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lefze

nhd. bis Dial. · 7 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

lefze f.

Bd. 12, Sp. 515
lefze, f. lippe; ein vorwiegend oberdeutsches, bis in dieses jahrhundert auch in der schriftsprache verwendetes, jetzt fast abgestorbenes wort. [] 11) ahd. masc. lefs, gen. sing. lefses, plur. lefsâ, ein mit dem verbum laffen, lecken, schlürfen sp. 57, und mit laffe lippe sp. 56 zusammenhängendes substantiv, dem obenangeführten neutr. leff zunächst verwandt, mit einem bildungssuffix instrumentaler bedeutung; auch mhd. masc. lefs, plur. lefse, bald in lefz, plur. lefze verkehrt, welche letztere form einmal auch schon ahd. aufgewiesen ist (lefzâ Graff 2, 206): labium lefs, leftz Dief. 314a; labium, labrum leftz nov. gloss. 225a; leftz labrum, labium. voc. inc. theut. m 2b, neben dem plur. leftzen; der lefse, der ich drîe hân, der wil ich einen snîden lân. U. v. Lichtenstein 25, 3. im älteren nhd. ebenfalls noch masc., aber der schwachen declination folgend: wann das land was eines lebsens und einer red (erat autem terra labii unius et sermonum eorundem. 1 Mos. 11, 1 nach der vulg.). bibel von 1483 10a, vergl. dazu das fem. lebse sp. 469; mit dem undern lefzen warm, mit dem obern kalt. Fischart bienk. 203a. gewöhnlicher aber ist das wort schon im mhd. femininum geworden, wol die wirkung davon, dasz weit häufiger die pluralform die lefse als die des singular gebraucht ward, welche man dann für weiblich ansah: zwô lefse stânt ir wengelînen baʒ. minnes. 2, 32a Hagen; so erwuchs die form sing. lefse, plur. lefsen: het er einen wîten munt mit drî lefsen oder mê. gesammtabenteuer 2, 235, 617; auf der das nhd. lefze, plur. lefze fuszt, mit der erweiterten nebenform lefzge: mit hangenden leftzgen. N. v. Wyle 258, 21 Keller; schwäbisch lefz und lefzg, fem. lippe Schmid 347, ebenso schweizerisch; in Ulm findet sich ein collectives neutrum das läfzg für beide lippen. v. Klein 1, 269. Luther scheint das wort lefze nicht gebraucht, sondern stets das mittel- und niederdeutsche lippe dafür angewendet zu haben; die variante zu Jes. 11, 4: er wirt .. den gotloszen tödten mit dem geist seiner lefzen (vgl. Bindseils bibel 4, 20) entstammt dem nachdrucke eines Lutherschen sermons. lippe wurde im Basler nachdruck des neuen test. von 1523 noch erklärt: lippen, lefzen (vgl. Fromm. 6, 43a), errang sich aber nach und nach gegen lefze solche verbreitung, dasz es selbst bis in oberdeutsche mundarten vordrang, wenn auch nicht durchdrang (Schm. 1, 1452 Fromm.). Hohberg braucht einmal lefzen und lippen, wobei jedenfalls das zweite wort der edlere, weil ihm fremdere, ausdruck für den vorhergehenden volksmäszigen sein soll: wenn die lippen aufgespalten sind, der soll die leffzen und lippen mit gepulverten mastix besalben. 3, 1, 227b. 22) lefze am menschen, gewöhnlich im plur. lefzen: die läffzen, labia, labrum Maaler 261b; lefz, labium, labrum, lefzen zuosamen halten, comparare labella labellis Dasyp.; stund in einem wasser bisz an die leffezen. Steinhöwel (1487) bl. 59; not und anligen ... die er täglich für got mit dem opfer seiner leffzen tregt. S. Frank sprichw. 1, 124b; deren mund glätter ist als butter, und tragen doch otterngift unter ihren leffzen. Schuppius 683; wann man das weib ansehen thet so hett einr groszes guot verwett, er hett sie gsen den mund bewegen, die zungen und die leffzen regen. Wickram pilg. X, bl. 78; holdselig sind die leffzen dein. H. Sachs 2, 1, 58d; schön ist ihre rote farbe: läffzen als rot als rosen labra aemula [rosarum] Maaler 261b; diese Helena erschiene .. mit schönen kollschwarzen augen, ein lieblich angesicht, mit einem runden köpflein, jre leffzen rot wie kirschen. volksbuch von dr. Faust s. 94 Braune; ein langer, starker, wol proportionirter mann mit geraden gliedern, lebhafter schöner farbe, corallenrothen leffzen. Simpl. 2, 255 Kurz; die rosen (lieb) in deinem kranz seind roht wie deiner lefzen glanz. Weckherlin 390; corall, und purpur, seiden, gleich jedes auch erwarb von seinen leffzen beiden die schöne rosenfarb. Spee trutzn. (1654) 37; die leftzen sind recht kirschen ahrt. Rist Parn. 155; dicke, grosze, magere, kleine lefzen: der grosz läffzen hat, ein triel, trollmaul, labio Maaler 261b; klein leffzen können viel liegen und widerbeffzen. Fischart groszm. 68; er risz heftig ihre (hand) an die magern heiszen lefzen hinauf. J. Paul Tit. 3, 152; sprach sie hett eine habichtsnasen, die lefzen warn jhr aufgeblasen. L. Sandrub hist. u. poet. kurzweil (1618) 122; [] offene lefzen: das leben auf der schwellen, auf offnen leffzen sasz, sich that zum scheiden stellen, gesann der dunkeln strasz. Spee trutzn. (1654) 32. ihre form zeigt den charakter des menschen an: wes lefsen grôʒ sint, der ist ain tôr und stumpfes sinnes. wes lefsen niht wol geverwt sint, der ist hochvertig. Megenberg 46, 5; sind die leffzen grosz und feiszt, bedeuts kein sonderen geist. Fischart groszm. 68. 33) lefzen, name für einen groszlippigen, nach lat. labeo von Fischart gebildet: man soll nach dem geburtsfall und zufälligen geschichten die kinder nennen, wie hie unser Gurgelzipflin auf spanisch und nabalisch Gargantomänlin: was schad es, wann sie schon Nasicht heiszen, oder Nasonen, Capitonen, Leffzen, Flachohren, Lappi? Garg. 109b. 44) lefze an thieren: die hellen augen (des löwen) brennen erhitzt von tollem zorn, die leffz ist kaum zu kennen für schaum und frischem blut, das auf die erden rinnt. A. Gryphius 1698 1, 100; wenn er (der drache) ein volk anfällt, so durchströmt er die funkelnden augen erst mit blut, und bedeckt sich voll gier die dürstenden lefzen mit der gezuckten zunge. Klopstock 7, 25. bei Gellert sind lefzen die lappen, die vom schnabel des truthahns herabhangen: so wie dem welschen hahn, dem man was rothes zeigt, der zorn den augenblick in nas und lefzen steigt, sie roth und blau durchströmt, lang aus einander treibet. 1, 56. 55) lefzen, labia in der anatomie: wenn sich die fortsätze der knochen in die breite ausdehnen, so nimmt man, in ansehung der besonderen umschreibung der muskeln, welche sich daselbst einpflanzen, eine innere und äuszere lefze an. Nemnich 3, 281; labia die groszen und kleinen schamlefzen. 282. 66) lefzen, die wundränder: also das die lefzen der wunden weit von einander zannen und nit zuosamen gebunden möchten werden. H. Braunschweig chir. (1539) 13. 77) lefze, der schräge eingedrückte theil zwischen dem körper einer orgelpfeife und ihrem fusz, theils über ihrem ausschnitt, wo er die oberlefze heiszt, theils unter ihrem ausschnitt, wo er die unterlefze heiszt. Jacobsson 2, 582a.
6484 Zeichen · 131 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Lêfze

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Die Lêfze , plur. die -n, ein im Oberdeutschen für Lippe übliches Wort, welches im Hochdeutschen nur noch zuweilen in de…

  2. modern
    Dialekt
    Lefzef. m.

    Pfälzisches Wb. · +2 Parallelbelege

    Lefze f. , Lefzen m. : ' Lippe ', Lefz (lęfds) [KU-Kaulb KL-Obernh Reuschb Siegb Weilb PS-Münchw FR-Tiefth Frankth LU-Fr…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit lefze

16 Bildungen · 7 Erstglied · 9 Zweitglied · 0 Ableitungen

lefze‑ als Erstglied (7 von 7)

lëfzelîn

Lexer

lefze·lin

lëfzelîn stn. daʒ ober leftzlîn, labium Dfg. 314 a . daʒ under l., labrum ib. 314 b .

lefzelīn

KöblerMhd

lefze·līn

lefzelīn , st. N. nhd. „Lefzlein“, kleine Lippe ÜG.: lat. labium Gl Q.: Gl, WvRh (Ende 13. Jh.) E.: s. lefse, *līn? (2) W.: nhd. Lefzlein, N…

lefzenbeiszig

DWB

lefzen·beiszig

lefzenbeiszig , adj. die lippen gern beiszend: schwermütig, leffzenbeiszig ( druckfehler -beszig). Fischart groszm. 58 .

lefzenwarzig

DWB

lefzen·warzig

lefzenwarzig , adj. : was schad es, wann ... leffzenwarzige ( kinder ) Verrucosi ( heiszen )? Garg. 109 b .

lefze als Zweitglied (9 von 9)

Hasenlefze

PfWB

hasen·lefze

Hasen-lefze f. : = PfWB Hasenscharte 1, -lefz [ Danner Penns 46]. —

oberlefze

DWB

ober·lefze

oberlefze , f. , mhd. oberlëfze, was oberlippe: printz Eugen .. hat die oberleftzen so kurtz, dasz er den mundt nie zuthun kan. Elis. Charl.…

rubinlefze

DWB

rubin·lefze

rubinlefze , f. rubinlippe. hierzu rubinlefzenschatz für beide lippen: auch söndert sich niemahls jhr rubin-lefzenschatz, dan nur des himmel…

schamlefze

DWB

scham·lefze

schamlefze , f. ( vgl. schamlippe): schamlefzen, labia, alae majores. Nemnich. hierzu bei Campe schamlefzen - bändchen, -schlagader.

schmeichellefze

DWB

schmeichel·lefze

schmeichellefze , f. schmeichelnde, trügerische schmeichelworte sprechende lippe: ain ider redet zuo seinem nechsten lügenwerk, mit schmaich…

unterlefze

DWB

unter·lefze

unterlefze , f. , gs. der oberlefze. underlefs labium inferius Diefenbach gl. 314 a ; Höfler krankheitsnamenb. 360 a . das underlepfs S. Fra…

vorlefze

DWB

vor·lefze

vorlefze , f. , s. vorlippe: prolabia die vorleffzen, sind eigentlich das rothe an den leffzen Blancard med. wb. (1710) 467 .

wasserlefze

DWB

wasser·lefze

wasserlefze , f. 1) pl. die nymphen der vulva. onomatologia med., zergliederungswiss. (1756) 1153 v . Sömmerring 5, 506. 2 ) wasserbecken, a…

wurflefze

DWB

wurf·lefze

-lefze , f. , die schamlippe am zeugungsteil der stute; vgl. 4 wurf IV 2: bei den stuten zeigt sich die rossigkeit durch anschwellen der wur…