regel,
f. richtschnur, vorschrift, gewohnheit; nach dem lat. regula
im ahd. als regula, regela,
mhd. regele, regel,
altnord. regla
übernommen, ags. regol
als masc., was auch ausnahmsweise deutsch (der dritte regel uns leret. Everh. Cersne 694).
neben regel
geht in der älteren sprache die form regul (
regula regule Dief. 490
b, 15.
jh.),
noch im 17.
und 18.
jh. gebraucht, weil nicht nur in der sprache der gebildeten durch das lat. regula,
sondern auch durch das vielgebrauchte verbum regulieren (
s. d.)
gestützt: diese 3 regulen. Schuppius 719; regul oder regel,
norma, canon, regula, axioma, praescriptum, praeceptum. Matthiae
manuale lexicon germ.-lat. (1761) 307
a;
später klingt es altväterisch oder pedantisch. das wort kam in einem engeren geistlichen und einem allgemeineren sinne auf. 11) regel,
richtschnur und verfassung bezeichnend, unter der die insassen eines klosters stehen, als berufsausdruck (
nach älterem biblischen sprachgebrauche, vergl. 2)
von den Benedictinern her verbreitet: monachorum quattuor esse genera manifestum est; primum coenobitarum, hoc est monasteriale militans sub regula vel abbate.
regula S. Benedicti cap. I,
in der S. Galler übersetzung ins deutsche übernommen: êrista samanungôno, daʒ ist munistrilîh, chamffanti untar regulu edo demo fatere (
nachher in demselben abschnitte ist regula
durch rehtunga
übersetzt);
und auf alle späteren geistlichen vereinigungen übertragen: vestimenta (keuuâte) Christi daʒ sint sîniu sacramenta, daʒ chit heiligmeineda, also baptismum (touffin) ist, unde missarum sollemnia (misson uoba) unde municho lib-regela. Notker
ps. 21, 19; nuo was das ire (
der geiszler) regel. wer in die bruderschaft wolte und an die buosze tretten, der muoste 32½ dage dinnen sin und bliben.
d. städtechron. 8, 106, 12; das man in einem closter, da man rechte observanz helt, nichts laszt ungestraft hingeen, das da wider die regel ist. Keisersberg
pred. 79
a; siu (
die himmlische gottesstadt) stât in quaderwerke: daʒ ist ir êwig stift, unde sint ouch dâr ane errekket alle gotes friunt die der hânt ervullet diu vier êvangelîa in stâter tugent regula. Müllenhoff
u. Scherer
nr. 30, 33; do schreip er (
St. Franziskus) ein regelorden nâch dem êvangelio. ze dem bâbest Innocencio quam er und die brüeder hin ze Rôme unde bâten in, daʒ er die regel machte stæte, die er geschriben hæte. Lamprecht v. Regensburg
St. Franz. leben 1393; (
die Franziskaner) müeʒen halden doch dârunder ir regelen gebot besunder. 1779; lebe nâch dîner regel lêre. 4736;
und danach vergleichend, witzig oder scherzend auch auf weltliche verhältnisse übertragen, wenn sie als orden
gedacht sind: ir (
frauen) habet einen vil swæren orden, iuwer regel ist iu ouch geschriben: ir sült dêmüetic sîn unde gedultic unde sult vil gebeten. Br. Berthold 1, 331, 37; wer ritters orden zieret unt nach der regel sinnet.
minnes. 1, 343
a Hagen; wâ bî sol ich die pruoven die ze hern Selphartes regelen wollen.
regula Selphardi in Wackernagels leseb. 1 (1873), 994, 26 (
vgl. dazu Wackernagel
kl. schriften 3, 100); auch lern ich alle meine kinder lang negel han, wie schelmen schinder: dann unser (
der Grobianer) regel kan nicht leiden, schwarz wüste negel zu beschneiden.
Grobian. C 2
b (
v. 627);
später auch von den satzungen der freimaurer, vgl. ordensregel. 22)
der ausdruck in seiner alten anwendung geht auf paulinischen sprachgebrauch zurück, der Christi vorschriften als κανῶν darstellte (
2 Cor. 10, 13.
Gal. 6, 16.
Phil. 3, 16),
lat. regula,
wie es in den lat. übersetzungen einschlieszlich der vulgata wiedergegeben wurde (
was Luther
beibehielt: wie viel nach dieser regel einher gehen, uber die sei friede und barmherzigkeit.
Gal. 6, 16,
u. ähnl. an den andern stellen);
woher die lateinischen kirchenväter ihr regula
für den festbestimmten christlichen wandel und glauben im allgemeinen entnahmen, z. b.: quid ergo, si episcopus, si diaconus, si vidua, si virgo, si doctor, si etiam martyr lapsus a regula fuerit? Tertullian
liber praescriptionum cap. 3,
nach Lessings
übersetzung: was denn nun mehr, wenn auch ein bischoff, wenn ein diakonus, wenn eine heilige witwe oder jungfrau, wenn ein lehrer, wenn sogar ein märtyrer von der regel abgefallen ist? 11, 83.
eine frühe anwendung ags. sprache auf den einzelfall ist es, wenn regol
eine besondere lehre Christi genannt wird: Petrus .. cwäð, þät se hælend him tæhte ðone regol, þät hî sceoldon yfel mit gôde forgyldan. Älfric
homil. 1, 372. 33)
aber auch schon in anderem sinne steht regula
ahd., als kunstwort der grammatiker, richtschnur oder '
geist'
der sprache bezeichnend: contra canonem regulo, regile, regili Steinmeyer-Sievers 1, 477, 5 (
aus der praefectio Hieronymi in Tobiam, der lat. text: arguunt et nos Hebraeorum studia: et imputant nobis, contra suum canonem latinis auribus ista transferre);
oder der metriker, richtschnur für den versbau: nist si (
die fränk. sprache) sô gisungan,mit regulu bithuungan. Otfrid 1, 1, 35;
und, zugleich mit anspielung auf die bedeutung 2
beim zweiten vorkommen des wortes: thaʒ lâʒ thir wesan suaʒi:so meʒent iʒ thie fuaʒî, zît joh thiu regula;so ist gotes selbes brediga. wil thu thes wola drahtôn,thu mêtar wolles ahtôn, in thîna zungun wirken duam,joh scônu vers wolles duan: îl io gotes willenallô zîtî irfullen, sô scrîbent gotes theganain frenkisgon thie regula. 1, 1, 42. 44)
später erst in weitergreifender anwendung, als richtschnur für ein verhalten oder thun, zugleich mit vereinzelnder bedeutung, daher mit einem plural, wenn eine vorschrift blosz für bestimmte fälle gemeint wird: ist eʒ dîn wille und ouch dîn rât, ob si (
die minne) mich in ir schuole neme, sô lêre mich ir regel sô, daʒ eʒ mir wol an êren zeme.
Winsbekin 42, 9; der minne regel ich alle kan, die wil ich alle lêren dich. 43, 5;
nhd. manigfach entfaltet. 4@aa) regel,
regula norma. voc. inc. theut. r 3
b; regel, vorgeschribne weisz und form,
praescriptum. Maaler 329
c; regel,
norma, regula. Schottel 1384; man verstehet ohne mein erinnern, dasz durch die regel ein satz verstanden wird, darnach man sich in seinem thun und lassen richtet. Chr. Wolff
vern. ged. v. d. menschen thun u. lassen § 146; die vorstellung einer allgemeinen bedingung, nach welcher ein gewisses mannigfaltige gesetzt werden kann, heiszt eine regel. Kant 2, 649;
in verbindung mit verwandten begriffen, so regel und richtscheit, regel und masz,
wobei zugleich an die bedeutung 7
angeknüpft ist: das löbl. collegium medicum zu Augspurg, dessen pharmacopoe die obrigkeiten zu Frankfurt als eine regul und richtscheid zu halten ahnbefohlen. Hörnig
vier fragen (1636) 26; gewisse grundsätze, gewisse regeln und masze, die sich überliefern lassen. Göthe 36, 250;
namentlich aber auch gern zu gesetz
gestellt, und zwar entweder mit hervorhebung der ähnlichkeit: wann ich dieses erste capitul betrachte, sehe ich dasz grosze herren viel dings thun, worausz man keine regel oder gesetz machen dürfe. Schuppius 11; gesetz und regel übertreten. Herder
zur litt. 1, 131; dasz genie diejenige kraft des menschen sei, welche, durch handeln und thun, gesetze und regel gibt. Göthe 48, 149; doch wer hat sich zu seinem (
des herschenden) hohen rath gesellen dürfen? wer gesetz und regel, wornach es ordnend spricht, erkennen mögen? 9, 287;
so dasz beide ausdrücke geradezu wechseln: das ist doch gewisz, dasz eine todte sprache, die ich nach regeln der grammatik lerne, nothwendig äuszerst einschränket, weil nach diesen gesetzen der gedanke sich richten musz, dagegen in lebendigen sprachen schon eher das gesetz sich nach dem gedanken richtet. Herder
zur litt. 2, 187;
oder der verschiedenheit: die natur ist niemals correct! dürfte man eher sagen. correction setzt regeln voraus, und zwar regeln, die der mensch selbst bestimmt, nach gefühl, erfahrung, überzeugung und wohlgefallen .. die gesetze hingegen nach denen die natur wirkt, fordern den strengsten, innern organischen zusammenhang. Göthe 36, 214. 4@bb)
am häufigsten als vorschrift für bestimmte einzelfälle oder lebenslagen: wer aber ordentlich hauszhalten wil, der musz am himmel anfangen, und folgen der regul Christi, die er gibt Matt. 6. und sagt: trachtet am ersten nach dem reich gottes, und nach seiner gerechtigkeit. Schuppius 6; wann ihr mich in euer gesellschaft wollet aufnehmen, wil ich euch von der erneuerung und regul desz wuchers sagen, nemlich mit was weisz desselben schäden aufs beste gemeidet, und dessen nutzen behalten werden. 721; die brust verwahrt! die brust verwahrt! das war eine goldne regel bei uns alten! Iffland 2, 16; mit dieser regel ist noch eine andre sehr genau verwandt, welche befiehlt, dasz man von den armen nichts, von den reichen desto mehr nehmen soll. Rabener
sat. 3, 96; kein eigensinn kann (
bei den Franzosen, im sprechen oder schreiben) erlaubt werden, so bald er ein eingriff in eine regel sein kann. Herder
zur litt. 1, 100; er will Popes regel anführen: man müsse die alten mit dem geist lesen, mit welchem sie geschrieben! eine regel, die eben so gut und noch eher aus Quintilian und andern anzuführen wäre, als aus Pope. 112; in der spilprentn, auf kugel und kegel, da ist manch schalkhaftige regel. H. Sachs 5, 327
b; was du wilt, das man dir nicht thu, die alte regel sagt, das misz eim andern auch nicht zu, und lasz ihn ungeplagt. Ringwald
spec. mundi (1590) O 4
b; ich versehe mich mit der hülfe gottes, immerdar diese christliche regul zu halten, dasz ich andern thue, wie ich wolte dasz mir geschehe. Schuppius 24; etwas nach der regel machen,
institutum, praeceptionem, formulam sequi. Stieler 1576; diesz ist nicht nach der regel beobachtet,
hoc abhorret, abest, aberrat a regula. ebenda; wir .. gaben ihnen rath und regel, wie sie sich gegen nachzügler zu verhalten hätten. Göthe 30, 112; wie? herr vetter! ich sollte von meiner regel abweichen, und irdischen dingen zu gefallen, die andacht hintansetzen? Gellert 3, 162; hör mir fein zuo mein lieber son, was ich dich lern ist guot zu thon: von diser regel weich kein trit, vergisz sie auch dein lebtag nit.
Grobian. B 3
a (
v. 410); schmackt es dir wol, und ist fein saftig, verdempft, gewürzt, und schleckerhaftig, so darf ich dir kein regel setzen, wie du die zeen damit solt wetzen. C 4
b (
v. 771); so du spatzieren wilt zu zeiten, mit gsellen oder erbarn leuten, .. so will ich dir ein regel deuten, geh allzeit auf der rechten seiten. E 3
b (
v. 1226); die (
braut), die bald, nach der regel, ihm hausehr ist und genannt wird. Voss
Luise 3, 2, 186. 4@cc)
die vereinzelung des begriffs tritt besonders bei seiner verwendung im plur. hervor: einem regeln vorschreiben, sich darnach zu achten,
formulam disciplinae constituere, praescribere, dare normam, praecepta tradere alicui. Stieler 1576; einem regeln vorschreiben,
formulam disciplinae constituere, praescribere alicui modum, praecepta dare, praecipere. Frisch 2, 100
c; letzlich sprach er, in regierung der gesundheit werde ein verstand gefunden über die regeln der medicin. Schuppius 768; er schwatzte von lauter staats-sachen, und setzte zu allen erzehlungen solche artige politische regeln, .. dasz man gemeinet hätte, er müste einen reichsrath in dem leibe haben. Chr. Weise
erzn. 24
Braune; alles in der natur geschieht nach regeln. Kant 1, 332; beurtheilen sie mich .. nach den regeln der religion. Schiller
hist.-krit. ausg. 1, 25; nach allen regeln eines künstlerischen verfahrens. G. Keller
leute von Seldwyla 2, 136;
im ausdrücklichen gegensatz zu willkür und natürlicher ungebundenheit: ich möchte beinah behaupten: es sei besser nach regeln zu irren, als zu irren, wenn uns die willkür unserer natur hin und her treibt. Göthe 20, 178; ein gründlicher verstand ist eines jeden pflicht; nach regeln denkt der mensch, und seiner seele licht nimmt mit den jahren zu. Lichtwer
schriften 187; der tanzmeister kommt der wahren anmuth unstreitig zu hülfe, indem er dem willen die herrschaft über seine werkzeuge verschaft, und die hindernisse hinwegräumt, welche die masse und schwerkraft dem spiel der lebendigen kräfte entgegen setzen. er kann diesz nicht anders als nach regeln verrichten, welche den körper in einer heilsamen zucht erhalten, und, so lange die trägheit widerstrebt, steif,
d. i. zwingend sein und auch so aussehen dürfen. entläszt er aber den lehrling aus seiner schule, so musz die regel bei diesem ihren dienst schon geleistet haben, dasz sie ihn nicht in die welt zu begleiten braucht: kurz das werk der regel musz in natur übergehen. Schiller
hist.-krit. ausg. 10, 84.
der plur. regeln
steht namentlich seit dem vorigen jahrh. als ästhetisches kunstwort: die allgemeine regeln der poesie ... diese regeln, welche man mit so vieler mühe entdecket hat. (Bertram)
Battaux' schöne künste übersetzt (1751) 114; so sind die regeln von dem geschmack erfunden, und deutlich gemacht worden. 115; es darf uns nicht befremden, wenn wir oft ängstlich und gezwungen werden, da unsern verstand die last der regeln drückt, nach welchen wir arbeiten, und da wir, um einer regel zu folgen, uns ... eine schönheit entwischen lassen, .. ja da wir oft selbst durch eine unglückliche anwendung der regeln zu fehlern verleitet werden. Gellert 5, 267; dieses sind die wichtigsten regeln, um auch hier die tonkunst und poesie in eine genauere verbindung zu bringen. Lessing 7, 118; zwar die regeln selbst waren leicht zu machen.
ebenda; der kunstrichter schreibt vor: genies, ihr müszt die regeln durch eure exempel gültig machen. Herder
zur litt. 1, 76; dadurch ist das gute in der dichtkunst in exempeln und nicht in regeln bekannt, und das schlechte verächtlich gemacht worden. 2, 71; eine reizende dichtung, durch welche angedeutet wird, dasz das schöne schon in seiner geburt sich unter regeln fügen musz. Schiller
hist.-krit. ausg. 10, 268; man solle eine auswahl seiner (
Göthes) bessern stücke zusammendrucken, und die schlechten, wie den Faust und andre mehr, die gegen alle regeln verstoszen, aussondern. Arnim
Hollins liebel. 45
Minor; auch der sing.: der gegen alle regel trauerspiele von sechs acten macht.
ebenda; sein ausspruch nur, der stets die regel trifft, entscheidet schnell den werth von jeder schrift. Hagedorn 1, 59; regeln der sprache, der grammatik, des verses: je mehr regeln eine sprache enthält, desto vollkommener wird sie zwar als kunst, aber desto mehr verliert die wahre poesie der natur. Herder
zur litt. 1, 138; ihn nach allen regeln der grammatik hochmüthig zu verdammen, und nach allen privilegien der poetik und rhetorik groszmüthig loszusprechen. 2, 186; schau, wie so oft ein dichter ängstlich ringt, bis nach den regeln ihm ein vers gelingt! Drollinger 297;
vergl. auch die zusammensetzungen ball-, fecht-, geschmacks-, kunst-, spiel-, sprach-, tanzregeln
u. s. w. 4@dd) regel
seltener (
im gegensatz zu b)
in allgemeinerem sinne, als vorschrift für die führung eines ganzen lebens oder gesamten thuns mit genitiv des subjects: das ist die regel der natur,
haec norma, haec regula, haec praescriptio naturae est. Steinbach 2, 241; der eltern regel,
vorschrift über das verhältnis der eltern zu den kindern: der eltern regel solt ein knab erzehlen, wie es die ordnung gab. L. Sandrub
kurzweil 42; des windes regel,
vorschrift, richtschnur, wie sie der wind gibt: was sehen wir von weiten das wellenreich durchgleiten? als wie nach windes regel anzögen weisze segel, so hell sind sie zu schauen. Göthe 41, 163;
personificiert: (
der schwache mensch) sucht hülfe bei der trösterinn aller schwachen, der regel. Schiller
hist.-krit. ausg. 10, 202;
von personen selbst gebraucht, als regelgebende: wohl sind ja Homer und die Griechen beliebt, nicht weil sie Griechen gewesen, nein, weil der natur stets treu sie verharrt, weil falsche manier sie verabscheut, drum leuchten sie uns als muster voran, als göttliche regel der schönheit. Platen 316. 55) regel,
solche richtschnur (4)
in bethätigung: was hilft es, dasz gemähld, gesang, die zahl und maasz wol zu verstehen; der sternen lauf, der welt fortgang, und alle länder zu besehen; wan in sich selbs mein herz (verblindet) kein zihl, maasz, zahl noch regul findet? Weckherlin 415; was ist ein vorsatz? was beständigkeit, was männertreue, wenn in einer lauen minute eine sechzigjährge regel wie eines weibes laune schmilzt? Schiller
don Carlos 5, 10; die regel
der ausnahme
gegenüber gestellt: keine regel ohne ausnahme. Simrock
sprichw. 448; alle gesetze sind von alten und männern gemacht. junge und weiber wollen die ausnahme, alte die regel. Göthe 49, 117; er macht, bildet eine ausnahme von der regel; der tägliche besuch dieses freundes war ihm zur regel geworden, von der er nur ungern eine ausnahme machte; etwas ist, liegt, schreitet aus der regel: die frage war natürlich, ob nicht etwa auch bei dieser scheinbar aus der regel schreitenden erscheinung eine verschiedene incidenz im spiele sei? Göthe 54, 38; in der regel,
gemeiniglich, in den gesetz- oder gewohnheitsmäszig verlaufenden fällen: ich werde in der regel abwesend sein und ihnen nicht zur last fallen. Freytag
soll u. haben 2, 297; götter, wie soll ich euch danken! ihr habt mir alles gegeben, was der mensch sich erfleht; nur in der regel fast nichts. Göthe 1, 372; die menschen, in der regel, verstehen sich aufs flicken und aufs stückeln, und finden sich in ein verhasztes müssen weit besser, als in eine bittre wahl. Schiller
Piccol. 1, 2,
daher regel
wie ausgeführte ordnung, regelmäszigkeit: nach langem zaudern ward es ihm endlich ernst seine gläubiger los zu werden, die güterlast abzuschütteln, die unordnung seines hauswesens in regel zu setzen. Göthe 22, 74; regel wird alles und alles wird wahl und alles bedeutung. Schiller
hist.-krit. ausg. 11, 85;
in dem sinne einer steifen regelmäszigkeit: die gartenkunst und die dramatische dichtkunst haben in neuern zeiten ziemlich dasselbe schicksal, und zwar bei denselben nationen, gehabt. dieselbe tyrannei der regel in den französischen gärten und in den französischen tragödien, dieselbe bunte und wilde regellosigkeit in den parks der Engländer und in ihrem Shakespear. 10, 203,
zugleich mit rücksicht auf die ästhetische verwendung des wortes oben 4,
c. 66) regel,
lehrsatz in der rechenkunst: regel der beschickung, der mischung,
regula alligationis, diejenige regel, welche lehrt, wie man geringes und gutes mit einander vermischen soll, damit das vermischte um einen verlangten preis könne gegeben werden. math. lex. 1102;
mit halber umdeutschung eines lat. ausdrucks, regel de tri,
regula proportionum de tribus, regula trium. ebd.; regula detri. ist ein regel vonn dreien dingen. Adam Ryse
rechnung B 4
b; regel de tre oder tri ist und heiszt die regel oder rechnungsweise von dreien besondern säzen. Seriander
rechtschreibung 365.
vergl. auch kettenregel. 77) regel
in der eigentlichen bedeutung des lat. regula,
als stab zum abtheilen und messen, lineal, bei bauhandwerkern und feldmessern seit dem 16.
jahrh., vergl. auch kippregel
th. 5, 789: und die regel desz abmessens war in seiner hand. Reiszner
Jerus. 1, 42
a; regel,
so viel als lineal, im engern verstande die beweglichen stäbe an einem astrolabium und andern mathematischen werkzeugen. Jacobsson 3, 378
b. 88) regeln auf einer bohrbank,
im maschinenbau, vorrichtungen worauf man röhren bohrt. ebenda 379
a. 99) regel,
die weibliche menstruation. auch als plur.: die regeln haben.