tolpatsch,
m. ,
auch talpatsch, dalpatsch, dolpatsch, tollpatsch. 11)
ursprünglich bezeichnung eines ungarischen fuszsoldaten (
vgl. franz. talpache, tolpache)
aus dem substantivisch gebrauchten ungarischen adj. talpas '
breitfüszig' (
von talp '
sohle'.
vgl. Fogarasi
ung. wb.5 2, 472.
also eigentlich ein spottname, der wol auf die fuszbekleidung der betreffenden soldaten abzielt: statt der schuhe trugen sie nämlich, wie Eggers
kriegslex. 2 (1757), 1082
bemerkt, breite mit schnüren befestigte sohlen. der name wurde daher auch als beschimpfung empfunden und war verboten. im deutschen zuerst (1698)
belegt in der form tolbatz
bei Schm.
2 1, 603.
in den wörterbüchern des 18.
jahrh. häufig angeführt: allgem. lexic. d. künste u. wiss. (1721); tolpatsch ist ein zeitungswort und bedeutet
das ungarische national-fuszvolck Sperander
à la mode-sprache der Teutschen (1727) 742; tolpatschen,
pedites militiae Hungarie Apinus
glossarium novum (1728) 533; Frisch 2, 376
c; Zedler
universallex. 44 (1745), 1156;
verzeichnung der gebräuchlichsten ... entlehnten wörter (
Hamburg 1748) 178; Eggers (1757); Adelung; Kinderling
über die reinigkeit der deutschen sprache (1795) 348. —
in weiterem sinne bezeichnet nach Schmeller
das wort im deutschen einen österreichischen soldaten, der (
als Ungar oder Slave)
nicht recht deutsch versteht: haben jhne drey bewaffnete tolbatzen feindlich überfallen
alt-Ötting. histor. v. j. 1698
bei Schmeller; die jungens lieffen uns auf allen gassen nach, he! schrieen sie, he! he! zwey jenische tollpatschen, hört, hört, wie grausam sie mit ihren peitschen klatschen L. Blaustrumpf
vier possierl. ged. (1746) 5;
dazu die (
unrichtige)
erklärung: tollpatschen sind eigentlich eine art ungarischer hussaren, welche mit den carabinern, an statt der karbatschen (
peitschen), lustig schwencken, dasz einem die kugeln um die ohren herum sausen; ihr edlen, wolt ihr euch tollpatschen selbst vergleichen? 21; was soll, o talpatsch und pandur, was soll die träge rast? Gleim
kriegslieder 12
neudr.; was kannst du, talpatsch und pandur, soldat und officier! 13; der ist, sag' ich, ein Hottentott, ein talpatsch, ein pandur
werke 4, 243; kein talpatsch, kein pandur und wie sie alle heiszen, kommt nicht, um mir das brodt vom maule wegzureiszen Karschin
ged. 381. 22)
ein groszer, plumper schuh oder grober härener überschuh Adelung.
mit dem zusatz: '
von leder nennt man diese überzieher oder überschuhe kaloschen,
von wolle, eine art Pariser, pampuschen
oder auch bambuschen' Krünitz 185, 630. Schm.
a. a. o. vgl. das unter 1
über die fuszbekleidung der tolpatschen
bemerkte; vielleicht hat auch deutsches patsche 4
die bedeutung beeinfluszt. 33)
ein plumper, ungeschickter, täppischer, dummer mensch, ein tölpel. diese heute gangbarste bedeutung des wortes findet sich, wie es scheint, zuerst gebucht bei Kindleben (1781),
dann bei Stalder (1806)
und Campe (1810)
usw. vermittelt wurde sie wol durch anlehnung an talp
und patsch,
sowie an toll (
vgl. die schreibung tollpatsch)
und tölpel (
vgl. Andresen
deutsche volksetymologie6 281).
das so umgedeutete wort ist in den meisten hoch- und niederdeutschen mundarten zu finden; die formen sind mannigfaltig: tolpatsch Schm.
2 1, 603;
dummer mensch, besonders ein solcher, den man beim sprechen schwer verstehen kann Lexer
kärnt. wb. 64; tallpatsch Schöpf
tirol. idiot. 736; Hintner
Deferegger dialekt 36; dalapatsch
idiot. Austriacum2 62; dlabdsch Castelli 104; talpach, talpatsch,
plumper, besonders im gange schwerfälliger mensch, figürlich ein mensch von stumpfsinn Stalder
schweiz. idiot. 1, 260; tolpatsch Hunziker
Aargauer wb. 85; dollpatsch,
der fehlgreifende, linkhändige Rochholz
alem. kinderlied 137; dallebatsch, dallewatsch Schmid
schwäb. wb. 118; dallepatsch Birlinger
schwäbisch-augsburg. wb. 107; dolbatsch, dalwatsch Schmidt
wb. der Straszburger mundart 27; tollpatsch, dollpatsch,
etwas schwächer als tollerjan Kehrein
volkssprache in Nassau 1, 405; dolpatsch Crecelius 1, 280; tollpatsch, dollpatsch,
etwas mehr als tölpel,
ein recht plumper, ungeschickter mensch Schmidt
westerw. id. 256; dolpatsch Müller-Weitz 243; tolpatsch Hertel 245; tollpatsch, talpatsch Spiess 255; tolpatsch Arnold
Nürnberger dialekt (
album des litt. vereins 1851,
s. 172); Albrecht
Leipz. mundart 223. Weinhold 99; tuolpatsch Göpfert
mundart des sächs. Erzgebirges 49;
nd. tallpatsch Danneil 220; tolpatsch, talpatsch Schambach 232; talpatsch Bernd
deutsche sprache in Posen 304; tollpatsch, dollpatsch, tallpat,
fehlgreifender, linkhändiger, ungeschickter, tölpel Frischbier 2, 405; du dolpatsch. so titulirte er (
der barbier) nämlich insgemein den lehrjungen, wenn er das halbe pflaster auf den tisch strich, anstatt aufs tuch Hebel
werke 3, 133; guter tolpatsch! Auerbach
dorfgesch. 1, 3; die alte närrin und der tolpatsch da ... wollen in den kleidern prunken
auf der höhe 2, 52; und hast den tolpatsch, den Philipp, nicht zurückgehalten, der mitten unter das soldatenvolk fahren wollte? Riehl
culturgeschichtl. novellen 13; (
ihr mann) gab ihr einen stosz in die rippen und flüsterte: du alte kuh! was machst du denn? störe mich nicht, sagte sie unwillig, du alter tolpatsch! G. Keller
ges. werke 4, 97; er (
Peter der grosze) war ein czar von eigenen gnaden ... mit einer faust von eisen den moskowitischen riesentolpatsch packend, schüttelnd, drillend Scherr
Blücher 1, 22; alle wetter, kerl! untersteh dich nicht, mit deinen schmutzigen fingern in den topf zu fahren, willst du hinsetzen, du tolpatsch! Freytag
ges. werke2 13, 80; derstochen hast (
den handler), natürlich! wie kunnt' ich ihn denn derstochen haben, wenn du ihn nit festgehalten hättest? tolpatsch, du! Rosegger
geschichten und gestalten a. den Alpen 17
Reclam. —
sprichwörtlich: die grösten tolpatsche halten sich für gescheite leute; von einem tolpatsch musz man nichts erwarten als quatsch Wander 4, 1263. 44)
name eines groszen, täppischen hundes: man musz dabei (
beim anblick der russischen steppenhunde) alle gedanken an unsere treuen Phylaxe, unsere kräftigen doppelnasigen Sultane und Tolpatsche ... verbannen J. G. Kohl
reisen in Südruszland (1841) 2. 138.