galerie,
gallerie,
f. das franz. galerie,
ital. galleria,
in Italien schon im 9. 11.
jh. mlat. galeria,
s. Ducange, Diez
wb. 2.
ausg. 1, 199,
nach dem es seinen ursprung mit den schiffsnamen it. galea, galera
zu suchen haben wird; vgl. das schiff
der kirche, das mit seiner länglich schmalen form und seinen säulenstellungen sogar ähnlichkeit mit einer galerie
hat. Littré 1, 1821
a verweist auf ein mlat. galilea,
altfranz. 13.
jh. galilée,
säulengang der kirche. 11)
hd. zuerst bei Henisch 1335, 21:
galerei ..
nobis ärker,
pergula .. ambulacrum .. partes domus eminentes, unde aspectus est nobis in vicos et plateas .. et xystus, porticus tecta .. et peristylium, et lorica (
s. 9);
vor ihm nl. bei Kil.: galerye, gank in't huys,
pergula, ambulacrum; galerye boven toe,
xystus, porticus tecta, galerie couverte. also wesentlich ein anbau am hause, offen oder gedeckt, theils zum spazieren, theils zum ausschauen, besonders mit säulen und bogen, auf jeden fall ein vornehmes stück, wahrscheinlich mit dem ital. geschmacke in die fürstenpaläste, reichen kaufmanns- und rathäuser verpflanzt an stelle der deutschen laube (
s. d.): auf der gallerie spazieren. Stieler 2424 (
er gibt auch noch galerey); das pauken und trompetten ist ein alter teütscher brauch (
bei hofe) ... bei dem alten herzog August von Braunsweig stunde der bauker in einer galerie vor des herzogs cammer (
d. i. gemächern), und so bald der herzog aus seinem apartement ging, paukte man. Elis. Charl. v. Orl. (1867) 116;
man hat sich diese galerie
im schloszhofe zu denken, als umgang und zugleich verbindung der verschiedenen gemächer, nach dem hofe zu offen, mit säulen und bogen und geländer, wie das auch in bürgerhäusern nachgeahmt wurde, wenn auch oft nur von holz, wie sie doch auch vorher wol schon vorhanden waren. 22)
ein eben solcher gang mit verglasten bogenöffnungen, dann auch in den eigentlichen umfang des schlosses oder hauses hereingezogen, selbst ins innere versetzt, doch immer noch als wandelgang oder zum verkehr der in den verschiedenen darein mündenden gemächern wohnenden, auch zur verbindung verschiedener theile oder flügel des gebäudes. das vorletzte z. b.: einer .. kam zu mir in der gallerie .. wie die gallerie ganz voller leute von einem end zum andern war
u. s. w. Elis. Ch. v. Orl. (1871) 654,
es ist förmliche assemblée da. 33)
bildergalerie, gemäldegalerie: gallerie, da die mahlerei u.
s. w. ausgestellt wird, kunstkammer,
pinacotheca. Aler 834
a.
das ist urspr. nichts als die galerie
unter 2
in fürstl. schlössern, die mit ihrer einen langen wandfläche und der gleichmäszigen beleuchtung von der andern seite sich trefflich zur anbringung von gemälden darbot, wie es z. b. noch die bildergalerie
im königl. schlosse zu Berlin ist, zugleich eine galerie
im alten sinne; man nahm dazu gern eine sog. grosze galerie
in schlössern, wie im Louvre zu Paris. Der name blieb dann auch da, wo der gemäldesammlung ein eignes gebäude gewidmet ward, z. b. die frühere bildergalerie
zu Dresden, nur dasz dem worte der begriff der fürstlichen bildersammlung in einer residenz, sei es stadt oder lustschlosz, noch lange anhaftete. vergl. den artikel galerie
in Sulzers
theorie der sch. k. 44)
diesz übertragen auf werke, welche eine gemäldesammlung in nachbildungen darstellen (
vergl. Sulzer),
besonders auf eine portraitsammlung berühmter männer u. ä., auch ähnlich sonst als büchertitel, z. b. galerie berühmter zeitgenossen,
lebensbeschreibungen, mit oder ohne bilder. Dann von bloszen charakteristiken in einer reihe: und wir getrauten uns eine solche galerie von charakteren, nach lebendigen und abgeschiedenen mustern .. wol aufzustellen. Göthe 54, 105 ('
Newtons persönl.'),
charaktere werden ja '
gezeichnet, skizziert'
u. ä., auch das aufstellen
passt auf eine bilderreihe. Auf '
bilder'
der natur übertragen: ich könnte noch ... natur, in deiner bildergallerie nach wundern suchen, ach! und fände das letzte wunder nie. Gökingk
lied. zw. lieb. (1777) 116. 55) galerie
in theatern, für zuschauer, dem urspr. begriffe u. 1
noch nahe stehend. obwol von mehreren galerien
die rede ist oder war, wie z. b. schon das erste Dresdener comödienhaus
vom j. 1664
zwei galerien hatte (Fürstenau
zur gesch. d. mus. u. d. theat. am hofe zu Dr. 1, 325. 329),
spricht man doch auch von der galerie,
als nur einer, dem geringsten platze, für den pöbel; so, wenn Lessings bruder aus Hamburg v. j. 1768
von aufführung eines volksstückes berichtet: auf der gallerie (
im gegensatz zum leeren parterre) befanden sich die kenner und gelehrten. sie wuszten auf ein haar, wenn der schauspieler nicht recht hamburgisch kauderwelschte. Lessing 13, 143; dergleichen unzweideutigkeiten wurden .. in den logen länger beklatscht als auf der gallerie. E. Devrient
gesch. d. d. schausp. 1, 362.
das hoftheater zu Weimar hatte zu Schillers zeit einen balkon,
den theuersten, und eine gallerie,
den wolfeilsten platz (
s. den theaterzettel zur ersten aufführung des Tell in der Hempelschen Schillerausg. 6, 11).
noch jetzt heiszt auch in unsern groszen theatern mit drei, vier rängen,
wie man in neuerer zeit die galerien
im titel erhöht hat nach frz. muster, der oberste für den gemeinen mann volksmäszig und im recensentendeutsch die galerie (
aus noch älterer zeit her das paradies),
man spricht vom beifall der galerie, galeriepublicum.
Das setzt voraus, dasz in der ersten zeit eben nur eine galerie
bestand, sei es bei hofe, wo man dieselbe etwa dem bürgerstande zum stehen einräumte, während hof und adel im grunde vor der bühne selber platz nahmen, sei es dasz es von der galerie
in tanzsälen herrührt, worin wol wandernde truppen ihre bühne aufschlugen, wie noch jetzt. 66) galerie
in tanzsälen, concertsälen, turnhallen u. ä., eigentlich für unbetheiligte zuschauer, die mehr zugelassen als zugehörig sind; auch dahinter mag ursprünglich eine höfische einrichtung liegen. das franz. wort bezeichnet daher auch die zuschauerschaft z. b. bei einem ballspiele, was auf eine galerie
in den alten ballhäusern deutet, die dem hof und adel dienten: porticus, die gallerie,
porticus interior die gallerie von innen,
als theile des ballhauses bei Pomey
indic. 456.
als erster anfang dazu böten sich die galerien
unter 1,
umgänge in schloszhöfen, denn da im hofe wurden solche spiele geübt. 77)
sonst gilt das wort volksthümlich noch von bogengängen, z. b. am markte, unter rathäusern, nach einer seite offen, auch noch laube
genannt. dann von umgängen oder verbindungsgängen in den höfen städtischer häuser, wofür doch auch, z. b. in Leipzig, das alte einfache gang
noch lebt. dieser bürgerliche gebrauch musz wol auch franz. sein, denn daraus erklärt sich eine angabe Frischs
im franz. wb.: 'aller à la galerie,
auf das heimliche gemach gehen' (
das eben auf dem gange
angebracht ist). 88)
auf schiffen ein '
gang auszen am schiffe' Frisch
a. a. o., am hindertheile, es gibt achtergalerie, seitengalerie. 99)
im festungs- und belagerungswesen, lange schmale gänge zu mehrerlei zwecken, z. b. für minierer. auch das schon in der ersten zeit, wie Henischs
lorica unter 1
zeigt. 1010)
im bergbau hie und da gleich strecke (
s. d.). Veith 211. 1111)
die kunstgeschichte spricht von galerien
im romanischen baustile, z. b. am Bonner dome: über den arkaden durchbricht eine zierliche galerie die obermauer. Lübke
gesch. der arch (1870) 375; apsis, die unter dem dachgesims von zierlicher (
l. einer zierlichen) säulengalerie bekrönt wird. 373; offene galerien auf gekuppelten säulen (
am landgrafenhause der Wartburg). 350.
wie nannte mans in der zeit selber?