steinlein,
n. ,
demin. zu stein,
mhd. steinelîn, steinlîn Lexer 2, 1167;
nhd. nebenformen: steinelein Uhland
volksl. (1881) 1, 273 (
im vers); steinlin
alem. noch bis anfang d. 17.
jh.: erste dtsche bibel 5, 197, 53; Terenz
deutsch (1499) c 2
a; Pauli
schimpf und ernst 85
Öst.; Sebiz
feldb. (1579) 16; Henisch (1616) 367; Stumpf
Schweizerchron. (1606) 676
a. steinli Paracelsus
op. (1616) 2, 36
a; steinle Frisius 755
b; 1190
a; Wackernagel
dt. kirchenl. 3, 1206; O. Ludwig
ges. schr. 2, 228 (
mundartlich); stainl Abr. a
s. Clara
Judas 1, 46; J. Neubauer
Egerl. ma. 29
b; staindel (15.
jh.) Diefenbach 318
b. 11)
kleiner fels: saxulum ein steinlin, felszlin Calepinus
XI ling. 1302
b. 22)
lapillus Maaler 386
b;
calculus (14.
jh.) Diefenbach 89
c;
scrupulus (1512)
ebenda 521
b;
pietra picciola Hulsius 239
a; bickelin, steinlin Henisch 367, 50; die steilîn warf ez (
das kind) mit der hant so hin intz wasser durch sîn spil
passional 382, 21
Hahn; H. v. Trimberg
renner 20122
Ehrismann; carbunculosa arena sand voll kleiner roten steinlinen Frisius 190
b; die erd von kleinen steinlin vermischt ist nicht gut zu bachsteinen Sebiz
feldbau 34;
urina arenosa sandächtiger harn oder voll griesz oder steinlinen Frisius 1413
a;
gern die steinlein
im wasser: die weiszen und schwartzen steinlein in eim klaren bronnwässerlein Fischart
Garg. 113
ndr.; die bächlein krumb geflochten
auch lieblich stimmen ein von steinlein angefochten Spee
trutznachtigall 2, 26
Balke; di steinlin des meris C. Cranc
prophetenübers. 60
Zies.; steinlein auf-, zusammenlesen
als kinderspiel: den kindern, die alle hübsche steinlein auff der gasse zusammenlesen B. Schupp
schr. (1663) 417; es (
das kind) saz an einem reinelein list auf die kleinen steinelein Uhland
volksl. (1881) 1, 273; steinlein werfen,
um jemanden in harmloser weise zu treffen: derhalben sie kleine steinlin nam und ... zuo dem jüngling warff Montanus
schwankbücher 309
Bolte; diejenigen personen, so sich heimlich lieben, werffen einander mit steinlein Chr. Lehman
flor. pol. (1662) 3, 196; ob si (
die kobolde) wohl biszweilen die bergleute mit steinlein werffen, so thun sie ihnen doch selten schaden Prätorius
anthrop. Plut. (1666) 1, 142.
sprichwörtlich: ein kleines steinlein im schuhe kan grosz wehe machen Chr. Lehman
floril. pol. (1640) 94;
vgl. ein steynlin mir im schuoch ligt
Terenz deutsch (1499) 33
b;
scrupus ein steinle, als die so eim in die schuoch fallend, wenn einer wandlet Frisius 1190
a. kleine steinlin lest man auff dem acker ligen Petri
d. Teutsch. weiszheit (1605) 2, L l 7
b; wänn schtäänla gäld wärn oan flucha käne sende, do wär ich längst a raichr moan A. Peter
volkstüml. aus österr. Schles. 452.
euphemistisch die hoden: nachdem das kind ... geborn, ist es gesehen worden mit beiden steinlein und bälglein Ruff
hebammenb. 113. stein
des steinbruchs: weil die abspringenden steinlein ihnen (
den steinbrechern) ins gesicht springen Abr. a
s. Clara
etwas für alle (1711) 2, 631.
mineral: es bricht aber zwitter (
unreines zinnerz) oder schwartze steinlein ... in allerley bergarten Mathesius
Sarepta 29
a;
kristall: so (
der schneesturm) dasselbige wasser ... begreifft ..., so werden steinli darausz Paracelsus
op. (1616) 2, 36
Huser; das silber und gold ist ein sand, welchs man find auff des meeres land, seind gformiert wie die steinlein klein Bech
Agricolas bergwerkb. 5.
edelstein: sine behieltz (
das ringlein) durch rehter minne rât, dez steinlîn was ein grânât W. v. Eschenbach
Parzival 438, 6; gleych wie der han im miste ein edles steinlein fand Mathesius
ausgew. w. 3, 139
Lösche; granaten seynd schwärtzlich rothe ... steinlein Amaranthes
frauenzimmerlex. (1715) 682.
hierher gehört wohl auch: das todte und vergenckliche silber und goldt und die unvolkomenen farben und schwache krafft aller steinlein und beinlein Mathesius
Sarepta (1562) 162
b (
kurz vorher: mit den schönsten und besten himlischen und irdischen cörpern und metallen
vgl. auch oben steinichen und beinichen
unter steinchen 4
und teil 1, 1387). 33)
bearbeiteter stein; baustein: und ernstlichen ein steinlin nit werd funden von ir (
der stadt)
erste dt. bib. 5, 197, 53; wylstu nicht, so sol nicht eyn steynleyn bleyben Luther 34, 1, 544, 21
W. gedenkstein: fügt sichs aber hernachmals, ... dasz kein mensch disz mehr kenne, dem das steinlein ward (
von einem denkstein
ist die rede) Klopstock
gelehrtenrep. (1774) 91.
mosaikstein: pavimento ... ein boden oder gewölb von mosaica, das sind eyngelegte steinlein, gezieret Hulsius (1618) 2, 284
b.
gewichtstein: weyl das geschrey ... dem gewichte des guten jedesmahl ein steinlein unvermerckt wegnimmt und dem bösen zulegt Lohenstein
Arminius 1, 365
b.
losstein u. ä.: da eines jüngster tag vorhanden ware, so pflegete er seine steinlin zuo zelen und die weiszen von den schwartzen abzuosondern und darausz denn von seinen glückseligen und unglückseligen tagen zuo urtheilen Heyden
Plinius (1565) 55; Harsdörfer
frauenzimmergespr. 1, f 1
b. 44)
obst-, fruchtkern: steinlein im obs Hulsius-Ravellus (1616) 309
a; nim hagebutzen ... thue die steinlin ... herausz Gäbelkover
artzneyb. (1595) 2, 53.