verneuen,
verb. erneuen, neu machen. in älteren dialekten nicht nachgewiesen, doch beliebt im mhd. verniuwen;
selten mnd. vornuwen (Schiller-Lübben 5, 415),
aus der zeit des übergangs zum nhd. vernuhen, verneuhen, vernuen, vernewen, verneuwen,
novare Dief. 383
b, vernauhen,
renovare 492
b,
restaurare 495
b;
daneben nd. vernyen, vernighen 492
b,
zusammensetzung mit dem selten nur nachweisbaren neuen (
s. theil 7, 659,
a),
heute verdrängt durch erneuen. 1)
transitiv: mhd. nâch sîner tugende prîse Salomon der wîse sprach: herre got getrûe, dîne zeichene vernûe und wandele dîne wunder.
pass. 114, 88
Hahn; der in bat albesunder daʒ er sîne wunder. vernûwete an sîn êre. 115, 23.
nhd. object lebende wesen: darumb werden alle creaturen auch die himel verwandelt werden, nicht vergehen und zunichte werden, sondern vernewet. Luther 1, 39
b. 3, 20
b; (
in geistiger bedeutung) denn .. fleisch und blut heiszet in der schrifft, der mensch mit alle seinem wesen, wie er von Adam herkompt und erwechst nach der vernunfft, wo er nicht vernewet ist durch Christum und den glauben. 6, 265
b; dein wort, das ist geschehen, ich kann das licht noch sehen; für not bin ich befreiet; dein schutz hat mich verneuet. P. Gerhardt 59 (15, 77).
object eine reale sache: und wenn er (
der mönch) hundert tausent mal durch neuen fürsatz und busze .. seine münchtauffe ernewete, so .. Luther 6, 27; das wir schon mehr denn die helffte unser aufferstehung haben, weil das heubt und hertz bereits droben ist und noch umb das geringste zu thun ist, das nur der leib unter die erden beschorren werde, auff das er auch möge vernewet werden. 6, 79
b; marggraff Joachim hilt hartt an, das man keys. maj. mandata zcu Wurms ausgangen solt verneuen und exequiren.
Ernest. ges.-arch. 1523; also muosz der mensch allain inwendig an gemüt, hertzen, sinn und willen wider nach gott verneut, geborn und gebildet werden. S.
Frank Erasmus lob d. thorh. 105; die menge (
der bildsäulen) könnte uns irre machen und unterdrücken, so wie in der stadt, die noch jetzt die meisten besitzt, es vielleicht den wenigsten geist giebt, der, ihrer werth, sie umfange und verneue. Herder
lit. u. k. 11, 278; wann gott wird schön vernewen alles zur ewigkeit, den himmel und die erden. Wackernagel
kirchenl. 3, 187; des erdtreichs gstalt verneust du eben mit laub und gras in voller gentz, wenn nach dem winter kompt der glentz. H. Sachs 2, 1, 65 (6, 282
Keller-Götze); auch nembt hin das gesegnet wasser, das wescht euch von den sünden nasser und wird eur vorige tauff verneud, damit jhr Christo verleibet seid. J. Ayrer
schöne Mel. 351
c (3, 1762
Keller); dieweil nunmehr der lentz mit seinen schönen tagen die alte rauhe zeit des winters will verjagen, und der welt groszes liecht die erd und lufft verneut, und alles sich verjüngt und alles sich erfreut. Opitz 2, 148; könig der tage, du herrliches licht! drinnen man jauchzet, sich muntert und spricht: Briegische cedern verneuen das steigen. steigen gen himmel mit jüngeren zweigen. Logau 3, 213 (629, 101
Eitner); setz einen fusz nur auf den weichen pfad, den dir die hand mit nelken gantz verneuet. Lohenstein
Sophon. 73, 523;
part.: die laster, die der held so gänzlich abgeschafft aus der verneuten welt, der neid, der hass, der zorn, die rache, sünde, schande, begierd und übermuth, ziehn all an einem bande. P. Fleming 142; also beschlossen wir unser geheimnisz, das blut der versöhnung und die schöpfung der menschen verneut zu dem ewigen bilde! Klopstock
Mess. 1, 100;
bildlich: sollen die alten gehailten wunden der seel wider verneuert werden. Keisersberg
granatapf. c
a;
übertragen: lerne ... das kein gewonheit müge etwas in der schrifft ... wandeln oder vernewen. Luther 1, 423; so were es auch die sicherste (
weise), welches auch die Augustiner in ihrem fürnemen bewegt hat, das der alt brauch der messen widerumb vernewet würde. 2, 3
b; darumb were von nöten, das der erst brauch des sacraments widerumb in der christlichen kirche eingesetzt und vernewet würde.
ebenda; ich sehe wol, das meine bücher, die ich vorhin davon geschrieben habe, noch nicht genug bewegen, darumb das die bischove da wider streben, auff das so offt das wort der warheit verneuet, erhaben und widerholet werde, so offt die papierhencker dasselbige verdammen und unterdrücken. 2, 10; also vernewet alle werck Christi, wenn jr derselbigen gedenckt. 2, 15; ir wollet .. das bepstliche geschefft .. zu ewrem christlichen gemüt fassen, klerlicher und bas mit ewren schrifften vernewen, ausstreichen und zu liecht komen lassen 2, 143; wenn gott vernewet seine verheiszung und wort gilt es alle mal eins neuen und bessern glaubens. 4, 99; aber dasselbe bilde ist nu untergangen und verderbet .. aber durch Christum ist es widerbracht und vernewet. 4, 42; und wil zum uberflus hiemit in diesem brieue, dasselbige bekenntnis widerumb vernewet, widerholet und bestetigt haben. 6, 117
a; darumb hab ich auch mich weder gewalts noch gebietens unterstanden, auch nicht vernewen wollen, bin immer langsam und schew gewesen. 3, 269; denn der glaub ist ein liecht im hertzen, das die hertzen vernewet und lebendig macht.
apol. Augsb. conf. 101 (
im corp. doctr. chr. Leipzig 1560); haben wir jnen dabey befolhen, das sie auch zu euch zihen sollen, und euch unsern grus sagen, und diesen brieff uberantworten, unser bruderschafft zu vernewen. 1
Macc. 12, 17; sie (
die weisheit) ist einig und thut doch alles, sie bleibt das sie ist, und vernewet doch alles.
weish. Sal. 7, 27; so ist es gewis .. das der glaub das hertz vernewet und endert. Just. Jonas
bei Luther 6, 396
b; diser hab den gefallen christlichen glauben in Germania nun vernewet. S. Frank
weltb. 35
b; welche die bündtnisz von jren eltern an sye gelanget, verneuten.
chron. 1, 109; dieweyl man doch wol eyn alte geige mit neuen seyten mag beziehen und eyn schimmeligen götzen mit frischen farben anstreichen unnd erfrischen, erfreuen und verneuen. Fischart
bienenkorb 3; Christus .. solt selbs eygner person sein unvergänglich priesterthum in ewigkeit verwesen, nachdem er einmal eingegangen ist in das himmlische heiligthum ausz krafft des eignen opffers nemlich seins leibs und seins bluts, welches opffer .. nimmermehr mag wiederholt noch verneuet werden. 75; wenn dieser die bibel buchstäblich .. bis auf den heutigen tag für geltend annahm und für anwendbar hielt, so fühlte jener den unruhigsten kitzel alles zu verneuen und sowohl die glaubenslehren als die äuszerlichen kirchlichen handlungen nach eignen einmal gefaszten grillen umzumodeln. Göthe 26, 276; mein hertz verneu in demut rein. Wackernagel
kirchenlied 3, 183; im besten unser mit gedenck, die alt freundschafft mit zu verneuwen. H. Sachs 2, 1, 8 (6, 53, 11
Keller-Götze); thut mir mein hertzleid nit vernewen und geht mir nur bald ausz den augen! die that ist klar on alles laugen. 3, 2, 45
c (12, 170, 16
Keller-Götze); ein solch weib kan irn man erfrewen, ja trösten und die lieb vernewen. 3, 2, 288
b (13, 546, 12
Keller-Götze); ich mich damit in kain weg tröst, sondern verneu den schmerz zur stund. Fischart
flohh. 491; ihr sollt uns wiederumb auf diesen langen streit verneuen, wie sie war, die alte güldne zeit. Opitz 2, 96;
partic.: sy lauffen in der stat umb, die klag verneuwende und die tugent des künigs singende. S. Frank
weltb. 10; sie (
die erde) hörte des segnenden rede, der mit unsterblicher schöne sie einst zu verneuen beschlossen. Klopstock
Mess. 1, 79; aus allen bezirken sieht euch die weite natur mit verneuter schönheit entgegen. 1, 453; du göttlicher erster und du gnädiger, gnädiger letzter, der alles verneuet. 13, 738; mache die erde bald neu (
von geistigem erneuen) die du zu verneuen beschlossest, dein und unser geburtsland! 2, 58; diese neuheit, dieses gut wil herr Neumann endlich haben, und wird gnugsam sein erfreut, wenn er so sein hertz verneut. S.
Dach 861.
ein wort verneuen,
in neuer bedeutung, also tropisch anwenden (
oft bei Luther): gar fein ists geredt, wenn du ein gemein wort kanst wol vernewen. Luther 3, 442 denn so spricht Horatius:
dixeris egregie, notum si callida verbum reddiderit junctura novum, das ist: gar fein ists geredt, wenn du ein gemein wort kanst wol verneuen. 3, 442; wir Deudschen pflegen bei solchen verneweten worten: recht, oder ander oder new zusetzen und sagen: du bist ein rechter hund .. 3, 442
b; gleich als wenn einer mutwilliglich wolte also tropisiren oder wort vernewen: 'das evangelium ist gottes krafft' solte so viel gelten: das evangelium ist des Rolands schwert. 3, 443
b; (der same ist gottes wort, der acker ist die welt) können sie keine deuteley aus dem 'ist' machen mit gutem grunde, sondern die kinder in der schule sagen, das sonne und acker seien tropi oder vernewete wörter nach der metaphora. 3, 443; wo ein tropus oder vernewet wort wird in der heiligen schrifft, da werden auch zwo deutunge, eine newe uber die ersten alte oder vorige. 3, 470.
reflexiv, von menschen: das also ein christ durch solchen rechten brauch des sacraments jmerdar je mehr und mehr, von tage zu tage, sich vernewet und zunimpt in Christo, wie uns S. Paulus auch leret, das wir sollen jmerdar uns vernewen und zunemen. 5, 177
b; erseufzt der arm esel seines übeln wechsels halber und sagte, wie die Sachsen pflegen: man vernyet sick wol verbetert sick averst selden. Kirchhof
wendunm. 4, 147
Österley; freye was vor nicht gefreyt, was vor hat gefreyet, freye, itzund sagt die neue zeit, dasz man sich nun auch verneue. P. Fleming 355; ihr starcke göttinnen, habt mir den sinn erhitzt, dasz mir auff dieser welt nichts als nur eine nützt, sie ists in der ich mich ohn unterlasz verneue. 609; Aesop bewies zu seiner zeit die schwerste kunst in unsern tagen, die kunst die narren zu ertragen, die zunft, die immer sich verneut. Hagedorn 2, 140;
von dingen: der sturm wird sich verneuen. J. E. Schlegel 1, 190; man trinckt auch wol ein newen wein und leckt ein frischen honigseim, damit sich die natur verneuwe, was teglich ist bringet abscheue.
Froschm. C 5 (1595).
übertragen: religionskriege haben das eigene, dasz die grenzen der länder sie nicht beschränken, dasz sie auf jedem neuen boden sich verneuen. Schiller
hist.-krit. ausg. 8, 65; mein fürst wünscht ... dasz eur erlidten leid in wollust sich verneue. A. Gryphius 2, 135 (1698); das gewünschte fruelings licht wird uns ja einmal erfreuen, dasz der erden angesicht sich sampt unserm mag verneuen. S. Dach 859
Österley; will aber deine gütigkeit, die alle morgen sich verneut, mir heute noch das leben borgen, so wecke zeitlich mich darauf, nicht aber durch ein unglück auf, und lasz mich vor das dancklied sorgen! Günther 79.