gewirken,
verb. ,
verstärktes wirken,
s. d., in der frühnhd. periode noch mehrmals beobachtet, vor allem bei den mystikern. dort wird neben dem bevorzugten relativen gebrauch auch ein absoluter gebrauch gepflegt, während die ältere sprache die formen mit präfix beim absoluten gebrauch meidet, da dieser im allgemeinen hier imperfective actionsart bedingt. wo die jüngeren denkmäler das präfix trotzdem eindringen lassen, gilt dies meist dem von hilfsverben (mag, kann)
abhängigen infinitiv, der ja seinerseits die verstärkten formen begünstigt. zu den bei wirken
beobachteten schwankungen des stammvocals in den präsensformen vgl. das oberdeutsche ü (u)
bei Wolkenstein
und in der Hätzlerin
und die md. zeugnisse für i.
charakteristisch stehen sich hier meister Eckhart
und Seuse
gegenüber, wenn auch die handschriftliche überlieferung Eckharts
ebenso wie bei David v. Augsburg
und Heinr. v. Nördlingen
variiert. 11)
der relative gebrauch: 1@aa)
die verbindung mit persönl. object, die im Heliand und bei Isidor
beobachtet ist, läszt sich einmal auch aus meister Eckhart
belegen, ebenfalls mit beziehung auf das verhältnis gottes zu den menschen: alle crêatûre, die got ie geworhte. (
liber positionum 137)
myst. 2, 673.
die verbindung mit prädicativem adjectiv, wie sie der Heliand zeigt (ina hêlan gewirkean. 2108
u. a.),
wird nicht mehr wiederholt. 1@bb)
unter den sächlichen objecten treten die concreten immer mehr zurück. der fülle von älteren belegen (himil enti erda gaworahtô
s. Wessobrunner gebet u. a.),
die sich namentlich auf den häuserbau beziehen (
vgl. schon Ulfilas
Marc. 9, 5 jah gawaurkjam hlijans þrins),
ist nur ein einziges beispiel aus Eckhart
entgegenzusetzen: daz ein czimmermann ein schon hus nicht gewerken in kan uz wormechtin holcze.
pred. bei Jostes 110 (gewirkin
zeitschr. f. d. alt. 15, 380).
die bei wirken
und gewirkt (
s. d.)
so viel beobachtete beziehung auf gewandstoffe (
vgl.unze man geworhte die Sîfrides wât.
Nibelungen 66, 3
Lachmann)
ist nur aus einer späteren buchung zu erschlieszen: contexere, gewirken.
handschr. voc. lat. germ. (15.
jahrh. md.)
bei Diefenbach.
die beziehung auf metalle und edelsteine (fürspan gewürken.
meister Otte
Eraklius 1823
Massmann)
scheint nicht mehr aufgefrischt worden zu sein. dagegen dringen abstracta vor, die in der älteren sprache weniger entwickelt waren, vgl.: elliu dinc gewürken. Konrad v. Würzburg
gold. schmiede 1695; wunder gewirkjan.
Heliand 2166
u. a.; Heinr. v. Neustadt
Apollonius 6713; zeichun.
Wessobrunner glaube, denkmäler 1
3, 293; bilde. Gottfrid
Tristan 6695; giwirkean is willeon.
Heliand 1172
u. a. naturgemäsz sind es andere substantiva, die nun bevorzugt werden, und die häufigkeit ihrer verwendung steht im gegensatz zu der spärlichkeit der concreta: und sol ainen solichen erbern man einnemen, der sein handwerck vor alter und krankhait nicht mer gewürken müg.
stiftungsbrief der St. Antons-pfründe, s. Meyer
stadtbuch von Augsburg (1276) 275 (
genau so in einer Augsb. urk. des 15.
jahrh., s. d. städtechron. 5, 197); der vater geworhte nie kein werc, daʒ minre wêre dan er selber ... wâ daʒ geworhte werk als edel sî als der wercmeister.
meister Eckhart (
liber positionum 137)
s. myst. 2, 673;
ebenso Nic. v. Landau 123
Zuchhold (
vgl. got. hwa taujaima, ei waurkjaima waurstwa guþs?
Joh. 6, 28); das höchste werk, daʒ got ie gewarcht, daʒ geschah in barmherzicheit.
pred. der Nürnberger Eckhart-handschr. bei Jostes s. 8; dass wir also gewirkent guote werg ...
pred. (
Straszb. handschr.),
s. zeitschr. f. d. alt. 7, 156;
ähnlich pred. bei Jostes s. 110; ir zarten rosen des geblmeten geistlichen lebens ... tuont úwer hertzen ... uf gegen dem sssen meientowe der himelschen sunnen ... gebent ime stund und stat, daʒ er sin werk in úch gewúrken muge, daʒ úwer hertze werde ein appotecke der gotheit. Heinr. Seuse (
grosses briefbuch: 8.
brief) 431
Bihlmeyer; so mag die lieb ir weise gaistlich in im gewürken süess, sein augen perg, das antlitz plaichen lass. Oswald v. Wolkenstein 89, 47
Schatz; daʒ obirste gut, daʒ der mensche gewirken mag ... Nic. v. Landau
pred. bei Zuchhold s. 85 (
vgl.gawaurkjan goþ
s. Ulfilas
Röm. 7, 18); alles das gut, das der haillig geist ie gewürcket in allen rainen hertzen ... Heinr. v. Nördlingen
an Margaretha Ebner (1346)
Strauch s. 253 (
vgl. dagegen sundea gewirkean.
Heliand 3226
u. a.; dauþu gawaurkjan. Ulfilas
Röm. 7, 13); daʒ minst, daʒ gnad ist, daʒ ist edler und hoher dan alleʒ daʒ creaturen gewurchen mugen.
pred. der Nürnberger Eckhartschr. bei Jostes s. 21; als man dan durch mirket alles daʒ her gewirket; so enist iʒ niht wen lugene mit zouberlicher trugene von des tuvels craft her geschen. Heinr. v. Hesler
apokalypse 18764
Helm; die wachter merckten eben, was lieb gewürcken kan in ainem sölichen leben. Hätzlerin 1, 11, 83
Haltaus s. 11;
ganz ähnlich schon Joh. v. Würzburg
Wilh. v. Österreich 11615; Aretha die Romer vorhte, daʒ selbe an im geworhte, daʒ er ufbrach mit aller schar.
das buch der Maccabäer 12156
Helm. (
entsprechende fügung schon im Heliand 2527.) 22)
der absolute gebrauch: 2@aa)
neben präpositionalbestimmungen kann das verbum am ehesten des objects entbehren; doch liegen für die verstärkten formen auch hier erst vom ausgang des 13.
jahrh. ab belege vor, meist aus der sprache der mystiker. 2@a@aα) der lip, ob man die warheit giht, mag an die sele gewirken niht. Heinr. v. Neustadt
visio Philib erti 224
Singer ie daʒ dink kleinlicher ist, ie eʒ kreftiger ist. do von mag eʒ gewurken in die dink, die grober sint und die under in sint.
pred. der Nürnberger Eckhart-handschr. bei Jostes s. 70. 2@a@bβ) hab taugen wandel, daʒ ich taugenlich in dir gewurken mug.
pred. der Nürnberger Eckhart-handschr. bei Jostes s. 55; daʒ er alleine in uns gewirken moge. Nic. v. Landau
bei Zuchhold s. 65
b;
ähnlich Eckhart,
s. zschr. f. d. alt. 15, 414; unde wo er irluthet, beschirmet oder wirket an einre stat, die wile enmag er in einre andirn stat nit gesin noch gewirken. Nic. v. Landau
predigt bei Zuchhold 81 (
bei meister Eckhart: gewerkin); der (
ein meister) ordende waʒʒer uber wein alʒo, daʒ deʒ weines craft mak darinne gewurchen.
Jostes s. 10; alse das obrist element ninder sô wol gewürken mac dan in dem grunde der erde, dâ würket eʒ golt unde silber und edelgestein.
meister Eckhart (
pred. 46),
s. myst. 2, 156; ein iegelich ding wirket in wesene. kein ding mag gewirken uber sin wesen, daʒ fur enmag nit gewirken dan in sime wesene unde inme holtze. Nic. v. Landau
bei Zuchhold s. 86 (
bei Eckhart: gewerkin
ebenda; würken
bei Jostes s. 26). 2@a@gγ) ze Narne ein wîp het ein hant, diu was erstarret unde geswant, daʒ in aht jâren sie dâmit enmohte gewurchen nie. Lamprecht v. Regensburg
Franciscus 4637
Weinhold. 2@bb)
ohne ziel- und ortsbestimmungen ist die unterdrückung des objectes nur selten belegt: sein gotliche hant krefticlichen gewirket: sein gotlichen hant hat sant Jeronimus erhohet. Joh. v. Neumarkt
leben des hl. Hieronymus 105, 94
Benedikt (
dextera domini fecit virtutem); wan ich muoʒ wirken di werc des der mih gesant hât, alse lange iʒ tag ist: wan die nacht kummit, wenne nîmant gewirken mac.
Joh. 9, 4 Beheim (
Bechstein s. 202;
ebenso cod. Tepl.; wircken Mentel
u. a., ebenso Luther, Emser, Dietenberger, Eck; werken Quentel, Arndes,
Züricher bibel; schaffen Weizsäcker; waurkjan Ulfilas,
ἐργάζεσθαι.
die stelle übernommen [gewircken]
von Heinr. v. Nördlingen
an Marg. Ebner 265
Strauch). Otfrid
zeigt an der gleichen stelle das verbum relativ gebraucht: thaʒ megi er wiht gewirken. 3, 20, 19.