sterben,
v. ,
mori. II.
zur form. mhd. sterben;
ahd. sterban;
as. sterBan;
afries. sterva;
ags. steorfan;
engl. starve.
fehlt im got. und nord., doch gehören an. starf,
n., starfa
sich abmühen, stiarfe
starrkrampf, stiarfr
hartmäulig, stirfinn
halsstarrig etymologisch hierher. idg. *(s)terp,
eine wurzel, zu der auch die s-
losen formen *terep,
*terp (
lat. torpeo,
ahd. derb,
lit. tirpstù
starren, aksl. utrъ peti)
gehören, s. Walde2 785
s. v. torpeo.
nahe steht auch idg. *sterbh (
vgl. gr. στέρφινος starr, aksl. u-strubnti
stark werden).
*sterp
und *sterbh
sind weiterbildungen der wurzel *ster
starr, steif, die im idg. reiche entfaltung erfuhr, worüber näheres Schröder
idg. forsch. 18, 516
ff. und Falk-Torp
germ. spracheinheit 485.
die ahd. und mhd. ablautform des pl. prät. sturben
gilt noch im 16.
und 17.
jh. und läszt sich (
neben häufigerem starben)
bis in den ausgang des 18.
jh. nachweisen, z. b. bei Liscow, Lessing, Fr. Nicolai, Justus Möser,
Frankf. gel. anz. (1772) 331
lit.-denkm., allg. dtsche bibl. (1765
ff.) 4, 231, Schiller 2, 171
G. Schottel
flektiert ich starb, du sturbest
oder storbest, er starb, wir sturben
oder storben
haubtspr. 598;
ebenso Stieler (1691) 2170,
doch setzt dieser bereits hinzu '
nonnunquam starben'.
diese dem sg. starb
angeglichene pl.-form findet sich neben dominierendem sturben
schon im 16.
jh. (
quellen z. gesch. des bauernkriegs 140
lit. ver.; Fischart
Garg. 326
ndr.; Zimmerische chron. 4, 154
B.; Spreng
Ilias 119
b)
und im 17. (Birken
Pegnitzschäferei 16),
sehr häufig bereits im 18.
jh. und gilt seit dem ende des 18.
jh. allgemein, natürlich auch 2
sg. starbst,
s. Braun dtsch. orthogr.-gramm. wb. (1793) 246
a,
doch erhielt sich conj. prät. stürbe, stürbest, stürben, stürbet
bis heute (Paul
gramm. 2, 217
f.). Schillers 3
pl. conj. prät. stärben
im Thaliadruck seiner Iph.-übers. wird in der Körnerausgabe von 1813
und den späteren ausgaben in stürben
geändert: Schiller 6, 173
G. über die zu keiner zeit in der schriftspr. häufigen o-
formen s. Paul
gramm. 2, 219,
ferner 4. Mos. 14, 36; Logau
sinnged. 141
E.; Hoffmannswaldau
getr. schäfer 9.
conj. störben Nigrinus
von zäuberern 468.
die angleichung des sg. prät. an den pl. (1. 3.
sg. ind. prät. sturb)
setzt sich nicht durch, sie findet sich zwar mhd. spontan (Diemer
ged. 31, 11),
dann vereinzelt auch im 17.
und 18.
jh. (
Reinike fuchs [1650] 199; 'ich starb,
aliquando ich sturb' Steinbach [1734] 2, 723),
wird seltsamerweise von Aichinger
sprachlese (1753)
gefordert (
s. Paul
gramm. 2, 219),
ist aber nie sprachüblich geworden. im präs. erhält sich mhd. 1.
sg. stirbe
noch frühnhd. und 17.
jh. (
z. b. Harsdörfer)
neben regulärem nhd. sterbe,
worüber Paul
gramm. 2, 194,
umgekehrt begegnet vereinzelt angeglichener imp. sterbe (Klinger, Wieland,
s. auch Paul
gramm. 2, 221)
für mhd. und nhd. stirb.
eine 3.
sg. präs. sterbt
für stirbt (
wiederholt bei Petri)
ist dialektisch. perf. mit haben
statt sein
ist nd.: ik hadde (=
wäre) gestorven Schiller- Lübben 4, 393,
im hd. nur, wo durative aktionsart vorliegt: lenger dann ein gantzes jar hat er (
Luther) imer gestorben
M. Celius
zwo tröstliche pred. (1546) g 1
b.
intrans. gesterbt
für gestorben
mehrmals bei Zinzendorf. IIII.
bedeutung. Kluge
etym. wb.6 378
b und Weigand
5 2, 965
gehen von einer westgerm. grundbedeutung '
sich abmühen'
aus und verweisen auf die parallele bedeutungsentwicklung von gr. κάμνω '
sich mühen'
zu οἱ καμόντες '
die gestorbenen'.
näher liegt, von '
starr, steif werden'
auszugehen, eine bedeutung, die nicht nur etymologisch verwandte altnordische wörter (
s. o.)
zeigen, sondern auch engl. starve,
von kälte oder hunger umkommen, falls hier keine sekundäre bedeutungsverengung vorliegt. as. (Gallée 303; 500)
und ahd. (Graff 6, 713)
wird mit st.
lat. obire und mori übersetzt. st.
übernimmt die funktion von ahd. touwen,
as. doian (
zur germ. wurzel *dew/daw,
vgl. got. diwans,
an. deyja),
das in mhd. zeit abstirbt, und umfaszt alle todesarten. es hat meist perfektive aktionsart '
übergehen aus dem leben in den tod',
ebenso mhd. (
mhd. wb. 2, 2, 642
a; Lexer 2, 1178)
und nhd.: exalare, expirare yszatmen oder sterben
gemma gemm. (1508) i 3
a; sterben oder den geist uffgeben
ebda i 4
a.
vgl. noch Diefenbach
gl. 167
b, 218
b, 304
b, 386
b, 387
a, 392
a s. vv. decedere, expirari, interire, obdormire, obire, occumbere, ferner nov. gl. 130
a s. v. demigrare. II@AA.
vom leiblichen tode des menschen gesagt: wir achten und heiszen ... das sterben, wan wir an dem hinziehen ligen und sich leib und seel soll scheiden Keisersberg
Emeis (1517) 9
a. II@A@11)
ohne ergänzung: subeo mortem, ich leidt den todt, sterb Er. Alberus
dict. (1540) 21
b; ich sterbe, gehe mit todt ab,
morior ebda 21
a;
e vita discedere Stieler (1691) 2171;
uscire da questa vita Kramer 2 (1702), 763
a: do er starbe und ausz diser welt schiede Arigo
decam. 55, 6
K.; nicht lang darnach, das die eptissin mit todt abgieng und starb Montanus
schwankb. 62
B.; derhalben vil gewest, die gemeynt haben, es wer das beszte, das einer ..., so er geboren wer, gleich stürbe Eppendorf
Plinius (1543) 4; was lebt, das stirbt durch Adams noth, was stirbt, das lebt durch Christi todt Petri
d. Teutschen weiszheit (1604) 1, f 6
v; denn wann er stirbt, bleibt alles hie, er kan nichts mit ihm nehmen P. Gerhardt
bei Fischer-Tümpel
ev. kirchenl. 3, 366
b.
in inchoativer wendung: zu sterben gehen, kommen: wie der alte zu sterben ging, hat ihr der kummer das herz nicht gebrochen Scheffel
ges. w. (1907) 1, 106; als er zu sterben kam, empfahl er seine seele ... in die hände gottes G. Keller 7, 39.
in gleicher bedeutung sterben wollen: o Hegio ... du bist unser schirmherr ..., als der alt sterben wolt, hat er uns dir bevolhen Boltz
Terenz deutsch (
adelphi 3, 5
v. 457) 96
a. sterben
gilt vom natürlichen wie auch vom gewaltsamen tode: wann einer von ihm selbst stirbt,
mors naturalis Er. Alberus
dict. (1540) 21
b.
getötet werden: er bedachte ... wie Aldobrandini so unschuldiglichen zuo sölchem tode köme, der verklagt und verurteilt was ze sterben Arigo
decam. 204, 15
K.; da er ... das volk aufwiegelte, ... so musz er sterben Klinger
w. 3, 124; verräther! ... heute sollt ihr alle sterben! Göthe 43, 48
W. II@A@22)
mit näherer bestimmung. II@A@2@aa)
mit acc.-ergänzung. II@A@2@a@aα)
mit innerem obj. den,
bzw. einen tod sterben: einen tod können wir nur sterben Schulze
bibl. sprichw. 183; o tod, den ich sterbe! Klopstock 8, 51 (
tod Adams 3, 3); du weiszt es wohl, dasz gern den tod ich starb Brentano
ges. schr. 2, 57.
meist näher determiniert: mein Roller starb einen schönen tod Schiller 2, 119
G. (
räuber 3, 2); erlaubt mir, dasz ich den tod sterbe auf dem bette der helden
ebda 69
G.; den schönen tod der helden sterben H. v. Kleist 2, 338
Schm.; bin ich bestimmt den tod des hungers zu st.? Gerstenberg
Ugolino 245, 37
dtsch. nat.-lit.; Klinger
w. 3, 186; Huss (
hat) den tod durch feuer st. müssen Ranke
s. w. 1, 341; er ward verurtheilt und starb den tod eines hochverräthers Niebuhr
röm. gesch. 1, 454; viel des schönen starb den frühen tod Körner 1, 42
Fischer; und doch fürcht ich sehr, zum heil der seinen sterben ihn blutigen tod zu sehn Droysen
Aischylos3 338. II@A@2@a@bβ)
mit acc. der zeit bei durativer aktionsart, s. oben (I.)
den beleg aus M. Celius,
ferner: nicht diese stunde nur, sie starb viel lange tage, und jeder war des todes werth ..., den sie gestorben ist Klopstock
oden 1, 99
M.-P. (
königin Luise 29). II@A@2@bb)
mit instrumental-kausativem gen. bereits mhd., s. Michel mhd. gramm.2 219,
während ahd. dafür nur den instrumentalen dat. kennt, z. b. uuelihhemo tode uuas sterbenti,
qua esset morte moriturus Tatian 194, 3.
nhd. mit den genitiven todes, hungers
bis heute üblich, im freien gebrauch aber stark eingeschränkt. II@A@2@b@aα) des todes st.: an welchem tag du isest von im, du stirbest des todes
gen. 2, 17 (
vulg.: morte morieris)
erste dtsche bibel; ebenso Luther
und Zürcherbibel (1531); wer vatir odir mûter ubil sprichet, der sal des tôdes sterbin
Beheims md. ev.-buch Matth. 15, 4,
ebenso erste dtsche bibel und Luther; sie dess todts sterben solten Jac. Ayrer
hist. proc. juris (1600)
vorr. 5
b; ich selbst musz ... des todes sterben Schiller 2, 203
G. (
räuber 5, 2); desz todts ich lieber sterben wolt Spreng
Ilias (1610) 43
a; (
der engel zu Adam nach Christi opfertode:) siehe, du (
Adam) starbst an dem dunkelsten deiner tage des ach nun stirbst du des todes nicht mehr! todes, ... Klopstock
Mess. 11, 233
ff. ohne artikel: todes st.,
z. b. altd. passionssp. aus Tirol 212
W.; Lehman
flor. pol. 1, 213.
häufig näher bestimmt: daz unkusche wip starp dez gein dodez
d. heilige regel ... 38, 1
Priebsch; gähen todts st.
di morte subitana Hulsius-Ravellus (1616) 308
a; er solt eyns bösen todts sterben
Aymon (1535) b 6
b; er (
Egystus) ist aines verdienten tods gestorben Schaidenreiszer
Odyssea (1537) a 1
b; sie (
die Römer) haben yhr (
der kaiser) wenig lassen auff dem bette und des natürlichen tods st. Luther 19, 633
W.; die geschichte meldet ..., dasz kein ... besitzer desselben (
des vorwerks) eines natürlichen todes gestorben sey Lessing 2, 151
M. im selben sinne auch: eines rechten tods st.
sprichw. ... klugreden (1548) 175
b; es taug nit, das ein tyrann eines rechten tods sterbe Eyering
prov. copia (1601
f.) 2, 590.
schon mhd., s. Müllenhoff - Scherer
denkm.3 1, 189, 82. eines jämmerlichen todes st. Creizenach
schausp. engl. com. 28, 28;
kinder- und hausmärchen (1912) 166; eines ehrlichen, unzeitigen, elenden, schnellen todes st. Stieler (1691) 2171; dasz ich hier als mörder eines schmählichen todes sterbe Klinger
w. 5, 116; H. v. Kleist 1, 308
Schm. tot, zu tode st.
s. unter g. II@A@2@b@bβ) hungers, durstes st.
mhd.: wir müezenz starke enblanden den armen unde den handen, ê wir sô vil erwerben daz wir niht hungers sterben
Iwein 6394.
nhd.: und starb vil volcks hungers Tschudi
chron. helvet. 1, 22; das er nit hungers stirbt Keisersberg
bilgersch. 18
a; er werde sie lassen hungers st. Agricola 750
teutscher sprichw. (1534) a 6
a; H. Sachs 8, 458
K.; Montanus
schwankb. 50
B.; Hayneccius
Hans Pfriem (1582) 73, 2281
ndr.; bis ein kenner uns (
künstler) auffindet, kann man hungers st. Göthe 22, 20
W.; die einwohner starben hungers Niebuhr
röm. gesch. 3, 682;
kinder- und hausmärchen (1819) 1, 243; 164; 355; alda er hungers und kummers gestorben Frz. A. v. Brandis
ehrenkräntzel (1678) 68.
seltener durstes st.: keyser Julian und sein gantz hör starben daselbs durstes Fischart
Garg. 352
ndr. II@A@2@b@gγ)
mit anderen wörtern im gen. nur in der älteren sprache, z. b. im rechtsausdrucke des schwertes st.: wer ihr (
der Athalja) folget, der sterbe des schwerts
2. kön. 11, 15 (
vulg.: feriatur gladio),
ebenso Zürcherbibel, wofür auch durch das schwert: Keisersberg
bilgersch. (1512) 20
d.
ferner der wunden st.: der in dissem zeychen in das haubt wund würt, der stirbt der wunden Gersdorf
wundarznei (1528) 21; der wunden sei Rudolff gestorben Seb. Franck
chron. Germ. (1538) 101
b; Aventin
bayersche chron. 2, 271, 6
L.; selbiger krankhait (
dissenteria) sturben ain grose anzall Franzosen
Zimmer. chron. 3, 321
B.; heist das nit geil gestorben, wan eyns schlirigen fibers stirbst? Fischart
Garg. 383
ndr.; er were ... eins scheuzlichen lebens gestorben (16.
jh.) Schade
sat. u. pasqu. 3, 78, 15
und anm. 251; der gottlose stirbt seines unglaubens Luther 19, 394
W.; wo er ... allraunenepffel ... gefrässen, dessen er st. müszt Herold-Forer
Gesners thierb. (1563) 15
a; und wann ihm Phöbus an der stett nicht ausz der noth geholffen hett, so wer er dises wurffs gestorben Spreng
Ilias (1610) 51
b; wer seinen feind verehrt, wird seiner hände sterben Zinkgref
auserles. ged. 22
ndr. in der neueren sprache ist die kausalbedeutung des gen. verblaszt: elenden siechthums st. Droysen
Aischylos2 85, königlichen todes
ebda 93. II@A@2@cc) hunger, durst st.,
von Jac. Grimm
gramm. 4
2, 856
mit recht als instrumental gewertet und thû hungiru nirstirbist
bei Otfried II 22, 22
zur seite gestellt. hier auch nhd. belege. vgl. ferner: sie musten hunger st. Luther 32, 201
W.; Chr. Weise
d. grün. jug. überflüss. ged. 157
ndr.; Neukirch
ged. (1744) 163; indesz wir andre fast hunger sterben Göthe 16, 11
W.; A. v. Arnim 6, 43
Gr. durst st.
siti emori Stieler (1691) 2171: warumb hastu uns lassen aus Egypten ziehen, das du uns, unser kinder und vieh durst st. liessest
2 Mos. 17, 3; soll ich durst sterben? Lindener
rastbüchlein 33
lit. ver. II@A@2@dd)
zur bezeichnung der todesursache dienen auszer dem instrumentalen gen. und dat. im mhd. und nhd. präpositionalausdrücke mit den präpp. an, von, vor, über, durch. II@A@2@d@aα)
an, rein lokal, z. b. an dem cruce st. G. Hagen
in städtechron. 12, 29.
kausal, mhd.: an der tjoste, am kindlein (=
beim gebären) st.
mhd. wb. a. a. o. nhd.: es sey herrn Hansen von Schwartzenberg sein weib an aim kind gestorben J. v. Schwartzenberg
Cicero (1535) 149; am kind oder in kindesnöhten st. Kramer
dict. (1702) 2, 763
b; an der geburt st. Hebbel
tageb. 1, 1280
W.; morticinum, wan einer am schelm (
an der pest) stirbt Diefenbach
gl. 368
c; so weren wir lengst an der wundsucht ... gestorben Pape
bettel- und garteteuffel (1586) f 7
r; ... dasz sie ... an eben selbigen kranckheiten ... st. muszten Moscherosch
ges. (1650) 1, 6, an der pestilentz Frz. A. v. Brandis
ehrenkräntzel (1678) 99, an der wunde
ex hoc vulnere Stieler (1691) 2171; kranckheiten, an denen man st. kan Lichtenberg
aphor. 4, 118
L.; er starb ... am schlagflusz Schubart
ästhetik d. tonkunst 48; ein ... mann, der an einer chronischen krankheit stirbt Göthe 22, 188
G.; 24, 32; br. Grimm
dtsche sagen 2, 15; das sind 12 mörder, die den raben verzehrten und daran starben
kinder- und hausmärchen (1912) 86; ach, Stine, liebschaft! glaube mir, daran stirbt keiner Fontane I 5, 57.
in der heutigen sprache allgemein. II@A@2@d@bβ)
von: sît sturbens jâmerlîche von zweier edelen frouwen nît
Nib. 6, 4; menschen ..., die dâ sterbent von des herzen siechtagen Megenberg
b. d. natur 27, 4
Pf.; von hunger sterbin (
a. 1420) Diefenbach
nov. gl. 94
b s. v. clades; von durst st.
nomenclator lat. germ. (1634) 63; Ninus (
ist) ... von ains pfiles schusz gestorben Steinhöwel
de claris mul. 25, 1
Dr., vom beygebrachten gifft Kirchhof
wendunmuth 2, 18
lit. ver.; dein sohn Jhs Christus von den priestern st. must Dürer
tageb. 83
L. von der hand jemandes
u. ä.: der müszt von yren handen st. Eberlin v. Günzburg
s. schr. 1, 194
ndr.; volksb. v. d. geh. Siegfried1 68
ndr.; das er nicht stürb von weybes hend H. Sachs 1, 223
K.; von diser meiner rechten hand must du noch sterben heut in schand Spreng
Ilias (1610) 64
b; Bürger
w. 166
B.; Ranke
s. w. 2, 198; von arbeit stirbet kein mensch, aber von ledig und müszig gehen kommen die leut umb leib und leben Luther 17, 1, 23
W.; vil sterben auch ... von überflüssigem wollust aller üppigkeit Ryff
spiegel der gesundtheit (1544) a a 4
b; bist härings art, stirbst vom plitz, oder krebsart, stirbst vom donnerknall Fischart
Garg. 286
ndr.; von trawren st.
Venusgärtlein 11
ndr. sprichw.: wer von dröwen stirbet, den begrebt man mit fürtzen Val. Schumann
nachtbüchlein 264
B.; von küssen stirbt man nicht
Stoppe Parnass (1735) 29; löszt er sie (
die räthsel) nicht, musz er vom beile sterben Schiller 13, 387
G. (
Turandot 2, 4). II@A@2@d@gγ)
für, vor. mhd. wb. a. a. o. nhd.: für leide sterben Luther
bei Thiele
sprichw. 374. er sie ... pate, (
dasz sie ihn) vor der kelten und groszen frost nicht sterben ... liesze Arigo
decam. 62, 23
K.; was soll ich leben, ich stirb vor durst Fischart
Garg. 386
ndr.; ich stellet mich, als wann ich vor unleidenlichem schmertzen st. müste Grimmelshausen 4, 555
Keller; eure Amalia ... wirds nicht überleben, die wird st. vor freude Schiller 2, 145
G. (
räuber 4, 3).
heute allgemein: vor alter, gram, sorgen, hunger, durst st. Krünitz 173, 139.
häufig redensartlich hyperbolisch vor durst, lachen, langweile, liebe, scham
u. s. w. st.
für sehr durstig sein, maszlos lachen, sich sterblich langweilen, sehr schämen u. s. w., z. b. st. vor lachen,
risu emori: alle die da waren die sturben vor lachen
Terentius deutsch (1499) 49
a (Boltz [1539] 41
a: sturben schier vor lachen); ich sterbe vor liebe Chr. Weise
d. grün. jug. überflüss. ged. 183
ndr.; vor schaam ... würde ich st. Gleim
briefw. 1, 37
K.; maler Müller
w. (1811) 1, 147; ich sterbe vor entzücken! Göthe 16, 94
W., vor bosheit 9, 28; ich stürbe ... vor langerweile und vielleicht vor reue 45, 66.
in elliptischer redewendung dann auch: willkommen, Lips! ich sterbe, dich zu sprechen J.
M. R. Lenz 2, 178
T. oder nach jem. st. (
vor sehnsucht): der was er also holdt, das er nach ir sterben wolt Hätzlerin
liederb. 259; ich sah es, wie man stirbt nach golde Rückert
werke (1867) 3, 148. II@A@2@d@dδ)
auch die präp. über nähert sich von der lokal-temporalen bedeutung aus der kausalen. lokal-temporal: der faule stirbt über seinem wündschen Petri
d. Teutschen weiszheit (1604
f.) 2, n 7
r; über seiner arbeit st.,
s. Stoppe
Parnass (1735) 52.
redensartlich: ich könte drüber st. Kramer (1702) 2, 763
b.
kausal: talis est fides, quod quisque credit verum, sed nicht gerne drüber stürbe Luther 32, 261
W.; David ... sein volk begundte zu zehlen, darüber 60.000 menschen sturben
volksb. von dr. Faust 32
Braune. in der lokal-temporalen sphäre bleibt ob: ob einem dinge st.,
immorior Calepinus
XI ling. (1598) 683
a; ob den bücheren st. Maaler 387
a. II@A@2@d@eε)
durch: (
menschen,) die ... durch eure dolche sturben Schiller 2, 171
G. (
räuber 4, 5); und sterb ich denn, so sterb ich doch durch sie Göthe 1, 164
W. II@A@2@ee)
für jem. oder etwas st.
wird ahd. durch die präpp. bî
und furi
ausgedrückt, s. Kelle Otfriedglossar 561
b;
Tatian 135, 30; 185, 11,
mhd. durch für, durch,
nhd. durch dat. oder mit den präpp. für, durch, um. II@A@2@e@aα)
mit dat. ohne präp.: leben wir, so leben wir dem herrn, sterben wir, so sterben wir dem herrn
Römerbr. 14, 8.
ähnlich: keiner under uns lebt im selbs und keiner stirbt im selbs Zwingli
v. freiheit d. speisen 24
ndr.; man würde einen marmor auf seine (
Rollers) gebeine sezen, wenn er nicht mir gestorben wäre Schiller 2, 119
G. (
räuber 3, 2). II@A@2@e@bβ)
für: ... daz wære unmügelich, daz iemen den erwürbe, der gerne für in stürbe Hartmann v. Aue
a. Heinr. 236; unser herre Jhesu Crist, der vor uns gestorben ist
Alsfelder pass. 84; Hans Sachs 1, 433
K.; ain ... hofjunkfrow ... (
sollte) für sie (
die königin) st. Steinhöwel
de clar. mul. 221, 10
Dr.; Montanus
schwankb. 106
B.; vor das vaterland st. Stieler (1691) 2170; stirb fürs vaterland! Th. Abbt
verm. w. (1768
ff.) 6, 2, 7; Klopstock 2, 145; 146, für die wahrheit der guten sache Musäus
Grandison der zweite (1759) 1, 8. vor das gemeine beszte st.,
pro salute publica Steinbach 2, 723;
heute allgemein. II@A@2@e@gγ)
durch: er ist gnuoc tumpræze, der her kumt sterben durch dich
Iwein 5243; dieweil und du sturbest durch mich, wie möcht ich denn leben an dich! H. Sachs 2, 36
K.; in der sprache der gegenwart unüblich geworden. II@A@2@e@dδ)
um: wer gibet mir, das ich sterbe umb dich?
2. kön. 18, 33
erste dtsche bibel (Luther: fur dich); die heyligen merterer umb des euangelij willen sturben Luther 18, 225
W.; (
leute,) die alle um mich freyn und alle um mich st. wollen Klinger
theater 3, 168. II@A@2@ff)
die umstände, unter denen der tod erfolgt, werden durch prädik. adj. oder adverb oder präpositionalausdruck gegeben. II@A@2@f@aα) tot st.
verstärkt pleonastisch die in st.
schon liegende perfektive aktionsart. nur mhd., mnd. und frühnhd. häufig, in der neueren sprache obsolet, s. Schiller-Lübben 4, 393; und wolten vor im sterben tod, ee sie in liessen in kainer nott H. v. Neustadt
Apoll. 1199
S.; 6142; sterbe ich uf dem wege tot, mine sele bivele ich dir, milde got!
Katharinenspiel 130, 36; ich wer lengst gestorben todt, lebt ich von mynes junckhern gnod Murner
narrenbeschw. 222
ndr.; Hans Sachs 1, 92
K.; lied v. hürn. Seyfr.1 33
ndr.; Eyering
proverb. copia (1601) 1, 189. II@A@2@f@bβ)
in gleicher bedeutung zu tode st.,
emori, heute ebenfalls veraltet. mhd.: wan ich (
jüngling von Naym) was ze tod gestorben, nu bin ich wider lebendig worden Mone
schausp. d. mittelalt. 2, 215, 787;
nhd.: welchs tags du davon ässest, wurdest du zuo tod st. Zwingli
dtsche schr. 1, 182; es frassen mich die raben, ich starb und starb doch nie zu tod Brentano
ges. schr. 1, 486.
reflexiv: (
so schwer verwundet,) dasz ... er sich ... im sande zu todte sturbe H. A. v. Ziegler
asiat. Ban. (1689) 187. II@A@2@f@gγ) leiblich, gern, selig, ledig, ungebeichtet
u. s. w. st.: darauf ... vil heylig martrer gelitten und leiblich st. haben wellen Berth. v. Chiemsee
teutsche theol. 14
R.; Luther
geistl. lieder 62
ndr.; daz ... büchli ... sait ..., wie man sol ... selklich st. Seuse
dtsche schr. 4
B.; mach uns aller sunden frey und helff uns selig sterben Luther
geistl. lieder 47
ndr.; Mathesius
Sarepta (1571)
vorr. 4
b; soltüstu ungeren sterben, ich enphilh dir den maister von Norlingen Marg. Ebner
br. 64, 26
f. Str.; damit aber du nicht ungebeichtet sterbest, ... Montanus
schwankb. 13
B.; Fischart
Eulensp. 438
v. 12605
H.; ledig (=
unverheiratet) st.: Grob
dichter. versuchg. (1678) 38. urplötzlich, jäh, unversehens st. Kramer (1702) 2, 763; von einer mutter, die ... zu frühe starb S. Geszner
schr. (1778) 2, 40; der narr lebt arm, um reich zu sterben Brockes
ird. vergn. in gott (1721) 1, 117; ich könnte nicht ruhig st., wenn ... G. Stephanie
d. jüng.
s. lustsp. (1771) 48, 14; freywillig st. Fr. Schlegel im
Athenäum (1798) 1, 2, 6. schwer st.,
einen harten todeskampf haben, allgemein, auch dialektisch: luxemb. ma. (1906) 424
b. II@A@2@f@dδ)
mit präpositionalausdruck näher determiniert. mit: die jungen sterben mit schwärhait und die alten mit senfftigkait Albr. v. Eyb
spiegel d. sitten (1511) v 6
b; besser du sturbist mit ehren ... denn das du mit schanden ... mustest st. Luther 18, 395
W. in: in sünden st. ist sehr bösz Petri
d. Teutschen weiszheit (1604) 1, d 7
v; in kindesnöten st. Stieler (1691) 2171; wann nun der mensch in der besten kraft seiner jahre stirbt Bodmer
samml. crit. poet. schr. (1741) 1, 105; im bette st. Kramer (1702) 2, 763
b, in meinen händen Abr. a
s. Clara
Judas 3, 437, in den armen eines fremdlings Schiller 2, 193
G. (
räuber 5, 2); drumb werden sälig gsprochen di, so in dem herren sterben hi Joh. v. Schwartzenberg
Cicero 151
d.
redensartlich in seine augen hinein st. (16.
jh.)
raschen oder frühzeitigen tod erleiden: ein klein kind in wochen, wenn es nicht mutter ... milch hat, so stirbet es in seine augen hinein Mathesius
katechismuspred. 3; Hayneccius
Hans Pfriem (1582) 27, 595
ndr. auf: rein lokal, z. b. auf der folter st. Ramler
fabellese (1783) 1, 6.
redensartlich abgezogen mit richtungskonstruktion darauf st.,
vitam in re ponere Dentzler
clavis (1716) 275
a.
nach der redensart auf etwas schwören (
s. o. teil 9,
sp. 2737)
gebildet: sein testament, ... darauff einer sterben will, das es nach seinem tode also geschehen und bleiben soll Luther 8, 139
a Jen.; ihm ist ja ausz der schrifft bekant, dasz, die auff Christum sterben, den himmel, unser vaterland, unwiedersprechlich erben S.
Dach 119
Ö. in der betheuerung darauf will ich (nicht) st.,
das glaube, behaupte, dabei beharre ich (
nicht)
unwiderruflich: das, was gedeutet wird, ist recht ..., aber das sichs hieher reyme, da wil ich nicht auff sterben Luther 24, 207
W.; (
der teufel verblendet die leute,) dasz sie schwüren und drauff störben, sie weren ... am dantz gewesen Nigrinus
von zäuberern (1592) 468; dasz sie (
die schriftzeichen) nicht von meiner hand sind, darauf will ich st. E. T. A. Hoffmann
s. w. 1, 213
Gr.; so gloub ich das und wil druf sterben
N. Manuel
v. papst u. Christi gegensatz 191
B.; ist war und wil auch jetzt drauff sterben B. Waldis
Esopus 2, 291
K. ohne testament st.
u. ä.: der do gechlingen stirbet on sin selgerette (15.
jh.) Diefenbach
nov. gl. 220
a s. v. intestatus; ohn testament st.
nomenclator lat.-germ. (1634) 572. ohne kinder (=
kinderlos) st.: er starb on kind Seb. Franck
chron. Germ. (1538) 82
a.
redensartlich unter den händen jemandes st.: (
sie glaubten) inen würd die königin ... unter ihren händen st.
buch d. liebe (1587) 107
b;
vgl.wegsterben
teil 13,
sp. 3043. II@A@33)
in zweigliedrigen ausdrücken. II@A@3@aa)
sterben und verderben: in der gefencknusz erfaulen, sterben und verderben Steinhöwel
de claris mul. 315
Dr.; ubi ipse non fuerit, szo mussen wyr st. und vorterben Luther 34, 1, 332
W.; (
so) muste also der bösz mensch in sünden st. und verderben
volksb. v. dr. Faust 97
Br.; Rist
d. friedejauchzende Teutschland (1653) 202; lasse die ... daheim crepeliren, verderben und sterben! Grimmelshausen 3, 348
Keller; leute, welche ... darüber (
über dem prozesse) gestorben und verdorben weren
acta publ. 1, 187
P.; sie haben gehabt weder glück noch stern, sie sind verdorben, gestorben Heine 1, 264
E.; lasz sie verderben und sterben! sie sind mir viel zu schlecht Geibel 2, 162.
auch dialektisch: ja, war sich nich a wing e de walt schicken kan, dar stirbt und verdirbt A. Gryphius
lustsp. 307
P.; Martin-Lienhart 2, 612; Leihener
Cronenberger wb. 116.
in betheuerungen: er het sie vertrost, er wolt pei in sterben und verderben Endres Tucher
in städtechron. 2, 19; Paracelsus
op. 1, 94
H. II@A@3@bb)
leben und sterben: er möchte so leben und st. wie die alte waschfrau Fontane I 5, 137; laszt so wie sie das werthe blut zu pfand und lebt und sterbt getrost für gott und ehr und land! A. Gryphius
trauerspiele 152
P.; geh, schlage weibisch dich zum weiblichen geschlecht und leb und stirb allhier, als wie ein jungfernknecht! Zachariä
poet. schr. (1763) 1, 54; und leb hernach und stirb wie dirs gefällt Schiller 13, 351
G. (
Turandot 1, 1); es lebe, was auf erden ... für freiheit lebt und stirbt Hoffmann v. Fallersleben
ges. schr. (1891) 4, 338; leben u. st.,
bis zum tode verharren, in eigentlichem u. übertragenem sinne: richten sie sich in Florenz ein, als wenn sie dort leben und st. wollten Göthe IV 11, 147
W.; Herder 27, 89
S.; Jac. Grimm
kl. schr. 1, 16.
durch präpositionalausdruck näher bestimmt: sie betheuerten ... bei ihm leben und st. zu wollen Ranke
s. w. 2, 150; 38, 103; ich leb und sterb bey dem Wallenstein Schiller 12, 55
G. (
Wallensteins lager 11); in der hoffnung einer ... göttlichen hülfe leben und st. Göthe 23, 170
W.; er wolle drauff leben und st. Chr. Weise
erznarren 113
ndr.; (
eine) confession, worauf die weimarischen kunstfreunde leben und st. Göthe IV 28, 24
W.; vgl. auch o. teil 6,
sp. 398
s. v. leben. II@A@3@cc)
leben oder sterben: was fragt ihr, ob wir leben oder sterben Göthe 8, 65
W.; Rollenhagen
froschmeuseler (1595) a 7
b; Grabbe 1, 26
Bl. II@A@3@dd) sterben oder genesen
u. ä., schon mhd.: ich wil bî dir sterben oder aber genesen
Kudrun 1155.
nhd.: er kann weder st. noch genesen S. Franck
sprüchw. (1541) 2, 41
a. II@A@3@ee) nicht leben und nicht sterben können: Mommsen
röm. gesch. 2, 380; G. Hauptmann
weber (1892) 36; (
die kranke war) unfähig zu leben und zu sterben Kügelgen
jugenderinn. (1870) 10. II@BB.
in eid- und betheuerungsformeln: dasz ich sterb! Hulsius (1618) 2, 304
b; ee wolt ich zwirnet sterben dot Joh. v. Morszheim
spiegel des regiments (1515) b 6; viel lieber wolt ich sterben todt dann meins gelübds also vergessn W. Schmelzl
Samuel und Saul 735
Sp.; ich will sterben, wenn ich weisz wie ich ... hierher gekommen bin Gerstenberg
Ugolino 230
nat.-lit.; ich will des todes st., wenn sie nicht so gehandelt hätte Stifter
s. w. (1901
ff.) 1, 134, siebenfachen todes st. H. v. Kleist 1, 308
Schm.; Fontane I 5, 8. darauf will ich st.
u. ä.: dafür leb ich, darauf sterb ich, geb es gott! fürst Pückler
briefw. 1, 300 (
s. auch o. 2
g δ). II@CC.
vom verenden des thieres durch krankheit, schwäche, aber fast nie (
s. u.)
vom schlachttod, jagdtod oder dem tod durch ein raubtier. schon ahd., s. Tatian 95, 5.
mhd.: ir (
der kröten) lebete lutzzil ubir naht, sie sturben algemeine
Milst. exod. 138, 28; sîn (
gottes) hof ist alles râtes vol, dâ enstirbet ros noch daz rint Hartmann v. Aue
a. Heinr. 781; wir engeleben nimmer drîzec jâr alle drî, daz ist wâr, der esel sterbe oder ich ode der bischof ... Stricker
pfaffe Amis 223
nat.-lit.; daz vihe nimet sinen geist von dem lúfte. der selbe geist ist unstete, davon stirbet er mit dem fleische
lucidarius 30, 14
H. nhd.: II@C@11) sy (
die schweine) besturtzten sich in dem mere und sturben in dem wasser
Matth. 8, 32
erste dtsche bibel (Luther: ersoffen); welcher vogel ... darvon (
von dem vergifteten samen) iszt, der stirbt zuhand
M. Herr
feldbau (1551) 39
b; stirbt mir einmal ein kuh, wil ich euch auch laden zu gast darzu Fischart
Garg. 460
ndr.; Sebiz
feldbau (1579) 9; lasz sie (
die auf die wunde gelegten regenwürmer) darauff ligen, bisz sie sterben Gäbelkover
artzneib. (1595) 2, 297; wanne dy fischere quemen, so sulde her (
der thorwart) sy nicht lange losse steen, ... das dy fische nicht storbe Stolle
thür. chron. 1; Walther
pferdezucht (1658) 120; 130; in Göttingen erkrankte unser eine pferd und starb Hoffmann v. Fallersleben
leben 1, 38; jedes thier hat seinen kreis, in den es von der geburt an gehört, ... in dem es lebens lang bleibet und stirbt Herder 5, 22
S. II@C@22)
näher bestimmt. II@C@2@aa)
durch instrument. gen.: ein ... hund ist hungers gestorben, als ym sein ... herr ... erschlagen ward Eppendorf
Plinius (1543) 73; ... da auch die fliegen dabei müssen hungers st. Fischart
Garg. 61
ndr.; W. H. Riehl
d. dtsche arbeit (1861) 292; man sagt ..., wo ynen (
den schlangen) die speychel (
der menschen) in halsz kumme, ... das sye des st. müssen Eppendorf
a. a. o. 6; darauff ... ein gefährlicher krampff zu erfolgen pflegt, dasz sein das arme thier endlich st. musz Uffenbach
neues roszbuch (1603) 2, 120. II@C@2@bb)
mit dat.: sie (
die bienen) sterben ... alle hunger Overbeck
gloss. melitt. (1765) 127. II@C@2@cc) vor etwas st.: die katze war vor alter gestorben Storm
w. (1904) 3, 16. II@C@2@dd) von etwas st.: damit (
mit quecksilber) sol man den kopff des falcken ... salben ..., wann die leus sterbent davon Mynsinger
von den falken 26.
redensartlich: dergestalt lügen, dasz die fliegen in der lufft davon sterben Castelli
ital.-teutsches wb. (1741) 1, 39
b. II@C@33)
vom epidemischen sterben: im sommer kömpt biszweilen ein unglück unter die hüner, dasz sie sehr sterben
viehbüchlein (1667) 99.
spontan vom jagdtod des fuchses: dorch sinen pels he van en (
d. jägern) starf Gerh. v. Minden
fabeln 113, 61
L. II@C@44)
vom schlachttod nur scherzhaft anthropomorph: die frau sprach, der han musz sterben, und der han ward gebraten Pauli
schimpf u. ernst 20
Ö. II@C@55)
im sprichwort: stirbt der fuchs, so gilt der balg Mathesius
Sarepta (1571) 37
a; Merck
br. (1847) 147; Göthe 1, 15
W.; W. Grimm
kl. schr. 1, 370 (
s. o. teil 4, 1,
sp. 334
f.). vogel frisz oder stirb! Chemnitz
schwed. krieg (1653) 2, 157; Grimmelshausen
Simpl. 275
ndr. (
s. o. teil 4, 1,
sp. 133). es ligt an den wolffen nicht, das die pferde, hunde sterben Luther
sprichw.-samml. nr. 30
Th.; das pferd stirbt oft, eh das gras wechst Seb. Franck
sprichw. (1541) 2, 152
b. II@C@66)
part. sterbende schafe, sterblinge
pecore morte Kramer (1702) 2, 964
a (
s. auch sterbfell, sterbling); gestorben vieh
aas ebda. II@DD.
theile des körpers sterben,
sterben ab, verlieren ihre lebensfunktion, werden starr, gefühllos: die füsze sterben ja immer ehr beym kranken als der kopf Prätorius
glückstopf 149. bei ... exsudation stirbt die epidermis und regeneriert sich aus dem exsudate Sömmerring
vom bau (1841) 6, 251; stirbt dir (
Sulzer im bilde) nicht dein gesenkter kopf und dein erhabener finger? Herder 3, 78
S. II@EE.
in bildlichem gebrauche. II@E@11)
vom tod der seele, d. i. der verdammnis des sünders, die als ewiges sterben
dem leiblichen tode gegenübergestellt wird; schon ahd.: thie thar in mih giloubit, ... ni stirbit ci euuidu,
non morietur in aeternum Tatian 135, 15; lebestu mensche nach dines fleisches gelust, so muostu st. ewicliches todes Leyser
pred. 43, 27; (
leute) die der ... werlt nâch volgent, die sterbent mit dem ewigen tôde Megenberg
buch der natur 155, 9
Pf.; die sele muste sterben ... sô daz sie ... in dem tode swebete, storbe und doch lebete, hete sie Jesus nicht erlôst Hesler
evang. Nic. 4042; wan de sele mit dôtliken sunden wert vordorven, so is se dôt vor gode gestorven
Lübecker dodesdanz 17
B.; wo du darvon eszt so vermessen, wirst du des ewing todtes sterben H. Sachs 1, 25
K. II@E@22)
vom absterben geistiger interessen, versiegen, schwinden der vitalität, des einflusses und der werthschätzung durch mit- oder nachwelt: fasz, leben, wieder mich lebendig an ... viel lieber will ich raschen tod erwerben, als, so verschmachtend, lebenslang zu sterben Eichendorf
s. w. (1864) 1, 342; die welt ist mir verdorben ... mein herz ist lange gestorben, denn du bist fern Geibel
ges. w. 1, 68; bettler ihr! ... ... ihr sterbt, ihr sterbt! auch nach hundert todesgängen bin ich athem, dunst und licht — unnütz, unnütz, mich zu hängen! sterben? sterben kann ich nicht! Nietzsche 8, 358. II@E@33)
im christl. sinne für das überwinden der sinnlichkeit, der sündhaftigkeit, die abkehr von der welt. II@E@3@aa) der mensch sol an ym selber sterben, das ist des menschen selbheyt und icheyt sol st.
theologia deutsch 33
Mandel; dahyn aber bringt ers (
der christ) nicht, das er allenthalben der sünde los sey, bis der alte schelm gar sterbe und untergehe Luther 20, 560
W., wofür auch: der alte Adam musz sterben Kramer (1702) 2, 763
c; wer eh stirbt, als er stirbt, der stirbt nicht, wenn er stirbt P. Fleming
dtsche ged. 1, 56
L.; Zinkgref-Weidner
teutscher nation weisheit (1653) 3, 13. II@E@3@bb)
mit dat.: der welt, dem eigenwillen st.,
entsagen: die predig ... leert ..., in welcher weisz sy (
die menschen) irem aigen willn st. söllen, da durch yn das ewig leben müg gevolgen Tauler
sermones (1508)
register 2
b; der mensch, der sich selb nit enmaint noch des sinen nit ensuochet ... und sich ... unwirdig dunkt kains guots ..., der ist der mensch, der siner aignen minne gestorben ist
die lilie 77, 13
dtsche texte d. ma.; si sterbent der welte und überwindent daz flaisch
st. Georgener pred. 278, 1; dise lûte sint gestorben blute und vleische und alle irre begerunge
dtsche mystiker 1, 55, 21
Pf.; Schönbach
altd. pred. 1, 28, 24; 31, 16; ein solch mensch mus allen dingen gestorben sein Luther 4, 2
b; ein gotergebener, der welt gestorbener einsiedel Seb. Franck
sprichw. (1541) 1, 124
b; seinen ... begierden, seiner ... sündigen eigenliebe st. Kramer (1702) 2, 763
c.
ähnlich: meine (
erblindenden) augen leben der freude, ob sie schon dem lichte sterben Klinger
theater 2, 135;
w. 2, 440; wohl mir, dasz ich der sterblichkeit zu sterben ... muth hatte Bettine
Günderode (1840) 1, 104; 363. von etwas st. (16.
jh.): sind ir nun mit Christo gstorben von den elementen diser welt? Zwingli
v. freiheit d. speisen 37
ndr. (Luther: abgestorben ... den satzungen der welt
Col. 2, 20); Jac. Strausz
christl. unterricht (1523) b 2
a. II@E@3@cc)
selten mit gen.: sein begird sol st. zeitlicher ding Keisersberg
ausg. d. Jud. (1510)
L 5. II@E@3@dd)
in der neueren sprache für etwas st.,
absterben: denn sind wir gleich gestorben für die welt, so hören wir doch gern von ihren wechseln Schiller 15, 2, 487
G. (
Demetrius 903). II@FF.
in anthropomorpher vorstellung spricht man vom sterben der pflanzen
und steine,
weiter vom sterben der sonne, des tages, der welt. II@F@11) laub, gras, blumen, bäume sterben. II@F@1@aa)
mhd.: (
wenn reif fällt,) sô müezent die fruhtpluomen sterben Megenberg
b. d. natur 85, 15
Pf. nhd.: wann laub und grasz durch winters pein styrbt gänzlich vor den augen dein J. v. Schwartzenberg
Cicero (1535) 151
r; auch schon sterben feld und wiesen, grasz und kräuter ohne zahl Spee
trutznachtigall (1649) 290; Rist
Parnass 688; J. G. Jacobi
s. w. (1807) 1, 20; Matthisson
schr. (1825) 1, 11; Th. Körner
w. 2, 19
H.; G. Keller 10, 23; die blumen starben gern unter der liebenden fustritt Schiller 2, 150
G. (
räuber 4, 4); Brentano
ges. schr. 2, 67; man hat den baum lange gepflegt, aber er ist gestorben Laube
ges. schr. (1875
ff.) 4, 58. viele pflanzen muszten hervorgegangen und gestorben seyn, ehe eine thierorganisation ward Herder 13, 23
S. II@F@1@bb)
fruchtbar wird das bibelbild Joh. 12, 24
ff.: nisi granum frumenti cadens in terram mortuum fuerit ... für sterben und werden
in natur und kultur: das weitzenkoren, daz do felt in die erde, das sterb, dann so beleibet es allein, stirbt es aber, so bringet es vil frucht
spiegel menschl. behaltn. (1492) 81
b; so das körnlein ins erdtrich felt und stirbt, ... Carlstadt
vom stand d. christglaubigen seelen c j
a; das weytzkorn bringt keyne frucht dann gestorben und verwesen Seb. Franck
sprüchw. (1541) 1, 120
a; Hayneccius
Hans Pfriem 5
ndr.; sie (
die pflanze) stirbt in einem fruchtbaren tode Herder 15, 31.
auf Joh. 12, 24
geht auch zurück: und solang du das nicht hast, dieses: stirb und werde! bist du nur ein trüber gast auf der dunklen erde Göthe 6, 28
W. II@F@22)
vom metall und stein gesagt: so ein metall sterben will, hebt es an zu rosten und was verrostet ist, das ist auch gestorben Paracelsus
op. (1590) 6, 295; an die verwitterung des steins klammert sich der überzug unscheinbarer flechten, — wo der stein stirbt, wächst die pflanze auf Tschudi
Alpenwelt 45; pflanzen sind gestorbene steine, tiere gestorbene pflanzen Novalis 2, 287
M. von wein und brot: man ... vergrebt den süszen wein in trebern, darin er sterben musz und also süsz zu bleiben gezwungen wirdt
M. Quadt
teutsch. nation herligkeit (1609) 124; es soll ihm einer erst lassen das brot im munde st., ehe er sich schlaffen legt Petri
d. Teutschen weiszheit (1604
ff.) 2, C c 8
r. II@F@33) sonne, tag, jahr, leben, welt stirbt,
vergeht. '
das wort sterben
wird überall, wohin klopstockischer einflusz dringt, gern ganz allgemein für ermatten, welken, verlöschen, verklingen gebraucht' Köster
in Schönaich
ästhetik 418,
hier auch belege aus dem 18.
jh., vgl. noch: der tage schönster stirbt, die heiligste der nächte steigt schon herauf Kretschmann
s. w. (1784
f.) 2, 114; stirbt eine nacht, sinkt eine neue nieder Bettine
Günderode 1, 49; (
die) sonne ..., die in der abendröthe wie ein schwan, in melodien aufgelöst, ... starb Jean Paul 7/10, 561
H.; alles so still und bleich ..., als wäre die welt gestorben Eichendorf
s. w. (1864) 3, 181; wenn sonnen untergehen, und alle welten sterben, ... Giseke
poet. w. (1767) 4
G. II@F@44) feuer, farbe, licht stirbt,
verlischt, vergeht: ein andrer sagt, wie auff ein stutz sterb leib und seel, und sey kein nutz: dann so das fewr verlesch und sterb, dasz auch sein hitz damit verderb K. Scheit
Grobianus 2234
ndr.; sieh, Doris! jene lampe sterben Pfeffel
poet. vers. (1812) 1, 56; und vom zug der thür erloschen starb das licht der kleinen lampe! Brentano
ges. schr. 3, 261;
auch: vertrocknend stirbt der klare bronnen, der quell versiegt im sonnenstrahl Th. Körner 2, 16
H. II@F@55) rede, gesang stirbt,
verhallt, verstummt. redensartlich das wort stirbt im munde
u. ä. II@F@5@aa) der (
frau) das wort ... czwischen den czennen starbe Arigo
decam. 82
K.; Montanus
schwankb. 148
B.; dieser ermattende hauch, der halbe seufzer, der auf der vom schmerz verzognen lippe so rührend stirbt Herder 5, 8
S.; ein ... fluch starb mir auf den lippen Pfeffel
pros. vers. (1810) 5, 72; er (
der könig) wollte mehr sagen, doch starb ihm das wort auf der zunge Ranke
2 16, 225; sobald er mich mit diesen augen anschaut, stirbt mir jedes ernste wort auf den lippen Holtei
erzähl. schr. 10, 5; die sprache stirbt vor angst, das wort verliehrt sich schier Günther
ged. (1735) 812; was horchest du ... dem fernen sterbendem wiederhalle des bardengesangs? Klopstock
oden 1, 202, 2
M.-P.; ... auf seinen bleichen lippen starb das vergiftete gebet Schiller 5, 2, 234
G. (
don Carlos 2, 8); der hirten plaudern starb Gaudy
s. w. (1844
ff.) 2, 25.
anders in der bibelstelle Sirach 19, 10 (
s. u. 6
b). II@F@5@bb) ein ton stirbt,
verklingt: bei einer harmonischen stelle, wo der bogen (
der violine) sanft auf mehreren saiten stirbt Göthe 45, 37
W. II@F@66)
von einer kraft, einer tätigkeit, einem geschehen, einer eigenschaft gesagt. die bildkraft bleibt meist lebendig. mhd.: sein (
des herings) augen scheinent des nahtes ... sam ain lieht, aber diu kraft der augen stirbt mit dem visch Megenberg
b. d. natur 245, 14
Pf. nhd. II@F@6@aa) alles, das yn Adam untergieng und starb, das stund yn Christo wider auff und ward lebentig
theologia deutsch 31
Mandel; (
Christus) ist wahrhaftig geboren und gestorben, aber die gottheit in ihm ist nicht gestorben Schweinichen
denkw. 1
Ö.; ein handwerck krancket ... wol, aber es stirbet nicht Petri
d. Teutschen weiszh. (1604
f.) 2, v 5
v; (
man erkennt,) dasz die christliche liebe bey ihm gestorben ist Chr. Weise
d. drey klügsten leute (1675) 65; die liebe stirbet nimmermehr Zesen
vermehrter Helikon (1656) 2, 51;
Shakespeare 3, 250 (
Hamlet 3, 2); ihm starb zwar in jeder stunde eine unendliche hoffnung, aber jede gebar ihm auch eine neue Jean Paul
Titan 4, 41; Göthe 43, 374
W.; seine versuche starben in der geburt Justi
Winckelmann 1, 137; die alte poesie ist an entkräftung gestorben Laube
ges. schr. (1875
ff.) 8, 6; der gedanke, der uns beseelt, kann nicht mehr sterben
M. v. Ebner-Eschenbach
ges. schr. (1893
f.) 2, 69.
häufig in der gehobenen sprache der poesie: wo etzwas mein geschrifft vermag, dein lob msz sterben keinen tag Hutten
opera 1, 449
B.; all danckbarkeit war da gestorben W. Spangenberg
ausgew. dicht. 67; ohne dich stirbt alle freud Stieler
geharnschte Venus 64
ndr.; mein hoffen stirbt, mein kummer lebt H. A. v. Ziegler
asiat. Banise (1689) 78; Hektors liebe stirbt im Lethe nicht Schiller 2, 68
G. (
räuber 2, 2); das schöne stirbt, der glanz löscht aus, das irdisch-schlechte baut sein haus Tieck
schr. 4, 135; nie stirbt die grosze that Jos. v. Collin
Regulus (1802) 12; den todten stirbt die lust an gold und gut Droysen
Aischylos3 219. II@F@6@bb)
wissen und wollen, eine kunst stirbt
mit dem menschen. hierher Sirach 19, 10: hastu etwas gehöret, lasz es mit dir sterben (
vulgata: commoriatur in te; Koburger bibel: in dir, Hans Sachs 19, 78 bey dir); denn es schade ist, das solchs klugen fürsten sprüche sollen mit seynem leibe sterben Luther 19, 646
W.; eine kunst, die ... allzuschön war, als dasz sie mit ihm st. sollte Wieland
Agathon (1766
f.) 2, 46; seine herrschsucht wird erst mit dem könig st. B. Mayr
päckchen satiren (1769) 19; Klinger
w. 4, 117; ist alle tapferkeit mit Solymann gestorben? Pietsch
geb. schr. (1740) 6; das geheimnisz ich schwöre dir, soll mit uns beiden sterben Schiller 13, 444 (
Turandot 4, 6);
ähnlich: schreib mir nur oft, mein talent steigt und stirbt mit deiner liebe A. v. Droste-Hülshoff
br. 54
Sch. in der rechtssprache: stirbt der mann, so stirbt auch seine klage Graf-Dietherr (1864) 301
nr. 136.
redensartlich ein freund, wohlthäter ... stirbt in, an jemandem: was für ein künstler stirbt an mir! Kästner
verm. schr. (1755) 1, 6; ein Friedrich starb in ihm! Klopstock
oden 1, 99, 20
M.-P.; dem prinzen starb eine braut in seiner jungen mutter Schiller 5, 1, 183
G. (
don Carlos 3, 4). II@GG.
in unpersönlichen wendungen. II@G@11) es musz, will, soll gestorben sein,
man musz sterben: es ist dem menschen nit gegeben, das er könn immerdar hie leben, es will einmal gestorben sein Er. Alberus
praecepta morum (1562) 48
a; Wackernagel
d. dtsche kirchenlied 4, 19
b; und soll es denn gestorben seyn, so lebe wohl zu tausendmal Tieck
schr. (1828) 3, 213. II@G@22)
reflexiv: es stirbt sich schön, leicht, schwer
u. s. w.: du reichtest mir sie (
die pistolen), du! es wird sich süsz sterben Stockmann
d. leiden d. j. Wertherin (1776) 123; am ende stirbt sichs besser jugendlich als ältlich Fontane I 4, 9; schön stirbt sichs vor das vaterland J. Chr. Günther
ged. (1735) 142; in deinem schoosze stirbt sichs gut Brentano
ges. schr. 5, 352; ja tod und sterben! stirbt sich nicht so leicht! Tieck
schr. (1828) 2, 95. II@G@33) es stirbt,
es herrscht eine seuche (15.-18.
jh.): dero zit fieng es an ze Costentz ein wenig ze sterben an der pestilentz Tschudi
chron. Helvet. 2, 95;
quellen z. gesch. d. bauernkriegs in Oberschw. 56
lit. ver.; 180; Paumgartner
briefw. 75; 174; 270; anno 1549 ... hub es an zu sterben zu Dantzk Hennenberger
preusz. landtafel (1595) 95; es starb zimblich hie, ein tag 4, 6 und meer
städtechron. 15, 141; 186; Steinhausen
privatbr. d. ma. 1, 132; Ayrer
dramen 3, 1834
K.; demnach es zu Breslau dies jahr sehr starb
quelle bei Weinhold
schles. wb. (1855) 94
a; in diesem jahr starb es noch hart und fest in allen landen Binhardus
thüring. chron. (1613) 266; Prätorius
winterflucht (1678) 202; wann es in einem hause stirbt, so nehme man ... Hohberg
georg. cur. aucta 3 (1715), 101
b.
im perfekt es hat gestorben: J. Grünbeck
spiegel in trübsal c 3
b; Herberstein 337; Jelinek
mhd. wb. 682; C. Spangenberg
manszfeld. chron. (1572) 333
c.
reflexiv in dieser bedeutung spontan: es stirbt sich hier viel E.
M. Arndt
an J. Motherby 133. II@HH.
in der älteren rechtsspr. ein gut, ein land stirbt in, an, auf jem.,
geht durch todesfall in anderen besitz über, schon mhd., s. Bartsch md. ged. 110;
Magdeburger fragen 54
B.; 98; 135: dasselbige (
erbe) sal nach erem tode nicht widder in di werlde sterben ... sunder bei dem closter bleiben
urkundenb. d. stadt Freiberg (1493) 1, 443; das husz ... ist von im widder an das closter gestorben
ebda 1, 348; im selben jare ... starb die herrschaft an seinen (
des herzog Georg von Sachsen) bruder Georg Butze
in städtechron. 27, 114, 17; Kehrein
volksspr. in Nassau 1, 390; nymmet dy wyttewe eynen andirn man ... unde stirbet der irsten kyndir eynes odir me, derselben toden kyndir erbe stirbet uf dy mutir
Kulm. recht 4, 79; die königliche krohne stirbet vom vater auf den bruder Dapper
Africa (1671) 472
b. heimsterben: (
der) prauch, ... das szo der besitzer stirbt, das lehen frey widder heym sterbe dem, der es vorhyn vorkaufft, vorlihen odder vorlassen hat Luther
an den christl. adel 27
ndr. lose, ledig st.: wie es sonst geschicht, wen eyn herrschafft löse stirbt
ders. 19, 446
W.; er bittet um das haus, so jetzt ledig gestorben ist
br. 3, 371; B. Waldis
Esop 2, 215
K.; es stirbt kein gut zurück, sondern vorwärts
quelle bei Graf-Dietherr (1864) 193. II.
das part. sterbend. I@11)
moribundus. I@1@aa)
attributiv. I@1@a@aα)
vom menschen oder theilen des leibes gesagt: der seelen und nit des leibs soll ain yeder sterbender mensch war nemen G. Mayr
sprüchw. (1567) c
β; comedi von dem reichen sterbenden menschen, der Hecastus genannt H. Sachs 6, 137
K.; ein sterbender sohn der Niobe, den Apollo erschossen hat Schiller 3, 579
G.; man sang ... vom sterbenden Roland Scherer
lit.-gesch. 103; segen, den ihm seine sterbenden eltern gaben Hebel
w. 2, 28, 22
B. von theilen des leibes: die letzte bitte des sterbenden herzens Jean Paul
Titan 3, 124; ich setzte mich an ihr bette und faszte sie bey ihrer sterbenden hand Rabener
s. w. 4, 147;
theater d. Dtschen (1768
ff.) 11, 70; mit bleichen sterbenden händen Klopstock
Messias 4, 11; vergebens ausstrecken deine sterbenden hände wirst du nach einem sohn Schiller 2, 192
G. (
räuber 5, 2); sein letztes, mit sterbender hand geschriebenes blatt Göthe IV 31, 103
W.; das ... sterbende haupt (
der verscheidenden Lucia) C.
F. Meyer
J. Jenatsch 78.
ungewöhnlich: sie sahe, wie sein blut von der sterbenden hüfte flosz Ramler
einl. (1758) 1, 359; angst und sorge malten sich in ihrem sterbenden gesichte
M. v. Ebner-Eschenbach
ges. schr. (1893) 6, 289.
dagegen allgemein sterbendes auge,
brechendes auge: Lessing 2, 350
M.; Gottsched
ged. (1751) 1, 264; sterbender blick Klopstock
oden 1, 81, 38
M.-P.; maler Müller
w. (1811) 1, 107.
in wollust die augen schlieszend: da sank sie mit sterbenden blikken, o welche unsterbliche lust! an meine hochfliegende brust Göthe 37, 44
W. auch sterbende stimme,
stimme eines sterbenden, dann verlöschende stimme: S. v. Laroche
frl. v. Sternheim (1771) 2, 48;
M. I. Schmidt
gesch. d. Dtschen (1778
ff.) 5, 399;
theater d. Dtschen (1768
ff.) 1, 181. sterbendes wort,
wort eines sterbenden: die erwählung fällt auf Fortinbras: er hat mein sterbend wort
Shakespeare 3, 361 (
Hamlet 5, 2). einem Hektor in seinem tode entsinkt selbst bei seiner letzten sterbenden bitte keine thräne Herder 3, 21
S. redensartlich kein sterbendes wort sagen, hören, wissen,
auch nicht das leiseste, kleinste wort (
s. auch sterbenswort): ich weisz kein sterbends wort Hermes
Sophiens reise (1778) 3, 642; 4, 175; warum war herr
M. so boshaft und sagte mir ... kein sterbendes wörtchen? Zschokke
s. ausgew. schr. (1824
ff.) 22, 103; (
der schäfer zum kaiser:) ich kann ja nicht lesen, noch rechnen und schreiben; auch weisz ich kein sterbendes wörtchen latein Bürger
werke 67
b B.; ähnlich keine sterbende seele
für keine sterbliche seele, gar niemand: keine sterbende seele soll davon zu wissen kriegen Heyse
kinder d. welt (1896) 1, 284.
s. u. sterbensmensch. I@1@a@bβ)
bildlich sterbende natur, sonne
u. s. w.: die sterbende sonne ... die entschlafende erde Jean Paul 1, 21
H.; im osten brannte der goldglobus neben der sonne, der letzte spiegel ihres sterbenden abendblicks 15/18, 179; halbdunkel eines sterbenden nachmittags Schnitzler
Anatol (1901) 58; (
er) gosz in die sterbenden lampen frisches öl Heinse
s. werke 2, 61
Sch.; sterbendes licht J. A. Ebert
ep. (1789) 25; Freiligrath
ges. dicht. (1870) 5, 190;
M. v. Ebner-Eschenbach
ges. schr. (1893
f.) 3, 133; bis ... die traurigen klarinetten den letzten sterbenden hauch entsandten Mörike
w. 3, 44; der trompeter blies mit sterbenden gedämpften ... tönen Gutzkow
ges. w. 4, 268; wie schminkt sich das sterbende jahr? S. Geszner
bei Campe 4, 638. und sang ein vogel — noch, ... so wars ein abschiedslied der sterbenden natur König
ged. (1745) 40; so weit die letzten sterne der schöpfung noch das unendliche leere mit sterbendem (1780: mattem) strahle durchirrten Klopstock
Messias 2, 253. sterbender mut, sterbende freiheit,
sinkend, schwindend: lasz mich jezt deinen sterbenden mut durch mein beispiel beleben Schiller 3, 436
G. (
kab. u. liebe 3, 4); welcher ... mann würde ... helfen wollen, die letzte spur unserer sterbenden freiheiten zu vertilgen? Dahlmann
franz. revol. (1845) 184. I@1@bb)
prädikativ. I@1@b@aα) er (
Simson) dot (
tötete) vil mer sterbent denn die er vor hett erschlagen lebentig
richter 16, 30
erste dtsche bibel (
vulgata: moriens); (
sie) ir trurig bekumbert sele sterbend ufgab
N. v. Wyle
translat. 21, 10
K.; Xylander
Polybius (1574)
vorr. 2; durch meine wunden, sag ich dir, fliegst sterbend du zum leben Brentano 4, 44 (
chron. eines f. schülers); was völker sterbend hinterlassen, das ist ein bleicher schattenschlag Göthe 5, 1, 44
W. I@1@b@bβ)
vergänglich: (
gott) alles, was etwas kostlich, ehrlich, selig, lebendig ist, zunichte, gering, voracht, elend und sterbend macht Luther 7, 547
W. I@1@b@gγ)
komparativ ungewöhnlich: Siegbert sank auf einen sessel neben den blumen, ... er war sterbender (1869: verschmachteter) als diese Gutzkow
ritter vom geiste (1850
ff.) 3, 351. I@1@cc)
substantiviert. I@1@c@aα) ein sterbender: es ist nicht eines jeden sache, um sterbende zu seyn Lessing 2, 345
M.; auf ... nächtlichen wanderungen zu kranken oder sterbenden Immermann 1, 188
B.; sorge für ... die letzten tröstungen der sterbenden Ranke
s. w. 9, 23; die klagen sterbender sein mir gesänge Tieck
schr. (1828) 1, 222. I@1@c@bβ) die sterbenden,
die sterblichen, mortales (
selten): ihr geister, die ihr seyd von gott dazu bestellt, der sterbenden gebein und asche zu bewahren Lohenstein
Arminius (1689
f.) 1, 12
b. I@22) sterbend,
tödlich, todbringend, frühnhd. in festen wendungen, z. b. sterbende not,
todesnot: do sy dich (
die mutter den heiland) in sterbender nodt sach
d. ewigen wiszheit betbüchlin (1518) 41
b; Keisersberg
bilgersch. (1512) 17
d; Eberlin v. Günzburg
s. schr. 3, 203
ndr.; mit dieser pestilentz und sterbenden seuche Xylander
Plutarchus (1580) 93
a; da eine sterbende seuche einrisz Micrälius
Pommerland 6, 235; sterbende läufe: als sich anno 1539 die sterbenden leuf ... heftig erzaigten
Zimmer. chron. 3, 251
B.; 448; Schöpf
tirol. 707.
in freier verbindung selten: din husz sy ouch verr als du magst von sterbenden, schmeckenden stetten, als von stillstond wasser, wüest graben Brunschwig
liber pestil. 7
b; (
es) wirdet ... verboten, das all diejenigen ... so von sterbenden ortern sein ..., auf disen jormarkt kummen (
v. j. 1623)
österr. weisth. 6, 527, 15. I@KK.
part. perf. gestorben
als adj. für tot: gestorbne sprachen werde ich ... den worten nach ... erlernen, aber ihr geist verschwand mir Herder 1, 2
S. substantiviert: opfer für die gestorbenen, totenopfer Diefenbach
gl. 296
c s. v. inferie. komparativ selten: neben dem ... todesantlitz ... lag ein anderes hingesunken, ... lebloser und gestorbener als das der leiche C.
F. Meyer
der heilige6 98.