concil. gen Mantua) 6, 502a Jena; gewinnen sie aus dem allen eine gewisse hoffnung zu gott (epistel d. proph. Jesaia) 19, 160 Weimar; anders: den bildern der erinn'rung mag's gelingen, dasz sie dir neue hoffnung noch gewönnen. Fr. Schlegel (Alarcos 1, 1) 92, 197. II@2@e@b@2@dd)) die verbindung mut gewinnen, eine lieblingswendung des mittelhochdeutschen stils (vgl. sp. 5952/3) tritt bald ganz zurück; neuerdingsmit veränderter bedeutungist sie vereinzelt wieder belegt: und do si muot gewan das si in dis kloster wOelt varen. Elsbet Stagel leben der schwestern zu Tösz 20; aber so bald ich ein psalmen odder spruch der schrifft fur mich neme, so leuchtets und brennets ins hertz, das ich ander mut und sinn gewinne. Luther (pred. über Joh. 17, 1) 28, 76 Weimar; ebenso Laurin 1925 Schade; Teuerdank (116, 101) Goedeke 294; Hannibal zuo Capua lag, sein kriegsvolk ruo und wollust pflac, gewunnen si so waichen muot, das iren feinden kam zuo guot. Joh. v. Schwarzenberg trostspruch um abgest. freunde 21 Scheel; dabei kam ihm der tag wieder in erinnerung, an dem er hier auch herumgeritten war, um sich mut für den abschied von Lene zu gewinnen. Th. Fontane (irrungen, wirrungen 23). II@2@e@b@2@ee)) auch die wendungen, die eine widrige empfindungunlust oder schmerzzum ausdruck bringen, gehören fast nur dem älteren stil an; neuere belege, mit denen gewinnen in dieses gebiet übergreift, zeigen mehr individuelle züge: nun gewan si ain anfechtung. Elsbet Stagel (vgl. sunde gewan Alsfelder passionsspiel 293; schuld gewan Murner schelmenzunft 57 u. a.); nun gewonnen die Behem grosz leid und jammer, aber sie mochten das darmit nicht gewenden. buch der liebe (Melusine 31) 271a; wo si nit hefftig rüw und leid über ir blindheit ... gewünnen. Judas Nazarei v. alten u. neuen gott 1, 37; dasz du reu und leid gewonnen. Joh. Chr. Günther ged.2 196. II@2@e@b@2@e@aα)) also das ich gar und gantzlich vergass alles des widermuottes und seres das ich da vor ie gewan. Elsbet Stagel 59; so wirstu gar grosse noht unnd arbeit leiden, unnd kummer gewinnen. buch der liebe (Melusine 15) 266c; daruon der keiser grosz leidt gewann. Aimon e 5b; ebenso e 4a; ein grosser schmertz ist zwar ohn alle witz und sinnen, und giebt gar übel zu, dasz man ihn mag gewinnen. Opitz (Trojanerinnen 4) 1, 240; kurtz! dieser harte stand gewinnt ihr lauter quaal, disz einge hertzeleid kost ihr wohl tausend zähren .., Joh. Chr. Günther ged.2 812; für all mein stolz und freud gewonnen hab ich leid. Th. Storm (Elisabeth) 8, 196. II@2@e@b@2@e@bβ)) und ob Goffroy gesndiget und miszgethan hat an dem gottshausz, das er verbrennt und verderbt hat, gewinnt er recht rew, als ich hoff. buch der liebe (Melusine 41) 275d; und machet, das die jungfraw in grosse sünde fiel durch seinen willen. darnach gewunnen sie beide grosse rewe umb jre sünde, und was jnen leid, das sie die sünde wider gott gethan hatten. Luther 6, 502a; desz hi und dort gewint jr rew. Schwarzenberg teutsch Cicero 127a; durch solich grose ausgefüelte lecz würt petrogen manch ainfeltige mecz, die darnach det grose nachrew gewinen. H. Sachs fabeln und schwänke 5, 349; ebenso (der verlorene sohn) trag. 11, 213 Keller. II@2@e@b@2@e@gγ)) das si gedacht das si ab der stat niemer lebendig kem, und hie von gewan si etwenn forcht. Elsbet Stagel 70; da erschracken vil menschen, und gewunnen gottes forcht. heiligen leben (1472) 2d (Sanctus Ambrosius); dazu vgl.: was gewinnt er? furcht und last. Joh. Chr. Günther ged.2 80 u. a.; ebenso: was werden meine sinnen vor gefahr und angst gewinnen. 306 u. a. (s. sp. 6058); die küngin grosz schrecken gewann. Teuerdank (101, 34) Goedeke 257; das wir nicht blutschtig wrden und auch einen grawen gewnnen menschen blut zuvergissen. Luther (pred. über 1 Mos. 9) 24, 201 Weimar; ein ekel darob gewinnen briefe 2, 393 de Wette; ja auch dein hauszfraw und sun, ob deiner schnöden gestalt ain entsitzen und grausam gewinnen werden. Schaidenreiszer Odyssee 57b; ein solch abscheuen vor dem spielen gewinnen sollen, als wan sie säu-milch ... gesoffen hätten. Grimmelshausen Simplicissimus 155 Kögel. anders gewinnen mit der bedeutung ersparen in: so hab' ich obendrein die sorg' und angst gewonnen, die deine kindheit mir verursacht hätte! komm, sei mein sohn! F. M. Klinger (Damokles 1) 2, 343. vgl. dagegen sorge gewann bei Simrock Nibelungen 843. II@2@e@b@2@e@dδ)) wem trawmpt, wie er swimme, der gewinnet grossen grimme. Daniels traumdeutungen 414 (z. f d. a. 48); darüber gewann der neidische könig einen hasz. A. Olearius persian. baum-garten (2, 14) 33a; wer mit der schickung zanckt, gewinnt nur zorn und hohn. Günther 1144; was man kan triben, würt es zu vil gethan, man gewinet verdrisz daran, uszgenommen ein dinck, der heiset junckher Pfeningk. der Missener junker Pfennig 14 (Bolte z. f. d. a. 48, 33); hat sie besorgt, wenn er die junkfrau innen wurde, das sie nit villeicht ein verdrusz ob im (dem bauernburschen) gewunne. Bebels facetien deutsch B 8a. II@2@e@b@33)) für geistige bethätigung kamen im mittelhochdeutschen stil nur gedanc, künde gewinnen in betracht (sp. 5953); hier setzen vor allem neubildungen ein: II@2@e@b@3@aa)) si gewan kuntschaft etlicher weisen gelerten heiligen gottes frëwnden. Joh. Meier vorrede zu Elsbet Stagel; do nun die ... kuntsam gewan des selben heiligen bruder. ebenda; dasz jederman von diesem seltsamen jungen autor ... kenntniss gewinnen wollte. Göthe (dicht. u. wahrh. 3, 13) 24, 177; also musz man kummen zum vatter durch das, das man ein feine liepliche zuversicht zu im gewinne. Luther (predigt v. 1522) 10, III s. 163 Weimar (vgl. Adelung 2, 665, der diese verbindung als ungewöhnlich kennzeichnet; vgl. andererseits: gewinnet ein argwohn das tolle arme nerrichin zum manne. Luther tischreden 437b Aurifaber; sobald sie argwohn gewinnet Butschky Pathmos 693); es regnet viele tropfen, ehe man einsicht gewinnet. Stifter (studien 1) 1, 274 Sauer; sogar die übersicht eines ganzen und seiner gliederung gewinn ich meist nur auf diese weise. Varnhagen denkwürdigk. 22, 63 (vgl.: denn es zeigte sich mir ein reinlicher platz mit bänken; von deren jeder man eine hübsche aussicht in die gegend gewann. Göthe [dichtung u. wahrheit 10] 25, 356); nun aber wird der einsichtige leser ... sich eine ahnung der ernsten gefühle gewinnen, mit welchen ich damals Emmendingen betrat. (18) 48, 102; so gewinnen wir die empfindung, als ob wir erst eigentlich zu menschen würden. (maximen u. reflexionen 5) 49, 111; wie ich die natur betrachtet, betrachte ich nun die kunst, ich gewinne, wornach ich solang gestrebt, auch einen vollständigern begriff von dem höchsten was menschen gemacht haben. an frau v. Stein (20. 12. 1786) br. 8, 100; die staatsrechtliche frage, um welche es sich in dem conflicte handelte, und die auffassung derselben, welche das ministerium gewonnen und der könig gutgeheiszen hatte, ist ... Bismarck ged. u. erinn. 1, 303; seitdem hatte man in Ruszland ... einen geringeren eindruck von der damaligen militärischen leistungsfähigkeit der revolution sowohl wie der deutschen regirungen gewonnen. 1, 75; sie hatte ... beim korrigieren einen so deutlichen eindruck seiner handschrift gewonnen. G. Reicke das grüne huhn2 303; und so gewann ich allmählich eine gewisse vorstellung ... und bekam einen ... einblick in die geistige internationale. H. Hesse Peter Camenzind28 71; wie er ... in der erleuchtung einer sekunde diese erkenntniss gewann. G. von Ompteda der zeremonienmeister6 225; muszte er auch eine völlige überzeugung gewinnen, dasz man ... wunder müsse ausüben können. Göthe (dicht. u. wahrh. 19) 48, 144; selbst bei näherer durchlesung werde ich diese überzeugung nicht gewinnen können. Bismarck im preusz. landtag 6. 2. 1868; ebenso ged. u. erinn. 1, 150; 2, 64; da Guizot mittlerweile die gewiszheit gewonnen hatte. Treitschke dtsch. gesch. 5, 116; dasz ich nicht weisz, wie ich überhaupt diese sicherheit gewinnen kann. G. Freytag (verlorne handschr. 1, 10) 6, 184; wer erinnrung hat gewonnen, kennt verblühen nicht noch scheiden. Hoffmann v. Fallersleben (als ich Meieli's lieder singen hörte) 2, 49; sie musz fort über den berg! als sie in langem grübeln diesen entschlusz gewonnen hat, hebt sie zum erstenmal wieder das gesicht. Ernst Zahn schattenhalb (das muttergöttesli) (1904) 357. II@2@e@b@3@bb)) und jederman sol darvon verstand und besserung gewinnen. Luther (pred. üb. 2 Mos. 3) 16, 87 Weimar; dardurch er auff geweckt und erleuchtung gewan zu weissagen. (pred. üb. Joh. 17, 1) 28, 76; das Jacob herr wird, durch des weibes glauben, nicht durch den heiligen man Isaac, und gewinnet so ein grossen geist, das sie es wagen thar, ob Isaac gleich fluchet. (pred. üb. 1 Mos. 27) 24, 475; erst lange nachdem der kurze wahnsinn des ersten eindrucks vorüber war, gewann ich besonnenheit genug, der hand des meisters ... zu folgen. Wieland (Aristipp 3, 5) 35, 44; ich werde wiederkommen ... wenn sie ... haltung gewonnen haben. G. Freytag (soll u. haben 3, 4) 4, 479; gewann frau Lotte ihre volle selbstbeherrschung wieder. G. Reicke das grüne huhn2 187; o, könnt' ich doch mein ganzes frühres leben umtauschend, wie die kleider, von mir werfen, besinnung mir und klarheit mir gewinnen, um ganz zu sein, was ich zu sein begehre! Grillparzer (Sappho 1, 4) 45, 150; das anschauliche, populäre der fabel geht hiemit eines theils verlohren; der leser gewinnt indesz feinere belehrung. Herder (zerstreute blätter 2, 6) 15, 492; im brautstande, wird die auserwählte die letzte ausbildung gewinnen. F. L. Jahn (dtsch. volkstum) 1, 280; musz man bei den perioden verweilen, in welchen die nation die feinste ausbildung gewann. W. v. Humboldt über d. klass. altert. 214 Leitzmann. II@2@e@b@3@cc)) ohngeachtet der fleiszigen abhandlungen, die wir über sie haben, gewinnt man aus ihnen wenig resultate für die dichtkunst. Herder (v. geist d. ebräischen poesie 2) 12, 248; was jede reformation anfing, waren kleinigkeiten; die nie so gleich den groszen ungeheuren plan hatten, den sie nachher gewannen. (auch eine philos. der gesch. 2) 5, 531; wir waren zusammen in Pästum, woselbst er, so wie auf der hin- und herreise, mit zeichnen sich auf das thätigste erwies. die herrlichsten umrisse sind gewonnen. Göthe (ital. reise 2) 28, 71; Schinkel ... wies ... landschaftliche federzeichnungen vor, die er auf einer reise ins Tirol gewonnen hatte. (tag- u. jahreshefte 1820) 32, 167; dasz die südländer von ihnen eine glücklichere technik und die genauste ausführung von norden her gewinnen. maximen u. reflexionen 734 (Göthe - schriften 21, 164); die venezianischen epigramme gewann ich unmittelbar darauf. (tag- u. jahreshefte 1790) 31, 14; wär' ich ein reicher mann, trotz meines bruders historischem pinsel, nur landschaften gewänn' ich mir! K. Gutzkow ritter vom geiste (2, 1) 22, 19. II@2@e@gγ) in beiden vorhergehenden gruppen sahen wir verbalsubstantiva an der stelle des objects vordringen und können beobachten, wie durch die verbalkraft solcher substantiva die bedeutungsenergie von gewinnen vielfach bis zur bloszen syntaktischen function herabgedrückt wird. durch das letztere wird vor allem die verbindung mit unpersönlichen subjecten begünstigt, die frühzeitig an den formeln anegenge, uʒvart, ort, ende gewinnen zu tage tritt (vgl. sp. 5953) und in entsprechenden neueren wendungen immer mehr sich steigert. für die beliebtheit solcher formeln spricht auch deren reichliche verwendung in der übersetzungslitteratur, wo die vorlage keinen anhaltspunkt bietet. II@2@e@g@11)) des maiestat gleicherweisz als si ni beginstnusz gewan, also hört si nicht auf. Joh. v. Neumarkt übers. d. soliloquien (32 sicut principium numquam habuit) 81 Sattler; und weil er einen solchen anfang gewann (das er ein kauffman war) wolt er auch gesetze und lere geben. J. Agricola sprichw. 121b; da künheit und ir vermeinte sterck eben einen anfang gewunnen hat. verdeutsch. d. trostbücher des Petrarca 33a; da diese friedenshandlung ihren anfang gewinnen solte. Zesen verschmähte majestät 250; codicilli ... kurtze testament, welche zu den zeiten Lucij Lentuli iren anfang gewonnen. Simon Rot teutsch dict. C 8b; einen guten anfang gewinnen, bonis initiis exordiri. Stieler 2543; anfang ... gewinnen, prendre (avoir) commencement. Rondeau 2, Uu 3d; ebenso Schwan, Adelung u. a. II@2@e@g@22)) zahlreich und mannigfaltig sind die wendungen, die sich um gang und dessen composita hier gruppieren. meist läszt sich die beziehung auf ein persönliches subject, wo diese vereinzelt auftritt, als secundäre entwicklungsform ansprechen: ich gewinn ein eingangk zum volck .., habebam multum populum qui audiebat, est ostium ad cor. Luther (predigt v. 1524) 15, 655 Weimar (vgl. dagegen die belege sp. 6014); damit er auch in auszbraitung seiner lehr desto schleunigern fortgang gewinne. Abraham a S. Clara auff auff ihr christen (Wiener neudr. 1) 13; dasz solcher mit all seiner kriegsmacht keinen ferneren progresz und fortgang werde gewünnen. 52; die jüngere brüder sein gemeiniglich söhne der fortunae, aber selten oder nie gewinnen sie einen glückseligen auszgang. Schupp schriften 616. II@2@e@g@2@aa)) und wollent ir mir her zu helffen so wirt min sache vollen ganck gewinnen. Elisabeth v. Nassau Huge Scheppel 43 vb Urtel; das der harn am dritten tag wider seinen natürlichen gang gewonnen unnd zur röhren auszgelauffen ist. F. Würtz wundartzney 222; der ander arm (des Rheins) ... gewinnet ein stilleren und senffteren lauf. Micyllus übers. des Tacitus (annalen 2, 6 latior et placidior affluens) 36b; damit desto mehr seine genaue gerechtigkeit jhren lauff gewinne. Abraham a S. Clara mercks Wienn 25. II@2@e@g@2@bb)) denn sonst wird das hinderste zu förderst ... komen und ein unglückseligen gang gewinnen. Luther (pred. über 2 Mos. 10) 16, 149 Weimar; so mügen si jn selber die schuld geben, wo es den krebsgang gewinnet. (exempel e. r. christl. bischoff z. weihen) 8, 6a Jena; aber es ging alles zuruck, und gewann den krebsgang. Aeg. Albertinus landtstörtzer Gusman 49; was wir suchen, gwind ein krebsgang. J. Ayrer (Valentin u. Ursus 4) 3, 1590 Keller. II@2@e@g@2@cc)) dasz sag ich euch ohn alles schertzen, den gewinschten fortgang unser rath gewunen hat, felt nur die that. Endinger judenspiel s. 38 Amira; dasz der heurat seinen wircklichen fortgang gewann. Aeg. Albertinus landtstörtzer Gusman 407; dasz seine liebe einen glücklichen fortgang gewinnen ... möchte. Grimmelshausen wieder erstand. Simpliciss. 3 (1713) 268; unsere nothwendige handlungen gewinnen einen flüssigern fortgang. Butschky Pathmos 394. frühzeitig ist die verbindung zur formel erstarrt: dasz der kauff nit furgang gewin möge. Frankf. urk. v. 1502 s. Diefenbach u. Wülcker 619; als man spricht die werent handt gewin furgang. Reuchlin verdeutsch. d. 1. olynth. rede 22 (ohne anhalt im griech., und mit gewinnt erfolg von Reuchlin nachträglich erläutert); doch hat mein vorhaben ... keinen fortgang gewinnen mögen. Türkischer vagant (1683) 15; damit aber die attaque um so viel schleuniger ihren fortgang gewinne. gefangen-nehmung graf Teckeley's (1685) 18; fortgang gewinnen, prendre un bon train. Schwan 1, 746a. vgl. auch Rondeau, Adelung u. a.; meine arbeiten gewannen fortgang. Jacob Grimm (meine entlassung) kl. schriften 1, 27; dem gegenüber vgl. die sinnliche belebung der formel bei Göthe; indem die sämmtlichen wege, an dem abhange nach Ober-Weimar zu, von hieraus ihren fortgang gewannen. (d. Luisenfest) 60, 238. II@2@e@g@2@dd)) weil an im soll das wunder geschehen, so khumb und las unns solchs auch sehen, wie es mit im ein ausganng gwint! Peter Probst (comödie v. blindgebornen 116) 6 Kreisler; was für ein ende unnd auszgang es gewinnen möge. Moscherosch insomnis cura parent. 28 Pariser; was es mit solcher studenten-lust letzlich vor einen augang gewinnet. Schoch komödie v. studentenleben 78; ebenso J. B. Schupp schriften 361; hindernisse und beschwerlichkeiten ... die aber alle glücklich überstiegen werden, und einen ausgang gewinnen. Lessing (theatral. bibl. 1) 63, 36; einen ausgang gewinnen, finiri. Steinbach 2, 1028; ebenso Frisch, Hederich, Rondeau, Schwan, Adelung u. a.; ein böser anfang gewint einen bösen auszgang. Petri d. Teutschen weiszh. S 8a; einen bösen ausgang gewinnen, contra voluntatem evenire, cadere, excdere. Stieler 2543; traurigen, schlechten ausgang gewinnen bei Campe und Adelung; solchen ausgang gewann meine badegeschichte. Immermann (der carneval u. d. somnambule) 8, 94 Hempel; guten ausgang gewinnen, ad optatos eventus provehi. Stieler 2543; wird es auch einen guten ausgang gewinnen? Chr. Weise Masaniello (2, 14) 62; zu der tragödie, die einen heiteren ausgang gewann. Immermann (Münchhausen, anhang) 4, 145 Hempel. II@2@e@g@33)) neben ausgang gewinnen ist unter den bedeutungsverwandten nur noch ende gewinnen bevorzugt: was aber solche heiraht für einen auszschlag gewinnen, dasz gibt die erfahrung zu erkennen. Aegidius Albertinus hauszpolicey 5 (1602), 17b; einen solchen jämmerlichen ausschlag gewan es, mit diesem Machiavellischen fürsten. Butschky Pathmos 527; und gewinnet in's gemein ihre bei dem fürst habende gunst, selbigen ausschlag. 545; du bist ein beginstnusse, das nie angehebet hat und ende nimmer gewinnet. Joh. v. Neumarkt leben d. heil. Hieronym. 88; eras et finis et principium); ähnl. 114 (das nicht endes hat und nimmermer gewinnet). II@2@e@g@3@aa)) und gieng heim, da gewann die liebe auch ein end. Frey gartengesellschaft (89) 105 Bolte; also die unfallisch sach gwann ein end, wie im urteil ist bstimt und man in gerichtshändeln findt. Teuerdank (111, 43) Goedeke s. 282; wie man ein ding angreifft, so gehets, unnd so gewinneds ein end. Petri der Teutschen weiszheit Lll 7a; alles nur ein spil ist: welches endlich ein ende gewinnet. Butschky hochd. kanzellei 2, 373; dasz sich auch ein einiger spihlkampf, eh er ein ände gewünnen konte, zimlich lange verzohg. Zesen Adriat. Rosemund 2, 102; dasz dise verdrühsliche nacht nimmer mehr ein ände gewünnen würde. 1, 66; es scheinet aber dasz dieser ewige friede ein end gewinnen, und der betteldantz im römischen reich und anderswo wieder angehen werde. J. B. Schupp schriften 382; ach, elend-teütsches land, wan hat man doch zuhoffen, dasz die gemeine straf, die iederman betroffen, ein end gewinnen werd? ei komm, gold-währter frid! Jes. Rompler (an Johann Risten) erstes gebüsch d. reim-getichte 161; darümb der Egypter grausame tyrannei wider die kinder Israel brechen und sein ende gewinnen würde, dieweil sie auffs höheste komen und getrieben were. Luther (predigt über 2 Mos. 2) 16, 26 Weimar; denn wir wissen noch nicht, welch' ende die sache gewinnet, ob wir mit glück oder unglück jetzt in's vaterland zögen. Fr. L. v. Stolberg (Ilias 2, 247) werke der brüder Stolberg 11, 55. II@2@e@g@3@bb)) ich sal uch wol begaben ir hant zu male einen gutten anefang gehabt nu beschaffent das ir auch ein guttes ende gewinnent. Elisabeth v. Nassau Huge Scheppel 34 va; hingegen aber gleichwol der damahlige palästinische krieg ... auff des königs und der Hebräer seiten, ein glückseeligs und erwünschtes end gewonnen. Grimmelshausen wieder erstandener Simplic. 3, 476; so auch was sölcher mensch thut und begint, dasselb allzeit ein glücklich end gewint. Ambr. Lobwasser psalm 1 A 2b (prosperabuntur, das geret wol, wird ihm gelingen. Luther); ein guter anfang gewint gern ein gut end. Henisch 1601; dasz der Masaniello in seinem lebenslauffe zwar einen unglückseligen ausgang, gleichwol aber dieses schau-spiel ein glückseliges ende gewonnen habe. Chr. Weise Masaniello (nachrede) 146 Petsch. II@2@e@g@3@cc)) wo es der nicht thutt, so mags wol angehaben werden, aber es wirtt kein gutt ende gewinnen. Luther Corinth. 7) 12, 141 Weimar; es würde kein guhtes ände gewünnen. Zesen Adriat. Rosemund 2, 73; deszhalb desz concilium zu Basel ain besz end gewan. ain wunderparlich ding, disz concilium hett ain frölichen anfang und ain traurigen auszgang. Knebel chronik v. Kaisheim 264; es wird ein schlecht ende gewinnen, it will take an evil end. teutsch - engl. lex. 2 (1716), 773/4; das werk hat ein schlechtes ende gewonnen, l'afaire a mal réussi ... Rondeau (1765) Uu 3d; ähnl. Schwan (1783) 1, 746b. II@2@e@g@3@dd)) dankbar sein musz ich dir mehr als dich schelten, denn du öffnest mir richtsteige, worauf eher ich der ruhe ziel gewönne. A. W. Schlegel (Calderons standh. prinz 2) span. theater 2, 82. II@2@e@dδ) wenn das verbum in der verbindung mit verbalkräftigen substantiven sich dem hülfsverb nähert (s. sp. 6049), so hält es doch in der verbindung mit infinitiven wieder eine grenzlinie ein, es wahrt dem infinitiv durchweg den substantivcharakter. II@2@e@d@11)) dagegen spricht eine in der älteren sprache viel beobachtete form der verbindung zu thun, zu schaffen gewinnen nur scheinbar. in wirklichkeit beruht sie auf der ellipse eines bedeutungsschwachen objectes (etwas zu thun gewinnen) oder auf der verschiebung des substantivischen viel zum adverbium (s. 3, a): und ob er mit einem burger oder ... ein burger ... mit jm zuthun gewönne, das er sullichs hie am statgericht aussörtern. ordnung f. d. stadtschulmeister zu Gerolzhofen 1445 s. Joh. Müller samml. pädag. schr. 13, 280; so die kön. w. mit jemand zu thun gewänne. einung zwischen Ungarn und Baiern 1497 s. landtagshandl. 11, 23 Krenner; hie werden wir zuthun gewinnen. Fischart Gargantua 405 neudr., ebenso 155. donoch fuote es sich, daz der künig zuo schaffende gewan und usser landes fuor. Twinger v. Königshofen s. dtsch. städtechron. 8, 288; so gewinnest du so vil zu schaffen mit brüderlichem dienst. Eberlin v. Günzburg 2, 130 Enders; dasz ich mehr damit würd zu schaffen gewinnen, dann sonst mit meiner ganzen sachen. Luther briefe 2, 512 de Wette; da gewinnen denn die propheten allererst zu schaffen, mit dem zaghafftigen ungleubigen volck. (ausleg. d. proph. Habacuc) 3, 241a Jena; ähnl. 3, 443a (mit deutelei zu schaffen); so wirstu wol so viel zu schaffen gewinnen. (deutsch catech.) 4, 408a; gewinnet vil zuschaffen mit den brüchen. Mich. Stifel die cosz Christ. Rudolffs 259a; der clostermünch und auch der schaffen. wir gwünnen sunst gar vil zu schaffen mit in. J. Wickram (narrengieszen 3) 5, 133 Bolte; wenn die (hirn-)schalen schier durchgeboret ist ... gib gut achtunge, dasz dir keine spreiszlein ... in die hölen desz hauptes fallen ... würdest auff ein newes, nicht ohne grosse gefahr zu schaffen gewinnen. Fel. Würtz practica der wundartzney 158. II@2@e@d@22)) zähe hält sich der substantivcharakter da, wo der infinitiv als object anzusprechen ist, sowol in losen wie in engen verbindungen, bei passiver und bei activer actionsart: II@2@e@d@2@aa)) daz ir warnement, waz er von úch wil, wenne er sinen ingang haben wil, daz er kein vertriben von úch gewinne. Heinr. Seuse (grosses briefbuch: 8. brief) 431 Bihlmeyer; ich gewinne das auslachen. Wesenigk, vgl. oben sp. 5974; wenn er auch ... beschwörer aufrief, zu gewinnen vom aufgebrachten schaffen sein verzeihen, auch eine gränze nur des rächens. Göthe (monolog aus Byrons Manfred) 3, 208 (to compel the indignant shadows to depose her wrath). II@2@e@d@2@bb)) indem die kiele nâchet zu dem holgen land, die encher wir ûsz warfend, das schif gwan sîn bestân. Felix Faber pilgerbüchlein 322 Birlinger; also hastu nenerlai heutte, darauf man pOese weiber pleutte, welche geneschich sint und faul, verlogen, druczig, pOes im maul, die thnt mit iren stolczen sinnen nichs dran, den maulpliren gewinnen. Hans Sachs fabeln u. schwänke 4, 133; faren einhin mit stoltz, und pochen auff jre macht, gewinnen aber auch zu letzt das krawen im nacken. Luther (v. krieg wider d. Türcken) 4, 441b Jena; ich gewinne das ... beutel ausleeren, borgen, verlieren, kratzen hintern ohren, zusehen, zusetzen. Wesenigk, vgl. oben sp. 5974 (vgl.: läszt diese feindin nun ... nichts als die flucht gewinnen. J. C. Günther ged.2 803); von dem bilde, das professor Denger geplant, hatte sie nach seinen worten kein greifbares erfassen gewonnen. G. v. Ompteda der zeremonienmeister6 132. II@33) der absolute gebrauch und seine vorläufer. II@3@aa) wie leicht die verbindungen mit bedeutungsschwachen objecten, die mehr für das syntaktische gefüge als für den vorstellungsinhalt ins gewicht fallen, durch functionsverschiebung oder durch lautliche verkümmerung zum absoluten gebrauch überführen, ist eben (2, e, δ) an einem sinnfälligen beispiel gezeigt worden. in der ganzen gruppe, die für den mittelhochdeutschen stil noch wenig bedeutung hatte (vgl. sp. 5939. 5956), hat die neuere sprache ungewöhnliche fortschritte nach seiten der entwicklung wie auch der verbreitung zu verzeichnen. hauptsächlich sind die neuerungen hier an das vordringen des begriffs des erwerbs geknüpft. II@3@a@aα) dies kennzeichnet sich schon durch das ungewöhnliche anschwellen der verbindungen mit quantitativen bestimmungen als object. II@3@a@a@11)) charakteristisch ist die verbreitung sowohl als die entwicklung der verbindung viel gewinnen. II@3@a@a@1@aa)) sie zweigt vom geschäftlichen begriff des erwerbs ab: vt sciam lucri quantum factum sit, wie vil man gewunnen hab. Cholinus - Frisius (1541) 524a; genau so Frisius dict. (1556) 783a; nu ists aber billich und recht, das ein kauffman an seiner wahr so viel gewinne, das seine kost bezalet, seine muhe, erbeit und fahr belonet werde. Luther (v. kaufshandlung u. wucher) 15, 296 Weimar; damit wirt mann nit vil gewinnen, und muosz ein grosz guot bald zurinnen. E. Alberus praecepta vitae 100a; ganz ähnl. S. Dach 110 Österley; viel gewinnen, maximum quaestum facere. Steinbach 2, 1028, ebenso Hederich; viel gewinnen, gagner (profiter) à un negoce. Rondeau 2, Uu 3d; ebenso Schwan, Adelung u. a.; ähnl. Kramer 2, 97b (so viel gewonnen haben, dasz er ... darvon leben könne); wo viele manufacturen blühen, da musz viel gewonnen werden. Chomel 1, 493; dasz er jährlich so viel, als der hof etwa zur heuer thun, oder als ein fleisziger besitzer desselben ohne lotterien und kucksen darauf gewinnen kan, zum behuf seiner schuldigen abgaben und der gläubiger aufbringen musz. Möser patriot. phant. 2, 215. II@3@a@a@1@bb)) damit kreuzen sich vereinzelt andere bedeutungsrichtungen von gewinnen, so natürlich die beziehung auf das spiel (dess morgens spilet er wider, gwint wider so vil als er vor hatte gewunnen. M. Stifel die cosz 250b; ein spieler, gegen welchen nicht verloren zu haben, schon überaus viel gewonnen ist. Schiller [30 jähr. kr. 2] 8, 162) und der bergmännische begriff fördern (artz ... sovil zu gewingen urk. v. 1538 s. cod. dipl. Siles. 21, 65). bemerkenswert ist die einkleidung eines persönlichen objects in unsere collectivform: wan er ... sein hergebracht volck verlöre ... so gewün und brecht er zwirent als vil zuwegen. Aimon c 1b. II@3@a@a@1@cc)) die eigentliche entwicklung setzt jedoch am übertragenen gebrauch an. an diesem nimmt hier vorübergehend auch die beziehung auf kampf und streit theil: ich habe für den Horaz schon viel gewonnen, wann der dichter von der liebe singen darf. Lessing (rettungen d. H.) 53, 283; so viel er auf der seite des dichters gewonnen hat, so viel hat er auf der seite des ehrlichen mannes verloren. 274; es wird ... darauf ankommen, ob die einführung der thiere in der fabel wirklich wunderbar ist. ist sie es, so hat Breitinger viel gewonnen; ist sie es aber nicht, so liegt auch sein ganzes fabelsystem mit einmal über dem haufen. (v. gebrauche der thiere i. d. fabel) 73, 448; ich verlange mit der fortsetzung dieses streits das publicum nicht zu belästigen. es hat beede theile gehört, und kann nun richten. ich kann nicht viel gewinnen und nicht viel verlieren, der ausspruch mag ausfallen, wie er wolle. Uz (ü. d. Duschische beurt. d. liebesgottes) 328 Sauer; ich suchte sie mit sich selbst ... zufrieden zu stellen, und gewann doch so viel, dasz sie ... vergnügt aussah. S. v. La Roche frl. v. Sternheim 221; ebenso 109. die meisten übertragungen jedoch gehen von dem begriff des erwerbs, der besitznahme aus: über sie raget die luft: die so viel, als gegen die erde leichter wiegt das gewässer, an last vor dem feuer gewinnet. Voss Ovid (schöpfung 49) 1 (1798), 5 (tanto est onerosior); schau seegens-volle nacht! wie viel du mir gewonnen, doch glaube disz dabei, du kommst mich hoch zu stehn. Joh. Chr. Günther ged.2 632; die leier wird dem dichter stumm, der circkel dem Euclides krumm, so bald die letzte stunde den lebens-seiger leer gemacht, ... so viel gewinnen nun die nächte, die das studiren friszt. 230; er war nun doch auf einmal in eine neue welt versetzt, und hatte gegen seinen aufenthalt in H ... immer erstaunlich viel gewonnen. Moritz Anton Reiser (4) 399 Geiger; und es ist schon dadurch viel gewonnen, dasz künftige gelehrte zu einer kenntnisz angeführt werden, von der sie ... keine ... begriffe würden gehabt haben. Gerstenberg (über J. Aug. Ernesti) litt. denkm. 128, s. 169; Göthe (an frau v. Stein 1779) br. 4, 135; viel gewinnt, wer wenig heischt, viel gehofft, ist viel getäuscht ... Mosenthal (in ein album) 6, 133 Weilen; sie hatten, ein jeder in seiner art, so viel erstrebt, jeder hatte so viel gewinnen wollen, und als almosen wurde ihnen das herz dieses kindes gegeben. W. Raabe hungerpastor 3, cap. 7. II@3@a@a@1@dd)) bei diesem übertragenen gebrauch verliert sich das gefühl für die substantivische function des objects am leichtesten, und mit dem übergang desselben zum adverbium entwickelt sich an gewinnen die bedeutung prosperare, erfolg haben, vortheile erzielen: ich rechne dem spitzfündigen Plato (der so vil dabei gewänne, wenn er es weniger wäre) zu keinem geringen verdienst an, dass ... Wieland (Aristipp 2, 19) 34, 117; wie viel gewinnt der maler, wenn er mir ein gemälde hinstellt, wofür ich den spiegel in mir habe. F. M. Klinger (die zwillinge 1, 1) 1, 4; von meiner reise in die Schweiz hat die ganze circulation meiner kleinen individualität viel gewonnen. Göthe (an A. L. Karsch) br. 2, 282 (vgl.hat meine gesundheit viel gewonnen. 2. 9. 1786); schon habe ich viel in meinem innren gewonnen, schon habe ich viele ideen auf denen ich fest hielt, die mich unglücklich machten hingegeben und bin um vieles freier. Göthe (an frau v. Stein 1787) briefe 8, 116; es ist gewisz, dasz eine meinung sehr viel gewinnt, sobald ich weisz, dasz irgend jemand davon überzeugt ist. Novalis (fragmente) 3, 125 Meiszner; die oper Cosa van Tutti ... soll in Weimar so sehr viel durch den verbeszerten text gewonnen haben. frau rath (an Göthe) 2, 25 Köster; sie hat durch diese wahl viel bei mir, und dem gantzen pupplicum gewonnen. (an Göthe 1796) 2, 15; Wieland gewinnt viel bei dem publico dadurch, und ich verliere. Göthe (nach bericht d. J. Fahlmer) Göthejahrb. 2, 382; 'das jeder form ... sich sanft anschleichende ... wasser wird dem auge des bildenden künstlers der zarteste finger', der durch den wiederschein gleichsam an ... zauber und lieblichkeit viel gewinnt. Herder (plastik) 8, 72; diese bekundungen gewannen durch die vernehmungen der köchin ... viel an wahrscheinlichkeit. Georg Reicke das grüne huhn (2, 10)2 164. II@3@a@a@1@ee)) diese verschiebung zum adverbium wird auch durch analoge bildungen gekennzeichnet: dacht gar mit ainfeltigen sinnen, mit meim hantwerck mir geneg zu gwinen. Hans Sachs fabeln u. schwänke 2, 205; ich zeichnete und arbeitete für einen juden, und gewann genug dabei. Göthe (Benvenuto Cellini 1, 2) 34, 28; in meinen augen haben sie unendlich durch diesen verlust gewonnen. Lessing (Minna v. Barnhelm 5, 6) 23, 249; sie hatte geweint, und wenn weiche personen dadurch meist an anmuth verlieren, so gewinnen diejenigen dadurch unendlich, die wir gewöhnlich als stark und gefaszt kennen. Göthe (wahlverwandtschaften 1, 11) 17, 131. II@3@a@a@1@ff)) ein weiteres zeugnis für die verschiebung zum adverbium liegt in formerweiterungen an viel, die die schwindende substantivfunction für besondere fälle festhalten: doch glaube keiner, dasz mit allem sinnen das ganze lied er je enträtseln werde: gar viele müssen vieles hier gewinnen. Göthe (die geheimnisse) 13, 177. II@3@a@a@22)) auch bei der verbindung mehr gewinnen zeigen sich die gleichen erscheinungen: der gegensatz zwischen sinnlicher und übertragener bedeutung und der unterschied zwischen substantivischer und adverbialer function. auch die kreuzung des erwerbsbegriffes durch andere bedeutungsrichtungen kehrt hier wieder: die feldtschlachten, in denen man mehr verliert, denn gewinnet. Aeg. Albertinus landtstörtzer Gusman 384; dasz alles gewicht der gründe ... dennoch keine völlige gewiszheit hervorbringt; so dasz ein Sokrates selbst nicht mehr dadurch gewinnt, als es zuletzt ... darauf ankommen zu lassen, was an der sache sein werde. Wieland (Aristipp 2, 19) 34, 118; sonstige ... anschaffungen dorthin werden gleichfalls eingeleitet, und um des raumes mehr zu gewinnen, die oberen zimmer ... für die aufnahme eines theils der museen eingerichtet. Göthe (tag- u. jahreshefte 1812) 32, 80; das schiff hätte ein leck bekommen, sie hätten lange gepumpt, da aber das wasser immer mehr gewonnen, so haben sie sich in das boot geworfen. Lichtenberg (lieutenant Rion) 6, 221. von der verbindung viel gewinnen unterscheidet sich mehr gewinnen naturgemäsz durch die begünstigung des mehrgliedrigen satzes, in dem gewinnen gegen contrastbegriffe wie verzehren, verlieren oder gegen synonyma ausgespielt wird. II@3@a@a@2@aa)) die sinnliche bedeutung des erwerbs: es mag sich noch begeben das jr mer ere und guottes mügent haben und gewinnen dann eüer vater ie gehabt hat. Pontus u. Sidonia (1498) b 4b; ähnl. Murner narrenbeschw. 28 Spanier; wer me verzert dann er gewinnt und borget vil, so jm zerrinnt. Brant narrenschiff (78) 77a Zarncke; der mann steckt die gantze wochen im wirtshaus, versaufft mehr als er gewinnet. Fr. Caccia lebensthat d. heil. Antonii 140; dasz dasselbe jahr mehr verzehret oder verlohren als gewonnen worden. Chomel 2, 1307; falsche freunde seien, bei denen mehr zu verlieren, dann zu gewinnen ist, dann sie lieben nit dich, sondern dein gelt. A. Albertinus landtstörtzer Gusman 275; unser erstes bedürfnisz sei, die freundschaft zwischen den groszen monarchien zu erhalten, welche der revolution gegenüber mehr zu verlieren, als im kampfe unter einander zu gewinnen hätten. Bismarck ged. u. erinn. 2, 214; bald heist der müller dieb, bald musz der becker her; bald wettern maul und blitz auf die, so mehr gewinnen, als sie mit fauler hand und niemahls rechtem spinnen. Joh. Chr. Günther ged.2 482; es ist nicht meine sache, zu fragen, ob er mehr gewinnen kann mit meinem gelde, als ich gewinnen kann durch sein holz. G. Freytag (soll u. haben 1, 6) 4, 80. II@3@a@a@2@bb)) übertragener gebrauch. II@3@a@a@2@b@aα)) die substantivische function des objects bleibt vor allem in der verbindung des verbums mit contrastbegriffen gewahrt: ich gönnte dir ja allezeit diese veränderung, bei der ich immer mehr gewann, als verlor. Lessing (misz Sara Sampson 2, 3) 23, 285; ich gebe zu, dasz ich bei der umgestaltung in einen Adonis oder Nireus von seiten der schönheit mehr gewänne als verlöre. Wieland Aristipp (2, 19) 34, 120; ihrer frau mutter hätte ich ... gerne meine dienste in Italien gewiedmet, ob ich gleich wohl einsehe, dasz ich dabei mehr würde eingebüszt haben als sie durch meine gegenwart gewinnen konnte. Göthe (an Karl August) 8, 356 Weimar; dazu vgl.: du wirst, mein freund, für deine sinnen, in dieser stunde mehr gewinnen, als in des jahres einerlei. (Faust I) 12, 75; II@3@a@a@2@b@bβ)) dagegen ist der übergang zum adverbium als vollzogen anzunehmen in: so wie das schauspiel im lesen sich kaum durch den glänzenden innhalt der handlung erhält, die dadurch noch mehr gewinnt, dasz sie eine wahre begebenheit enthält. J. v. Sonnenfels br. ü. d. Wienerische schaubühne (4, 8) neudruck s. 310; und je kleiner dieser stamm ist, desto mehr gewinnt er an innerer stärke. Herder (ursprung der sprache 2) 5, 118 Suphan; ebenso 13, 62 (desto mehr gewann auch seine bildung); 9, 357 (je mehr die weisheit ... der regierungen gewinnt); es ist noch die frage, ob eine rolle durch einen bloszen liebhaber nicht mehr als durch einen schauspieler von handwerk gewinne? Schiller (Wirtembergisches repertorium) 2, 347. dazu vgl.: doppelt gewinnt, wer vergiszt, was verloren! Grillparzer (Melusina 3) 75, 264. II@3@a@a@33)) in bescheidenen grenzen hält sich dem gegenüber die verbindung wenig gewinnen, die sich nur spärlich dem übertragenen gebrauche erschlieszt und die auch für den übergang des objects zum adverbium keine sicheren anhaltspunkte zuläszt: II@3@a@a@3@aa)) das schenckht euch Hansz Lewerwurst das edl bluet, das wenig gwingt und vill verthuet. Sterzinger spiele (Wiener neudrucke 11) 184; auch wenig gwint und fil verzert. Peter Probst 105 Kreisler; das best, das ich weisz, das ir kinnen, ist vil verthuon und wenig gwinnen. Murner narrenbeschwörung 21 Spanier; darumb lehr kein affen seide spinnen, du wirst sonst wenig dran gewinnen. Krüger Hans Clawerts werckliche historien 8; gaigne-denier ... ein hellermann, oder ein taglöhner, der wenig zugleich gewinnt. Duez (1664) 461a; weniger gewinnen, minus lucrifacere Hederich 1, 1424; dasz wir so vieles verlieren und sie so wenig gewinnen, dasz sie uns mehr brod nehmen, als sie brauchen zu ihrer eigenen sättigung. Ludw. Börne (d. narr im weiszen schwan 2) 23, 446. II@3@a@a@3@bb)) an helligkeit der begriffe hat der zuhörer wenig oder nichts gewonnen. Herder (provinzialblätter 1) 7, 229 Suphan; damit wird wenig gewonnen, dadurch erlangt man wenig vortheile. Campe 2, 365a. II@3@a@a@44)) andere verbindungen kommen hier wenig in betracht. bei alles gewinnen wiegt die bedeutung erringen, erreichen vor: (Alexander) besorgend, sein vater mOegte alles gewinnen, und ihm nichts zu bezwingen brig lassen. Grimmelshausen Simplicissimus 119 Kögel; o du allmächtiges gold! du kanst alles, du vermagst alles, du heist alles, du haltst alles, du gewinnest alles, du überwindest alles, du ziehrest alles ... Abraham a Santa Clara mercks Wienn 79; fällt die richtung des talents mit der des publicums zusammen, so ist alles gewonnen. Göthe gespr. 5, 143 Biedermann; die kunst muste also bald gewahr werden, dasz mit ihr für das ganze alles gewonnen oder verlohren sei. Herder (plastik) 8, 48 Suphan; zum begriff des erwerbes vgl.: wenn alles ding das man gewinnt auff erden das wirt gewunnen mit arbeit und besessen mit vorcht. Heinr. v. Mügeln übers. des Valerius Maximus (4, 4) 60a; gewönnen sie alles, was wir verlieren ... wir menschen wollten ihnen verzeihen. L. Börne (d. narr im weiszen schwan 2) 23, 446. dazu vgl. manches gewinnen: aber und abermals kehrte ich daher zu der Kantischen lehre zurück; einzelne capitel glaubt' ich vor andern zu verstehen und gewann gar manches zu meinem hausgebrauch. Göthe (einwirkung der neuern philosophie) 50, 52; durch die feile kann deine schreibart noch manches gewinnen. Adelung 2, 665. II@3@a@bβ) verbindungen mit formen des unbestimmten pronomens. II@3@a@b@11)) bei der sehr beliebten und verbreiteten verbindung mit dem satzeröffnenden pronomen was ist einerseits zur begriffsbestimmung des verbums die bevorzugung der bedeutung erobern, erbeuten neben dem meist angezogenen begriff des erwerbs (dieser in sinnlicher und übertragener bedeutung) zu beachten; andererseits zeigt sich auch hier, wie die substantivischen functionen des pronomens im dienst der satzverknüpfung zurücktreten. II@3@a@b@1@aa)) zu gewinnen, erobern, erbeuten vgl.: aber er ward von den Saracen in einer schlacht gefangen, muest alles wider geben, was er vor gewungen het, und sich also von der gefenknus erledigen. Aventin (ursachen des Türkenkrieges) 1, 235; was so wohl an beweglichen beuten als ligenden landschafften von einem oder andern theil gewonnen würde, zwischen ihnen beiden gleich getheilet (werden. sollte). Grimmelshausen wieder erstandener Simplicissimus 3 (1713), 275; dasz was gewonnen ist durch der Deutschen mannheit und rapier, wär schand verlieren durch faulheit und papier. die alte wahrheit mit eim neuen titel (1621) bei Opel u. Cohn 385; wenn man oft gesagt hat: 'was das schwert gewonnen hat, hat die feder verdorben', so habe ich das volle vertrauen, dasz wir nicht hören werden: was schwert und feder gewonnen haben, ist von der tribüne vernichtet worden! Bismarck (im preusz. landtag 1. 9. 1866) 3, 68; manch geier soll noch aases werden satt, bis sie gewinnen, was des Böhmen ist! Grillparzer (Ottokar 2) 65, 69; ebenso (der gastfreund) 55, 18; mag doch der poetische prophet den Deutschen abermals bildlich darstellen das ungeheure das sie gelitten, wovon sie sich befreit und was sie zum zweitenmal wieder gewinnen sollen. Göthe (über Epimenides erwachen) an die herzogin Louise (1815) br. 25, 255; dazu vgl. auch aus dem spielgewinn: möchtn spiler ainander ubersehn ... unnd gewun ieder was er wolt wurden ainander nit abholt. Rösch v. Geroldshausen wunsch-spruch 432; schacherer und Juden .., die von den spielern wolfail auffkauffen, was sie etwan an ringen, kleidern oder cleinodien gewonnen, oder noch zuverspielen versilbern wollen. Grimmelshausen Simplic. 154 Kögel. als vereinzelte belege für andere bedeutungsrichtungen von gewinnen vgl.: die hAend und fsz, und alle glieder, warn auff ein zeit dem bauch zuwider, und wolten jhm kein speisz mehr gnnen, und gaben fr, was sie gewnnen. das wolt der bauch als in sich jagen. E. Alberus fabeln 43 Braune; in dem ranten die Franzosen .., was sie aus den pferten gewinnen mochten. Wilwolt v. Schaumburg 105 Keller. II@3@a@b@1@bb)) zum begriff des erwerbs II@3@a@b@1@b@aα)) in sinnlicher bedeutung: er befalch sein gewerb seinen unterkeufeln und gab ausz, was er gewunnen het und sein eltern. Sigm. Meisterlin s. d. städtechron. 3, 97; was solcher weise gewonnen wird, acht ich redlich und wol gewonnen. Luther (v. kaufshandl. u. wucher) 15, 296; ein ieder gouch sol alles was er gewinnet und überkumpt, es si gelt, oder anders siner geuchin zuo behalten geben. Murner gäuchmatt 5, 18 Uhl; ähnl. narrenbeschw. 83 Spanier; schelmenzunft 51 Matthias; hab nichs, den was teglich gewint mein hant. Hans Sachs fab. u. schw. 5, 210; ebenso 234 (tailt mit, was er gewüne); der mann gewünn was er wölle, haltets das wib nit zesamen ... so ists umb sunst. Seb. Frank sprichw. 1 (1545), 239b; es kompt selten an dritten erben, was so und so gewonnen ist. Matthesius leichenreden 79 Loesche; wann einer mit tugendt das jenig kan behalten, was er hat gewunnen. A. Albertinus landtstörtzer Gusman 65; was er unrechtes gewunnen hot. J. v. Schwartzenberg teutsch Cicero 139a; disz alles wird zerrinnen, was müh' und fleisz gewinnen und sauer schweisz erwirbt A. Gryphius lyr. ged. 218 Palm; die fischer seind sonst gute arbeitsselige leuth, aber zuweilen, was sie im wasser gewinnen, das thun sie wiederum in wein verzehren. Abr. a S. Clara etwas f. alle (der fischer) 1, 597; ebenso (was sie die wochen hindurch gewonnen, am sonntag wider durch die gurgl jagen) Judas der ertzschelm 2, 206; auff auff ihr christen 97 Sauer; ähnlich 98; und vor mir gieng ein reicher mann, der, seiner miene nach, die eingelaufnen schulden, nebst dem, was er damit die messe durch gewann, und was er, wenns ihm glücken sollte, durch den gewinnst nun noch gewinnen wollte, in schweren ziffern übersann. Gellert (fab. u. erz. 2: der arme greis) 1, 142; die für ihn lebt; die, was sein fleisz gewinnt, durch kluge häuslichkeit vermehret. Gotter (der väterliche segen) ged. 1, 254; zum gütersammeln war er nicht der mann; der tag verzehrte, was der tag gewann. Göthe (auf Miedings tod) 13, 139; sein vortheil hingegen darf nur bis zu einer bestimmten summe steigen, was darüber gewonnen wird musz er mit der herzoglichen theaterdirektion theilen. (an Karl August) briefe 12, 293. II@3@a@b@1@b@bβ)) übertragener gebrauch: qui inobediens deo est, was er daran gewint, da schmier er die schuch. Luther (pred. ü. 3 Mos. 18) 25, 424; es ist nicht alles gewunnen, was man gewunnen acht. Henisch 1609; komm! lasz die gottes stadt vom liebsten jünger zeigen, ihr schatten wirfft dir schon viel klarheit in die brust, und was du hier gewinnst, das ist ein sehnlich schweigen. J. C. Günther ged.2 592; was es (das herz) aber an unnützem gewichte verlor, hat es an werth gewonnen. Thümmel (reise 4) 4, 157; und das schöne werkchen 'wie die alten den tod gebildet' so schön in seinem inhalt als in seiner entwicklung, ist fast das einzige, was sich dabei gewinnen liesz. Herder (G. E. Lessing) 15, 499; was die poesie an gottesdienstlicher, politischer, lyrischer cultur gewann, verlor sie vielleicht an natürlicher stärke. 12, 207; wodurch er für seinen geist gewinnt, was jene für den buchstaben gewonnen. Göthe maximen u. reflex. nr. 985 (schrift. d. Götheges. 21, 208); so wächst er in der finstern tiefe fort und gewinnt an macht, was er an gestaltung verliert. L. Tieck (die verlobung) 17, 136; was sie gewann, wer will es ihr entreiszen? was sie verlor, wer gibt es ihr zurück? Göthe (natürl. tochter 4, 4) 9, 354; was der mensch auch gewinne, er musz es zu theuer bezahlen, wär' es auch nur mit der furcht, ob er's nicht wieder verliert. Hebbel (gnomen: menschenloos) 6, 343 Werner; was ich gewonnen, was ich gethan, ist all zerronnen mit traum und wahn. Gerok palmblätter25 203. II@3@a@b@1@cc)) die zurückdrängung der substantivischen functionen am pronominalobject. II@3@a@b@1@c@aα)) schon in der viel beobachteten einleitung eines ausrufesatzes wird das pronomen dem engeren zusammenhang mit dem verbum gern entzogen und damit der substantivischen functionen entledigt, vgl.: was willst du noch von dem gewinnen, der nun nichts mehr verliehren kan? Joh. Chr. Günther ged.2 201; gegen: was gewinnt man auf der erden? hoffnung, kummer und beschwerden. 236; was gewünn ich daran, wenn ich dich betrieg? Cholinus-Frisius (1541) 524a (was hette ich gwüns daran. Frisius 783a); vgl. auch Cholinus - Frisius 547a; Frisius 816a; Maaler 201d; cui bonus fuit, was hat man damit gewunnen? Schönsleder V 5c; Aler 1, 937b; quid ex eo consecutus es, was hast daran gwunnen. Cholinus-Frisius 206a; ebenso Luther (pred. v. 1529) 29, 490; wan ich lig' in der gruoben drinnen, was wirst an meinem bluot gewinnen? Paul Schede Melissus psalm 30, 6, s. 106 Jellinek; was glaubt sie damit zu gewinnen? mich zu verwirren? Lessing (freigeist 4, 6) 23, 102; was gewinnen wir dabei, wenn wir es noch soviel beweisen. Jerusalem philos. aufsätze 22 Beer; was gewönnen auch die kardinäle, wenn sie den papst einschränken wollten? G. Forster briefe über Italien (79) 2 (1790), 77; was habe ich am ende gewonnen? C. Brentano (fragm. aus Godwi) 5, 290; wenn ich das schlechte schlecht nenne, was ist da viel gewonnen? Göthe gespr. 5, 146; 'der sieg ist unser, glaubt mir das, herr kanzler!' 'und wenn auch! was ist noch damit gewonnen?' Grillparzer (Ottokar 3) 65, 80. II@3@a@b@1@c@bβ)) beim sogenannten 'indirecten fragesatz' gehört das pronomen ja eigentlich dem regierenden satze an und rückt dem verbum des nebensatzes erst in dem grade näher, in dem es ausdrucksmittel der satzverknüpfung wird: aus diesem allen sehen wir ... was die gewinnen, so Christum un seinen christen fluchen oder feind sind. Luther (v. d. Juden) 8, 92b Jena 1568; schätzung und taxirung ... was irgend sonst daran (an einer sache) kan gewonnen oder verlohren werden. Chomel 1, 460; das liebesbündnisz schöner seelen knüpft oft der erste augeblick: wenn andre, eh' sie freunde wählen, was sich dabei gewinnt erst emsig überzählen, vermählet jene schon ein wort, ein stiller blick. Wieland (Idris u. Zenide 2, 93) 17, 115; sich selbst müszen sie doch rechenschaft ablegen, was sie mit diesem schritt gewonnen haben. Herder (Glaukon u. Nicias) 15, 178; da musik erfunden war, war auch das lied, ohne zweifel auch der tanz da; lasset uns sehen, was die dichtkunst hiedurch gewonnen oder verlohren? (v. geist d. ebr. poesie 2) 12, 20; ähnl. (bedencke man, was das buch an gültigkeit ... gewann) 9, 256; (was das auge des künstlers gewann) 8, 25; manches, was wir ... kaum auszusprechen wagten, ist jetzt trivial geworden, und kaum weisz die welt, was sie gewonnen hat. Göthe (an Boisseree) 41, 210; anders: sie sehen nur das, was ich aufopfre, und nicht was ich gewinne. (an seine mutter 1781) br. 5, 179; du konntest uns nicht besser zeigen, was wir an deinem arm gewonnen haben. Hebbel Siegfrieds tod 2, 2. II@3@a@b@22)) auszerhalb der satzverknüpfung, für die verbindung etwas (später: was) gewinnen, sind functionsverschiebungen natürlich ausgeschlossen, wol aber wird der absolute gebrauch durch die bedeutungslosigkeit des objectes nahe gerückt: es ist da wol zuo gewünnen neben ist etwas da ze gewünnen. Maaler 180b; vgl. die verbindungen etwas über einen gewinnen und (es) über einen gewinnen sp. 5986; vgl. die ellipse des pronomens neben dem inf. mit zu (zu schaffen gewinnen sp. 6051; anders: etwas zeit. zeschreiben gewünnen Cholinus - Frisius 524a); vgl.dasz sie bank machen; ohne zweifel an orten, wo etwas zu gewinnen ist ... dasz ich sehr gern gewinne; sehr gern mein geld mit einem manne wage, der zu spielen weisz. Lessing (Minna v. Barnhelm 4, 2) 23, 231. wie hier, so ist auch sonst die beziehung auf das spiel dabei beobachtet: ich habe in die lotterie gelegt ... um andern gutes zu thun, wenn ich etwas gewönne. Gellert 3, 223 u. a. andere bedeutungsrichtungen treten zurück: pugnaveris, da wirstu was tapfferes mit gewinnen. Faber 660a; und wann sich (in den kriegszeiten) alles wohl und nach wunsch geendet hat, so findet man im auskehren dasz einer, zween ader drei mit dem schaden sonst vieler tausenden etwas gewonnen. Grimmelshausen wieder erstandener Simplic. 3 (1713), 115; auch der übertragene gebrauch ist wenig entwickelt: als gewönne sie etwas in unsern eigenen augen. J. G. Forster (an Jacobi 1791) briefw. 2, 65. überwiegend sprechen die zeugnisse für den geschäftsbegriff des erwerbs: die stacz muez imer auch etboz gebinen. deutsch-ital. sprachbuch 97b, 15 Brenner, vgl. 99, 14; ist etwas da ze gewünnen ... so wil ichs wagen. Maaler 180b; dein guot würdt dir zur bürde und beschwernus sein ... und wann du schon etwas gewinnest, so muostu sorg genuog auch darzuo haben. verdeutsch. d. trostbücher d. Petrarca 104; wie sie (die Juden) dann auszgeben, und von sich selb frei herausz bekennen, das keiner neben jhnen etwas gewinnen möge, er wölle dann ein grösserer harami, das ist, dieb, alsz sie sein ... Rauwolf raiszbeschreibung 35; ehender bittern hunger leiden als arbeiten und etwas gewinnen. türkischer vagant 137; keine gelegenheit hinschleichen lassen, darbei etwas zugewinnen. Grimmelshausen wieder erstandener Simplic. 3, 124; s'il y a à gaigner, so etwas daran zu gewinnen und zu hohlen ist. Duez (1664) 461b; an einer waar etwas gewinnen, gagner. Rondeau 2, Uu 3d; etwas an einer sache gewinnen, ex re aliqua lucrum facere. Steinbach 2, 1028; ebenso Hederich; ähnl. Adelung (was), Campe u. a.; die hitze macht die garben dünne, und lab und milch verdirbt der blitz, und weil ich nirgends was gewinne so strafft man meinen blinden witz. Joh. Chr. Günther ged.2 193; kriecht nur frei hinein! so werdet ihr gleich ein fettes huhn finden. wer was gewinnen will, musz sichs auch sauer darum werden lassen. Gottsched Reinecke fuchs (1, 17) 33 Bieling (wollt ihr gewinnen, seid geschäftig Göthe; dede wil hebben icht ghewin Reinke de vos). II@3@a@b@33)) das deutlichste beispiel für den übergang zum absoluten gebrauch infolge der functionsveränderung des pronomens ergiebt sich aber aus der verbindung von gewinnen mit dem negierten indefinitum, aus nicht gewinnen: ist der nicht ganz von sinnen, der andern spaaren wil, und nicht fr sich gewinnen. Rachel satyr. ged. 44 Drescher; wohl aber nehme ich an, dasz die amtlichen entschlieszungen an ehrlichkeit und angemessenheit dadurch nicht gewinnen, dasz sie collegialisch gefaszt werden. Bismarck ged. u. erinn. 1, 13. die substantivische function, die in der schweizerischen dialektform nüt sich noch behauptet (blanditiis agitur nihil, man gwünt nüt mit flattieren. Frisius 65b; ich kundt mit gucken nüt gewinnen. Murner gäuchmatt 92 Uhl; vgl. schweiz. idiot. 4, 868 ff.), hat sich in der schriftsprache mit der neubildung nichts ein eigenes ausdrucksmittel geschaffen, das aber auch seinerseits wieder adverbialen functionen sich nähert: eine übersetzung ... die ohne dem Aristophanes etwas zu nehmen ... oder etwas zu leihen, wobei er nach ihrem urtheile nichts gewänne, so beschaffen wäre, dasz sie ... mit vergnügen gelesen werden könnte. Wieland (miscell. 6) 34, 236; die Werthern gewinnt nichts durch deine abwesenheit. ihre natur die du ausgetrieben oder in die enge getrieben hattest, kehrt in ihre alten rechte zurück. Göthe (an Knebel 1782) br. 5, 257. für die bedeutungsrichtung von gewinnen ist in der ganzen gruppe eine ungewöhnliche bevorzugung des begriffs erstreiten, erobern zu beobachten, der mit den verschiedenen formen der übertragung dem geschäftsbegriff des erwerbs die herrschaft streitig macht. II@3@a@b@3@aa)) gewinnen, erwerben: ich gewunn nichz daran in deuczen landen. deutsch-ital. sprachbuch 94b, 21 Brenner: wen ich hundert gulden hab und damit gewerben soll, mag mir hundertherlei far begegen, das ich nichts gewinne, ja noch viermall szo viel vorlire dartzu. Luther (groszer sermon v. d. wucher) 6, 53; ähnl. glosse zu sprüche Salom. 14, 4; was wil das gros guot helffen mich, wo nichts darzuo kan gewinnen ich! Jörg Wickram (irr reitend bilger 4, 170 Bolte; oder sind schiessen jubeljar so sind jr warlich vil im jar auch bei denen, die römisch sind, davon der bapst doch nichts gewinnt. Fischart glückh. schiff, Baesecke s. 49; du gewünst nichts, versuram facis Maaler 180b; er wird damit nichts gewinnen, ausrichten, profittera niente con ciò. Rädlein 1, 383b; ich hab nichts dabei gewunnen, nihil commodi aut lucri cepi. Aler 1, 937b; ihr werdet nichts dabei gewinnen, vous ny gagnerez rien. Schwan 1, 746a; man gewinnet nichts an dieser wâre, on ne profite rien. ebenda; die zeiten sind so schlecht, es ist nichts mehr zu gewinnen. Adelung 2, 664; ebenso Campe. II@3@a@b@3@bb)) gewinnen, erstreiten: II@3@a@b@3@b@aα)) (winter) o sommer, du solst mir nichts gewinnen, ein frischen schne wil ich dir bringen. sommer u. winter bei Uhland volkslieder 24; der sturmm wert lang. und als er sahe das er nichts gewinnen mocht ... do ward er traurig. Pontus u. Sidonia (1498) K 7a; wollt' ich auch schel dir sehn, und hindern ihre vertilgung, so gewönn' ich ja doch wohl nichts, da der stärkere du bist. Bürger (Ilias 4, 56) 213a Bohtz; wir beneiden uns nichts (Deutschland u. Ruszland) und haben nichts von einander zu gewinnen, was wir brauchen könnten. Bismarck ged. u. erinn. 2, 107; wenn ich ... nichts von heute abend mir zur ausbeute gewänne als den selbstsüchtigen wunsch. Immermann (Münchhausen 1, 9) 1, 101 Hempel. II@3@a@b@3@b@bβ)) von Lönen der sophisten viel mit jrer kunst verloren versamlet er zu diesem spiel, der geist sie macht zu thoren sie kundten nichts gewinnen. Luther (ein lied v. d. zween merterern Christi zu Brüssel) 8, 407b Jena; ganz ähnl. (das doch D. Carlstadt damit nichts gewönne) 3, 68b; in ainem schalck und lasterpalck ist nichts z gwinnen doch. Hans Sachs fabeln u. schwänke 4, 202; botz lausz jhr flOeh, fliecht all von hinnen an weibern werd jr nichts gewinnen. Fischart flöhhaz (v. 894) 27 neudr.; sie strebt mit aller macht von hinnen, es kan kein bitten nichts gewinnen. Picander ernst-schertzh. u. sat. ged. 2, 418; ueberhaupt ist mit Luthers ansehen bei der ganzen streitigkeit nichts zu gewinnen. Lessing (in der Voss. zeit. 1755) 73, 49; so weit die sonne leuchtet ist die hofnung auch, nur von dem tod gewinnt sich nichts! bedenk es wohl. Schiller (braut v. Messina 4, 8) 14, 120; ich mag es (die geige) streicheln, schüttern, schlagen, nichts gewinn' ich als ein mürrisches gekreisch. Uhland (das ständchen) 1, 196. II@3@a@b@3@b@gγ)) es wird aber in dem freisingen nit gemerckt, und kan man also, ausser den ruhm, sonst nichts gewinnen, man mache es auch so gut als man immer wolle. Joh. Chr. Wagenseil (v. d. meister singer holds.-kunst) de civit. Norib. 543; ein weiser schätzt kein spiel, wo nur der fall regieret, und klugheit nichts gewinnt, und dummheit nichts verlieret, Lessing (ged. über d. menschl. glückseligkeit) 13, 239. II@3@a@b@3@cc)) übertragungen: wann man lang von den elementen der welt zanckt, und von eüsserlichen ordnungen redt, so gewinnt man doch nichts daran, und kan nichts endtlichs noch bestendigs beschliessen. S. Frank chronica (1543) 2, 160a; mit widerlegen, bedingen, begrimmen, bemüht und brüstet mancher sich, ich kann daraus nichts weiter gewinnen, als dasz er anders denkt wie ich. Göthe (zahme xenien 6) 4, 382; Cécile starrte darauf hin, als ob sie den tiefsinn dieser zeichen erraten wolle, gewann aber nichts, als dasz sich der mattigkeitsausdruck ihrer züge nur noch steigerte. Fontane Cécile 1; und was soll ich nun in meiner jetzigen lage mit den stücken dieser jungen leute? für mich selbst gewinne ich nichts. Göthe (zu Eckermann) gespr. 5, 269; es gibt menschen, die auf die mängel ihrer freunde sinnen; dabei ist nichts zu gewinnen. ich habe immer auf die verdienste meiner widersacher acht gehabt und davon vortheil gezogen. maximen u. reflexionen nr. 882 (schriften d. Göthegesellschaft 21, 191); es war aber durch nachdenken nichts zu gewinnen. Eckermann gespräche mit Göthe 1, 254; er ist überzeugt, dasz aus dem aufschlusse der irdischen welt für uns nichts zu gewinnen sei. Varnhagen denkw. 22, 27; zwar könnte es scheinen, als ob durch die letztere operation die moralität selbst nichts gewönne. Schiller (über d. moral. nutzen öffentl. sitten) 10, 417. II@3@a@gγ) die verbindungen mit dem demonstrativ- und personalpronomen. II@3@a@g@11)) das demonstrativpronomen hat den übergang zur satzpartikel durch die abgrenzung der form dasz gegen das gekennzeichnet. aus den verbindungen mit gewinnen lassen sich hieher ziehen. darmit würstu gewinnen fein, dasz keiner mehr dein gast will sein. Scheidt Friedrich Dedekins grobianus 121 Milchsack; die chaussee künstlich hier und dort ein wenig steigen und fallen zu lassen ... man gewönne, dasz die strasze wegen besserm abflusz des regenwassers immer trocken wäre. Göthe (zu Eckermann) gespräche 7, 45; ähnl. briefe 17, 6. gegen: das ir nicht thut verzeren mer, dan das ir bede khunt gewinen. P. Probst fastnachtsp. 62 Kreisler; mein armen vatter und den frummen, der das mit harter pein hat gewunnen, das ich on witz und all vernunfft ... kaufft der schelmen zunfft. Murner schelmenzunft 64 Matthias. in der ausgesprochen demonstrativen (unverschobenen) function ist das pronomen an einer wendung betheiligt, die vorübergehend beliebtheit und formelhafte prägung erreichte: schrien zu Jupiter widerumb schick uns ein künig der do leb ... Jupiter jn ein storchen schickt der hat sie nachmals gar verschlickt das haben sie dran gewunnen. Wolfgang Schmeltzl Samuel und Saul (Wiener) neudr. s. 15; und müssen etliche daran sterben, das gewinnen sie dran. E. Alberus ehebüchlein F 4a; auff das keiser Otho mit gemeinem raht die abtei Pfäfers Entzelino ubergab. das gewan Cralochus an seinem neid, und Rapertus mit seinem geilen. Stumpf Schweiz. chron. (4, 38) 324b. II@3@a@g@22)) das personalpronomen kennzeichnet neben gewinnen nur selten ein bestimmtes, aus dem satzgefüge zu erschlieszendes object: zm andren schaft er, wo ein gsell verspile pei einem wirt, es sei weng oder vile, vor aus wo es der wirt selb hat gewnen, sol er in nach miternacht nicht austreiben. Hans Sachs fabeln u. schwänke 3, 234; ganz ebenso (der verlorene sohn act 3) 11, 228 Keller; dasz sie es gar wol unnd mit gutem gewissen behalten dörffte, dann ob schon sie es schendtlich gewunnen, so hab sie es doch nicht schändtlich, sonder redlich angenommen. A. Albertinus landtstörtzer Gusman (2) 19; durch sie ward mir das rätselvolle vliesz, sie führte mich in jene schauerhöhle, wo ich's gewann, dem drachen abgewann. Grillparzer (Medea 1) 55, 149; prost neujahr! ich hab es gewonnen! ... ich sagt es zuerst. C. Brentano (die lustige musik 7) 7, 250. meist fehlt jedoch ein bestimmter hinweis; das pronomen nimmt allgemein die situation, meist eines kampfes oder wettspiels, auf: am afftermontag nach sant Michels tag ist mit bichsen und arenprosten ain schiessen hie gewesen ... mit dem arenprost gewann es Bartholome Rem und mit der bichs graff Haug von Monfort. C. Sender (d. städtechron. 23) s. 121 u. a. im allgemeinen läszt sich bei neueren wendungen nicht mehr feststellen, wie weit das pronomen ursprünglich ist, wie weit es als nachträgliche erweiterung in die formen absoluten gebrauches sich eingedrängt hat (vgl.l'emporter). neuerdings sind hieran nur noch wendungen betheiligt, die aus der beziehung auf kampf und sieg entspringen, dagegen vgl.: er gewan es do erst noch unwerder under in allen, denne er es vormoles gehebet hette. Nicol. v. Basel 83 K. Schmidt. II@3@a@g@2@aa)) schabt dasz papir, mördelet dasz pergamen, gewan es zu fusz, schosz nach der geisen oder den geissennesteln. Fischart Gargantua 199 neudr.; mann braucht disz wort zum spiel, so einer sagt er habe es gewnnen, und stehet doch im zweiffel, das keiner weis welcher recht oder unrecht hat. Joh. Agricola 750 teutscher sprichwörter 37a; vicisti, so hast es gewunnen. Frisius dict. (1556) 1382b; nous avons gaigné, wir haben gewunnen, oder wir habens gewunnen, vicimus. Duez 461b; lasset uns spielen, oder lasset uns sehen, wer es under uns beiden gewint, uter nostrum vicerit. ebenda; der stärckst gewints, le plus fort l'emporte, fortior vincit. 199a; ich habs gewunnen, vici, superior discedo. Schönsleder V 5c; ebenso Aler 1, 937b; es mags gewinnen wer da kan. Matthiae 1, 947a; (alles volk:) laszt sehen, wer recht hat, wer siegt oder fällt! (ein weib:) woll's gott, der gute junge ritter! die arme gefangene gräfin! woll's gott, dasz es Karl gewinnt! maler Müller (Golo u. Genoveva 4, 8) 3, 271; rache und gewissen rangen hartnäckig und zweifelhaft, aber die rache gewanns, und der jäger lag todt am boden. Schiller (verbrecher aus verlorener ehre) 4, 71. II@3@a@g@2@bb)) die wendung gehört im besondern der volksthümlichen sprache des südens, vor allem der bairisch-österreichischen mundart an: jetzt haben wir's gewonnen, sagt der Memminger (Memmingen ist nicht mehr fern). Wander 1, 1660; iətz isús oder habməʿs scho~ gwungə~, das gefährlichste ist überstanden. Schmeller 22, 930; hàlbs hàstú ás schõn gúwungá! wohl fuxt di' dös g'spîl, do' — dẽin haut is 'schon dick wor'n, du gúprst nimmər vîl; oberösterreichisches lied, s. die deutschen mundarten 3, 183a; gefragt hab' ich mich, ob ich so stark gewesen wär', dasz, wenn der bursch seinen willen gegen den meinen gesetzt hätte, er's nit hätt' gewinnen mögen. Anzengruber (dorfgänge 1) 33, 76. vgl. auch: mit mir han ihr's gewunne. Martin u. Lienhart 2, 831b. II@3@bb) beim absoluten gebrauch lassen sich die neuerungen des jüngeren stils am deutlichsten überblicken. schon die beziehung auf kampf und streit, die in der älteren sprache diesen gebrauch so ziemlich gedeckt hatte, erweitert ihn durch die mannigfaltigen formen ihrer weit verzweigten gliederung: neben krieg, wettkampf und rechtsstreit der meinungsstreit und die polemik und manche formen der übertragung, während das spiel sich immer ausschlieszlicher dem glücksspiel zuwendet. ein ganz neues gebiet aber erschlieszt der begriff des erwerbs, der zum groszen theil auf den oben unter α) gekennzeichneten linien dem absoluten gebrauch wendungen zuführt. an dieser fülle neuer wendungen nehmen die einzelnen gebrauchsformen des verbums, die sich zuerst als träger des absoluten gebrauches erwiesen hatten (vgl. sp. 5939. 5956), nicht gleichen antheil. während die verbindung gewinnen und verlieren fast an allen möglichkeiten betheiligt ist, und auch die participialformen (s. gewinnend und gewonnen) eine reiche entwicklung zeigen, ist der absolute gebrauch beim infinitiv sehr eingeschränkt geblieben: wir wöllen thun als die weiszen, die nitt gewinnen können, und wöllen auch nicht verlihren. E. v. Nassau Huge Scheppel 11r; die weil er gwindt, so hat er freud, nach dem verlust volgt alles leid. J. Wickram (treue Eckart 10) 5, 98; hier ists verlust, dort heists gewinnen. J. C. Günther ged.2 100; wer gewint verlOert, wer find, der gewinnt. Fischart Gargantua 260 neudr.; gewinnen und verlieren Kirchhof wendunmuth 2, 408 (s. sp. 6064); der eine gewinnt, der ander verleuret, sagt man. G. Wesenigk böse spiel-sieben 85; dazu vgl. die zahlreichen belege, die gerade die beziehung auf das spiel (s. sp. 6065) hier bietet; so ist nichts langweiliger in der welt, als berichte von ewigen, unbedeutenden scharmützeln, wo keiner gewinnt und keiner verliert. Herder (über Schlegels übers. v. Batteux) 5, 283; und hier möchte ich wohl einmal fragen: ob wir bei diesem tausch gewonnen oder verlohren haben? Möser patr. phant. 4, 32; viel kann verlieren wer gewinnt. A. W. Schlegel (Arion) 1, 204 Böcking; lasz nicht herrschen die begier, die nimmersatte! mancher glaubte zu gewinnen, und verlor. Fr. Rückert (erzähl. 1. heimath) 3, 74; aber Juliane gewinnt dabei — — (Lisidor:) und Henriette? (Adrast:) verlieret dabei nichts. Lessing (der freigeist 1, 3) 23, 59; jedes seiner schönsten stücke ist individuell und verliert bei dieser classification aus andern zeiten und völkern eher, als dasz es dadurch gewönne. Herder (briefe d. stud. d. theol.) 10, 15; wer beim lächeln gewinnt, und beim lachen nicht verliert ... Lavater handbibliothek f. freunde 1, 235; da fing auch das dunkle an zu leuchten ... das eine verlor, das andere gewann. W. Raabe leute aus dem walde5 s. 125; er (der triumph der empfindsamkeit) soll nun producibler geworden sein und eh gewonnen als verlohren haben. Göthe (an frau v. Stein 1786) br. 7, 229. zu den spärlichen belegen für den infinitiv vgl.: es sol auch ein lied, das ist ein text, in einem thon, in einem jahr, nur einmal begabet werden, wo es zum gewinnen glat gesungen wird. Adam Puschman gründl. bericht des deutschen meistergesangs 32 neudr.; glaubt, völker dieser erde — der glaube macht euch frei — ... so geht auch all' gewinnen hervor aus euch allein: nur wer da frei von innen, wird's auch nach auszen sein. Reithard gesch. u. sagen aus der Schweiz 96; was bringt in schulden? harren und dulden! was macht gewinnen? nicht lange besinnen! was bringt zu ehren? sich wehren! Göthe (west-östl. divan: buch der betrachtungen) 5, 67; du vaterlandsretter, städtegründer, grosz im gewinnen, gröszer im bewahren. Strachwitz (auf Heinrich d. Finkler) ged.8 295; ein anderer, der eine weile vom gewinnen ausruhte, zielte mit goldstücken nach den mustern des fuszteppichs, und vergasz, sich nach den rollenden zechinen wieder zu bücken. Paul Heyse (ital. nov. 1) Andrea Delfin. II@3@b@aα) der absolute gebrauch in der beziehung auf kampf und streit. II@3@b@a@11)) gewinnen, im kriege siegen: und das ercz, das in der czeit aufgehaben wirt, das sol man legen czu einem gemeinen manne, das, wen der krig ende hat, das mans denne gebe dem teile, das gewunnen und gesigt hatt. (victrici parti datur) Iglauer jus reg. mont. 99 Zycha; wunderlich todtet er, wunderlich redt und trostet er, wunderlich hilfft er gewinnen und siegen. Luther (die epistel des proph. Jesaia) 19, 158; die Ungern kamen darnach uber die Ens und andere wasser, meinten sie hetten gantz gewunnen, streifften und ritten hin und her, forchten niemandt. A. Hondorff historien- u. exempelbuch (1580) 461a; denn sie auff beiden seiten mit schlagen also ermüdet, das sie zugleich ausz dem felde ziehen musten, und kein theil gewinnen kunte. Bünting Braunschweig. chronik 393; dass Colchus neue ränck und Pontus list ersinne; bald, dass der stoltze Franck in Griechenland gewinne; dass Taurus nicht mehr treu. Andr. Gryphius (Leo 1, 4) trauersp. 33 Palm; so haben eine zeit die Denen, die ander zeit die Rhugianer und widderum so einer umb den andern gewunnen. Kantzow chronik v. Pommern 1, 101 Gaebel; mit dem schwert gewinnen, devincere, ferrô potiri. Stieler 2544; ebenso Dentzler 608b; Frisch nouv. dict. de passagers 2, 279; es hat keiner gewonnen, aequo Marte discesserunt. Stieler 2543; jeder meint, er habe gewonnen. ebenda; wir haben gewonnen, we carried the day. teutsch-engl. lex. 2 (1716), 773; zú Abmsperg hàt də' Napoleon gwungə~. Schmeller 22, 930; mag er morgen früh dreinschlagen und gewinnen nach herzenslust, was ist damit jetzo für uns gewonnen, wenn wir ihm zufallen. W. Raabe unsers herrgotts canzlei 1, 178; am ende hätten wir 1870 nicht gewonnen, wenn wir blosz mathematiker oder petrefakten-Auguste oder so was gehabt hätten! G. v. Ompteda der zeremonienmeister6 49. II@3@b@a@22)) im einzelkampf obsiegen: II@3@b@a@2@aa)) die welt spricht: der stärckere gewinnt. Heinr. Müller geistl. erquickstunden 339; du weist, wie starck die feinde sind, drum stärcke, bis mein kampf gewinnt. Joh. Chr. Günther ged.2 9; du muszt steigen oder sinken, du muszt herrschen und gewinnen. Göthe (koptisches lied) 1, 144. II@3@b@a@2@bb)) wie wir lesen inn actis, wie S. Paulus mit dem teuffel kempfet und ritterlich facht und allenthalben gewan. Luther (die epistel des proph. Jesaia 1526) 19, 159 Weimar; darumb, wann ich ja kämpfen sol, so gib, dasz ich gewinne. Paul Gerhardt (barmh. vater) s. Fischer u. Tümpel 3, 392; veni, vidi, sed Christus vicit: ich bin kommen, hab vernommen, aber Christus hat gewunnen. Abr. a S. Clara auf, auf ihr christen 59 Sauer; er kömmt, zum kampfe bereit, und hat die pfeile geschärfet, und schon die blutige sehne gespannt ... wann itzt der feurige lenz ihm hilft im streite gewinnen, der allzeit seine triumphe gemehrt. Uz 19 Sauer. II@3@b@a@33)) im wettkampf den preis davon tragen: hofgeselle, du bist ein ruter genant, ik scholde di wol junkher heten, lange hêr ein pant. ik wil mit di vechten in dessen dagen; gewinnestu, so werstu nu to ritter geslagen. Lübecker totentanz 1282 Baethcke; ein blat stecket man (bei den ritterspielen) inn den wahl, darinne ist ein schwartzer zirckel, wer in das blat scheuszt, hat getroffen, aber darumb nicht gewunnen, wer aber inn das schwartze scheuszt, dem kan es nit wol fehlen, er gewinnet ... Agricola sprichw. 2, 43a; praemior, gewünnen Cholinus-Frisius 685a; ebenso Frisius 1042a; praemior, ich gewinne Dasypodius Dd 5d; palma in medio posita est, es stehet einem jeden frei zu gewinnen. Faber 581b; ähnlich Dentzler 541a; im wettlaufen gewinnen, cursu aliquem superare. Stieler 2543; so sollen die, so noch nicht gewonnen, ferner umb die gaben gleichen. A. Puschmann 31 neudr.; 'ich wet, es hab der narr in die hosen geschiessen.' Clas lacht und sprach: 'nit harr! wet, Fricz, du wirst gewinnen; du gwinst warlich, wet, Fricz!' Hans Sachs fabeln u. schwänke 4, 9; die strahlende sonn und der stürmische wind haben auf ein zeit miteinander gewett ... welcher diesem seinen mantel samt den kleidern werde abziehen, der solle victorisiret und gewonnen haben. Abr. a S. Clara heilsames gemisch gemasch 11; gewinnt er morgen, ist mir der tod nicht schrecklicher als er. Schiller (Turandot 3, 2) 13, 408; in der wette, beim wetten gewinnen. Campe 2, 364b; wer's verrotet het gewunne. Martin u. Lienhart 2, 831b. II@3@b@a@44)) im rechtsstreit obsiegen: des hietten wier unrecht, und si recht behabt und gebungen, und wier unrecht und verloren. urk. v. 1464, s. monum. Boica 21, 543; mit dem rAecht und urteil gewünnen, auferre iudicio. Maaler 180b; er halff beiden partheien, die wider einander waren, gewinnen und verlieren. Kirchhof wendunmuth (3, 133) 2, 408 (s. o.); und wenn ich den nicht gewinnen mag, so ist doch kein besserer rath, als einen guten vertrag zu schlieszen. Gottsched Reineke fuchs (1, 15) 29 Bieling (wan ich dan nicht beth enmach Reinke de vos v. 1351, anders Göthe); spottend sagte der wolf und der bär: du magst es versuchen, aber die schlange gewinnt, sie wird's nicht besser begehren. Göthe (Reineke fuchs 9) 40, 157; ich weisz gewisz so zimmlich, was sein procesz schon gekostet hat: soll das all vor das fenster geworfen sein? noch vier luidore, und wir haben gewonnen. Mohrenfels ... ein schauspiel (1794) s. 17; habt ihr mein edler graf, in eurem amte schon einen dieb, schon einen ehebrecher befunden im verhör, der nicht geläugnet? wer mit dem läugnen zu gewinnen denkt, ist thöricht, wenn er nicht die zunge braucht. Ludw. Tieck (leben u. tod der hl. Genoveva) 2, 206. II@3@b@a@55)) im wortstreit, in der polemik obsiegen: wie die Pharisei Christum, einen auffgeworffen und gedacht 'gewinnet der, szo haben wir alle gewonnen, wirt er uberwunden, so ist er allein verloren'. Luther (v. d. papstthum zu Rom) 6, 285; und wiewol sie offt angefochten worden, gewonnen sie doch. glosse zu 1 Mos. 49, 22; ähnlich (pred. üb. 1 Mos. 25) 24, 434 Weimar; liessen sie sich duncken, sie hetten gewonnen. (über 'das ist mein leib') 23, 245 (244 hetten 's gewonnen); schreien feindlich, sie habenn gewonnen (auf .. Emsers antwort) 7, 638; wann es mitt dem altten glauben auszgericht wer, so heten die Juden gewunnen, dann sie honnd den altten glauwben. Sebastian Lotzer (christlicher sendbrief) Goetze s. 38; das erneuerte versprechen ihres vaters berechtigte mich, sie ganz und gar zu übergehen. ich habe gewonnen, sobald Chrysander Julianen zu zwingen aufhört. Lessing (d. junge gelehrte 3, 6) 13, 348; ihr lüstet, und habt nicht: neidet, haszet, und erlanget nicht: streitet, kämpfet, und gewinnet nicht, weil ihr nicht bittet. Herder (briefe zweener brüder Jesu) 7, 498. II@3@b@a@66)) schon in den eben belegten übertragungen springt die formel gewonnen haben ins auge (vgl. auch unter den belegen für das personalpronomen: es gewonnen haben). sie erfreut sich auch in allgemeinerer wendung besonderer beliebtheit: (Joseph:) nun haben wir gewonnen liebste Maria, das ist Bethlehem. Hübner Christcomoedia (1. 6) s. 10 Brachmann; (Polyl.:) ich dencke nun, die andern netze stellten, die werden selbst das garn um ihre füsse drehn, und wir mit unsrer list uns selbst gefangen sehn. (Chrys.:) verwirff die eitle furcht, wir haben schon gewonnen. J. C. Günther (Theodos. 5, 1) ged.2 1033; ich habe den sieg über mich erhalten sie nicht zu sehen, und nun dacht ich gewonnen zu haben, aber ich bin elender als vorher. Göthe (an Behrisch) briefe 1, 157; Franziskus sah wohl ein, dasz der gift alle wirkung getan hatte und, da die portion nicht grosz war, meine starke natur nicht hatte überwältigen können. daher sagte er eines tages: Benvenuto, danke gott, du hast gewonnen! zweifle nicht, ich werde dich zum verdrusse der schelmen, welche dir zu schaden gedachten, durchbringen. (Benvenuto Cellini 4, 10) 35, 287; fasse muth meine theuerste! — du hast gewonnen. als sieger komm ich aus dem gefährlichsten kampf zurück. Schiller (kab. u. liebe 2, 5) 3, 411; nun haben wir gewonnen, figürlich, nun haben wir das schwerste überstanden. Adelung 2, 664; ähnlich Campe 2, 364a. II@3@b@bβ) für den erfolg im spiel II@3@b@b@11)) liegt die zusammenstellung von gewinnen mit verlieren u. a. vor allem nahe und ist auch besonders bevorzugt: II@3@b@b@1@aa)) auch so er mit dem bal spilet oder ander spil und kurtzweil treib. so was er geleich als frölich so er verlosz als so er gewan. Pontus u. Sidonia b 2a; würffel oder kartenspiel ... pflegen sie auch mit grossem ernst zuo treiben und zuo spielen, und haben darzuo ein solche frevelheit, beide, zuo gewinnen und zuo verlieren, das sie auch ... zuo letzt umb jre freiheit und umb jre leib spielen (tanta lucrandi perdendive temeritate). Micyllus übers. des Tacitus 445a; spilt pis af miternacht hinein, verlor oft und selten gewon. Hans Sachs fabeln u. schwänke 2, 188; es mus gewagt sein, wagen gwint, verleurt auch manigsmal geschwint. Hayneccius Hans Pfriem 57 neudr.; bei den abgefertigten spielern, sie haben gleich gewonnen oder verloren. Grimmelshausen Simplic. 154 Kögel; jedes neue verhältnisz ist, wie ein spiel. man weisz nicht, ob man gewinnt, oder verliert, aber man musz den einsatz wagen, denn sonst kann man überhaupt nicht spielen. Fr. Hebbel tagebücher 2, 374 Werner. II@3@b@b@1@bb)) dass ich dick verspielet hab, das ich nicht gewunnen hon, es sei mit würffeln, fünfftzehen, zehen oder mit dreien. Schossmann predigt 13; ich kenne den staat von Neapolis wohl, man musz hazardiren. aber es heist, wie bei dem charten-spiel, wagen gewint, wagen verspielt. Chr. Weise Masaniello (1, 8) 17 Petsch; uber disz, warumb habt ihr lust zu gewinnen? wisset ihr nicht, dasz, wann einer gewinnet, ein ander nothwendig verspielen musz? die 3 ärgsten erznarren 35 neudr.; an diesen nAerrischen leuten sahe man ein blaues wunder, weil sie alle zu gewinnen vermeineten ... etliche gewannen, etliche verspielten. Grimmelshausen Simplic. 151 Kögel; vor der ankunft des prinzen war der Spanier unaufhörlich im verluste gewesen, jetzt gewann er auf alle karten. Schiller (geisterseher) 4, 202. II@3@b@b@22)) zu den einschlägigen wendungen auszerhalb dieser formel vgl.: dem der da gewinnet, kompt das versehen eines andern zuo guot. es seind etliche spiel also gethan, das es auff einem versehen steht. Agricola 750 teutsch. sprichw. (1537) 61b; ir werdet michs wol wissen lassen, wenn ich gewinnen sol. so spotten sich selbs, so nichts gewinnen. sprichw. 2, 29a (1529); das gleiche bei G. Wesenigk böse spielsieben 66; die sorg vertrincken, im spiel gewinnen bisz fasz, boden und kasten rinnen. Rollenhagen froschmeuseler 1, 116 Goedeke; gewinnen im spiel, ludo vincere. Aler 1, 937b; im spiel gewinnen, gagner au jeu. Rondeau 2, Uu 3d; im spiele gewinnen, to win at play. Hilpert 2, 1, 464c; nach der malzeit haben wir mit 3 würflen gespült ain spül, das man gansen haisset, und der gewünnet, der das beste gleich würfft. Philipp Hainhofer reisetagebuch, s. Balt. studien 2, 2, 49; die frau, fienge damals an wider zu gewinnen. Harsdörfer lust. und lehrr. gesch. (78) 285; spielest du und gewinnest, sonderlich durch betrug und falsche würffel. Grimmelshausen Simplic. 152; diesen (den spielteufeln) ergeben sich unterschiedliche leichtfertige gesellen durch gewisse pacten und bndnus, dasz er sie gewinnen lasse. 153; mein sohn, spiele nur fein lange, du wirst wohl einmahl gewinnen. Georg Wesenigk böse spiel-sieben 24; ähnlich s. 86. s. 11; hingegen empfiehlt er (Ovid) ... die dame mit guter art (im latrunkelnspiele) gewinnen zu lassen. Wieland (üb. d. ält. zeitkürzungsspiele) 24, 136; vorgestern abend bei Albrechts, wo whist gespielt wurde. diszmal aber gewann ich. Schiller br. 1, 323; die hälfte, welche gewonnen, fordert im nächsten spiele. F. L. Jahn 2, 1, 98; man fieng an, hazardspiele zu spielen; er gewann. J. C. Brandes meine lebensgesch. 1, 204; fieng das spiel schnell an, liesz ihn eine weile gewinnen, verwirrte ihn dann wieder ... Pestalozzi (Lienhard u. Gertrud 4, 2) 43, 13; die teufel mögen spielen oder nicht spielen, so könnten sie doch niemals vergnügt sein. sie mögen gewinnen, oder nicht gewinnen. Tieck don Quichote 2, 598; es ergieng ihm wie so vielen andern, die an der dortigen bank (Lauchstädt) zu gewinnen hofften. A. Jäger Schnabels universitätsjahre 53. jünger, aber mehr verbreitet, als aus der dürftigkeit der belege zu erschlieszen, ist hier die verschiebung des subjects: ihre karte hat gewonnen, your card has won. Hilpert 2, 1, 464c. II@3@b@gγ) die ausdehnung des absoluten gebrauches auf gewinnen im sinne von erwerben. II@3@b@g@11)) ungewöhnlich reich ist hier schon der engste geschäftsbegriff des erwerbs vertreten, für den Luther in der bibelübersetzung die ersten belege absoluten gebrauches bot (s. sp. 5968.): es mögen die genannten Juden und Judinnen gewinnen, erwerben nach ihrer gewohnheit. schutzbrief herzog Wilhelms v. Sachsen v. 1430 (Leipz. tagebl. 21. sept. 1893); da füegt sich des jars, dasz das meer, das man den see nent, gantz überfror, also dasz man kein hering fieng und dasz er gewan. die reben in Franken gantz erfruren, und da er gut reinwein bracht, die vor in dem sumer auf dem meere warent dahin gefüert, gewan er auch. Sigm. Meisterlin, s. d. städtechron. 3, 48; thetn weiszgAerber noch gewinnen an heütn wie biszher mit sinnen. G. Rösch v. Geroldshausen wunschsprüch 283; ausz den landsknechten wirt ein arbetlosz volck, das nicht hilfft gewinnen, allein aber vertzeren, was ire altfordern gewunnen haben. Eberlin v. Günzburg 3, 151 Enders; so sollen wir die geschickligkeit, zu werben und gewinnen nicht verkeuffen, denn es ist ungewis. Luther tischreden (von hendeln u. wucher) 88a Aurifaber; vgl. auch (v. kaufshandl.) 15, 295 Weimar; lucror ... gwünnen. Cholinus-Frisius 524a; ebenso Frisius 783a; Garth-König 430a (lucrum facere); Dasypodius S 8c (ich gewinn, hab ein geniesz, ubernutz); ebenso Serranus O 3b; vgl. auch: demereo ... gwunnen, verdienen bei Cholinus-Frisius, Dasypodius und Reyher; vgl. auch Schönsleder V 5b; dasz er gewun an aller war und an keiner nit büszet ein. Hans Sachs fabeln u. schwänke 5, 9; der wirt war dieser antwort fro, gedacht, er het gewnen do. 3, 205; mit dem loter holtz ich mich nër. darnach ich gwin, darnach ich zer. Peter Probst 138 Kreisler; es wolt dann jemand sprechen, es wer die recht guldin zeit eben jetzund, und möchte schier gewinnen. Scheidt Dedekinds Grobianus 4 Milchsack; gelt macht die narren klug, erhebt zu ehrenständen, es redet ohne mund, gewinnt mit stillen händen. Rachel satir. ged. 49 Drescher; reich ist der mann fürwahr: sein handel und seine fabriken machen ihn täglich reicher; denn wo gewinnt nicht der kaufmann? Göthe (Herm. u. Doroth.: Terpsichore) 40, 253; sobald er in Paris durch seine arbeiten zu gewinnen anfing, liesz er seinen bruder Johann Gottlieb ... von Berlin dahin kommen. (Philipp Hackert) 37, 117; es wäre mir schon sehr unangenehm, wenn mein verleger bei mir nicht gewänne — wie viel weniger mein freund. Schiller briefe 1, 317; wenn alle geister und kräfte in aufruhr sind, um zu gewinnen und zu genieszen, ist ein wunder, dasz auch die arbeiter und die dienstboten, unruhig geworden, sich an die grosze tafel setzen wollen. Rosegger idyllen (dienstbotenleben). II@3@b@g@22)) die erweiterung des erwerbsbegriffes, die sich bei gewinnen aus der verbindung mit objecten aller art ergiebt (vgl. sp. 6018 ff.), spiegelt sich auch in den formen des absoluten gebrauches, die auf ellipse beruhen: nach der lichtmesse aber bisz das man gewinnet. taglöhnerordnung der rebleute zu Konstanz 1436, s. zeitschr. f. d. gesch. d. Oberrh. 10, 313 (vgl. sp. 6021). leichter ist die ellipse im folgenden zu ergänzen: wellen wür das fueszvolck bei uns behalten, so werden sie beuten und gewinnen nachziehen, soll man sie nun gewinnen lassen und die reuter nit. truchsesz v. Waldburg bei Baumann, quellen z. gesch. d. bauernkriegs 545; aber hundert hend musz ein keller unnd hauszknecht haben, wie Briareus, auff das er unauffhörlich unnd unermüdet zäpff, schöpff, gewinn, hol, trag, ketsch, biet, stell, gisz, schenck, füll. Fischart Gargantua (8) 152 Alsleben; sie (das kluge weib) schont der fäuste nicht, hilft ihren mann gewinnen, reitzt das gesinde zu, hilfft bakken, brauen, spinnen. Rachel satir. ged. 29 Drescher. im ganzen jedoch verdunkelt sich die beziehung auf bestimmte objecte; das verbum wird von allgemeinen begriffen erfaszt, wie sie das substantiv gewinn entwickelte: proficio ... beschiessen, fürderen, gwünnen. Cholinus-Frisius 702a; zuonemmen, fürderen, beschiessen, gewünnen. Frisius 1067a; was man den armen thuet, nichts daran verloren werde, sondern man nur daran gewinnet, wie solches an den zwölff körben ... Ferdinand II. von Tirol, speculum vitae humanae 25 neudr.; 'dasz ich gut kegel schiebe und verse mache, sind gleich herrliche talente!' sprach Boileau. gewinnt sein abgott, der ihm rente und ehre gab, dabei? Goeckingk (episteln 2, 9) 2, 100; hier modert Nitulus, jungfräulichen gesichts, der durch den tod gewann: er wurde staub aus nichts. Lessing (sinnged.: grabschrift des Nitulus) 13, 14; wer dabei gewann, waren die unterhändler, der pabst, die handelnden staaten in Italien, endlich insonderheit die geistlichen ritterorden. Herder (briefe über tempelherrn) 15, 115; dazu vgl. auch Göthe briefe 6, 327; so stimm' er dann in der verlierer sinn. denn nichts scheint denen trübe die gewinnen. Schlegel übers. v. Shakespeares Heinrich IV. th. 1 (far nothing can seem foul tho those that win); jede macht gewann bei dieser theilung des österreichischen raubes entweder land oder freiheit, neues eigenthum, oder sicherheit für das alte, und weil alle gewannen, so blieb das gleichgewicht unverletzt. Schiller (30 jähr. krieg, 1. buch) 8, 55. II@3@b@g@33)) in dieser allgemeineren bedeutung gliedert sich die weitere entwicklung von gewinnen in zwei hauptformen. der begriff profitieren wird durch weitere bestimmungen, vor allem präpositional verbindungen, wieder eingeengt und wandelt sich so zu der bedeutung fortschritte machen in einer sache: er kann nachher an reife, an kraft, an gelehrsamkeit und känntnisz sehr gewinnen, wie auch Winkelmann von jahr zu jahr unstreitig gewann. Herder (denkm. Winkelmanns) 8, 451. im gegensatz dazu büszt der unverengte begriff immer mehr die rückbeziehung auf das subject ein und arbeitet die wirkungen aus, die das subject auf andere ausübt, gewinnen nimmt die bedeutung an: einen vortheilhafteren eindruck machen: der könig von Holland bleibt sich immer gleich und doch gewinnt er immer mehr je mehr man ihn sieht und hört. Göthe (an Karl August) 21, 386. II@3@b@g@3@aa)) ich setze voraus, dasz ich bei diesem tausch in allem betracht gewönne. Lessing (an Karl Lessing 1771) 173, 407; schwerlich dürften wir ... in dem was wir eigentlich begehren, bei dem tausche gewinnen. Herder (briefe zur beförd. d. humanität) 17, 314; sie gewannen als ritter und priester. 15, 116; du für dein theil wirst bei dem tausch offenbar gewinnen. Schiller br. 2, 339; für den inhalt werden sie indesz dabei gewinnen. wenigstens habe ich gestern allerlei neuigkeiten eingesammelt. Wilh. v. Humboldt an Schiller Leitzmann s. 53; ich gewann sichtbarlich auf den schatten, ich kam ihm nach und nach näher, ich muszte ihn erreichen. Chamisso (Peter Schlemihl 6) 4, 288; eben durch den geschmack haben also die Griechen an vernunft und durch ihre leichte vernunft an geschmack gewonnen. Herder (üb. d. ursachen d. gesunk. geschmacks) 5, 609; man könnte vergleichen und urtheilen, das publicum gewönne an einsichten. Göthe (zu Eckermann) gespr. 5, 333 Biedermann. II@3@b@g@3@bb)) der dritte lebensbeschreiber Davids, den ich nennen wollte, ist Chandler, der durch seinen übersetzer und anmerker sicher gewonnen hat. Herder (brief d. stud. d. theol. betr.) 10, 92; die leutchen, muszt' er sich gestehn, gewännen näher angesehn. Wieland (an Olympia 1, 2) 9, 133; der erste eindruck thut wohl das schlimmste, und der mann gewinnt zumal in einiger entfernung. Grillparzer (ein treuer diener 3) 65, 209; man sagt von einer person, sie habe gewonnen, wenn sich ihre äuszere gestalt gebessert hat, so wie man im gegentheile sagt, sie habe verloren. Adelung 2, 665; ebenso Campe; (dieser mann gewinnt sehr, wenn man ihn näher kennt, that man gains a great deal on aequaintance. Hilpert 2, 1 s. 465a;) die schöne frau gewann nur noch in der nähe. ich sah erst, dasz kunst, lampenlicht und putz keinen teil an ihrer zauberei hatten. Paul Heyse neue novellen: der kreisrichter; uns wenigstens ist es ja auch so gegangen: die Schleswig-Holsteiner gewinnen bei näherer bekanntschaft. Bismarck (im preusz. landtag 3. 4. 1876) 6, 367 Kohl. II@3@b@g@3@cc)) gegen diese bedeutung von gewinnen heben sich zwei andere entwicklungsformen, die mit ihr manches gemein zu haben scheinen, doch deutlich ab. auf gewinnen, siegen weist: man spricht von müllerinnen und wie so schön sie sind; doch immer wird gewinnen dort hinten unser kind. Göthe (die glückl. gatten) 1, 128. die ellipse eines persönlichen objectes (vgl. gewinnen sp. 5888 ff. s. gewinnend) liegt dagegen dem folgenden zu grunde: das mädchenhafte erröten einer so hohen männlichen gestalt hatte seinen eignen reiz, und die verlegne bescheidenheit des ehrlichen gesichts, die nicht zu wissen schien, was er gethan, gewann. Otto Ludwig (zwischen himmel u. erde) 1, 376 Adolf Stern; sie reiszt nicht hin, sie gewinnt; sie packt nicht, sie rührt. Paul Lindau (Etelka Gerster) in der gegenwart 11 (1877), 194a. II@3@b@g@44)) die herausarbeitung äuszerer wirkungen, wie sie eben an gewinnen beobachtet wurde, ist wol gefördert und vorbereitet durch die ungemein zahlreiche gruppe von verbindungen mit unpersönlichen subjecten, bei denen nur ausnahmsweise an eine bereicherung oder an innere fortschritte des subjectes gedacht werden kann, vgl.: indessen die flamme freier nach der höhe zu gewinnen sucht. Göthe (ital. reise 1. Rom) 27, 255; das geschäft gewinnt dabei, wenn man die herren hübsch nöthigt, zu gleicher zeit oben zu arbeiten. Göthe (an Voigt 1805) br. 19, 32; ob dadurch der herrschaftliche dienst gewonnen hat, will ich nicht beurtheilen. Jacob Grimm (selbstbiogr.) kl. schr. 1, 15; eure seele gewinnt bei dieser busze. (Reineke fuchs 12) 40, 216; gegen: gewinnt nicht unser vergnügen schon, wenn wir es einem freunde erzählen. Adelung 2, 665; und dieser trost gewann an stärke, je länger er darüber nachsann. G. v. Ompteda d. zeremonienmeister6 109. II@3@b@g@4@aa)) und mit jedem athemzuge an schnelligkeit gewinnend, schosz er (der ballon) endlich pfeilschnell senkrecht in den morgenstrom des lichts empor. Stifter (studien 1: der condor. 2) 1, 19 Sauer; nach jeder communication mit ew. excellenz hat beiliegender aufsatz an gehalt und form gewonnen. Göthe (an Voigt) br. 19, 305; und sein buch dardurch um ein paar oktavseiten gewönne, die ihm der verleger mit baarem gelde bezahlt. Schiller (die räuber, ein schauspiel 1, 2) 2, 43; ein manuskript .., das ohne an volumen merklich gewonnen zu haben, eben diese aufsätze ... genieszbarer gemacht, lieferte. Göthe (an Frommann 1810) br. 21, 203; dadurch würde das stück zusammengehen, ohne dasz man ihm durch änderungen schadete, und es würde an kräftiger wirkung durchaus gewinnen, ohne im wesentlichen von seinem schönen etwas einzubüszen. (zu Eckermann) gespr. 5, 143; und deren schriften durch das lange liegen an geist gewannen; gleich dem weine der mit zunehmendem alter geistreicher wird. Bonaventura 2. nachtwache s. 12 Michel; der ausdruck gewinnt an deutlichkeit, je deutlicher man sich die sache denkt von der man spricht. Campe 2, 365a; wenn die menschen nur das sagen würden, was ihnen persönlich und eigenthümlich angehört, so ginge freilich die sogenannte unterhaltung verloren, aber das leben gewänne an fülle und echter mannigfaltigkeit. Berth. Auerbach tagebuch aus Wien (1849) 7; so dasz der häuserfleck sich ausbreitete und an ansehnlichkeit dermaszen gewann, dasz er sich fast mit Fruttnellen selber zu messen vermochte. Ernst Zahn herrgottsfäden (12)5 125. II@3@b@g@4@bb)) die achtung der künstler gewann an liebhaberischen höfen, so wie auch sieg und reichthum ihr mehr materialien schaffte. Herder (üb. d. ursachen d. gesunkenen geschmacks) 5, 620; vielmehr glaube ich, dasz sein buch bei unserer nation, deren vorzug ... gerechtere gleichmüthigkeit ist, gewinnen werde. (kl. schr.) 15, 181; weder durch ... Platonische, noch durch ... Aristotelische philosophie hat das christenthum gewonnen. (d. stud. d. theol.) 10, 365; bildnerei kann nicht durch das nebeneinander gewinnen, dasz eins dem andern aushelfe. (plastik) 8, 17; ebenso 8, 35. 413; einige dieser jugendschriften hat er bei reifern jahren umgearbeitet; und so wenig er sich seiner jugend zu schämen hatte, so sehr gewannen sie durch die verbeszernde hand des mannes. (Lessing) 15, 489; und hoffe, dasz das büchlein, wenn es eine weile liegt, wie die mispeln nur gewinnen wird. Göthe (an gräfin O'Donell) br. 24, 140; giebt man diesen einzigen satz zu: 'wahrheit müsze und könne untersucht werden: wahrheit gewinne jedesmal bei jeder neuen, freien und ernsten prüfung'. Herder (Lessing) 15, 505; ähnlich 5, 578; vgl. Lichtenberg (über physiogn.) 3, 411 (die wahrheit gewönne auch alsdann noch); Gerstenberg (durch das vermehrte lesen der würdigen wird die wahrheit gewinnen) 171 (litt. denkm. 128); ihr glaubt nicht, wie durch diese tracht farb' und contour gewannen! ihr busen glänzt, wie schnee bei nacht die taill' ist zum umspannen. Gotter (die trauer) ged. 1, 93; mein vater versicherte dagegen, es sei ihm gar nicht bange, dasz die neuen bilder künftig nicht auch schwarz werden sollten; dasz sie aber gerade dadurch gewönnen, wollte er nicht zugestehen. Göthe (dichtung u. wahrheit 1) 24, 40; von der nähe bis zur ferne, — alles ist mit gleicher sorgfalt behandelt und keine stelle dieser tafeln, die nicht durch's vergröszerungsglas gewönne. (aus einer reise am Rhein) 43, 422; ähnlich Wilh. v. Humboldt (an Schiller) Leitzmann s. 81; gewinnt der ausdruck, weil eine sprache an sich schöner ist? Herder (fragm. üb. d. neuere dtsch. litt.) 1, 406; das war in nichts ein hindernis, im gegenteil, es schien mir immer, als ob sein auftreten dadurch nur gewonnen hätte. Fontane von zwanzig bis dreiszig s. 376.
582895 Zeichen · 11146 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    gewinnenstv. I, 3.

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer) · +7 Parallelbelege

    ge-winnen stv. I, 3. BMZ durch arbeit, mühe, sieg wozu gelangen, etw. erwerben, gewinnen. — absol. gewinnen, siegen Iw. …

  2. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    gewinnenst. V.

    Köbler Mnd. Wörterbuch · +2 Parallelbelege

    gewinnen , st. V. nhd. gewinnen, durch Anstrengung oder Mühe etwas erlangen, durch Arbeit etwas erlangen, Geld verdienen…

  3. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Gewinnen

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Gewinnen , verb irreg. Imperf. ich gewann, Conjunct. ich gewänne; Mittelw. gewonnen; Imperat. gewinn. Es war, so wie das…

  4. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    gewinnen

    Goethe-Wörterbuch

    gewinnen Konj gewönn- u gewänn-; gelegentl subst, auch ‘das Gewonnene’, ‘der (die) Gewinnende(n)’ A intr bzw mit innerem…

  5. modern
    Dialekt
    gewinnentr. v.

    Lothringisches Wb. · +5 Parallelbelege

    gewinne n [-wïnnə n fast allg.; –wanən D. Si. — Ptc. gəwùn, gəwo] tr. v. gewinnen, erlangen, bekommen: wer's rôt (rät )…

  6. Sprichwörter
    Gewinnen

    Wander (Sprichwörter)

    Gewinnen 1. Allzeit gewinnen, macht verdächtig, allzeit verlieren, macht verächtlich. – Eiselein, 236; Simrock, 3597. 2.…

  7. Spezial
    gewinnen

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +1 Parallelbeleg

    ge|win|nen (gewann, gewonnen) vb.tr. 1 (siegen) davagné (-gna) 2 (beim Spiel) davagné (-gna) 3 (einen Profit erzielen) d…

Verweisungsnetz

5894 Knoten, 15865 Kanten

Tap auf Knoten öffnet Detail · Drag zum Umpositionieren · Scroll zum Zoomen

1-Hop 2-Hop
Filter:
Anchor 7 Hub 49 Wurzel 12 Kognat 9 Kompositum 5803 Sackgasse 14

Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit gewinnen

23 Bildungen · 0 Erstglied · 22 Zweitglied · 1 Ableitungen

Ableitung von gewinnen

ge- + winnen

gewinnen leitet sich vom Lemma winnen ab mit Präfix ge-.

Zerlegung von gewinnen 2 Komponenten

gewin+nen

gewinnen setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

gewinnen als Zweitglied (22 von 22)

abe gewinnen

MWB

abe gewinnen stV. ‘etw. erlangen’ (durch Bemühung) 1 ‘etw. durch Ablösen von etw. erlangen’ 2 ‘etw. von jmdm. erlangen’ 2.1 Besitz (einverne…

abgewinnen

DWB

abgewinnen , von einem gewinnen, gleichsam abe der hant, erlangen, consequi, impetrare. wie nun schon ahd. construiert wurde du habest iro a…

afgewinnen

KöblerMnd

afgewinnen , st. V. nhd. abgewinnen (im Spiel), erlangen, mit Gewalt abnötigen, im Kampf abnehmen Hw.: s. afwinnen; vgl. mhd. abegewinnen Q.…

ane gewinnen

MWB

ane gewinnen stV. 1 ‘jmdm. etw. abnehmen’ (bes. durch Kampf oder gerichtl. Entscheidung) - meist mit Dat.d.P. und Akk.d.S.2 ‘jmdm. etw. zufü…

ane gewinnen

Lexer

anegewin·nen

ane gewinnen BMZ mit dat. besiegen, durch sieg etw. ( acc. ) abgewinnen Nib. Parz. Mz. 1,412 ;

angewinnen

DWB

ange·winnen

angewinnen , potiri, lucrari, consequi, victoriam reportare, wie angesiegen mit dat. der person, acc. der sache, oft ohne letzteren, dann in…

aufgewinnen

DWB

auf·gewinnen

aufgewinnen , urgendo aperire, aufzwingen, der edlere ausdruck für das heutige aufkriegen: ich kann die schublade, die schachtel nicht aufge…

ausgewinnen

DWB

aus·gewinnen

ausgewinnen , für aufgewinnen: der adler fand ein schneckenhaus, das künd er nicht gewinnen aus. Waldis Esop 1, 10 .

eingewinnen

DWB

einge·winnen

eingewinnen , occupare, capere, einnehmen: sie uberredet in mit vielen worten und gewan in ein mit irem glatten munde. spr. Sal. 7, 21 ; auf…

liebgewinnen

DWB

lieb·gewinnen

liebgewinnen , verb. zusammenrückung von lieb gewinnen sp. 907: gerade diese leichtern arbeiten sind es, wodurch man Piron am ersten liebgew…

vüregewinnen

KöblerMhd

vüregewinnen , st. V. nhd. „fürgewinnen“, einen Vorsprung gewinnen Q.: Hadam (14. Jh.) E.: s. vüre (1), gewinnen W.: nhd. (ält.) fürgewinnen…

vürgewinnen

KöblerMhd

vürgewinnen , st. V. Vw.: s. vüregewinnen*

wi(e)dergewinnen

DWB

wieder·gewinnen

wi(e)dergewinnen , vb. , etwas verloren gegangenes zurückgewinnen; ahd. widargawinnan; mhd. widergewinnen; regenerare wydder gewynnen (15. j…

în gewinnen

MWB

în gewinnen stV. ‘in Besitz bringen, Gewalt über etw./jmdn. erlangen’, von Geld oder Abgaben ‘eintreiben’ 1 mit Akk.d.S. 1.1 von Besitztümer…

īngewinnen

Idiotikon

īngewinnen Band 16, Spalte 265 īngewinnen 16,265

ūfgewinnen

KöblerMhd

ūfgewinnen , st. V. nhd. überwinden Q.: Dür (um 1418/1419) E.: s. ūf, gewinnen W.: nhd. (ält.) aufgewinnen, st. V., aufzwingen, DW 1, 657 L.…

ūsgewinnen

Idiotikon

ūsgewinnen Band 16, Spalte 268 ūsgewinnen 16,268

ūzgewinnen

KöblerMhd

ūzgewinnen , st. V. nhd. „ausgewinnen“, befreien, erwerben, borgen, herausholen Q.: StrAmis (FB ūzgewinnen), LuM, Roth (3. Viertel 12. Jh.),…

Ableitungen von gewinnen (1 von 1)

Missgewinnen

Idiotikon

Missgewinnen Band 16, Spalte 256 Missgewinnen 16,256

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „gewinnen". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 17. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/gewinnen/dwb
MLA
Cotta, Marcel. „gewinnen". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/gewinnen/dwb. Abgerufen 17. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „gewinnen". lautwandel.de. Zugegriffen 17. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/gewinnen/dwb.
BibTeX
@misc{lautwandel_gewinnen_2026,
  author       = {Cotta, Marcel},
  title        = {„gewinnen"},
  year         = {2026},
  howpublished = {lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern},
  url          = {https://lautwandel.de/lemma/gewinnen/dwb},
  urldate      = {2026-05-17},
}