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Schanze

mhd. bis spez. · 17 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

Adelung
Anchors
24 in 17 Wb.
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Eintrag · Adelung (1793–1801)

Schanze

Bd. 3, Sp. 1353
Die Schanze, plur. die -n, ein Wort, welches nach Maßgebung des Zeitwortes schanzen und dessen Stammwortes schanen, in mehrern, dem Anscheine nach sehr verschiedenen, aber doch genau verwandten Bedeutungen vorkommt. 1. * Eine jede heftige Bemühung, starke Bewegung; welche Bedeutung sich nur noch in dem Zeitworte schanzen findet, und wovon die Bedeutung eines Wurfes in dem Würfelspiele allem Ansehen nach unmittelbar abstammet. 1) Eigentlich. Im Hochdeutschen ist es zwar in dieser Bedeutung, im Ganzen genommen veraltet; allem es war doch ehedem in derselben sehr üblich. Beym Frischlin ist Schanz im Würfelspiel, ausdrücklich so viel als Wurf, Jactus. Die Schanze glückte ihm wohl, es ist ihm eine Schanze mißrathen, diese Schanze wollte ihm nicht gelingen u. s. f. in welchen bey dem Frisch befindlichen R. A. es überall so viel wie Wurf bedeutet, welche R. A. denn aber auch figürlich gebraucht wurden, in seinem Unternehmen, in seinem Versuche, glücklich seyn u. s. f. Ist nun sach das mir nicht gerat Gegen den Held einmal ein schantz, Theuerd. Kap. 28. Figürlich, ein Versuch, ein Streich. Sie dürfen um den Rock die Schanze schlagen; übersetzt Opitz die Stelle Ps. 22, 19; sie werfen das Loos um mein Gewand, nach Luthers Übersetzung. Ohne Zweifel rühren daher noch die figürlichen R. A. etwas in die Schanze schlagen, es wagen, es auf gut Glück dahin geben, wie ein auf ein Spiel gesetztes Geld. 2) Figürlich. (a) Das Würfelspiel, und in weiterer Bedeutung, ein jedes Spiel und dessen Zustand; Franz. Chance, ohne Zischlaut im Holländ. und Nieders. Kausse, im Schwed. skans; eine gleichfalls veraltete Bedeutung, wovon noch die in einigen Gegenden üblichen figürlichen R. A. abstammen, auf seine Schanze sehen, auf sein Spiel, seiner Sache wahrnehmen; die Schanze versehen, das Spiel, und figürlich, hintergangen werden, vernachlässigen; seine Schanze bewahren, sich nicht in das Spiel sehen lassen, auf seiner Huth seyn, wo aber auch die folgende dritte Bedeutung Statt findet. Ehedem war die Mummenschanze das Mummenspiel, d. i. eine Maskerade. Im mittlern Lateine ist Biscatia das Würfelspiel, Ital. Biscazza, Bischenza. (b) Ein jeder Zufall, er sey glücklich aber unglücklich,[] ein Ungefähr, ein Glücksfall oder Unglücksfall. Im Nieders. ohne Zischlaut Kans, im Engl. Chance, wo auch to chance sich zutragen ist, Ital. Cianza. Henisch erkläret Schanz ausdrücklich durch Abenteuer, Zufall, Gefahr. Wa inen eine schantz bestund, das sie ein schlacht gewünnen, in dem 1514 gedruckten Livius. Im Hochdeutschen ist es auch in dieser Bedeutung veraltet. In der Lotharingischen Provinzial-Sprache ist Dchance Glück, und Meschance Unglück. (c) Günstige Gelegenheit; ein gleichfalls veralteter Gebrauch. So hoff ich noch er werd einmal Übersehen die rechten Schantz, Theuerd. Kap. 17. Sie ist gar sehr ergrimmt, ersiehet ihre Schanze Und schläget auf ihn zu, Opitz. 2. * Eine Bekleidung, Bedeckung, wo es ehedem mit Schande 2 gleichbedeutend war, aber gleichfalls veraltet ist. Eine Larve kam ehedem unter dem Nahmen einer Schanze vor. Siehe auch Schanzkleid. 3. In der Befestigungskunst ist die Schanze eine jede kleine Verschanzung in Gestalt eines Vier-, Fünf- oder Sechseckes. Ital. Scanso, Engl. Sconce, Schwed. Skans, im Pohln. Szanc, im Wend. Schanza. Eine Erdschanze, wenn sie nur von Erde aufgeworfen ist. Eine Feldschanze, welche auf freyem Felde aufgeworfen wird. An manchen größern Festungen befinden sich gleichfalls mit gemauerten Gräben, Außenwerken u. s. f. versehene Schanzen, welche in andern Rücksichten Castelle, Citadellen u. s. f. heißen. Vielleicht von schanzen, graben, da es denn eigentlich ein aus ausgegrabener Erde bestehendes Festungswerk bedeuten würde, oder auch von der vorigen Bedeutung der Bedeckung. Im Ital. ist scansare retten. Er ist mein Schloß und Schanze, Opitz. In einigen Gegenden heißt auch ein jeder Wall eine Schanze. Anm. Frisch bemerket, daß am Nieder-Rheine auch die Reißbündel, oder Faschinen, Schanzen genannt werden, wo denn Schanzen schlagen, ein solches Faschinen-Werk machen bedeutet. In der ersten Bedeutung leiten es viele aus dem Französischen her, welches wiederum aus dem Lat. Cadentia abstammen soll. Richtiger betrachtet man Chance und unser Schanze als Seitenverwandte. S. Schande zu Anfange.
4269 Zeichen · 86 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    schanzeswv.

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +7 Parallelbelege

    schanze swv. 1. spiele hazard, setze auf gut glück. eʒ spilt unde schanzet manger der sîn niht hât muot, sô daʒ geteilt …

  2. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    schanzeF.

    Köbler Mnd. Wörterbuch · +1 Parallelbeleg

    schanze , F. Vw.: s. schanse (2)

  3. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Schanze

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Die Schanze , plur. die -n, ein Wort, welches nach Maßgebung des Zeitwortes schanzen und dessen Stammwortes schanen, in …

  4. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Schanze

    Goethe-Wörterbuch

    Schanze Geschützdeckung a Teil einer größeren Befestigungsanlage; mBez auf die Festungen von Mainz u Luxemburg, einmal ‘…

  5. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Schanze

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +3 Parallelbelege

    Schanze , ein nach den Regeln der Befestigungskunst aufgeworfenes Werk mit Graben und Brustwehr. Vergl. Flesche, Lunette…

  6. modern
    Dialekt
    Schanze

    Rheinisches Wb. · +1 Parallelbeleg

    Schanze das Wort, ndl. schans, mnd. schantze, spätmhd. schanze , ist nach Wk. VII 19 n. einschl. Merz-Büschf , Saarbg-Se…

  7. Sprichwörter
    Schanze

    Wander (Sprichwörter)

    Schanze 1. Eine Schanze geht nach der andern hin. – H. Sachs. 2. Es wart ein ieder seiner schantz. – Franck, II, 62 b . …

  8. Spezial
    Schanze2

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +1 Parallelbeleg

    Schanze 2 f. (-) . ▬ sein Leben in die Schanze schlagen ris ć e süa vita.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit schanze

81 Bildungen · 65 Erstglied · 14 Zweitglied · 2 Ableitungen

schanze‑ als Erstglied (30 von 65)

Schanze(n)amt

Idiotikon

Schanze(n)amt Band 1, Spalte 246 Schanze(n)amt 1,246

Schanze(n)gëlt

Idiotikon

Schanze(n)gëlt Band 2, Spalte 265 Schanze(n)gëlt 2,265

Schanze(n)hauptmann

Idiotikon

Schanze(n)hauptmann Band 4, Spalte 262 Schanze(n)hauptmann 4,262

Schanze(n)herr

Idiotikon

Schanze(n)herr Band 2, Spalte 1544 Schanze(n)herr 2,1544

Schanze(n)leheⁿ

Idiotikon

Schanze(n)leheⁿ Band 3, Spalte 1239 Schanze(n)leheⁿ 3,1239

Schanze(n)lōper

Idiotikon

Schanze(n)lōper Band 3, Spalte 1352 Schanze(n)lōper 3,1352

Schanze(n)schlosser

Idiotikon

Schanze(n)schlosser Band 9, Spalte 740 Schanze(n)schlosser 9,740

Schanze(n)schmitten

Idiotikon

Schanze(n)schmitten Band 9, Spalte 1033 Schanze(n)schmitten 9,1033

Schanze(n)schrīber

Idiotikon

Schanze(n)schrīber Band 9, Spalte 1553 Schanze(n)schrīber 9,1553

schanzeln

DWB

schan·zeln

schanzeln , verb. , zum vorigen gebildet, im kärntischen zur bezeichnung einer besondern art des kegelspiels. Lexer 214 ; schanzeln, um den …

Schanzenbarn

RhWB

schanz·enbarn

Schanzen-barn -barəm, –bān Verbr. s. S. m.: am Waldsaum oder im Hofe aufgeschichteter Schanzenhaufen. RA.: Kucke wie en Eil (Eule) aus em Sc…

Schanzenbinder

RhWB

schanzen·binder

Schanzen-binder (s. S.) Allg. m.: 1. a. einer, der gewerbsmässig Schanzen bindet. RA.: Suffe (saufen) wie enge Sch. Aach-Walh . — b. Würgeke…

schanze als Zweitglied (14 von 14)

aberschanze

Lexer

aber·schanze

aber-schanze stf. wer spilt der abersch. der muʒ verliesen dick. Altsw. 248, 6 ; s. schanze.

Afterschanze

Adelung

after·schanze

* Die Afterschanze , plur. die -n, in der Befestigungskunst, bey einigen so viel, als eine Verschanzung, oder ein Retranchement auf dem Feld…

beschanze

Lexer

be-schanze stf. ein kartenspiel Gr.w. 5,356 ; s. schanze.

Clārischanze

KöblerMhd

Clārischanze , F.=PN nhd. Clarischanze Q.: Parz (1200-1210) E.: Herkunft ungeklärt? W.: nhd. DW- L.: Benecke/Müller/Zarncke I, 836b (Clârisc…

koufschanze

Lexer

kouf·schanze

kouf-schanze stf. gewagter handel. dô gie sie nâch dem pfaffen ir koufschanz vürbaʒ schaffen Ls. 2. 646,320.

stadtschanze

DWB

stadt·schanze

stadtschanze , f. , vgl. oben stadtbastei ( sp. 441): plur. stadtschanzen, castella. Stieler 1843 ; stadtschantzen, rampari, ripari, bastion…

sternschanze

DWB

stern·schanze

sternschanze , f. : sternschantz seindt feldtschantzen oder redouten, in form eines sterns gemacht A. Freytag architectura militaris (1631) …

vröudeschanze

KöblerMhd

vröude·schanze

vröudeschanze , st. F. nhd. freudiger Glückswurf Q.: Suol (FB vröudeschanze) E.: s. vröude, schanze W.: nhd. DW- L.: FB 445a (vröudeschanze)

wartschanze

DWB

wart·schanze

wartschanze , f. halbmondförmiges bollwerk an den eingebogenen oder ausgebogenen winkeln einer festung, das zur beobachtung der feinde besti…

wægerschanze

KöblerMhd

wægerschanze , st. F. nhd. „Wägerschanze“ Q.: UvS (1. Drittel 13. Jh.) E.: s. wægære (1), schanze W.: nhd. DW- L.: LexerHW 3, 640 (wægerscha…

Ableitungen von schanze (2 von 2)

beschanze

Lexer

be-schanze stf. ein kartenspiel Gr.w. 5,356 ; s. schanze.