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giel

mhd. bis Dial. · 8 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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8 in 8 Wb.
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

giel m.

Bd. 7, Sp. 7346
giel, m. , maul, mund, rachen; mhd. giel. nd. gîl 'schlund, kehle' Schiller-Lübben 2, 110b stammt nach Lasch-Borchling 1, 2, 112 aus dem hd., ebenso mnl. giel Verwijs-Verdam 2, 1948. ahd. nicht bezeugt, ist giel ein ausgesprochen mhd. wort, das nur in ausläufern, auch mundartlich, in die neuzeit hinüberreicht. wohl aus *geula- zur idg. wurzel ghēu- 'gähnen' mit l-suffix, das auszerdem noch in gr. χαυλι-όδους 'mit auseinanderstehenden zähnen' auftritt, s. Fick 34, 135, Walde-Pokorny 1, 566. — der wortgebrauch stimmt zur etymologie; er weist auf eine grundbedeutung 'rachenöffnung des tieres'; reiche mhd. belege s. mhd. wb. 1, 511b; Lexer 1, 1011. 11) giel gula, ructa, rumen voc. teut. (1482), synonym mit slunt, indruck nach Diefenbach 271a; 502b; 503b; rictus ein grosse giel, ein groz maul J. Murmelius dict. (1550) 53; da begegnet im ein grosser trak, der mit offnem giel gegen im schosz histori v. d. edlen Melusina (1516) p 3b; do kam ein starcker lew (vom raub) her prauschen ... die junckfraw (Thisbe) sein schweiszigen gl ersach Wickram w. 7, 166 B. mhd. gern von der hölle und höllischen wesen; vgl.: heiden, keczer, Turken und auch die juden, die in der helle suden dort pey des teufels rüden, do si verschlint des trachen gil Hans Folz 52, 256 M. übertragen: der giel der geitigkeit ist aufgetan (von 1485) bei Schmeller-Fr. 1, 892. — vom menschen: die ander (krankheit) rhigmochasmon das ist blutflusz durch den giele Khüffner Celsus (1531) 48b; gewöhnlich als grober, scheltender ausdruck gebraucht, gern mit dem beisinn des gierigen, unersättlichen: Hasenschleck ward mit ainem stain geworffen in den giel, das im der ympisz empfiel liederb. d. Hätzlerin 264 H.; doch syend der frucht furkOeuffer, deren giel mit keinem guot ersettiget werden mag, gewarnot Riederer rhetoric (1493) z 1a; was taten die von Hohentwiel, den allweg offen stand der giel, als wollten s iedermann fressen? J. Lenz Schwabenkrieg (1500) bei Staub-Tobler 2, 213. daher auch übertragen auf die seelische haltung der begierde, lüsternheit: fresserey oder slunt oder gyel gula, castrimargia (= gastrimargia) voc. teut. (1482) i 2b; schlieszlich für 'maul' schlechthin: einer mit schlegn, der ander mit stich troffen einander nach irm packt tapfer auff die köpf, das es knackt, einer wurde geschmitzet (geschlagen) auff den giel, das im die schlappen (schlapphut) ins kot fiel A. Österreicher (Nürnberg 1562) in zs. f. dt. phil. 40, 351; vgl.: der mund, maul, giel, gosch, gefress (von 1662) bei Staub-Tobler 2, 213. [] das grobe wort sank schlieszlich in die niedersten sprachschichten: giel 'mund' liber vagatorum (1510) bei Kluge rotwelsch 1, 54; als feldsprachlich bei Moscherosch gesichte (1646) 4, 168; da wirdt es geben volauf in den giel, den cavall fertig mach, wer da mit wil W. Scherffer gedichte (1652) 1, 422; v. Train chochemer loschen (1833) 46a. 22) für sich steht die redensart den giel schlagen über einen oder nach einem 'scheltend oder spottend über einen reden'; sie berührt sich mit der gleichbedeutenden, aber weiter verbreiteten wendung den geil über einen schlagen, s. 2geil, teil 4, 1, 2, 2589, dort als diphthongiertes gîl 'spott' gefaszt. zumal auf alem. boden konnte sich dies gîl mit giel vermengen: uber disen (den nüchternen) schlahen sie (die trunkenbolde) all den giel Seb. Franck laster d. trunkenheit (vorr. 1533) j 2b, ebenso (vorr. 1531) h 1b; in anderen drucken dafür geil, vgl. laster d. tr. (1550) 299b; wann einer durch seinen eigenen unfal und unglück seine eigne feindt erfrewen muoz, darzu sehen und hören, das sie den giel uber ihn schlagen, frolocken, und jedermann davon singen C. Huberinus spiegel der hauszucht (1553) 168a. zuweilen ist die form giel durch den reim gesichert: du tust as ainer der antret ain narren klaid. in spottes zil so dent die leut dein lachen, man schlecht auch über dich den giel (: stiel) bei Holtzmann meisterges. d. 15. jhs. Germania 3, 316; die faig belaib sitzen allain und schluog der stätten nach den giel, davon sy doch nit enfiel, si tett grosz fluoch in kurtzer zeitt liederb. d. Hätzlerin 233 H. (vgl. dieselbe reimbindung sp. 7346). anschaulich gemacht in dem vereinzelten den giel ausrecken: du (schwätzer) machst dich selbs jedem zuo eim gespOett, maniklich, du wilts also haben, musz den giel uber dich ausrecken (te ipsum propinas deridendum nasoque suspendendum) J. Herold von der zung (Basel 1544) 29a. 33) als restwort noch in den modernen obd. mundarten: giel schlund, rüssel, vorstehender mund, nase Unger-Khull steir. 292a; kehle, schlund Lexer kärntn. 114; Schmeller cimbr. 125a; Loritza idiot. viennense 51. auch in der abgezogenen bedeutung 'geizhals' M. Insam Meran (1936) 31; 'begierde, gelüst', verächtlich Staub-Tobler 2, 213.
4828 Zeichen · 85 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    GIELstm.

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +5 Parallelbelege

    GIEL ( Gr. 1,351 ) stm. rachen, schlund. — vgl. ginen und giwen. — des meres giel büchl. 1,366. des trachen giel Trist. …

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    gielm.

    Grimm (DWB, 1854–1961)

    giel , m. , maul, mund, rachen; mhd. giel. nd. gîl ' schlund, kehle ' Schiller-Lübben 2, 110 b stammt nach Lasch-Borchli…

  3. modern
    Dialekt
    Giel

    Schweizerisches Idiotikon

    Giel Band 2, Spalte 213 Giel 2,213

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit giel

29 Bildungen · 27 Erstglied · 2 Zweitglied · 0 Ableitungen

giel‑ als Erstglied (27 von 27)

gieldan

KöblerAe

giel·dan

gieldan , st. V. (3b) nhd. zahlen, bezahlen, entgelten, belohnen, verehren, dienen, opfern, strafen ÜG.: lat. immolare Gl, reddere Gl, retri…

gielde

KöblerAe

gielde , Adj. nhd. unfruchtbar E.: germ. *galda-, *galdaz, *galdja-, *galdjaz, Adj., unfruchtbar; vgl. germ. *galan, st. V., singen; idg. *g…

gielen

DWB

gielen , vb. , im nd. ' verlangen zeigen, begierig sein ', zu hd. 2 geilen aus mhd. gîlen ' betteln ', s. teil 4, 1, 2, 2596, vgl. Mensing h…

gieleⁿ

Idiotikon

gieleⁿ Band 2, Spalte 213 gieleⁿ 2,213

Gielgäuse

Wander

Gielgäuse Gielgäusse 1 moet sick nit met Lüen gemén mâken, dâr se nich tüsken hört. – Lyra, 25. Eigentlich Goldammern; bildlich für Gelbschn…

Gielgud

Herder

Gielgud , geb. um 1790 in Lithauen, poln. General, schloß sich 1830 der Revolution an, wurde mit einer Division nach Lithauen entsandt, sche…

gielhuon

Lexer

giel·huon

giel-huon stn. si gebint huenr gên Liebenberg, nempt man gielhuenr Gr.w. 1,13.

gielilentôn

AWB

gi- elilentôn sw. v. — Graff II, 238. ge-el-lendot-: 2. sg. prt. -ost Np 67,19 (-ôt-); 3. pl. prt. -on 136,3; gi-: dass. -en Npw ebda. Zum P…

gielilentôtî

AWB

gi- elilentôtî st. f. — Graff II, 238. ge-el-lendoti: acc. sg. Np 125,4. Gefangenschaft: peuuende truhten unsera geellendoti converte domine…

gielilentōn

KöblerAhd

gielilentōn , sw. V. (2) nhd. fangen, vertreiben, gefangennehmen, gefangenhalten, fernhalten, wegführen ne. capture, banish ÜG.: lat. abduce…

gielilentōtī

KöblerAhd

gielilentōtī , st. F. (ī) nhd. Gefangenschaft, Verbannung ne. captivity, banishment ÜG.: lat. captivitas N Q.: N (1000) I.: Lsch. lat. capti…

giella

AWB

gi- ella sw. f. , mhd. frühnhd. gelle, nhd. dial. schweiz. gelle Schweiz. Id. 2,210, elsäss. gelle Martin u. Lienh. 1,211, bair. gelle Schm.…

giellan

KöblerAe

giel·lan

giellan , st. V. (3b) nhd. gellen, schreien, rufen Vw.: s. be- Hw.: s. galan, gyllan E.: germ. *gellan, st. V., gellen, tönen; idg. *gʰel-, …

giellentōn

KöblerAhd

giellentōn , sw. V. (2) Vw.: s. gielilentōn*

giello

AWB

gi- ello sw. m. , mhd. frühnhd. gelle. gell-: nom. sg. -o Gl 4,129,23 ( Sal. c ); -e 112,6 ( Sal. a 2 ). Rivale, Nebenbuhler: gelle aemulus …

giellolf

KöblerAhd

giellolf , st. M. (a) nhd. Nebenbuhler ne. rival (M.) ÜG.: lat. rivalis (M.) Gl Q.: Gl (Anfang 14. Jh.) I.: Lsch. lat. rivalis? E.: s. gi, e…

giellūnburg

KöblerAhd

giellūnburg , st. F. (i?, athem.?) nhd. „Nebenbuhlerstadt“, nebenbuhlerische Stadt, Nachbarstadt?, Stadt Samaria ne. rival town, town of Sam…

gielma

KöblerAe

gielma , sw. M. (n) nhd. Handvoll, Bund, Garbe (F.) (1) Hw.: s. gielm E.: s. gielm L.: Hh 129

gielpan

KöblerAe

giel·pan

gielpan , st. V. (3b) nhd. sich rühmen, prahlen ÜG.: lat. iactare, supplaudere Gl Hw.: s. gealpėttan (2) Q.: Gl E.: germ. *gelpan, sw. V., t…

gielpcwide

KöblerAe

gielpcwide , st. M. (i) nhd. angeberische Rede E.: s. gielp, cwide (1) L.: Hall/Meritt 153b

gielphlæden

KöblerAe

gielphlæden , Adj. nhd. überheblich, prahlerisch E.: s. gielp, *hlæden (2) L.: Hall/Meritt 153b, Lehnert 95b

gielping

KöblerAe

gielping , st. F. (ō) nhd. Ruhm, Angeberei E.: s. gielpan L.: Hall/Meritt 153b

gielplic

KöblerAe

gielplic , Adj. nhd. prahlerisch, angeberisch ÜG.: lat. arrogans Gl Q.: Gl E.: s. gielp, -līc (3) L.: Hall/Meritt 153b

gielplīce

KöblerAe

gielplīce , Adv. nhd. prahlerisch, angeberisch E.: s. gielplic L.: Hall/Meritt 153b

gielsicheit

KöblerMnd

gielsicheit , F. Vw.: s. gülsichhēt* L.: Lü 124a (gielsicheit)

gielte

KöblerAe

gielte , sw. F. (n) nhd. junge Sau Hw.: s. gealtborg E.: germ. *geltjō-, *geltjōn, sw. F. (n), Sau; s. idg. *g̑ʰel- (2), V., schneiden?, Pok…

giel als Zweitglied (2 von 2)

waschengiel

DWB

waschen·giel

waschengiel , m. gefäsz für flüssigkeit, groszer krug: uter, waschengiel Diefenbach gl. 631 b ( anfang des 15. jahrh. ); da der herr ... pro…