fehlen ,
errare, labi, mhd. vælen, vêlen,
im pass. K. 613, 81 veilen,
nhd. bei Luther
u. a. m. feilen,
bei Dasypodius fehlen,
bei Frisius
und Maaler fälen;
nd. nnl. feilen,
engl. fail,
schw. fela,
dän. feile.
nahliegend erscheint das mlat. fallire (si colpus praeter fallierit.
lex sal. 17, 1),
prov. falhir,
port. falir,
it. fallire,
fr. faillir,
welche man auf das lat. fallere
zurückführt. doch haben sie gar nicht dessen transitivbedeutung decipere, fraudare, sondern die intransitive von labi, deficere, wie sie unserm fehlen
zusteht. sie greifen tief in alle romanischen zungen, ja aus dem subst. falta
defectus, fr. faulte, faute
hat sich ein neues verbum faltare, faltar
und das fr. unpersönliche il faut,
es fehlt, folglich es ist nöthig, es musz erzeugt. diesem faltare
gleicht bei uns nichts, denn falten
oder falzen
drücken aus plicare. statt fehlen
aus welscher quelle, wäre ich geneigt fallire
aus deutscher herzuleiten, wenn sich mhd. vælen
schon in ahd. fâlan, fâlôn
aufweisen liesze, was bisher nicht möglich war, und selbst mhd. vælen
zeigt sich so selten. fehlen
hätte sonst einen doppelten anhalt. zwar nicht in dem völlig unverwandten befehlen
und empfehlen,
die aus ahd. fëlahan,
goth. filhan
entstellt sind, sondern etwa in fallen,
das cadere und labi, wie fehlen
labi bedeutet (
vgl. feil und felle
sp. 1419)
und im praet. fiel, fielen
seine liquida vereinfacht; doch nie hat fallen
den sinn von errare, deficere, mangeln, wie er in fehlen
vorwaltet. ganz andern weg öfnet die berührung zwischen f
und lingualen (
sp. 1211, 4),
wie wir sie in fest
und þvasts, feile
und duehila
u. a. m. gewahren. es sei erinnert daran, dasz das irrlicht esprit follet
und dwallicht
heiszt. goth. dvals
ist thöricht, dvala
der narr, der thor. ich leite fol,
fr. fou
nicht mehr ab aus lat. follis,
sondern halte zu ihm jenes dvals,
er ist der irre, verirrte, dem es an sinn fehlt; nun musz ein goth. dvaljan
geradezu ausgedrückt haben errare, vagari, nnl. dwalen,
ags. dvolian,
wie die ketzerei ags. gedvola,
ahd. gituola
error, irrthum heiszt, ahd. tuelan,
altn. dvelja
ist impedire, morari, wiederum irren, hindern, transitiv gefaszt. hiermit wäre genug gesagt, um aus tuelan
oder tuâlôn, dvelian
oder dvâlian
in frühster zeit fâlôn
entspringen zu lassen, wie es im mhd. vælen
und unserm fehlen
dauert, und ins romanische fallire
und folletto
vorgedrungen war. selbst falsch (
sp. 1291)
könnte, trotzdem dasz falsus
aus fallere
herrührt, uns zu revindicieren und dvalisc
zu deuten sein, womit sich auch das sc
rechtfertigte, mehr unter toll.
man vergleiche die oft schon erwognen übergänge von fores
aus skr. dvâra,
sl. dv'r'
und dvor',
gr. θύρα,
goth. daurô,
von bis, bellum, bonus
aus dvis, duis, duellum, duonus,
im linguallaut birgt sich die ältere gestalt und zwar in dem mit v
unmittelbar verknüpften, was bald ein f,
bald ein b
heran lockte. endlich aber hat begründeten anspruch auf die verwandtschaft mit fallen, fallere
und fehlen
das gr. σφάλλειν =
stürzen, fällen, in irrthum führen und σφάλλεσθαι =
fallen, irren, σφ wie σφάξ lat. faux
oder σφενδόνη lat. funda
genommen, so dasz wir dem σφάλλειν ein fallere, fallen,
dem dvaljan
ein fehlen,
dem þvasts
ein fest
und fastan
zur seite sehen. wer dies alles verwirft, kann sich damit behelfen, dasz intransitives fallire
aus falli,
dem passiv von fallere
abkommen müsse. nicht zu übersehen, dasz das für uns fremde fâlieren, failieren (
sp. 1288),
dem gerade die transitivbedeutung von fallere beiwohnt, niemals ein anlautendes v
empfängt, wie vælen,
also dem sprachgefühl unheimlich war. dasz im romanischen der sinn des lat. fallere
abgeht ist nicht minder auffallend, als dasz unser fehlen
ahd. noch nicht vorkommt. zwei hauptbedeutungen, des irrens und mangelns, deren zweite sich doch aus der ersten leitet, weil der irrende, fehlschlagende bedürftig wird und mangel empfindet. [] 11) fehlen,
errare, aberrare a meta, non procedere, mislingen, nicht treffen. 1@aa)
allein stehend, ohne andere casus: unter allem diesem volk waren siebenhundert man auserlesen, die link waren und kunden mit der schleuder ein har treffen, das (
dasz) sie nicht feileten (
vulg. ut nequaquam in alteram partem ictus lapidis deferretur).
richt. 20, 16; der boge Jonathan hat nie gefeilet und das schwert Saul ist nie lere widerkomen.
2 Sam. 1, 22; sie feileten aber beide. Luther 4, 29
b; ich wölle nicht weit feilen. 4, 12
b; ob er vielleicht vermeinen wolte ..., würde er weit feilen. 5, 16
b; das sie geirret und gefeilet haben. 5, 23
a; ob sie gleich oft feilen, da keren sie sich nicht
an. 5, 54
b; wenn sie fületen, das sie so oft angelaufen und gefeilet hetten. 5, 54
b; gott kan nicht liegen noch feilen in seinem wort, aber die christenheit kan feilen und irren. 5, 112
a; das er leiden möchte solche scherfe des grewlichen rechts, wo er einmal strauchelt oder feilete, das er darumb solt ein bösewicht gescholten werden. 6, 20
b; wer kan merken wie oft er feilet? 7, 12
a; im reden fälen oder in worten irren,
aberrare verba. Maaler 129
d; hie hat Philippus geirret, hie hat er gefeilet. Joh. Wigand
die newen Wittenberger. Königsb. 1575 9
b; so wöllend schier die handwerkleut mit irer arbeit auch weit fälen. Wickram
pilger bl. 69; du fehlest, ich kom dir nit zu theil, mein leben ist mir noch nit feil. Alberus 42; denn grosze leut die feihlen auch. Ringwald
geistl. lied. D 4
a; doch wer sich etwan hier zu hitzig übereilet und durch getrotzten zorn und plötzlich irren feilet, steh auf so bald er kan. Gryphius 1, 430; vor dem der feinde macht und anschlag stets gefehlt, der mehr triumph als jahr, als tag, als stunden zehlt. 1, 122; wo lenken wir uns hin, nun sich die gasse theilt? mein engel, wie so still! hab etwan ich gefeilt, dasz sie den süszen mund durchaus vor mir wil schlieszen? 1, 226; du siehest dich zwar selbst für grosz und fürtreflich an, aber du fehlest.
pers. rosenth. 8, 60; hast du einen spiesz fehlen gesehn? 'keiner fehlte'. nun wir Cherusker, meine ich, wollen auch nicht fehlen, wenn wir erst unten sind. Klopstock 8, 75; mittlerweile erzählt ich Markoni, was ich seinetwegen gelitten, um per avanzo sein mitleid rege zu machen, wenn der gusz fehlen sollte.
der a. m. im Tockenb. 107; der herrn poeten gibt es viel. zehn fehlen, einer trift das ziel. (Merk)
rhapsodia 1773
s. iii; wie konnt ich sonst so tapfer schmählen, wenn thät ein armes mägdlein fehlen (
fehltreten). Göthe 12, 188; dasz man erst selbst etwas leisten, ja dasz man fehlen müsse, um seine eignen fähigkeiten und die der andern kennen zu lernen. 26, 149; aber sie unkundig des steigs und der roheren stufen fehlte tretend (
trat fehl), es knackte der fusz, sie drohte zu fallen. 40, 320; alle ihre waffen können fehlen, alle stürme auf ihr herz mislingen. Schiller 312
b.
es heiszt: die kugel hat gefehlt,
verfehlt; der pfeil fehlt nicht;
altfr. l'arc qui ne faut.
Tristr. 1716. 1745.
auch unpersönlich, es fehlt,
trift nicht zu, nicht ein: die Sachsenkerles sind falbbärtig, weil sie bier saufen und die Franzosen schwarzbärtig, weil sie gern starken wein leppern. aber an Spanniern fehlets, die essen gern weisz brot und küssen gern weisze meidlein, und sind sie stifelbraun und pechschwarz wie könig Balthasar mit seim affen.
Garg. 212
b; fehlen kanns nicht. Göthe 8, 143. 1@bb)
mit beigefügtem dat. der person: deinen feinden wirds feilen.
5 Mos. 33, 29; ire hofnung wird irer selen feilen.
Hiob 11, 20; sihe, seine hofnung wird im feilen (spes ejus frustrabitur eum). 40, 28; diese gedanken fehlen (
l. feilen) mir nit. Luther 5, 4
b; das im sein anschlag feile und ihn verdriesze.
br. 2, 478; aber den könig zu fahen hett inen gefehlet (res parum processit).
Frontin von Tasius 1, 8, 8
bei Fronsp. 3, 237
b; fälst du, so wend wir dir nit fälen, mit trocknen füsten nasz gnuog strälen.
tr. Joh. h 6; das uns doch hat gefehlet weit. H. Sachs III. 1, 167
d; o es fehlt mir nit umb ein har. Ayrer 177
a; vinum quae pars, verstehst du das? ist aus latin gezogen ... in dem Donat, der reiflin hat, hab ich es oft gelesen, quod nomen sit, das fält mir nit, man trinkt ihn aus den gläsern.
Garg. 91
a;
[] aber die kunst fehlt ihm, dann er war zu fruo aufgestanden. 235
a; bei weitem würd es mir und einem andern fehlen, der Rolands thorheit wolt hier allzumal erzehlen, denn deren waren ja so viel viel überaus. Werders
Ar. 28, 44 (29, 50); heldin, euren tapfren sinnen fehle nimmer kein beginnen! Logau 2, 29; aber es werde ihme fehlen (
nicht gelingen).
Wiener archiv 25, 344 (
a. 1634); einer hüpschen hurtigen gasthalterin kan es nicht fehlen, wann sie nur sich ihrem namen nach halten will.
ped. schulf. 30; das sol inen feilen. Heinr. Jul. v. Br. 341; Dorinde sagts ihr zu. und doch soll mirs nicht fehlen, sie wird die neuigkeit, sobald sie kann, erzählen, weil jene sie zu schweigen bat. Gellert 1, 161; gesetzt, es fehlt mir bei Zeniden, so ist die strafe doch gelind. Wieland 17, 211; ein weiberarm ist schwach, wann er mit männern ficht, und fehlte dir der streich? wie sollt es dir ergehen! Weisze
tustsp. 1, 412; wie oft hat er auf glück und geld geschmälet, blosz, weil ich nicht mit sechsen fahren kann, dem, wie er glaubt, kein buch mehr fehlet. Gökingk 2, 149, nicht fehlen kanns uns, glaubt mirs nur. Schiller 391
b; es kann mir ja gar nicht fehlen (
fehlschlagen); ach, mir ist gar übel gefehlt! vor drei tagen ist mein vater gestorben. Millers
Siegwart 360. 1@cc)
mit gen. der person oder sache: mhd. ouch wart ir nicht gefêlt von manchim gutin schutzin. Jeroschin 15952;
nhd. ich suche dich von ganzem herzen, lasz mich nicht feilen deiner gebot.
ps. 119, 10; du schiltest die stolzen, verflucht sind die deiner gebot feilen. 119, 21; du zutrittest alle die deiner rechte feilen. 119, 118; er leszt mich des weges feilen.
klagl. Jer. 3, 11; das recht das in strafen sol, wird sein nicht feilen.
weish. Sal. 1, 8; darumb so haben wir des rechten weges gefeilet. 5, 6; und feilen des glaubens, circa fidem exciderunt.
1 Tim. 6, 21; welche der warheit gefeilet haben, qui a veritate exciderunt,
goth. þaiei bi sunja usvissai usmêtun. 2
Tim. 2, 18; denn der sünder rufet gott an in seinen sünden, lobet in und traf die zwei höchsten gebot, den glauben und gottes ehre, der gleisner feilet irer beider. Luther 1, 231
b; aber David feilet ir (
der heiden) auch widerumb nit, schmeisz umb sich getrost. 5, 54
a; aber der hauptsumma des gebots ist liebe von reinem herzen und von gutem gewissen und von ungeferbtem glauben, welcher haben etliche gefeilet. 6, 32
b; aber der summa und endlichen meinung des gesetzes feilen sie gar. 6, 35
b; komm, welcher nur lustig ist, so wil ich sein nit fehlen.
buch d. l. 12, 4; Reimund der zucket seines herren spiesz und wolt das schwein treffen, von groszem ungefell, da fehlet er des. 263, 3; das wer ein ding durchaus von Teutschen saget oft der warheit fälen musz. Frank
weltb. vorr.; du fehlest der thür (
gehst irre, trifst die thür nicht).
kl. weise reden 1565, 182
a. 1570, 193
und danach Eyering 2, 389; mein gang hat des rechten wegs gefehlet. Reiszner
Jer. 1, 46
a; sobald die falken ein antvogel ersehen, so stoszen sie mit zugethanen flügeln über ihnen her, damit sie in mit den scharfen klauen ertappen, fählen sie aber sein und so der vogel fleucht, so setzen sie vil stärker nach. Sebiz 608; ich main der krieg fehl dein auch nicht. H. Sachs I, 471
b; sie haben der thür weit gefehlt. Ayrer 456
d; des wegs sie nicht mehr fehlen. Weckherlin 241; so grob hat keiner noch der rechenkunst gefehlt, als der sein alter nur von seinen jahren zählt. Fleming 201; fleuchst du (
engel) gleich so bald, deckst du dein gesicht, feil ich dein doch nicht! du brennst mehr und mehr, bleib, fleuch nicht so sehr! Gryphius 1, 521; der herr hat der thüren gefehlet. 'wohnet hier nicht Hieronymus Goletti?' er wohnet hier. 1, 884; sie fehlen ihres weges selten. Gellert 1, 259; mit diesem zweiten pfeil durchschosz ich — euch, wenn ich mein liebes kind getroffen hätte, und euer wahrlich hätt ich nicht gefehlt. Schiller 538
b;
doch der vater trift den vogel ja im flug, er wird nicht fehlen auf das herz des kindes. 537
a,
wo ein doppelter gen. hart gewesen wäre. 1@dd)
transitives fehlen,
verfehlen, mit dem acc., erst im 18
jh.: verzeihe, königin, wenn ich in dem ausdruck meine schuldigkeit
[] gefehlet (
meine pflicht verfehlt) habe. Lessing 7, 259; ein unterschied der so grosz ist, dasz die geringste aufmerksamkeit ihn nicht fehlen würde. Kant 8, 303; voll inniger demuth wagt er mit tritte des menschen die wege gottes und fehlt sie.
Messias 19, 894; habe denn, o dolch der norne dich, du fehlst sie! Klopstock 2, 6; weiter zu deiner linken hin, wo es weniger unwegsam ist, findest du die felseneingänge, die wir fehlten. 8, 73; ich traf wol eher den geier im fluge! ich wills nicht fehlen dies Römerherz. 8, 162; den boten, den du sandtest, fehlt ich. 10, 18; dasz sie das rechte zimmer nur nicht fehlen! Schiller 258
a; gewisse dienste königen zu leisten ist mislich, herzog, ein gewagter wurf, der, fehlt er seine beute, auf den schützen zurücke prallt. 265
a; doch will ich rathen, ziele gut, dasz du den apfel treffest auf den ersten schusz, denn, fehlst du ihn, so ist dein kopf verloren. 536
b; was die regenten gefehlt, das sollen die völker nun büszen, quidquid delirant reges, plectuntur Achivi,
wo delirare
deutlich auf errare
und zugleich desipere
weist; was ich gefehlt (
worin ich geirrt) habe, vergib es mir.
im passivum: der fuchs ist von zwei jägern gefehlt worden; so brüllt der stier, wenn er, gefehlt vom beile und blutend, dem altar entspringt. Schiller 31
a.
oft, ähnlich dem intransitiven 'das fehlt weit',
auch 'das ist weit gefehlt'
oder mit ausfallendem verbum subst. 'gefehlt', 'weit gefehlt' =
fehlgeschossen, fehlgetreten, und eine sinnliche bedeutung war ohne zweifel die ursprüngliche: wo feuersbrunst entstehet, da lauft jederman zu und hilft löschen, räumen, niederreiszen, feuerversprecher (
besprecher) kommen ungebeten, reiten um das feuer, als ob sie rasend wären, dasz ein solcher fürwitziger reiter hernach sich einbildet, es habe sein versprechen was geholfen. aber weit gefehlet, gott und die ordentliche mittel habens gethan.
rockenphil. 6, 87; und lebst du nun in ruh? gefehlt, ergreif die waffen! man untergräbt dein glück, ein feind macht dir zu schaffen. Rost
vorspiel 37; du meinst du seist die schönste auf dieser ganzen welt, und auch die angenehmste, ja aber weit gefehlt.
bekanntes volkslied. 1@ee)
recipr. sich fehlen,
sich nicht treffen, verfehlen: so nahn oft pilger nach Salem, deren seelen sich gleich und für einander gemacht sind, sich in diesem leben und fehlen sich dennoch.
Messias 14, 69. 22) fehlen,
deesse, abesse, mangeln, gebrechen, fehlschlagen. 2@aa)
etwas fehlt, es fehlt an etwas: deine knechte haben die summa genomen der kriegsleute, die unter unsern henden gewesen sind, und feilet nicht éiner, et ne unus quidem defuit. 4
Mos. 31, 49; so thet Josua, das nicht feilet an allem das der herr Mose geboten hatte, non praeteriit nec unum quidem verbum quod jusserat dominus Moisi.
Jos. 11, 15; das nicht éin wort gefeilet hat an alle dem guten, quod de omnibus verbis unum non praeterierit incassum. 12, 14; und hat uns nichts gefeilet an der zal.
1 Sam. 25, 15; und feilet an keinem weder klein noch grosz, nec defuit quisquam a parvo usque ad magnum. 30, 19; und es feileten an den knechten Davids neunzehen man.
2 Sam. 2, 30; und die amptleute versorgeten den könig und alles was zum tisch gehörte und lieszen nichts feilen.
1 kön. 4, 27; unser keiner lasz im feilen mit brangen.
weish. Sal. 2, 9; das habe ich alles gehalten von meiner jugent auf, was feilet mir noch? quid adhuc mihi deest?
ahd. waʒ ist mir noh nu wan?
Matth. 19, 20; eines feilet dir, gehe hin, verkeufe alles was du hast und gibs den armen, unum tibi deest,
goth. ainis þus van ist.
Marc. 10, 21; deine strafe aber kan nicht feilen. Luther 3, 36
a; sintemal obgleich die werk feilen, so ist hülfe und rat. 3, 36; es feilet am glauben. 4, 14
a; denn es kann nicht feilen. 5, 41
a; wiewol es doch ja nicht an gutem geneigtem und bereitem willen gefeilet. 6, 11
a; so kanns nicht feilen, ir werdet bei euch selbs das herz voll trosts und freuden kriegen. 6, 11
b; und ob sie es mit unthat nicht vermögen, so feilets doch am guten willen nicht. 6, 16
a; woran fehlts weiter? Alberus
wider Witzel M 7
b; ich musz zwar auch schaun ob was felt, und wie all sach sei daust bestelt. Rebhun
s. 134, 899;
[] sie wären denn nun zwei, doch zwei mit éinem herzen, und feilte wenig zeit zu ihren hochzeitkerzen. Gryphius 1, 200; was man für der zeit erwehlet, sonst ist nichts, was so sehr fehlet. Logau 3, 19, 87; Stilpo, du geschwinder kopf, balde weistu einen rath, wie man sollen machen das, was gefehlet etwa hat. 3, 62, 27; wenn manchen patienten der doctor besucht, meinet er es sei ihm schon geholfen, und fehlet doch oft sehr weit (
kann auch heiszen irrt sich, bleibt fern vom ziel, nach 1). Otho 590; das wasser fehlt, wo ihre rosse trinken. E. v. Kleist 1, 16; er (
Gottsched) dacht es würde sie sein ansehn noch bezwingen, wo nicht, so müste doch der streich Corvins gelingen. umsonst, der anschlag fehlt (
erreicht nicht sein ziel?) Rost
vorspiel 64; sie (
frau Gottsched) sprach Corvinen zu und lobte seinen muth, und da die that gefehlt, hiesz sie den willen gut. 94; alle diese umstände hätten nicht fehlen (
ermangeln oder verfehlen) sollen, einen menschen aus der fassung zu setzen. Wieland 1, 97; denn eben wo begriffe fehlen, da stellt ein wort zur rechten zeit sich ein. Göthe 12, 98; an kühnheit wirds euch auch nicht fehlen. 12, 99; die herren hatten es auch nicht fehlen lassen, reich und ehrwürdig angethan zu erscheinen. 24, 304; den andern tag hatte ich nicht muth hinzugehen. den dritten liesz mir Emilie ... in aller frühe sagen, ich möchte heute ja nicht fehlen (
ausbleiben). 25, 281; es fehlte (
lag) nicht an der milden sonne, wenn sich der kriechende busch nicht zum baume aufrichte
etc. Schiller 314
a; fehlte je der schöne lichtstral in deinem auge, wenn die freude dein herz durchglühte? 314
b.
errare und deesse lassen sich hier oft nicht scheiden, weil aus dem abirren mangel entspringt. 2@bb)
den gipfel von verlegenheit oder noth bei unerwarteten vorgängen zu bezeichnen heiszt es: dú fehltest noch! dér fehlte noch! dás fehlte noch! Lessing 2, 237; fängst dus so an? dás fehlte noch! Göthe 8, 130; díe gestalt fehlte noch! 8, 156 (= 42, 215. 442); der gewissenszwang fehlte noch! 8, 176; dás fehlte noch, dasz er sich zu überheben anfängt. 42, 204; dás fehlt mir noch,
id mihi restat mali! vgl. das ist noch übrig =
noch nicht eingetreten; was noch einig hat gefehlet in die anzahl meiner noth, die mich dürftigen durchquelet, ist, herr Rhemisch, ewer tod. Tscherning 36. 2@cc) was fehlt dir?
was ist dir? was hast du? welches leid quält dich? und er fraget noch was mir feile? quid tibi est?
richt. 18, 14; was fehlt unserm magister? fragte einer den andern. Thümmel
Wilhelmine 20; ich weisz nicht was mir fehlt,
was mir ist, je ne sais pas ce que j'ai; hier soll ich finden was mir fehlt? Göthe 12, 41; er läszt gleich den arzt rufen, sobald ihm das geringste fehlt; es fehlt mir nichts =
es bricht, gebricht mir nichts. 2, 346. 2@dd) fehlen,
entgehen, abgehen: die fürt er in der feinde zelt, hoft das im groszer lon nit felt. Schwarzenberg 113, 1; mein hofnung und zuversicht sol mir, ob gott wil, nicht feilen. Luther 1, 62
b; ein guter weg, der weder mir noch andern fehlen wolte. Mich. Neander
bed. 39
b; nach seinem tod das gut ward theilt, so gleich das keim daran nichts feilt. Waldis
Es. 3, 94
bl. 190
a; also gehet es, groszem glück feilet es oft am segen und gedeien. Mathesius 14
a; itzt ist zeit zu eilen, dem wird alles feilen, der sich wird verweilen. Fleming 300; du leeres gewäsche, dem menschenwitz fehlt, o fahr in die frösche, nur uns nicht gequält! Hagedorn 3, 116; vergebens grüszt man ihn, es fehlt ihm an der zeit, den hut herabzuziehn. Rost
vorspiel 40; der prinz sprang auf und stund von schrecken halb entseelet, starr wie ein marmorbild, dem farb und odem fehlet. Weisze
trauersp. 1, 214; gestehe mir nun was dich quälet, was du zu viel hast, was dir fehlet. Göthe 11, 145; er fehlt mir, verläszt mich in dem letzten augenblick. Schiller 542
a; wen seines volkes auf so hoch gestellt, dem fehle nicht die kräftigung von gott. Uhlands
Ernst 61; noch fehlt mir euer urlaub, hohe frau. 68;
[] drum, dasz dem muthe sein wahrzeichen nicht, der ehre nicht ihr freudig wimpel fehle. Uhlands
Ludwig 153. einem fälen,
fallere promissum, seinem freund fälen und im nit zu willen werden,
deesse voluntati amici. Maaler 129
d;
man sagt: sich selbst fehlen,
sibi ipsi deesse: so sorgt er selbst für dich, wo du dir fehlst. Göthe 1, 141; wenn wir uns selbst fehlen, fehlt uns doch alles. 16, 97; ja, er ists, der, auch entseelet, seinem heilgen schwur nicht fehlet (
ihn nicht bricht, sondern hält). Schiller 60
b; und meinte seiner pflicht zu fehlen, durft er sich nicht im dienste quälen. 67
b. 2@ee) eines dinges fehlen,
ermangeln: das ich der gnaden feilen müste. Luther 3, 10
b; da nu die heiden des rechten gottes gefeilet haben. 3, 42
b; sie feilen noch itzt des herrn Christi. 3, 36
a; denn dieweil sie nicht recht vom glauben leren, müssen sie der rechten werk feilen.
augsb. conf. im corp. doctr. chr. p. 12; und fälen also der gerechtigkeit, lieb und hofnung, die aus dem glauben kumpt. Frank
weltb. 143
b; in disem land haben sie die helfand also zum krieg und allen dingen gewönt, das in nicht fält dann der red. 220
a.
diese genitive begegnen später nicht mehr, sie stehn aber nahe denen unter 1,
c, denn wer einer sache ermangelt, geht ihrer auch fehl, erreicht sie nicht. 2@ff)
refl. sich fehlen =
fehlen: je mehr deine jahre zu und deine kräfte abnehmen, je näher kommt der tod herbei, das fehlt sich nicht. Otho 27. 2@gg)
wie das lat. abesse
mit longe, multum, parum
vordersätze bildet, von welchen der eigentliche hauptsatz abhängt, findet sich auch weit, viel, wenig
oder die blosze negation bei fehlen: es feilet nicht viel, du überredest mich, das ich ein christen würde,
vulg. in modico suades me christianum fieri.
apostelg. 26, 28; es fehlte wenig, dasz sie nicht falscher liebe pflege.
buch d. l. 214, 2; verhoffens es werde nicht fehlen, dasz ich geld bringen sollte. Schweinichen 1, 398; weil sie aber meistens doch lieber jung als alte nemen, fehlt es nicht, sie haben wind, was dabei sei für bequemen. Logau 2, 127, 39; viel ist manchem zugezehlet, viel auch fehlet, dasz er noch nicht alles hat. 3, 211; hat Tacitus nicht von dem allerheiligsten aufs allerverächtlichste geschrieben? dennoch fehlet es weit, dasz man ihn aus der hand werfen sollte. Butschky
Patm. 914; es fehlt nicht viel, dasz ich ganz von der hätsche sei,
nihil prorsus abest quin sim miserrimus. Stieler 425; ja, sprach er, euer dienst ist grosz, allein es wird mir nicht viel fehlen, ihr werdet mich dafür zeitlebens quälen. Gellert 1, 200; aber auch dieses vergnügen wird alle augenblicke durch die überlegung unterbrochen, wie übel die kunst angewendet worden und diese überlegung wird selten fehlen, die geringschätzung des künstlers nach sich zu ziehen (=
und es wird selten fehlen, dasz diese überlegung). Lessing 6, 513; der junge prinz konnte nicht fehlen, sich in dieser schule gar bald zu demjenigen auszubilden, was die damen seines hofes einen liebenswürdigen mann nannten (=
es konnte nicht fehlen, dasz der prinz). Wieland 6, 158; und erzählt uns nicht Ovid, wie wenig es gefehlt hätte, dasz sogar die ehrwürdige Vesta von dem gefährlichsten liebhaber, den eine spröde haben kann, überrascht worden wäre? 10, 106; ich finde hier so manche wolgestaltete personen, denen es gewis nicht fehlt, mahlerische bewegungen und stellungen nachzuahmen (=
bei denen es nicht fehlt, dasz sie). Göthe 17, 252; es fehlte viel, dasz Werner einen gleich vortheilhaften eindruck auf Wilhelmen gemacht hätte. 20, 132; wenig hätte gefehlt, so wäre er mit Reichardt hier angekommen. Schiller
an Göthe 234.
im latein folgt auf non abest, parum abest
ein quin,
wir dürfen im nachsatz die negation weglassen oder setzen: es fehlte wenig, dasz er ihn schlug
oder dasz er ihn nicht schlug.
die weglassung ist deutscher. auf 'es ist weit gefehlt'
läszt Kant
ein dasz,
auf 'es ist so weit gefehlt' = tantum abest
ein doppeltes dasz
und das zweite im geleit von vielmehr
folgen: es ist so weit gefehlt dasz meine principien ... sollten, dasz sie vielmehr das einzige mittel sind
u. s. w. 3, 209,
vgl. 1, 75. 7, 69. 311. 9, 15.
man sagt: weit gefehlt seine lüge einzugestehn, machte er immer neue lügen,
tantum aberat, ut —
ut. vgl. weit gefehlt
unter 1,
d.