kehraus,
m. 11)
der letzte lustige oder wilde tanz zum beschlusz eines festes, der den letzten rest der lust in tollem ausbruch vollends heraustreibt, bei Adelung '
ein langer und geschwinder tanz. mit welchem eine tanzlust gemeiniglich beschlossen wird, weil der tanzplatz durch die langen kleider des andern geschlechtes alsdann gleichsam ausgekehret wird',
wie man von tollen tänzern auch sagt, sie fegen (durch) den saal,
und statt wir haben den kehraus gemacht
auch 'wir haben mit ausgekehrt' (
Sachsen).
es heiszt nämlich (im tanzen) den kehraus machen,
finem choreis facere Steinbach 1, 50: allein beim kehraus glitzschte sie. Hagedorn 3, 75; bald wird der hochzeitsreigen getanzt und der lustige kehraus
unter geschrei und jauchzen der lang hinschwärmenden jugend äcker und wiesen hinab. Voss
idyllen 1, 99,
dazu die anmerkung: kehraus, der letzte wilde tanz, aus welchem die braut von den weibern geraubt wird; wo zuletzt im stürmischen kehraus weiber die braut wegraffen, mit hellem triumf sie entführend ins kranzlose gemach.
Luise 3, 2, 200; Vult spielte noch fünf oder sechs kehrause und valetstürme. J. Paul
flegelj. 2, 137; das kehraus-geschrei der zugvögel.
Fibel 15,
ihr geschrei beim auszug im herbst, verglichen dem jubeln und kreischen beim kehraustanz. fiedler tod, o spiel uns doch den kehraus. Platen 22,
vom todtentanz entlehnt, s. unter kehrab 1.
Der kehraus
war in älterer zeit, die an ausdrucksvollen tänzen so reich war, gewiss ein besonderer tanz, das zeigt noch folg. äuszerung Jahns
vor einem halben jahrhundert: dafür sind die alten reigen verloren gegangen, bis auf ihre letzte spur im kehraus und einigen gesellschaftlichen spielen.
F. L. Jahn
turnkunst (1816) xvii.
nach Weigand
synon. wb. 3, 1115
dient dazu bes. der sog. groszvater,
und das wird mir aus Sachsen gleichfalls angegeben (
vgl. Amaranthes
u. kehrab);
es müssen aber den ältern äuszerungen nach wildere tänze dazu gedient haben. jetzt tanzt man meist einen '
rutscher'
oder '
galopp'
als kehraus,
aber das ganze wort ist eig. zur redensart herabgesunken, in städten wenigstens: 'wir haben den kehraus gemacht',
sind die letzten auf dem platze gewesen, haben die lust des balls bis auf die neige ausgeleert. Kehraus
ist eine imperativische bildung (
gramm. 2, 961),
wie das gleichbed. kehrab,
wie hüpfauf,
auch name eines tanzes, reiszaus, saufaus. 22)
schon im 15.
jh. kommt es vor, doch in anderm sinne, in einem weingrusze Rosenblüts: dann du (
wein) erfröuwest jung und alt und gibst auch sterk vil manchem man ... hat er den kerausz in der stiern, so glangt (
verlangt) im auch wol zu hofiern, zu tanzen, reien und zu springen, den stein zu werfen und zu ringen.
altd. bl. 1, 410.
leseb. 1, 1013.
ebenso bei Fischart
gegen das ende der trunkenen litanei: (wirt,) bring uns den firnen (
wein), den kehrausz in der stirnen .. das ist der Johanssegen.
Garg. 99
b (175
Sch.),
offenbar der letzte kräftigste trunk, der stärkste wein, der in der stirne kehraus macht, dem trinker '
den rest gibt',
wie es Albertinus
sp. 404
schildert; es mag doch wol auch schon vom tanze benannt sein, der freilich selbst fürs 17.
jh. nachzuweisen bleibt, wo aber kehrab
nachgewiesen ist. auch dän. wird kehraus
angegeben. 33)
aber auch sonst wird der kehraus,
wie der kehrab,
mehrfach als kräftiges bild gebraucht: (
als dann mit haubitzen auf die feinde geschossen ward,) entstunde endlich der kehraus daraus.
westf. Robinson 197,
wilde flucht, sie '
tanzten ab',
es ward aufgeräumt, und für diesz bild mag der tanz selbst einen guten anhalt geboten haben, man tanzte wol am schlusse des kehraus
die tänzerinnen und sich selbst zum saal hinaus, s. nachher von Napoleon; die erscheinungen von kampf und krieg mit denen des tanzes zu vergleichen war von lange her beliebt (
s. kriegstanz).
feldmarschall (
zum commandanten der belagerten): und also hätten sie wol nicht übel lust, am ende noch einen kehraus mit uns zu tanzen? Kretschmann (1786) 3, 2, 179,
letzten kampf vor dem friedensschlusz. 'des volleingeschankten tintnfäszls kierausz'
nennt Schwabe
das letzte kapitel seiner spottschrift s. 80,
das vorletzte 'des volleingschankten t. auszläutung'
s. 74,
beide ausdrücke wol zunächst von einem fest entlehnt, etwa von der kirchweih, wo der letzte lustigste abend der kehraus
heiszen mag. im Götz von Berlichingen bei verwüstung eines dorfes: Metzler. wie gehts euch, Link?
Link. drunter und drüber. siehst du, du kommst zum kehraus. Göthe 8, 137,
zum tollen ende. von Napoleon in Ruszland, in gleichzeitigen spottliedern: ein kehraus muszt du tanzen (
in Ruszland). Soltau 1, 582; du liefst verkleidet, von schrecken gejagt (
bei Waterloo), sonst wär mit dir reiner kehraus gemacht. 1, 606; da ist ers gewesen (
Blücher) der kehraus gemacht, mit eisernen besen das land rein gemacht. Arndt
ged. (1860) 280
im '
lied vom feldmarschall'
vom j. 1813,
aber anders gewendet, man sagt wol auch kehraus machen
für gründlich auskehren, 'beim kehraus wird sichs finden'; den Dänen ward kehraus gemacht vom deutschen bataillon. Soltau 2, 500.
bair. sagt man auch adverbial da gehts kehraus,
wird ausgerissen. Schm. 2, 322,
vgl.katzaus
sp. 278. 44)
endlich auch in der andern bed. von kehrab: kehraus,
invectio, reprehensio, einem den kehraus geben,
verbis castigare, objurgare. Stieler 69, einem einen kehraus geben Steinbach 1, 50.
M. Kramer 1787.
das heiszt auch auskehren: von der andern (
büchse) wil ich sagen, die heiszt der Burlebausz, wann ir ist voll der kragen (
geladen), so kert sie unsauber ausz. Soltau 2, 66.
so nennt Philander von Sittewald
sein erstes gesichte des zweiten theils a la mode kehraus,
geiselung der modethorheiten.