sudler,
m. ,
von 2sudeln
als nomen agentis abgeleitet. 11)
zu 2sudeln 1
gehörig für einen menschen, der sich beschmutzt, unreinlich ist, unsauber mit etw. umgeht, schmierfink, vgl. sudler
defedator voc. inc. teut. (
ca. 1471) e e 7
b, ein unflätle ... oder sudlerle
sordidulus Frisius 1226
b; sudler
homo spurcans, foedans, sordidus, impurus, squalidus [] Stieler 2054; sudler
un souillon, un mal propre dt.-frz. lex. (1695) 357; sudler
a sloven Ludwig
t.-engl. (1716) 1924; sudler
un homme sale, qui souille ce qui lui vient entre les mains Frisch
nouv. dict. (1730) 543;
entsprechend mundartlich sudler '
schmierfink, unordentlicher mensch' Martin-Lienhart 2, 328
b; sûdler '
der alles beschmiert' Hintner
tirol. 202;
vgl. auch söddeler '
schweinigel, säufer' Strodtmann
Osnabr. 221;
literarisch wenig bezeugt: der juncker sprach: du schlimmer hudler, ich glaub fürwar du seyst der sudler? (
der in den senftopf geschissen hat) Fischart 2, 69
Hauffen; der schmierer und sudler in der apotecken sudelwerck (
wird) ... zu boden gehn Paracelsus
opera 1, 948
Huser, wo jedoch auch 3 a
hineinspielt. 22)
nach 2sudeln 2
für einen menschen, der schmutzige und niedrige arbeiten zu verrichten hat, s. 2sudel,
vgl. ein sudler oder hauszknecht, so man zuo den aller verachtesten wercken braucht, buszler, stallbuob, bosselierer
mediastinus Frisius 809
a; sudler, gartenknecht
lixa Frischlin
nomencl. (1616) 469; sudler, wäscherin im läger
lixae Golius
onom. (1571) 174; sudler
dicuntur lixae et similis farinae homines vilioribus laboribus addicti Besold
thes. (1699) 2, 572;
literarisch selten: ich dich ... gesehen hab spülen und holtz tragen, yetz aber du ein zeitlang einem solchen sudler gantz ungleich gangen bist Wickram
w. 1, 123
B.; als spottname für einen bauern (
im fastnachtspiel vom dreck): herr Sudler und herr Ginloffel nu sitzt all nider und betracht warzu das kunter werd geacht
fastnachtsp. 1, 212, 4
K; verächtlich oder scherzhaft für handwerker, die mit schmutzigen gegenständen oder flüssigkeiten zu tun haben: aber diese alle, gerber, schuster, kürschner, hutmacher, weiszgerber werden spottsweise sudler oder stäncker genannt Comenius
janua (1644) 150; sudler
weisztünchner Mothes
baulex. (1877) 4, 358; sudler
färber Anton
gauner- u. diebsspr.3 71. 33)
aus 2sudeln 3
gebildet für einen menschen, der eine arbeit unreinlich, stümperhaft, pfuscherhaft, schlecht ausführt, vgl. sudler, der ein ding unreiniglich und säuisch macht Hulsius
ditt. (1616) 316
a; sudler, fretter, stümpeler, hudeler
imbroglione, strafalcione Kramer
wortbuch (1678) 1032
a. 3@aa)
für den unsauberen, pfuscherhaften arbeiter im allgemeinen, vgl. 2sudeln 3 a: so hat sie der melthau, (oder wie es Esaias nennet) der faulregen verderbet und werden eitel suddeler, hümpeler, söker draus, die viel verseumen und niemand nichts zu liebe oder danck machen Luther 51, 224
W.; ziehen also von einem fretter und sudler zuo dem anderen Wickram
w. 2, 122
B.; es ist auch war, man findet wol auch sudler auff allen handwerckeren; wann mancher schon guoten werckzeüg hat, so verderbet er dannoch mehr, dann er guot machet
V. Schumann
nachtbüchl. (1559) 218
Bolte; denn welcher ein handwerck kan, wie es gehört, der hat alweg ein förderung, der sudler bleibt alweg dahinden stehen E. Sarcerius
v. heil. ehestande (1553) 117; es sein auch ein theil künst nit fast löblich, als ... der sudler und boszler Chr. Bruno
instit. christ. (1566) 40
b; Martinus sey ein rechter maister, ander leüt seind lautter hudler und sudler J. Nas
antipap. eins u. hund. (1567) 2, h 6
a; damit man nicht die öfen inn der hütte gottes, mit störern, hümplern, sudlern, ..., verdorben unnd faulen handwercksleuten bestelle Mathesius
Sarepta (1571) 151
b; man findet alle mahl mehr hümpeler und sudeler dann rechte künstler Friedrich Wilhelms
sprichw.-reg. (1577)
nr. 157; dencket ihme nach lieben freunde ..., damit ir nit irgend einen hümpler oder sudler zu diesem bau annemet J. Mathesius
Corinther (1591) 2, 82
a; hümpler, störer, sudler und faule kommen auff keinen grünen zweig Petri
d. Teutschen weiszh. (1604) 2, I i 4
a; stümpler und sudler (
v. j. 1655)
bei Fischer
schwäb. 5, 1951; unsere ärzte, meinte er, ... wären grösztentheils elende sudler Laukhard
leben u. schicks. 2, 84; überhaupt musz ein gelehrter in nichts sudler sein Schubart
br. 2, 276
Strausz; ebenso mundartlich [] suddeler
pfuscher lux. ma. 433;
auch umgangssprachlich geläufig, vgl. sudler
schlechter anstreicher Röhrig
techn. wb. 744; sudler
schlechter, unwissender arbeiter Täubel
buchdruck. (1805) 27; '
für den, der ein aftergewerbe betreibt' Unger-Khull 600
a;
als '
kurpfuscher': der wolle ja nicht seines gefallens artzneien oder jedwederm sudler, altem weibe ... sein leib und leben anvertrauen
schles. infectionsordn. (1656) d 2
b;
auch '
langsamer arbeiter' Staub-Tobler 7, 329,
vgl.suddler
kleinknecht, weil er noch nicht so flink mit der arbeit umzugehen weisz Schütze
holst. 4, 221;
noch anders '
gaukler, betrüger': ja viel mit ihrer falschen kunst erwerben groszer herren gunst; solch schelmen heiszt man suddeler: die wissen nichts von guter ler und doch so jemerlich betriegen das arme volck, mit ihrem liegen Alberus
fabeln 145
ndr.; für einen menschen, der mit dem gelde liederlich umgeht: und ist nicht so ein verdrieslicher sudeler, der für sich allein herrlich von seinem gute lebet G. Torquatus
cölibat (1562) d 2
b,
vgl.sudler '
verschwender' Staub-Tobler 7, 329. 3@bb)
entsprechend 2sudeln 3 b
und c
für den stümperhaften, schlechten schreiber und maler, vgl. sudler im mahlen und schreiben
barbouilleur, griffonneur Duez
nomencl. (1664) 505
a; sudler
schlechter schreiber Martin-Lienhart 2, 328
b; sudler, schlächter maler der nichts dann sudelwerck malet als die baurenstuben
rhyparographus Maaler 395
b: nur eine fliege wohl und nach der kunst gemahlet ist seines lobes werth, und wird so wohl bezahlet als nach des lebens maasz ein groszer oliphant, den nur ein sudler hat geschlagen von der handt Rachel
sat. ged. 115
ndr.; Rubens, Correggio und andre mahler beschwereten sich, dasz ein jeder sudler, der kaum fähig gewesen wäre ihnen die farben zu reiben, sich nicht scheuete auf seine schmiertafeln ihren nahmen zu setzen Lindenborn
Diogenes (1742) 2, 586; auf die scherzreden vom fischmarkte bringt er die allerfeinsten spöttereyen vor: er sey nun aber ein maler oder ein sudler, so setzt er doch nie die natur aus den augen
n. büchersaal d. schön. wiss. u. fr. künste (1745) 3, 83; Korreggio und Tizian (
seien) gegen die salamandrischen maler nur sudler Wieland
s. w. (1794) 12, 274; wollten jedoch einige stöckische pedanten oder irgend ein sudler (
im malen) gegen mich rechten Göthe 44, 2, 377
W.; wenn er auch von dem schlechtesten sudler gemahlt oder geschnitzt ist 17, 107; er hatte hundertmal gegen diese allgemeinheit der kunst geeifert, wodurch sie endlich so gemein würde, dasz ein jeder sudler ein Raphael ... würde W. Hauff
s. w. 3, 167; wie sich ... die ... von einem sudler ... ausgeführte fratze zu einem mit kunstbestreben ... ausgeführten werk verhält Schelling
w. (1856) 1/5, 45,
vgl.sudler
schlechter maler Mothes
baulex. 4, 289. 3@cc)
früh verallgemeinert, entsprechend 2sudeln 3 e
für einen menschen, dessen geistige leistung stümperhaft, unsolide, talentlos, oberflächlich ist; namentlich in bezug auf gelehrte, schriftsteller u. s. w., doch auch leute anderer berufe; oft als bloszes schimpfwort gebraucht: kein sudeler nicht ist, so er eine predig horet oder ein deutsch capitel lesen kann, so macht er sich selbs zum doctor Luther 40, 286
Erl.; so nym beide testament fur dich, des Luthers und des sudlers, halt sie gegen einander, so wirstu sehen, wer yn allen beiden der dolmetzscher sey 30, 2, 634
W.; (
tut) ir nitt, wie die müszigen und furwitzen sudler thuon? vil leckens und fantasierens, und nichts darhinder Vogelsang-Cochläus
gespräch 28
ndr.; es sind ... sudler, die kein gespräch können anfangen, sie stolperen dann mit den füszen der läpperey uber die schwölle der unhöfflichkeit zur thür der unschuld hinein Moscherosch
gesichte 2, 181; mit hitz und hirnschälligkeit als ein rechter sudler und strudelhirn redet er was ihm in das maul kompt 2, 524; solche sudler pflegen ... das papier mit nullen zu versudlen und mögen dieselbe nicht einmal auszufüllen
frantzös. Simpliciss. (1683) 1, 225;
[] die dichtkunst ehret dich, als ihren besten freund; (
du) pflegst ein meisterstück vor schlechter sudler werken, so zart ist dein geschmack, vernünftig anzumerken Gottsched
ged. (1751) 1, 706; in ansehung dieses handbuches ist und bleibt er ein sudler
allg. dtsche bibl. 104, 537; mag also der rohe, geschmacklose sudler immerhin ausflüchte zu dutzenden in bereitschaft haben Bürger
w. 1, 374
b B.; auf zwey sudler, die einander loben (
überschrift) Schiller 11, 157
G.; gedruckt zu seyn und gelesen zu werden, ist schwerlich eins! ... aber mit rücksicht blosz auf den trosz erbärmlicher sudler Baggesen
poet. w. 5, 227; er (
Lovell) wäre ein merkwürdiger autor geworden, wenn er nicht vielschreiber, ja sudler geblieben wäre Tieck
schr. 6,
vorber. xvii; und das versprechen solcher schönen zukunft war dir vielleicht um so erfreulicher, als der graf zu gleicher zeit alle dichter Deutschlands, auszer dem ganz alten Goethe, wie einen schwarm schlechter sudler geschildert Heine 3, 358
E.; wir wissen, armer sudler, wohl, wohin dein gleichnis zielen soll Hebbel
w. 7, 56
Werner; was ... soll aus der deutschen sprache werden, wenn sudler und zeitungsschreiber discretionäre gewalt behalten Schopenhauer 5, 565
Gr.; auch Uexküll nannte den verfasser jener beurtheilung einen sudler J. D. Fr. Strausz
ges. w. 2, 300; o so schwiegt ihr nur, all ihr pfuscher und hudler, unserer litteratur allzeitfertige sudler! Hoffmann v. Fallersleben
ges. schr. 4, 70; trotzdem rangen sie vergebens nach einem platz im repertoire der bühne, den damals mancher flache sudler wie im schlaf gewann Riehl
musik. charakterk. (1899) 1, 373. —