schabab ,
imperativische bildung von abschaben (
s. theil 1, 94
und schaben),
im sinne von geh ab, zieh ab (Grimm
gramm. 2, 961. 984. 3, 304),
adjectivisch, adverbial und substantivisch gebraucht. Luther
dachte an hebräischen ursprung des in der älteren sprache viel gebrauchten wortes: im 7. versz das hebreisch wort 'schabab' ist deutsch worden unnd heyst vorwerfflich ding, als kerich, schlacken, spene, schaum, spreu. Luther 8, 198, 24
Weim. ausgabe. Bedeutung. 11)
absolut, wie ein prädicatives adjectiv oder adverb, soviel wie damit gut, fertig, vorbei: ein arme suppen man im gab, ein ungmacht, darmit schabab. H. Sachs 2, 4, 125
a; da ich mein gwalt verloren hab, vor got und der welt ganz schabab. Schade
sat. u. pasqu. 1, 69; ein tuch ins grab, damit schabab. Peters
d. teutsche weisheit (1604) Y 7
a; bis dasz ihr endlich kommt ins grab, und heiszt von euch: auweh! schabab! ihr muszt mit schanden irre lauffen. Ringwald
teutsche wahrheit (1700) 304; er wird mit keiner pomp zu grab begleitet, ein eselsgrab und damit schabab. Dannhauer
evang. denkm. (1661) 510; aber wahrlich ich beging allezeit meine todsünde und damit schabab. J. Paul
kom. anh. zum Titan 2, 25. schabab
rufen in Bayern die maurerjungen und bauhandlanger, wenn die glocke das ende ihrer arbeitszeit ankündigt. vielleicht soll dieser ruf nichts anders sein, als eine aufforderung, die maurerkelle abzuschaben und bei seite zu legen. Schm. 2, 351. 22)
substantivisch, masc. und neutr., meist ohne artikel, zur bezeichnung von personen und sachen, die man nicht haben will, gering achtet. Adelung;
vom abschaben dessen, was nicht an etwas sein soll. Frisch 2, 154
c. 2@aa)
pflanzenname: nigella, schwarzer (
römischer)
coriander. Diefenbach. Golii
onomast. (1582) 386; schwartz coriander, schabab oder schwartz kümmel. Sebiz
feldbau 53; schabab,
adonis autumnalis Stalder 2, 305.
bei der erklärung des namens wird an die nutzlosigkeit der so geheiszenen pflanzen gedacht, so dasz sie aus dem roggen ausgesiebt werden müssen (Frisch 2, 154
c),
oder an ihre späte blüte, wo es mit dem sommer schabab
sei, zu ende gehe (Schmeller
a. a. o.);
sinnbild der abweisung eines liebhabers, zeichen der verweigerung des liebesgenusses, vgl. dazu Wackernagel
kl. schriften 1, 224
ff.: weisz mir ein blümli weisze, stat mir in grünem gras, gewachsen mit ganzem fleisze, das heiszt nun gar schabab, dasselbig muosz ich tragen wol disen summer lang, vil lieber wölt ich haben meins buollis armumbfang. Uhland
volksl. 84 (54, 4); sie (
die korb gebende dame) flocht selbst zierlich zusamm die stück zum korb mit ihrem nam: erstlich schabab zu der handhab thet sie fein applicieren. Hoffmanns
gesellschaftsl. bei Wackernagel
a. a. o.; ich sprach zu der wunneglich: 'herzlieb, was ist die schuld, das ich ewer weiplich huld so gar verloren hab? ein kraut das haiszt schabab, das steet uf wilder haid und thut mir vil zu laid'.
Zimm. chron. 4, 319, 31; sie sucht den schwartzen pfaffen, sie fand jhn aber nicht, schabab ist mir gewachsen im garten voll, kent jhr mich nicht?
Garg. 49
b.
von da aus 2@bb) schabab sein (
verschieden von oben 1),
abgewiesen sein mit seinem liebeswerben: leider ich bin schabab, dann ich bin nit holdselig.
Garg. 122
b; man het mich lieb, dieweil ich gab: da ich nit mer het, was ich schabab.
fastn. sp. 321, 27; wer das nicht kan, der ist schabab und weren zehen kunigreich sein. 742, 29; ach megdlein du viel junge, lasz mich nicht sein schabab.
Ambr. liederb. 147, 46; schabab bin ich nu werder knab, ... wenn es ist jetzt der frewlein sitt, zween ander hat sie auch darmit, dem dritten schlegt sies auch nit ab, das schafft das ich bin worden schabab. 162, 34; die schweren seckel hat sie wunderlieb, ein ander hat mich verdrungen ... ich förcht ich mus schabab sein. 93, 18; wil heben an zu singen ... mit freiem mut: du bist schabab! ich weisz mir eine andre in dem hag. Uhland
volksl.2 35 (12, 6); so seind wir abermal schabab und will uns nicht geraten. Gosche
archiv für litteraturgesch. 1, 232; abr er (
Tilly als bewerber um Magdeburg gedacht) musz sein schabab. 243.
überleitend zu der folgenden weiteren bedeutung (
c): kein junggsell will sich achten mein (
der magd) .. ob ich schon eym verhaisz ein krantz, fürt er mich doch nit an den dantz, des bin ich schabab und unwerdt. H. Sachs (1558) 1, 508
c; bey jr sein lieb gantz schabab ist. 3, 2, 204
a; wer nit gelt hat, ist bald schabab. 5, 389
a; in summa was sie thuot begeren und er sie des nit thuot geweren, so ist er schon bey ir schabab. Wickram
irr reit. pilger 28
b; schabab und unwerth, sein jetzt auff erd, all mutterkind, die irgend sind, kein mensch ohn dich, kan und mag hertzlieb erfrewen mich.
Ambr. liederb. 63, 13. 2@cc)
allgemein, von geringem oder gar keinem werte und dem entsprechender schätzung; verhaszt, im unglücke, am ende, verloren. adjectivisch und substantivisch meist in verbindungen mit sein, werden, bleiben.
meist in älterer dichterischer sprache: und tet das gut im (
sich) allein zu eigen, das ich und mein bruder dan wurden schabab.
fastn. sp. 79, 6; die nit verstenn, was pedeuten ist grab, darumb sollen sy sein schabab.
Sterzinger spiele 1, 255, 244; ich bin schabab, mir ist nit gach ... ich hoff mein sach sol werden gut.
Ambr. liederb. 92, 1; der da ringt nach groszer hab, erlanget nichts und bleibt schabab. B. Waldis
Esop. 2, 38, 36; ja wenn Homerus selber käm ... man jagt in ausz und blieb schabab. 3, 92, 14; es brächt mich umb min husz und hab, ich wurd zuletst nun gar schabab.
concil in Scheibles kloster 8, 825; ich fürcht, ich fürcht, ich sy schabab.
trag. Joh. L 7; dem fuchsz gieng wol das schwetzen ab, desz must der arm löw seyn schabab. Er. Alberus
fabeln (1590) 70
a; er ist schabab, er hats, er hats, taug nit mehr auf den kugelplatz. H. Sachs (1590) 1, 388
a; mein lieber wirt, du bist schabab, zink quatter ich geworfen hab. Nicl. Manuel 345, 1337
Bächtold; reichthumb wird für gezückt, armut gar unterdrückt, wer nicht hat gut und hab, musz allzeit sein schabab. Rebhun
bei Gödeke-Tittmann
schausp. 1, 51, 266; eitle eher ist ein farende hab, heut lieb, morgen schabab. S. Franck
sprichw. (1541) 1, 55
b; der hund der menschen wird nicht matt, wie weib jetzt lieb bald wieder schabab, darubr mich oft verwundert hab. Feierabend
jagd u. waidwerksbuch (1582) 5
b; Zwingli fertiget sie fein ab, lehrt wie sie beyde sein schabab. Frischlin
Phasma (1593) F 1; es könte noch die zeit wol komen, das man unser von nöten hab, so soll man wieder sein schabab. Jul. v. Braunschweig
schauspiele 730
Holland; du hast mich bracht um leyb und leben und darzu auch um gutt und hab. bei dir ward ich aller schabab, darum lasz mich jetzt auch zu fridt! ich acht deiner mein lebtag nit! Ayrer 3269, 15
Keller; ietzund so bin ich alt und grab, so bin ich jedermanns schabab, bin ich doch auch gewesen jung. 961, 27; denn du bist doch bei gott schabab, und kanst zu gnaden nimmer kommen. Ambr. Pape
christiani hominis sors (1612) k 2
a; dargegen wer die warheit sagt, der welt ihr wesen gibt an tag, der ist bei der welt ganz schabab, wie herzlich gut ers gemeinet hab. Wolgemuth
Esopus (1623) 1, 62; ohn gut die tugend ist schabab. Weckherlin 432; hör niemands rath in trewen, gott sey schabab, tod alles hab, sehr bald wirds dich gereuen. Spee
güldenes tugendbuch (1649) 454; der heut in rosen sitzt, wird morgen oft schabab. Grob
versuchsg. (1700) 39.
auszerdem in formeln der geistlichen und der davon beeinfluszten sprache: wir seyn kehrich und schabab der welt. Melanchthon
zu 2
Cor. 4 (1524); wir unchristen .. wollen gern das kerich und schabab sein auf das sie herrschen. Luther 3, 340
a; sie (
die geistlichen väter) müssen .. der welt keerich und jederman schabab sein. 4, 398
b; (
fürsten müssen) gern der welt narr, kerich, schawspiel und schabab seyn. S. Franck
laster der trunkenh. (1533) K 1; dann herausz .. haben sie (
Christi glieder) nit, da sie iren kopff hinlegen, aller welt fuszhader, greuel, geniszt, schabab an allen enden, ketzer, buben.
parad. (1558) 28
a; die diener gottes sind aller welt schabab und müssen ihr leben täglich feil tragen. Mathesius
historia Christi (1579) 1, 782; die frommen sind gar ausgethan und schabab.
Syrach (1582) 1, 136
b; hie müssen wir .. aller welt schabab, fusztuch und fluch sein.
Sarepta (1587) 53
a; der musz ... umb Christi willen viel leiden und jedermans fusztuch und schabab sein. 131
b; du (
verräterische welt) haist uns zu dir kommen und machest uns dannoch schabab. Albertini
hofschul (1610) 124
a; kennst du (
tod) keine lust? schaff ab
für schab ab: ich nenne dich meine lust. heiszt du schaff ab? ich nenne dich will kommen. Heinr. Müller
erquickstunden 16. schabab
unter den gesellschaftsspielen Garg. 169
b.