rosenblatt,
n. das blatt der rosenblüte, folia rosarum Stieler 186,
auch mhd. und mnd. rôsenblat: darmede vele dusend guder nacht, als ein schip van hundert dusent lesten rosenbledere dregen mach,
bei Schiller-Lübben 3, 509
b. 11)
in eigentlichem sinne: rœst rôsenpleter wol mit zukker pei dem feur und tuo daʒ dar nâch in ain glas. Megenberg 345, 1; die meid .. lassen ihn (
sich) machen häfen voller löcher, die löcher kleiben sie mit rosenblettern zu und stecken ein liecht darein wie in ein lattern. Frank
weltb. (1567) 51
a; nimb rauten, bibergail unnd rosenblätter, stosz durch einander zu einer salb. Seuter 202; ein gewünschter ost kömpt an und bringt durch der lüffte bahn eine wolcke rosenblätter. S. Dach
in ged. d. Königsb. dichterkr. 47
neudr.; denke dir, mit rosenblättern alle stufen reich beschenkt. Körner 2, 220. rothe, weisze rosenblätter: ober der rose giengen umb die stange andere rohte rosenbletter, jmmer eins höher als das ander. Micrälius
altes Pommern 5, 373; wenn der weiche dunenbusen wogend wie ein weiszes rosenblatt auf den athemwellen auf und niederflösse. J. Paul
unsichtb. loge 2, 94; es scheinen kräuter, beeten, gänge, als wenn sie riechender schneeweisser flocken menge, und weisse rosen-blätter decken. Brockes 1, 167. 22)
in besonderen beziehungen. 2@aa)
in bezug auf die rothe farbe der rosenblätter: ir wängel wâren beide rôt alsam ein rôsen blat. Konr. v. Würzburg
Parton. u. Mel. 8679; si wart von blûcheit und von schame rôt als ein niuweʒ rôsenblat.
troj. krieg 16851; sie nur malte fein und glatt einst sich auf ein rosenblatt. Stolberg 1, 188. 2@bb)
mit bezug auf die leichtigkeit und flüchtigkeit des rosenblattes: eine grazie hüpft, leicht wie ein rosenblatt, liebelächelnd mir auf den schosz. Hölty 117
Halm; leicht wie ein rosenblatt auf Zefyrs flügel vorüberbebt. Matthisson 131; also schweben wir durchs leben, leicht wie rosenblätter, hin. Salis
ged. 68; sie schwebt als elfe durch die auen und trägt ein rosenblatt als schild. Brentano
ged. (1854) 339.
daher auch als symbol der unbeständigkeit und unzuverlässigkeit genannt: auf rosenblätter ist nichts zu bauen. Lehmann 70; herrn gunst und rosenbletter, des würffels fall, aprillen wetter, junckfrawen lieb und feder spil verkern sich offt, wers glauben wil. B. Waldis
streitged. 38, 433
neudruck; die jugend folgt, ein rosenblatt, den winden. Lenau 176
Barthel; liebschleg fallen wie rosenbletter (
leicht, ohne zu schmerzen).
froschm. J 2
a.
als etwas unbedeutendes, werthloses steht es auch in den mhd. redensarten: als ein rôsenblat
und niht ein rôsenblat (
wie sonst niht eine bône, niht ein strô): das ist mir als ein rôsenblat.
Apoll. 5104
bei Lexer
mhd. wb. 2, 493. 2@cc)
mit bezug auf die rose als symbol der freude und der wollust: sieh, was auf dem rosenblatte steht geschrieben: 'o geniesz!' Platen 77
a.
man pflegt ruhelager und sitze, ja selbst den fuszboden mit rosenblättern zu bestreuen; besonders thaten dies die alten Römer bei üppigen gelagen, daher auf rosenblättern ruhen
u. s. w., zur bezeichnung eines weichlichen genuszlebens: ein weichling, der an Venus busen schmachtet, ... bei grazien und bey liebesgöttern entwöhnet von den donnerwettern der wilden schlacht, gepflegt auf rosenblättern. Wieland 5, 243; es ist so süsz, auf flaum und rosenblättern im arm der wollust sich vergöttern. 9, 6.
tote auf rosenblätter gebettet: und sind meine rosen zertreten, erschlagen die jünglinge treu, so will ich auf rosenblätter sie legen in die erden. Uhland
ged. (1864) 223. 33)
übertragen, vgl. die entsprechenden bedeutungen von rose. 3@aa)
ein rosiger mund, rosige wangen: ir munt zwei rôsenbletter. Lexer
mhd. wb. 2, 493; aber als die thräne des heiligsten auges auf die rosenwange glitt und an diesem rosenblatte mit erzitterndem schimmer hing. J. Paul
unsichtb. loge 3, 111. 3@bb)
wie ein mädchen oft als rose
bezeichnet wird, so nennt Rückert
in folgender stelle sein kind ein rosenblatt: er (
der schleier) flattert dort nun um die wiege, dem neugebornen rosenblatt zu wehren ab die stubenfliege.
ges. poet. werke (1882) 1, 552. 3@cc)
vereinzelte, dichterische übertragungen: sondern du rührst mich am tiefsten, du, der alles empfindet und alles verhehlt .. dem die blaszrothen rosenblätter, die sich über das nagende würmchen krümmen und es verbergen, ohne rauschen alle entsinken (
der nicht, wie das würmchen unter rosenblättern, sein leiden unter einem rosigen, heiteren aussehen verbergen kann). J. Paul
biogr. belustig. 1, 169.