schande,
f. unehre, schimpf. eine ableitung zu skam-
mit einem t-
suffix, vor dem das stammauslautende m
in n
übergehen muszte (
vgl. hundert, sund),
also von mhd. schamede
nur durch das fehlen des thematischen vocals unterschieden (
vergl.scham.
mit diesem zu derselben wurzel, die in schaden
steckt).
die ableitung von schinden (Weigand 2, 546)
ist weder sachlich genügend gestützt, noch wird sie den verschiedenen bedeutungen des worts gerecht. goth. skanda
αἰσχύνη,
ags. sceand, sceond,
ahd. scanta, scanda,
mhd. schande, schante, schanne,
und schende,
mnd. niederl. nhd. schande.
dedecus .. schand, schande Dief.
gloss. 169
a,
ignominia schande 285
b.
nov. gloss. 209.
neuere mundarten bieten wenig abweichungen: oberdeutsch vielfach schante Zingerle 49
a. Hintner 216.
cimbr. wb. 227
a,
nd. zu schanne, schann
assimiliert Schambach 180
a. Woeste 225
a. Schütze 4, 22. Danneil 182
a. Mi 74
b.
die flexion ist schwach; das hessische schände Pfister 245,
in schände machen '
ausschelten',
als plur. tant. erklärt, ist wol nichts als mhd. schende
und sing. ahd. begegnet auch ein adj. scant '
beschämt': genan (
Adam) so bifalt er (
der teufel),hiar (
bei Christo) ward er filu scanter. Otfrid 2, 5, 14.
dazu unscant
unbeschämt, scantheit
confusio Graff 6, 520.
ags. als subst. sceand,
m., ehrloser, betrüger: ðonne sægde Petrus, dæt hê (
Simon der zauberer) wre léas drŷ (
ein loser zauberer) and sceand and scyldig swica (
betrüger).
bei Bosworth-Toller 823
b. 11)
als ursprüngliche bedeutung hat man sich wol '
beschädigung'
im allgemeinen zu denken; aber die einschränkung auf die bedeutung '
ehrverminderung'
ist bereits vor beginn der überlieferung vollzogen. wenn deshalb in einzelnen gebrauchsweisen neueren datums die erschlossene grundbedeutung zu tage tritt, so musz es zweifelhaft bleiben, ob hierin reste des alten gebrauches, oder spätere entwicklungen vorliegen. so nd. schande doon,
schaden anrichten, etwas entzwei brechen, dithmars. s. brem. wb. 6, 271,
holstein. Schütze 4, 22.
so vielleicht auch für schaden,
wenn nicht druckfehler anzunehmen: kain holtz haut ab, es sey dann sach, das es dem wild kain schanden mach. Schwartzenberg 138
d.
vor allem gehört hierher zu schanden '
zu nichte'
in mannigfachen verbalen fügungen. 1@aa) zu schanden werden,
vernichtet werden; von personen, häufig mit übergang in die gewöhnliche bedeutung von schande,
moralisch vernichtet, beschämt werden, besonders wenn boshafte anschläge eines menschen vereitelt werden. zu schanden werden,
pudefieri Frisch 2, 161
a.
in biblischer sprache ungemein häufig: mein gott ich hoffe auff dich, las mich nicht zu schanden werden, das sich meine feinde nicht frewen uber mich. denn keiner wird zu schanden, der dein harret, aber zu schanden müssen sie werden, die losen verechter.
ps. 25, 2. 3; wie ein dieb zu schanden wird, wenn er begriffen wird, also wird das haus Israel zu schanden werden.
Jerem. 2, 26; darumb müssen solche lerer zu schanden, erschreckt und gefangen werden. 8, 9; darumb soltu zu allen schanden werden, und ewiglich ausgerottet sein.
Obadja 11.
in verbindung mit synonymen: sie müssen sich schemen, und zuschanden werden, alle die sich meines ubels freuen, sie müssen mit schand und
scham gekleidet werden.
ps. 35, 26; schemen müssen sich und zu schanden werden, die mir nach meiner seelen stehen ... zurück müssen sie fallen, und zu schanden werden. 40, 15; da mustu doch zu spot und zu schanden werden.
Jer. 22, 22; das jr zum fluch, zum wunder, schwur und schande werdet. 42, 18; wer ist jemals zu schanden worden, der auf ihn gehoffet hat. Mathesius
Syrach 1, 7
b; die werden itzt zu spot, fur iederman zu schande.
bergreihen 51, 28
neudr.; wir müssen zu schanden werden — eiapopeia — im himmel der gott und ich, der könig auf erden. H. Heine 1, 343
Elster. jetzt hauptsächlich in dem ebenfalls der bibel entlehnten sprichwort: hoffnung (aber) leszt nicht zu schanden werden.
Röm. 5, 5 (
vgl. Simrock 4874);
ähnlich: dasz hoffnung nimmermehr den geist zu schanden macht. A. Gryphius 2, 445.
die gewöhnliche bedeutung liegt augenscheinlich vor, wenn es im gegensatz zu ehre
oder in verbindung mit synonymen gesagt wird: lasse meine feinde zu ehren, und mich zu schanden werden. Luther 4, 540
b; wenn die schaaren aller teufel sich empören und bemühn, dich von Christo abzuziehn ... und du sprichst nur: so spricht gott! werden sie zu schand und spott. P. Gerhardt 103, 30
Gödeke. so auch: und solstu gleich in gfengknusz panden werden zu öffentlichen schanden oder gleich in dem pranger stehn. H. Sachs 2, 4, 24
c.
sonst vielfach in schwächerer bedeutung: mit einem anschlage nicht zum ziele kommen, '
hereinfallen': von ainem edelman und seiner frawen die sich understuondt ainen seiner pauren zuo ainer lugin pringen ... des sy auch nit tuon macht und dardurch zuo schanden wardt.
fastn. sp. 1346, 234; damit ihr selbst gewahr werdet, wie ihr mit euren prahlerischen reden zu schanden werden sollt. Tieck 13, 18; dasz du zu schanden wärst, du unverschämte, an mir, die dreimal ärgere, geworden! H. v. Kleist 5, 40
Hempel (
schrecken im bade).
von sachen: so wollen wir ritterlich sterben, umb unser brüder willen, und unser ehre nicht lassen zu schanden werden. 1
Macc. 9, 10; und wüste man aus allen exempeln, dasz solche anschläge wären zu schanden worden. Weise
erzn. 40
neudr.; grosz und beruhigend ist der gedanke, dasz gegen die trotzigen anmaszungen der fürstengewalt endlich noch eine hülfe vorhanden ist, dasz ihre berechnetsten plane an der menschlichen freiheit zu schanden werden. Schiller 7, 7; dein (
der fichte) fusz ist so gesetzt, dasz Aeolus sein wetter zu schanden an dir wird. Logau 1, 191.
in gewöhnlicher rede, verdorben werden, zu grunde gerichtet werden, verderben, umkommen: auf solche weise war ein vogel erlauffen und ein pferd darüber zu schanden geworden.
urk. von 1544
bei Dief.-Wülcker 833; (
ich) giesze mir den wein auf den hals und weil ich ein neu roth dammasten kleid an hatte, ward es mir gar zu schanden. Schweinichen 1, 158.
ähnlich mundartlich: dat kleed is ganz to schanden. Dähnert 400
b.
in diesem sinne sagt man auch zu schanden kommen (
vgl.zu schaden kommen), gehn;
von personen und sachen: ob ein sambler oder haustenmacher auspliebe unndt nit kem, dardurch das heuw zu schanden kommen möcht. Grimm
weisth. 2, 196; doch auf dieser (
flucht) kamen sie in unwegsamen holwegen und gegenden, deren sie völlig unkundig waren .. zu schanden. Heilmann
Thucyd. 438 (
ἐσπίττοντες ἔς τε χαράδρας ἀνεκβάτους .. διεφθείροντο. 3, 98); eilff schiffe von den Syrakusanern wurden bey dieser gelegenheit (
der seeschlacht bei Plemmyrium) von ihnen (
den Athenern) versenkt .. wogegen ihnen selbst auch drey schiffe dabey zu schanden giengen. 927; dasz sie (
die bösen) zu schanden gehn; ihr stamm wird auszgerissen. Rompler
reimged. 77.
mundartlich z' schande go,
verderben, von früchten u. ähnl., in der Schweiz Hunziker 217. Seiler 250
b; ze schanden gon, ein prästen gewünnen, anfahen verdärben,
inclinare in vitium. Maaler 347
a. 1@bb) zu schanden machen
in demselben doppelsinne: zu schanden machen,
pudefacere, infamem facere, turpitudinis notam urere, labem adspergere; zu schanden machen, heiszt auch so viel als verderben, zu schanden hauen,
vulneribus conficere. Frisch 2, 161
a.
von personen bald in dem stärkeren sinne, vernichten: und eben über diser sachen, darin du wolst zu schanden machen ein frume frau, da solstu werden zu schand vor aller welt auf erden. P. Rebhuhn
Susanna 5, 4,
v. 274,
schausp. aus dem 16. jahrh. 2, 89; und sein (
des Theseus) gemahl, Phedea (
Phädra) gnannt, ward brüchig, macht sich selbst zu schand und sich mit einem schwert durchstach. Ayrer 1208, 4
Keller; hab ich (
prinz Eugen) nicht in Ungerlanden Türken schon gemacht zu schanden, hunderttausend, noch viel mehr?
wunderhorn 1, 541
Boxberger; so auch in der fassung des bekannten sprichworts: hoffnung macht nicht zu schanden. 1, 175 (
vgl. a);
bald in dem sinne: in schande bringen, beschämen, jemandes anschläge vereiteln, ihn widerlegen u. s. w.: zu schanden machen,
confutare, refutare, confundere Dasypodius,
labefactare Steinbach 2, 384; he hett sine fiinde to schanden maket,
hat die schande auf seine feinde gebracht. Dähnert 400
b;
im gegensatz zu ehre: was gott wil zu ehren machen, das machet er vorhin zu schanden. Luther 6, 214
b;
schon mnd.: dat gij juwe truwen erliken vrouwen also tho schanden wolden maken.
quelle bei Schiller-Lübben 4, 44
b; sie (
ecclesia) wolde uns (
sinagoga) gern machen zu schanden.
Alsfeld. passionssp. 4631; er hat mich umb mein ehr gebracht, und mich nun gar zu schanden gmacht. Spangenberg
glücksw. 878 (
elsäss. literaturdenkm. 4, 340); viel falsche zeugen fochten an die über-reine lippen (
Christi) ... ihr zeugen stimmt nicht überein, und macht sie selbst zu schanden. A. Gryphius 2, 213; es könnte einer doch nicht kindischer noch einfältiger reden, denn Christus, und machet doch alle doctores damit zu schanden. Luther
tischr. 1, 50; siehst du, dasz ich auch weisz, wie man euch leute zu schanden machen musz? Lessing 1, 415 (
freig. 2, 5); einen solchen tropf nimmt der Platonische Sokrates vor, um ihn zu schanden zu machen. Göthe 46, 25; so ist es ihr ein leichtes, mich vor aller welt zu schanden zu machen. Hebbel 2, 212; bangt dir — so durchstreiche das wort
stark vor deinem geschlechte, denn ein mädchen hat dich zu schanden gemacht. Schiller
kab. u. liebe 5, 1.
ähnlich jemandes anschläge, list, kunst, vertrauen
u. a. zu schanden machen: dasz Christus mit gar schlechten, einfältigen worten zu schanden gemacht hat der Pharisäer weisheit. Luther
tischr. 1, 53; dieser letzte streich .. liesz mir keine hoffnung übrig, die ihrige zu schanden zu machen. Wieland 2, 143; dasz es keiner vorsicht gegen den vielleicht nur versteckten feind bedürfe, der, gerade wenn ich mich seiner am wenigsten versehe, aus irgend einem hinterhalt hervorbrechen, und mein unbesonnenes selbstvertrauen zu schanden machen könnte? 3, 479; (
das ungefähr) macht der politik geprüfte kunst zu schanden. Gotter 2, 29; er (
der himmel) sey gelobt, der unsrer feinde bosheit zu schanden machte! Schiller
M. Stuart 4, 2;
freier: wenn der taschenspieler täglich mehr alles glaubwürdige und begreifliche vor unsern augen zu schanden macht. Göthe 53, 145; bis endlich ... die einzelnen pferde- und kutschen - atome sich zu einer kompakten reihe verdichten, die .. das alte sprichwort: besser schlecht gefahren, als zu fusze gegangen, offenbar zu schanden macht. Grillparzer 11, 254.
mit sächlichem object, vernichten, verderben: alles was wir schönes hatten, ist zu schanden gemacht.
Jes. 64, 11; auf dieser seite also spieleten die Peloponnesier den meister über die attischen schiffe, und machten sie zu schanden. Heilmann
Thucyd. 294; ihr sollt nicht zittern vor schild und speer, denn ein wort der heiligen macht sie zu schanden. Hebbel 1, 35; kein mensch begehrt zu klagen, dasz jetzt ein garten lacht, und in den winter-tagen die lust zu schanden macht. Chr. Weise
kl. leute 27.
verstärkt zu nicht und schanden machen: da stehet der text, der mich und meinen brieff redlich entschüldigt, und hertzog Georgen schrifft also zu nicht und schanden macht. Luther 6, 7
a.
zuweilen auch zu schanden setzen, bringen, richten,
doch die ersteren daneben auch in andern bedeutungen: keinen, welcher hart auff dich, wirst du nicht zu schanden setzen. Opitz
ps. 48 (25, 1); sine fiendt wärdend al ze spot, gott bringet sy zeschannde. Soltau
histor. volksl. 2, 142 (
vom j. 1533); und nit bringet ewer guot pferdt also zu schanden, dann verlierent jr das, so uberkomment jr niemmer eyns dergleichen.
Aimon h 5
a; die aglester (
elster) bringet uns zu schanden (
verrät uns).
buch der liebe 297
b; wenn etwas zu schanden gerichtet war, so wurde er .. gefragt, ob die sache nicht könnte hergestellt und reparirt werden. Göthe 37, 255. 1@cc)
sodann wird zu schanden
auch mit andern verben verbunden, ebenso wie zu nichte: einen zu schanden hauen,
vulneribus aliquem deformare Steinbach 2, 384; ein pferd zu schanden reiten,
equum defatigando perdere. Frisch 2, 161
a,
u. ä. vgl. Regel 256: die zunge, dein schädliches glied ... schlägt alles zu schanden und wund. P. Gerhardt 5, 12
Gödeke; wenn nun der papst .. kommt, und meiner kranken mit bilsenkraut den kopf beräuchert, ihr den kräutersaft entzieht, mit hexensegen kurieren will — kurz, sie zu schanden doktert. Werner
Luther 2, 1,
v. 1158; die fabel vom pferde, das ... sich sattel und zeug auflegen läszt, und zu schanden geritten wird. Göthe 16, 78; der hagel hat dieses jahr alle frucht zu schanden geschlagen. 37, 247; die bestie hätte mich zu schanden gerissen. Schiller
räuber 1, 2
schauspiel; ha! über den raker — von hinten her will er männer zu schanden schmeiszen? 4, 5;
so auch: die augen sich zu schanden nähen. Engel
apoth. 54;
am häufigsten reflexiv: sich zu schanden laufen,
currendo se exhaurire Frisch 2, 161
a; denn sonsten .. würden sie sich leichtlich zu schanden sauffen.
öcon. lex. 2144; sinne nach — nein, ich würde mich zu schanden sinnen. Lessing 8, 10; o ich habe mich fast zu schanden gegrämt, dasz ich sogar nichts mehr kann. Bürger
briefe 1, 101; sie thun immer so grosze sachen, dasz sich ein gescheuter kerl daran zu schanden denkt. Göthe 15, 18; lasz du sie nur reiten, und fahren und gehn! lasz du sie sich werben zu schanden! Bürger 61
a; zu schanden haben wir uns schon gedacht. Göthe 41, 254. 22)
die gewöhnliche bedeutung von schande
ist eine eingeschränktere: schädigung an der ehre, ehrverlust, ehrlosigkeit: schand,
ignominia, dedecus, infamia, indignitas, opprobrium, labes Dasypodius.
in diesem sinne bereits goth. und ahd.: þize guþ vamba ist jah vulþus in skandai ize (
καὶ ἡ δόξα ἐν τῇ αἰσχύνη αὐτῶν).
Phil. 3, 19; nû helf er imo selbenûfan themo galgen, in scantu thesses dôthes. Otfrid 4, 30, 16; dein schand wirt prait, und êr sicherlîchen smal. Oswald v. Wolkenstein 39, 2, 23; desto grosszer ist din schande, dasz du einen andern regieren salt und enhost din selber kein gewalt.
Alsfeld. passionssp. 563; auffgieng ein offentliche schand.
Ambr. liederb. 326, 164
Bergmann; erduldet er (
Jesus) das creutz, und achtet der schande nicht.
Ebr. 12, 2; nu wil ich jre schande auffdecken fur den augen jrer bulen.
Hos. 2, 10; ein truncken weib ist eine grosze plage, denn sie kan jre schande nicht decken.
Sir. 26, 11; ihr opfertet mir ein leben auf, ein leben, das schon nicht mehr euer war, ein leben voll abscheulichkeit und schande. Schiller
räuber 5, 2
schausp.; Julia ist zertreten! niedergedrückt in den untersten abgrund der schande!
Fiesko 4, 10
bühnenbearbeitung; ich bit euch woltrost schanden frey, sagt mir warümb es also sey. Schwartzenberg 155
c; ich pleib erber, löblich und wirdig, vor schanden behüt, tugent girdig. H. Sachs
fastn. sp. 1, 28
neudruck; mein gott, ich bin voller schande. P. Gerhardt 128, 33
Gödeke; ein thor sucht blindlings ruhm im labyrinth der schande. Hagedorn 1, 33; hast du dein blut nicht selbst der schande preis gegeben? Gotter 2, 16.
personifiziert, für die, welche in schande leben: erröthen liesz er (
der prediger) die bescheidne schande in ihrem ehrbar schonenden gewande, und zog der lust den schleier vom gesicht. A. v. Droste - Hülshoff 1, 67.
in mhd. predigten wird Babylon
mit schande
übersetzt: wan Babilonie daʒ betütet confusio daʒ ist ain schande. Grieshaber
pred. 1, 92; Babylon heiʒet die shant, unt bediutet dise werlt. wan swaʒ man nach upicheit unt nach shanten tuoet, daʒ pringet die ewigen shante. Leyser
pred. 2, 31
f. vgl. b. 2@aa)
häufig mit synonymen verbunden, so schimpf und schande, mit schimpf und schanden: so dasz ich mit schimpf und schanden bestanden wäre. Göthe 25, 275; der Selicour musz fort, fort — mit schimpf und schande fort. Schiller
parasit 1, 2; denn als die andern gäste das sahen, jagten sie den verrathenen dieb mit schimpf und schande ... zum tempel hinaus. Hebel 2, 135; sie (
die Neuberin) musz, wenn sie dich (
Gottsched) sieht, gleich in sich selbst verirrt ... beschämet und verstummt, vor dir die flucht ergreiffen, und also schimpf und schimpf und schand auf schande häuffen. Rost
vorsp. 27; der ist eyn narr der stiget hoch, do mitt man säch syn schand und schmoch. Brant
narrensch. 37, 2; das hohn und schand' er konnte dem erwählen, der ruhm verdient' und lohn der tapferkeit. Gries
Ariost 18, 194. schande und spott: uber dem volck, das jnen nicht nütze sein kan, weder zur hülffe, noch sonst zu nutz, sondern nur zur schande und spot.
Jes. 30, 5; sein (
des Sejanus) haupt das kurtz zuvor göttlich verehret, wurde zu ewigem schimpff, schanden und spott auffgesteckt. Schuppius 562; wenn sie mir hierher kommt, ist mein ganzes glück verdorben — zu schand und spott bei allen kameraden. Lenz 1, 303; bisz jn die armut reit zu letzt, das zu stro wirdt all sein bethgewand, nichts um noch an, denn spot und schand. H. Sachs 5, 327
b; Christi ritter müssen leiden viel not schand und spot ynn aller welt.
bergreihen 30, 13
neudruck; (
wir wollen) Christ von himel lassen sorgen, der uns hüt vor schand und spott. 104, 8; ich stund in spott und schanden. P. Gerhardt 26, 27
Gödeke. eine ähnliche feste verbindung ist sünde und schande: das ist sünde und schande,
das ist schändlich (
vgl. 4,
a) Dähnert 400
b. Danneil 182
a. ten Doornkaat Koolman 3, 97
a; in sünden und schanden leben,
hier mit überwiegen des ersten begriffes: wie woll es sünd und schand ist, das unter denen, die sich christen nennen, leüte sein söllen, die ihren angebornen titel verleugnen. Alberus
widder Jörg Witzeln mammeluken C 4
b; das sünde unnd schande ist. Steinhöwel
decam. 451, 2
Keller; ist es doch sünd unnd schand, daʒ man den buoben den muotwillen gestat. Franck
laster d. trunkenheit G 4
a; ja sie machten auch biszweilen ihre mutter so herunter, dasz es sünde und schande war. Reuter
Schelmuffsky 2 (1697), 47 (
neudr. s. 111); doch was öffentlich und notorie uberweiset ist, das es inn sünden und schanden lebet. Mathesius
fastenpred. 36
a; nemt mit euch alle sünd und schand, und tragt sie feil in alle land. Barthol. Krüger
anf. u. ende der welt 4, 1, 53 (
schausp. aus dem 16. jh. 2, 83); ich hoff, es sy nit sünd noch schand. Herm. v. Sachsenheim
mörin 5670; du (
der heil. geist) bist heilig, läszst dich finden, wo man rein und sauber ist, fleuchst hingegen schand und sünden. P. Gerhardt 77, 35
Gödeke. ähnlich: was nun mit schand und laster angefangen wirt, das endet sich auch gemeinlich also. Carbach
Livius 19.
an andern stellen dagegen werden sünde
und schande
unterschieden bez. in gegensatz gestellt: dâ mac man sünde bî der schande schouwen. Walther v.
d. Vogelweide 24, 16; sintemal solche untugenden an einem jungen ein laster, an einem alten aber eine schande sind.
urkunde von 1579
bei Rommel
gesch. von Hessen 4, 1; es ist schimpflich eine börse zu leeren — es ist frech, eine million zu veruntreuen, aber es ist namenlos gros eine krone zu stehlen. die schande nimmt ab mit der wachsenden sünde. Schiller
Fiesko 3, 2.
über die verbindung schaden und schande
vgl.schade 3,
a, β sp. 1971: daer hem af comt scande ende scade.
Reinaert 7277. 2@bb)
verbale fügungen. activisch schande anrichten, anstiften, 'brauen': du ringst nach ungluck, du brawest schande. Luther 13, 295, 33
Weim. ausgabe (
vgl. 4); jemandem (eine) schande zufügen, anthun, anlegen, anhängen
u. s. w.: und (
ich) wil euch ewige schande und ewige schmache zufügen, der nimer vergessen sol werden.
Jer. 23, 40; und (
der herr) schlug seine feinde im hindern, und henget jnen eine ewige schande
an. ps. 78, 66; hüt dich fur solchen buben ... das sie dir nicht ein ewige schande anhengen.
Sir. 11, 34; straffe die uns unterdrücken, und mit groszem pochen uns alle schande anlegen. 2
Macc. 1, 28; das wir den altar eeren, darumb das der leib Christi darauff sey, den aber der der recht leib Christi ist, schand anlegen und verachten. S. Franck
chron. (1531) 367
b; der herr pastor Lange hat mir darinnen die ehre angethan, auf meine critik zu antworten; und sich die schande, es auf eine so abgeschmackte art zu thun, dasz nichts darüber geht. Lessing 3, 404. jemandem schande machen, bringen,
in älterer sprache thun,
wenn nicht die absicht ausgedrückt werden soll, daher auch mit sächlichem subject: ain slecht gewant tet mir die schant. Osw. v. Wolkenstein 12, 2, 31; vil frummem adel thuostu schand, das du auch edel bist genant. Schwartzenberg 135
a; wir heiszen des Friedländer wilde jagd, und machen dem namen keine schande. Schiller
Wallenst. lager 6; nur einer macht euch schande im schlechteren gewande. Rückert 4, 58; o sei auf gottes heller welt kein trüber gast! mach' schande nicht dem milden herren, den du hast. 5, 363, 14; ein allgemeiner wetteifer stellte sich ein, und es brachte schande, von seinen kameraden an groszmuth übertroffen zu werden. Schiller 9, 334; Luther
gebraucht in diesem sinne auch schande einlegen,
während wir jetzt nur noch sagen mit etwas schande einlegen
in reflexivem sinne, sich durch etwas schande zuziehen: wo die schwermer weren, die dem evangelio nur schand eynlegen, die solt man durch weltlich oberkeit straffen. 12, 505, 26
Weim. ausg.; dagegen bei Steinbach 2, 383: schande einlegen,
turpiter se dare. passivisch schande haben (
in älterer sprache mit gen.), nehmen, leiden,
mhd. gewinnen: Babylon waʒ ist daʒ? daʒ sprichet (
bedeutet) schande. ôwê waʒ diu sêle schanden gwinnet, diu vür got die werlt minnet! Lamprecht v. Regensburg
Sion 257; des mer ummer musten schande hon.
Alsfeld. passionssp. 454, 3; wer zucht leszt faren, der hat armut und schande.
spr. Sal. 13, 18; er ist ewer stadkind, des jr keine schand habt. Luther 6, 2
a; die umb Christus willen itzt schand und schaden, angst und nott, gefengnis und ferlickeyt leyden. 12, 505, 26
Weim. ausg.; so sey nu auch du schamrot, und trage deine schande.
Hes. 16, 52; das du tragen müssest deine schande und hohn, fur alles das du gethan hast. 54; die kynd von eltern nemen schand. Brant
narrensch. 49, 8; schande ladet auf sich der mann, ... welcher ... die bezauberte unschuld vor dem altar ihr (
der buhlerei) würgt! Hölty 97
Halm. 2@cc)
präpositionale wendungen: 2@c@aα) mit schande
oder schanden: des musszet er mit schanden abziehen.
Alsfeld. passionssp. 7356; das er (
Sanherib) mit schanden wider in sein land zoch.
2 chron. 32, 21; las den geringen nicht mit schanden davon gehen.
ps. 74, 21; du schöne stad must dahin mit allen schanden.
Micha 1, 11; wurden sie erschlagen, und weggefürt mit allen schanden.
Judith 5, 16;
besonders mit schanden bestehen: und der mond wird sich schemen, und die sonne mit schanden bestehen.
Jes. 24, 23; aber die götzenmacher müssen alle sampt mit schanden und hohn bestehen, und mit einander schamrot hingehen. 45, 16; darumb werden sie mit schanden bestehen, das sie solche grewel treiben, wiewol sie wollen ungeschendet sein, und wollen sich nicht schemen.
Jer. 6, 15; meine feindin wirds sehen müssen, und mit aller schande bestehen.
Micha 7, 10;
in allen diesen stellen offenbar in dem sinne '
beschämt werden, beschämt dastehen',
wofür auch mit
oder in schanden stehen: alle goldschmit stehen mit schanden mit jren bilden, denn jre götzen sind triegerey, und haben kein leben.
Jer. 10, 14; ewr mutter stehet mit groszen schanden, und die euch geborn hat, ist zum spot worden. 50, 12.
wir verbinden jetzt mit dem ausdruck mit schanden bestehen
stets die vorstellung einer prüfung, also: schlecht bestehen, sich nicht bewähren, vgl.: in oder mit schanden bestehen,
rideri Frisch 2, 161
a. 2@c@bβ) zu schanden: es kam daher blosz auf den zufall an, ob das talent zu ehren oder schanden geboren seyn sollte. Göthe 25, 289;
gewöhnlich mit dem dativ der person, die davon schande hat: und (
ihr) redet uns auch ze schanden, Jhesus sij von dem tode erstanden?
Alsfeld. passionssp. 7402; ich weis wol, das du den son Isai auss erkorn hast, dir und deiner unartigen mutter zu schanden.
1 Sam. 20, 30; euch zur schande mus ich das sagen.
1 Cor. 6, 5; aber er ist kein bapst .. wie denn seine bücher solchs zeugen, zu schanden allen bepsten. Luther 8, 218
a; zu hohn, spot und schanden, dem leidigen geitz. 5, 422
a; aber uns zu ewigen schanden und schaden. 5, 423
b;
ebenso zu jemandes schanden: das ein onmechtiger sperling zu unsern groszen ewigen schanden, im evangelio stehen mus, als des allerweisesten menschen, doctor und prediger. 422
a; jemandem zur schande gereichen, ausschlagen
u. ä.: aber dein ratschlag wird zur schande deines hauses geraten.
Habak. 3, 10; es wird ihnen zur scham und groszen schande gereichen. Göthe 35, 274; dat dien pape verghinc te scanden.
Reinaert 1261. 2@c@gγ) schande
oder schanden halber
oder halben etwas thun,
um sich keine schande zu machen, anstands halber, par honneur, ohne innern antrieb. Schm. 2, 428. Hunziker 217. Seiler 250
b. Hügel 134
a,
niederd. schannen halwer Woeste 225
a,
preusz. schandshalber, schanshalber Frischbier 2, 257
a,
hier in die bedeutung 5
übergehend. schande halben abgeschreckt werden,
metu infamiae deterreri Stieler 1730; er musz es schande halber thun,
probri vitandi causa facere Steinbach 2, 383; dasz die gantze compagnie lachte, und er schande halben stillschweigen muste. Weise
erzn. s. 165
neudr.; alle vier wochen einmal macht er schandehalben dem marschall seine aufwartung. Wagner
kindermörd. s. 32, 17
neudruck. 2@c@dδ) einen in schande bringen,
in der ältern sprache auch zu schande bringen, setzen: he heft sik alle tît geholden, ift he gôt wêre, unde uns mit sîner glîssenheit bedrôgen unde heft uns tô schanden brocht.
vruwenlof einl. s. 15, 36
Schröder; aber was daran verschuldet, ist nit mein, sondern Eccii schuld, welcher .. durch sein ehr suchen, die romische laster in alle welt zu schanden gesetzet hat. Luther
briefe 1, 512; lieb bringet manchs frewlein in schandt. H. Sachs
fastn. sp. 1, 3
neudruck; bist du es, der so mich in schande gebracht, so bring' auch mich wieder zu ehren! Bürger 61
b.
der biblischen sprache eigen ist der ausdruck mit schande bekleiden: sie müssen mit schand und scham gekleidet werden, die sich wider mich rhümen.
ps. 35, 26; meine widersacher müssen mit schmach angezogen werden, und mit jrer schand bekleidet werden, wie mit einem rock. 109, 29. 33) schande,
insofern sie in urtheilen zum ausdruck kommt; jemandem schande nachsagen, seine eigne schande hören
u. ähnl.: seine eigene schande sagen,
vitia sua loqui Steinbach 2, 383; sie kan uns doch ja nicht schande nachsagen. 1
Mos. 38, 23; wenn deine tochter nicht schamhafftig ist, so halt sie hart, das .. du (
nicht) von einem jeden schande hören, und dich fur allen leuten schemen müssest.
Sir. 42, 11; sie hörte an der wand nur ihre eigne schand.
wunderh. 1, 75
Boxberger; letztere stelle nach dem sprichwort: der
horcher an der wand hört seine eigne schand. Simrock
sprichw. 4937 (
vergl.horcher 2,
theil 4, 2, 1804); sag von dir selber keine schand, sie kommt dir doch wohl noch zur hand. 8886.
so auch seine schande bekennen: und die priester und leviten bekandten jre schande.
2 chron. 30, 15.
während schande
hier vielfach in die bedeutung 4
übergeht, nähert es sich zuweilen der bedeutung '
schmähung, verleumdung, beschimpfung'
; vergl. schänden,
schimpfen, schmähen. so schweiz. aim alli schand (und laster) säge,
ihn heftig ausschimpfen. Hunziker 217. Seiler 250
b. 44)
veranlassung und gegenstand der unehre; was schande bringt. 4@aa)
abstract, von handlungen u. ä., schandthat, schändlichkeit. 4@a@aα)
im allgemeinen: schand unnd laster,
scelus et crimen Maaler 347
a; sie haben sich in die schwelgerey und hurerey gegeben, jre herrn haben lust dazu, das sie schande anrichten.
Hos. 4, 18; da richten sie zu Jerusalem heidnische spielheuser an .. und wurden gantz verstockt, alle schande und laster zu treiben. 1
Macc. 1, 16; so werden wir nicht müde, sondern meiden auch heimliche schande (
ἀπειπάμεθα τὰ κρυπτὰ τῆς αἰσχύνης), und gehen nicht mit schalckheit umb.
2 Cor. 4, 2; wir wollen dir auch deswegen die dazu gehörige freyheit geben, ihr alle schande und laster nachzusagen. Lessing 2, 395; se driven grote sunde unde vele schande in drunkenheit, overvlôt, in vloken unde mit kive.
des dodes danz 1494
Bäthcke; der wucher ist gemeine, unkeuscheit wol bekand ... dazu viel andre schand.
bergreihen 91, 11
neudruck; die seint von irer art sunst hart und vest zu steter fart geneigt, dasz sie all schand und plag volnbrengen sollen nacht und tag.
schade sat. u. pasqu. 1, 126, 539; er ist ein huren-wirth und kuppelt jedem bey von schanden, was er wil, von sünden mancherley. Logau 3, 217; (
ich) habe keine ruh, weil ich mit meinen schanden erwecket deinen zorn, da ich vor dir gethan grosz' übermachte schuld. Fleming 29; ade du lasterreiche welt, du lusthausz aller schande. Rist
himml. lieder 4, 216; Germaniens söhne sind mächtig erstanden, zu tilgen die wälschenden lügen und schanden. Arndt
ged. (1860) 275.
auch geradezu '
schandthat, verbrechen': eine schande begehen
u. ähnl.; ein grosse unnd verfluochte oder unsagliche schand begon,
admittere vastum nefas. Maaler 347
a; ê daʒ ir iwer schande, hêrre, an im begienget.
Parz. 364, 16; du hast eine schande begangen an der majestät des wahrhaftigen gottes, dasz du dir die tugend die hände zu deinem bubenstük führen .. lieszest. Schiller
Fiesko 5, 16.
andrerseits abgeschwächt, etwas für eine schande (
für schimpflich) halten (
vgl. c): das stolze mädchengefühl, das den frauenstand für schande und last hält, bis es liebt. Pestalozzi 8, 80.
über die verbindung sünde und schande
vgl. 2,
a. 4@a@bβ)
speciell unzucht, besonders auch widernatürliche unzucht, blutschande u. ähnl.: wenn jemand bey seiner schnur schlefft, so sollen sie beide des tods sterben, denn sie haben eine schande begangen.
3 Mos. 20, 12; da kam ein junger gesel zu jr, der sich versteckt hatte, und legt sich zu jr. da wir aber in einem winckel im garten solche schande sahen, lieffen wir eilend hin zu.
Sus. 37. 38; desselbigen gleichen auch die man haben verlassen den naturlichen brauch des weibes, und sind an einander erhitzet in jren lüsten, und haben man mit man schande gewircket.
Röm. 1, 27; fressig bäuche sein gar unruhig im hausz, schand treiben sie in der schlaffkamer.
Petr. 31
b; das mögen wir behertzigen .. und uns für solcher schande hüten (
wie David mit Urias weibe verübte). Schuppius 489; da sprizt es (
das laster) den eitrichten fressenden schaum aus stirn und wangen und mund ... und nistet abscheulich in den gruben der viehischen schande. Schiller
räuber 1, 3
schauspiel. für '
schändung'
: ahd. scanda
stuprum Graff 6, 520; schand, schwechung als einer dochter,
probrum Maaler 347
a; Absolon der ungerecht stund fast nach Davids künglich cron, sein weyben hat er schandt gethon, dj er mit unkeüsch hat verletzt. Schwartzenberg 156
c; die häupter deiner edlen werden fallen, und deine jungfrau'n, losgebundnen haars mit schande zahlen ihrer väter schande. Grillparzer 8, 112.
ähnlich in freierer verwendung: von einem könig in Franckreich, der het ein tochter minnigleich, die er wolt haben zu der eh, solch schand thet der junckfrawen weh. H. Sachs 5, 229
b. 4@a@gγ)
vielfach, namentlich in der niedern umgangssprache, auch abgeschwächt, für unfug, lärm, gezänk (
vgl.schandal): was habts für ein schand?
quae illic turba est. voc. von 1618
bei Schmeller 2, 429;
nd. schanne, schanne maken Danneil 182
a. Schambach 180
b. 4@bb)
gegenstand der schande im concreten sinne, ein ding oder eine person, das jemandem schande bringt oder dessen er sich zu schämen hat: seinen elteren oder vätteren ein schand und uneer seyn,
dedecori esse patribus Maaler 347
a; ein weiser son erfrewet den vater, und ein nerrischer mensch ist seiner mutter schande.
spr. Sal. 15, 24; du unschuldig? niederträchtige feile dirne! schande deines vaters! ewiger schändender flecken in dem ehrenkleid, das er eben in diesem augenblicke angezogen hat. Göthe 15, 65; schämt euch, ihr unmenschen! schämt euch, ihr drachenseelen, ihr schande der menschheit! Schiller
räub. 1, 3
schausp.; ohne ergänzung durch einen nachfolgenden genitiv: sie achtens fur wollust, das zeitliche wolleben, sie sind schande und laster (
σπίλοι καὶ μῶμοι). 2
Petr. 2, 13.
hierher gehört auch: meretrix, scortum hur
vel schant. Schm. 2, 428; die schanden
neben die torochten frowen
als variante zu die huoran.
des teufels netz 12652. 4@cc)
so auch in der redensart es ist eine schande,
die vollständig gleichbedeutend mit es ist schändlich
gebraucht wird: es ist ein schand, es ist uneerlich oder schandtlich,
ignominiae est Maaler 347
a; es ist schande,
dedecet, indecorum est Stieler 1729; kanst nit schreiben? ist wol ein schand. Spangenberg
glücksw. 771 (
els. lit. denkm. 4, 335); denn es ist eine schande bey den Assyrern, das ein solch weib solt unbeschlaffen von uns komen.
Jud. 12, 12; es ist ohn disz eine schande, dasz die zarte jugend durch dergleichen ärgerliche händel zu böser lust angereitzet wird. Weise
erzn. 159
neudruck; es ist eine schande, wie sie mit ihm umgeht. Lenz 1, 290;
selten ohne artikel (
vgl.es ist schade): ists schand weiber nemen, warumb schemen wirs uns auch nicht essens und trinckens. Luther 3, 100
a; uber diesz wäre es schande, dasz er seine schöne ducaten und reichsthaler vor solchen lumpenzeug solte hinschleudern. Weise
erzn. 16
neudruck; dafür auch es ist eine schande wert,
besonders im niederd. ten Doornkaat Koolman 3, 97
a.
ergänzt durch einen folgenden dativ: wir können das nicht thun, das wir unser schwester einem unbeschnitten man geben, denn das were uns eine schande.
1 Mos. 34, 14; wer antwortet ehe er höret, dem ists narrheit und schande.
spr. Sal. 18, 13;
so auch: denn den vater ehren, ist dein eigen ehre, und dein mutter verachten, ist deine eigen schande.
Sir. 3, 13. 4@dd)
hieran schlieszt sich die verwendung von schande
als ausruf: diesz ist das wahre studium humanitatis, in welchem uns Griechen und Römer vortrefflich vorgegangen sind; schande, wenn wir ihnen nachbleiben wollten! Herder
zur phil. u. gesch. 13, 144 (
hum. br. 3, 29);
gewöhnlich mit folgendem dativ: schande dem sohne Teuts, der's (
das liedchen) durstig trinket, weil es wollust durch die entloderten adern strömet! Hölty 86
Halm; schande dir La Hire, dasz du die alte tapferkeit zu künsten der höll' erniedrigst. Schiller
jungfr. v. Orl. 2, 10;
dafür auch schande für
und, mit einer leichten nuance des sinnes, über jemanden: sie wundern sich, dasz ich ihr gespräch hörte; schande genug für mich, dasz ich zeit und aufmerksamkeit dafür hatte! Hebbel (1891) 1, 45; das sah Judith! ewige schande über mich! 1, 59.
auch in der form pfui der schande
u. ähnl.: er schweig ein wenig, pfei der schand, sprach er darnach mit grossem zorn. Alberus
fab. 6 (3, 16,
s. 25
neudruck). 55)
in manchen fällen geht schande
geradezu in die bedeutung von scham
über, besonders in der ältern sprache. 5@aa)
schamgefühl: pudicitia ... schemde, schande. Dief.
gloss. 470
c,
vgl. Adelung (4).
den übergang vermitteln biblische wendungen, wo es den ausdruck der schande in den mienen bedeutet, also etwa '
schamröte': teglich ist meine schmach fur mir, und mein andlitz ist voller schande.
ps. 44, 16; da wir die schmach hören musten, und die schande unser angesicht bedeckt.
Jerem. 51, 51. vor schande,
aus scham: auff das du ... dich schemest, und fur schanden nicht mehr deinen mund auffthun thürest.
Hes. 16, 63; ecclesia, du brengest uns in noit, dasz mer vor schanden muszen werden rot.
Alsfeld. passionssp. 4990; keine schande haben Weinhold 80
b. Hügel 134
a: pfu dich du unvernünfftig thier, hastu denn keine schand in dir? Ringwaldt
lautere wahrh. 34.
so vertritt es auch scham
in der redensart: er hat aller schande den kopf abgebissen,
zur bezeichnung einer hochgradigen schamlosigkeit (
vgl.scham 1,
b, α) Schütze 4, 22: (
die Russen) sind arglistig .. unverschämet zu allem bösen geneiget .. ja welche allen tugenden gute nacht gegeben, und aller schande den kopff abgebissen. Olearius
pers. reisebeschr. 94
b.
gegenstand der scham, der beschämung; jemand, vor dem man sich schämen musz: solcher mensch war dieser heubtmann in dem verdampten stand (wie es bey uns unsere geistlichen, und bey jnen die heiligen Phariseer gehalten haben), noch hat er solchen glauben, das er wird gerhümt zum sonderlichen exempel, ja zu schanden gesetzt, dem gantzen jüdischen volck. Luther 6, 305 (
l. 302)
a. 5@bb)
die schamtheile, pudenda. pudibunda scham ... schamde, schande Dief.
gloss. 470
c;
besonders in der ältern sprache, s. Lexer
handwb. 2, 655. Schm. 2, 428: er liesz jn auch abschneiden jr langes schön gewandt, wol hinten über abe, und fornen uber d schandt.
quelle bei Schm.
a. a. o. (
reime v. 1562); Abram lerte in die site, daz er sih an siner scante besnite.
s. ebenda. weniger ausgeprägt für '
blösze, nacktheit' Adelung (3),
vgl. auch: weisze kleider, das du dich anthust und nicht offenbaret werde die schande deiner blösze.
offenb. Joh. 3, 18,
und ten Doornkaat Koolman 3, 97
a. 66)
nur der niedern volkssprache gehören folgende bedeutungen an: 6@aa)
nd. schanne
fülle, menge, besonders in zusammensetzungen wie sneischanne Schambach 180
b. 6@bb)
henneb. a schante hôbm, die grösste schante hôbm,
gut mit einander harmonieren, sich gut vertragen, an etwas eine grosze freude haben. Hintner 216. (
hierher?)