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trippeln

mhd. bis spez. · 14 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

trippeln vb.

Bd. 22, Sp. 641
trippeln, vb. , treten, kleine schritte machen; auszerhalb des deutschen entspricht nur nl. trippelen, wfries. trippelje. bei der seltenheit von trippen ist das reich entfaltete trippeln kaum iterativbildung zu trippen, sondern eher ablautsneubildung zu trappeln, s. d. das wort begegnet im älternhd. nur ganz vereinzelt und zunächst ohne scharfe bedeutungsdifferenzierung (s. u. 1). doch vermutet Meyer-Lübke roman. etym. wb. 677b, dasz die norditalien. formen mit l: mail. tripila 'mit den flügeln schnell schlagen, schnellen (von fischen), trient. trippolar 'getreide austreten' vielleicht auf dem mhd. wort beruhen. lexikalisch wird es erst seit Stieler stammb. (1691) 2299 greifbar; calpestiare Kramer (1702) 2, 1114c; 1132b; to trip or trap Ludwig (1716) 2024. häufig begegnet es seit dem späteren 18. jh., und zwar lediglich in der auch heute allein üblichen bedeutung 2. — neben der üblichen intransitiven verwendung steht nur ganz vereinzelt in dichterischer diktion transitiver [] gebrauch: doch naget und trippelt er ohn unterlasz die welt umb die sunde, umb die gerechtigkeit und umb das gerichte Val. Weigel erkentnüs gottes 112; meiner plane stolze pyramiden trippelst du mit leichten zefyrtritten schäkernd in den staub Schiller 1, 259 G. 11) ursprünglich intensiv vom menschlichen gang: mit raschen, kurzen schritten hart, fest auftreten; trampeln; stampfen; laut gehen. es ist dabei gleichgültig, ob mit solcher fuszbewegung ein fortgang verbunden ist oder die bewegung an ein und derselben stelle erfolgt; wesentlich für die verwendung des verbs ist lediglich die raschheit, schnelligkeit der aufeinanderfolgenden starken und deshalb meist geräuschvollen tritte, wohl auch eine gewisse unregelmäszigkeit ihrer aufeinanderfolge. gern ohne scharfe bedeutungsdifferenzierung synonym zu trampeln, stampfen, treten gebraucht. für ursprünglichkeit und alter dieser bedeutung zeugt deutlich die verwendung der ableitungen 1trippe, f., 4trippel, f. und m.; vgl. diese. in der hochsprache nur älternhd. seit dem 15. jh.: ir (der könig) wolt in all winkel gutzen und tut die schon weiber anschmutzen ... ir tut mich (die königin) uber jar vast kippeln (auszanken), und tut selbs in all winkel trippeln fastnachtspiele 143, 33 Keller; die dörpel dreppeln (beim tanz) hinden nach (hs. d. 15. jh.) Uhland volksl. 1, 340; beschäch aber zangk durch umbteilung, so wirdt gebrucht snell uszbietung des arms unnd fürsatzung des rechten fuosz mit ein wenig tripplen oder tretten unnd ein scharpff angehefft angesicht Riederer spiegel der waren rhetoric (1493) g 5a; der herbst, der auff der hürd her trippelt, blosz an füszen, das des weinberges safft herausser möge flieszen Tob. Hübner sieben tageszeit (1661) 193; auch in der übertragung auf tiere: die ente wadelt und trippelt sehr eilents mit iren kurtzen beinen hinach Kirchhof wendunmuth 1, 299 lit. ver. diese bedeutung ist im westalemann. bis in die gegenwart hinein lebendig geblieben: tripplen 'stampfen' Martin-Lienhart elsäss. 2, 763a; trippeln 'mit dem fusz auf die erde stampfen als zeichen der ungeduld; feststampfen' Follmann lothr. 104b; vgl.trepplen in derselben bedeutung bei Martin-Lienhart elsäss. 2, 762b; e so böses kind han ich noch keins gesehn: dis trippelt, wanns nit krigt, was es will ebda 763a; (die kutscher) trippelten vor kälte hin und her Auerbach schr. (1892) 7, 5. in der schriftsprache ist sie seit dem ende des 17. jh. unbekannt; vgl. aber die verwendungsweise unter 4. 22) deminutiv und iterativ vom menschlichen gang: mit vielen, kleinen, schnellen schritten, die nur ein feines, helles geräusch hervorrufen, sich von der stelle bewegen; non festinato quidem gradu, sed tamen cum strepitu quodam incedere, pedes calcando subinde motare Stieler stammb. (1691) 2299: auf den zehen trippelnd Gerstenberg schlesw. lit.-br. 29, 164 lit.-denkm.; hierauf trippelte ich nach einem bepolsterten armsessel hin Lichtenberg br. (1901) 1, 126; ich sah nur zwei augen wie die einer eule ... und zwei trippelnde füsze G. Freytag ges. w. 10, 201. das zeugnis der mundartenwbb. erweist, dasz diese bedeutung im westniederd. und dem angrenzenden mitteldeutschen sprachraum seit alters heimisch ist: sie verzeichnen Fulda versuch (1780) 555; Schmidt-Petersen nordfries. 138a; brem.-nieders. wb. 5, 110; Richey id. Hamb. 314; Mi mecklenb. 94b; Dähnert pomm. 495a; Brendicke Berliner wortsch. 185; Albrecht Leipz. 224b; Deiter Hastenbeck 150; Damköhler Nordharz. wb. 196b; Rovenhagen Aachen 148; Leihener Cronenbg. 124b; Leithäuser Barmen 160a; Schmidt westerwäld. id. (1800) 266; Martin Rhoden 277b; Bauer-Collitz waldeck. 105b; 265a; Crecelius oberhess. 299/300. dies ist der innerhalb des nhd. zeitraums zumal seit dem aufkommen schärferer charakterisierung im schrifttum neu entwickelte typische und allgemeine gebrauch, der sich hochsprachlich über das gesamte deutsche sprachgebiet ausdehnt und von daher sogar eingang in die süddeutschen mundarten findet, vgl. Lenz Handschuhsheimer [] dial. 72a; Fischer schwäb. 2, 389. trippeln ist deutlich von andern arten der fortbewegung abgesetzt: ich gan, ich kommen, ich fliegen nu, ich tryppeln und dantzen und dun is alle; ich gan und lauffen, is falle wie is falle pilgerfahrt des träumenden mönchs, v. 12060; nun kommen sie, gehen, rennen und trippeln auch wohl herbei, andere bleiben unterweges stehen, andere kehren gar um Göthe IV 11, 260 W.; die kleine, sehr geputzte dame, die ... mit einem körbchen unterm arm sicher und bewuszt mehr trippelte als in ruhiger würde und zufriedener stimmung schritt Gutzkow ritter vom geiste (1850) 2, 13; besonders im hinblick auf den optischen eindruck: um sie herum zogen, trippelten und rauschten die schwärme der lustwandelnden G. Freytag ges. w. (1886) 4, 300; es ist ein treten, fahren, gehn, ein trippeln, hüpfeln, rolln der räder quer übern weg Immermann 13, 198 H. es unterscheidet sich von anderen gangarten dadurch, dasz es mehr einem graziösen gleiten, schweben über den boden hin ähnelt: ihr schneller lauf war kein gehen, sondern ein fliegendes trippeln und fortgleiten, wobei an den füszen fast gar keine bewegung zu unterscheiden war Herder 13, 111 S.; was geschieht? gehen wir? schweben wir nur trippelnden schrittes am boden hin? Göthe 15, 204 W.; ihm folgt ein weib voll hoher majestät, und neben ihr mit leichtem trippeln geht die kleine zofe A. v. Droste-Hülshoff w. 2, 223 Schücking. 2@aa) in objectiver feststellung wird mit trippeln die typische gangart von zierlichen, behenden, leicht beweglichen menschen, vornehmlich also von frauen, kindern und alten leuten bezeichnet, die sich scharf von dem festen, harten und hörbaren auftreten der männer und schwerfälliger, gewichtiger personen unterscheidet: lasz nur einmal erbsen in dein vorzimmer streuen, männer, die haben einen festen tritt, wenn die darüber hingehen, regt sich keine, mädchen aber die trippeln und schlurfen, und die erbsen rollen unter ihren füszen kinder- u. hausm. (1812) 1, 321; seh ich solch ein schlankes kind, wie es, das herz voll vom lerchengesang der jungen hoffnung, neben dem stampfenden papa und der schleichenden mama daher trippelt O. Ludwig ges. schr. (1891) 2, 399. zur charakterisierung des leichten, schnellen und zierlichen ganges von frauen und besonders junger mädchen: aber die dame trippelte nach dem wagen Thümmel reise (1791) 9, 192; kommt sie getrippelt das gäszchen herab, dann wird mirs blind vor den augen Boie bei Weinhold Boie (1868) 366; an zung und lippe halb gelähmt, enttrippelt das ertappte mäuschen Bürger s. w. 90a Bohtz; denn eure eignen fraun und blassen mädchen wie amazonen, trippeln nach der trommel, aus fingerhüten waffenhandschuh machend Shakespeare 5, 125; dasz ... die kammerjungfer vom schlosse über die strasze dahergetrippelt kommt Eichendorff s. w. (1864) 3, 19; dazwischen trippelten die backfische mit hohen knöpfstiefeln Fontane ges. w. I 6, 95. ebenso gern vom raschen, leichten schritt der kinderfüsze: blond und fein, ein lockenköpfchen, das kaum vier der jahre hat, trippelt ängstlich durch das gäszchen, jeder schritt noch eine that Hebbel w. 6, 401 W.; mitten in einem vor seligkeit schweigenden, trippelnden kinderhaufen schritt er immer vorwärts das Schmidtbonn -buch (1927) 192. dabei wird das wort mit deutlicher vorliebe für mädchen verwendet: das frühstück kam, und Gretchen trippelte herein, mir einen guten morgen bietend Schreyvogel ges. schr. (1829) 1, 25; sieh da! Rotkäppchen kömmt den weg; schon trippelt sie dort auf dem steg Pocci lustiges komödienbüchlein 3 (1869) 126; [] das schwesterchen hatte sich an seinen arm gehängt und trippelte athemlos an seiner seite Raabe Abu Telfan (1870) 1, 54; auf dem steintische trippelte und jauchzte ein zweijähriges mädchen C. F. Meyer Jürg Jenatsch (1901) 63; seltener von knaben: ich stund auf, trippelte im hemdli nach der hütte U. Bräker s. schr. (1789) 1, 9; so schritt voran die Thresel mit ihrer kraxe ... und hintendrein trippelte ich Rosegger als ich noch der waldbauernbub war 2, 43. schlieszlich auch für den zittrigen gang verhutzelter greise: just die kühnsten, elegantsten werden früh zu müden krüppeln, und die einst am flottsten tanzten, müssen lahm zur grube trippeln Wedekind ges. w. (1918) 1, 28. dabei wird ebenfalls die anwendung auf alte mütterchen bevorzugt: ... das mütterchen ... trippelte dann auf knirrendem sande zur wanduhr Voss s. ged. (1802) 2, 275; bejahrte frauen ... eilen trippelnden schritts nach dem groszen dome Heine w. 1, 175 Elster; leise kam jetzt wieder die alte kammerfrau getrippelt A. v. Arnim 2, 346 Grimm; da kam ein altes mütterchen dahergetrippelt G. Keller ges. w. 3, 131 Cotta; bis zum tod der kleinen trippelnden, verhutzelten, dunklen groszmutter H. Fr. Blunck weibsmühle (1927) 180; seltener für betagte männer: der alte wünschte eine gute nacht und trippelte die stufen ... hüstelnd hinauf O. Ludwig ges. schr. (1891) 2, 588; der alte hofbeamte ... begab sich auf trippelnden füszen zu seinem herrn Weigand gärten gottes (1930) 391. daher von männern nur, wenn dadurch ihre gangart als typisch unmännlich charakterisiert werden soll; sie ist meist veranlaszt durch einen schweren, rundlichen oberkörper auf zu kurzen beinen: nach diesen worten wendete sich der sultan zu einer gallerie, und der kleine, runde trubadur trippelte hinter ihm drein Fr. M. Klinger w. (1809) 10, 163; ich ... war kaum noch zu ende, als der bediente den ehemaligen könig von Westfalen meldete, und dieser sogleich trippelnd eintrat Göthe gespr. 4, 244 Biedermann; damit trippelte das irländische dickbäuchlein über den Monte Cavallo nach seinem hause Waiblinger Britten in Rom 18 Zoller; ungewöhnlich für den unsicheren, schwankenden schritt eines trunkenen: schwer vom weindunst war auch sein vater gestern ... zum schlosztor hinaus getrippelt F. Th. Wolf Philipp Dulder (1793) 37. 2@bb) in seelischer vertiefung wird der schnelle, kleine trippelschritt häufig als körperlicher ausdruck einer bestimmten seelischen haltung oder inneren gefühlserregung des menschen gefaszt. sprachlich kommt das gern durch die hinzufügung einer adverbialen bestimmung zum ausdruck, die diese gefühlshaltung bezeichnet; doch ist ihre hinzufügung nicht notwendig. 2@b@aα) am liebsten als äuszeres kennzeichen für unnatürlich übertriebenes, geziertes, affektiertes wesen, wieder besonders gern bei frauen und mädchen: sie kann, zu einem eiteln kammerpüppchen zusammengeschnürt, sich mit süszer selbstgefälligkeit tänzeln und zieren und trippeln, dasz den kleinen mamsellen ... das herz im ganzen hause aufgeht Lichtenberg verm. schr. (1800) 3, 342; bald tripple ich wie eine kleine lose grisette Bretzner räuschgen (1786) 61; sie (christliche witwen) trippelten dann mit erhabenem haupte, unverschämtem gesicht und hüpfenden füszen durch die gassen Zimmermann über die einsamkeit 1, 279; (er) kommt angezogen mit seiner trippelnden, kleinen, hohläugigen Französin Göthe 11, 99 W. für ganze gesellschaftskreise, deren innere hohlheit dadurch bloszgestellt werden soll: andre rennen einander in koth nieder, zu ärger und betrübnis der tripelnden, die mit rothen federn auf der nase wie papageyen einherschwänzen und vor übersanftem gefühl zerschmelzen maler Müller w. (1811) 2, 20; der ganze hofkreis trippelt und guckt Bettine dies buch gehört dem könig (1843) 1, 19; [] wenn ... diese figuren ins deutsche übertragen werden, so machen wir sogleich hüpfende, springende, trippelnde fratzenschneider daraus Gutzkow ges. w. (1872) 7, 390; harmloser: das trippelt und tänzelt und ziert sich wie die figuren auf einem rococodamenfächer Raabe schüdderump (1870) 1, 29. daher auch von männern möglich, die sich durch solch unnatürliches gebaren lächerlich machen: hofmarschall (ins zimmer trippelnd) Schiller 3, 450 G.; die geschäftigkeit der männer, die ... von loge zu loge trippelten und sich tiefer bückten und noch lauter und wortreicher waren als sonst Chr. Fr. Schulz reise eines Livländers (1795) 3, 6; gott hat euch ein gesicht gegeben, und ihr macht euch ein andres; ihr schlendert, ihr trippelt und ihr lispelt und gebt gottes creatur verhunzte namen Shakespeare 3, 237; da laufe ich, da ziere ich mich, und tripple und gaffe, und fort ist er Iffland theatr. w. (1827) 10, 160; der alte komiker der stadtbühne trat als Pantalon zu ihnen (auf dem maskenball) ... er trippelte, machte groteske verbeugungen G. Freytag ges. w. (1886) 7, 65; der graue meszner tat wichtig und trippelte mit dem rauchfasz die sakristei ein und aus Watzlik alp (1923) 52. mit stärkster verachtung übertragen: weiber und jungfernknechte trippeln auf seinem (Deutschlands) gigantischen rücken Schubart br. 2, 252 Strausz. vgl. trippelschritt. 2@b@bβ) ängstlichkeit, scheu, innere unruhe, unentschlossenheit führt zu trippelndem schritt: der alte winter will heraus, er trippelt ängstlich durch das haus W. Müller ged. (1906) 261 Hatfield; oft glaubt sie zarter stimmen hauch, verschämtes trippeln oft zu hören A. v. Droste-Hülshoff w. (1879) 1, 395 Schücking; was trippelst du denn so kleinmütig? Nestroy ges. w. (1890) 6, 229; er sann und sann, trippelte bald von der thüre hinweg, bald wieder dahin, sah und horchte links und rechts Langbein s. schr. 31, 28; du trippelst wieder, Jeetze; was ist passiert? Fontane ges. w. I 2, 119; an der stiege ... blickte er sich nach dem scheuen trippeln um, das seinem schritt folgte H. Stehr drei nächte (1909) 164; ängstlich trippelte der kanzleidirektor an den regierenden heran und wagte es, höchstdenselben am ärmel zu zupfen A. Sperl burschen heraus! (1931) 34. diese verschiedenen seelischen antriebe verschmelzen mitunter ineinander: ehe die städtischen biedermänner mit ihren schlafmützen an die fenster trippeln Steub wanderungen im bayr. gebirge (1862) 203. 2@b@gγ) als ausdruck der eile: mühsam strebten die knie und es trippelten hurtig die füsze Voss Odyssee, ges. 23, v. 3; das weib ... trippelte noch mit ältlicher eile an den cedernschrank grafen zu Stolberg ges. w. (1820) 3, 286; (sie) hatte mühe. mit dem hastig trippelnden weibe gleichen schritt zu halten Holtei erz. schr. 3, 23; sie trippelten in hasten übers brücklein Immermann 16, 491 H.; in aller eile trippelte sie die treppen wieder abwärts Raabe Horacker (1876) 151; die kaffern nannten ihn die schwarze eidechse wegen seiner trippelnden eilfertigkeit auf den kurzen gekrümmten beinen Hans Grimm südafr. nov. (1921) 220. 2@b@dδ) als spiegelung starker innerer ungeduld: kerls, die zehenmal krepieren, eh sie ihre zinsen überrechnen, trippelten mir die schwelle ab, eine handvoll schulden einzutreiben Schiller 2, 223 G.; Vreneli trippelte ungeduldig hinter die base und sagte: sie wollten doch machen und fort, es finstere ja schon J. Gotthelf ges. schr. (1855) 2, 342; dein führer, ungeduldig trippelnd, mahnt dich zum weitergehen Joh. Scherr Schiller 1, 9. 2@b@eε) der iterative charakter des wortes wird durch die nahezu formelhaft gewordene verbindung mit lokaladverbien unterstrichen: du trippelst wie ein verscheucht huhn in den straszen herum maler Müller w. (1811) 2, 48; ich tripple herum und weisz nicht, was ich soll Brentano ges. schr. [] 7, 159; die mutter tripple immer in der stube herum und von da in die kammer Dav. Fr. Strausz ges. w. (1876) 2, 213; die junge trippelte auf und ab, proper wie eine bachstelze Holtei erz. schr. 21, 165. 2@cc) mancher tanz verlangt solche trippelschritte: was lust, zu trippeln sehn beisammen zwei und zwei im zirckel rund, entlang der mawr, ein lange reih von herrn und frawen stoltz Tob. Hübner die feldobersten 205; die tänzer trippeln, springen und drehen und winden sich nach dieser musik stets auf dieselbe weise ins unendliche bis zur abmattung fort J. Venedey Irland (1844) 2, 288; und wurde durch trippeln das zärtliche liebesgirren der tauben darin (im taubentanz) nachgeahmt Böhme gesch. d. tanzes 62. 2@dd) selten liegt der nachdruck im gebrauch auf dem begleitenden hellen, feinen, kaum hörbaren geräusch: hurtig war ich auf, und sacht trippelt' ich zur kammerthüre Gökingk lieder zweier liebenden (1777) 37; die mutter ... trippelte leise zur wanduhr Eschenburg beispielsammlung z. theorie 1, 447; es trippelt nur, wie ein paar tausend füsze Brentano ges. schr. (1852) 7, 194; wer hält am haus, wer klopft am thor? was trippelt auf der gasse? ein schöner engel steht davor und kindervolk die masse Gerok auf einsamen gängen 10; horch, ein fröhliches lachen von kindermund, und näher trippelte es an sie heran G. Freytag ges. w. (1886) 5, 101; da läszt sich im nebenzimmer das trippeln kleiner emsiger tritte vernehmen v. Ebner-Eschenbach ges. schr. (1893) 3, 393. 33) übertragen auf andere lebendige wesen, wobei für diese übertragung der bedeutungsgehalt von 2 a wie b maszgebend ist. 3@aa) für die hastige, rasche, fast oder völlig geräuschlose fortbewegung schnellfüsziger kleiner tiere, insbesondere von vögeln: er (sperling) trippelte munter auf dem schosze hiehin, dahin und dorthin Ramler lyr. ged. (1772) 235; doch lacht das vöglein seiner müh; blickt ihn, wie seiner wartend, an, hüpft auf, sobald er sich will nahn, und setzt sich trippelnd da und hie Fr. Kind ged. (1817) 1, 30; Petitpas, der stolz tretende trippelnde pfau J. Grimm Reinh. fuchs (1834) vorr. 239; am strande entlang trippeln kleine stelzvögel, eifrig nach den fast durchsichtigen krustentieren, den meerspinnen, suchend Soyaux aus Westafrika 1, 262; zumal von ganz jungen vögeln: sieh diese kleine brut, diesen gefährlichen anflug! wie's trippelt, wie's stutzt, wie's hüpft, scheut und wiederkommt! Göthe 17, 92 W.; das ... von piependen, trippelnden, nickenden, pickenden küchelchen wimmelnde erbhühnernest Brentano ges. schr. (1852) 5, 83. häufig für taube und rebhuhn verwendet: ... der trozige hahn mit den weibern harrte des wurfs, und die trippelnde taub' und der kollernde puter Voss ged. (1802) 1, 8; auf den mauervorsprüngen ... trippelten dicke graue tauben v. Ebner-Eschenbach ges. schr. (1893) 3, 5; das wasserhuhn ... das zierlich trippelnde rebhuhn, das schöne waldhuhn Fr. Th. Vischer ästhetik (1846) 2, 141; ganz dicht ... kam jetzt ein rebhuhn aus dem acker spaziert, als wüszte es, dasz die jagd noch nicht drohe, trippelte es vertrauensselig über die strasze Cl. Viebig schlafende heer (1904) 1, 36. daneben, wenn auch seltener, für vierfüszler mit huschender fortbewegung: sie (die mäuse) trippeln und trappeln in kisten und schränken Hoffmann v. Fallersleben ges. schr. (1890) 2, 179; dieses trippeln (der känguruhratte) geschieht ungemein rasch Brehm tierleben 3, 663 P.-L., oder für jungtiere: das [] junge trippelte hinter ihr (der rehziege) her Ch. v. Schmid ges. schr. (1858) 11, 7. auf den akustischen eindruck bezogen: in eines esels quersattel sitzt man wie auf einem sessel; die füsze trippeln leise unter einem fort K. Ph. Moritz reisen eines Deutschen in Italien 3, 95. vgl. trippelschritt. gern von einer schafherde: ein aufgehäuftes, flockig löst sichs auf (cirruswolke), wie schäflein tripplend Göthe 3, 100 W.; melancholisches glockengebimmel, die schafe trippelten nach ihren ställen Heine 3, 231 E. 3@bb) von zwergen, gespenstern und sonstigen geheimnisvoll huschenden wesen: sie trippelten, mit trübem blick, und gras und staub in haaren, nach ihrem zauberschlosz zurück Hölty ged. 27 Halm; da trippelt ein die kleine schar, sie hält nicht gern sich paar und paar Göthe 15, 53 W.; (die zwerge) kommen bei nacht in langen mänteln mit bedeckten füszen dahergetrippelt, leise wie die vögel J. Grimm dt. sagen (1891) 1, 114; nur einer (totengerippe) der trippelt und stolpert zuletzt und tappet und grapst an den grüften Göthe 1, 209 W.; aus dem aufgeschlitzten leib schlüpft alsdann hervor die seele; über kiesel, über wurzeln trippelt sie zum laubfroschteiche Heine w. 1, 386 E.; zur verstärkung des geheimnisvoll-grausigen gern unpersönlich (wie auch häufig bei 2 d): fängts hinter dir zu trippeln an, so huste, dann wirst dus laufen hören, denn sie werden als mäuse kommen und als ratten gehn! Hebbel w. 4, 267 W. zur hervorhebung des akustischen moments in lautmalender verbindung mit trappeln: trippelt, trappelt tritt und trott rund um unsern zauberpott! Bürger w. 303 Bohtz; es trippelten, trappelten zwerg' um ihn her, die klipperten, klapperten, rappelten sehr Fr. Schlegel s. w. (1846) 10, 57. vgl. auch trippeltrab, tripptrapp. 44) in jüngerer zeit bahnt sich eine sonderentwicklung an, indem auch das ungeduldige auf und niedersetzen der füsze an derselben stelle ohne fortbewegung als trippeln bezeichnet wird, vgl. Adelung 4, 1066; Christa Trierer wb. 71b; 'hin und her treten' Fischer schwäb. 2, 389: seines frohen stündleins harrend, stand er lange trippelnd da Schiller 5, 99 G.; wenn der auerhahn balzen will, streckt er den hals vor ..., trippelt mit den füszen Naumann naturgesch. der vögel 6, 292. von unregelmäsziger, verhaltener fortbewegung: er giebt den sturmschritt auf gegen ein ... mehr trippelndes, vorsichtiges tempo, was beim soldaten 'kurztreten' heiszt Holtei erz. schr. 7, 123.
22072 Zeichen · 371 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    trippelnswv.

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer) · +2 Parallelbelege

    trippeln swv. mit kurzen, schnellen schritten gehn. ir tût in alle winkel trippeln Fasn. 143,33. vgl. trappeln.

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Trippeln

    Adelung (1793–1801) · +7 Parallelbelege

    Trippeln , verb. regul. neutr. mit dem Hülfsworte haben, viele und kleine Schritte machen, sowohl im Gehen, als auch die…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    trippeln

    Goethe-Wörterbuch

    trippeln [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  4. modern
    Dialekt
    trippeln

    Bayerisches Wörterbuch · +4 Parallelbelege

    trippeln Band 4, Spalte 4,521f.

  5. Spezial
    trippeln

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    trip|peln vb.intr. bogaté (-tëia), salté cun de pici vari, fá varins.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit trippeln

47 Bildungen · 1 Erstglied · 41 Zweitglied · 5 Ableitungen

Zerlegung von trippeln 2 Komponenten

tripp+eln

trippeln setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

trippeln‑ als Erstglied (1 von 1)

trippeln als Zweitglied (30 von 41)

Übertrippeln

Campe

Х Übertrippeln , v. intrs . u. trs . D. Übertrippeln. 1. \Uumlacute;bertrippeln , v. intrs . mit sein , trippelnd über einen Raum  gehen. 2…

abtrippeln

DWB

abt·rippeln

abtrippeln , was abtrappeln: wenn die princessin mit ihrer langen schleppe von falschem silbermohr abgetrippelt ist. Wieland 11, 180 .

antrippeln

DWB

ant·rippeln

antrippeln , pede curto, trepidule adventare, nnl. aandribbelen: angetrippelt kommen.

Auftrippeln

Wander

auf·trippeln

Auftrippeln Sie trippelte auf und ab wie eine Bachstelze. – Eselsfresser, I, 165.

Davontrippeln

Campe

davon·trippeln

Х Davontrippeln , v. intrs. mit sein, trippelnd, mit kleinen hüpfenden Schritten sich entfernen. Sie trippelte davon. Das Davontrippeln.

durchtrippeln

DWB

durch·trippeln

durchtrippeln , mit kleinen schritten durchlaufen. die kinder kamen in den garten und trippelten durch. vergl. DWB durchzeppeln .

eintrippeln

GWB

eint·rippeln

eintrippeln hereintrippeln [ Gnomen: ] Da trippelt ein [kommt herein Var ] die kleine Schaar GWB Faust II 5840 Caroline Vollmann C. V.

enttrippeln

DWB

ent·trippeln

enttrippeln , trepidantem clam aufugere: ob vor der that, ob vor dem häuschen, das weisz ich nicht, kurz sehr verschämt, an zung und lippe h…

Ertrippeln

Campe

ert·rippeln

Х Ertrippeln , v. trs. trippelnd erreichen. Sie ertrippelten die Anhöhe. Das Ertrippeln.

getrippeln

RhWB

get·rippeln

ge-trippeln: trippeln 1 a; dor sohch ek öm so kibbig (behende) van et Hus afkommen te g. Geld .

Herabtrippeln

Campe

herab·trippeln

Х Herabtrippeln , v. intrs . mit sein , trippelnd herabkommen; auch Х heruntertrippeln. Das Herab=, Heruntertrippeln . So auch, heran=, hera…

herbeitrippeln

GWB

herbei·trippeln

herbeitrippeln -ey- zum Ausdruck des Gezierten, Gekünstelten GWB B11,260,8 Schiller 12.11.96 [ Zit s v herbeigehen ] Katherina Mittendorf K.…

Hinabtrippeln

Campe

hinab·trippeln

Х Hinabtrippeln , — tröpfeln, — trotten, — wachsen, Х — wakkeln, Х — wagen, s. Hinab , und Herabtrippeln 

Hintrippeln

Campe

hint·rippeln

Х Hintrippeln , v. intrs . mit sein, s. Campe Hingehen I ). Das Hintrippeln .

Hinuntertrippeln

Campe

hinunter·trippeln

Х Hinuntertrippeln , — tröpfeln, — tropfen, — tröpfen, — trotten, Х — wackeln, Х — wagen, s. Hinunter , und Herabtrippeln 

Mittrippeln

Campe

mitt·rippeln

Х Mittrippeln , v. intrs . mit sein. — trocknen , v. ntr . mit sein u. trs . — trödeln , v. intrs . — trollen , v. intrs . mit sein u. rec .…

nachtrippeln

DWB

nacht·rippeln

nachtrippeln , verb. trippelnd folgen: ich tripple nach, so lange zeit; wie sind die andern schon so weit! Göthe 12, 209 ; und so froh, wie …

Niedertrippeln

Campe

nieder·trippeln

Х Niedertrippeln , v. I) intrs . mit sein , trippelnd niedergehen. II) trs . trippelnd niedertreten, z. B. junge Pflanzen. — D. Niedertrippe…

Stalltrippeln

RhWB

stall·trippeln

Stall-trippeln Sieg-Uckerath Pl.: Trippen (s. d.) mit Lederkappe u. Holzsohlen, zum Gebrauche im Stall.

Umtrippeln

Campe

Umtrippeln , v. intrs . u. trs . D. Umtrippeln. 1. Úmtrippeln, ich trippele um, umgetrippelt, umzutrippeln . I) intrs . umhertrippeln, tripp…

Untertrippeln

Campe

untert·rippeln

Х Untertrippeln , v. trs . mit sein, ich trippele unter, untergetrippelt, unterzutrippeln , trippelnd sich unter etwas begeben. D. Untertrip…

Ableitungen von trippeln (5 von 5)

enttrippeln

DWB

enttrippeln , trepidantem clam aufugere: ob vor der that, ob vor dem häuschen, das weisz ich nicht, kurz sehr verschämt, an zung und lippe h…

Ertrippeln

Campe

Х Ertrippeln , v. trs. trippelnd erreichen. Sie ertrippelten die Anhöhe. Das Ertrippeln.

getrippeln

RhWB

ge-trippeln: trippeln 1 a; dor sohch ek öm so kibbig (behende) van et Hus afkommen te g. Geld .

Vertrippeln

Campe

Х Vertrippeln , v. intrs . mit sein , trippelnd sich verlaufen. D. Vertrippeln .

zertrippeln

RhWB

zer-trippeln: 1. sich z., immerzu tr., zur Last anderer Allg. (nicht Rhfrk). — 2. Gras, Getreide, z. niedertreten Allg. (nicht Rhfrk, dort d…