landsknecht,
m. 11)
söldner zu fusz in den kriegstruppen seit dem letzten viertel des 15.
bis zum 17.
jahrh. die landsknechte
verdanken den auf neugestaltung des heerwesens und einführung eines stehenden heeres gerichteten bemühungen Maximilians I ihre entstehung, und sie selbst haben die tradition davon in einem liede, das erst nach des kaisers tod entstanden ist: gott gnad dem groszmechtigen keiser frumme Maximilian! bei dem ist aufkumme ein orden, durchzeucht alle land mit pfeifen und mit trummen: landsknecht sind sie genant. Uhland
volksl. 516;
übereinstimmend mit den nachrichten des zeitgenossen Lenz,
der das aufkommen des standes und des namens in die achtziger jahre des 15.
jahrh. setzt und die landsknechte
in gegensatz zu den Schweizer reisläufern bringt: das ein nam ist uff komen, der heist lantzknecht zu land, als Maximilian lag im Nyderland, kriegt umb die land so verlorn er hett ee er kung was erkorn, da wurden all kriegslut slecht genant die fryen landsknecht, us genomen die eidgenossen solt man Swytzer bliben lassen, wolten kein Swytzer haben by in dieselben kriegsknaben, meinten besser zu sin zur zit, dann die eidgenossen zum strit.
Schwabenkrieg s. 26
a ed. Dieszbach. die nach dieser erzählung anzunehmende bedeutung des namens, so dasz mit ihm krieger gemeint seien, die aus den eigenen kaiserlichen landen geworben, empfängt ihre bestätigung durch eine bestimmung der königlichen satzung von dem gemeinen pfennig (
Worms 1495),
dasz die söldner aus den landschaften im reich angenommen werden sollen: item so die jährlich versamlung bedenken und beschlieszen würde, söldner auf zunemmen, sollen dieselbe von personen ausz allen landen im heiligen reich, durch fürsten, grafen, freiherrn und ritterschaft, auch andere, darzu und zu diesem fürnemmen geschickt, vor andern angesehen und aufgenommen: doch also, dasz kein landtschaft in solchem für die ander gezogen werde;
und durch die feindschaft zwischen landsknechten und Schweizern, die noch im 16.
jahrh. sprichwörtlich ist: (
es) seie umb die Juden und Samaritanen ein erbliche feindtschaft gewesen, und wisse kein bössere oder deutlichere gleichnus deshalben zu geben, als wie die Schweizer und landtsknecht zu vergleichen.
Zimm. chron. 3, 35, 3.
doch ist wahrscheinlich auf das gegensätzliche, das in dem namen ausgedrückt wird, auszerhalb der kriegerkreise nie recht gewicht gelegt worden, denn die umdeutung lanzknecht,
die an die langen spiesze der söldner anknüpft und dieselben fälschlich als lanzen nimmt, ist alt: sanguinolenta cohors ex ordine civibus instat, hij sunt quis dederat jam pridem lancea nomen. Bebelii
triumphus Veneris 4, 206;
und sie hält sich, doch immer vereinzelt, bis auf die moderne zeit: abschläglich ist der sold entrichtet, das ganze heer aufs neu verpflichtet, der lanzknecht fühlt sich frisches blut, und wirth und dirnen habens gut. Göthe 41, 64; geht zu den lanzenknechten, sagt ich ihr (
der verkäuferin des helmes), ich bin ein landmann, brauche nicht des helmes. Schiller
jungfr. von Orl., prolog, 3.
auftr. Trotzdem der name landsknecht
zunächst kein offizieller ist (
als welcher söldner, fuszknecht
dient, so dasz erst nach langer zeit das wort in den reichstagserlassen erscheint: von der landts- und kriegsknecht gotteslästerung, schwüren und flüchen.
reform. guter policey, Augsburg 1530,
tit. 6; ob ein landsknecht öffentlichen kriegen nachzüg.
tit. 32, § 4),
verbreitet er sich doch mit dem ruhme dieser söldner schnell, ihnen selbst klang er gut wegen des stolzen beisinnes, der in knecht
lag (
vgl. theil 5, 1389),
und in den liedern vom ende des 15.
jahrh. erscheint er häufig: im land ist menger landsknecht. Liliencron
volksl. 2, 369, 20 (
von 1495); die landsknecht tuot man brisen wol bi der römschen kron für keck und für wise, do bi losz ichs beston: ir trüw hat man wol erfaren mit ir manheit grosz! mit in sol man bewaren land, lüt, stet und schlosz! 373, 27 (
v. dems. jahre); vil der Schwaben und landsknechten die blibend, wie ich üch säg. 393, 19 (
von 1499).
unterschieden werden reiter und landsknechte: wie nun herr Hans mit seinen reutern und lanzknechten an Bodensee kam.
Zimm. chron. 4, 157, 26; wie man schreib tausend vierhundert jar drei und neunzig der jarzal war, do sach man gar ritterlich fechten für Blekenstede in dem braunschweigischen lande von reuteren und landsknechten. Liliencron 2, 325, 1; gar bald wird unser auch ein hauf von reutern und von lantsknecht guot. Soltau 240 (
von 1519); mit reuter und landsknechten vil. Hildebrand
volksl. 279 (
von 1586).
sie selbst nennen sich mit vorliebe die frommen (
tapfern) landsknechte: Caspar Erlbeck war ein feiner mann, man sah in allezeit forn dran stan wol bei den frommen landsknechten: 'ei lieben geselln, seid wolgemut, gar ritterlich wollen wir fechten!' Liliencron
volksl. 2, 528, 8 (
von 1504); her her her, ir frommen teutschen landsknecht gut! last uns in die schlachtordnung stan. Uhland
volksl. 515; hielt wir uns recht, so wären wir gar frumm landsknecht. 540; wi riepen dat cruice al van den hemel an, wi vrome lantsknechten alle. 547; rüst euch jr frumen lantzknecht guot. Soltau 324 (
von 1529); der kaiser reit im leger umb, er sprach jr lieben lantzknecht frumb, laszt uns gar dapfer streiten. 356 (
von 1546);
auch die freien landsknechte: de uns dit nie letlin sank, ein frier landsknecht is he genant. Uhland
volksl. 538; und der uns dises liedlein sang, ein freier landsknecht ist er genant. 542,
vgl. 559. Soltau 359
u. ö. ihr leben ist ein ungebundenes, herrenmäsziges, ironisch werden sie daher wol auch junker landsknecht
geheiszen: wenn der schmuck wechst und uberhand nimmet und arm und reich ubermachens mit der hoffart in der kleidung, so gehet gemeiniglich land und leut zu boden oder junker landsknecht schmücket sein fetzer damit. Mathes.
Sar. 49
b.
in speise und trank, vergnügung und kleidung schweifen sie aus (
vgl. über die letztere die klage eines alten landsknechts
bei Uhland
volksl. s. 525
ff., no. 192): schau dann ainer, wie ir so erber ains tails geklaidt da her gondt mit auszgeschnitten schuochen und lappeten baretten wie die landsknecht. Schade
sat. und pasqu. 2, 139, 31; also sol es ein ieder landsknecht halten: würfel und karten ist ir geschrei, wo man hat guoten weine sollen sie sitzen bei. Uhland
volksl. 517; und geit er (
der kriegsherr) uns dann kein gelt nit, leit uns nit vil daran, so laufen wir durch die welde, kein hunger stoszt uns nit an: der hner, der gens hab wir so vil, das wasser ausz dem prunnen trinkt der landsknecht wenn er wil. 520.
und so erscheinen sie als landplage: der landsknecht mutstift nichtes gut, mord, raub und brandacht er kein schand, martern und schwerenbraucht er zu ehren, allein um guter krigen thut und ist nichts als der welt rut. Ambr. Lowasser
bei Henneberger 406; weiter weisz ich noch einen orden, der ist auch hoch in betlern worden: das sint die landsknecht die ziehen auf der gart, die plagen auch den baursman hart. die selben biten nicht in demuts gestalt, sondern fodern das mit gewalt. Schade
sat. u. pasqu. 1, 173, 695.
Im 17.
jahrh. veraltet die bezeichnung, wird im heere selbst nicht mehr verwendet und das wort erscheint nur noch in freier bedeutung oder bei dichtern: gott .. machte ihn (
Gideon) zu einem general, und animirte ihn also, dasz, wann er wider seine feinde zu feld zog, riefen seine landsknecht mit groszmütiger stimm: hier schwerd des herrn und Gedeon. Schuppius 259; der obrigkeit weiszheit, der landsknecht sterk. Weckherlin 283; jhr landsleut, jhr landsknecht frisch auf. 522; den flegeln (
bauern) thut es wol ein grobes haberbrodt; was für den landsknecht sol, musz weisz und weize sein. Opitz 1, 104;
eine witzige gegenüberstellung von landsknecht
und landesherr
bei Logau 1, 18, 56,
vergl. unter landesherr
sp. 110. —
In der gekürzten form lanzt (
wie ähnlich das ital. lehnwort lanzichenecco,
das mit der kunde von den söldnern in die sprache drang, wie ins span. lasquenete,
franz. lansquenet,
sich in lanzo
verkürzte, vergl. Diez 1, 243): fromb lanzt und cabelirer unschuld zu retten frei. Hildebrand
volksl. 325 (
von 1607).
Sprichwörtliches und redensarten: dasz diejenigen, so den papst unter das concilium zwingen wöllen, eben gleich thun wie die, so den vatter seinen kindern, das haupt den füszen, den feldherrn seinen landsknechten, und den hirt seinen schaafen wöllen unterwerfen. Fischart
bienk. 44
a; Arsace wirdt krank von einbrünstiger lieb, rfet jhr alt kammerweib umb hülfe an, sie laufet umb wie der landsknecht, wenn er keinen herren hat.
buch d. liebe 209
b; demüthig wie ein gebundner landsknecht. Fr. Müller 3, 204; aller landesknechte mutter ist noch nicht gestorben. es sind nicht alle landsknechte, die lange spiesze tragen. Simrock
sprichw. 328; er flucht, schwört wie ein landsknecht; sie ist ein rechter landsknecht,
von einer allzufreien weibsperson gesagt. Frisch 1, 572
a; ein lantzknecht und ein feistes schwein die sollen alle zeit voll sein. H. Sachs 2, 4, 57
b; aber wan krieg jhm nicht will glücken, wird er zur geistlichkeit sich schicken: dann wie man spricht, ein landsknecht faul gibt noch ein guten klostergaul. Fischart
Jesuiterhütl. B 5
b (
dicht. 2, 257, 601
Kurz).
Seit dem wiederaufleben der altdeutschen studien ist auch das andenken der alten landsknechte, soweit es nicht im sprichwort noch dürftig fortlebte, wieder erneuert worden; man denke zumal an die lieder der deutschen landsknechte
von Hoffmann von Fallersleben. 22) landsknecht,
ein kartenspiel, das in landsknechtkreisen aufgekommen: in der mitte des thales, im schatten einer eiche, saszen fünf männer um einen ausgespannten mantel, den sie als tisch gebrauchten, um ein spiel auf ihm zu spielen, das heute noch den namen landsknecht führt. W. Hauff
werke 6, 10 (
Lichtenstein bd. 3,
cap. 1). 33)
bairisch ist landsknecht
was sonst landknecht,
gerichtsdiener (Schm. 1, 1484
Fromm.);
umgekehrt steht auch für landsknecht
einigemal landknecht,
vgl. sp. 121.