wiszlich,
adj. ,
heute in den mundarten noch lebendig: wiəsslich
bekannt Knothe
Markersdorfer mundart 124; wässlich
erinnerlich, bewuszt; et äs mer wässlich,
ich erinnere mich davon, weisz es Haltrich
siebenbürg.-sächs. volkssprache 49
b. 11)
bekannt, offenkundig, besonders prädikativ in der verbindung es ist wiszlich,
s. die mhd. wörterbücher: ich bin undirricht, das euren gnaden wol wisslich sei, das ...
bei Steinhausen
privatbriefe d. mittelalters 1, 88; wie es wiszlich ist, das man allein vil seltzams dings mit eyner lini machen kan Albrecht Dürer
underweisung der messung (1525) a 2
b; das ist auff glauben wiszlich mir H. Sachs 1, 118
K.; vgl. 15, 105; also das es allein seinem hausgesinde wislich worden, das er gelt verloren habe Chr. Zobel
sechsisch lehenrecht (1537) 141
a; was aber der könig den seinen hat anbracht, ist nit offenbar oder wiszlich Carbach
Livius (1551) 236
a; da ainer darüber betrötten oder solches auf ihme wisslich gemacht wurde, solle er als oft ... gestrafft werden (1606)
österr. weist. 6, 73; der stein hat, wie wiszlich, eine fleischrote farb Joh. Saubert
wagen Simeonis (1627) 121; (
ihnen) wisslich zu machen A. U. v. Braunschweig
Octavia (1677) 1, 400; schrifften, welche, soviel wiszlich, noch nie deutsch gemacht worden W. G. Förtsch
Martini Lutheri bibl. lex. (1726)
vorr. seltener ist der gebrauch als attribut: die gewercken für wiszlichen schaden verwarnen J. Mathesius
Sarepta (1571) 21
a; auszer ... andern holzes, so man ... zum salzlesen wiszlich bedürftig (1608) Lori
bergrecht 434
a; die mich wiszlich neiden, kan ich noch wol leiden Logau
sinnged. 607
Eitner. als '
wiszbar': wir mögen auch ein jeglichs wiszlichs ding desto besser wissen, so wir dessen ursach erkennen
M. Pegius
geburtsstundenb. (1570) Hh 3
b.
das niederdeutsche kennt den gebrauch von wiszlich (witlik)
in einem noch gröszeren ausmasze, so in den [] verbindungen w. und kundich
hans. geschichtsqu. 4, 61;
westfäl. landrechte 1, 198; w. und openbar, w. don, maken
und in der einleitungsformel: witlik si al den genen, de dessen bref seen und horen lesen ...,
s. reg. z. mecklenb. urkdb. 23; 24
und reg. zu städtechron. 6
und 7;
und vor allem Schiller-Lübben 7, 750,
wo auch witlik
als attribut zu schult, fehde, feind, geburt
u. s. w. in der bedeutung '
öffentlich, notorisch'
bezeugt wird. 22)
gewisz: der guote meister arczte ... Bruno wort so grossen gelauben gab, also wer es im ein wiszliche warheit gewesen Arigo
decamerone 523
lit. ver.; mancher so er weiszt wiszlich schon, das sin meinung irrt und sin won ... dannocht so wil er schwigen nit S. Brant
narrenschiff 29
Z.; bewisen w. Hänselmann
braunschweig. urkdb. 1, 6
u. ö.; vgl. assertive wyszlich (15.
jh.), wyszelichen Diefenbach
gloss. 55
b. 33) '
bewuszt, absichtlich'; wiszlich betriegen
tromper a bon escient Hulsius-Ravellus (1616) 417
a: eh ich wiszlich ein thor wolt sein, ich liesz eh Rom, und wer es mein
Freidank (1539) 27
b; hierumb ... du dich wiszlich in den orden der liebe schicken wöllest Wickram 1, 22
B.; vil leut wiszlich durch heimlich list betrogen, dem armen mann sein brot entzogen Casp. Scheit
frölich heimfart (1551) e 4
a; der mensch entschläget sich der güter (
d. i. der freundschaft und gemeinschaft) oft, wozu gott ihn und mich und dich gar wiszlich hat gemacht S. Dach 717
Österley. wie wissentlich (
s. o. sp. 803)
vereinzelt in urkundlicher formel: haben wir unser siegel wiszlich daran gehangen (16.
jh.)
bei Bauer-Collitz 182. 44)
ganz vereinzelt als '
sorgfältig, gewissenhaft': desgleichen auch das hinder tail aller wisselichest fürsehen werden umb der zweier senadren willen H. Braunschweig
chirurgia (1539) 78
a. —