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Lieb

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Adelung
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Eintrag · Adelung (1793–1801)

Lieb

Bd. 2, Sp. 2055
Lieb, -er, -ste, adj. et adv. welches in einer doppelten Hauptbedeutung üblich ist. 1. In leidendlicher Bedeutung. 1) Angenehm, was mit einem merklichen Grade des Vergnügens empfunden wird; wo es als ein Beywort nur in einigen Fällen, besonders des gemeinen Lebens und der vertraulichen Sprechart üblich ist. Das ist gar ein liebes Kind, er ist ein lieber Mann, sie ist gar eine liebe Frau, wo man in der edlern Sprechart angenehm oder liebenswürdig gebrauchen würde. O, sie sind ein lieber Mann, ich will auch ihrer gedenken, Weiße. Ich weiß ein liebes Weib für dich, Gell. Auch im Neutro als ein Hauptwort, gleichfalls nur im gemeinen Leben. Ich weiß nichts als Liebes und Gutes von ihm. S. Gut. Sie thut ihm Liebes und kein Leides sein Lebenlang, Sprichw. 31, 12. Es geht mehr Liebes als Schönes zur Kirche, mehr angenehme als wirklich schöne Personen. Ingleichen als ein Nebenwort. Es ist mir lieb, daß du kommst. Auch mit dem Infinitiv und dem Worte zu. Es ist mir lieb zu hören, zu sehen, zu vernehmen. Das ist mir nicht lieb zu hören. Laß dir das lieb seyn. Mit etwas für lieb, oder fürlieb nehmen, S. Fürlieb. Es mag ihm lieb oder leid seyn. Lassen sie sich ihre kleine Halsstarrigkeit lieb seyn, Gell. Ingleichen im Comparativo. Er möchte lieber schlafen als essen. Es wäre mir lieber, er wäre gar nicht gekommen. Und im Superlativo. Das thut er am liebsten. Von einem demüthigen Retter läßt sich auch das störrige Laster am liebsten retten, Gell. 2) In engerm Verstande, was man liebt und hoch schätzet, dessen Besitz man mit Vergnügen empfindet und daher zu erhalten sucht; in der höhern Schreibart geliebt. Mein lieber Freund. Lieber Bruder. Der liebe Gott, ein im gemeinen Leben sehr häufiger Ausdruck. Unsere liebe Frau, eine in der Römischen Kirche übliche Benennung der Jungfrau Maria. Seine liebsten Sachen in Sicherheit bringen. Das ist mir das liebste auf der Welt. Das liebe Brot, ein gleichfalls im gemeinen Leben sehr üblicher Ausdruck, weil das Brot das unentbehrlichste und daher auch schätzbarste Nahrungsmittel ist. Das liebe Geld. Ihr treibet die Weiber meines Volks aus ihren Lieben Häusern, Mich. 2, 9. Nesseln[] werden wachsen, da jetzt ihr liebes Götzensilber stehet, Hos. 9, 6. Er nahm die Reise vor und sah schon mit Vergnügen Die liebe Stadt auf einem Berge liegen, Gell. Das liebe kleine Bäumchen hier, Das einst gepflanzet ward mit mir, Weiße. Im gemeinen Leben und der vertraulichen Sprechart pflegt der Begriff der Liebe und der Schätzung in manchen Fällen mehr oder weniger zu verschwinden. Es kam ein liebes Gewitter. Auf der lieben Erde liegen. Durchs liebe Ungefähr, das mancher Glücksstern ist, Michäl. Das ich mochte geleben manchen lieben tag, Kaiser Heinrich. Ingleichen als ein Nebenwort. Bey einem lieb und werth seyn. Deine Gesundheit ist mir lieb. So lieb dir dein Leben ist. Personen, denen wir lieb sind, ist unsere Traurigkeit nur dann erträglich, wenn wir uns ihnen mit Fülle des Herzens entdecken. Glauben sie wohl, daß mir ihr Glück lieb ist? Die erste und dritte Staffel des Beywortes werden auch häufig als Hauptwörter gebraucht. Mein Lieber, meine Liebe, d. i. mein lieber Freund, meine liebe Freundinn. In der niedrigen Sprechart sagt man auch im ungewissen Geschlechte etwas Liebes haben, eine geliebte Person. Der Liebste, die Liebste, werden häufig so wohl von verehlichten, als auch von unverehlichten Personen zweyerley Geschlechtes gebraucht, wenn sie einander lieben. Im ersten Falle, wo man auch wohl Eheliebster und Eheliebste sagt, ist Liebster und Liebste anständiger, als das geringere und gemeinere Mann und Frau, aber geringer als das höhere Gemahl und Gemahlinn. Ihr Herr Liebster. Die Frau Liebste. Von unverehlichten Personen ist es besonders im gemeinen Leben sehr häufig, sie mögen sich nun unschuldig und in rechtmäßiger Absicht, oder auf eine verbothene Art lieben. Ehedem sagte man in diesem Verstande auch das Lieb. S. Liebchen. 2. In thätiger Bedeutung, wirklich liebend; in welcher Bedeutung es doch nur als ein Nebenwort mit den Zeitwörtern haben, bekommen und gewinnen üblich ist. Jemanden lieb haben, im gemeinen Leben und der vertraulichen Sprechart, wofür in der anständigern lieben üblich ist. Sein Kind lieb haben. Das Geld lieb haben, geitzig seyn. Den sie so lieb wie sich und wohl noch lieber hatte, Gell. Eine Person oder Sache lieb bekommen, in der anständigern Sprechart lieb gewinnen, Liebe, Neigung zu derselben bekommen. Weil mein Herz die Gottesfurcht über alles lieb gewann, Hermes. Anm. Bey dem Ottfried, im Tatian u. s. f. liob, liub, beym Notker in der zweyten Staffel liebra, im Nieders. leef, im Angels. leof, im Engl. leef, lief, im Schwed. ljuf, im Isländ. liufr, bey dem Ulphilas liubs, im Pohln. luby, im Wendischen, wo es auch schön bedeutet, luba. Das Lat. libet und libitus sind unstreitig damit verwandt, (S. Belieben,) und nach Ihre ist das Griech. φιλος nur durch Versetzung der Sylben daraus entstanden. S. Lieben. Das biblische lieben Brüder, lieben Leute, für liebe, ist wider die Sprachrichtigkeit und verdiente nicht auf den Kanzeln beybehalten zu werden. S. die Sprachlehre.
5124 Zeichen · 98 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    lieb

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer)

    lieb- s. liep-, liebe-.

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Lieb

    Adelung (1793–1801) · +4 Parallelbelege

    Lieb , -er, -ste, adj. et adv. welches in einer doppelten Hauptbedeutung üblich ist. 1. In leidendlicher Bedeutung. 1) A…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    lieb

    Goethe-Wörterbuch

    lieb die zu ‘l.’ gebildeten Formen des Komp u Superl stehen auch für die verlorengegangenen Steigerungsformen zur Positi…

  4. modern
    Dialekt
    lieb

    Schweizerisches Idiotikon · +7 Parallelbelege

    lieb Band 3, Spalte 984 lieb 3,984

  5. Sprichwörter
    Lieb

    Wander (Sprichwörter)

    Lieb 1. All's 'lik lew, segt de Reper. – Hoefer, 869. Alles gleich lieb, sagt der Seiler. 2. Dem einen lieb, dem andern …

  6. Spezial
    lieb

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +1 Parallelbeleg

    lieb adj. 1 (liebenswert) da orëi bun 2 (von Personen) cer (cers, cera) 3 (freundlich) valënt (-nc, -a), dalvers, da orë…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit lieb

1.144 Bildungen · 1.109 Erstglied · 18 Zweitglied · 17 Ableitungen

lieb‑ als Erstglied (30 von 1.109)

liebeln

SHW

lieb-eln Band 4, Spalte 335-336

Liebhaber

SHW

Lieb-haber Band 4, Spalte 337-338

liebkosen

SHW

lieb-kosen Band 4, Spalte 337-338

lieblos

SHW

lieb-los Band 4, Spalte 337-338

liebreich

SHW

lieb-reich Band 4, Spalte 337-338

Liebsel

SHW

Lieb-sel Band 4, Spalte 339-340

Liebwerg

SHW

Lieb-werg Band 4, Spalte 339-340

liebäugel

DWB

liebäugel , n. pflanzenname: von lycopsis arvensis, ackerkrummhals, wilde blaszblaue ochsenzunge; von anchusa officinalis, officinelle ochse…

liebäugelei

DWB

liebäugelei , f. das liebäugeln: und das alles mit zeichen, mit minen, mit liebäugeleien, die meine frau so leutselig annimmt, so verbindlic…

Liebäugelein

Campe

liebaeugel·ein

† Das Liebäugelein , — s, Mz . u. ein Name 1) des Borretsch; 2) der großen Ochsenzunge, auch Sternblume genannt (Anchusa officinalis L .); 3…

liebäugeln

DWB

lieb·aeugeln

liebäugeln , verb. etwas liebes durch äugeln ausdrücken, eine zusammenrückung wie liebkosen, seit dem 16. jahrh. oft belegt; theils absolut:…

liebäugen

DWB

lieb·aeugen

liebäugen , verb. für liebäugeln: bei ihrem letzten hiersein liebäugte sie mit sehr beredten blicken dem edlen Edmund. Shakesp. könig Lear 4…

liebäugig

DWB

lieb·aeugig

liebäugig , adj. liebäugelnd, und verhüllend für schielend ( vgl. unter liebäugeln oben ): petus liebäugig Dief. nov. gloss. 290 b ( aus ein…

liebäugler

DWB

lieb·aeugler

liebäugler , m. : dieweil der vater den schilchenden son ein liebäugler heiszt. S. Frank mor. encom. 15 a .

liebäuglig

DWB

liebäuglig , adj. gern liebäugelnd: warumb solt anders das holdselig weiblich geschlecht also anmuotig, zuthätig, kützelig, armfähig, brüstl…

liebäuglung

DWB

liebäuglung , f. : dasz eifersüchtige männer die haare ihrer frauen abschnitten, theils zur strafe ihrer geäuszerten liebäuglung gegen ander…

liebahndend

DWB

liebahndend , part. : wie du das erstemal liebahndend dem fremdling entgegen tratst. der junge Göthe 2, 22 ( werke 56, 8 ist dafür liebahnen…

liebamîe

MWB

liebamîe stF. ‘Geliebte’ (vgl. trûtamîe ): in ir süezen wazzers vliezen / miner zarten liebamie / ir sirenen symphonie / væhet ie sa mins he…

lieb als Zweitglied (18 von 18)

blieb

BWB

-blieb Band 2, Spalte 2,1311

Buhlerlieb

Wander

buhler·lieb

Buhlerlieb Buhlerlieb so lange währt, als das Feuer auf dem Herd. It. : Amor di ganza, fuoco di paglia. ( Giani, 80. )

Chlieb

Idiotikon

Chlieb Band 3, Spalte 616 Chlieb 3,616

Ehelieb

Wander

ehe·lieb

Ehelieb 1. Der Ehelieb Magd vnd Hoff Jungfrau ist trübniss vnd leid. – Petri, II, 84. 2. Wenn die ehelieb erst ein wenig eingebogen wirt, so…

eigeⁿlieb

Idiotikon

eigeⁿlieb Band 3, Spalte 986 eigeⁿlieb 3,986

fürlieb

DWB

fuer·lieb

fürlieb , adv. , das, für gut, für übel nachgebildet, erst im 17. jh. auftaucht. es ist hiernach die praep. für mit dem starken acc. sg. des…

fürlieb

Idiotikon

fürlieb Band 3, Spalte 986 fürlieb 3,986

gelieb

DWB

gelieb , adj. , lieb mit ge- gefärbt oder verstärkt. 1 1) ahd. giliab (giliub), mhd. geliep vom verhältnis der liebe zwischen zweien oder me…

Goldlieb

Wander

gold·lieb

Goldlieb Goldlieb weiss nicht, wo die Sterne stehen. Er vergisst über seinen Geldinteressen die höhern geistigen.

gottlieb

DWB

gott·lieb

-lieb : gotlieb Milst. exod. 160, 5 Diemer; gottlieb Scriver seelensch. (1681) 2, 172 ; gottslieb Rauwolff beschr. d. raisz (1582) 65 ,

habmichlieb

KöblerMhd

hab-mich-lieb , Sb. nhd. Habmichlieb Q.: Hätzl (1471) E.: s. haben (1), mich, lieben W.: nhd. DW- L.: LexerHW 1, 1136 (hab-mich-lieb)

herzlieb

DWB

herz·lieb

herzlieb , n. was das herz erfreut; als anrede und bezeichnung der geliebten, wie schon mhd. herzeliep, herzenliep ( Ben.-Müller 1, 1015 a )…

u(n)lieb

Idiotikon

u(n)lieb Band 3, Spalte 986 u(n)lieb 3,986

unlieb

DWB

unlieb , n. , gth. v. lieb, n.; mhd. unliep, mnd. unlêf; Staub-Tobler 3, 989 . i. a. veraltet und mundartlich, schriftsprachlich selten: daʒ…

verlieb

DWB

ver·lieb

verlieb , adv. schwächung aus dem heute allein schriftdeutschen fürlieb, vorlieb. nur noch mundartlich ( z. b. westmitteld. ) vorhanden; zus…

vorlieb

DWB

vor·lieb

vorlieb , adv. , s. fürlieb th. 4, 1, 1, sp. 768; vorlieb nehmen, aequi bonique facere rem aliquam Reyher thes. (1686) o 3 a ; vor ist erst …

Überblieb

BWB

Überblieb Band 2, Spalte 2,1311f.

Ableitungen von lieb (17 von 17)

belieben

DWB

belieben , n. libido, arbitrium, gefallen, verlangen: 1 1) seines beliebens, ut libet: ihn seines beliebens zu bezwingen. Zinkgr. 414, 15 ; …

belieblich

DWB

belieblich , gratus: beliebliche sachen. Logau 3, 5, 5 ; vertreuliche schwänke, belieblich getränke. 1, 10, 69 ; höchst belieblich. Schoch s…

beliebung

DWB

beliebung , f. was belieben, lust, gefallen: dann ich denselben tag mich für glückselig hielt, da zur beliebung ihm ich hatte was gespielt. …

entlieben

RDWB1

entlieben umg. (Lakune) [vergl."разлюбить"] aufhören zu lieben, nicht mehr lieben - избавиться от влюблённости, излечиться от любви

erlieben

DWB

sich erlieben , se delectare, sich erlustigen, erfreuen, ein seltnes, hübsches wort, zu welchem auch noch kein ahd. irliopôn, mhd. erlieben …

gelieb

DWB

gelieb , adj. , lieb mit ge- gefärbt oder verstärkt. 1 1) ahd. giliab (giliub), mhd. geliep vom verhältnis der liebe zwischen zweien oder me…

gelieben

DWB

gelieben , verstärktes lieben, mhd. gelieben, ahd. giliuban, giliupan, altnl. gelievan, mnl. gelieven, mnd. gelieven, gelêven Sch. u. L. 2, …

liebe

DWB

liebe , f. amor; ein vorzugsweise auf hochdeutsches gebiet eingeschränktes wort, zustandsbildung zu dem adj. lieb sp. 896: ahd. liubî, einma…

unlieb

DWB

unlieb , n. , gth. v. lieb, n.; mhd. unliep, mnd. unlêf; Staub-Tobler 3, 989 . i. a. veraltet und mundartlich, schriftsprachlich selten: daʒ…

unliebe

DWB

unliebe , f. , mangel an liebe u. ihr gth.; mhd. unliebe, mnd. unlêve, mnl. nl. onliefde. Staub - Tobler 3, 992 . vgl. ab-, affen-, after-, …

unlieben

DWB

unlieben , verb. , gth. von lieben I 1: Lexer 2, 1908 ; gth. v. lieben I 3: das euch villeicht nit unlieben würt Arigo 225, 20 K.; gth. v. l…

unlieblich

DWB

unlieblich , adj. adv. , gegentheil von lieblich. mhd. unlieplich ( Rudolf v. Ems weltchron. 30 118 ), unlieplîche, adv.; mnl. onlievelijc, …

urliebe

DWB

urliebe , f. (ur- C 4 c): wer ist so mächtig wie die urmacht? wie urweisheit so weise? wie urliebe liebend? grafen Stolberg 2, 177 ; intern.…

verlieb

DWB

verlieb , adv. schwächung aus dem heute allein schriftdeutschen fürlieb, vorlieb. nur noch mundartlich ( z. b. westmitteld. ) vorhanden; zus…

verlieben

DWB

verlieben , verb. zu einem liebenden machen, nicht nachweisbar in der ältern sprache, so auch mhd. nicht nachgewiesen; vereinzelt im mnd. vo…

verliebung

DWB

verliebung , f. : die verliebung in eine person von stande, der die ehe zuzumuthen die gröszte narrheit ist, war nicht die ursache sondern d…

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „lieb". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 16. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/lieb/adelung
MLA
Cotta, Marcel. „lieb". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/lieb/adelung. Abgerufen 16. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „lieb". lautwandel.de. Zugegriffen 16. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/lieb/adelung.
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