ziffer,
f. ,
zahlzeichen; geheimzeichen. obwohl bereits im 6.
nachchristlichen jahrh. den Römern über Alexandrien die indischen zeichen für die zahlen 1
bis 9
bekannt gewesen waren, wurden diese doch erst um 1200
durch arabische vermittlung allgemeiner besitz des christlichen abendlandes. jetzt wurde auch die gleichfalls indische erfindung der null und ihr zeichen, ein kreis, übernommen und der stellenwert der zahlzeichen im rechnen benutzt. die null nannten die Inder mit dem sanskritwort śūnyam,
n., das leere, die Araber setzten dafür ihr aṣ-sifr
das leere, vgl. M. Cantor
vorles. üb. gesch. d. math. 1, 514; 715; 781; Fischer
zs. d. dt. morgenländ. ges. 57, 783
ff. im 13.
bis 14.
jahrh. dringt das arab. wort in die roman. sprachen, wo es unter ersatz des emphatischen ṣ
durch naheliegenden zischlaut, im ital., span., portug. cifra,
im mlat. cifra, cifera,
im afranz. cifre
lautet. im 15.
jahrh. tritt es mit franz. lautung ins deutsche ein, belege unt. 1.
die arabischen zahlzeichen 1
bis 9
dagegen hieszen figurae,
vgl.: es sein newn bedeutlich figur, 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9 Petzensteiner
[] rechenb. (1483)
kap. 1;
weitere belege bei A. Schirmer
wortschatz d. math. (1912) 23.
als in Italien für die null der neue name nulla
in gebrauch kam, wurde cifra
frei und nunmehr als benennung aller zahlzeichen üblich, wodurch figura
nach und nach verdrängt wurde; erster deutscher beleg für nulla,
in dieser form, 1514,
s. Schirmer 48,
für ziffer
in der neuen bedeutung um 1400,
s. unt.; allein das engl. bewahrt die alte sowohl in cipher
null wie in figure
ziffer; im franz. behält cifre
die bedeutung null bis ins 17.
jahrh., seit dem 15.
aber hat es daneben schon die neue. der name ziffer
blieb zunächst auf die arabischen ziffern beschränkt, während die römischen den namen teutsche zalen
trugen, vgl.: die teütsch zalen, wie die durch syeben buchstaben beschriben, erkant, gelert und verstanden werden magen Jac. Köbel
rechenpüchlein3 (1518)
reg. 2
b oder, wie der unt. 2 a
zitierte beleg im Freiburger stadtrecht (1520) 21
b zeigt, eine mit römischen ziffern geschriebene zahl eine lange zal
genannt wurde. vom 15./16.
jahrh. an werden die ziffern anstelle von buchstaben in geheimschriften verwendet;
für diesen gebrauch bietet sich zu beginn des 18.
jahrh. das franz. chiffre,
m., an, bei uns fem. nach dem muster des alten ziffer;
dieses franz. wort verdankt seinen anlaut dem ital. cifra,
das mit anderen ausdrücken des geldverkehrs im 16.
jahrh. seinen weg nach Frankreich fand. das deutsche wort hat bei Luther 18, 539
W. noch die fremde form zyfra,
der plur. erscheint als zifren 6, 422
W.; ciffren E. v. Ellenbogen
rechenb. (1538) A 2
a;
den plur. ziffer
schreiben Chr. Rudolff
kunstl. rechnung (1526) A 2
b; Joh. Nas
antipap. 1, 65
b; Micraelius
alt. Pommerland 5, 341;
grillenvertreib. (1670) 3, 59;
mda. Schmeller-Fr. 2, 1088; zyffer
N. v. Wyle
translat. 326
K.; zifer
N. Manuel
v. papst u. s. priesterschaft 428
B. anlautendes c-
tritt gelegentlich auf. die schreibung -phr-
gebraucht A. Riese
rechenb. (1581)
titel; -ph- J. Prätorius
anthrop. plut. (1666) 3, 268;
vereinzelt Lohenstein
Armin. 2, 1518
a;
gar -pff- J. Pomarius
grosze postilla (1590) 2, 144
a.
für länge des stammvokals spricht sehr wahrscheinlich das häufige einfache f,
sicher -ie-; zifer: Berth. v. Chiemsee 6 (zyfer 124);
N. Manuel
v. papst u. s. priestersch. 428; J. v. Gersdorff
feldtb. d. wundtartzney 3, 2
a; Schottel
haubtspr. 650;
u. a.; ziefer: Hagedorn
poet. w. (1769) 3, 128; Klamer Schmidt
poet. br. (1782) 177; Schottel
haubtspr. 58; Brockes
ird. vergnüg. 8, 481,
öft.; Mattheson
kl. generalbaszschule (1735)
widmung; Gerstenberg
schlesw. lit.-br. 334
lit.-denkm.; (1699
brandenb.)
bei R. Schück
Brandenburg-Preuszens kolonialpolitik 2, 487; Kramer
teutsch-ital. 2 (1702) 1449
b; v. Fleming
vollk. teutsch. sold. 79; Scheibe
crit. musicus 415; Heinse
s. w. 9, 341
Sch.; zieffer: Morhoff
unterr. v. d. deutsch. sprache 1, 463; J. Prätorius
glückstopf 267; Neukirch
anfangsgründe z. teutsch. poesie 393.
bis zum diphthong gelangen der Rheinfranke Jac. Köbel
rechenbüchlein (1514)
mit zeiffern A 4
b,
ein vocab. mit zeyfer
bei Diefenbach
gl. 118
b,
die lux. mda. mit zeiffer Gangler 489
und das ndl. cijfer.
abweichendes geschlecht zeigen nur mdaa., das m. Gangler
luxemb. 489; Kehrein
volksspr. in Nassau 454;
das m., auch n. Schmeller-Fr. 2, 1088;
in besonderer bedeutung das n. (
s. unt. 6) H. Fischer 6, 1, 1194.
die mdaa. lieben das wort nicht. 11)
das zahlzeichen 0,
das zeichen für die null. a)
im eigentlichen sinne: novem sunt significativae figurae algorismi et decima vocatur cifra vel figura nichili (
gegen 1330)
cod. Ald. 159
bei Schmeller-Fr. 2, 1088,
noch kein zeugnis für den gebrauch im deutschen; theta theta oder ziffer oder nicht, wann als sy allain stet so betuttet sy nicht
clm. 4162
fol. 144
ebda; aend die x (
d. i. zehnte ziffer) is gheheyten een cyfer. aend is dit 0. dese cyfer een byduet ons in haer selven nicht
clevischer algorithmus (1445)
in zs. f. math. u. phys. 33,
h.-l. abt. 125;
cifra ein zyfer, quae per se nihil significat
gemma gemm. (1508) e 2 a
b; zum ersten soltu wissen, das newn beteutlich figuren sein und ein zeiffer, die sein also gestalt 1 2 3 4 5 6 7 8 9 und 0 das ist die zeiffer Köbel
rechenbüchl. (1514) A 4
b; aber da werden sehr viel spOetter gefunden, und wenn man sie alle solte mit gelben tuch oder einer
[] zifer (das ist, mit einem gelben runden ringlein) zeichnen, so würde man auff dem nechsten fastenmarckt kein gelb tuch mehr haben L. Follio
zehen predigten (1601) 43
b; ziffer
ziffra pro nulla (o)
inter numerorum figuras Frisch 2, 477
b. b)
bildlich wird ziffer
für null weit über den zeitpunkt des letzten belegs von la
hinaus gebraucht: das ein erbar rath ... keine macht habe ..., sondern sitze da wie ein gotze und zyfra Luther 18, 539
W.; soll ein eid gethan werden, so müssen zwo personen dazu kommen: eine, so den eid thut; die andere, die den eid empfähet ..., ist die person nicht da, die schwören soll, so sitzt die ander person da, wie eine zifra, und mag ihr lassen dieweil eine fliegen ins maul fahren, weil niemand da ist, der den eid thut
ders. 26, 96
Erl. ausg.; 6, 422
W.; so spricht denn unser herr gott: fur wen haltet ihr mich denn? fur eine ziffer, die nichts gilt? 61, 322
Erl. ausg.; were keyser Karle als gelert als des Luthers calefactor, er lysz sich nit ein tollen münch allso affen, das er durch die welt veracht wurd und für ein zyffer gehalten
reform.-flugschr. 2, 173
Clemen; die fürsten zogen iren weg und lieszen in (
den kaiser) als ein ziffer in Italia umbfaren Seb. Franck
Germ. chron. (1539) 134
b; ein mensch wie ein ziffer
ders. sprichw. (1541) 2, 47
b; es ist eyn recht zyffer
vel sic es ist eyn rechter dummer jan Tappius
adag. centuriae septem F 6
a; er sAesze nicht allda fr eine ziefer, er msze es sagen, es käme wie es wolle J. W. Petersen
leben (1717) 120; wer ists dann? (
der den grund des staates legt) ... ein unselbst ... und so viel andre mehr, der groszen leibtrabanten, die ziffern unsers staats, im rath die consonanten Haller
gedichte (1882) 96; aber es nimmt ab, wie eine unendlich kleine grOesze, die, ohne zur ziffer zu werden, dieser gleich geachtet wird Thom. Abbt
verm. w. (1768) 1, 190; di väter meines weibchens waren berühmte rechenmeister, freund! sie trieben dir die heeresschaaren der ziefer und der null so fürchterlich zu paaren, wie unser könig seinen feind Klamer Schmidt
poet. br. (1782) 177; in Dänemark, wo die ersten beiden könige nach der verjagung Christians des zweiten wirklich fast nur ziffern waren und wo alle macht bei dem adel und den bischöfen stand E.
M. Arndt
schrift. f. u. an s. lieb. Deutsch. (1845) 3, 18; wie in geisterfüllte segel blickt er ins gewölb der linde, freudig stöszt er ab die erde, hin nach schönrer heimath dringend. aber wie am sterbebette rechnend gern der teufel sitzet, zerrt ihn nun Apones rede vom unendlichen zur ziffer Brentano
ges schr. (1852) 3, 61. 22)
die schriftzeichen der zahlenreihe 1
bis 9
und der null einzeln wie auch in ihrer zusammensetzung zu zahlen von 10
an aufwärts. a)
in allgemeiner verwendung: arismetrica, der zale behende ausrichterin, hilfet da nicht mit ihrer rechnung, mit irer reitung, mit iren behenden ziffern
ackermann aus Böhmen 32
Hübner; das wais ich nauch der ziffer zal Hermann v. Sachsenheim
Mörin 4959; und ob yndert eyn ciffer ader mer verkert were, wil ich entschuldigt sein ... Petzensteiner
rechenb. (1483)
reg.; darnach wildu dy plumen zu dem risen der fialen machen, so tu im also: mach dy negsten figur wider, aber du darff kain ziffer oder puchstaben dar zu machen (
in der vorhergehenden zeichnung stehn die römischen zahlzeichen I II III
usw.) Matth. Roritzer
fialenbüchlein (1486)
in Heideloff
bauhütte d. mittelalters 114; so mag er die zyffer, die fünff bedut, mit einer sichel verglychen Fr. Riederer
spiegel d. waren rhethoric (1493) k 1
b;
die ersten arabischen ziffern kommen in den rechenbüchern des Frankfurter rates 1494
vor; im selben jahre beschlieszt der rat: item sollen die rechenmeister sich hinfur mit zyffern zu rechen maszen
Germania 28, 411; welcher lernen will anfängklich rechnen durch dye zyffer, yst not das er
[] wysse und fleyszig erkunde dye figuren der zyffer, darnach lerne dye crafft und bedeütnus der steet dar an die ziffer gesetzt werden Böschensteyn
rechenbiechlin (1514) A 2
a; das ander bein ist am hinderen teyl des haubts und würt beschlosszen durch ein zesamenhefftung überzwerch abstigend noch dem kriechischen buochstaben
λ landa oder glicht sich der zifer 7 v. Gersdorff
feldtb. d. wundtartzney (1517) 3
c; ouch die summa (
soll) nit mit ziffern sondern langer zal (
s. unt. b) oder mit gantzen worten anzOegt sin (1520)
Freiburger stadtrechte 21
b;
auch Heilbronn (1541),
s. H. Fischer
wb. 6, 2, 3481; und die zween mittelpunckten ... betzeichen mit zyffern, 1, 2 Dürer
underweysung d. messung (1525) B 4
b; dise zehen ziffer oder figurn 1. 2. 3. 4 (
usw.) Chr. Rudolff
kunstl. rechnung (1526) A 2
b; dann die Gręci haben kain andere ziffer dann ire buochstaben J. Nas
antipap. 1 (1567) 65
b; rechenbuch auff linien und ziphren, in allerley handthierung A. Riese
rechenbuch (1581)
titel; die zifern oder wie mans nennet die zahlen der zeichen Thurneysser
magna alchymia (1583) 101; darbei der leser wisz, dasz die ziffer ist gezahlt nach den blettern, und wo a steht, bedeut es die erste seiten, wo aber b steht, bedeut es die ander seiten des blats Fischart
binenkorb (1588) N n 2
a; ein tefflein mit 8. zalen und ziffern und 3 linien, ... und stehen darauff die zifferen der meylen Hennenberger
erclerung d. preuss. landtaffel (1595) 9; in den tafeln der lendern werden des polus hOehe mit cifern anzeigt in den leitern, die zuo beiden seiten uff oder ab steigen Seb. Münster
cosmographey (1628) 22; am seyger sind etliche gldene ziffer und nahmen aussgeleschet Micraelius
altes Pommerland 5, 341; ein noll gilt nichts, setzt man aber ein starcke ziffer darzu, so gilt sie sehr viel Lehman
floril. polit. (1662) 1, 288; ein zaiger auff einer uhr ist vornher geformbt, als wie ein hertz, dessen spitz auff die ziffer oder zahl deutet Abraham a
s. Clara
Judas (1686) 1, 506; tausendmahl tausend jahre lassen sich doch nur mit einer ziffer und vielen nullen schreiben Lohenstein
Arminius (1689) 1, 1109
b; ja, was mich vor vergnügen fast erschreckte, war, als ich deutlich, hell und rein fünf, acht und neun in netten ziefern drauf (
auf den schmetterlingsflügeln) entdeckte Brockes
ird. vergnüg. 1, 176; was nicht nach silber klingt, was nicht vom golde spricht, ist eine nulle nur und keine ziefer nicht Neukirch
ged. (1744) 127; schaue hier, was ich von ziffern meyne. eins, zwey, drey, vier, fnff, sechs, und sieben, acht und neune, die gelten flugs vor sich, die null steht hinten an, und braucht die andern erst eh sie was gelten kan Henrici
ernsthafte ged. (1727) 3, 387; wie der zeiger einer uhr ... auf der ziefer vier Heinse
s. w. 9, 341
Sch.; die mode ist ... wie eine uhr, die alle stund neue ziffer zeigt Ph. Hafner
ges. schr. (1812) 1, 64; vier pigmente werden angegeben mit ihren buchstaben und ziffern des dreiecks Göthe II 4, 193
W.; da fiel der sonnenschein durch den kastanienbaum vor dem fenster wieder grüngolden auf die ziffern in dem aufgeschlagenen buche Eichendorff
s. w. (1864) 3, 96; ihre (
der insel) gestalt hat mit der ziffer 8 viel ähnliches J. G. Forster
s. schr. (1843) 4, 208; er kann den rechnungsansatz selbst ... nachrechnen von ziffer zu ziffer O. Ludwig
ges. schr. (1891) 5, 171; an dem postamente glänzten in goldenen ziffern die jahreszahlen 1813, 1814, 1815 Immermann
w. 1, 202
Hempel; er (
herr Belfontaine) zählte die einzelnen ziffern (
eines eben gekauften loses) zusammen und teilte die quersumme wieder durch drei; fand — ohne sich zu fragen warum — dasz die nummer ansprechend auf ihn wirke Langgässer
d. unauslöschliche siegel (1946) 44; noch war der nebel so dick, dasz die ziffern auf seiner armbanduhr leuchteten A. Seghers
d. siebte kreuz (1950) 26; ist die zu zahlende geldsumme ... in buchstaben und ziffern ausgedrückt, so gilt bei abweichungen die in buchstaben ausgedrückte summe
wechselordnung art. 5.
buchungen: cifra cifer, cifre, zifer
[] Diefenbach
gl. 118
b; zifer
nota numeralis ein ziffer Alberus
nov. dict. (1540) Tt 1
b;
les chiffres die ziffern, ziffer,
f., un chiffre, cifra et numerus, nota arithmetica Duez
dict. gall.-germ. (1664) 142;
chifre, m., eine ziffer,
nota numeralis, ciphra Widerhold (1668) 188
a; ziffern
algoristicae notae Reyher
thes. (1668) 1, 252; mit ziefern rechnen
ò ziefern
contare con cifre Kramer
teutsch-ital. 2 (1702) 1449
b; ziffer (die,
plur. ziffern)
cifra, numerus scriptus Steinbach (1734) 2, 1090; ziffer,
m., cyfer, cyfergetal Kramer-Moerbeek (1768) 434
b; ziffer,
f., zalenzeichen, cifra Fulda 601; Adelung
2 4, 1714; Campe 5, 866
b;
ferner: ziffern, figurae numericae, notae numericae, heiszen diejenigen zeichen und merckmahle, woran man erkennet, wie viele eintzele grOesze von einer art beysammen sind, und sind dieselben gleichsam das alphabeth, wodurch hernach die zahlen ausgedrucket werden Wolff
math. lex. 1443; Eggers 2, 1395. b)
im generalbass ersatz von noten; dieser, der bezifferte bass,
enthält nur die grundtöne und bezeichnet die übrigen zum vollton oder vollgriff nötigen töne durch ziffern,
wovon 1
bis 9 (10, 11)
verwendet werden; s. H. Riemann
handb. d. musikgesch. 2, 2 (1922) 74; Campe
wb. 5, 866
b;
Meyers lex.7 4, 1664.
belege: versteht ihr den continuo mit den ziffern? Chr. Weise
d. drey klügsten leute (1675) 194; der einen generalbass ... nicht nur mit verbesserung der ziefern, sondern gänzlich ohne dieselben richtig spielen wollte J. Mattheson
kl. generalbaszschule (1735)
widmung; er (
der richtige organist) musz ... in der linken hand ... rein anschlagen, als auch mit der rechten hand alle griffe, wie sie ihm ... durch die gewOehnlichen ziefern bemerket sind Scheibe
d. crit. musicus (1745) 415; bey den noten ohne ziffern bezieht man sich auf das vorhergegangene Ph. E. Bach
art d. clavier zu spielen (1759) 1, 31; und doch, da die ziffern des generalbasses noch weitern umfang haben Schubart
ästhetik d. tonkunst (1806) 24.
übertragen: um mich hierbey deutlich erklären zu können, wird nöthig seyn, dasz ich die finger durch ziffern andeute J. J. Quantz
anweis. d. flöte zu spielen (1789) 29; hab ich doch gar während des spielens meinen bleistift hervorgezogen, und seite 63 unter dem letzten system ein paar gute ausweichungen in ziffern notiert mit der rechten hand, während die linke im strome der töne fortarbeitete E. Th. A. Hoffmann
s. w. 1, 23
Gr.; J. J. Rousseau
u. a. haben übrigens die noten c, d ... durch die ziffern 1
bis 7
ersetzen wollen; s. zifferreihe. c)
nachdem ziffer
als name aller zehn arabischen zahlzeichen üblich geworden und so in gegensatz zu zahl,
dem eine zeitlang die bezeichnung der römischen ziffern zufiel, geraten war, blieb es nicht aus, dasz beide benennungen ins nachbargebiet übergriffen. zur unterscheidung wurde nun der zusatz arabisch
oder römisch
nötig. man erkennt, dasz ziffer
hierbei dem gelehrten und fachlichen gebrauch vorbehalten ist, während gemeinhin zahl
bevorzugt wird. belege: ich frchte, es mOechte alsdenn mit unsern freunden wie mit denen arabischen ziphern gehen Lohenstein
Arminius (1689) 2, 1518
a; arabische, römische ziffern Adelung
2 4, 1714; Campe 5, 866
b; Hübner
zeitungslex.31 4, 1021
a; arabesch zeifferen, remisch zeifferen Gangler
luxemb. (1847) 489; mit lateinischen ziffern
allg. dt. bibl. anhang zu 25/36, 285; mit römischen ziffern ... rechnen Görres
ges. br. (1858) 3, 331; die merkwürdigen italischen ziffern Mommsen
röm. gesch. 1 (
21856) 191; wie sie diese vier ziffern (
die römischen ziffern I, V, X, C) in ihrer frühen jugend, in einer entlegenen und vergessenen landesgegend überkommen hatte, überliefert durch einen jahrtausend alten gebrauch, so handhabte sie dieselben mit einer merkwürdigen gewandtheit G. Keller
ges. w. (1889) 1, 60; ziffer ist bey einigen auch so viel als eine geschriebene zahl, numerus Frisch 2, 477
b; Dähnert 561
a. 33)
nachdem sich in 2 c zahl
und ziffer
als zahlzeichen genähert haben, übernimmt nunmehr ziffer
von zahl
dessen eigentliche bedeutung zahlgrösze, zahl als recheneinheit, numerus, und zwar a)
als einer in ziffern geschriebenen oder vorgestellten zahl; dabei vermitteln diejenigen fälle den übergang vom zahlzeichen zur zahlgrösze, in welchen die mehrheit der ziffern nur eine zahleinheit ausdrückt, vgl.: [] das grübeln menschlicher vernunft ergründet auch die zahl der sternen, doch kann sie der verliebten zunft in keine ziffern schlieszen lernen Gottsched
ged. (1751) 1, 221; dasz die ziffern beider geschlechter im gleichgewicht stehen O. Peschel
völkerkunde (1874) 230; das jahrhundert zwischen beiden ziffern (1215-1321) bildet den inhalt seiner gedichte H. Grimm
Michelangelo (1890) 1, 12.
hieraus folgt der gebrauch des singulars: (
der sterbliche) kann und darf nicht rechnen, was seine ziffer zum groszen nenner der welt bedeute oder bedeuten werde? Herder 17, 265
S.; die kommission hatte ... die ziffer der friedensstärke offen gelassen Bennigsen
d. nationallib. partei (1892) 90; die herabdrückung der ziffer des stehenden heeres Mommsen
röm. gesch. 5 (1894) 372.
mehr als eine zahl ist in folgenden belegen gemeint: der stopft ein madrigal mit spruch und zifern voll und prophezeit, wie hoch dein leben steigen soll J. Chr. Günther
s. w. 4, 184
Krämer; wir wissen nehmlich, dasz es leuthe giebet, welche ... 30. 40. ja 100. ... nahmen, ziffern ... vor-, rückwärts ... hersagen können, wie sie ihnen ... vorgesaget werden Heinichen
generalbass (
21728) 31; beginnen wir damit, einige ziffern über die finanziellen erträge der früheren zeiten ... zusammenzustellen Ranke
s. w. (1867) 9, 49;
übertragen zahlsystem: sein schwachheit ist endlichen so veracht, dasz ich gehOert ... diese wort fahren lassen, dasz man den kOenig nicht anders vergleichen kOente, als eim 0. in der ziffer Fischart
discours (1589) B 1
a; wer sie (
die küsse) nachzehlen solte, mste neue ziffern erdencken Chr. Weise
grünend. jugend 178
ndr.; he hed hum niks in de siffer (in de tel)
er rechnet ihn für nichts in der zahl, zählt ihn für null Doornkaat Koolman
ostfries. 3, 181
a.
zähleinheit: und zAehlt man nach raumkannischer und gipwischer ziffer zwey tausendt eyer Fischart
praktik 3
ndr. zahlbezeichnung: wan ich mein laster all mit ziffer solt befangen, weit schrittens uber zihl und zahl Spee
trutznachtigall (1649) 90.
eine ziffer
drückt in schulzeugnissen eine zensur, note aus, daher gebrauchen es in Dresden, wie andernorts nummer,
schüler in diesem sinne Müller-Fraureuth 2, 705
b;
üblich ist ziffer
als übersetzung von paragraph,
vgl.: abschnitt (kapitel) 1, absatz 4, ziffer 3;
abkürzend für zifferblatt: eines frauenzimmers uhr braucht nicht ziefer, braucht nicht rAeder: schmckt sie kett und siegel nur, was bedarf sie dann der feder? Hagedorn
poet. w. (1769) 3, 128. b)
anzahl, summe, menge; die frühe verwendung des sing. fällt auf: die rentmeister, schreiber, kemmerer, so die register oder handschriefften auch felschen, ein x für u setzen, die ziepffern drinnen mindern oder mehren J. Pomarius
grosze postilla (1590) 2, 144
a; ich habs gerechnet und gestellt in zal alle nutzung ganz ufs gnöwist überal, an geld und guot und was wir hand, durch min zifer ichs alles fin fand
N. Manuel
v. papst u. s. priesterschaft 428
B.; behielt es (
das land) wenigstens das auskunftsmittel über die ziffer der geforderten beiträge beschlusz zu fassen
acta publica d. schl. fürst. u. stände 7, 145
Palm; ein reicher mann der, ... die eingelaufnen schulden ... in schweren ziffern übersann Gellert
s. schr. (1839) 1, 151; die kleinste ziffer von der summe des elends Pfeffel
poet. vers. (1812) 3, 62; und nachdem er ... alles mit steigender beredtsamkeit sehr ausführlich dargelegt, schlosz er die schöne rede mit vielen kleineren ziffern und zahlen Holtei
erz. schr. (1861) 5, 59; die riesige ziffer der priester und klöster in den geistlichen herrschaften W. H. Riehl
arbeit (1861) 215. c)
in entwertendem sinne von menschen gesagt, die als blosze zahl, als nummer genommen werden, [] ähnlich wie ob. 1 b
als null: so dann die bischoffe und prelaten anders keine stimme im capitel haben, sonder schlechts fr ziffer und zaln ... gerechnet werden Fischart
binenkorb (1588) 42
a; aber was sind dann wir im Homer? eine ziffer, verzehrer, taugenichte Herder 26, 262
S.; von den heereshaufen, welche die könige gegen einander geführt hatten, zählten Ungarn und Kumanen, bürger und bauern zu fusz auf beiden seiten fast nur als ziffern und bei der verfolgung Gust. Freytag
ges. w. (1886) 18, 87; wir können nicht, wie es vielleicht andere mit erfolg thun, den menschen herabdrücken zu einer ziffer W. v. Polenz
Grabenhäger (1898) 2, 196. 44)
geheimzeichen, geheimschrift, bestehend anfangs aus den neuen zahlzeichen, wie aus dem namen der geheimen zeichen ersichtlich, dann aus den üblichen oder eigens erfundenen schriftzeichen, in verabredeter verwendung, die vor anderen geheim gehalten wird, so dasz kein fremder den sinn der übermittelten nachricht verstehn kann. seit dem 17.
jahrh. bietet sich die neue franz. wortform chiffre als benennung der geheimzeichen an. a)
die einzelnen geheimen zeichen; über deren art lassen sich nur geringe zeugnisse beibringen; wichtig sind die angaben über den gebrauch der zahlzeichen, danach auch fremdartiger buchstaben: chiffre, m., eine ziffer oder schifferzahl als auch eine schrifft, die mit ziffern oder andern erdichten buchstaben geschrieben ist, damit sie von jedermann nicht könne gelesen werden,
cifra, scriptura incognita Duez
dict. gall.-germ. (1664) 142; brieff mit ziffern
epistola characteribus arithmeticis scripta, litterae arcanis aut occultis notis scriptae Apinus
gloss. nov. (1728) 84; es ward geweiset der Fucker handtschrifft, mit seltzamen, wunderbarlichen buchstaben und ziffern geschrieben, dasz es niemand lesen kondte Luther
tischred. (1573) 416
b; do auch mittler zeit etwas weiter hirin geschrieben sollte werden, so hat er vor gut angesehen, dasz solchs durch cziffern oder caracteres geschege (1543)
polit. korresp. Moritz v. Sachsen 1, 550
Br.; wie wir zuo unseren zeiten jedem nach seinem willen ein ziffer oder zeichen an stadt der buochstaben machen L. Zoleckhofer
vilvaltig beschreibung (1564) 198; ziffer
ein geheimer oder willkürlicher schriftzung, ein verborgenes schriftzeichen Adelung
2 4, 1714;
ein geheimer willkürlicher schriftzung, dergleichen man mit einem anderen verabredet, um einander damit nachrichten mitzutheilen, welche kein anderer verstehen kann (chiffre) Campe 5, 866
b;
vgl. noch: ziffern
oder heimliche schrifft, so nicht von einem jeden mOegen verstanden werden Hulsius (1618) 2, 89
a; chifre,
m., verborgene schriften, deren sich die abgesandten ... gebrauchen; vermischung der buchstaben, auf deren auflösung ein name heraus kommet Widerhold (1668) 188
a; verborgene geheime ziefern
ciffre arcane, caratteri Kramer
teutsch-ital. 2 (1702) 1449
b; Frisch 2, 730
b; zifer, chifre
eine geheime schrift, die in staats- und kriegskanzleyen oft gebraucht wird, briefe zu schreiben, die solche dinge enthalten, welche niemand, als der, an den sie gerichtet sind, wissen soll Eggers (1757) 2, 1395.
die übrigen belege lassen sich über die art der ziffern nicht aus: die von Paphia (
Pavia) haben uns (
den kaiserlichen im lager) zuegeschriben durch die zyffern, das wier kains wegs da angreifen sollen (1525)
anz. d. germ. mus. (1868) 347; da ward von Pavia bracht ain schreiben per zipfer, das wart gelesen mit acht, dar zue verstanden ser (1525)
Wagners archiv 1 (1874) 168; weil der fund meh zu rümen ist, als ... ... der da schmidt das kuderwelsch und die geschrift mit zifern gfelscht Fischart
flöhhatz 3112
Hauffen; die keiserische oratores und bottschafften, die in Frankreich, Italia, Anglia ... lagen, haben solche gefAehrliche handlung der neuwen bndtnusz durch ziffern geschrieben, entdeckt und gewarnet Ad. Reiszner
historia (1572) 146
b; denn weil es solche sachen waren, die sich
[] ohne ziffern nicht wollten berichten lassen, deren ich keine hab, dirigirt ichs, um allerhand verdacht zu verhüten, an höchstermelte ihre ch.
d. (1643)
urk. u. akt. z. gesch. d. kurf. Friedrich Wilhelm v. Brandenburg 1, 130
Erdmannsdörffer; insonderheit hAette er nach der niederlage des Lollius iedem landvogte eine besondere art zieffern ... berschicket Lohenstein
Arminius (1689) 1, 445
a; wann ich auch mit ziffern schreiben kann, bin ich ein vollkommener staatsmann v. Petrasch
s. lustspiele (1765) 1, 93; geheime briefe hat man ihm vertraut, in ziffern, für die königin von Schottland Schiller 12, 461
G. (
Maria Stuart II 4); nun zeige dieses kästchen weder buchstaben noch ziffer, weder jahreszahl noch sonst eine andeutung, woraus man den früheren besitzer oder künstler errathen könne Göthe I 25, 167
W. dichterisch übertragen: sind die schlsse des verhAengnsses deutlicher in diesem brunnen als in den gestirnten ziffern des himmels zu lesen? Lohenstein
Arminius (1689) 2, 218
a; wir fliehn den schlusz vergebens, den das geburtslicht uns ins himmelsbuch schreibt ein mit ziffern, welche selbst Chaldeern frembde seyn Lohenstein
Epicharis (1685) 111; enträthsle uns die ziffern der aufgerollten flur, des himmels goldne chiffren, das sanskrit der natur Kosegarten
poes. (1798) 1, 8. b)
geheimschrift: es soll auch ain zifferpost von Hainfels gen Bleyff verordennt werden, welhe ziffer Blas. Holczl ytz bey seynen hanndn hat, die sol er dem gemelten Putschn auch zuschicken, damit sy waz not ist in ziffer gegen ain annder schreiben
urk. z. gesch. Maxim. I. 292; etlich brieff mit ziffer geschrieben A. Henricpetri
generalhistorien (1577) 56; solchergestalt ist der gantze brieff voll ziffer und unaufflOesig dem, der das geheimnuss nicht weisz Harsdörffer
gesprächssp. (1641) 1, H 5
a; also schieden sie von einander, jedoch mit hinterlassung der zeit und des ortes, allwo sie einander vor der abreise wiederum sehen und zu ihrer vorhabenden correspondentz die zifer abreden konten
M. Kramer
leb. u. tapffere thaten (1681) 456. 55) ziffer
nimmt schlieszlich den wert eines buchstabens an, ohne dasz damit ein geheimer sinn verbunden ist: wen das gewissen solches fhulet und weis, das es (
das gesetz) nicht ein ziffer sej, so erschrickt der mensch Luther 33, 432
W.; also haben auch Augustinus ... und ander mer ... geschriben und gepredigt, doch nichts daz in ainer zyfer wider heilige schrift sein möcht, sovil die kirch annymbt Berthold v. Chiemsee
tewtsche theol. 124
Reithmeier; denn die innerliche schiklichkeit und wundervolle art (
der stammwörter) kan nicht gnugsam begriffen, noch, wie es anfangs kommen, dasz durch die zusammenfgung etzlicher zieferen ein solches wort, und folgends das lebhafte bild eines dinges dadurch werde vorgestellt, ersonnen werden Schottel
haubtspr. (1663) 58; nun kunte der arme mann, wie gedacht, nicht lesen, alleine etzliche ziefern mochte er kennen Riemer
polit. maulaffe (1679) 67; jünglinge, o schwöret ein gelübde, grabet es mit goldnen ziffern ein Schiller 1, 190
G.; 2, 85
G.; dann schrieb er den satz mit ziffern in eine schreibtafel Pückler
briefw. (1873) 1, 91; nun, ihr seid ein Deutscher, die lernen fleiszig, was da fliegt und stiebt, in schwarzen ziffern über blätter kriecht A. Pichler
neue marksteine (1890) 8.
dichterisch von den formen der natur: die schOen geformten creaturen sind, von der schrift des groszen schreibers, die lettern, ziefern und figuren Brockes
irdisch. vergnüg. (1721) 8, 481.
schema, formel, symbol: so soll auch nicht nach der regel gehalten werden, oder nach der ziffer oder schnur Paracelsus
opera (1616) 1, 700
a Huser; daher braucht man oft die wort als ziffern oder als rechenpfennige an statt der
[] bildnisse und sachen Leibniz
dt. schr. (1838) 1, 451; habt ihr zu euren anschauungen ... eigne schemata nöthig, so laszt uns unsre sprache unverwirrt, und erfindet euch ziffern, schematisiert tibetanisch Herder 22, 7
S.; man rechnet (
im menschlichen leben) so gern mit ziffern 16, 10
S.; 5, 8
S.; 13, 359
S.; mit den staaten entstehen bürgerliche. pflichten und rechte, künste, ziffern, gesezbücher, schlaue priester und götter Schiller 1, 156
G. 66) ziffer,
n., verzeichnis, register, schwäb.: da er seine unterthanen in ein groszes ziffer setzen liesz Seb. Sailer
geistl. red. (1766) 1, 175; dasz doch die anzahl in kein so groszes ziffer erwachsen wäre 1, 366;
mda.: aus 'm ziffer kommen
draus kommen H. Fischer 6, 1, 1194. 77)
dim.: zifferlin Ad. Riese
rechenb. (1581) 83
a; die ziffern und zifferchen (
einer spieluhr) Graf v. Loeben
lotosblätt. (1817) 1, 214.