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jagen

mhd. bis spez. · 23 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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31 in 23 Wb.
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

jagen verb.

Bd. 10, Sp. 2213
jagen, verb. venari. AA. Die form. ahd. jagôn, praet. jagôta; mhd. jagen, praet. jagete, jagte und jeite; mnl. nnl. jagen, praet. jaagde und joeg; dasz das wort im niederfränkischen sprachgebiete ein altes, nicht erst später eingedrungenes sei, wird durch altniederfr. jagera fenerator für venator gloss. Lips. 596 bezeugt; für das alts. und ags. ist das wort nicht nachzuweisen; dagegen fries. jagia; altnord. jaga in abweichendem sinne: to move to and fro, e. g. as a door on its hinges, metaphor. to harp on one string, und reflexiv jagast, to altercate, rixari, in dieser bedeutung mit dem subst. jag, a quarrel, squabble rixa; wogegen der begriff jagen nur der isländischen sprache zufällt, vgl. G. Vigfusson 322b, also wol aus dem hochdeutschen eingedrungen ist, wie auch schwed. jaga jagen,n. jage, praet. jog, part. jaget, als deutsche lehnwörter angesehen werden müssen. Bei den formverhältnissen des verbums ist nicht sowol die hinneigung zu einer andern schwachen conjugationsklasse, die sich in einem obermoselschen denkmale zeigt: so sall man lassen die lemmer fur die steige jägen. weisth. 2, 263, hervorzuheben, als vielmehr das erscheinen starker formen, wie im niederländischen und dänischen. für das präsens nur spätere beispiele, norddeutscher schriftsteller: bald jägt das heitre licht die schatten plötzlich fort. Brockes 1, 231; man zieht den hopfen auf, man fischet jetzt, und jägt die schweine hin zur mast. 2, 524 (: legt); verwüstung, die der sturm aus hohem dache jägt (: schlägt). Withof acad. ged. 1 (1782) 258; für das praet. und part. aber gehen die belege bis anfang des 16. jahrh. zurück, betreffen zwar hauptsächlich quellen niederdeutscher heimat, wo das praet. jög für jagte noch heute herscht, aber doch auch oberdeutsche: handt in mit kunklen uszgeschlagen und für den süwtrogk hingejagen. Murner geuchmatt in Scheibles kloster 8, 1105; ich jug sie alle zum hause heraus. Hamann 6, 174; und wenn es stünd in jrm vermügn, auch wol (die priester) zum land hinauszen jügn. B. Ringwald laut. warh. 334; jug die Deutschen vor sich her. Platen 313. die form gagen hat unechtes g für j (s. oben sp. 2186): ir gagt den billich uʒ, der dort gebunden stat. Altswert 187, 29; si liefen, als si der teufel gait mit zogen schwerten zu dem haus. fastn. sp. 464, 5. Zu jagen ist schon von Buttmann (lexil. 1, 219) griech. διώκειν verfolgen gestellt worden, was auch jetzt noch beifall findet (vgl. Curtius 647), wiewol schwerlich mit recht. sicher dagegen erscheint vergleichung mit dem homerischen ἰωκή, ἴωξις in παλίωξις, προΐωξις, ἰωχμός verfolgung, schlachtgetümmel, welches alles etymologisch von διώκειν zu trennen scheint, und dessen zusammenhang, so wie der von jagen, mit sanskr. yâć (auserweitert), heischen, begehren, angehen, bitten, flehen (Grassmann wörterb. zum Rigv. 1107) anzunehmen sein dürfte; lateinisch jacio gehört dazu. BB. Bedeutung. B@II. jagen, intransitiv. B@I@11) es ist alter weidmännischer ausdruck für das kunstgerechte verfolgen des wildes: venabor jakôn Virgilglosse in Haupts zeitschrift 15, s. 9, 321; venabere jagôs s. 66, 955; agitant jagônt 66, 920; du maht beiʒen unde jagen, spilen unde schieʒen. Hartmann 1. büchl. 682; wellen wir uns scheiden, sprach dô Hagene, ê daʒ wir beginnenhie ze jagene? Nib. 873, 2; und solde rîten hiute ich und ander liute jagen ûf diseme walde alhie. Trist. 69, 19; item soll man jagen und hetzen on beschädigung des getreids und der früchte. Sebiz 560; jagstu, so fahstu. Schottel 1123; jagen ist ouch on narrheit nit, vil zit vertribt man on nutz mit. Brant narrensch. 74, 1; zu fronen schickt eüch wenn ich jag. Schwarzenberg 138c; wen guote ärbet schwechen thuot, mag wol mit jagen suochen muot. 138d; da man dir in höflichen sachen soll alle freud und kurzweil machen mit stechen, danzen und mit jagen. H. Sachs 1, 117c; hastu auch lust zu jagen und hetzen, nach jägers lust mit zu ergötzen? und bist du auch desz jagens bricht? J. Ayrer 326a (1630, 14 Keller); die königin jagt in dieser gegend. Schiller Maria Stuart 3, 2; da ging ich jagen durch die wilden gründe des Schächenthals auf menschenleerer spur. Tell 3, 1; und oft, von wenig wache nur begleitet, kommt er hieher, sich jagend zu ergötzen. Shakesp. Heinrich VI, 3, 4, 5; der (kaiser) zog mit hellen haufen einsmals zu jagen aus. Uhland ged. 371; einer jagt auf hasen, auf hirsche; auch nach einem wilde jagen: was hat das schicksal weiter mit mir vor? .. bin ich nur das wild, nach dem es jagt? Klinger 4, 226. In weidmännischer sprache heiszt es in das horn, über die hunde jagen, wenn das jagen mit blasen in das horn und lautem zuruf an die hunde begleitet ist: darauf (wenn der hirsch flieht) jagt der jäger in das horn, und jagt darnach uber die hund, auf dem lauf. Sebiz 566; letzlich zeucht der jäger zuo seim (des hirsches) bruch, da er in verbrochen oder bestättiget, suocht oder jagt ine mit dem leithund auf, hetzt und jagt inns horn, schreiet ju, ju. 568. — Auch der hund jagt, wie der jäger selbst: für einen jagenden hunt einen als guoten und sehs schillinge (busze). Schwabensp. art. 282, 5; das den hunden, wann sie alsdann durch die hursten und das dicke gereiser jagen, die oren voll wassers tropfen. Sebiz 575. B@I@22) in weiterem sinne von der verfolgung eines fliehenden, wie ja dieselbe unter dem bilde einer jagd gefaszt wird (s. oben), und hier vielfach mit dem gegensatze fliehen mehr oder weniger eng verbunden (vgl. dazu unten II, 2): er was der vîende hagel, an jagen ein houbt, an fluht ein zagel. Greg. 1825; dar an si nimmer des verzagent, beidiu si vliehent unde jagent, si entwîchent unde kêrent. Parz. 2, 10; swer verzagt sô daʒ er fliuhet ê man jagt, dês sîme prîse gar ze fruo. 340, 9; de van Colne mogen wail saigen, ich si gevluwen sunder jagen. Gotfr. Hagen, d. städtechron. 12, 137, 4026; ich such und meide, flieh und jag, es schlägt mein herz, mein herz mit seinem schlagen ist ein widerspruch. Rückert ges. ged. 3, 462. vergl. dazu einem nachjagen: am dritten tage wards Laban angesagt, das Jacob flöhe, und er nam seine brüder zu sich und jaget im nach. 1 Mos. 31, 23; es heiszt auch nach einem jagen: alle folgten schnell dem vater, der nach deinen räubern jagt. Göthe 10, 275. B@I@33) daher vorwärts hasten, eilen, wie ein verfolger oder ein verfolgter: properare jagen Dief. 465b; Saul lehnet sich auf seinen spies und die wagen und reuter jagten hinder im her. 2 Sam. 1, 6; jagen dasz die schu entfallen. Schottel 1116b; der hohenflieszische infant jagte aus Italien .. stäubend und keuchend nach Deutschland zurück. J. Paul Tit. 1, 19; den ganzen morgen sieht man das expedierende seminarium hinaus und hinein jagen, holz spalten und wasser tragen. unsichtb. loge 3, 145; als redensart: ihn beinahe mit gewalt in die kutsche packt, und fort mit ihm, jagst du nicht, so gilts nicht, nach Straszburg! Schiller neffe als onkel 3, 4; do hebt sich ein rennen und jagen. fastn. sp. 387, 22; ich musz reiten, ich musz jagen. Weller lieder 197; bemerkst du, wie in weitem schneckenkreise er (der pudel) um uns her und immer näher jagt? Göthe 12, 62; schon reitet Karl von Eichenhorst, und jagt mit ihr durch feld und forst. Bürger 53b. auch in bezug auf ein thun: ich habe von seinem vortrage nicht viel verstanden, er jagte zu sehr; mit dem tempo in einem musikstücke jagen; ferner von dingen gesagt: in einer finstern laube, in welche ein einziger verdorrter zweig das licht des mondes und seiner jagenden wolken einliesz. J. Paul Hesp. 2, 97; was sich ablösen konnte, das nahmen die jagenden winde unaufhaltsam mit sich. Bettine tageb. 117; was hilft mir das, wenn also stark die wind und wellen jagen? Uhland ged. 347; auf die berge will ich steigen, wo die dunkeln tannen ragen, bäche rauschen, vögel singen, und die stolzen wolken jagen. H. Heine 15, 201; jagende augen, die hin und her rollen: was diese verzweifelung, .. dieser grimm in deinen jagenden augen? Klinger theat. 2, 299; grosze, jagende augen. 4, 141. Im niederdeutschen heiszt jagen sowol im schlafe mit offenem munde ausatmen, als, von hunden, träumen, im schlafe knurren oder bellen. Schambach 93a; das erstere namentlich wol von dem lauten atmen eines hastenden hergenommen. B@I@44) vom hastigen oder eifrigen streben nach einem glück oder gut, nach etwas jagen: jage aber nach der gerechtigkeit, der gottseligkeit, dem glauben, der liebe, der gedult, der sanftmut. 1 Tim. 6, 11 (δίωκε δὲ δικαλοσύνην..); nach ruow jagen, aucupari tranquillitates, nach schlächtem lob jagen, aucupari inanem rumorem Maaler 234b; ihre (der menschen) wünsche, ihre mühe und ihr geld jagen rastlos, und wonach? Göthe 18, 128; jeder jagt nach genusz, ruhm. Klinger 6, 36; wer jagt nach lust mit armer laid, sölchs ist von art des teüfels fraid. Schwarzenberg 138d; unbekannt mit handelstücke jagen wir nicht nach gewinn. Gotter 3, lxvii; nimmer, nimmer wollt ich dann noch nach andern freuden jagen. Bürger 5b; die erde dampft erquickenden geruch und ladet mich auf ihren flächen ein nach lebensfreud und groszer that zu jagen. Göthe 9, 61; dich siehet man abtrünnig von den deinen auf der seite des landesfeindes stehen, unsrer noth hohnsprechend nach der leichten freude jagen. Schiller Tell 2, 1; auch auf etwas jagen: so will ich unverwand auch auf mein liebstes jagen. P. Fleming 611. B@I@55) die bildung des umschriebenen praeteritums erfolgt in den bedeutungen, in denen eine handlung vortritt, mit haben, in denen die eine blosze bewegung anzeigen, mit sein; daher bei 1, 2, 4 ich habe gejagt; er hat nach geld und gut gejagt, ohne glück zu erringen; dagegen bei 3: ich bin hieher gejagt, um möglicher weise noch etwas zu retten. B@IIII. jagen, transitiv. B@II@11) ein wild behufs seiner erlegung, weidmännisch verfolgen; es rührt oft dem sinne nach an erjagen theil 3, 861, da verfolgung und erlegung bei kunstmäsziger sicherheit auf einander zu folgen pflegen: Gunther und Hagne,die reken vil balt, lobeten mit untriuwenein pirsen in den walt. mit ir scharpfen gêrensi wolden jagen swîn beren und wisende:waʒ kunde küeners gesîn? Nib. 859; Esau gieng hin aufs feld, das er ein wildbret jaget und heim brechte. 1 Mos. 27, 5; wie man ein rephun jagt auf den bergen. 1 Sam. 26, 20; von der hinden die früe gejagt wird. ps. 22, 1; das gwild treiben oder jagen, mit laufen müd machen, agitare feras Maaler 234a; das wild oder die vierfüszige thier, alz hirz, wild schwein, gämsen und hasen hetzen oder jagen. Sebiz 577; so schreit mein frau, magd und gesell, als ob man die wölf jagen wöll. H. Sachs 1, 479b; o spräng es (mein lieb) wie ein reh dahin, dasz ich es könnte jagen! Uhland ged. 32; es jagt ein jäger früh am tag ein reh durch wälder und auen. 303. weidmännische sprache unterscheidet zwischen jagen und hetzen, vgl. unter hetzen 1, sp. 1272. B@II@22) einen zur flucht treiben, einen fliehenden feindlich verfolgen, was ausdrücklich mit dem jagen eines wildes verglichen wird (vgl. auch oben I, 2): ich wil mein netz über dich auswerfen durch einen groszen haufen volks, die dich sollen in mein garn jagen. Hes. 32, 3; den andern tag rissen sie unversehens aus wie die flüchtige haasen, hinter denen die windhund herstreichen, also dasz ich mir nichts anders einbilden konnte, als dasz sie der Tilly jagte, wiewohl sie nur flohen aus forcht gejagt zu werden. Simpl. 3, 59 Kurz; reht als der füchs und hasen jagt so fluhen si die widervart. Suchenwirt 4, 366; ir solt eur feinde jagen, euer fünf sollen hundert jagen und eur hundert sollen zehen tausent jagen. 3 Mos. 26, 7. 8; die menner Israel jagten die Philister und schlugen sie bis unter Bethlar. 1 Sam. 7, 11; die mich jagen, legen sich nicht schlafen. Hiob 30, 17; ein jglicher jagt den andern, das er in verderbe. Micha 7, 2; erblickte er den hofkaplan von einem katechumen (sowol des schneiderhandwerks als des christenthums) gejagt. vergeblich suchte er und der junge schneider den vorausgehetzten seelenhirten zu erlaufen. J. Paul Hesp. 3, 43; der kan mit wenig jagen ein grosz und mächtig heer. Weller lieder des 30 jähr. kriegs 202; als wir den Mansfelder thäten jagen. Schiller Wallenst. lager, 5. auftr. verbunden ist jagen und fangen, namentlich oft aber fliehen und jagen (vgl. oben I, 2): persequatur inimicus animam meam. et comprehendat eam. sô jageie diabolus mîna sêla. unde gefâhe sîa. Notker bei Hattemer 2, 36b; reiter. wir haben gejagt! wir haben gefangen! .. Elisabeth. habt ihr den Weislingen? Göthe 8, 22; wann ich aber je zulassen wolte, dasz die weiber sie (die flöhe) in ihren bann jagen, fangen und nach waldmanns recht metzeln dörften. Simpl. 1, 268 Kurz; fluhen mit schanden darvon une niemant was do, der sie jaget. d. städtechron. 10, 161, 13; AbiMelech jaget in, das er flohe fur im. richt. 9, 40; der gottlose fleucht und niemand jaget in. spr. Sal. 28, 1; si gerte des der von ir zôch, und was den jagende, der si vlôch. Trist. 487, 2; swer fliuhet ê daʒ man in jaget, entriuwen, der ist niht ein man. Engelh. 3434; (er ist) ein herzeloser zage, swer fliuhet, ê daʒ man in jage. troj. krieg 14493; wir fliehen nit man werd uns denn jagen. fastn. sp. 299, 9; wer selber fleucht, den jagt man leicht. Lehmann bei Lessing 11, 674. B@II@33) mehrfach, hieran anlehnend, in freierem sinne; vom hastigen vorwärtstreiben: der wind jagt die wolken; des thurmes fahne jagt der wind. Schiller Wallensteins tod 5, 3; in bezug auf die stachelnde sorge oder unruhe: einer mag sich vom meier zum heuermann prozessen, sein hofgewehr vertrinken oder verspielen, und noch so sehr gedrückt, geschoren, geplagt und gejagt werden. Möser patr. phant. 2, 65; und die angst beflügelt den eilenden fusz, ihn jagen der sorgen qualen. Schiller bürgschaft v. 100; in bezug auf schnelles hinterdreinfolgen: eine bange vermuthung jagt die andre. Gotter 3, 115; das ist noch nicht alles. ein malheur jagt heut das andere! Schiller kab. u. liebe 1, 6. auch sonst in bildern, die von der bedeutung 1 oder 2 hergenommen sind: die theologi fliehen oftmals für der ehr. allein sie haben nichts liebers, als dasz man sie mit der ehr jage. Schuppius 241; jage nicht was dich flieht, — und klage nicht um was dir gott entzieht. Rückert Hariri 2 (1844) 8; swer minne fliuht, den fliuhet sî, und swer si jaget, dem ist si bî. Freidank 100, 8; jagt das vergnügen, das euch fleucht dem hirsche gleich. Gotter 1, 448. eigenthümlich den kürzern jagen siegen, bei Opitz 3, 316, vgl. die ausgehobene stelle theil 5, 2833. B@II@44) das verbum (in den bedeutungen 1—3) mit näher bestimmenden zusätzen. B@II@4@aa) mit angabe der wirkung: einen müde, einen todt jagen, durch jagen müde, todt machen; sich matt und hungrig jagen, durch jagen matt und hungrig werden; der reiter hat sein pferd zu tode gejagt; weil solchenfalls (bei widrigem winde) kein thier vom jagen hinaus auf den lauft will, sondern sich öfters darinnen ehe wird zu tode jagen lassen. öcon. lex. (1731) 1114. B@II@4@bb) mit örtlichen bestimmungen: der störer, damit man die fisch in hamen jaget. Luther tischr. 330b; schnee, der die vögel in die schlingen jagt. Göthe 43, 198; einen in den harnisch jagen, eigentlich zur anlegung der rüstung treiben, dann in zorn versetzen, vgl. sp. 489; kann man euch hundsfötter so ins bockshorn jagen? Lessing 1, 416; sollte ich einem andern wirthe so einen verdienst muthwillig in den rachen jagen? 512; alles, was man da sieht, musz einem ja die galle ins geblüt jagen. 12, 213; wehe, wehe! mein fluch ihn gejagt in den tod! Schiller räuber 2, 2; bald jagt er (Zeus), lieberhitzt, Cytheren selbst die ungewöhnte röthe der scham ins antlitz. Gotter 1, 62; ich will den sun auf das väld jagen, abigam hunc rus. Maaler 234b; einen vor im anhin jagen oder treiben, prae se agere aliquem. ebenda; ihr habt mir ja immer das liebe gebet über alle häuser hinausgeworfen, habt mir so manche postill und bibelbuch an den kopf gejagt. Schiller räuber 5, 1; die schnellen hund und mäuler traf er (Phöbus) erst, jagt aber bald den mörderischen pfeil auch auf sie selbst. Bürger 142b; einer aus den kindern Joiada hatte sich befreundet mit Saneballat, aber ich jaget in von mir. Neh. 13, 28; so wil ich dich von mir jagen und vor aller wält zu schanden bringen. Wickram rollw. 45, 9 Kurz; von haus und hof jagen, exturbare aliquem domo et e bonis suis. Frisch 1, 482b; ausz dem näst jagen, sedibus excitare. Maaler 234a; mein herr jagte mich zum teufel. Lessing 2, 479; du (wein) hast mich oft von groszem durst erlost und jagst mir alle meine sorge hinwegk. Rosenblüt in den altd. blättern 1, 402; weil dich dein weib aus deinem haus nun jaget mit eim prügel aus. H. Sachs 1, 481a; erschrack er mehr, als wann ihm einer einen degen durch die ribben gejaget hätte. polit. maulaffe 40; entschlossen, dem ersten der sich seinem zimmer und dem kasten genähert hätte, eine kugel durch den leib zu jagen. Göthe 43, 92; der alles beste ohne rechten genusz auf einmal durch die gurgel jagte. J. Paul leb. Fibels 193; du hättest die Oestreicher durch ein knopfloch gejagt. Schiller räuber 1, 2; sieht er nicht gerade so drein, als wollt er den marschall von Sachsen mit einem rührlöffel über den Ganges jagen? 3, 2; durch die spieszruten jagen, castigare militem virgis, pellere per seriem virgis verberantium. Frisch 1, 482b; rastlos durch entlegne sterne jagt er seines traumes bild. Schiller würde der frauen Abram jaget sie bis gegen Hoba. 1 Mos. 14, 15; so jagen wir ihn (den mörder) ohn ermatten, versöhnen kann uns keine reu, ihn fort und fort bis zu den schatten, und geben ihn auch dort nicht frei. Schiller kraniche des Ibykus v. 133. B@II@55) sich jagen, einander jagen, von mehreren, sich jagend umhertreiben, sich verfolgen: was für wunderdinge! sie haben meine seele so empört, dasz sich alles darin durch einander jagt, wie in einem hause, vor welchem sich unvermuthet ein vornehmer gast meldet. Bürger 291b; jagt euch um die leckerbissen! selig wer den frasz verschlingt! Göthe 14, 96.
18012 Zeichen · 303 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    jagenstn.

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +7 Parallelbelege

    jagen stn. 1. das jagen, verfolgen. ellenthafteʒ jagen Parz. 415,3. 2. verfolgen des wildes. lât iwer jagen sîn Nib. 864…

  2. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    jagen

    Mnd. Handwb. (Lübben/Walther) · +2 Parallelbelege

    jagen, sw. v. 1. intr. jagen, eilen. 2. tr. jagen, verfolgen, Jagd machen auf.

  3. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Jagen

    Adelung (1793–1801) · +5 Parallelbelege

    Jagen , verb. reg. (also du jagst, er jagt, Imperf. ich jagte; nicht jägst, jägt, jug,) welches auf doppelte Art gebrauc…

  4. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    jagen

    Goethe-Wörterbuch

    jagen 1.SgPrät apokopiert B1,175,16 13 2 ,287,11 ; auch ia-, Zusammenschr ‘Zobeljagen’ DjG 3 1,390 ; mehrf subst Inf, je…

  5. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Jagen

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Jagen , forsttechnischer Ausdruck für eine Wirtschaftsfigur von der Gestalt eines Quadrats oder Rechteckes. Eingestellte…

  6. modern
    Dialekt
    jagen

    Elsässisches Wb. · +8 Parallelbelege

    jage n [jâkə S. O. bis sü. v. Co. ; jâjə Co. Dü. ; jjə Geisp. K. Z. ; jáùə Str. Han. ; jáwə Lützelstn. Lohr ; jǽjə fort…

  7. Sprichwörter
    Jagen

    Wander (Sprichwörter)

    Jagen 1. Beim Jagen und beim Lieben weiss man wol, wo man anfängt, aber nicht, wohin man kommt (wo man aufhört). 2. De '…

  8. Spezial
    jagen

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +1 Parallelbeleg

    ja|gen vb.tr. 1 (Wild fangen oder erlegen) ciacé (-cia), jí a ciacia 2 (verfolgen) ciacé (-cia ), dé la ciacia 3 (fortja…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit jagen

105 Bildungen · 7 Erstglied · 92 Zweitglied · 6 Ableitungen

jagen‑ als Erstglied (7 von 7)

jagende

KöblerMhd

jagende , (Part. Präs.=)Adj. nhd. jagend Q.: BdN, Herb (1190-1200), HTrist, JTit, Loheng, Mechth, PrWack, Reinfr, UvEtzAlexAnh, UvEtzWh E.: …

jāgenet

MNWB

jage·net

jāgenet , n. , Netz in das die Fische durch Schlagen des Wassers hineingejagt werden; s. noch jāgehāme.

jāgenetten

MNWB

jagen·etten

° jāgenetten , swv. , mit dem jāgenet (s. das vorige) fischen (Riedel I 16, 199).

jagenfeind

DWB

jagen·feind

jagenfeind , m. imperative bildung; als eigenname Nicolutzo Jagenfeindt begegnend Bocc. 2, 177 b .

jagensrundung

DWB

jagen·s·rundung

jagensrundung , f. der hinten im jagen gestellte bogen des zeuges. Jacobsson 2, 303 a .

jagenteufel

DWB

jagen·teufel

jagenteufel , m. , vgl. jagdenteufel sp. 2207; Hans Jagenteufel heiszt der wilde jäger in einer meisznischen sage. Grimm mythol. 883 ; jagen…

jagen als Zweitglied (30 von 92)

hetzjagen

KöblerMhd

*hetzjagen , V. nhd. „hetzend jagen“ E.: s. hetzen (1), jagen W.: nhd. DW-

prīsbejagen?

KöblerMhd

*prīsbejagen? , sw. V. nhd. Ruhm erwerben E.: s. prīs, be, jagen W.: nhd. DW-

zesamenejagen

KöblerMhd

*zesamenejagen , V. nhd. voll pressen Hw.: s. zesamenegejaget E.: s. zesamene, jagen W.: nhd. DW-, nhd. zusammenjagen, V., zusammenjagen

abe jagen

MWB

abe jagen swV. 1 ‘jmdm. etw. durch Verfolgung abnehmen’ 2 Jägerspr. 2.1 (von Jagdhunden) ‘ losjagen’ , 2.2 ‘(ein Wild) aufspüren’    1 ‘jmdm…

abejagen

KöblerMhd

abe·jagen

abejagen , sw. V. nhd. abjagen Hw.: vgl. mnl. afjagen, mnd. afjāgen Q.: Hiob (FB abe jagen), Hadam, PleierMel, SSp (1221-1224) E.: s. abe, j…

abjagen

DWB

abjagen , venando auferre, jagend nehmen. dem fuchse das huhn, dem feinde den raub, dem hunde den knochen abjagen. jagten ihm alle gefangene…

afjāgen

MNWB

afjāgen , swv. , ( c. D. ) abjagen (einen Raub, eine Beute); fortjagen, davonjagen.

ane jagen

MWB

ane jagen swV. ‘antreiben’ nu jage ich mîne hunde / froelîche an mit schalle Hadam 480,1. 449,4. 553,5 MWB 1 249,26; Bearbeiterin: Baumgarte

anejagen

KöblerMhd

ane·jagen

anejagen , sw. V. nhd. antreiben Hw.: vgl. mnl. aenjagen Q.: Hadam (14. Jh.) E.: s. ane jagen (1) W.: nhd. (ält.) anjagen, sw. V., Jagdhunde…

anjagen

DWB

anjagen , feram, canes incitare, was anhetzen. nnl. aanjagen.

aufjagen

DWB

auf·jagen

aufjagen , venando excitare, nnl. opjagen, aufsprengen: mein lieber weidmann, sag mir an, was hast du dem edeln hirsch zu leid gethan? das w…

ausjagen

DWB

aus·jagen

ausjagen , expellere, ejicere, nnl. uitjagen: mhd. daʒ man in ( den siechen ) ûʒ jagete von den andern hin. Barl. 23, 36 . ich wil hornissen…

b(e)jagen

Idiotikon

b(e)jagen Band 3, Spalte 18 b(e)jagen 3,18

bejagen

DWB

beja·gen

bejagen , venando assequi, erjagen, nnl. bejagen, mhd. sagte man auch bebirsen: si bebirsent swaʒ si mugen bejagen. todes gehugde 267 ; dann…

Beyjagen

Adelung

bey·jagen

Das Beyjagen , des -s, plur. ut nom. sing. ein Jagen, oder eine Jagd zu außerordentlicher Zeit, ein Nebenjagen, im Gegensatze des Hauptjagen…

bî jagen

MWB

bî jagen swV. ‘neben jmdm. jagen’ dem jagete dô aller næheste bî / des alten Heimrîches vane Wh 440,10 MWB 1 796,43; Bearbeiter: Tao

bījagen

KöblerMhd

bījagen , sw. V. nhd. hinterherstürmen, nach jemandem jagen Q.: Wh (um 1210) E.: s. bī, jagen W.: nhd. DW- L.: Hennig 37a (bījagen), MWB 1, …

Dahinjagen

Wander

dahin·jagen

Dahinjagen Ich will dich dahinjagen, wo die Kuh einen halben Batzen gilt. – Simplic. II, 101.

darjagen

DWB

dar·jagen

darjagen , dahintreiben, eo abigere, pellere aliquo, fugare, stehe still, ich will dirs darjagen stabis, eo pellam Henisch 654 .

durchjagen

DWB

durch·jagen

durchjagen , schnell durch einen ort sich bewegen, durchreiten, niederl. doorjagen. 1 1. untrennbar. er durchjagte die straszen der stadt, d…

dāvonjagen

KöblerMhd

dāvon·jagen

dāvonjagen , sw. V. nhd. davonjagen Q.: BDan (um 1331) (FB dâvon jagen) E.: s. dāvon, jagen (1) W.: nhd. davonjagen, V., davonjagen, DW2 6, …

einjagen

DWB

ein·jagen

einjagen , subito inferre, nnl. injagen, schw. injaga, dän. indjage: so jage dis gebein dir, der du sterblich bist, ein ernstes schrecken ei…

erjagen

DWB

erjagen , ahd. irjagôn, mhd. erjagen, ereilen. 1 1) venando, currendo nancisci, capere: mhd. dô nam ein alter jägere einen spürhunt, ër brâh…

Feistjagen

Adelung

feist·jagen

Das Feistjagen , des -s, plur. ut nom. sing. bey den Jägern, ein Jagen, oder eine Jagd, welche zur Feistzeit der Hirsche angestellet wird.

fortjagen

DWB

fort·jagen

fortjagen , nnl. voortjagen, 1 1) pergere venari. 2 2) abigere foras, ejicere, schw. bortjaga, it. scacciare: einen bedienten wegen seines …

Gasse(n)jagen

Idiotikon

Gasse(n)jagen Band 3, Spalte 17 Gasse(n)jagen 3,17

gejagen

Lexer

ge-jagen swv. BMZ jagen, treiben Iw. Trist. ;

Genießjagen

Adelung

geniess·jagen

Das Genießjagen , des -s, plur. inus. im Jagdwesen, das erste Jagen, oder die erste Jagd im Jahre, welche zur Zeit der Hirschfeiste oder Sch…

Ableitungen von jagen (6 von 6)

bejagen

DWB

bejagen , venando assequi, erjagen, nnl. bejagen, mhd. sagte man auch bebirsen: si bebirsent swaʒ si mugen bejagen. todes gehugde 267 ; dann…

entjagen

DWB

entjagen , equo avolare, davonjagen, nnl. ontjagen.

erjagen

DWB

erjagen , ahd. irjagôn, mhd. erjagen, ereilen. 1 1) venando, currendo nancisci, capere: mhd. dô nam ein alter jägere einen spürhunt, ër brâh…

gejagen

Lexer

ge-jagen swv. BMZ jagen, treiben Iw. Trist. ;

verjagen

DWB

verjagen , substantivischer infinitiv des vorigen, in activer bedeutung, das wegtreiben, dann auch passivisch, die austreibung: und ist leic…

zerjagen

DWB

zerjagen , verb. , auseinander jagen, zerstreuen: zerjagent die tierlin, die under dem baum sint Haupts zs. 7, 153; das die fürsten zu Niniv…

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „jagen". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 18. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/jagen/dwb
MLA
Cotta, Marcel. „jagen". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/jagen/dwb. Abgerufen 18. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „jagen". lautwandel.de. Zugegriffen 18. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/jagen/dwb.
BibTeX
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