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gicht

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

gicht f.

Bd. 7, Sp. 7287
gicht, f. , ein wort der hütten- und bergmannssprache, das erst seit dem 17. jh. belegt ist. die herleitung ist noch ungeklärt. der deutung von gicht als nd. form für hd. gift, germ. *gifti als 'gabe, was eingegeben wird' Heyne dt. wb. 1, 1181 (so auch schon Frisch teutsch-lat. [1741] 1, 347c) steht das gleichbedeutende jucht, s. teil 4, 2, 2346 entgegen, s. dazu auch Lessiak zs. f. dt. alt. 53, 102; 168. der plur. lautet regelmäszig gichten. entlehnung hat stattgefunden insn. gigt, poln. gichta, tschech. kychta. 11) gicht 'soviel auf einmal an kohlen oder eisenstein aufgegeben oder in den hochofen geschüttet wird' bergmännisches wb. (1778) 226; durch die öffnung des hochofenkranzes wird alle zwei stunden eine abgewogene o. abgemessene menge (gicht) von erz und kohlen ... in den ofen gestürzt Mitscherlich lehrbuch d. chemie (1831) 2, 2, 67; häufig im plural: und gehen in einen hohen ofen wohl 8-9 gichten, auf eine gicht werden gemeinlich 1¾ oder 2 kübel kohlen gerechnet Herttwig bergbuch (1710) 185a; kohle und erz ... werden getrennt in abwechselnden portionen, gichten, aufgegeben ... bei kleineren holzkohlenöfen ... werden ... gichten von 20-30 kub. fusz ... angewandt Karmarsch-Heeren3 1, 577; Muspratt chemie (1905) 8, 855; Unger-Khull steir. 291b. in fester verbaler verbindung: man sagt daher beim hochofenbetrieb: die gicht ist eingegangen, die gichten stocken oder hängen, die gichten ziehen Blumhof eisenhüttenkunde (1817) 2, 446; besonders gichten laufen: aufgeber ist eine person, so bey dem hohen ofen das aufgeben verrichtet oder die gichten läuft Chr. Herttwig bergbuch (1734) 33a; gichten lauffen 'heist auf bergwerken, bey dem hohen ofen kohlen und eisenstein hineinschütten' Chomel öcon.-phys. lex. 4, 1078; vgl. noch: eine gicht machen oder aufgeben 'den hochofen mit kokks, eisenstein, kalk u. s. f. nachfüllen' P. Gerhard wb. d. Siegerländer bergmannsspr. (1922) 87; die gichten setzen 'die bestimmten portionen von erzen und kohlen in den schmelzofen schütten' Scheuchenstuel 224; Lueger lex. 2, 278. mit bestimmten adj. versehen: stille gichten 'heiszen die ersten erzgichten nach dem füllen eines hochofens, welche ohne gebläse eingehen', leere 'die ersten kohlengichten ohne ersatz' Blumhof eisenhüttenkde (1817) 2, 446; rhein. wb. 2, 1214 (Eifel); leichte gichten 'die viel kohle enthalten', scharfe oder schwere gichten 'die viel erz enthalten' Hoyer-Kreuter techn. wb. 1, 297; lichte und dunkle gicht: 'man nennt diesz das schmelzen mit lichter gicht (wenn aus dem schmelzofen an der gicht eine flamme heraustritt), dort wo an der gicht keine flamme erscheint, das schmelzen mit dunkler gicht' Scheuchenstuel öst. berg- u. hüttensprache (1856) 103. vereinzelt und secundär abstract für die beschickung selbst, das aufgeben: welches aufgeben (von kohlen) man dann insbesondere eine gicht zu nennen gewohnt ist Cancrinus bergwerke (1767) 50; die quantität ... imgleichen das jedesmalige aufgeben frischer kohlen und eisensteins wird eine gicht oder schicht genannt Krünitz öcon. encycl. 10, 600. 22) ein bestimmtes masz, gefäsz: gicht 'ist ein gewisz masz, darinnen der eisenstein und kohlen auf den hohen ofen auffgegeben werden' A. v. Schönberg ausführl. berginformation (1693) 2, 122; gicht 'ein hölzernes oder geflochtenes masz, welches soviel hält, als auf einmal in den hohenofen geschüttet werden musz' bergm. wb. (Chemnitz 1778) 226. vgl. gichtzain 'ein früher als kohlenmasz dienender geflochtener korb' Gerhard wb. d. Siegerländer bergmannsspr. 87. 33) der den oberen abschlusz bildende teil des hochofens: a) öffnung und ofenmündung: gicht ist die mündung des hohen ofens, worin der eisenstein und kohlen geschüttet ... werden G. v. Lichtenstein entdeckte geheimnisse (1778) 189; (dann wird der hochofen) von unten bis oben hinaus ... mit blossen, halb harten und halb weichen ... kohlen gefüllt, und oben in der gicht angezündet Hoyer wb. d. artillerie (1804) 1, 251; die weite der gicht bei eisenöfen ist sehr verschieden Hartmann wb. d. mineral. (1825) 302; die gicht des ofens ist mit einer platte ... abgedeckt Muspratt chemie 4, 1635. — b) das innere des hochofens: der stein und die kohlen werden in die gicht gebracht, dieses heiszt die innere conische höhlung des hohen ofens J. B. v. Rohr Oberharz (1739) 545; raum im hochofen Müller-Fraureuth 1, 419. — c) alles, was an der ofenmündung drum und dran ist: gicht 'der platz, wo aufm hohen ofen der gepochte eisenstein hingestürzt wird' Herttwig bergbuch (1710) 185a; gicht ... 'der obere rand eines hochofens' C. Mothes ill. baulex. (1882) 2, 454; gicht 'eisernes plateau um den obersten teil des hochofens' P. Gerhard wb. d. Siegerländer bergmannsspr. 87; vgl. der ebene gang auf den hohenöfen ... heiszt ebenfalls die gicht Krünitz 10, 600. 'im hüttenbaue der gang, welcher auf den hohen ofen führt' Hübner zeitungslex. (1825) 2, 56a. 44) zusammensetzungen mit gicht treten zahlreich seit der mitte des 18. jh. auf, seltener mit dem plur. gichten (Lampadius hüttenkunde [1817] 86 ff.). sie beziehen sich entweder auf gicht 1 wie gichtengang, gichtgas, -sand, -schwamm, -seite u. a., bezeichnen geräte und einrichtungen, die zu deren bearbeitung dienen wie gichtaufzug (Karmarsch-Heeren techn. wb. 6, 330), -keule, -masz u. ähnlich; die meisten hat gicht 3 entwickelt, zumeist benennungen ihrer teile wie gichtbrücke, -bühne, -haus, -mantel, -zacken u. s. w. ihre anwendung beschränkt sich auf den berg- und hüttentechnischen kreis. die belege sieh an alphabetischer stelle.
5579 Zeichen · 143 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    gichtstfn.

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer)

    gicht stfn. s. gift, giht.

  2. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    gichtAdv.

    Köbler Mnd. Wörterbuch · +10 Parallelbelege

    gicht , Adv. nhd. irgendetwas, irgendwie, etwa, etwas Hw.: s. icht (1) E.: s. icht (1) L.: MndHwb 1/2, 109 (gicht), MndH…

  3. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    1. Gicht

    Adelung (1793–1801) · +9 Parallelbelege

    1. Die Gicht , plur. die -en, ein im Hochdeutschen veraltetes Wort von dem veralteten gihan, gehan, bekennen, gestehen, …

  4. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Gicht

    Goethe-Wörterbuch

    Gicht Arthritis, mit symptomat Befall der Extremitäten (speziell auch der Großzehe: Podagra) [ üb den Naturdichter AFürn…

  5. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Gicht

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +3 Parallelbelege

    Gicht (Arthritis) , allgem. Krankheit des Körpers, entstanden aus einer Dyskrasie der Säfte, zeigt sich besonders in ein…

  6. modern
    Dialekt
    GichtPl.

    Mecklenburgisches Wb. · +6 Parallelbelege

    Gicht Pl. -en f. Gicht, s. Jicht .

  7. Sprichwörter
    Gicht

    Wander (Sprichwörter)

    Gicht 1. Die Gicht ist mehr denn alles nicht. – Henisch, 1615, 13; Petri, II, 130. Das Wesen der Gicht besteht in Anhäuf…

  8. Spezial
    Gicht

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Gicht f. (-) ‹med› me ales lisöres m. , gota (gotes) f.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit gicht

378 Bildungen · 240 Erstglied · 127 Zweitglied · 11 Ableitungen

gicht‑ als Erstglied (30 von 240)

Gicht I

Idiotikon

Gicht I Band 2, Spalte 109 Gicht I 2,109

Gicht II

Idiotikon

Gicht II Band 2, Spalte 112 Gicht II 2,112

Gicht III

Idiotikon

Gicht III Band 2, Spalte 112 Gicht III 2,112

Gicht IV

Idiotikon

Gicht IV Band 2, Spalte 112 Gicht IV 2,112

Gicht V

Idiotikon

Gicht V Band 2, Spalte 113 Gicht V 2,113

Gichtring

SHW

Gicht-ring Band 2, Spalte 1351-1352

Gichtrose

SHW

Gicht-rose Band 2, Spalte 1351-1352

Gichtrübe

SHW

Gicht-rübe Band 2, Spalte 1351-1352

Gichtzettel

SHW

Gicht-zettel Band 2, Spalte 1351-1352

gichtader

DWB

gicht·ader

gichtader , f. , die angeschwollene daumenvene, vena salvatella ( Hovorka-Kronfeld vgl. volksmedizin 2, 274 ) oder die am fusz sich hinziehe…

gichtanfall

DWB

gicht·anfall

gichtanfall , m. , plötzliches erkranken an der gicht ( arthritis urica ), häufig periodisch: ich war indesz so krank an gichtanfällen, dasz…

gichtart

DWB

gich·tart

gichtart , f. : demnach hat der medicus auf die gichtart und die ursachen wohl zu sehen J. Schreyer milchcur (1694) 90 . —

gichtartig

DWB

gicht·artig

gichtartig , adj. : so müssen wir billig vor allen andern zuerst die auferbung solcher gichtartigen regungen überhaupt angeben Mich. Alberti…

Gichtaufzug

Meyers

gicht·aufzug

Gichtaufzug , Vorrichtung zum Emporschaffen von Schmelzmaterialien von der Hüttensohle bis zur Ofenmündung (Gicht). Man benutzt Handaufzüge …

gichtausbruch

DWB

gicht·ausbruch

gichtausbruch , m. : Waldstein selbst war in diesem sommer von leidlicher körperlicher beschaffenheit. die gichtausbrüche schwiegen H. Laube…

gichtbäumchen

DWB

gicht·baeumchen

gichtbäumchen , n. , ribes nigrum Pritzel-Jessen volksn. 335 ( Thüringen ); einzeln stehende mehl- oder stachelbeersträucher, von denen man …

gichtbäumlein

DWB

gicht·baeumlein

gichtbäumlein , n. : diese ( wilde Johannisbeeren ) aber ( sind ) schwartz und werden sonst gichtbäumlein genennet Chr. Lehmann hist. schaup…

gichtbalsam

DWB

gicht·balsam

gichtbalsam , m. , balsamus antiparalyticus Marperger kaufmanns-magazin (1708) 127 .

gichtbaum

DWB

gicht·baum

gichtbaum , m. , verschiedenen gattungen angehörende heilpflanze gegen gicht. der volksglauben schreibt denen besondere kraft zu, die am Joh…

gichtbeere

DWB

gicht·beere

gichtbeere , f. , ribes nigrum gichtbeere J. Wigand vera histor. de succ. (1590) 87 a ( für Ostpreuszen ); gichtbeere nennen einige die schw…

gicht als Zweitglied (30 von 127)

eggicht

KöblerMnd

*eggicht , Adj. nhd. spitzig, scharf, eckig, kantig Vw.: s. ses- Hw.: s. eggich E.: s. egge (1), icht (3)

bergicht

DWB

berg·icht

bergicht , montuosus: dem im bergichten acker die saat der kiesel erdrücket. Klopst. Mess. 15, 595 .

Bocksgicht

Wander

bocks·gicht

Bocksgicht Do könnt me scho d' Bocksgichter kriege. ( Schwaben. ) In dem Sinne: Man könnte aus der Haut fahren. Bocksgichter kriegen heisst …

bälgicht

BWB

bälgicht Band 1, Spalte 1,950f.

Bīse(n)gicht

Idiotikon

Bīse(n)gicht Band 2, Spalte 112 Bīse(n)gicht 2,112

darmgicht

DWB

darm·gicht

darmgicht , f. u. n. darmgegicht , n. ileus, coli dolor, andere ausdrücke sind darmgrimmen. darmstrenge, darmsucht, darmweh, darmwinde. item…

Ableitungen von gicht (11 von 11)

begichten

MNWB

begichten , swv. , bekennen, zugestehen.

gegicht

DWB

gegicht , n. coll. zu gicht, mhd. giht, gegihte: der âdern gegiht, artetica. Megenb. 409, 33 ; gycht oder gegichte, paralisis. voc. 1482 k 8…

Gichte

ElsWB

Gichte , Gicht [Kítə Obbruck ; Kiχt Bf. ; Pl. Kîtər Banzenh. ; Kiatər Pfast. Su. ; Kièχtər Illk. Hf. ; Kieχtər M. ; Kéχtər Horbg. Rchw. M…

ungicht

KöblerMnd

ungicht , F. nhd. gesetzwidrige Beschaffenheit, der Vorschrift nicht entsprechende Qualität E.: s. un... (1), gicht (3) L.: MndHwb 3, 2, ung…

ungichte

MNWB

ungichte , f. : minderwertige, der Vorschrift nicht entsprechende Qualität, „ disse broyke id si van der lichte efte van vnghichte [der voyd…

Ungichtung

Idiotikon

Ungichtung Band 2, Spalte 112 Ungichtung 2,112

urgicht

DWB

urgicht , f. ( n. Staub-Tobler 2, 109 ) zu ahd. irgehan, mhd. erjehen (ur- A 1). mhd. urgiht; mnd. orgicht. vgl. gicht bekenntnis, mhd. ergi…

urgichten

DWB

urgichten , v. , der u. ( s. d. c) unterwerfen: so der gefangen auf gnuogsam indicia ... gefragt und geurgicht worden, ist not, das er darin…

urgichtlich

DWB

urgichtlich , adj. , in der u. ausgesagt Fischer 6, 296 .

vergicht

DWB

vergicht , n. gicht, zusammensetzung mit dem einfachen gicht, dessen bedeutung auch der zusammensetzung verbleibt, mhd. vergihte f. und verg…

Vergichten

Campe

≠ Vergichten , v. intrs . u. trs . aussagen, gestehen. D. Vergichten. D. — ung .

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APA
Cotta, M. (2026). „gicht". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 15. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/gicht/dwb
MLA
Cotta, Marcel. „gicht". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/gicht/dwb. Abgerufen 15. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „gicht". lautwandel.de. Zugegriffen 15. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/gicht/dwb.
BibTeX
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